Musik des 20. Jahrhunderts Smart Learn mit Fokus Ben https://www.youtube.com/watch?v=gRDw0rt8avQ Transkript (automatisch erstellt) 0:00 schon mal in klassische Musik aus dem 20. Jahrhundert reingehört und sich gedacht, was ist das denn? Klingt irgendwie schräg, oder? Tja, genau darum 0:09 geht's heute. Wir machen eine kleine Zeitreise, um diese musikalische Revolution zu verstehen. Es geht umbruch, Rebellion und wirklich radikal 0:17 neue Ideen. Also, legen wir los. Und das ist ja die Kernfrage, die sich wahrscheinlich jeder von uns stellt. Warum zum Teufel klingt das alles nicht 0:26 mehr so richtig melodisch? Man hört das und denkt sich, das hat doch mit Bach, Mozart oder Beehofen so gar nichts mehr zu tun. Genau diese Frage, die wird uns 0:36 heute leiten wie ein Kompass. Also hier ist unser Fahrplan für heute. Erst schauen wir uns an, wie die alten Regeln über Bord geworfen wurden, dann wie 0:46 Arnold Schönberg versucht hat, eine komplett neue Ordnung zu schaffen und wie diese Ordnung dann so auf die Spitze getrieben wurde, dass es zu einer echten 0:54 Rebellion kam, der Musik des Zufalls. Und ganz am Ende werfen wir noch einen Blick auf ein paar andere spannende Wege, die damals eingeschlagen wurden. 1:03 So, fangen wir an mit Punkt 1, der Bruch mit der Tradition. Man muss sich das mal vorstellen. Das frühere 20. Jahrhundert, das war eine Zeit, da stand einfach 1:12 alles auf dem Kopf in der Gesellschaft, in der Wissenschaft und eben auch in der Kunst. Und die Komponisten, die fühlten sich regelrecht eingesperrt und zwar, 1:22 wie es hier steht, im Gefängnis der Tonalität. Man muss verstehen, hunderte von Jahren lang gab es da ein super festes Regelsystem. Das hat dafür 1:31 gesorgt, dass Musik für uns vertraut und na ja, harmonisch klingt, aber für Leute wie Arnold Schönberg fühlte sich das an wie ein Käfig. Sie hatten das Gefühl, 1:39 alles sei gesagt, jede mögliche Melodie schon geschrieben. Da musste was Neues her. Hier sehen wir das Problem sozusagen schwarz auf weiß. Tonalität, 1:50 das ist wie die Schwerkraft in der Musik. Kennen Sie das? Man hat einen Grundton und alles dreht sich irgendwie darum. Es gibt ein klares Zuhause, zu 1:58 dem die Musik immer wieder zurückkehren will. Und wenn es mal schrä klingt, also eine Dissonanz da ist, dann löst sie sich auch wieder auf. Alles ganz 2:06 geordnet. Und die Tonalität, tja, die schaltet diese Schwerkraft einfach aus. Plötzlich schwebt alles frei herum. Es gibt kein Zentrum mehr. Und diese 2:15 schrägen Töne, die Dissonanzen, die müssen sich nicht mehr auflösen. Die sind jetzt gleich berechtigt. Die dürfen einfach so im Raum stehen bleiben. Ein 2:22 völlig neuer Klang. Okay, fassen wir kurz zusammen. Das war der erste wirklich radikale Schritt. Raus aus dem alten System, rein ins Ungewisse. Die 2:33 Komponisten haben quasi die Ketten gesprengt, um ganz neue emotionale Welten zu finden. Aber sie können es sich denken, diese totale Freiheit, die 2:42 führt auch schnell zu Chaos. Wenn es gar keine Regeln mehr gibt, wo fängt man dann an? Wie komponiert man da noch? Und genau diese Frage hat Arnold Schönberg 2:51 umgetrieben. Er wollte eine Lösung, eine ganz neue Ordnung für diese regellose Musik. Und seine Lösung war nun ja genial und radikal zugleich. Die zwölft 3:02 Tontechnik, auch Dodikapfonie genannt. Die Grundregel ist eigentlich ganz einfach, aber super streng. Stellen Sie sich vor, Sie haben die z Töne, die es 3:10 in unserer Musik gibt. Sie stellen die in eine ganz bestimmte Reihenfolge, eine Reihe. Und jetzt kommt's. Sie dürfen keinen Ton wiederholen, bevor nicht alle 3:18 anderen elf einmal dran waren. Das ist so eine Art musikalische Demokratie. Kein Ton ist mehr der Chef. Alle sind gleichberechtigt. Und aus dieser einen 3:27 Reihe wurde dann ein ganzes musikalisches Universum gebaut. Das ist der Clue. Man hat die Reihe nicht nur einfach so abgespielt. Nein, man hat sie 3:35 rückwärts gespielt. Das nennt man Krebs. Witziger Name, oder? Dann hat man sie gespiegelt, quasi auf den Kopf gestellt. Das ist die Umkehrung. Und diese 3:42 Umkehrung konnte man dann natürlich auch wieder rückwärts spielen. Das war wie ein ja wie ein Lego Baukasten für Musik, aber mit ganz ganz strengen Regeln. Also 3:51 halten wir fest. Die Zwölftonmusik war Schönbergs Antwort auf das Chaos der Freiheit. Eine neue eiserne Logik, um Musik ohne die alten Regeln zu 4:01 strukturieren. Aber sie wissen ja, wie das ist. Man kann es auch übertreiben. Und genau das passierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam eine neue 4:11 Generation von Komponisten, die dachten sich: "Moment mal, Schönberg hat die Tonhöhen perfekt organisiert, aber was ist mit dem Rest? Warum organisieren wir 4:20 nicht einfach alles?" Und bum, da haben wir die serielle Musik. Das ist quasi die Steigerung der zwölft Tontechnik. Jetzt geht es nicht mehr nur um die 4:30 Reihenfolge der Töne. Nein, jetzt wird alles, aber auch wirklich alles, in solche Reihen gepackt. Wie lange dauert dein Ton? Wie laut ist er? Wie wird er 4:39 gespielt, also seine Artikulation? Das ist nicht mehr nur ein Baukasten, das ist ein hyperdaillierter Bauplan, bei dem die Position jeder einzelnen 4:47 Schraube schon vorher festgelegt ist. Totale Kontrolle. Klingt anstrengend, war es auch. Und diese totale Kontrolle hatte natürlich ihren Preis. Die Musik 4:57 klang für viele oft sehr kalkuliert, fast schon mechanisch. Und denken Sie mal an den armen Musiker. Der war im Grunde nur noch eine Art 5:04 Ausführungsgehilfe, ein Roboter, der einen Millimeter genauen Plan abarbeiten musste. Von künstlerischer Freiheit oder Interpretation keine Spur mehr. Also der 5:15 Serialismus, das war wirklich der Höhepunkt des Kontrollwahnens, der Versuch Kunst komplett rational zu planen und jeden, wirklich jeden Funken 5:25 Zufall auszumärzen. Und was passiert, wenn man etwas ins absolute Extrem treibt? Genau, es schlägt ins Gegenteil um wie ein Pendel. Als radikale direkte 5:36 Antwort auf diese totale Kontrolle kam dann die Alleatorik auf den Plan. Und das ist sie ahnes schon, die Musik des Zufalls. Der Name sagt schon alles. Alea 5:46 ist lateinisch für der Würfel und das ist das Prinzip. Statt alles bis ins kleinste Detail durchzuplanen, wird jetzt quasi gewürfelt. Der Komponist 5:56 schreibt nicht mehr alles vor, sondern überlässt wichtige Entscheidungen ganz bewusst dem Zufall oder eben dem Musiker im Moment der Aufführung. Das ist 6:04 wirklich die 180° Wende zur seriellen Musik. Und nirgends sieht man diesen krassen Unterschied besser als bei den Partituren. Schauen Sie mal. Links, das 6:13 sieht ja noch halbwegs normal aus, auch wenn es nur Rhythmen sind, aber rechts, puh, das ist keine klassische Partitur mehr. Das sind eher grafische 6:21 Kunstwerke. Der Musiker bekommt hier keinen exakten Befehl, sondern eine Art Anregung, eine visuelle Inspiration. Die Partitur wird von einer 6:30 Bedienungsanleitung zu einer Landkarte, auf der Musiker seinen eigenen Weg finden darf. Wer hat's erfunden? Na ja, in Europa gab es Leute wie Pierre Bouis 6:39 oder Karl Heinz Stockhausen, die haben mit so einer Art kontrolliertem Zufall experimentiert, aber der, der das Ganze wirklich auf die Spitze getrieben hat, 6:48 das war der Amerikaner John Cage. Für ihn war der Zufall oder Unbestimmtheit, wie er es lieber nannte, nicht nur ein Werkzeug, sondern das eigentliche 6:57 Zentrum seiner Musik. Also zusammengefasst, die Alleik war die große Befreiung, eine Feier des Unorhersehbaren, die dem Musiker endlich 7:06 seine kreative Freiheit zurückgab. Okay, aber die Musikgeschichte ist natürlich nie so simpel. Es gab nicht nur dieses eine große Duell, totale Ordnung gegen 7:16 totalen Zufall. Abseits davon sind noch ganz andere super spannende Sachen passiert. Nehmen wir z.B. die Minimal Music. Die ist das genaue Gegenteil von 7:27 diesem komplizierten verkopften Zeug. Hier geht es um einfache Mustel, die sich ständig wiederholen und sich dabei nur ganz ganz langsam verändern. Wenn 7:36 man da reinhört, hat das oft was total hypnotisches, fast meditatives, wie ein musikalisches Mantra. Und dann, klar kam die Technik ins Spiel. Plötzlich gab es 7:47 Instrumente wie das Teremin, die Klänge erzeugen konnten, die man vorher noch nie gehört hatte. Klänge, die physikalisch unmöglich für eine Geige 7:54 oder ein Klavier waren. Die Komponisten konnten auf einmal mit reinem Klang und Geräuschen arbeiten, wie ein Maler mit Farben. Das war noch mal eine ganz 8:02 eigene Revolution. So, Zeit für die große Zusammenfassung. Lasst uns die ganze Reise noch mal im Schnelldurchlauf ansehen. Alles fing damit an, dass die 8:11 alte Musik in einer Krise steckte. Dann kam Schönberg mit seiner Zwöltonchnik als Lösung. Diese Lösung wurde im Serialismus bis zum Extrem der totalen 8:20 Kontrolle getrieben, was dann die Rebellion des Zufalls, die Alleatorik, auf den Plan rief. Und parallel dazu haben andere wie die Minimalisten und 8:29 die Elektronikpioniere ganz neue Türen aufgestoßen. Und damit sind wir wieder in der Gegenwart und bei einer letzten Frage an euch: Wenn ihr heute Musik 8:39 hört, ganz egal was, ob Pop, Hiphop, Filmmusik oder Techno, was hätt ihr da eigentlich? ihr den Wunsch nach perfekter computergesteuerter Ordnung 8:48 oder feiert die Musik eher den zufälligen, den spontanen Moment? Vielleicht achtet ihr beim nächsten Mal ja darauf. Vielen Dank fürs Zuhören und 8:55 bis zum nächsten Mal.