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Musik des 20. Jahrhunderts
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 60 Zeilen
- schon mal in klassische Musik aus dem 20. Jahrhundert reingehört und sich gedacht, was ist das denn? Klingt irgendwie schräg, oder? Tja, genau darum
- geht's heute. Wir machen eine kleine Zeitreise, um diese musikalische Revolution zu verstehen. Es geht umbruch, Rebellion und wirklich radikal
- neue Ideen. Also, legen wir los. Und das ist ja die Kernfrage, die sich wahrscheinlich jeder von uns stellt. Warum zum Teufel klingt das alles nicht
- mehr so richtig melodisch? Man hört das und denkt sich, das hat doch mit Bach, Mozart oder Beehofen so gar nichts mehr zu tun. Genau diese Frage, die wird uns
- heute leiten wie ein Kompass. Also hier ist unser Fahrplan für heute. Erst schauen wir uns an, wie die alten Regeln über Bord geworfen wurden, dann wie
- Arnold Schönberg versucht hat, eine komplett neue Ordnung zu schaffen und wie diese Ordnung dann so auf die Spitze getrieben wurde, dass es zu einer echten
- Rebellion kam, der Musik des Zufalls. Und ganz am Ende werfen wir noch einen Blick auf ein paar andere spannende Wege, die damals eingeschlagen wurden.
- So, fangen wir an mit Punkt 1, der Bruch mit der Tradition. Man muss sich das mal vorstellen. Das frühere 20. Jahrhundert, das war eine Zeit, da stand einfach
- alles auf dem Kopf in der Gesellschaft, in der Wissenschaft und eben auch in der Kunst. Und die Komponisten, die fühlten sich regelrecht eingesperrt und zwar,
- wie es hier steht, im Gefängnis der Tonalität. Man muss verstehen, hunderte von Jahren lang gab es da ein super festes Regelsystem. Das hat dafür
- gesorgt, dass Musik für uns vertraut und na ja, harmonisch klingt, aber für Leute wie Arnold Schönberg fühlte sich das an wie ein Käfig. Sie hatten das Gefühl,
- alles sei gesagt, jede mögliche Melodie schon geschrieben. Da musste was Neues her. Hier sehen wir das Problem sozusagen schwarz auf weiß. Tonalität,
- das ist wie die Schwerkraft in der Musik. Kennen Sie das? Man hat einen Grundton und alles dreht sich irgendwie darum. Es gibt ein klares Zuhause, zu
- dem die Musik immer wieder zurückkehren will. Und wenn es mal schrä klingt, also eine Dissonanz da ist, dann löst sie sich auch wieder auf. Alles ganz
- geordnet. Und die Tonalität, tja, die schaltet diese Schwerkraft einfach aus. Plötzlich schwebt alles frei herum. Es gibt kein Zentrum mehr. Und diese
- schrägen Töne, die Dissonanzen, die müssen sich nicht mehr auflösen. Die sind jetzt gleich berechtigt. Die dürfen einfach so im Raum stehen bleiben. Ein
- völlig neuer Klang. Okay, fassen wir kurz zusammen. Das war der erste wirklich radikale Schritt. Raus aus dem alten System, rein ins Ungewisse. Die
- Komponisten haben quasi die Ketten gesprengt, um ganz neue emotionale Welten zu finden. Aber sie können es sich denken, diese totale Freiheit, die
- führt auch schnell zu Chaos. Wenn es gar keine Regeln mehr gibt, wo fängt man dann an? Wie komponiert man da noch? Und genau diese Frage hat Arnold Schönberg
- umgetrieben. Er wollte eine Lösung, eine ganz neue Ordnung für diese regellose Musik. Und seine Lösung war nun ja genial und radikal zugleich. Die zwölft
- Tontechnik, auch Dodikapfonie genannt. Die Grundregel ist eigentlich ganz einfach, aber super streng. Stellen Sie sich vor, Sie haben die z Töne, die es
- in unserer Musik gibt. Sie stellen die in eine ganz bestimmte Reihenfolge, eine Reihe. Und jetzt kommt's. Sie dürfen keinen Ton wiederholen, bevor nicht alle
- anderen elf einmal dran waren. Das ist so eine Art musikalische Demokratie. Kein Ton ist mehr der Chef. Alle sind gleichberechtigt. Und aus dieser einen
- Reihe wurde dann ein ganzes musikalisches Universum gebaut. Das ist der Clue. Man hat die Reihe nicht nur einfach so abgespielt. Nein, man hat sie
- rückwärts gespielt. Das nennt man Krebs. Witziger Name, oder? Dann hat man sie gespiegelt, quasi auf den Kopf gestellt. Das ist die Umkehrung. Und diese
- Umkehrung konnte man dann natürlich auch wieder rückwärts spielen. Das war wie ein ja wie ein Lego Baukasten für Musik, aber mit ganz ganz strengen Regeln. Also
- halten wir fest. Die Zwölftonmusik war Schönbergs Antwort auf das Chaos der Freiheit. Eine neue eiserne Logik, um Musik ohne die alten Regeln zu
- strukturieren. Aber sie wissen ja, wie das ist. Man kann es auch übertreiben. Und genau das passierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam eine neue
- Generation von Komponisten, die dachten sich: "Moment mal, Schönberg hat die Tonhöhen perfekt organisiert, aber was ist mit dem Rest? Warum organisieren wir
- nicht einfach alles?" Und bum, da haben wir die serielle Musik. Das ist quasi die Steigerung der zwölft Tontechnik. Jetzt geht es nicht mehr nur um die
- Reihenfolge der Töne. Nein, jetzt wird alles, aber auch wirklich alles, in solche Reihen gepackt. Wie lange dauert dein Ton? Wie laut ist er? Wie wird er
- gespielt, also seine Artikulation? Das ist nicht mehr nur ein Baukasten, das ist ein hyperdaillierter Bauplan, bei dem die Position jeder einzelnen
- Schraube schon vorher festgelegt ist. Totale Kontrolle. Klingt anstrengend, war es auch. Und diese totale Kontrolle hatte natürlich ihren Preis. Die Musik
- klang für viele oft sehr kalkuliert, fast schon mechanisch. Und denken Sie mal an den armen Musiker. Der war im Grunde nur noch eine Art
- Ausführungsgehilfe, ein Roboter, der einen Millimeter genauen Plan abarbeiten musste. Von künstlerischer Freiheit oder Interpretation keine Spur mehr. Also der
- Serialismus, das war wirklich der Höhepunkt des Kontrollwahnens, der Versuch Kunst komplett rational zu planen und jeden, wirklich jeden Funken
- Zufall auszumärzen. Und was passiert, wenn man etwas ins absolute Extrem treibt? Genau, es schlägt ins Gegenteil um wie ein Pendel. Als radikale direkte
- Antwort auf diese totale Kontrolle kam dann die Alleatorik auf den Plan. Und das ist sie ahnes schon, die Musik des Zufalls. Der Name sagt schon alles. Alea
- ist lateinisch für der Würfel und das ist das Prinzip. Statt alles bis ins kleinste Detail durchzuplanen, wird jetzt quasi gewürfelt. Der Komponist
- schreibt nicht mehr alles vor, sondern überlässt wichtige Entscheidungen ganz bewusst dem Zufall oder eben dem Musiker im Moment der Aufführung. Das ist
- wirklich die 180° Wende zur seriellen Musik. Und nirgends sieht man diesen krassen Unterschied besser als bei den Partituren. Schauen Sie mal. Links, das
- sieht ja noch halbwegs normal aus, auch wenn es nur Rhythmen sind, aber rechts, puh, das ist keine klassische Partitur mehr. Das sind eher grafische
- Kunstwerke. Der Musiker bekommt hier keinen exakten Befehl, sondern eine Art Anregung, eine visuelle Inspiration. Die Partitur wird von einer
- Bedienungsanleitung zu einer Landkarte, auf der Musiker seinen eigenen Weg finden darf. Wer hat's erfunden? Na ja, in Europa gab es Leute wie Pierre Bouis
- oder Karl Heinz Stockhausen, die haben mit so einer Art kontrolliertem Zufall experimentiert, aber der, der das Ganze wirklich auf die Spitze getrieben hat,
- das war der Amerikaner John Cage. Für ihn war der Zufall oder Unbestimmtheit, wie er es lieber nannte, nicht nur ein Werkzeug, sondern das eigentliche
- Zentrum seiner Musik. Also zusammengefasst, die Alleik war die große Befreiung, eine Feier des Unorhersehbaren, die dem Musiker endlich
- seine kreative Freiheit zurückgab. Okay, aber die Musikgeschichte ist natürlich nie so simpel. Es gab nicht nur dieses eine große Duell, totale Ordnung gegen
- totalen Zufall. Abseits davon sind noch ganz andere super spannende Sachen passiert. Nehmen wir z.B. die Minimal Music. Die ist das genaue Gegenteil von
- diesem komplizierten verkopften Zeug. Hier geht es um einfache Mustel, die sich ständig wiederholen und sich dabei nur ganz ganz langsam verändern. Wenn
- man da reinhört, hat das oft was total hypnotisches, fast meditatives, wie ein musikalisches Mantra. Und dann, klar kam die Technik ins Spiel. Plötzlich gab es
- Instrumente wie das Teremin, die Klänge erzeugen konnten, die man vorher noch nie gehört hatte. Klänge, die physikalisch unmöglich für eine Geige
- oder ein Klavier waren. Die Komponisten konnten auf einmal mit reinem Klang und Geräuschen arbeiten, wie ein Maler mit Farben. Das war noch mal eine ganz
- eigene Revolution. So, Zeit für die große Zusammenfassung. Lasst uns die ganze Reise noch mal im Schnelldurchlauf ansehen. Alles fing damit an, dass die
- alte Musik in einer Krise steckte. Dann kam Schönberg mit seiner Zwöltonchnik als Lösung. Diese Lösung wurde im Serialismus bis zum Extrem der totalen
- Kontrolle getrieben, was dann die Rebellion des Zufalls, die Alleatorik, auf den Plan rief. Und parallel dazu haben andere wie die Minimalisten und
- die Elektronikpioniere ganz neue Türen aufgestoßen. Und damit sind wir wieder in der Gegenwart und bei einer letzten Frage an euch: Wenn ihr heute Musik
- hört, ganz egal was, ob Pop, Hiphop, Filmmusik oder Techno, was hätt ihr da eigentlich? ihr den Wunsch nach perfekter computergesteuerter Ordnung
- oder feiert die Musik eher den zufälligen, den spontanen Moment? Vielleicht achtet ihr beim nächsten Mal ja darauf. Vielen Dank fürs Zuhören und
- bis zum nächsten Mal.