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Neue Modelle zur Infektiositätstestung humaner Noroviren – Von Stammzellen bis Zebrafisch

BfR | Bundesinstitut für Risikobewertung28:07 143 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 224 Zeilen
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  1. Dann gehen wir jetzt weiter. Den letzten Vortrag in dieser Session hält Stefan Taube aus Lübeck.
  2. Und er stellt uns neue Modelle zur Infektionstestung von Noroviren vor. Wir bleiben also beim Virus.
  3. Wie sind wir denn in der Zeit? Sehr gut.
  4. Ganz herzlichen Dank für die Einladung. Ich freue mich, dass ich hier bin und das waren
  5. sehr viele spannende und anregende Vorträge soweit. Und vielleicht ergeben sich ja jetzt
  6. nach diesem auch noch ein paar neue Gespräche. Ich möchte ein bisschen was erzählen zu neuen Modellen in der Infektionstestung
  7. humaner Noroviren – von Stammzellen bis zum Zebrafisch. Diejenigen, die sich vielleicht
  8. mit Norovirusinfektiosität und Zellkulturen beschäftigen, haben ja vielleicht mitgekriegt, dass es sehr viele neue Modelle gibt.
  9. Und ich versuche Ihnen heute das eine oder andere vorzustellen und die Vor- und
  10. Nachteile ein bisschen zu erörtern. Eine große Einführung muss ich gar nicht geben,
  11. wir haben ja schon viel gehört. Albert Kapikian
  12. wurde heute auch schon gezeigt. Und ja, wir haben eine Gastroenteritis.
  13. Es gibt keine antivirale Behandlung für Noroviren. Das ist auch etwas, woran wir arbeiten
  14. bei uns im Labor in Lübeck. Und derzeit auch noch keinen lizensiertes
  15. Vakzin, obwohl dort schon mehrere monovalente und polyvalente Vakzine in Clinical Trials sind.
  16. Auch bei der Klassifikation der Noroviren hat sich in den letzten Jahren ein bisschen was geändert und eine ähnliche Folie
  17. hatten wir ja auch schon gesehen. Es gibt zum einen das Polymerase Typing in der RNA
  18. abhängigen Polymerase und das Kapsid Typing im Kapsidprotein.
  19. Für mich ist insbesondere
  20. die Kapsid-Typisierung wichtig, weil das Kapsid der Hauptträger des Tropismus, des Virus ist
  21. und damit die Wirts- und Gewebsspezifität einhergeht.
  22. Was jetzt bei der Polymerase, da kann es das natürlich bis zu einem gewissen Grad auch geben, aber der Hauptträger
  23. ist auf jeden Fall das Kapsid hier. Noroviren sind mittlerweile in 10 Genogruppen
  24. unterteilt, basierend auf der Aminosäure-Sequenz des Kapsidproteins. Und wenn man jetzt mal in diese neue Einteilung
  25. ein bisschen reingeht, haben wir jetzt mehrere Norovirus-Genotypen, die auch Menschen infizieren.
  26. Genogruppe I, II und IV sind die alten Genotypen. Und jetzt sind noch zwei weitere dazugekommen:
  27. Genotyp VIII und Genotyp IX. Wenn es jetzt dahin geht, zu überlegen, welche neuen Zellkulturmodelle
  28. oder Tiermodell wir verwenden können, um Noroviren zu untersuchen, dann ist es
  29. natürlich interessant, wenn wir Noroviren finden, die natürlich einen bestimmten Wirt haben, für das wir auch ein Labormodell haben.
  30. Und wenn wir hier gucken, dann fallen ein paar Tiere auf.
  31. Hund: Genotyp VI und VII. Die Rinder: Genotyp III,
  32. auch Schaf in der Genogruppe. Neu dazugekommen: in der Genogruppe X gibt es sogar einen Fledermaus-Norovirus.
  33. Und für mich besonders interessant ist natürlich die Genogruppe V mit Mäusen,
  34. weil wir da eine große Auswahl an Tierversuchen machen können.
  35. Genogruppe II und IV sind interessant, weil wir hier sowohl Mensch als auch Tier in der gleichen Genogruppe haben.
  36. Jetzt könnte man sich denken, sind Noroviren zoonotisch, spielt das eine Rolle? Ich kann die Frage so derzeit nicht beantworten.
  37. Es gibt Hinweise darauf, dass es zoonotische Übertragung gibt, aber meines Wissens ist das noch nicht wirklich kausal belegt,
  38. dass das Norovirus von einem Menschen auf ein Tier geht und dort eine Erkrankung stattfindet und umgekehrt.
  39. Was auch auffällt ist, wenn man in die Genogruppen reinguckt und sich die Genotypen anguckt, hat man bei den Tieren
  40. oft unterschiedliche Genotypen in der gleichen Genogruppe, die dann spezifisch sind. Also wir haben hier zum Beispiel beim...
  41. bei der Genogruppe II haben wir die meisten humanen, aber Genotyp GII. 11, GII. 18 und GII. 19
  42. sind die, die dann vorwiegend in Schweinen gefunden werden. Was darauf hindeutet, dass es da
  43. eine gewisse Tropismus-Barriere gibt. So, wir haben jetzt verschiedene Tiere.
  44. Das einzige Norovirus, das wir wirklich in Zellkultur anzüchten können, effektiv zumindest, sind Noroviren der Genogruppe V
  45. und das ist das Murine Norovirus. Und viele die sich mit Desinfektionsmitteltestung oder Nachweis
  46. in Lebensmitteln beschäftigen, benutzen sehr gerne das Maus-Norovirus als Surrogat-Virus. Ich kann aber sagen, dass die Eigenschaften von Maus- und humanen Norovirus
  47. nicht unbedingt immer die gleichen sind. Und je besser die Modelle werden, desto
  48. interessanter wird es auch dahin zu kommen, dass man auch humane Noroviren direkt
  49. in solchen Versuchen einsetzen kann. Genau.
  50. Bei den humanen Noroviren habe ich die Zellkultur noch nicht ganz so kräftig dargestellt,
  51. weil da noch sehr viele Hürden zu überwinden sind. Und da werde ich gleich noch ein bisschen drauf eingehen.
  52. Zunächst möchte ich noch ganz kurz ein bisschen die Grundlagen
  53. oder die Faktoren des Wirtstropismus ein bisschen darlegen und hier aus einer Virologievorlesung:
  54. Wir haben die Anknüpfungsrezeptoren, das sind gerne Kohlenhydrate auf der Zelloberfläche, wo das Virus erst mal andockt,
  55. und dann gibt es eine rezeptorvermittelte Endozytose, wo das Virus in die Zelle eintritt.
  56. Bei den Murinen Noroviren ist der Prozess sehr gut verstanden. Wir haben bestimmte Zucker,
  57. gerne auf Lipiden, an der Oberfläche, wo das Virus erst mal lose andocken kann. Und vor kurzem, 2016, identifiziert
  58. ist der bona fide entry receptor für Murine Noroviren, das mCD300LF.
  59. Dieser Rezeptor ist sehr wichtig und er ist für die Murinen Noroviren der Hauptfaktor
  60. für die Zell-, Wirts- und Species Spezifität. In unserem Labor haben wir mittlerweile Zelllinien gemacht
  61. mit einem Lentivirus-System, mit dem mCD300LF Rezeptor, die wir transduziert haben und haben jetzt zum Beispiel
  62. eine HuH7 Zelllinien, die wir wunderbar mit Murinen Noroviren infizieren können. Das erleichtert uns bestimmte Assays,
  63. weil die Zellen deutlich leichter zu händeln sind als andere Zelllinien, die für Murine Noroviren verwendet werden.
  64. Und die Infektionstestung, wie Plaque Assay, funktionieren mit diesen Zellen deutlich einfacher, reproduzierbarer und besser.
  65. Wenn jemand Interesse hat, können Sie mich gerne ansprechen. Den Rezeptor findet man vorwiegend auf Immunzellen,
  66. Makrophagen, dendritischen Zellen, monozytäre Zellen. Es gibt ein paar Epithelzellen,
  67. die den Rezeptor auch tragen und diese können infiziert werden.
  68. Bei den humanen Noroviren ist das Ganze ein bisschen anders. Hier haben wir einen Rezeptor,
  69. einen Glykan, ein Kohlenhydrat auf der Zelloberfläche. Was ein,
  70. wir nennen es einen Restriktionsfaktor ist. Wenn er nicht da ist, können wir die Zellen nicht infizieren.
  71. Aber wenn er da ist, reicht es auch nicht aus. Also eher etwas, was nicht fehlen darf.
  72. Und der Proteinrezeptor, wenn es ihn denn gibt, ist für humane Noroviren nicht bekannt.
  73. Aus einer kürzlich veröffentlichten Studie aus Kim Greens Lab vom NIH
  74. verdichten sich die Beweise, dass enteroendokrine Zellen,
  75. also spezifische Epithel-Subtyp-Zellen im Darm, die Zelllinien sind, die humanen Noroviren
  76. aktiv infizieren können. Und das könnte natürlich auch erklären, warum das so schwierig ist oder
  77. bisher war humane Noroviren effizient in Zellkultur anzuzüchten, weil das wirklich ein sehr spezifischer Subtyp ist.
  78. Und wenn man sich das Darmepithel anguckt, kommt der auch gar nicht so häufig vor. Die Kohlenhydrate,
  79. nur ganz kurz, dass Sie es einmal gesehen haben, Histo Blood-Group Antigens sind Kohlenhydratketten, die man von den Blutgruppen her kennt.
  80. Sie werden über Glycosyltransferase, es werden Zuckerketten aufeinander aufgebaut und es gibt ein Enzym, die alpha-(1,2)-Fucosyltransferase,
  81. die den sogenannten Sekretor-Phänotyp darstellt, der ein genetischer Faktor für die Suszeptibilität
  82. vieler humaner Norovirusinfektionen ist. Und die gleichen Zuckerstrukturen
  83. finden sich auch auf den Epithelzellen. Okay, das war eine kurze Einleitung,
  84. bevor ich zu den Modellsystemen komme. Wir haben gesehen, dass Noroviren verschiedene Säugetiere, eine Fledermaus ist
  85. auch ein Säugetier, das musste ich auch nachgucken, infizieren kann, dass wir hier eine Genotyp-Spezifität haben,
  86. Murine Noroviren die einzigen sind, die effizient bisher in Zellkultur wachsen.
  87. Blutgruppen Antigene HBGA sind so ein Link zu einer klinischen Relevanz. Wenn wir so was in einem Modell- oder Zellkultursystem sehen,
  88. haben wir etwas, wo wir sagen können, das passt zu dem Wildtyp-Virus, was wir in der Epidemiologie sehen.
  89. Murine Noroviren infizieren also Immunzellen, haben einen bekannten Rezeptor und humane Noroviren spezialisierte Epithelzellen, aber der Entry-Rezeptor ist noch nicht bekannt.
  90. Aber auch hier gibt es Beweise, Indizien, dass
  91. bestimmte Immunzellen eventuell auch eine Rolle spielen können. Das sind die Modellsysteme, die ich Ihnen heute vorstellen möchte.
  92. Die ersten beiden nur ganz kurz und die beiden letzteren sind die interessanteren.
  93. Darauf werde ich dann etwas detaillierter eingehen. Das erste eigentlich mehr aus historischen Gründen.
  94. Das gnotobiotische Schwein war eines der ersten oder
  95. das erste Tiermodell für die Infektion humaner Noroviren. Hier konnten nur spezifische GII-Isolate verwendet werden.
  96. Es gab einen intestinalen Tropismus, aber es ist ein sehr aufwendiges, sehr teures
  97. Experiment und nichts, was man jetzt sinnvoll in der Lebensmittelindustrie zum Testen einsetzen könnte.
  98. Und selbst für die Grundlagenforschung ist das eigentlich zu aufwendig.
  99. Und es hat nicht wirklich Anklang gefunden, zumal auch die Reproduzierbarkeit mit verschiedenen Stühlen
  100. nicht besonders einfach ist. Decreased titer over passaging, also wenn man das Virus in diesem System
  101. vermehrt passagiert, kriegt man im Endeffekt nicht wirklich mehr Virus raus, dass man ein systematisches Experiment durchführen kann.
  102. Und das ist ein Grundproblem, das kann ich schon jetzt sagen, was wir mit allen Zellkultur- und Tiermodellen für humane Noroviren haben.
  103. Also man braucht immer noch einen Patienten, eine Patientenprobe.
  104. Also, praktischer Nutzen limitiert. Das nächste Tiermodell
  105. stammt noch aus meiner Postdoc Zeit. Wir haben uns ein bisschen an dem
  106. Murinen Norovirus lang gehangelt und haben gesehen, das infiziert Immunzellen. Was passiert denn, wenn wir jetzt einer Maus humane Immunzellen geben?
  107. Können wir die infizieren? Und da gibt es das humanisierte Mausmodell.
  108. Das haben wir verwendet und haben dann zu unserer Überraschung festgestellt, dass, hier ist das humane Mausmodell, Rag-Gamma-Chain Knockout-Mäuse.
  109. Hier haben wir die Rag-Gamma-Chain Controls und hier haben wir einen anderen Mausstamm, Balb/c Mäuse.
  110. Das unabhängig von der Humanisierung dieser immunsupprimierten Rag-Gamma-Chain Knockout Mäusen bei manchen Stuhlproben, vor allem GII,
  111. wir haben hier einen Mix verwendet, damit wir ein bisschen größeres Material haben, da wir hier ein bisschen
  112. Infektionen sehen konnten. Eine Passage war aber auch nicht möglich.
  113. Es kann auch sein, dass das eine abortive Infektion war, das heißt, man geht rein, infiziert und man hat vorwiegend
  114. RNA-Replikationen in den Zellen, aber wenig infektiöse Viren, die nachher rauskommt. Also Praktikabilität
  115. auch sehr eingeschränkt, zumal wir hier gerade mit immunsupprimierten Mäusen arbeiten,
  116. sodass Vakzine und ähnliche Testungen da auch nicht wirklich Sinn machen.
  117. Jetzt kommen wir zu den interessanten Modellen. Da haben wir einmal das Organoid-Modell,
  118. ein dreidimensionales Zellkulturmodell. Das wurde das erste Mal 2016 von Ettayebi
  119. in der Gruppe von Mary Estes aus den USA beschrieben. Dieses Modell haben wir jetzt bei uns auch im Labor und die Idee dahinter ist,
  120. dass man spezifische, eine Organoid-Struktur in vitro im Reagenzglas herstellen kann.
  121. Was man dazu braucht, ist erstmal eine Gewebeprobe. Die wird für Enteroide
  122. aus dem Dünndarm oder aus dem Dickdarm entnommen. Und hier wird natürlich auch darauf geachtet, dass der Spender genetisch
  123. kompatibel ist. Also hier geht man dann,
  124. sucht man sich einen Sekretor-positiven Spender. Man hat also eine Gewebeprobe und aus dieser Gewebeprobe werden
  125. intestinale Stammzellen extrahiert. Das haben wir mit Kollaboratoren
  126. in Michigan, an der Universität Michigan gemacht
  127. und haben aus verschiedenen Spendern, gesunden, aber auch inflammatorischen
  128. Bowel Disease Spendern haben wir Darm-Stammzellen entnommen und können diese unter speziellen Zellkulturbedingungen
  129. auch als Stammzellen weiter passagieren. Das ist jetzt keine Zellkultur in dem Sinne.
  130. Das sind Stammzellen, die sich im richtigen Medium, sehr teurem Medium, weiter passagieren lassen.
  131. Und die kann man natürlich infizieren und untersuchen. Diese Arbeiten hat Carmen Mirabelli gemacht,
  132. die ihren Postdoc in Michigan gemacht hat und zum Schluss auch bei mir im Labor gearbeitet hat.
  133. Sie hat diese Stammzellen im Endeffekt mitgebracht. So sieht das nachher aus in einem 6-well.
  134. Da werden diese Stammzellen in diesen weißen Kugeln, das ist eine Matrix,
  135. gezüchtet. Die müssen einzeln da rein pipettiert werden. Nicht die Stammzellen, sondern diese Kugeln.
  136. Und die werden dann mit der Zell-Suspension angeimpft. Und dann haben wir ein
  137. Medium, was erstmal diese Stammzell-Expansion möglich macht.
  138. Und wenn man dann infizieren möchte, wechselt man das Medium nach sechs Tagen. Also um dahin zu kommen, braucht man schon mal zwei Wochen.
  139. Dann folgt noch eine knappe Woche zur Differenzierung und dann haben wir so dreidimensionale Organoid-Strukturen
  140. mit verschiedenen Zell-Subtypen, die wir infizieren können.
  141. In der Original-Publikation musste das erst noch mal homogenisiert werden als als ein Layer.
  142. Wir infizieren mittlerweile direkt in diese Organoid-Strukturen und das funktioniert mittlerweile sogar besser als die
  143. adhärenten separierten Zellen. Hier ist nur noch mal gezeigt,
  144. dass wir hier auch die HBGA-Expression auf diesen Zellen haben. Genau. Die Ergebnisse,
  145. wir vergleichen im Endeffekt ist das immer eine PCR, Genomkopien, zwei Stunden nach Infektion
  146. gegenüber zwei Tagen nach Infektion und das waren die initialen Experimente
  147. hier von 10 hoch 4 auf 10 hoch 5, also 50-fach.
  148. Wenn man das etwas standardisierter macht, MOI, Multiplicity of Infection. Also, wir haben die Infektionsdosis pro Zelle
  149. von 5 auf 50 auf 500 Genome pro Zelle erhöht und sehen auch einen Anstieg
  150. der Genomkopien. Zwei Stunden, also praktisch unser Input gegenüber 10 hoch 6
  151. bis hin zu 10 hoch 8 Genomkopien. Und Sie sehen auch die Reproduzierbarkeit.
  152. Das ist eigentlich bisher das beste Modell, was wir haben, um infizieren zu können.
  153. Der Nachteil an der ganzen Geschichte, man braucht eine Stuhlprobe, die funktioniert.
  154. Also man kann nicht davon ausgehen, dass jede Stuhlprobe gleich funktioniert und Genomkopien heißt auch nicht infektiöses Virus.
  155. Wenn wir das mit MNV vergleichen, dann haben wir wahrscheinlich ein Verhältnis von 1000 Genomkopien zu einem infektiösen Virus.
  156. Das sollte man immer im Hinterkopf haben, gerade wenn man Verdünnungsreihungen macht für Infektionsversuche.
  157. Okay, dieses System zeigt, dass wir Epithelzellen
  158. im Darm infizieren können. Es wurde mit verschiedenen Genotypen wiederholt.
  159. Es ist in mehreren Laboren mittlerweile etabliert. Wir sehen, dass wir für humane Noroviren einen
  160. Epithelzell-Tropismus haben, der vermutlich auch biologisch relevant ist. Es ist immer noch ein sehr teures, sehr aufwendiges, nicht immer
  161. für jede Stuhlprobe reproduzierbares System. Und die Zellkulturen sind auch anfällig.
  162. Also man muss da schon sich langsam reinarbeiten. Auch hier haben wir das Problem, dass wir nicht in der Lage sind,
  163. so viel Virus zu produzieren, dass wir eine Stock Solution haben, mit der wir systematische Experimente durchführen können.
  164. Also, wenn Sie jetzt denken, ich kann meinen Salat waschen und das Virus auf meine Enteroide geben.
  165. Erstens wäre das sehr teuer und zweitens wäre das Virus wahrscheinlich so verdünnt, dass wir die Initialdosis,
  166. um das überhaupt starten zu können, gar nicht erreichen werden. Also da muss noch sehr viel passieren.
  167. Okay, dann kommen wir zu dem letzten System, was ich Ihnen vorstellen möchte.
  168. Und damit hätte jetzt wahrscheinlich auch keiner gerechnet, dass Fische, Zebrafische, die ja eigentlich eher aus der Entwicklungsbiologie
  169. interessant sind, eine Relevanz für humane Noroviren haben. Aber wenn man ein bisschen in die
  170. Literatur guckt, zeigt sich, dass Zebrafische für verschiedene Viren bereits als Infektionsmodell etabliert sind:
  171. Herpesviren, Influenza, Hepatitis C, Chikungunya. Also erst mal grundsätzlich interessant.
  172. Super einfach, Enteroide brauchen teure Medien.
  173. Die Dinger kann ich in Wasser packen. Das ist also sehr schön, sehr einfach und auch das Füttern
  174. ist wirklich einfach. Die Regenerationsrate ist drei Monate
  175. bis alle Organe, bis der Organismus also voll ausgereift ist, auch sehr schön. Also man kann
  176. damit sehr viele Experimente machen, man kann in die Organe reingucken usw. Interessanterweise sind Zebrafische
  177. in vielen Sachen Menschen sehr ähnlich. Sie haben ein funktionales Immunsystem, sie haben T-Zellen, sie haben B-Zellen,
  178. Makrophagen, Neutrophile. Und für uns interessant, sie haben sogar eine Fucosyltransferase, die unserer ähnlich ist,
  179. sodass wir da ähnliche Strukturen haben. Ein weiterer Vorteil vom Zebrafisch-System ist,
  180. das klingt erstmal nach Tiermodell, vielleicht sollte ich das noch erklären.
  181. Es handelt sich hier erst mal um Zebrafischlarven und solange diese nicht selbstständig
  182. Nahrung aufnehmen, ist das noch kein Tierversuch. Also das kann man wirklich im Labor auf der Bench machen.
  183. Es sind also sehr kleine Tierchen und die Infektion passiert durch Mikroinjektion.
  184. Und wir haben hier also eine Glaskapillare, die wir selber ziehen. Da kommt die Stuhl-Suspension rein und die wird in den Dottersack
  185. der Zebrafischlarve injiziert und wir injizieren 3 Nanoliter von unserer Stuhl-Suspension. Also
  186. eine Stuhlprobe, die ja meistens so ein bisschen Erbsen groß ist und für Experimente nicht so lange reicht.
  187. Hier haben wir zwar viel, was wir nachher wegschmeißen müssen,
  188. weil in der Kapillare was zurückbleibt, aber kein Verhältnis zu den Sachen, die wir normalerweise
  189. in Zellkultur einsetzen müssen. Genau.
  190. Also Tag 0, man züchtet 100 bis 200 Larven, packt zwei Fische in einen Tank,
  191. Morgens einmal das Gitter hoch und dann geht's los und dann kann man auch schon schnell die Larven ernten.
  192. Am Tag 2 sucht man sich dann immer Pools von zehn Larven.
  193. Das ist leider sehr zeit- und arbeitsaufwändig, weil man die Larven sedieren muss.
  194. Auf eine Agar-Matrix packen und dann einzeln anpiksen mit einem Mikroinjektor.
  195. Das ist dann etwas, was vielleicht auch nicht in jedem Labor zur Verfügung steht und auch nicht etwas, was man so einfach mal hoch skalieren kann.
  196. In der Regel werden 10 Larven nachher für eine Kondition, eine Behandlung, gepooled
  197. und es findet wieder eine RNA-Extraktion statt, eine Real-Time-PCR. Und ich habe nur ein Ergebnis jetzt
  198. hier mal mitgebracht, dass man sieht, also auch hier haben wir eine etwa 2 log-Stufen größere
  199. Vermehrung von Virus-Titern über 48 Stunden. Dieses System, ähnlich
  200. wie das Enteroid-System, ist mittlerweile von anderen Gruppen auch schon zur Drug-Testung verwendet worden.
  201. Also hier kann man Proteaseinhibitoren, Entry-Inhibitoren, usw. durchaus systematisch durchtesten.
  202. Also wir haben einen Fisch, der mit verschiedenen Genotypen infiziert werden kann.
  203. In dem Fisch haben wir auch einen intestinalen Tropismus. Die Methode ist
  204. arbeitsaufwendig, aber nicht teuer. Man braucht Fischkultur und Microinjektion-Equipment.
  205. Ein großer Vorteil ist die niedrige Infektionsdosis. Dadurch, dass man nicht so viel Material hat,
  206. ist es natürlich auch wieder schwierig, größere Mengen an Material zu gewinnen. Und wir sind jetzt dabei, das Zebrafisch-Modell mit dem Enteroid-Modell zu koppeln,
  207. dass wir gucken, das, was wir im Enteroid-Modell rauskriegen, im Zebrafisch weiter passagieren können.
  208. Bisher sind wir aber immer noch auf Patienten-Stuhlproben angewiesen
  209. und auch dieses System ist mittlerweile in verschiedenen Laboren etabliert.
  210. Die Person, die das entwickelt hat, ist Joana Rocha-Pereira in der Universität Leuven in Belgien.
  211. Und wir haben damit zusammengearbeitet. Okay, damit bin ich auch schon am Ende.
  212. Einen kleinen Vergleich noch zwischen den einzelnen Proben. Alle Modelle, die es gibt,
  213. brauchen immer noch eine Patienten-Probe. Das ist also das größte Hindernis, das es bisher zu
  214. überbrücken gilt. Alle Modelle sind
  215. arbeitsaufwendig, zum Teil teuer und keins davon kann wirklich ohne Weiteres hoch skaliert werden.
  216. Das heißt, auch da müssen wir noch ein bisschen warten. Es gibt
  217. ein neues System, was ich heute noch nicht vorgestellt habe, eine Publikation aus
  218. Amerika, die eine japanische Speichel-Zelllinien verwenden. Und das sieht sehr gut aus, dass das in Zukunft
  219. viel Arbeit abnehmen kann. Okay, die Modelle
  220. sind also limitiert auf spezifische Genotypen. Manche Modelle funktionieren nur mit bestimmten Genotypen.
  221. Einige Modelle haben das Nachempfinden des HBGA, der HBGA-Abhängigkeit
  222. und das ist natürlich für die Grundlagenforschung wichtig. Und vor allem Zebrafisch und Enteroide
  223. sind derzeit die akzeptierten und reproduzierbaren Modelle. Ja, damit bin ich am Ende.
  224. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und ich stehe für Fragen zur Verfügung.