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Ahrensburger Missbrauchsskandal

Der Missbrauchsskandal der evangelischen Kirche in Ahrensburg im Kreis Stormarn ist einer der größten Missbrauchsskandale in der evangelischen Kirche in …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Missbrauch und Umgang der Kirche
  3. 3. Aufarbeitung und Folgen
  4. 4. Vorwürfe und Ermittlungen

Überblick

Der Missbrauchsskandal der evangelischen Kirche in Ahrensburg im Kreis Stormarn wurde 2010 bekannt. Er gilt als einer der größten Missbrauchsskandale in der evangelischen Kirche in Deutschland. Die Folgen betrafen Betroffene, Verantwortliche in der Kirche und den Umgang der Nordkirche mit sexualisierter Gewalt.

Missbrauch und Umgang der Kirche

Stephan Kohn, seine Freundin und drei seiner Brüder wurden in den 1970er- und 1980er-Jahren von Kohns Stiefvater, dem lutherischen Pfarrer Gert-Dietrich Kohl, sexuell missbraucht. Im Dezember 1985 informierten sie einen anderen Pastor.

1990 entschied der Kirchenvorstand, Kohl weiterzubeschäftigen. Nachdem die zuständige Pröpstin Heide Emse 1999 informiert worden war, versetzte das Kirchenamt Kohl als Seelsorger in ein Jugendgefängnis. Als Betroffene 2010 an die Öffentlichkeit gingen, waren die Taten bereits verjährt. Kohl blieb deshalb straffrei. Er beantragte 2010 seine Entlassung und konnte danach auch nicht mehr disziplinarrechtlich belangt werden; außerdem veröffentlichte er ein Entschuldigungsschreiben.

Stephan Kohn ließ die Geschichte 2010 durch das Nachrichtenmagazin Der Spiegel veröffentlichen.

Aufarbeitung und Folgen

Die Ahrensburger Opfer gründeten nach 2010 eine Betroffeneninitiative. Bischöfin Kirsten Fehrs veranlasste eine unabhängige Studie der Nordkirche. Der fast 500 Seiten umfassende Untersuchungsbericht von 2014 kam zu dem Ergebnis, dass der Skandal um Kohns Stiefvater und dessen Co-Pfarrer kein Einzelfall gewesen sei und weitere Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld über Jahre vertuscht worden seien.

Als Folge verabschiedete die Landessynode der Nordkirche 2018 in Travemünde das erste Kirchengesetz zur Prävention und Intervention gegen sexualisierte Gewalt. Prävention bedeutet Vorbeugung, Intervention das Eingreifen bei Fällen sexualisierter Gewalt. Bischöfin Maria Jepsen trat wegen dieses Skandals zurück. Eine pauschale Entschädigung der Opfer lehnte die Nordkirche ab.

Vorwürfe und Ermittlungen

Auch gegen Kohls Kollegen Pastor Friedrich Hasselmann und gegen Altbischof Karl Ludwig Kohlwage, den damaligen Propst in Stormarn, wurden Vorwürfe erhoben: Beide sollen frühzeitig informiert gewesen sein.

Die Lübecker Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Maria Jepsen und drei weitere Personen wegen Strafvereitelung. Die Ermittlungen wurden 2012 eingestellt, weil Strafvereitelung nicht nachgewiesen werden konnte.

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