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Ökolopoly
Es simuliert die Zusammenhänge zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt in einem Ballungsraum; die Spieler agieren als Entscheidungsträger in Politik und …
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Grundidee und Bedeutung
Ökolopoly, Ein kybernetisches Umweltspiel, ist ein Planspiel des Kybernetikers und Umweltforschers Frederic Vester. Es simuliert die Zusammenhänge zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt in einem Ballungsraum. Die Spieler übernehmen die Rolle von Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft und versuchen, das Gesamtsystem trotz vielfältiger Wechselwirkungen zu steuern.
Das Spiel basiert auf der Kybernetik und dem vernetzten Denken sowie unter anderem auf Vesters Prinzip des Papiercomputers. Die einzelnen Bereiche beeinflussen einander nicht-linear. Deshalb müssen die Spieler mit exponentiellem Wachstum, Rückkopplungen mit zeitlicher Verzögerung, der begrenzten Tragfähigkeit von Systemen, überschießenden Faktoren und möglichen Zusammenbrüchen umgehen. Der zentrale Lerneffekt besteht darin, nicht nur unmittelbare Folgen einer Entscheidung zu betrachten, sondern auch deren Rückwirkungen auf andere Lebensbereiche.
Vester entwarf Ökolopoly 1980. Zunächst erschien es als auszufaltende Beilage der Zeitschrift Natur. Für Vesters internationale Wanderausstellung Unsere Welt, ein vernetztes System entstand ein großes spielbares Exponat. Auf der Münchner Internationalen Gartenbauausstellung 1983 wurde es erstmals als Brettspiel im von Vester gestalteten Infopavillon des Bayerischen Umweltministeriums angeboten. 1984 legte Ravensburger das Spiel für den allgemeinen Markt auf. Später wurde eine Computerspiel-Version weiterentwickelt, die unter dem Titel ecopolicy als CD-ROM für alle Windows-Systeme erschien.
Spielmaterial und Ausgangssituation
Ökolopoly ist ein Brettspiel für 1 bis 6 Spieler, dauert ungefähr 90 Minuten und ist für Personen ab 14 Jahren vorgesehen. Als Autor und Entwickler wird Frederic Vester genannt; der Verlag ist Ravensburger, die Erscheinungsjahre sind 1980 und 1984.
Der Spielplan enthält neun verstellbare Räder mit den Bezeichnungen „Aktionspunkte“, „Sanierung“, „Produktion“, „Umweltbelastung“, „Aufklärung“, „Lebensqualität“, „Vermehrungsrate“, „Bevölkerung“ und „Politik“. Eine Seite zeigt das Phantasieland „Kybernetien“; in einigen Ausgaben befindet sich auf der Rückseite das Phantasieland „Kyborien“.
Zum Material gehören außerdem ein Rundenzähler, Ereigniskarten, ein Block mit Protokollblättern, eine Spielanleitung und ein Informationsheft mit Hintergrundinformationen. In der frühen Zeitschriftenversion wurden Einflussfaktoren mit Markersteinen auf Tabellen festgehalten. Die ausgearbeitete Version verwendet dagegen ein „Drehscheiben-Brettspiel“ mit verstellbaren Zahlenrädern.
Ablauf und Entscheidungsmechanismus
Die Spieler bilden gemeinsam die Regierung eines Landes. Sie können entweder den Industriestaat „Kybernetien“ oder das Nomadenvolk und Entwicklungsland „Kyborien“ regieren. „Kybernetien“ ist einfacher zu gewinnen als „Kyborien“. Ökolopoly kann allein oder mit mehreren Personen gespielt werden. Bei mehreren Spielern müssen sie sich beraten und gemeinsam entscheiden; eine Variante, in der mehrere Spieler gegeneinander antreten, gibt es nicht.
Das Spielbrett besteht aus einer Reihe endlicher Automaten. Damit sind hier verstellbare Spielelemente gemeint, die über Wirkungen und Regelkreise miteinander verbunden sind. Zu Beginn steht eine vorgegebene Zahl von Aktionspunkten zur Verfügung. Diese Punkte werden auf „Produktion“, „Lebensqualität“, „Sanierung“ und „Aufklärung“ verteilt. Für jeden eingesetzten Punkt wird das entsprechende Rad um einen Schritt gedreht. Den Erfolg der Entscheidungen und Investitionen zeigt der Bereich „Politik“.
Die Lebensbereiche sind durch Pfeile miteinander verknüpft. Nach dem Drehen eines Rades erscheint in einem Feld eine Zahl mit einem Rechenoperator. Dieses Feld verweist auf ein anderes Rad. Dort muss der Spieler die angegebene Zahl von Schritten in die eine oder andere Richtung drehen. Ein Beispiel aus dem Spiel ist die Verbindung zwischen „Produktion“ und „Umweltbelastung“: Mehr Produktion führt zu einer höheren Umweltbelastung.
Die Spieler sollen die gesamte Wirkungskette aktiv verfolgen. Am Ende einer Kette füllen sich die Aktionspunkte wieder; dadurch wird der Regelkreis geschlossen. Je besser die Spieler das System beherrschen, desto mehr Aktionspunkte dürfen sie in der folgenden Runde verteilen. Gleichzeitig steigt ihre Bewertung im Bereich „Politik“. Die einzelnen Veränderungen können auf einem Protokollblatt notiert und später ausgewertet werden.
Wirkungen und nicht vollständig ausgeführte Regelübersicht
Die Wirkungen der Automaten aufeinander bilden den Kern des Spiels: Entscheidungen in einem Lebensbereich verändern andere Bereiche und können über Rückkopplungen wieder auf den Ausgangsbereich oder auf die verfügbaren Aktionspunkte zurückwirken. Für die Variante „Kybernetien“ sowie für die Rückwirkung der Automaten auf die verteilbaren Aktionspunkte der nächsten Runde enthält der vorliegende Artikel jeweils Aufzählungen, deren konkrete Einzelpunkte im Text jedoch nicht ausformuliert sind. Als ausdrücklich genanntes Wirkungsbeispiel bleibt die Folge erhalten, dass mehr „Produktion“ eine höhere „Umweltbelastung“ verursacht.
Varianten und Wettbewerbe
In einer Spielvariante werden der Rundenzähler und Ereigniskarten eingesetzt. In jeder Runde wird an einem besonderen Rad gedreht. Erscheint in einem Fenster ein Blitzsymbol, muss eine Ereigniskarte gezogen werden. Diese Karten wirken von außen positiv oder negativ auf einzelne Bereiche. Eine genannte positive Wirkung ist, dass wegen erhöhter Kompostierung die Umweltbelastung um zwei Schritte zurückgedreht werden muss. In „Kyborien“ enthält der Rundenzähler zusätzlich ein Entwicklungsprogramm: einen Aktionspunktekredit, der in späteren Runden zurückgezahlt werden muss.
Die Spielanleitung beschreibt außerdem eine Extremvariante. Dabei können die Räder an ihren „Stop“-Stellungen um nummerierte Felder erweitert werden. In diesen Stellungen zeigen die Fenster zunächst keine Nummern; die Nummern können von Hand eingetragen werden.
Von 2009 bis 2012 fanden an deutschen Schulen mit der multimedialen Computerversion ecopolicy Wettbewerbe unter dem Namen Ecopolicyaden statt. Teams traten auf verschiedenen Ebenen bis zu einem Bundeswettbewerb gegeneinander an und zeigten ihr kybernetisches Denken. Über 175.000 Schüler und ihre Lehrer nahmen teil. Sie erprobten das Zusammenwirken komplexer Einflüsse bei begrenzten Möglichkeiten zur Steuerung. Malik Management Zentrum St. Gallen AG, das alle Rechte an Vesters Werken übernommen hat, fördert den internationalen Einsatz des Spiels. Projekte wurden in Polen, Österreich, Australien, Vietnam und weiterhin in Deutschland durchgeführt. In Vietnam wurden 2013 weit über 50.000 Jugendliche erreicht.