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Folgen des Niedrigwassers für Wirtschaft und Verbraucher | tagesthemen-Interview
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 43 Zeilen
- Immer neue Tiefstände in europäischen Flüssen. Tja, welche Folgen haben die niedrigen Pegelstände für die Wirtschaft auch hier zu Lande? Dazu spreche ich mit
- Simon Gerr Iglesias vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Wir haben es gesehen, wenn kaum Wasser da ist, können z.B. Kernkraftwerke nicht
- gut gekühlt werden. Inwiefern ist die Energieversorgung in Europa allgemein betroffen vom Niedrigwasser? Ja, Deutschland ist durch den Ausstieg
- aus der Kernenergie hier natürlich erstmal etwas weniger betroffen. Ähm nichtsdestotrotz befinden wir uns in einem Stromsystem, das europaweit
- vernetzt ist, sodass es immer wichtig ist, was in anderen Ländern passiert. Und dazu kommt ja, dass ähm nicht nur Kernkraft, sondern eben auch die
- Kohlekraftwerke ganz besonders hohe Wassermassen verbrauchen, ja, für die Verdampfung äh und für die Kühlung. Und ähm ja, das heißt, dass eben auch hier
- zulande sozusagen die das Niedriger ein Problem darstellt. Diese Kraftwerke sind eben häufig auch an Flüssen vorzufinden und fossile Energieträger sind insgesamt
- eben auch nicht so resilient, nicht so zuverlässig, wie sie manchmal eben erscheinen. Wenn Flüsse wie Rhein, Donau oder Elbe
- wichtige Schlagadern für den Güterverkehr sind, wie ernst ist denn die Lage zu nehmen? Ja, durchaus ernst. Also, der Reihen ist
- ähm die wichtigste Wasserstraße Deutschlands. 80% der Binnenschiffahrt läuft hier den Reihen entlang und das ist insbesondere für die Unternehmen ähm
- sehr relevant, die hier am Reihen ihren Standort haben. Das sind Industrieunternehmen, die kommen nicht mehr an ihre Rohstoffe, die kommen nicht
- mehr an ihre Vorprodukte oder nur noch sehr eingestrengt, denn durch Niedrigasser wird natürlich der Transport durch die
- Schiffe viel teurer, denn mehr Schiffe müssen das gleiche Produkt sozusagen transportieren und die Alternativen gibt es ja auch nicht. Deswegen ähm ist es
- durchaus ein ähm Faktor für den Standort und ein ja scheinbar Nebenereignis wie niedrig. basser entwickelt sich doch zunehmend zu einem unternehmerischen
- Risiko und das zeigt ähm dieses Mal zeigt dieses Mal auch wieder ganz deutlich. Mhm. Sie haben gerade schon über
- Alternativen gesprochen, also ließe sich dann auf andere Verkehrswege wie z.B. die Bahn umschwenken oder geht das nicht?
- Nur sehr schwierig. Ähm, also als Beispiel ähm um die äh den Transport von Benzin und Diesel, der jetzt auf den Schiffen stattfindet, im Rhein zu
- kompensieren, bräuchte man ungefähr 3000 Tanklaster pro Tag. Ähm, das ist sch unmöglich mit fehlenden Fahrern, mit fehlenden LKWs, die Brücken sind kaputt.
- Ähm, also diese Alternativen bestehen nicht und auch die Bahn hat ähm ja sehr begrenzte Kapazitäten. Wir wissen alle um die Probleme der Bahn auch äh des
- Güterverkehrs, die rechtereien äh die Rechte rein äh äh die rechtsreinige Strecke wird gerade saniert. Ähm, das heißt, es gibt schlichtweg keine
- Alternativen und das heißt eben für die Wirtschaft äh ein äh dass der das Niedriger ein Kostentreiber ist äh mit eben durchschlagender Wirkung auf
- Wertschöpfung, auf Preise und ähm ja schlussendlich auch auf die Beschäftigung. Mhm. Was heißt es denn für die
- Verbraucher? Ja, was äh am rein beginnt, kann am Ende ähm auch an der Tankstelle sichtbar sein. Es kann auch im Supermarktregal
- sichtbar sein, denn Güter ähm brauchen länger. Ähm sie werden vielleicht nur noch nicht mehr transportiert. Die Produktion fährt herunter. Ähm das ist
- auch bei Unternehmen wie BSF z.B. der Fall. Ähm und äh die Refinerien am Rhein bekommen nicht mehr äh die das Mineralöl, um es zu Benzin und Diesel zu
- produzieren. Und ähm ja, das ist in einer Lage, die ohnehin sehr angespannt ist, nicht nur an den Tankstellen. Ähm auch die Verbraucherpreise sind ja in
- den letzten Jahren erheblich gestiegen und schlussendlich ist eben ein Niedrigwasser ein gesamtgesellschaftliches
- oder ein gesamtwirtschaftliches Problem, was sich in äh ganz vielen Facetten eben niederschlägt. Mhm. Was bräuchte es, um die
- Transportlage zu verbessern? Ja, kurzfristig äh gibt es leider ähm sehr wenig Alternativen. Also, es wird
- äh gefordert, dass der Rein sozusagen weiter ausgebuggert wird. Äh das mag hier und da auch äh möglich sein, aber man muss doch sagen, dass der Rin
- insgesamt ein äh Gewässer ist, was auch natürliche äh Engpässe eben hat und nur eingeschränkt eben sozusagen verbreitert werden kann. Also, was eben wichtig ist,
- dass äh die Investitionen, die in den letzten Jahren, die in letzten Jahrzehnten unterlassen äh worden sind äh in allen Verkehrsäh Infrastrukturen,
- dass die endlich stattfinden, dass die auch in der erhöhten Geschwindigkeit auf die Straße gebracht werden, denn nur so schafft man ein System, was sozusagen
- resilient ist, wenn äh ein Verkehrsträger sozusagen nicht äh die Kapazitäten hat, dass man dann einfacher ausweichen kann. Das fehlt jetzt und äh
- es bleibt zu hoffen, dass durch das Sondervermögen ähm über zur Infrastruktur, was äh beschlossen wurde, hier in den nächsten Jahren etwas äh
- Besserung eintritt. Und nun ist ja auch noch Urlaubszeit. Kreuzische Fahrten auf Flüssen stehen ziemlich hoch im Kurs, können aber
- teilweise nicht mehr stattfinden. Was bedeutet das für den Tourismussektor? Ja, für den Tourismussektor ähm am Rhein
- und den angrenzenden Flüssen ist das natürlich ein Problem. Äh gesamtwirtschaftlich spielt das eher eine untergeordnete Rolle, da sind die
- Wirkungen für die Industrie deutlich relevanter, aber nichtsdestotrotz sind es ja doch einzelne Orte, die ähm an den Flüssen von den Kreuzfahrtouristen leben
- und ähm jetzt in der Hochsaison fallen diese weg und das ist ein erhebliches Problem. Ähm es ist auch ungewiss, wie es sich in Zukunft weiterentwickeln
- wird. Ähm und äh in dem Sinne haben wir dieses Ereignis Niedrig Wasser hier nicht nur in den in den Großindustrien als Problem, sondern eben auch ganz
- lokal, ganz konkret ähm für für die lokale Wirtschaft. Simon Gerrtz Iglesierz vom Institut der Deutschen Wirtschaft, vielen Dank für
- Ihre Zeit. Sehr gern. M.