Neue Modelle zur Infektiositätstestung humaner Noroviren – Von Stammzellen bis Zebrafisch BfR | Bundesinstitut für Risikobewertung https://www.youtube.com/watch?v=cezQwGDIiXk Transkript (automatisch erstellt) 0:03 Dann gehen wir jetzt weiter. Den letzten Vortrag in dieser Session hält Stefan Taube aus Lübeck. 0:09 Und er stellt uns neue Modelle zur Infektionstestung von Noroviren vor. Wir bleiben also beim Virus. 0:19 Wie sind wir denn in der Zeit? Sehr gut. 0:26 Ganz herzlichen Dank für die Einladung. Ich freue mich, dass ich hier bin und das waren 0:32 sehr viele spannende und anregende Vorträge soweit. Und vielleicht ergeben sich ja jetzt 0:38 nach diesem auch noch ein paar neue Gespräche. Ich möchte ein bisschen was erzählen zu neuen Modellen in der Infektionstestung 0:46 humaner Noroviren – von Stammzellen bis zum Zebrafisch. Diejenigen, die sich vielleicht 0:53 mit Norovirusinfektiosität und Zellkulturen beschäftigen, haben ja vielleicht mitgekriegt, dass es sehr viele neue Modelle gibt. 1:04 Und ich versuche Ihnen heute das eine oder andere vorzustellen und die Vor- und 1:11 Nachteile ein bisschen zu erörtern. Eine große Einführung muss ich gar nicht geben, 1:18 wir haben ja schon viel gehört. Albert Kapikian 1:23 wurde heute auch schon gezeigt. Und ja, wir haben eine Gastroenteritis. 1:31 Es gibt keine antivirale Behandlung für Noroviren. Das ist auch etwas, woran wir arbeiten 1:37 bei uns im Labor in Lübeck. Und derzeit auch noch keinen lizensiertes 1:41 Vakzin, obwohl dort schon mehrere monovalente und polyvalente Vakzine in Clinical Trials sind. 1:53 Auch bei der Klassifikation der Noroviren hat sich in den letzten Jahren ein bisschen was geändert und eine ähnliche Folie 2:00 hatten wir ja auch schon gesehen. Es gibt zum einen das Polymerase Typing in der RNA 2:07 abhängigen Polymerase und das Kapsid Typing im Kapsidprotein. 2:14 Für mich ist insbesondere 2:18 die Kapsid-Typisierung wichtig, weil das Kapsid der Hauptträger des Tropismus, des Virus ist 2:28 und damit die Wirts- und Gewebsspezifität einhergeht. 2:35 Was jetzt bei der Polymerase, da kann es das natürlich bis zu einem gewissen Grad auch geben, aber der Hauptträger 2:41 ist auf jeden Fall das Kapsid hier. Noroviren sind mittlerweile in 10 Genogruppen 2:49 unterteilt, basierend auf der Aminosäure-Sequenz des Kapsidproteins. Und wenn man jetzt mal in diese neue Einteilung 2:58 ein bisschen reingeht, haben wir jetzt mehrere Norovirus-Genotypen, die auch Menschen infizieren. 3:07 Genogruppe I, II und IV sind die alten Genotypen. Und jetzt sind noch zwei weitere dazugekommen: 3:14 Genotyp VIII und Genotyp IX. Wenn es jetzt dahin geht, zu überlegen, welche neuen Zellkulturmodelle 3:25 oder Tiermodell wir verwenden können, um Noroviren zu untersuchen, dann ist es 3:31 natürlich interessant, wenn wir Noroviren finden, die natürlich einen bestimmten Wirt haben, für das wir auch ein Labormodell haben. 3:41 Und wenn wir hier gucken, dann fallen ein paar Tiere auf. 3:47 Hund: Genotyp VI und VII. Die Rinder: Genotyp III, 3:55 auch Schaf in der Genogruppe. Neu dazugekommen: in der Genogruppe X gibt es sogar einen Fledermaus-Norovirus. 4:02 Und für mich besonders interessant ist natürlich die Genogruppe V mit Mäusen, 4:10 weil wir da eine große Auswahl an Tierversuchen machen können. 4:17 Genogruppe II und IV sind interessant, weil wir hier sowohl Mensch als auch Tier in der gleichen Genogruppe haben. 4:27 Jetzt könnte man sich denken, sind Noroviren zoonotisch, spielt das eine Rolle? Ich kann die Frage so derzeit nicht beantworten. 4:35 Es gibt Hinweise darauf, dass es zoonotische Übertragung gibt, aber meines Wissens ist das noch nicht wirklich kausal belegt, 4:44 dass das Norovirus von einem Menschen auf ein Tier geht und dort eine Erkrankung stattfindet und umgekehrt. 4:53 Was auch auffällt ist, wenn man in die Genogruppen reinguckt und sich die Genotypen anguckt, hat man bei den Tieren 5:00 oft unterschiedliche Genotypen in der gleichen Genogruppe, die dann spezifisch sind. Also wir haben hier zum Beispiel beim... 5:12 bei der Genogruppe II haben wir die meisten humanen, aber Genotyp GII. 11, GII. 18 und GII. 19 5:20 sind die, die dann vorwiegend in Schweinen gefunden werden. Was darauf hindeutet, dass es da 5:26 eine gewisse Tropismus-Barriere gibt. So, wir haben jetzt verschiedene Tiere. 5:35 Das einzige Norovirus, das wir wirklich in Zellkultur anzüchten können, effektiv zumindest, sind Noroviren der Genogruppe V 5:45 und das ist das Murine Norovirus. Und viele die sich mit Desinfektionsmitteltestung oder Nachweis 5:52 in Lebensmitteln beschäftigen, benutzen sehr gerne das Maus-Norovirus als Surrogat-Virus. Ich kann aber sagen, dass die Eigenschaften von Maus- und humanen Norovirus 6:07 nicht unbedingt immer die gleichen sind. Und je besser die Modelle werden, desto 6:12 interessanter wird es auch dahin zu kommen, dass man auch humane Noroviren direkt 6:18 in solchen Versuchen einsetzen kann. Genau. 6:24 Bei den humanen Noroviren habe ich die Zellkultur noch nicht ganz so kräftig dargestellt, 6:31 weil da noch sehr viele Hürden zu überwinden sind. Und da werde ich gleich noch ein bisschen drauf eingehen. 6:39 Zunächst möchte ich noch ganz kurz ein bisschen die Grundlagen 6:43 oder die Faktoren des Wirtstropismus ein bisschen darlegen und hier aus einer Virologievorlesung: 6:51 Wir haben die Anknüpfungsrezeptoren, das sind gerne Kohlenhydrate auf der Zelloberfläche, wo das Virus erst mal andockt, 6:59 und dann gibt es eine rezeptorvermittelte Endozytose, wo das Virus in die Zelle eintritt. 7:07 Bei den Murinen Noroviren ist der Prozess sehr gut verstanden. Wir haben bestimmte Zucker, 7:14 gerne auf Lipiden, an der Oberfläche, wo das Virus erst mal lose andocken kann. Und vor kurzem, 2016, identifiziert 7:23 ist der bona fide entry receptor für Murine Noroviren, das mCD300LF. 7:32 Dieser Rezeptor ist sehr wichtig und er ist für die Murinen Noroviren der Hauptfaktor 7:40 für die Zell-, Wirts- und Species Spezifität. In unserem Labor haben wir mittlerweile Zelllinien gemacht 7:49 mit einem Lentivirus-System, mit dem mCD300LF Rezeptor, die wir transduziert haben und haben jetzt zum Beispiel 7:57 eine HuH7 Zelllinien, die wir wunderbar mit Murinen Noroviren infizieren können. Das erleichtert uns bestimmte Assays, 8:06 weil die Zellen deutlich leichter zu händeln sind als andere Zelllinien, die für Murine Noroviren verwendet werden. 8:14 Und die Infektionstestung, wie Plaque Assay, funktionieren mit diesen Zellen deutlich einfacher, reproduzierbarer und besser. 8:22 Wenn jemand Interesse hat, können Sie mich gerne ansprechen. Den Rezeptor findet man vorwiegend auf Immunzellen, 8:30 Makrophagen, dendritischen Zellen, monozytäre Zellen. Es gibt ein paar Epithelzellen, 8:37 die den Rezeptor auch tragen und diese können infiziert werden. 8:43 Bei den humanen Noroviren ist das Ganze ein bisschen anders. Hier haben wir einen Rezeptor, 8:49 einen Glykan, ein Kohlenhydrat auf der Zelloberfläche. Was ein, 8:56 wir nennen es einen Restriktionsfaktor ist. Wenn er nicht da ist, können wir die Zellen nicht infizieren. 9:01 Aber wenn er da ist, reicht es auch nicht aus. Also eher etwas, was nicht fehlen darf. 9:06 Und der Proteinrezeptor, wenn es ihn denn gibt, ist für humane Noroviren nicht bekannt. 9:16 Aus einer kürzlich veröffentlichten Studie aus Kim Greens Lab vom NIH 9:22 verdichten sich die Beweise, dass enteroendokrine Zellen, 9:29 also spezifische Epithel-Subtyp-Zellen im Darm, die Zelllinien sind, die humanen Noroviren 9:37 aktiv infizieren können. Und das könnte natürlich auch erklären, warum das so schwierig ist oder 9:44 bisher war humane Noroviren effizient in Zellkultur anzuzüchten, weil das wirklich ein sehr spezifischer Subtyp ist. 9:51 Und wenn man sich das Darmepithel anguckt, kommt der auch gar nicht so häufig vor. Die Kohlenhydrate, 9:59 nur ganz kurz, dass Sie es einmal gesehen haben, Histo Blood-Group Antigens sind Kohlenhydratketten, die man von den Blutgruppen her kennt. 10:09 Sie werden über Glycosyltransferase, es werden Zuckerketten aufeinander aufgebaut und es gibt ein Enzym, die alpha-(1,2)-Fucosyltransferase, 10:18 die den sogenannten Sekretor-Phänotyp darstellt, der ein genetischer Faktor für die Suszeptibilität 10:26 vieler humaner Norovirusinfektionen ist. Und die gleichen Zuckerstrukturen 10:33 finden sich auch auf den Epithelzellen. Okay, das war eine kurze Einleitung, 10:40 bevor ich zu den Modellsystemen komme. Wir haben gesehen, dass Noroviren verschiedene Säugetiere, eine Fledermaus ist 10:48 auch ein Säugetier, das musste ich auch nachgucken, infizieren kann, dass wir hier eine Genotyp-Spezifität haben, 10:56 Murine Noroviren die einzigen sind, die effizient bisher in Zellkultur wachsen. 11:02 Blutgruppen Antigene HBGA sind so ein Link zu einer klinischen Relevanz. Wenn wir so was in einem Modell- oder Zellkultursystem sehen, 11:11 haben wir etwas, wo wir sagen können, das passt zu dem Wildtyp-Virus, was wir in der Epidemiologie sehen. 11:22 Murine Noroviren infizieren also Immunzellen, haben einen bekannten Rezeptor und humane Noroviren spezialisierte Epithelzellen, aber der Entry-Rezeptor ist noch nicht bekannt. 11:36 Aber auch hier gibt es Beweise, Indizien, dass 11:41 bestimmte Immunzellen eventuell auch eine Rolle spielen können. Das sind die Modellsysteme, die ich Ihnen heute vorstellen möchte. 11:49 Die ersten beiden nur ganz kurz und die beiden letzteren sind die interessanteren. 11:56 Darauf werde ich dann etwas detaillierter eingehen. Das erste eigentlich mehr aus historischen Gründen. 12:01 Das gnotobiotische Schwein war eines der ersten oder 12:06 das erste Tiermodell für die Infektion humaner Noroviren. Hier konnten nur spezifische GII-Isolate verwendet werden. 12:16 Es gab einen intestinalen Tropismus, aber es ist ein sehr aufwendiges, sehr teures 12:22 Experiment und nichts, was man jetzt sinnvoll in der Lebensmittelindustrie zum Testen einsetzen könnte. 12:28 Und selbst für die Grundlagenforschung ist das eigentlich zu aufwendig. 12:34 Und es hat nicht wirklich Anklang gefunden, zumal auch die Reproduzierbarkeit mit verschiedenen Stühlen 12:41 nicht besonders einfach ist. Decreased titer over passaging, also wenn man das Virus in diesem System 12:49 vermehrt passagiert, kriegt man im Endeffekt nicht wirklich mehr Virus raus, dass man ein systematisches Experiment durchführen kann. 12:56 Und das ist ein Grundproblem, das kann ich schon jetzt sagen, was wir mit allen Zellkultur- und Tiermodellen für humane Noroviren haben. 13:05 Also man braucht immer noch einen Patienten, eine Patientenprobe. 13:10 Also, praktischer Nutzen limitiert. Das nächste Tiermodell 13:17 stammt noch aus meiner Postdoc Zeit. Wir haben uns ein bisschen an dem 13:21 Murinen Norovirus lang gehangelt und haben gesehen, das infiziert Immunzellen. Was passiert denn, wenn wir jetzt einer Maus humane Immunzellen geben? 13:30 Können wir die infizieren? Und da gibt es das humanisierte Mausmodell. 13:35 Das haben wir verwendet und haben dann zu unserer Überraschung festgestellt, dass, hier ist das humane Mausmodell, Rag-Gamma-Chain Knockout-Mäuse. 13:46 Hier haben wir die Rag-Gamma-Chain Controls und hier haben wir einen anderen Mausstamm, Balb/c Mäuse. 13:53 Das unabhängig von der Humanisierung dieser immunsupprimierten Rag-Gamma-Chain Knockout Mäusen bei manchen Stuhlproben, vor allem GII, 14:02 wir haben hier einen Mix verwendet, damit wir ein bisschen größeres Material haben, da wir hier ein bisschen 14:11 Infektionen sehen konnten. Eine Passage war aber auch nicht möglich. 14:16 Es kann auch sein, dass das eine abortive Infektion war, das heißt, man geht rein, infiziert und man hat vorwiegend 14:24 RNA-Replikationen in den Zellen, aber wenig infektiöse Viren, die nachher rauskommt. Also Praktikabilität 14:31 auch sehr eingeschränkt, zumal wir hier gerade mit immunsupprimierten Mäusen arbeiten, 14:38 sodass Vakzine und ähnliche Testungen da auch nicht wirklich Sinn machen. 14:45 Jetzt kommen wir zu den interessanten Modellen. Da haben wir einmal das Organoid-Modell, 14:52 ein dreidimensionales Zellkulturmodell. Das wurde das erste Mal 2016 von Ettayebi 14:58 in der Gruppe von Mary Estes aus den USA beschrieben. Dieses Modell haben wir jetzt bei uns auch im Labor und die Idee dahinter ist, 15:11 dass man spezifische, eine Organoid-Struktur in vitro im Reagenzglas herstellen kann. 15:21 Was man dazu braucht, ist erstmal eine Gewebeprobe. Die wird für Enteroide 15:29 aus dem Dünndarm oder aus dem Dickdarm entnommen. Und hier wird natürlich auch darauf geachtet, dass der Spender genetisch 15:38 kompatibel ist. Also hier geht man dann, 15:43 sucht man sich einen Sekretor-positiven Spender. Man hat also eine Gewebeprobe und aus dieser Gewebeprobe werden 15:49 intestinale Stammzellen extrahiert. Das haben wir mit Kollaboratoren 15:57 in Michigan, an der Universität Michigan gemacht 16:03 und haben aus verschiedenen Spendern, gesunden, aber auch inflammatorischen 16:11 Bowel Disease Spendern haben wir Darm-Stammzellen entnommen und können diese unter speziellen Zellkulturbedingungen 16:20 auch als Stammzellen weiter passagieren. Das ist jetzt keine Zellkultur in dem Sinne. 16:26 Das sind Stammzellen, die sich im richtigen Medium, sehr teurem Medium, weiter passagieren lassen. 16:34 Und die kann man natürlich infizieren und untersuchen. Diese Arbeiten hat Carmen Mirabelli gemacht, 16:44 die ihren Postdoc in Michigan gemacht hat und zum Schluss auch bei mir im Labor gearbeitet hat. 16:53 Sie hat diese Stammzellen im Endeffekt mitgebracht. So sieht das nachher aus in einem 6-well. 16:59 Da werden diese Stammzellen in diesen weißen Kugeln, das ist eine Matrix, 17:08 gezüchtet. Die müssen einzeln da rein pipettiert werden. Nicht die Stammzellen, sondern diese Kugeln. 17:13 Und die werden dann mit der Zell-Suspension angeimpft. Und dann haben wir ein 17:20 Medium, was erstmal diese Stammzell-Expansion möglich macht. 17:26 Und wenn man dann infizieren möchte, wechselt man das Medium nach sechs Tagen. Also um dahin zu kommen, braucht man schon mal zwei Wochen. 17:34 Dann folgt noch eine knappe Woche zur Differenzierung und dann haben wir so dreidimensionale Organoid-Strukturen 17:43 mit verschiedenen Zell-Subtypen, die wir infizieren können. 17:48 In der Original-Publikation musste das erst noch mal homogenisiert werden als als ein Layer. 17:57 Wir infizieren mittlerweile direkt in diese Organoid-Strukturen und das funktioniert mittlerweile sogar besser als die 18:06 adhärenten separierten Zellen. Hier ist nur noch mal gezeigt, 18:11 dass wir hier auch die HBGA-Expression auf diesen Zellen haben. Genau. Die Ergebnisse, 18:28 wir vergleichen im Endeffekt ist das immer eine PCR, Genomkopien, zwei Stunden nach Infektion 18:36 gegenüber zwei Tagen nach Infektion und das waren die initialen Experimente 18:42 hier von 10 hoch 4 auf 10 hoch 5, also 50-fach. 18:49 Wenn man das etwas standardisierter macht, MOI, Multiplicity of Infection. Also, wir haben die Infektionsdosis pro Zelle 18:57 von 5 auf 50 auf 500 Genome pro Zelle erhöht und sehen auch einen Anstieg 19:05 der Genomkopien. Zwei Stunden, also praktisch unser Input gegenüber 10 hoch 6 19:13 bis hin zu 10 hoch 8 Genomkopien. Und Sie sehen auch die Reproduzierbarkeit. 19:20 Das ist eigentlich bisher das beste Modell, was wir haben, um infizieren zu können. 19:26 Der Nachteil an der ganzen Geschichte, man braucht eine Stuhlprobe, die funktioniert. 19:34 Also man kann nicht davon ausgehen, dass jede Stuhlprobe gleich funktioniert und Genomkopien heißt auch nicht infektiöses Virus. 19:42 Wenn wir das mit MNV vergleichen, dann haben wir wahrscheinlich ein Verhältnis von 1000 Genomkopien zu einem infektiösen Virus. 19:51 Das sollte man immer im Hinterkopf haben, gerade wenn man Verdünnungsreihungen macht für Infektionsversuche. 19:59 Okay, dieses System zeigt, dass wir Epithelzellen 20:07 im Darm infizieren können. Es wurde mit verschiedenen Genotypen wiederholt. 20:12 Es ist in mehreren Laboren mittlerweile etabliert. Wir sehen, dass wir für humane Noroviren einen 20:19 Epithelzell-Tropismus haben, der vermutlich auch biologisch relevant ist. Es ist immer noch ein sehr teures, sehr aufwendiges, nicht immer 20:29 für jede Stuhlprobe reproduzierbares System. Und die Zellkulturen sind auch anfällig. 20:34 Also man muss da schon sich langsam reinarbeiten. Auch hier haben wir das Problem, dass wir nicht in der Lage sind, 20:41 so viel Virus zu produzieren, dass wir eine Stock Solution haben, mit der wir systematische Experimente durchführen können. 20:49 Also, wenn Sie jetzt denken, ich kann meinen Salat waschen und das Virus auf meine Enteroide geben. 20:55 Erstens wäre das sehr teuer und zweitens wäre das Virus wahrscheinlich so verdünnt, dass wir die Initialdosis, 21:01 um das überhaupt starten zu können, gar nicht erreichen werden. Also da muss noch sehr viel passieren. 21:09 Okay, dann kommen wir zu dem letzten System, was ich Ihnen vorstellen möchte. 21:14 Und damit hätte jetzt wahrscheinlich auch keiner gerechnet, dass Fische, Zebrafische, die ja eigentlich eher aus der Entwicklungsbiologie 21:23 interessant sind, eine Relevanz für humane Noroviren haben. Aber wenn man ein bisschen in die 21:30 Literatur guckt, zeigt sich, dass Zebrafische für verschiedene Viren bereits als Infektionsmodell etabliert sind: 21:38 Herpesviren, Influenza, Hepatitis C, Chikungunya. Also erst mal grundsätzlich interessant. 21:46 Super einfach, Enteroide brauchen teure Medien. 21:51 Die Dinger kann ich in Wasser packen. Das ist also sehr schön, sehr einfach und auch das Füttern 21:58 ist wirklich einfach. Die Regenerationsrate ist drei Monate 22:07 bis alle Organe, bis der Organismus also voll ausgereift ist, auch sehr schön. Also man kann 22:13 damit sehr viele Experimente machen, man kann in die Organe reingucken usw. Interessanterweise sind Zebrafische 22:22 in vielen Sachen Menschen sehr ähnlich. Sie haben ein funktionales Immunsystem, sie haben T-Zellen, sie haben B-Zellen, 22:28 Makrophagen, Neutrophile. Und für uns interessant, sie haben sogar eine Fucosyltransferase, die unserer ähnlich ist, 22:36 sodass wir da ähnliche Strukturen haben. Ein weiterer Vorteil vom Zebrafisch-System ist, 22:45 das klingt erstmal nach Tiermodell, vielleicht sollte ich das noch erklären. 22:49 Es handelt sich hier erst mal um Zebrafischlarven und solange diese nicht selbstständig 22:56 Nahrung aufnehmen, ist das noch kein Tierversuch. Also das kann man wirklich im Labor auf der Bench machen. 23:03 Es sind also sehr kleine Tierchen und die Infektion passiert durch Mikroinjektion. 23:12 Und wir haben hier also eine Glaskapillare, die wir selber ziehen. Da kommt die Stuhl-Suspension rein und die wird in den Dottersack 23:20 der Zebrafischlarve injiziert und wir injizieren 3 Nanoliter von unserer Stuhl-Suspension. Also 23:29 eine Stuhlprobe, die ja meistens so ein bisschen Erbsen groß ist und für Experimente nicht so lange reicht. 23:36 Hier haben wir zwar viel, was wir nachher wegschmeißen müssen, 23:39 weil in der Kapillare was zurückbleibt, aber kein Verhältnis zu den Sachen, die wir normalerweise 23:46 in Zellkultur einsetzen müssen. Genau. 23:52 Also Tag 0, man züchtet 100 bis 200 Larven, packt zwei Fische in einen Tank, 24:01 Morgens einmal das Gitter hoch und dann geht's los und dann kann man auch schon schnell die Larven ernten. 24:10 Am Tag 2 sucht man sich dann immer Pools von zehn Larven. 24:14 Das ist leider sehr zeit- und arbeitsaufwändig, weil man die Larven sedieren muss. 24:20 Auf eine Agar-Matrix packen und dann einzeln anpiksen mit einem Mikroinjektor. 24:26 Das ist dann etwas, was vielleicht auch nicht in jedem Labor zur Verfügung steht und auch nicht etwas, was man so einfach mal hoch skalieren kann. 24:36 In der Regel werden 10 Larven nachher für eine Kondition, eine Behandlung, gepooled 24:40 und es findet wieder eine RNA-Extraktion statt, eine Real-Time-PCR. Und ich habe nur ein Ergebnis jetzt 24:47 hier mal mitgebracht, dass man sieht, also auch hier haben wir eine etwa 2 log-Stufen größere 24:56 Vermehrung von Virus-Titern über 48 Stunden. Dieses System, ähnlich 25:04 wie das Enteroid-System, ist mittlerweile von anderen Gruppen auch schon zur Drug-Testung verwendet worden. 25:11 Also hier kann man Proteaseinhibitoren, Entry-Inhibitoren, usw. durchaus systematisch durchtesten. 25:20 Also wir haben einen Fisch, der mit verschiedenen Genotypen infiziert werden kann. 25:27 In dem Fisch haben wir auch einen intestinalen Tropismus. Die Methode ist 25:33 arbeitsaufwendig, aber nicht teuer. Man braucht Fischkultur und Microinjektion-Equipment. 25:41 Ein großer Vorteil ist die niedrige Infektionsdosis. Dadurch, dass man nicht so viel Material hat, 25:48 ist es natürlich auch wieder schwierig, größere Mengen an Material zu gewinnen. Und wir sind jetzt dabei, das Zebrafisch-Modell mit dem Enteroid-Modell zu koppeln, 25:57 dass wir gucken, das, was wir im Enteroid-Modell rauskriegen, im Zebrafisch weiter passagieren können. 26:04 Bisher sind wir aber immer noch auf Patienten-Stuhlproben angewiesen 26:09 und auch dieses System ist mittlerweile in verschiedenen Laboren etabliert. 26:19 Die Person, die das entwickelt hat, ist Joana Rocha-Pereira in der Universität Leuven in Belgien. 26:27 Und wir haben damit zusammengearbeitet. Okay, damit bin ich auch schon am Ende. 26:36 Einen kleinen Vergleich noch zwischen den einzelnen Proben. Alle Modelle, die es gibt, 26:43 brauchen immer noch eine Patienten-Probe. Das ist also das größte Hindernis, das es bisher zu 26:49 überbrücken gilt. Alle Modelle sind 26:55 arbeitsaufwendig, zum Teil teuer und keins davon kann wirklich ohne Weiteres hoch skaliert werden. 27:01 Das heißt, auch da müssen wir noch ein bisschen warten. Es gibt 27:05 ein neues System, was ich heute noch nicht vorgestellt habe, eine Publikation aus 27:13 Amerika, die eine japanische Speichel-Zelllinien verwenden. Und das sieht sehr gut aus, dass das in Zukunft 27:22 viel Arbeit abnehmen kann. Okay, die Modelle 27:28 sind also limitiert auf spezifische Genotypen. Manche Modelle funktionieren nur mit bestimmten Genotypen. 27:35 Einige Modelle haben das Nachempfinden des HBGA, der HBGA-Abhängigkeit 27:42 und das ist natürlich für die Grundlagenforschung wichtig. Und vor allem Zebrafisch und Enteroide 27:49 sind derzeit die akzeptierten und reproduzierbaren Modelle. Ja, damit bin ich am Ende. 27:56 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und ich stehe für Fragen zur Verfügung.