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Die nervigsten Wirtschaftsmythen entlarvt | Marcel Fratzscher | DE/CODED | Terra X Lesch & Co

Terra X Lesch & Co8:34 165.374 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 59 Zeilen
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  1. Das stimmt so nicht. Ist natürlich Unsinn. Ist zum Teil was dran? In jeglicher Hinsicht falsch und auch widerlegt. [musik] Daran ist so ziemlich
  2. alles falsch. [musik]
  3. Dan zu mein Name ist Marcel Fratscher. Ich bin Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin und
  4. Professor für Makroökonomie an der Humoldun zu Berlin. Wenn es um Wirtschaft, um Geld, um Finanzen, aber auch um [musik] Sozialsysteme geht, gibt
  5. es unglaublich viel Halbwissen, unglaublich viele Mythen. und ich möchte heute helfen mit ein paar dieser Mythen aufzuräumen und mehr Fakten in die
  6. Diskussion [musik] einzubringen. Mythos 1: Der Staat muss wirtschaften wie eine schwäbische Hausfrau. Ist natürlich Unsinn, weil der Staat und
  7. jemand einzelnes, das sind zwei komplett unterschiedliche Dinge. Der wichtigste Unterschied, ein Staat lebt unendlich lang, eine schwäbische Hausfrau nur
  8. kurz. Und wenn wir in die Zukunft investieren wollen, dann muss der Staat erst einmal in die Schulden gehen. Das gilt übrigens auch für die schäbische
  9. Hausfrau, aber es gibt eben diese großen Unterschiede und Schulden sind nicht per se schlecht, sondern es gibt gute Schulden, wie z.B. Ausgaben für Bildung
  10. oder für Forschung und Entwicklung. Der zweite Mythos: Die Schuldenbremse rettet die Zukunft unserer Kinder. Ich glaube, der frühere Finanzminister hat mal
  11. gesagt, Kinder können nicht auf Schuldenbergen spielen, aber Kinder brauchen trotzdem ein gutes Bildungssystem. Sie brauchen eine
  12. intakte Umwelt, sie brauchen eine gute Infrastruktur und dafür muss der Staat Geld in die Hand nehmen, muss investieren und die Schuldenbremse so
  13. wie sie heute gemacht ist, hindert den Start darin ausreichend zu investieren und deshalb ist die Schuldenbremse so wie sie im Augenblick gemacht ist
  14. kontraproduktiv. Der dritte Mythos, wenn wir Steuern für Reiche senken, kurbelt das die Wirtschaft für alle an. Das ist so ziemlicher Unsinn. wird aber
  15. natürlich gerne behauptet, wenn wir wirklich die Wirtschaft ankurbeln wollen, dann muss man eigentlich mehr Geld an arme Menschen geben, weil arme
  16. Menschen jeden einzelnen Euro, den sie bekommen haben, ausgeben für den Konsum. Das hilft den Unternehmen, weil wenn mehr nachgefragt wird, können Sie mehr
  17. produzieren, können sie mehr Leute einstellen, können sie bessere Löhne und Gehälter zahlen. Wenn sie aber reichen mehr Geld geben, dann werden die viel
  18. des Geldes auf die hohe Kante legen, ins Ausland verschiffen und dann wird die deutsche Wirtschaft eben nicht so gut laufen. Der vierte Mythos, das
  19. Bürgergeld ist schuld daran, dass niemand mehr arbeiten will. Daran ist so ziemlich alles falsch. drei Fakten dazu. Erstens haben wir nie mehr Menschen in
  20. Arbeit gehabt als heute mit 46 Millionen Menschen in Deutschland. Zweitens ist der Unterschied zwischen dem, was Menschen im Bürgergeld bekommen und das,
  21. was Menschen bekommen, die [räuspern] arbeiten in den letzten 10 Jahren größer und nicht kleiner geworden. Und drittens haben wir 5,5 Millionen Menschen in
  22. Bürgergeld heute. Davon sind ein Drittel Kinder und Jugendliche, die sollten nicht arbeiten. Und übrigens haben wir davon auch 800.000 Menschen, die
  23. arbeiten, aber mit ihrer Arbeit so wenig Geld verdienen, dass sie noch Bürgergeld brauchen. Und das ist das eigentliche Armutszeugnis. Der fünfte Mythos.
  24. Ungleichheit ist wichtig, weil sie die Menschen zu mehr Leistung anspart. Ist zum Teil was dran, aber auch zum Teil falsch?
  25. Die Frage ist immer, wo kommt die Ungleichheit her? Wenn die Ungleichheit auf freien Entscheidungen beruht, du sagst, ich möchte mich anstrengen, ich
  26. möchte in Risiko eingehen, ich möchte hart arbeiten und ich sage, ich möchte eher Ferien machen, ich möchte wenig arbeiten, kein Risiko eingehen, dann ist
  27. es völlig okay, dass du deutlich mehr verdienst als ich. Und an dieser Ungleichheit ist per se erstmal nichts falsch.
  28. Das zweite, wenn Ungleichheit das Resultat von fehlenden Chancen ist und Chancen Ungleichheit, dann ist es ein Problem, weil es Menschen daran hindert,
  29. ihre eigenen Fähigkeiten, Talente zu nutzen, guten Job zu finden, gut zu verdienen und dann haben wir ein Problem nicht nur für die Betroffenen, denen
  30. Freiheit genommen wird, sondern auch für die Wirtschaft als Ganzes, weil uns viel Potenzial entgeht. Der sechste Mythos Deutschland ist Exportweltmeister,
  31. uns geht es blendend. Ja, uns geht es blend. Wenn man in die meisten anderen Länder der Welt schaut, sieht man, was Armut wirklich bedeutet
  32. und wie viel Glück wir haben in Deutschland zu leben. Aber diesen Wohlstand, auch wirtschaftlichen Wohlstand, den wir heute haben, der mag
  33. nicht für immer da sein, denn wir stehen im globalen Wettbewerb. Wir müssen konkurrieren mit Unternehmen in China, in Korea, in den USA und anderswo. Und
  34. dafür müssen wir besser werden. Wir brauchen besseres Bildungssystem. Wir müssen innovativer werden. Äh wir müssen uns auch in Europa besser organisieren,
  35. um Trump und anderen Parodi bieten zu können. Ja, uns geht's heute gut, aber wir müssen mehr tun, damit es auch so bleibt. Der siebte Mythos Inflation
  36. entsteht immer nur dann, wenn die Zentralbanken zu viel Geld drucken. Das ist falsch in der Aussage. Ja, wenn Zentralbanken zu viel Geld produzieren,
  37. dann kann das zur Inflation führen. Aber das Problem der letzten 15 Jahre war übrigens, dass wir viele Zeiten hatten, wo die Zentralbank viel Geld gedruckt
  38. hat, aber wir trotzdem keine Inflation, sondern Deflation, also fallende Preise hatten. Deshalb, es gibt hier keinen Automatismus. Der Zentralbank, die Geld
  39. druckt, äh muss erstmal es schaffen, dass dieses Geld wirklich in den Taschen der Unternehmen oder der Bürgerinnen und Bürger ankommt. Nur dann entsteht
  40. Nachfrage, nur dann können die Preise steigen, weil eben die Nachfrage stark ist. Inflation im Augenblick hat übrigens nichts mit Gelddrucken zu tun,
  41. sondern mit hohen Energiepreisen. Und auch das ist ein Beispiel, dass die größere Bedrohung heute nicht die Zentralbank ist, die zu viel Geld
  42. druckt, sondern Kriege in der Ukraine, Kriege im Iran. und andere globale Schocks. Der achte Mythos, [musik] der Markt regelt das schon. Ja, wir
  43. leben in der Marktwirtschaft, aber wir leben in Deutschland in einer sozialen Marktwirtschaft und diese Unterscheidung ist wichtig,
  44. denn der Markt funktioniert nicht immer. Das sehen wir beim Thema Klimaschutz, das sehen wir beim Thema Tankstellen, Preise für Sprit und Benzin im
  45. Augenblick, was alle mitbekommen, wo die Mineralölkonzerne sich mal ein großes Stück äh einverleiben. Es ist Aufgabe der Politik und des Staates, Wettbewerb
  46. zu schaffen, Marktmissbrauch zu verhindern und eben auch das Soziale in der sozialen Marktwirtschaft allen Menschen eine Chance zu geben, Teil
  47. dieser Marktwirtschaft zu sein. Nur dann funktioniert der Markt. Der neunte Mythos: Klimaschutz treibt unsere Industrie in den Ruinen. Es kann
  48. stimmen, dass Klimaschutz manche Unternehmen das Überleben kostet. Ja, Beispiel Automobilbranche, aber die viel größere Bedrohung für
  49. unsere Industrie heute ist, dass die Unternehmen nicht genug tun für den Klimaschutz, nicht umsteigen auf grüne Technologien, nicht in
  50. Zukunftstechnologien investieren. Und wenn man sich die Automobilbranche heute anschaut, ist die Misere nicht das Resultat von Klimaschutz, sondern von
  51. verschlafener Innovation, von einem Dieselskandal, einer zu hohen Abhängigkeit von China. Und wenn euch die Frage interessiert, ist Klimaschutz
  52. wirklich der Killer für die deutsche Wirtschaft und die deutsche Industrie, dann schaut hier rein. Da diskutieren Jasmina Harald und ich genau zu dieser
  53. Frage und abonniert diesen Kanal. Der zehnte Mythos. Ohne ewiges Wirtschaftswachstum bricht [räuspern] unsere Gesellschaft
  54. zusammen. Wirtschaftswachstum ist kein Ziel in sich, sondern warum es uns Menschen ja gehen sollte, ist, dass es uns gut geht. Wohlstand. Und Wohlstand
  55. ist so viel mehr als Wirtschaftswachstum. Das hat das mit Gesundheit zu tun, mit der intakten Umwelt, mit sozialer Teilhabe, dass ich
  56. Freunde habe, dass ich nicht einsam bin, dass es mir gut geht. Und das sollten wir äh [räuspern] maximieren, da sollten wir schauen, dass möglichst viele
  57. Menschen glücklich und zufrieden leben können. Aber Wirtschaftswachstum an sich mag helfen, aber alleine ist das viel zu wenig. Der elfte Mythos,
  58. ne? Sehr gut. Wenn ich fange mal von vorne an. Okay, machen
  59. mal. Es läuft noch, ne?

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