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Die nervigsten Wirtschaftsmythen entlarvt | Marcel Fratzscher | DE/CODED | Terra X Lesch & Co
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 59 Zeilen
- Das stimmt so nicht. Ist natürlich Unsinn. Ist zum Teil was dran? In jeglicher Hinsicht falsch und auch widerlegt. [musik] Daran ist so ziemlich
- alles falsch. [musik]
- Dan zu mein Name ist Marcel Fratscher. Ich bin Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin und
- Professor für Makroökonomie an der Humoldun zu Berlin. Wenn es um Wirtschaft, um Geld, um Finanzen, aber auch um [musik] Sozialsysteme geht, gibt
- es unglaublich viel Halbwissen, unglaublich viele Mythen. und ich möchte heute helfen mit ein paar dieser Mythen aufzuräumen und mehr Fakten in die
- Diskussion [musik] einzubringen. Mythos 1: Der Staat muss wirtschaften wie eine schwäbische Hausfrau. Ist natürlich Unsinn, weil der Staat und
- jemand einzelnes, das sind zwei komplett unterschiedliche Dinge. Der wichtigste Unterschied, ein Staat lebt unendlich lang, eine schwäbische Hausfrau nur
- kurz. Und wenn wir in die Zukunft investieren wollen, dann muss der Staat erst einmal in die Schulden gehen. Das gilt übrigens auch für die schäbische
- Hausfrau, aber es gibt eben diese großen Unterschiede und Schulden sind nicht per se schlecht, sondern es gibt gute Schulden, wie z.B. Ausgaben für Bildung
- oder für Forschung und Entwicklung. Der zweite Mythos: Die Schuldenbremse rettet die Zukunft unserer Kinder. Ich glaube, der frühere Finanzminister hat mal
- gesagt, Kinder können nicht auf Schuldenbergen spielen, aber Kinder brauchen trotzdem ein gutes Bildungssystem. Sie brauchen eine
- intakte Umwelt, sie brauchen eine gute Infrastruktur und dafür muss der Staat Geld in die Hand nehmen, muss investieren und die Schuldenbremse so
- wie sie heute gemacht ist, hindert den Start darin ausreichend zu investieren und deshalb ist die Schuldenbremse so wie sie im Augenblick gemacht ist
- kontraproduktiv. Der dritte Mythos, wenn wir Steuern für Reiche senken, kurbelt das die Wirtschaft für alle an. Das ist so ziemlicher Unsinn. wird aber
- natürlich gerne behauptet, wenn wir wirklich die Wirtschaft ankurbeln wollen, dann muss man eigentlich mehr Geld an arme Menschen geben, weil arme
- Menschen jeden einzelnen Euro, den sie bekommen haben, ausgeben für den Konsum. Das hilft den Unternehmen, weil wenn mehr nachgefragt wird, können Sie mehr
- produzieren, können sie mehr Leute einstellen, können sie bessere Löhne und Gehälter zahlen. Wenn sie aber reichen mehr Geld geben, dann werden die viel
- des Geldes auf die hohe Kante legen, ins Ausland verschiffen und dann wird die deutsche Wirtschaft eben nicht so gut laufen. Der vierte Mythos, das
- Bürgergeld ist schuld daran, dass niemand mehr arbeiten will. Daran ist so ziemlich alles falsch. drei Fakten dazu. Erstens haben wir nie mehr Menschen in
- Arbeit gehabt als heute mit 46 Millionen Menschen in Deutschland. Zweitens ist der Unterschied zwischen dem, was Menschen im Bürgergeld bekommen und das,
- was Menschen bekommen, die [räuspern] arbeiten in den letzten 10 Jahren größer und nicht kleiner geworden. Und drittens haben wir 5,5 Millionen Menschen in
- Bürgergeld heute. Davon sind ein Drittel Kinder und Jugendliche, die sollten nicht arbeiten. Und übrigens haben wir davon auch 800.000 Menschen, die
- arbeiten, aber mit ihrer Arbeit so wenig Geld verdienen, dass sie noch Bürgergeld brauchen. Und das ist das eigentliche Armutszeugnis. Der fünfte Mythos.
- Ungleichheit ist wichtig, weil sie die Menschen zu mehr Leistung anspart. Ist zum Teil was dran, aber auch zum Teil falsch?
- Die Frage ist immer, wo kommt die Ungleichheit her? Wenn die Ungleichheit auf freien Entscheidungen beruht, du sagst, ich möchte mich anstrengen, ich
- möchte in Risiko eingehen, ich möchte hart arbeiten und ich sage, ich möchte eher Ferien machen, ich möchte wenig arbeiten, kein Risiko eingehen, dann ist
- es völlig okay, dass du deutlich mehr verdienst als ich. Und an dieser Ungleichheit ist per se erstmal nichts falsch.
- Das zweite, wenn Ungleichheit das Resultat von fehlenden Chancen ist und Chancen Ungleichheit, dann ist es ein Problem, weil es Menschen daran hindert,
- ihre eigenen Fähigkeiten, Talente zu nutzen, guten Job zu finden, gut zu verdienen und dann haben wir ein Problem nicht nur für die Betroffenen, denen
- Freiheit genommen wird, sondern auch für die Wirtschaft als Ganzes, weil uns viel Potenzial entgeht. Der sechste Mythos Deutschland ist Exportweltmeister,
- uns geht es blendend. Ja, uns geht es blend. Wenn man in die meisten anderen Länder der Welt schaut, sieht man, was Armut wirklich bedeutet
- und wie viel Glück wir haben in Deutschland zu leben. Aber diesen Wohlstand, auch wirtschaftlichen Wohlstand, den wir heute haben, der mag
- nicht für immer da sein, denn wir stehen im globalen Wettbewerb. Wir müssen konkurrieren mit Unternehmen in China, in Korea, in den USA und anderswo. Und
- dafür müssen wir besser werden. Wir brauchen besseres Bildungssystem. Wir müssen innovativer werden. Äh wir müssen uns auch in Europa besser organisieren,
- um Trump und anderen Parodi bieten zu können. Ja, uns geht's heute gut, aber wir müssen mehr tun, damit es auch so bleibt. Der siebte Mythos Inflation
- entsteht immer nur dann, wenn die Zentralbanken zu viel Geld drucken. Das ist falsch in der Aussage. Ja, wenn Zentralbanken zu viel Geld produzieren,
- dann kann das zur Inflation führen. Aber das Problem der letzten 15 Jahre war übrigens, dass wir viele Zeiten hatten, wo die Zentralbank viel Geld gedruckt
- hat, aber wir trotzdem keine Inflation, sondern Deflation, also fallende Preise hatten. Deshalb, es gibt hier keinen Automatismus. Der Zentralbank, die Geld
- druckt, äh muss erstmal es schaffen, dass dieses Geld wirklich in den Taschen der Unternehmen oder der Bürgerinnen und Bürger ankommt. Nur dann entsteht
- Nachfrage, nur dann können die Preise steigen, weil eben die Nachfrage stark ist. Inflation im Augenblick hat übrigens nichts mit Gelddrucken zu tun,
- sondern mit hohen Energiepreisen. Und auch das ist ein Beispiel, dass die größere Bedrohung heute nicht die Zentralbank ist, die zu viel Geld
- druckt, sondern Kriege in der Ukraine, Kriege im Iran. und andere globale Schocks. Der achte Mythos, [musik] der Markt regelt das schon. Ja, wir
- leben in der Marktwirtschaft, aber wir leben in Deutschland in einer sozialen Marktwirtschaft und diese Unterscheidung ist wichtig,
- denn der Markt funktioniert nicht immer. Das sehen wir beim Thema Klimaschutz, das sehen wir beim Thema Tankstellen, Preise für Sprit und Benzin im
- Augenblick, was alle mitbekommen, wo die Mineralölkonzerne sich mal ein großes Stück äh einverleiben. Es ist Aufgabe der Politik und des Staates, Wettbewerb
- zu schaffen, Marktmissbrauch zu verhindern und eben auch das Soziale in der sozialen Marktwirtschaft allen Menschen eine Chance zu geben, Teil
- dieser Marktwirtschaft zu sein. Nur dann funktioniert der Markt. Der neunte Mythos: Klimaschutz treibt unsere Industrie in den Ruinen. Es kann
- stimmen, dass Klimaschutz manche Unternehmen das Überleben kostet. Ja, Beispiel Automobilbranche, aber die viel größere Bedrohung für
- unsere Industrie heute ist, dass die Unternehmen nicht genug tun für den Klimaschutz, nicht umsteigen auf grüne Technologien, nicht in
- Zukunftstechnologien investieren. Und wenn man sich die Automobilbranche heute anschaut, ist die Misere nicht das Resultat von Klimaschutz, sondern von
- verschlafener Innovation, von einem Dieselskandal, einer zu hohen Abhängigkeit von China. Und wenn euch die Frage interessiert, ist Klimaschutz
- wirklich der Killer für die deutsche Wirtschaft und die deutsche Industrie, dann schaut hier rein. Da diskutieren Jasmina Harald und ich genau zu dieser
- Frage und abonniert diesen Kanal. Der zehnte Mythos. Ohne ewiges Wirtschaftswachstum bricht [räuspern] unsere Gesellschaft
- zusammen. Wirtschaftswachstum ist kein Ziel in sich, sondern warum es uns Menschen ja gehen sollte, ist, dass es uns gut geht. Wohlstand. Und Wohlstand
- ist so viel mehr als Wirtschaftswachstum. Das hat das mit Gesundheit zu tun, mit der intakten Umwelt, mit sozialer Teilhabe, dass ich
- Freunde habe, dass ich nicht einsam bin, dass es mir gut geht. Und das sollten wir äh [räuspern] maximieren, da sollten wir schauen, dass möglichst viele
- Menschen glücklich und zufrieden leben können. Aber Wirtschaftswachstum an sich mag helfen, aber alleine ist das viel zu wenig. Der elfte Mythos,
- ne? Sehr gut. Wenn ich fange mal von vorne an. Okay, machen
- mal. Es läuft noch, ne?