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Wird der Mensch seiner Verantwortung als Stellvertreter Gottes auf Erden gerecht? | Theologie live
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 24 Zeilen
- [Musik] Mein Name ist Thomas Hieke, ich forsche und lehre zum Alten Testament an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
- Ich möchte Ihnen im Folgenden einige Überlegungen zu Genesis 1,26-29 vortragen. [Musik]
- Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die
- Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. Gott erschuf den Menschen als sein Bild,
- als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie. Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch,
- füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
- Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
- Dieser Text aus der Bibel aus dem ersten Kapitel des ersten Buches, aus dem Buch Genesis hört sich heute so an, als würde es die Bibel den Menschen erlauben
- oder ihn sogar auffordern, sich verantwortungslos zu vermehren, die Natur grenzenlos auszubeuten, die Tiere zu quälen und diese Erde zu zerstören. Aber ich glaube nicht, dass die Menschen so genau
- auf die Bibel hören. Es ist vielmehr die unersättliche Gier der Menschen und ihre Unvernunft, Profitstreben, fehlende Solidarität und Dummheit machen diesen Planeten kaputt.
- Unser Bibeltext spricht nicht in eine Welt mit extrem ungerechter Verteilung der Ressourcen, mit Massentierhaltung und grenzenloser Ausbeutung von Pflanzen, Tieren und armen Menschen hinein.
- Unser Text ist vor 2500 Jahren etwa entstanden und da war die Welt für den Menschen ganz anders und gefährlich. Wilde Tiere bedrohten die kleinen Schafherden.
- Das Land war mühsam zu bestelle: Regnete es mal nicht, gab es gleich eine Hungersnot. In dieser Zeit brauchte der Mensch Trost und Ermutigung:
- Du kannst diese Welt gestalten. Hab Mut, du bist Gottes Stellvertreter, sorge für diese Welt, die Pflanzen, die Tiere, die Menschen wie ein guter König,
- der Verantwortung für seine Untertanen übernimmt. Der wie ein guter Hirt für die Armen und Schwachen sorgt, der nach Gerechtigkeit strebt. So ein guter König sollst du Mensch sein.
- Das ist das Wunschdenken in diesem Text, es ist Gottes Wunsch, dass diese Erde ein gutes Lebenshaus für alle ist: für Pflanzen, Tiere und Menschen und dass alles in Ordnung bleibt
- und es gerecht zugeht. Dafür soll der Mensch mit seiner Klugheit sorgen. Ja unser Bibeltext ist eine Utopie und eine massive Aufforderung an uns alle heute: Wir müssen unser Verhalten so ändern,
- dass wir als gute Stellvertreter Gottes dafür sorgen, dass diese Welt als Lebenshaus erhalten bleibt. Wir müssen zum Beispiel dafür sorgen, dass alle Menschen genügend Nahrung haben um
- gesund leben zu können, aber nicht auf Kosten der Natur sondern nachhaltig. Der Zugang zu sauberem Wasser und Gesundheitsversorgung ist
- ein universales Menschenrecht und das ist nur eines von vielen, vielen Beispielen wie unser Bibeltext konkret werden kann. Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen so wirtschaften
- dass niemand ausgebeutet wird-weder andere Menschen noch die Tiere noch die Natur. Wir nennen das heute Nachhaltigkeit und die Bibel meint genau das. Der Mensch ist als
- Bild Gottes der Stellvertreter Gottes und daher darf er natürlich nicht diese Welt zerstören. Gott will ja nicht die Zerstörung des wunderbaren Lebenshauses Erde sondern leben für alle Pflanzen,
- Tiere, Menschen. Dass das funktioniert, dafür ist der Mensch verantwortlich. Werden wir mit unserem Wirtschaften global und unserem Verhalten im Alltag dieser Verantwortung gerecht?!
- [Musik]