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Panofsky Lecture//Michele Bacci: Bilder „alla greca“ & die Wahrnehmung zeitlich‑räumlicher Alterität

Zentralinstitut für Kunstgeschichte1:08:49 153 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. Es ist ein besonderer Abend in unserem Programm, die diesjährige Panowski Lecture mit Mikele Bci von der Universität Frieboor.
  2. Die Kunstlitteratur seitwasari und dann die frühe wissenschaftliche Kunstgeschichte war zunächst einmal damit beschäftigt, die Werke der Kunst
  3. chronologisch zu ordnen, nach Epochen, nach Geographien, nach Künstlern zu sortieren. Um 1900 entstand daraus ein Streit
  4. darüber, wann eigentlich genau die Gothik endet und die Renaissance anfängt. Also ein Streit über die zuvor einigermaßen selbstverständliche
  5. Epochenunterteilung. August Schmars so etwa, der bereits um 1900 ein Protagonist dieser Auseinandersetzung war, publizierte 1921
  6. ein Büchleim zum Thema der Gothik in der Renaissance, also über gotische Formprinzipien, die in der Frühenaissance fortwelten.
  7. Es ist dann einmal mehr Erwin Panowski, der Namensgeber unserer Gastprofessur am Zentralinstitut, der den entscheidenden nächsten, den
  8. dritten Schritt in dieser Kunst in diesen kunsthistorischen Zeitdiskussionen mit angestoßen hat, nämlich nicht nur die wissenschaftliche
  9. Epochenuntergliederung zu hinterfragen und auszudifferenzieren, sondern zudem nach der historischen Sicht der Künstler und ihrer
  10. Zeitgenossen selbst auf Zeiten und Stiele zu fragen. In einem Aufsatz von 1930, das erste Blatt aus dem Libro Giorgio
  11. Vasaris, eine Studie über die Beurteilung der Gothik in der italienischen Renaissäß, untersucht Panowski wie eben Wasari, aber etwa auch
  12. die Architekten des 16. Jahrhundert in San Petronio in Bologna weiterbauen mussten, wie Vasari und diese Architekten versuchten auf historische
  13. Stile einzugehen. Und in Panowskis großem Buch über die frühe niederländische Malerei von 1953 erkennt er dann unter anderem, dass die
  14. Robert Camps, die Jan van Eik und Co. schon bewusst mit Stielen verschiedener Zeit mit bewusst mit Stielen verschiedene Zeit und Heilsepochen
  15. dargestellt hatten. Das 2010 großes Aussehen erregende Buch von Alexander Nagel und Christopher Wood zu anronic Renaissance versucht dann
  16. solche Ansätze in zwei Konzepte von Zeitvorstellungen und künstlerischem Selbstverständnis zu systematisieren. Vor diesem Hintergrund, ohne den Inhalt
  17. zu kennen, aber vor diesem Hintergrund würde ich vermuten, ist der Vortrag von Mikele Batschi heute Abend zu verstehen, nämlich zu Bilder aller Greka und die
  18. Wahrnehmung zeitlich räumlicher Altarität. BI wurde 1999 an der Schol normale Superiore in Pisa promoviert. War dann
  19. zunächst Professor in Siena um 2011 auf einen Lehrstuhl nach Fribur zu wechseln. Seine intellektuelle Wanderschaft hat mit mittelalterlichen Bildkonzepten und
  20. Künstlervorstellungen begonnen. Sein erstes Buch, Il Pennello dell'artista dell'evangelista Storia delle delle Imagini Sakre
  21. attribuite a San Luca von 1998 ergänzt in meiner Wahrnehmung entscheiden die Arbeiten von Belting und Gerhard Wolf, die sozusagen die Seite
  22. der Ikone betonen, während BI eben die Seite des Produzenten untersucht oder die also Produzent im Sinne auch des Mythos vom Produzenten.
  23. untersucht. Status und Verehrungsformen des Bilders sind dann weiterhin ein zentrales Thema seiner Arbeiten.
  24. Dazu kommt aber immer stärker ein Interesse für räumliche und lokale Situierungen und für die Bedeutung und Macht des Ortes.
  25. Das gilt für die Frage von diese und jenseits. Das gilt aber insbesondere auch für die Topografien des Heiligen Landes. 19 hat BI et war ein Buch zu The
  26. Mystic Cave History of the Nativity Church in Bethlehem publiziert und derzeit arbeitet er mit einem großen Team mit aus deutscher Sicht ganz
  27. unvorstellbar großem Team an einem vom Schweizerischen Nationalfond geförderten Advanced Grand Project zu Holy Networks, also den heiligen Städten von Juden,
  28. Christen und Muslimen ihrer visuellen Markierung und Verehrung im heiligen Land. vom Spätmittelalter bis heute. Im Prinzip
  29. Mikele Bci ist Mitglieder der Akademia Europäer und hat 2017 den Hanno und Wilzehn Preis der Bibliotheker Herzana in Rom bekommen.
  30. Danke dir sehr lieber Mikele, dass wir dich als Panowski Professor für 2026 gewinnen konnten. Ich danke vor allem auch den Freundesverein des
  31. Zentralinstituts für Kunstgeschichte der Konjunkta Floresa, für die Unterstützung, die es uns eben ermöglicht, seit 2016 jedes Jahr ein
  32. eine Panowski Professur und ein Panowski Fellowship am Zi zu haben, die da vielleicht angesichts dieses ersten Jahrzehns ganz kurz in Erinnerung rufen,
  33. dass wir bislang Kolleginnen und Kollegen aus der Schweiz, aus Rumänien, Frankreich, die Niederl landen UK, Kanada, den USA und Italien und CDI
  34. begrüßen konnten und dass ich einen entscheidenden Sinn von Kunstgeschichte insgesamt und des Zentralinstituts im Besonderen eben darin sehe, einen
  35. solchen internationalen Austausch zu ermöglichen. Als Panowski Fellow in diesem Jahr äh ist Dr.
  36. Vasil Och bei uns, die zum Thema der Majestas Domini von der Romanik bis ins 15. Jahrhundert und zwar vor allem im Austausch Lombardei und Katalonien
  37. forscht und ich sehe sie gerade nicht, aber ich bin sicher, dass sie hier ist. Lieber Mikele, wir freuen uns jetzt auf deinen Vortrag zu Bilder aller Greka und
  38. die Wahrnehmung zeitlich räumlicher Altarität. Ja, äh vielen Dank für die Einführung und ich möchte mich natürlich für die äh
  39. Einladung äh bedanken. äh insbesondere, dass sie mir diese Ehre gegeben haben, ähm äh das Werk von und das an denenken Erwin Panowskis
  40. äh zu würde in diesem prächtigen Saal zu würdigen. So, in Bizant beginnen wir
  41. im Byzantinischen Museum von Ososia wird eine Ikone aufbewahrt, die die tronende Gottesmutter mit dem heiligen Nikolaus und Georg sowie den Stiftern darstellt.
  42. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie bewusst den visuellen Kontrast zwischen zwei unterschiedlichen Auffassungen der Körperdarstellen und der Wiedergabe
  43. physiognomischer Merkmale der Vergebung und allessen inszeniert, was wir gewöhnlich mit dem Begriff Stil bezeichnen.
  44. Die Botschaft, die vermittelt wird, lautet, dass die heiligen Figuren mit ihren von scharfen Konturen geprägten Gesichten
  45. dem bräunlichen Inkarnat, das durch weiße Lichterhöhungen hervorgehoben wird, sowie den leuchtenden Farben ihrer Gewänder einer anderen Wirklichkeit
  46. angehören, als die Familiengruppe, die zu ihrem Füßen in entschieden realistischerweise dargestellt ist, deren Gesichter werden
  47. durch graduelle Farbübergänge modelliert. Sie erscheinen in fleehender Haltung in schlichten schwarzen Gewänder und mit Händen die verschiedenen
  48. Gebetsgästen ausführen. Die stilistische Unterscheidung wir durch weitere technische und kompositorische Elemente verstärkt.
  49. Während die Figuren im Munterbild Bereich in Öl und als Halbfiguren ausgeführt sind, wurden die Gottes Mutter und die beiden Fürchsprecher in
  50. Temper und als Ganzfiguren dargestellt. Glücklicherweise verfügen wir über ausreichende Informationen, um das Werk in den
  51. Kontext seiner Entstehung einzuordnen. Die doppelte griechische Inschrift auf dem Schriftband ist so aufgebaut, dass sie im oberen Teil die
  52. Bitten wiedergibt, die die beiden Familiengruppen an ihre himmlischen Schutzpatrone richten, während im unteren Teil kurze Vermerke über den Tod
  53. einzelner Familienmitglieder erscheinen. Die jeweiligen Todesdaten sind in kleinerer Schrift hinzugefügt. Dieser grafische Unterschied legt nahe,
  54. dass die chronologischen Angaben nachträglich ergänzt wurden, genauer gesagt sukzessiver nach jedem Trauerfall.
  55. Links bittet der Protopapas Georgios Christus um Gnade für sich und seine Frau Achelu sowie um das Seelenheil seines bereits verstorbenen
  56. Sohnes Aloisius. Die Inschrift bezeugt den Tod des Sohnes vor jenem des Vaters. Rechts wir für Franiskus, seine Frau Florenza und ihre
  57. beiden Söhne gebetet dargestellt sind der bereits verstorbenen Franiskus und ein verstorbener Sohn sowie ein weiter offenbar noch lebender Sohn. Während die
  58. 1602 verstorbenen Florenza fehlt. Dank archivalischer Quellen lässt sich der Protopapas mit einem Priester namens Georgiusordzi
  59. identifizieren, der vermutlich um 1547 im Dorf Watüli auf Zübern geboren wurde und mit jener Kirche des heiligen Georg
  60. verbunden war, aus der die Ikon ursprünglich stammt. Bekannt ist, dass er sich nach der osmanischen Eroberung der Insel im Jahr
  61. 1571 nach Venedich begab, wo er seinen Lebensunterhalt mit dem Handel von Baumwolle verdiente und Hängebeziehungen
  62. zur Gemeinde von San Giorgio de Grei aufnahm. Dort bestimmte er gemess seinem am 28. August 1607 äh errichteten Testament.
  63. seine Grabstätte, nachdem ihn eine längere Krankheit gesucht hatte, an der er noch imselben Jahr im Alter von 61 Jahren verstar. Die
  64. Überführung der Ikone nach Vatili, der ehemaligen Pfahrgemeinde des Protopapas, ist aller Wahrscheinlichkeit nach seiner Frau Achelu zu verdanken, deren
  65. Anwesenheit auf Zypern in den darauffolgenden Jahren bezeugt ist. Fügt man all diese Daten zusammen, so gelangt man ohne weites zum Schluss,
  66. dass das Gemälde zwischen 1604, dem Jahr des frühsten eindeutig gezeugten Todesfalls und dem Tod des Protopapas Georgius vom Vati Ende 1607 oder anfang
  67. 1608 entstanden sein muss. Die formale Merkmale sprechen mit großer Deutlichkeit dafür, dass das Werk in Venedig im Auftrag gegeben wurde, wo
  68. Zerreiche aus Kretyper und den ionischen Inseln stammende Malach im Umfeld der griechischen Gemeinde tätig waren. Zu ihnen zählt der aus Korfu stammende
  69. Emmanuel Zfurnaris, der mit der Familie des Protopapas verwandt war und da er mit hoher Wahrscheinlichkeit als Reber des
  70. Gemäldes in Betracht kommt. Sicher ist jedenfalls, dass die Farbpalette, die Faltengabe, die Gesichtsausdrücke und die Modellung an jene Ikone erinnern,
  71. die um die Wände vom 16. 17. Jahrhundert für St. Georgio de Grchig geschaffen wurden, etwa an die Werke z.B. des Benediktous Emporius.
  72. Die Figur des Christuskindes mit ihren länglichen Gesicht und dem vollständig goldgelben goldgelben Gewand äh scheint hingegen von der Kopie der Nikopo
  73. inspirert zu sein. Die Zamfurnaris Lehrer Thomas Batas 1595 anfertigte, als er von den venezianischen Behörden mit der
  74. Restaurierung der des hochverhrten Marienbildes in Samaakoacho beauftragt wurde. Das deutlichste Argument für eine Ausführung in der Lagune Liedfah jedoch
  75. die Darstellung der Stifterfiguren. Diese zeichnen sich durch eine ausgeprägte Plastizität in Verbindung mit einem ausgesprochen tizianesen
  76. Kolorid aus und erinnert damit an die Gemälde des damals wohlangesehensten venezianischen Malers Palma Hiljovane. Es besteht kein Zweifel daran, dass man
  77. im Venedig des frühen 17. Jahrhunderts die Tafel ohne Zögern als in zwei deutlich unterschiedlichen Stilen aus geführt erkannt hätte, einem spezifisch
  78. griechischen und einem unverkennbar lateinischen. Gerade
  79. in ihrer Zeit war die Unterscheidung in ihrer Gten, also die Bruderschaft der Griechen im Jahr 1598.
  80. einen Wett Wettbewerb für die Mosaikausstattung der Absesia Kirche ausschrieb. Zu den Teilnehmern gehörten Palma
  81. Giovanne, Thomas Batas und ein gewisser Johannis Vlastos. Der Auftrag wurde Bas übertragen, weil die Bruderschaft in in seinem
  82. Entwurf eines Christus Pantokrator, wie es in den Quellen heißt, eine dem alten Brauch und der frommen die Wort der griechischen Manier entsprechende Figur
  83. erkannte. Mit anderen Worten, für den architektonisch und liturgisch prominentesten Bereich eines
  84. Sakralraumes hielt man es für angemessen an einem als autoritativ empfundenen Repertoire von Formen und Bildkonventionen festzuhalten.
  85. Durch die Hinzufügung des Adjektivs Devoter from erhielt der Begriff Maniera Gräker eine positive Konnotation, die im Gegensatz zu dem negativen Urteil der
  86. kunsthistoriographischen Tradition der Renaissance stammt. von Giber bis Wasadi wurde die Kunst vor Jordan als Produkt eines langen Niedergangs beschrieben, in
  87. dessem Verlauf die Griechen lediglich eine unvollkommene Erinnerung an die antiken Techniken bewahrt hätten. Nach dieser Sichtweise stellte Joto die
  88. Beziehung deri zur Natur wiederher und begründete damit eine neue moderne Kunst. Der Gegensatz zwischen Maniera Gräker und Maniera Moderner etablierte
  89. sich folglich als scharfe chronologische und kulturelle Cesur. In Wasis Konzeption, einem Meisterwerke von Binary Thinking, war die griechische
  90. Malerei durch repetitive Formen, mangelnden Naturalismus und geringe technische Qualität gekennzeichnet. Dieses Urteil beruhte auch auf der
  91. Zuschreibung vor allem toskanischer Kunstwerk der Zeit von Joto zu einer ethnisch und kulturell verstandenen Alterität.
  92. Die maniera Gräker erschien somit als so reife Phase der Kunstgeschichte, die von der moderne notwendigerweise überwunden werden musste. Gegen diese
  93. Interpretation protestierte El Greco. Als Kret verfügte er über mit unmittelbare Kenntnis der aus der bizantinischen Tradition
  94. hervorgegangenen Kunst und war überzeugt, dass diese über Ausdrucksmöglichkeiten und geistvolle Erfindungen verfüge, die
  95. den Leistungen der modernen Malerei keineswegs nachstünden. Für die griechische Gemeinschaft Phens gegen verkörperte die Miera Gräker vor
  96. allem eine eherwürdige Tradition, die ihrer religiösen Empfindungswelt in besonderer Weise entsprach. Auch im Italien des 16. Jahrhunderts
  97. behielten Bilder bizantinischer Tradition eine herausragende Rolle im Bereich der Frömkeitspraxis. Giovan Batista Armenini kritisierte zwar
  98. die Vorliebe aristokratische Haushalte für Zitat Bilder nach griechischer Art, doch gerade sein Erstaunen zeigt, wie sehr solche Werke weiterhin als wirksame
  99. Instrumente des Gebets galten. Der umfangreiche Handel mit kritischen Ikonen und die Popularität, also von der tätig geltender Bilder bestätigen ihre
  100. Weiterverbreitung. Viele Zeitgenossen waren überzeugt, dass Ikonen im besonderen Masse geeignet seien, Furcht und Ehrfurcht
  101. hervorzurufen. Ihre Wirksamkeit gründete auf der strengen Einfachkeit ihrer Formen und vor allen auf der Intensität ihres
  102. Blickes. Aus diesem Grund konnten die verriedungswürdigen Modelle der bizantinischen Tradition zwar aktualisiert und neu interpretiert
  103. werden. wissen sich jedoch nicht ohne weiteres durchvollständig andersartige Bild Lösungen ersetzen. Die beide Mani bildeten somit nach
  104. allgemeinem Verständnis die entgegengesetzten Pole einer Dichotomie, die allerdings je nach Perspektive
  105. unterschiedliche Bedeutungen annahm. Einerseits galten Bilder griechischer Art als geistlos beholfen antimimetisch und um fähig eine ästhetische
  106. Erfahrungen vorzurufen. Andererseits wurde sie von vielen weiterhin als mit einer ehrwürdigen Tradition verbundene Artefakte
  107. wahrgenommen, deren Autorität tief in der Vergangenheit verwurzelt war. Die Strenge ihr Haltungen, die Leuchtkraft ihr Farben und die Prägnanz ihr Formen
  108. verliehen ihnen in den Augen viel eine außergewöhnliche Fähigkeit, den Betrachter zu Andacht anzuregen, zur Devotio im wörtlichen Sinne, also zu
  109. jenem Akt, durch den sich der Mensch dem göttlichen Schutz anvertraut. Angesichts der bemerkenswerten Beständigkeit dieser Dichotomie
  110. erscheinte sinnvoller nach ihrer historischen Entstehung, ihrer tatsächlichen Wirkung und den Kontexten zu fragen, in denen sie Gestalt annahm,
  111. als sie schlichte konstruieren oder leugnen zu wollen. Ein wichtiger Grund für die hohe Wertschätzung mit santinischer Kunst im
  112. mittelalterlichen Europa und darüber hinaus lag im außerordentlichen Prestige Konstantinop. Die Stadt galt als das neue Rom, als
  113. Zentrum imperialen Reichtum und vergleichlicher Pracht, deren Glanz von christlichen und islamischen Autoren gleicher Massen hervorgehoben wurde. In
  114. exemplarischer Weise verkörperte die äh Ahias Sophia diesen Ruf. Ihre Schönheit und Kostbarkeit würden von reisenden Chronisten und Prediger immer wieder als
  115. einzigartig beschrieben. Mit der Bewunderung für die Hauptstadt verbandt sich zugleich die Vorstellung einer besonderen Qualität ihrer künstlerischen
  116. Erzeugnisse. In lateinischen Quellen 11 bis 13. Jahrhunderts erscheint die Herkunft aus Bizantz häufig selbst als Qualitätsmerkmal,
  117. sodass relikiare liturgische Geräte und andere Kosbachkeiten gerade wegen ihrer griechischen Provenienz gerühmt wurden. Als spezifisch bizantinische Kunstformen
  118. galten vor allen das Mosaik und die Malerei. Im mittelalterlichen Georgien wurde die Mosikunst mit Ausdrücken wie Okrosopio, Sopios kenio das schlicht
  119. Sopio in unmittelbare Verbindung mit der Aya Sopia gebracht. Auch für Autoren wie CNO Cennini und Manuel Chrisoloras verkörperte
  120. das Mosaik eine genuin griechische Tradition. Zugleich genossen die Byzantina den Ruf unübertroffener Meister der Farbe.
  121. Mosaiken und Stein Krustationen wurden bewundert, weil sie die Fahrbigkeit der Natur unmittelbar zur Geltung brachten. Und Theophilus Presbiter im 12.
  122. Jahrhundert bezeichnete die Griechen als die besten Kenner von Pigmenten und ihrer Verarbeitung. Bezeichnenderweise führte noch Nikolaus
  123. Maniakoria auch im 12. Jahrhundert sogar die Zuschreibung heiliger Bilder an den Evangelisten Lukas auf dessen Herkunft zurück. Gerade als Grieche habe er sich
  124. in der Malerei besonders ausgezeichnet. Damit verwandt sich die Vorstellung einer besonderen Autorität der Bizantina im Bereich der Bildkünste.
  125. Der Mythos von der malerischen Exzellenz der Griechen war auch in den Gesellschaften des Islam weit verbreitet. Arabische Autoren rühmten
  126. die Bilder in den Kirchen der Ruhm wegen ihr außergewöhnlichen Schönheit und ihrer Fähigkeit dem Betrachter emotional. zu bewegen und seinen Blick
  127. zu fessen. Im persischen Kulturraum würde diese Vorstellung in der beliebten Erzählung vom Wetzstreit zwischen griechischen und chinesischen Künstner
  128. verdichtet. Besonders in Hamze des Nesami gelten die Griechen als unübertroffene Meister der Farbe, so dass am Ende der
  129. Wett der Wettbewerb mit dem Urteil schließt, niemand könne Bilder malen wie ein griechischer Künstler. In der späteren Version des indoersischen
  130. Dichters Amir Josrus de Lav zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert hätten die Griechen ein Gemälde mit 100 Farben wie der Frühling und 100 Bilder wie die
  131. Natur angefertigt. Die Griechen erschieren somit als jene Künstler, die dank ihr meisterhaften
  132. Beherrschung erfarben mit der Natur selbst in der Wiedergabe ihrer Vielfalt und chromatischen Intensität zu konkurrieren vermochten.
  133. Gegenüber dieser Fähigkeit trat die Zeichnung deutlich in den Hintergrund und wurde lediglich als vorbereitendes noch unvollkommenes Stadium des fertigen
  134. Bildes verstanden. Der Evangelist Lukas galt als Maler nicht, weil er zeichnen konnte, sondern weil er wieerreiche Texte betone mit
  135. Wachs und Farben als also in Kaustik zu malem Verstand. In den zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert entstanden römischen
  136. Fassungen seiner Legende, die die Zuschreibung von Bildern wie dem Lateran Salvator an den Evangelisten rechtfertigen sollten.
  137. Obwohl diese seit langemal Sache Heropoeton galt, stellte man sich daher vor, Lukas habe lediglich die Umrisse gezeichnet,
  138. während die farbige Ausführung ummbar von Gott selbst vollendet worden sei. lag zugleich ein technisches und ein formales Werturteil,
  139. indem die Vielfalt der natürlichen Welt in ihrer Quantität und Schönheit reproduzieren und womöglich sogar übertreffen konnte, erschien die Kunst,
  140. in der die Bizantiner besonders sehr vor äh vor stachen als eine genuimetische ja gewissermaßen hyper mimetische Ausdruck vor. Zumindest vertrat Leo von
  141. Ostia gegen Ende des 11. Jahrhundert diese Auffassung als er die von Konstantinopolitanischen Meister geschaffen Mosa Mosaiken und Marmorböden
  142. beschrieb, die Abt Desiderius für die Abteikirche von Monte Casino hatte ausführen lassen und Zitat: Welchen Grad der
  143. Vollkommenheit die damals zu ihm entsandten Meister dieser Künste besaßen, lässt sich an ihren Werken erkennen, denn im Mosaik
  144. glaub baut man beinahe bese Figuren und allerlei Pflanzen zu erblicken. Und in dem Marmorn scheint eine Blütenpracht aller nur denkbaren Farben in schöner
  145. Mannigkeit aufzusprßen. Ende des Zitates. so befrämdliche heute erscheinen mag zerreiche Texte zeigen, dass die
  146. griechischen Farbkünste gerade deshalb geschätzt wurden, weil sie dem Betrachter das Gefühl vermittelten tatsächlichen Personen und lebendigen
  147. Wesen gegenüber zu stehen. Auch in Bizant vertragen Gelehrte von Hohen Rang wie Michael Psellos die Auffassung, dass jene Maler die größten Meister seien
  148. denen es gelinge eine besäelte malerpsychographie vorzubringen. In den Offenbarungen von Mecka
  149. erläuterte der andalusische Mystiker eben Harabi zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert die Bedeutung des göttlichen Namens Albahri, der Gestaltgebende
  150. als Ursprung aller Kreativität, nämlich als jene Kraft, die dem Maler hilft, die Form nach dem rechten Maß harmonisch zu gestalten. Zur Veranschaulichung
  151. erzählte er die Geschichte eines griechischen Malers aus Konia, den er persönlich gekannt habe, und der ihn herausforderte, einen winzigen
  152. perspektivischen Fehler in der Darstellung eines Rebunds zu entdecken. Das Trumpul war so vollkommen, dass es einen
  153. Jagdfalken täuschte, nicht jedoch den Gelehrten aus Murtier, der den nahe zu unsichtbaren Mangel bemerkte.
  154. Tatsächlich erfahren wir von Nikorus Grigoras zu Beginn des 14. Jahrhundert. Das geometrisches Zeichnen zur perspektivischen Darstellung von Körpern
  155. Bestandteil der künstlerischen Ausbildung war in Bizant. Die Wiedergabe von Gebäuden im Verkürzung begegnet häufig in der
  156. Malerei der Paleologenzeit, auch wenn sie niemals das gesamte Bildfeld einem einzigen Fluchtpunkt unterordnet, sondern bewusst mehrere
  157. Blickpunkte miteinander kombiniert. Bereits um 1180 finden sich Trom Konsolen in der Absis von Monreale.
  158. Ein Jahrhundert später schein der Wunsch die Betrachter durch optische Täuschungen zu überraschen, mal gleichermaßen in Rom, Page, Assis,
  159. Jena, Venedik, Thessaloniki und Konstantinopel beschäftigt zu haben. Im Narte der Kirche der Heiligen Apostel in Thessaloniki, deren Wandmalerien rund
  160. um 1320 datiert werden, wird das scheinbare Hervertreten eines Gesimstes in den Raum des Betrachters zugleich suggeriert und
  161. als Illusion entlarft, indem es innerhalb eines rechtägigen Rahmens dargestellt wird, was eine Rebellion der italienische
  162. Maler des späten 13. Jahrhunderts gegen ihre alten griechischen Lehrmeister beschreibt, erscheint im Licht neuer Forschungen viel mehr als eine
  163. wesentlich dialogischere und produktivere Beziehung. Dies zeigt sich etwa in den gemeinsamen Interesse an der Simulation räumlicher Tiefe, an der
  164. plastischen Gestalt und der Körper sowie an der Ausdruckskraft von Gästen Haltungen und Gesichtszügen. Ein besonders auch sagekräftiges
  165. Beispiel bietet das Werke Junta Pisanus. Aus dem byzantinischem Formenrepertoire seinen Bildtypen und technischen Verfahren, schöpfte er die Anregung für
  166. die Schaffung eines Bildes des Toten und Leidenden Christus am Kreuz, das bei dem frommen Betrachtern Kumpunkzio, also ein Gefühl der Rue hervorrufen sollte, das
  167. aus dem Bewusstsein der eigenen Mitschuld als Sünder am gewaltsamen Opfer des Gottes Sohnes erwächst. Diese Inszenierung des heilsgeschichtlichen
  168. Dramas entspricht dem Aufkommen einer Frömigkeit, die bereits in den beiden vorangegangenen Jahrhunderte zunehmend an Bedeutung gewonnen hatte und die im
  169. Westen nicht zuletzt durch die Predigt der Betel allmählich weitaus dramatischere Formen annahm als im Bizans. Gleichwohl griffen die
  170. italienischen und allgemein die westlichen Künstler immer wieder auf das figurative Erbe der Bizantina zurück, nicht um es passiv zu reproduzieren,
  171. sondern um es bewusst den eigenen Bedürfnis anzupassen. Worauf gründete sich die Autorität, die dieser Tradition zugeschrieben wurde.
  172. Einerseits spielte das an der Bizantina als Romoi eine entscheidende Rolle als jener Römer, also die keine Zesur gegenüber
  173. der antiken römischen Zivilisation erlebt hatten. Die politische Kontinuität des ooströmischen Reiches hatte hatte dazuführt, dass sich die
  174. antiken Traditionen einschließlich der bildenden Künste ohne Unterbrechung weiterentwickeln konnten. Leo von Ostia nahmam ähnlich
  175. wiearihunderte des frühen Mittelalters als eine Art zeitliches Vakuum war, indem das technische Wissen verloren gegangen sei
  176. und war gleichermaßen überzeugt, dass dieses Wissen durch griechischer Meister wieder nach Italien gebracht worden sei. Im Unterschied zum Auto der Vite
  177. schätzte er jedoch deren Ingenium außerordentlich auch ein nicht weniger wichtig war andererseits die Vorstellung die im Bizansgepfleckte
  178. religiöse Malereistelle eine ehrwürdige Tradition apostolischen Ursprungs dar für den Dominikaner Giordano Rivalto Beginn des 14. Und das
  179. waren alle christlichen Bildhemen, selbst solche wie die der Stellung der heiligen drei Könige mit als gekrönte Herrscher, die wir heute eindeutig als
  180. westliche Schöpfungen erkennen, letztlich im bizantinischen Bildre Repertoire verwurzelt. dessen Ursprünge äh führte er auf heilige
  181. Persönlichkeiten zurück, insbesondere auf dem Evangelisten Lukas als Schöpfer der ersten Bildnisse Christi und der Gottesmutter.
  182. Da man davon ausging, dass alle religiösen Bilder seien sie ikonischer oder narrativer Natur auf auch auf wenn auf gedefinierte Kompositionen
  183. zurückgingen, die von den Aposteln begründet worden waren, wenn tutte das antiriamente und von Griechenland nach Italien
  184. gelangt sein, wenn die Gräche antikamente darf vermutet werden, dass die Verwendung griechischer Gemälde als
  185. Vorbilder als verdienstvoll galt. Zugleich wir deutlich, dass aus einer solchen Perspektive jede religiöse Darstellung in irgendeiner Weise mit
  186. jener apostolischen Tradition verbunden werden konnte, deren Hüter in Griechenland gewesen sein soll. In der Malerei des lateinischen
  187. Mittelalters trete die Bezuchnahme auf Bizanz auch auf formaler Ebene wiederholt er hervor. Besonders deutlich wird sie zumindest
  188. für den kunsthistorisch geschultten Blick in 13. Jahrhundert. Diesbezüglich stellt sich die Frage, ob die Übernahme byzantinischer
  189. Formelemente bereits zu dieser Zeit als bewusste Inszenierung eines fremden oder allogenen Stils verstanden wurde.
  190. betrachtet man Wandmalereien wie die um 1200 entstandene Verklärung Christ Westportal der Kathedrale von Lö Puis. So könnte man vermuten, dass die
  191. Anlehnung am Bizanz bereits aus der Wahl des Themas resultierte, das im Westen selten vorkam und da er gleichsam nach einem östlichen Vorbilden verlangte.
  192. Umgekehrt stellt sich bei Werken wie die wie dem um 1240 entstandene Söster Retabel. die Frage, ob sein allgemein
  193. bizantinisierender Charakter dazu dienen sollte, nicht nur den dargestellten Heiligen, sondern auch dem verwendeten Medium der Tafmere eine besondere
  194. sakrale Autorität zu verleihen. Diese Technik wurde häufig mit jeden orientalischen Bildern assozi, die in der geographischen Literatur gefeiert
  195. wurden. Alleminer lässt sich fragen, ob Formen aller Gräker verbunden mit bestimmten ikonografischen schemat und morphologischen Merkmalen
  196. dazu dienten die besondere kultische Würde eines Bildes hervorzuheben oder um Hans Bertings Terminologie aufzugreifen,
  197. einem Gemälde den Charakter einer Ikone zu verleihen. Hier wäre die Problematik jedoch komplizierter, da der Begriff Ikone in
  198. seinem heute geläufigen Sinn als bemalnte Tafel mit religiösem Hinhalt, die mit dem orthodoxen Kult verbunden ist, erst sehr spät nach weißbar ist.
  199. Das griechische Wort Eikon, ikon bezeichnete materielle wie immaterielle Bilder jeder Art und wurde in bizantinischer Zeit auf Objekte
  200. verschiedenster Medien angewandt. Wollte man präzisieren, dass ein Bild auf Holz gemalt war, verwendete man zusätzlich den Begriffia.
  201. Im mittelalterlichen Latein nahm Icon im Laufe der Zeit unterschiedliche Bedeutungen an. Verspä antike Grammatiker bezeichnete es in eine Form
  202. des Vergleichs. Seit Isidor von Sevilla, der seine Deutung auf die lautliche Ähnlichkeit von Ikon und Echo gründete, wurde das Wort mit der Idee der
  203. Ähnlichkeit verbunden und häufig als Synonym für die Imago oder Figur verwendet. Gelegentlich erscheint es jedoch auch in
  204. einem technischeren Sinn. Bemerkenswert ist etwas, dass Remigius von Oxer im neunten Jahrhundert den Begriff mit Gibs Reliefs in Verbindung bricht, die
  205. in karolingischer Zeit weit verbreitet waren und bisweile Motive bizantinischer Herkunft aufgriffen. In westlichen Quellen ist generell meist
  206. schlicht von Imagines die Rede, selbst in den verhältnismäßig seltenen Fällen, in denen ihre Ausführung Greoop Opere ausdrücklich
  207. hervorgehoben wird. Dem gegenüber wurden vor allen jene Gemälde als Ikone oder Ikonie bezeichnet, die in den Orient verlächten Wundergeschichten eine
  208. zentrale Rolle spielten, etwa der blutende Christus von Beirut, die fleischgorene Gottesmutter von Seid oder die berühmten Ikonel.
  209. Zweifellos bestand das Bewusstsein, das Tafelbilder aus typologischer und morphologischer Sicht im christlichen Außen besonders verbreitet waren. So
  210. erscheinen in den Kantigerschie Alfons des Zent von Kastilen des Weisen. Regelmäßig dreidimensionale Statuen bemalte Tafeln treten hingegen nur dort
  211. auf, wo die Handlung im legendären Horizont des söslichen mit dem Meerraums angesiedelt ist. Der Gebrauch von Ableitungen des Wortes
  212. Ekon für Objekte dieses Typs lässt sich jedoch bereits im Jahrhundert nachweisen, nämlich in der lateinischen Übersetzung der Vita des Heiligen
  213. Nikolaus durch Johannes Diakonus um 880. Das Bild des Heiligen, dass ein Geldwechsler zur Bewachung seines Vermögens
  214. aufgestellt hatte und nach einem Diebstahl mit Stockschlägen traktierte, wurde später zur Hauptfigur des berühmten
  215. geistlichen Spiels Ludus de Iconia, in dem die Ikone von einem lebenden Schauspieler verkörpert wurde.
  216. Mit der wundertigen Protagonisten dieser Erzählung identifizierte man später die im Kloster Burschide bei Achen verehrte Nikolai Ikone aus Mikromosaik, deren
  217. Herkunft aus das italogriechische Milieu Kalabriens zurückgeführt wurde, der Heimat des Klostergründers Gregor von Cirkiara. Darauf verwies die Inschrift
  218. entlang des inneren Rahmens. Zitat: Strahlend ist die Ikone des Nikolaus Reich am Wunder Tätigkeit, durch die unsere Frömkeit im höchsten
  219. Wolf gefällig werden möge." Ende des Zitat. Cesarius von Heisterbach beschrieb sie um 1219
  220. bis 23 als eine etwa ellenlange Tafel, die das Bild des Heiligen Bischofs Nikolaus vom Nabel aufwärts zeigt. Das Gesicht des Bildes ist lenklich und
  221. eingefallen und strahlt große große Würde und er fuh aus. Die Stirn ist Karl. Das Haar des Hauptes ebenso wie der Bart
  222. sind vom weißem Alter ergraut. Diese Textstelle bündelt in exemplarischerweise jene Eigenschaften, die besonders im 13. Jahrhundert als
  223. charakteristisch für bizantinische Bilder und als Grundlage ihrer sakralen Autorität wahrgenommen wurden. Zunächst wurde die Tafel als visuelles Medium der
  224. Kontemplation verstanden, durch den eine heilige Gestalt sichtbar gemacht wurde. Darauf weist die Tatsache hin, dass im spätmittel in spätmittelalterlichen
  225. Texten der Begriff Ikona dazu dient zwischen dem materiellen Objekt und dem auf ihm dargestellten heiligen Bildnis zu unterscheiden.
  226. Die Ione, welche die heilige Bona von Pisa nach einem um 1240 entstandenen Text in einer Vision ummitte von Christus erboll,
  227. musste dessen Similitudo enthalten. Für Albertus Magnus waren Ikonen Tafeln, die mit Bildern bemalt und markiert
  228. in Signaii sind. In z reichen Dokumenten des 13. und 14. Jahrhundertes begegnen Formulierungen wie Ikona Kum Imagine oder Iona Kumfigura. Und für Genino
  229. Genini bezeichnet der Begriff letztlich nichts anderes als die Tafel, auf die die Fach aufgetragen wird. Der zweite hervorgehobene Aspekt
  230. ist kompositorischer Natur. Die Halbfigurendarstellung, also die Wiedergabe vom Nabellaufwärts Abumico Supra wurde als spezifisch
  231. byzantinisch wahrgenommen. Bereits Hugo von St. Victor verwendet im 12. Jahrhundert den Begriff Eikones in diesem Zusammenhang. Ein Jahrhundert
  232. später lobt Wilhem Durandus diese Darstellungsweise als besonders geeignet für heilige Bildnisse, weil sie durch das Ausblenden des unteren
  233. Körperbereichs sündhafte Gedanken beim Betrachter verhindere. Daraus erklärte sich seine Ansicht nach auch, weshalb die Griechen in so
  234. angemessener Weise die Malerei gegenüber der Skulptur bevorzugten. Das Brustbild besitzt den Vorteil, die Aufmerksamkeit auf das Gesicht zu
  235. konzentrieren und dadurch einen devotionalen Austausch zu fördern, der auf dem Eindruck körperlicher Nähe beruht.
  236. Das Erscheinungsbild des Heiligen Nikolaus in Aener Mosaik vermagfurchturufen durch jene Gravität und Autorität des
  237. Alters, die sich in dem haen Gesicht, der Glatze und dem weißen Wart manifestieren. Es hand sich dabei um ein realistisches
  238. Bildnis, wage ich zu sagen, ja, oder wie ein anonymer venezianischer Auto. Ähm, Entschuldigung. Ähm, es hande sich dabei um ein
  239. realistisches Bildnis, nicht weil es die wandelbaren Züge seines irdischen Lebens reproduzierte, sondern weil es den Heiligen in jener
  240. Gestalt offenbart, in der er sich selbst in der Welt zeig oder wie ein anonymer Venezianischer Autor des frühen Z. Jahrhunderts formulierte in jener Form,
  241. die denn zu seinem Gedächtnis gemalten Bildern entspricht, in den er als Grieche sowohl an seinem äußeren an seinem Aussehen als auch an seiner
  242. Kleidung erkennbar war. Ausaldem ergibt sich eine vielschichtige Auffassung der Ikone als seines Objekts, der seine heilige Präsenz zugleich
  243. enthält und begrenzt, offenbart und materialisiert und dadurch die Interaktion der Gläubigen mit ihren himmlischen gegenübern ermöglicht. Es
  244. ist die visuelle Wirksamkeit der bizantinischen heiligen Bildnisse und gegebenenfalls jener als besonders autoritativ angesehenen narrativen
  245. Szenen, etwa der mit den Hauptfesten des Kirchenjahres verbundenen der Stellungen, die westliche Maler nach Zuanem versucht,
  246. die um 1220 von einem pisanischen Maler geschaffene Tafel, von dessen Namen uns lediglich die Endung Nellus. überliefert ist.
  247. Evoziert das Erscheinungsbild einer Ikone durch ihre rechtdeckige Form mit erhöhtem Rahmen durch die Komposition einer halbfigurigen links das kindenden
  248. Gottesmutter vor goldenem Grund mit den griechischen Abkürzungen für mit Feu durch die Haltung von Mutter und Kind sowie durch
  249. keine Maltechnik, die einen dunkelgrünen Proplasmos mit Farbenen, rosafarben und weißen aufhellungen nachzuarmen scheint. Zugleich entfernt sie sich jedoch in
  250. mehrfacher Insicht von bizantinischem Vorbild zwischen Himatum und Kiton Christiht keine farbliche Unterscheidung.
  251. Maria trägt statt eines Roten ein violettes Maphogia und ihrer Ausdruck ist weniger von Melancholie als von tiefen Schmerz geprägt.
  252. Der Wunsch, die emotionale Beteiligung des Betrachter hervorzurufen überwiegt jede wörtliche Befolgung der Vorbilder und werden sogar noch
  253. intensiver entfaltet als in diesen Selbst. Die Frömkeitskultur des 13. und 14. Jahrhunderts
  254. begünstigte zweifellos die Tendenz heiliger Figur mit einer stärkeren Emotionalität auszustatten. Es wäre jedoch zu vereinfachend
  255. ein ebenso langes wie vieldeutiges historisches Phänomen als geradigen Prozess der Humanisierung religiöser Ikonographie zu beschreiben.
  256. Gerade im Bereich der heiligen Bildnisse blieb stärker noch als in der narrativen Malerei die Spannung zwischen der Evokation sakraler Autorität und Distanz
  257. und dem Bestreben bestehen, eine durch dem Gesichtszin vermittelte immersive Erfahrung des Göttlichen zu ermöglichen. Zunächst Dienste paleologische Werke wie
  258. die sogenannte Madonna der Carmine in Siena, der modellierung den Figuren eine ausgeprägte Plastizität verlie und dadurch den Eindruck körperlicher
  259. Berührbarkeit hervorrufen konnte, neben anderen Beispielen als wichtige Bezugspunkte für Malaiduco. Sie nutzten solche Vorbilder und
  260. Maribilder zu schaffen, in denen sich dem Gläubigen die physische Gegenwart Marias und Jesu aufdrängte. Diese Wirkung wurde zusätzlich dadurch
  261. verstärkt, dass die traditionellen Gewänder durch Kleidung ersetzt wurden, die Maria als Dame der zeigen Kaufmannselit erscheinen ließ, sodass
  262. man sie in einen noch unmittelbaren Sinn als unsere Herrin erkennen konnte. Die Erschließung neue Ausdrucksmöglichkeiten bewegte sich
  263. auf dem schmalen Grad zwischen diesen beiden Polen, deren Wahrnehmung damals wie heute von Person zu Person variierte.
  264. Wo endete die Wahrnehmung der Distanz zwischen der menschlichen Existenz des Betrachters und der übermenschlichen Wirklichkeit der Heiligen Gestalten?
  265. In welchem Maß begünstigt die Simulation ihrer Körperlichkeit einer visuelle und multisensorische Interaktion auf Kosten der Intuition
  266. ihrer Transzendenten Macht? In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob jene Gemälde, die die Kunstgeschichte häufig vernachlässigt
  267. hat, weil sie als rückwärts gewandt anronistisch oder verspätet galten, nicht viel mehr auf Bedürfnisse antworteten, die im weiten Kreisen
  268. verbreitet waren. Vor einigen Jahren wurde die Signatur des römischen Malers Filippo Rusi, eines Helden der italienischen Malerei des Dentockt,
  269. an dem sie niemand vermutet hätte, am unteren Rand einer Marientafel, die seit dem 15. Jahrhundert in Santa Maria del Populo als in Rom als Werk des
  270. Evangelisten Lukas verhrt wird. Die Inschrift wurde bereits im vormoderner Zeit verdeckt, vermutlich in jenem Moment als der mit dem Bild verbundene
  271. Kult gezielt gefördert wurde. Zuvor dürfte die Tafel vor allem als Handachsbild gedien haben. bemerkenswert ist, dass
  272. sie keine der in den Kirchen Roms verehrten Ikonen kopiert, sondern sich in Komposition und Stil ausdrücklich auf ein bizantinisches
  273. Vorbild bezieht. Insbesondere das Motiv der Hand des Kindes, die auf derjenigen seiner Mutter ruht, erinnert an eine Variante der des
  274. Hodegitriatus, die sich beispielsweise auf einer zeitgenössischen zyprischen Ikone findet, allerdings ohne den dort
  275. üblichen Rotulus. Offenbar war die Person, für die dieses Bild geschaffen wurde, der Ansicht, dass ein Erscheinungsbild, in dem sich eine
  276. feine Plastizität mit Elementen linearer Stilisierung verbindet, die Art von Beziehung, die sie zu ihren himmlischen Schutzpatronen herstellen wollte,
  277. besonders angemessen ausdrückte. Im 14. Jahrhundervoll ist die Suche nach einem Gleichgewicht zwischen diesen
  278. Polen auf unterschiedlichen Wegen. So scheinen die Goldfäden mit denen Barnabodena, das Schleiertuch das Maori der Gottesmutter überzieht und dabei ein
  279. Bizanz eigentlich der Figur des Christuskindes vorbehaltenes Motiv ins extrem steigert, den Betrachter geradezu versichern zu wollen, dass dieses Bild
  280. ebenso verrungswürdig sei wie eine griechische Ikone im Phenich entwickelt. sich die Krisographie zu
  281. einem immer komplexen System floraler Ornamente, das von den kostbaren Stoffen inspirer war, die in der Lagun gehandelt wurden. Der Bildtypus, der sich in der
  282. zweiten Hälfte des 14. ihr Hundes durchsetzte und Maria mit einem reich verzierten Mantel einer sichtbar hervortrittenden Tunika und einem
  283. Schleier an Stelle des byzantinischen Kekrifalos zeigt, er freute sich großer ähm Beliebtheit.
  284. Zugleich entstanden zerreiche Variante desselben Tipus in ausdrücklich griechischen Stil. Die Forschung hat sich lang gezeigt kaum für diese Werk
  285. interessiert, obwohl sie zahlenmäßig stark vertreten sind, weil sie sich nur schwer in einem Modell linearer Stillentwicklung
  286. äh einordnen lassen. Heute werden sie häufig als adriatische Werke bezeichnet, also jenem unscharf definierten Grenzraum östlich der Serenisima und
  287. westlich des Balkans zu geschrieben, in den man jene Gemälde abgeschoben hat, die als zu bizantinisch für die italienische Kunst und zugleich als zu
  288. italienisch für die bizantinische Malerei erschienen. Ich möchte mich hier auf ein besonders auch
  289. sagekräftiges Beispiel beschränken. Eine Tafel, die heute im Museum für christliche Kultur in Stt Petersburg auf bewahrt wird. Innerhalb eines Bogens,
  290. unterdem die Heiligen Nikolaus und Bartolomeus im verkleinerten Maßstab als Halbfiguren erscheinen, ist die Gottesmutter dargestellt, wie sie das
  291. Kind auf dem linken Arm hält und stielt. Dem venezianischen Repertoire entstammen die punzierten heiligen Scheinen, der blaue mit goldenen Sternen besetzte
  292. Mantel, die mit ornamentalen Musteln geschmückten Säume, die entfernt die entfernten pseudoarabische Schrift erinnern, die rote Tuniker mit
  293. stilisierten Blattmotiven sowie der ebenfalls goldverzierte weiße Schleier, der beidseits des Gesichts herabfällt. Andere Elemente sindagen eindeutig
  294. bizantinisch oder bizzantinischen Ursprungs etwa die kreuzförmigen Anhänger man sagen in Schulterhöhe, die geringe Größe der Brust und mit
  295. neben Gesicht des Kindes sowie Kleidung und Haltung Christi, die an die Ikonografie des Anapon erinner. Vor allem aber verweisen die
  296. Inkarnasttechnik und die linearen Gesichtszüge auf die Kunst der Paleologenzeit.
  297. Werke dieser Art, die zwischen den 30, 50er Jahren und dem frühen 15. Jahrhundert von verschiedenen Händen in Venedig und auf Kreta geschaffen wurden,
  298. fanden im gesamte Mittelmeerum weiter Verbreitung. Sie begegnen von Spanien bis zum Sinai und von Sizilien bis Dalmatien und waren im mindestens vier
  299. Hauptvarianten verfügbar, die später wiederum in kritischen, russischen und äthiopischen Werken aufgegriffen wurden. Dieser Umstand sowie die Präsenz
  300. griechischer Inschriften auf wenigstens seinem Exemplar der Gruppe sprechen dafür, dass sich die Bilder gleichermaßen an Gläubige des
  301. lateinischen wie des byzantinischen Ritus richteten. Im Venezianischen Kret erschein die Madonna mit geöffneten Schleier wenig
  302. überraschend, spätestens seit der Mitte des 15. Jahrhundert, sowohl in lateinischen als auch in griechischen Kontexten. Besonders weiterentwickelt
  303. wurde sie von Nikolaus Zuris im heute als Madre Konsolation bekannten Tipus, der ebenfalls aus der auser ordentlicher Verbreitung fand. Anstatt als
  304. stilistische Mischform, als Hybrid, ja äh war genommen zu werden, wurde diese Nikonen ähm eine besondere Autorität als Sandxpilder par
  305. excellence zugesprochen. Viele von ihnen von Italien bis nach Äthiopien gelangten in die liturgische Verrierung, wurden an Festtagen
  306. öffentlich ausgestellt und schließlich dem Pinsel des Evangelisten Lukas zugeschrieben. Ausaldem scheint
  307. eine Situation hervorzugehen, in der sich italienische und griechische Bildformen ohne größere Spannungen miteinander
  308. koexistieren, um um verbinden, um den Betrachter jenes Gleichgewicht zwischen Distanz und Nähe, zwischen der
  309. Bekräftigung von Autorität und dem Streben nach einem Meer. emotionalen Kontakt zu vermitteln. Ein Perspektivwechsel
  310. zeichnet sich jedoch in dem Zeitraum ab, der zwei Pilger im Heiligen Land voneinander trennt. Auf der einen Seite der Franziskaner
  311. Nikoloda Pogibonzi, der 1346 die Wandmalereien in den Grotten des Quarantäneberges bei Jericho als Lavorio Greco
  312. bezeichnet. Auf der anderen der Dominikaner Felix Schmidt genannt Fabri, der 1480 den Einkauf auf dem Markt von Candia als
  313. geistlich nützliche Tätigkeit bewertet, weil man dort Bilder der seligen Jungfrau erwerben kann, die lebendig und mit einer besonderen Kunstfertigkeit
  314. nach jener Gestalt gemalt werden, in der der Heilige Lukas, wie man sagt, das Bild der seligen Jungfrau gemalt hat. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten tritt
  315. die Wahrnehmung einer stilistischen Differenz zwischen italienischer und griechischer Maerei deutlich erfor. Will man diese Entwicklung genauer
  316. datieren, so bietet sich ein besonders aufschlussreicher Moment an. Die Geschichte einer Venezianerin
  317. namens Franceskina, die um 1435 schwer erkrankt das Bett hüten musste. Die Ereignisse spielen sich im Haus
  318. einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie Umweite von San Giovanni im Bragorab und zogen sich bis etwa für 1445 hin. Überliefert
  319. werden sie uns von einer Person, die sich mit dem Regular Kanoniker und Notar Andrea Insiger identifizieren lässt, dem Sohn der Protagonist.
  320. Im Krankenzimmer herrscht eine düstere Stimmung, denn jede Hoffnung scheint verloren. Ein Mann aus Konstantinop,
  321. der in ins Haus kommt, empfiehlt die Heilige Theodosia, Theodosia anzurufen, die in seiner Heimatsstadt
  322. für die Heilung und heilbare Krankheiten berühmt sei. Tatsächlich zeigen die Gebete zurhe Heiligen, deren Namen Franziskinas
  323. Ehemann die Wand des Zimmers schreibt: Erste Wirkungen. Die Schmerzen lassen jedoch noch deutlicher nach, als sie der bizantinische Händler eher ein Tuch
  324. schenkt, das mit dem Grab der Meerin an goldenen Horn in Berührung gebracht worden war. Drei Jahre später hat sich ihr Zustand
  325. allerdings noch immer nicht grundlegend verbessert, da er beschließt, die Familie den Konstantinopolitanischen Bekannten zu bitten, eine Ikone der
  326. Heiligen äh nach Venedig mitzubringen, damit Franziskina sich bei deren Betrachtung zur Andacht entflammen könne. Und auf
  327. diese Weise ein Wirksamer ein Greifen der Heiligen erlange. Ihr Ehemann weigert sich jedoch zunächst das Bild zu erwerben, weil er den Preis
  328. für zu hoch hält. Er ziehe es vor, so erklärt er, sich vom Venezianischen Malern ein schöneres und seinem Herzen ein genehmeres Bild am Fertigen zu
  329. lassen. Damit wird der ästhetische Faktor entscheidend. Im Verhältnis von Qualität und Preis
  330. zwischen einem bizantinischen Werk und den Bildern zeigt genösischer Künstler wie Mikele Giambono, Antonio Vivarini oder Jakobo Bellini, muss die Ikone ohne
  331. Zöger dem modernen Gemälde dem Vorrang überlassen. Bald jedoch wir erkennen müssen, dass Schönheit
  332. keine Wunder garantiert. Der Gesundheitszustand seiner Frau verschlechter sich rapide und er ist der Verb der Ikone nun mehr
  333. zum doppelten der des ursprünglichen Preises rettet sie vor dem sicheren Tod. Das Bild wä zum Anhaltspunkt der Gebete der ganzen Familie. Man lächte es auf
  334. den Körper der kranken Frau und es liefert schließlich auch das Modell für jene innere Vorstellung der Heiligen, die Franceskine in einer Natode der
  335. Erfahrung zu schauen glaubt. Die Episode verweist auf die Herausbildung jener begrifflichen
  336. Dichotomie, die sich in dem folgenden Jahrzentenvoll entfalten sollte. Die byzantinische Meerei, deren Fähigkeit gerühmt worden war, die vielfältige und
  337. vom göttlichen durchdrunkene Wirklichkeit mimetisch wiederzugeben. Wir nun mehr mit vereinfachten und stilisierten Formen, standardisierten
  338. Schemat und Kompositionen verbunden, die die Aufmerksamkeit auf die Gesichter konzentrieren. Diese Art zu malen erscheint ästhetisch
  339. weniger entsprechend, weil sie sich von jener optischen Simulation der Natur entfährt, welche die moderne Malerei zu bieten für macht.
  340. Zugleich sind es aber gerade diese Eigenschaften, die die Ikonen für ihre Fähigkeit prädestinieren, die Andacht zu entflammen und das Wirken der göttlichen
  341. Sphäre in der Welt zu vermieten. Dennoch bleiben die Pole dieser Dichotomie oft durchlässlich. In Venedig descento versucht Giovanni
  342. Berlini die Ikone zu modernisieren, indem er Marienbilder schafft, deren Gleichgewicht zwischen Distanz und Nähe durch die Kombination zweier Elemente
  343. hergestellt wird. Einer Fensterbank oder Brüstung, die den Betrachter von der Gottesmutter trennt und eines dunklen Vorhangs, der sie vom
  344. äh Hintergrund absetzt und dadurch zugleich näher rücken lässt. Die kritische Maler bleiben gegenüber solchen Innovationen
  345. keineswegs unempfindlich und übernehmen sie mit ihrerseits. Das zeigt etwa ein heute verschollenes Gemälde, indem der Raum den
  346. venezianischen Bilder ähm für den Vorhang reservieren von einem Goldgrund eingenommen wird, der jedoch durch schwarze Rände eingefasst ist. Eine
  347. solche Eneignung entsprach dem Bedürfnis, dass sowohl von Gläubigen des Lateinischen als auch des Bizantinischen Ritus geteilt wurde, die die Wahrung
  348. sakraler Autorität mit einer vertieften Meditation über die Beziehung zwischen Mutter und Sohn als Metapher für das Verhältnis zwischen Gott und dem
  349. Menschen sowie über die dramatischen Dimensionen des Opfers Christi zu verbinden. Zum Schluss möchte ich zu unseren
  350. Ausgangspunkt zurückkehren der Ikone von Wat Vati. Hier wird die stilistische Diskrepanz bewusst
  351. inszeniert, um die Zugehörigkeit der Stifter und der heiligen Gestalten zu zwei verschiedenen Ebenen der Wirklichkeit hervorzuheben.
  352. Die menschliche unsinnlich wahrnehmbare Sphäre, in der die erst genannten leben oder gelebt haben, wird uns durch die optische Simulation ihrer Körperlichkeit
  353. und die präzise Wiedergabe ihrer physiomischen Merkmale vor Augen geführt. Zugleich erscheint sie als ein
  354. Übergangsraum, dessen Vergänglichkeit dem Betrachter bewusst gemacht wird. Das ewige Leben hingegen, auf das all
  355. diese Personen, die bereits gestorben sind oder bald sterben werden, ihre Hoffnung richten, besitzt weder die Dreidimensionalität
  356. noch das Volumen der Maniera moderner. Es findet seinen Ausdruck viel mehr in den scharf gezogenen Konturen, den leuchtenden Farben, den Goldgrunden, den
  357. entmaterialisierten Körper der heiligen Gestalten. Die demonstrative Andachtigkeit dieser Formen erscheint als visuelle Metapher
  358. für die zugleich anachronische, aber auch anachorische Dimension des Himmelreiches. für einen Bereich jenit von Zeit und Raum. Der
  359. Auferstehungsleib, denn die Erlösten am Ende der Zeiten empfangen werden, wird den Gesetzen der Optik nicht
  360. gehorchen und der wird aller Wahrscheinlichkeit nach aller Gre gemalt sein. Vielen Dank.