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Musik des 20. Jahrhunderts

Smart Learn mit Fokus Ben8:59 324 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 60 Zeilen
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  1. schon mal in klassische Musik aus dem 20. Jahrhundert reingehört und sich gedacht, was ist das denn? Klingt irgendwie schräg, oder? Tja, genau darum
  2. geht's heute. Wir machen eine kleine Zeitreise, um diese musikalische Revolution zu verstehen. Es geht umbruch, Rebellion und wirklich radikal
  3. neue Ideen. Also, legen wir los. Und das ist ja die Kernfrage, die sich wahrscheinlich jeder von uns stellt. Warum zum Teufel klingt das alles nicht
  4. mehr so richtig melodisch? Man hört das und denkt sich, das hat doch mit Bach, Mozart oder Beehofen so gar nichts mehr zu tun. Genau diese Frage, die wird uns
  5. heute leiten wie ein Kompass. Also hier ist unser Fahrplan für heute. Erst schauen wir uns an, wie die alten Regeln über Bord geworfen wurden, dann wie
  6. Arnold Schönberg versucht hat, eine komplett neue Ordnung zu schaffen und wie diese Ordnung dann so auf die Spitze getrieben wurde, dass es zu einer echten
  7. Rebellion kam, der Musik des Zufalls. Und ganz am Ende werfen wir noch einen Blick auf ein paar andere spannende Wege, die damals eingeschlagen wurden.
  8. So, fangen wir an mit Punkt 1, der Bruch mit der Tradition. Man muss sich das mal vorstellen. Das frühere 20. Jahrhundert, das war eine Zeit, da stand einfach
  9. alles auf dem Kopf in der Gesellschaft, in der Wissenschaft und eben auch in der Kunst. Und die Komponisten, die fühlten sich regelrecht eingesperrt und zwar,
  10. wie es hier steht, im Gefängnis der Tonalität. Man muss verstehen, hunderte von Jahren lang gab es da ein super festes Regelsystem. Das hat dafür
  11. gesorgt, dass Musik für uns vertraut und na ja, harmonisch klingt, aber für Leute wie Arnold Schönberg fühlte sich das an wie ein Käfig. Sie hatten das Gefühl,
  12. alles sei gesagt, jede mögliche Melodie schon geschrieben. Da musste was Neues her. Hier sehen wir das Problem sozusagen schwarz auf weiß. Tonalität,
  13. das ist wie die Schwerkraft in der Musik. Kennen Sie das? Man hat einen Grundton und alles dreht sich irgendwie darum. Es gibt ein klares Zuhause, zu
  14. dem die Musik immer wieder zurückkehren will. Und wenn es mal schrä klingt, also eine Dissonanz da ist, dann löst sie sich auch wieder auf. Alles ganz
  15. geordnet. Und die Tonalität, tja, die schaltet diese Schwerkraft einfach aus. Plötzlich schwebt alles frei herum. Es gibt kein Zentrum mehr. Und diese
  16. schrägen Töne, die Dissonanzen, die müssen sich nicht mehr auflösen. Die sind jetzt gleich berechtigt. Die dürfen einfach so im Raum stehen bleiben. Ein
  17. völlig neuer Klang. Okay, fassen wir kurz zusammen. Das war der erste wirklich radikale Schritt. Raus aus dem alten System, rein ins Ungewisse. Die
  18. Komponisten haben quasi die Ketten gesprengt, um ganz neue emotionale Welten zu finden. Aber sie können es sich denken, diese totale Freiheit, die
  19. führt auch schnell zu Chaos. Wenn es gar keine Regeln mehr gibt, wo fängt man dann an? Wie komponiert man da noch? Und genau diese Frage hat Arnold Schönberg
  20. umgetrieben. Er wollte eine Lösung, eine ganz neue Ordnung für diese regellose Musik. Und seine Lösung war nun ja genial und radikal zugleich. Die zwölft
  21. Tontechnik, auch Dodikapfonie genannt. Die Grundregel ist eigentlich ganz einfach, aber super streng. Stellen Sie sich vor, Sie haben die z Töne, die es
  22. in unserer Musik gibt. Sie stellen die in eine ganz bestimmte Reihenfolge, eine Reihe. Und jetzt kommt's. Sie dürfen keinen Ton wiederholen, bevor nicht alle
  23. anderen elf einmal dran waren. Das ist so eine Art musikalische Demokratie. Kein Ton ist mehr der Chef. Alle sind gleichberechtigt. Und aus dieser einen
  24. Reihe wurde dann ein ganzes musikalisches Universum gebaut. Das ist der Clue. Man hat die Reihe nicht nur einfach so abgespielt. Nein, man hat sie
  25. rückwärts gespielt. Das nennt man Krebs. Witziger Name, oder? Dann hat man sie gespiegelt, quasi auf den Kopf gestellt. Das ist die Umkehrung. Und diese
  26. Umkehrung konnte man dann natürlich auch wieder rückwärts spielen. Das war wie ein ja wie ein Lego Baukasten für Musik, aber mit ganz ganz strengen Regeln. Also
  27. halten wir fest. Die Zwölftonmusik war Schönbergs Antwort auf das Chaos der Freiheit. Eine neue eiserne Logik, um Musik ohne die alten Regeln zu
  28. strukturieren. Aber sie wissen ja, wie das ist. Man kann es auch übertreiben. Und genau das passierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam eine neue
  29. Generation von Komponisten, die dachten sich: "Moment mal, Schönberg hat die Tonhöhen perfekt organisiert, aber was ist mit dem Rest? Warum organisieren wir
  30. nicht einfach alles?" Und bum, da haben wir die serielle Musik. Das ist quasi die Steigerung der zwölft Tontechnik. Jetzt geht es nicht mehr nur um die
  31. Reihenfolge der Töne. Nein, jetzt wird alles, aber auch wirklich alles, in solche Reihen gepackt. Wie lange dauert dein Ton? Wie laut ist er? Wie wird er
  32. gespielt, also seine Artikulation? Das ist nicht mehr nur ein Baukasten, das ist ein hyperdaillierter Bauplan, bei dem die Position jeder einzelnen
  33. Schraube schon vorher festgelegt ist. Totale Kontrolle. Klingt anstrengend, war es auch. Und diese totale Kontrolle hatte natürlich ihren Preis. Die Musik
  34. klang für viele oft sehr kalkuliert, fast schon mechanisch. Und denken Sie mal an den armen Musiker. Der war im Grunde nur noch eine Art
  35. Ausführungsgehilfe, ein Roboter, der einen Millimeter genauen Plan abarbeiten musste. Von künstlerischer Freiheit oder Interpretation keine Spur mehr. Also der
  36. Serialismus, das war wirklich der Höhepunkt des Kontrollwahnens, der Versuch Kunst komplett rational zu planen und jeden, wirklich jeden Funken
  37. Zufall auszumärzen. Und was passiert, wenn man etwas ins absolute Extrem treibt? Genau, es schlägt ins Gegenteil um wie ein Pendel. Als radikale direkte
  38. Antwort auf diese totale Kontrolle kam dann die Alleatorik auf den Plan. Und das ist sie ahnes schon, die Musik des Zufalls. Der Name sagt schon alles. Alea
  39. ist lateinisch für der Würfel und das ist das Prinzip. Statt alles bis ins kleinste Detail durchzuplanen, wird jetzt quasi gewürfelt. Der Komponist
  40. schreibt nicht mehr alles vor, sondern überlässt wichtige Entscheidungen ganz bewusst dem Zufall oder eben dem Musiker im Moment der Aufführung. Das ist
  41. wirklich die 180° Wende zur seriellen Musik. Und nirgends sieht man diesen krassen Unterschied besser als bei den Partituren. Schauen Sie mal. Links, das
  42. sieht ja noch halbwegs normal aus, auch wenn es nur Rhythmen sind, aber rechts, puh, das ist keine klassische Partitur mehr. Das sind eher grafische
  43. Kunstwerke. Der Musiker bekommt hier keinen exakten Befehl, sondern eine Art Anregung, eine visuelle Inspiration. Die Partitur wird von einer
  44. Bedienungsanleitung zu einer Landkarte, auf der Musiker seinen eigenen Weg finden darf. Wer hat's erfunden? Na ja, in Europa gab es Leute wie Pierre Bouis
  45. oder Karl Heinz Stockhausen, die haben mit so einer Art kontrolliertem Zufall experimentiert, aber der, der das Ganze wirklich auf die Spitze getrieben hat,
  46. das war der Amerikaner John Cage. Für ihn war der Zufall oder Unbestimmtheit, wie er es lieber nannte, nicht nur ein Werkzeug, sondern das eigentliche
  47. Zentrum seiner Musik. Also zusammengefasst, die Alleik war die große Befreiung, eine Feier des Unorhersehbaren, die dem Musiker endlich
  48. seine kreative Freiheit zurückgab. Okay, aber die Musikgeschichte ist natürlich nie so simpel. Es gab nicht nur dieses eine große Duell, totale Ordnung gegen
  49. totalen Zufall. Abseits davon sind noch ganz andere super spannende Sachen passiert. Nehmen wir z.B. die Minimal Music. Die ist das genaue Gegenteil von
  50. diesem komplizierten verkopften Zeug. Hier geht es um einfache Mustel, die sich ständig wiederholen und sich dabei nur ganz ganz langsam verändern. Wenn
  51. man da reinhört, hat das oft was total hypnotisches, fast meditatives, wie ein musikalisches Mantra. Und dann, klar kam die Technik ins Spiel. Plötzlich gab es
  52. Instrumente wie das Teremin, die Klänge erzeugen konnten, die man vorher noch nie gehört hatte. Klänge, die physikalisch unmöglich für eine Geige
  53. oder ein Klavier waren. Die Komponisten konnten auf einmal mit reinem Klang und Geräuschen arbeiten, wie ein Maler mit Farben. Das war noch mal eine ganz
  54. eigene Revolution. So, Zeit für die große Zusammenfassung. Lasst uns die ganze Reise noch mal im Schnelldurchlauf ansehen. Alles fing damit an, dass die
  55. alte Musik in einer Krise steckte. Dann kam Schönberg mit seiner Zwöltonchnik als Lösung. Diese Lösung wurde im Serialismus bis zum Extrem der totalen
  56. Kontrolle getrieben, was dann die Rebellion des Zufalls, die Alleatorik, auf den Plan rief. Und parallel dazu haben andere wie die Minimalisten und
  57. die Elektronikpioniere ganz neue Türen aufgestoßen. Und damit sind wir wieder in der Gegenwart und bei einer letzten Frage an euch: Wenn ihr heute Musik
  58. hört, ganz egal was, ob Pop, Hiphop, Filmmusik oder Techno, was hätt ihr da eigentlich? ihr den Wunsch nach perfekter computergesteuerter Ordnung
  59. oder feiert die Musik eher den zufälligen, den spontanen Moment? Vielleicht achtet ihr beim nächsten Mal ja darauf. Vielen Dank fürs Zuhören und
  60. bis zum nächsten Mal.