Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Folgen des Niedrigwassers für Wirtschaft und Verbraucher | tagesthemen-Interview

tagesschau6:15 24.112 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 43 Zeilen
Herunterladen
  1. Immer neue Tiefstände in europäischen Flüssen. Tja, welche Folgen haben die niedrigen Pegelstände für die Wirtschaft auch hier zu Lande? Dazu spreche ich mit
  2. Simon Gerr Iglesias vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Wir haben es gesehen, wenn kaum Wasser da ist, können z.B. Kernkraftwerke nicht
  3. gut gekühlt werden. Inwiefern ist die Energieversorgung in Europa allgemein betroffen vom Niedrigwasser? Ja, Deutschland ist durch den Ausstieg
  4. aus der Kernenergie hier natürlich erstmal etwas weniger betroffen. Ähm nichtsdestotrotz befinden wir uns in einem Stromsystem, das europaweit
  5. vernetzt ist, sodass es immer wichtig ist, was in anderen Ländern passiert. Und dazu kommt ja, dass ähm nicht nur Kernkraft, sondern eben auch die
  6. Kohlekraftwerke ganz besonders hohe Wassermassen verbrauchen, ja, für die Verdampfung äh und für die Kühlung. Und ähm ja, das heißt, dass eben auch hier
  7. zulande sozusagen die das Niedriger ein Problem darstellt. Diese Kraftwerke sind eben häufig auch an Flüssen vorzufinden und fossile Energieträger sind insgesamt
  8. eben auch nicht so resilient, nicht so zuverlässig, wie sie manchmal eben erscheinen. Wenn Flüsse wie Rhein, Donau oder Elbe
  9. wichtige Schlagadern für den Güterverkehr sind, wie ernst ist denn die Lage zu nehmen? Ja, durchaus ernst. Also, der Reihen ist
  10. ähm die wichtigste Wasserstraße Deutschlands. 80% der Binnenschiffahrt läuft hier den Reihen entlang und das ist insbesondere für die Unternehmen ähm
  11. sehr relevant, die hier am Reihen ihren Standort haben. Das sind Industrieunternehmen, die kommen nicht mehr an ihre Rohstoffe, die kommen nicht
  12. mehr an ihre Vorprodukte oder nur noch sehr eingestrengt, denn durch Niedrigasser wird natürlich der Transport durch die
  13. Schiffe viel teurer, denn mehr Schiffe müssen das gleiche Produkt sozusagen transportieren und die Alternativen gibt es ja auch nicht. Deswegen ähm ist es
  14. durchaus ein ähm Faktor für den Standort und ein ja scheinbar Nebenereignis wie niedrig. basser entwickelt sich doch zunehmend zu einem unternehmerischen
  15. Risiko und das zeigt ähm dieses Mal zeigt dieses Mal auch wieder ganz deutlich. Mhm. Sie haben gerade schon über
  16. Alternativen gesprochen, also ließe sich dann auf andere Verkehrswege wie z.B. die Bahn umschwenken oder geht das nicht?
  17. Nur sehr schwierig. Ähm, also als Beispiel ähm um die äh den Transport von Benzin und Diesel, der jetzt auf den Schiffen stattfindet, im Rhein zu
  18. kompensieren, bräuchte man ungefähr 3000 Tanklaster pro Tag. Ähm, das ist sch unmöglich mit fehlenden Fahrern, mit fehlenden LKWs, die Brücken sind kaputt.
  19. Ähm, also diese Alternativen bestehen nicht und auch die Bahn hat ähm ja sehr begrenzte Kapazitäten. Wir wissen alle um die Probleme der Bahn auch äh des
  20. Güterverkehrs, die rechtereien äh die Rechte rein äh äh die rechtsreinige Strecke wird gerade saniert. Ähm, das heißt, es gibt schlichtweg keine
  21. Alternativen und das heißt eben für die Wirtschaft äh ein äh dass der das Niedriger ein Kostentreiber ist äh mit eben durchschlagender Wirkung auf
  22. Wertschöpfung, auf Preise und ähm ja schlussendlich auch auf die Beschäftigung. Mhm. Was heißt es denn für die
  23. Verbraucher? Ja, was äh am rein beginnt, kann am Ende ähm auch an der Tankstelle sichtbar sein. Es kann auch im Supermarktregal
  24. sichtbar sein, denn Güter ähm brauchen länger. Ähm sie werden vielleicht nur noch nicht mehr transportiert. Die Produktion fährt herunter. Ähm das ist
  25. auch bei Unternehmen wie BSF z.B. der Fall. Ähm und äh die Refinerien am Rhein bekommen nicht mehr äh die das Mineralöl, um es zu Benzin und Diesel zu
  26. produzieren. Und ähm ja, das ist in einer Lage, die ohnehin sehr angespannt ist, nicht nur an den Tankstellen. Ähm auch die Verbraucherpreise sind ja in
  27. den letzten Jahren erheblich gestiegen und schlussendlich ist eben ein Niedrigwasser ein gesamtgesellschaftliches
  28. oder ein gesamtwirtschaftliches Problem, was sich in äh ganz vielen Facetten eben niederschlägt. Mhm. Was bräuchte es, um die
  29. Transportlage zu verbessern? Ja, kurzfristig äh gibt es leider ähm sehr wenig Alternativen. Also, es wird
  30. äh gefordert, dass der Rein sozusagen weiter ausgebuggert wird. Äh das mag hier und da auch äh möglich sein, aber man muss doch sagen, dass der Rin
  31. insgesamt ein äh Gewässer ist, was auch natürliche äh Engpässe eben hat und nur eingeschränkt eben sozusagen verbreitert werden kann. Also, was eben wichtig ist,
  32. dass äh die Investitionen, die in den letzten Jahren, die in letzten Jahrzehnten unterlassen äh worden sind äh in allen Verkehrsäh Infrastrukturen,
  33. dass die endlich stattfinden, dass die auch in der erhöhten Geschwindigkeit auf die Straße gebracht werden, denn nur so schafft man ein System, was sozusagen
  34. resilient ist, wenn äh ein Verkehrsträger sozusagen nicht äh die Kapazitäten hat, dass man dann einfacher ausweichen kann. Das fehlt jetzt und äh
  35. es bleibt zu hoffen, dass durch das Sondervermögen ähm über zur Infrastruktur, was äh beschlossen wurde, hier in den nächsten Jahren etwas äh
  36. Besserung eintritt. Und nun ist ja auch noch Urlaubszeit. Kreuzische Fahrten auf Flüssen stehen ziemlich hoch im Kurs, können aber
  37. teilweise nicht mehr stattfinden. Was bedeutet das für den Tourismussektor? Ja, für den Tourismussektor ähm am Rhein
  38. und den angrenzenden Flüssen ist das natürlich ein Problem. Äh gesamtwirtschaftlich spielt das eher eine untergeordnete Rolle, da sind die
  39. Wirkungen für die Industrie deutlich relevanter, aber nichtsdestotrotz sind es ja doch einzelne Orte, die ähm an den Flüssen von den Kreuzfahrtouristen leben
  40. und ähm jetzt in der Hochsaison fallen diese weg und das ist ein erhebliches Problem. Ähm es ist auch ungewiss, wie es sich in Zukunft weiterentwickeln
  41. wird. Ähm und äh in dem Sinne haben wir dieses Ereignis Niedrig Wasser hier nicht nur in den in den Großindustrien als Problem, sondern eben auch ganz
  42. lokal, ganz konkret ähm für für die lokale Wirtschaft. Simon Gerrtz Iglesierz vom Institut der Deutschen Wirtschaft, vielen Dank für
  43. Ihre Zeit. Sehr gern. M.