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Die Geschichte des Döners — Wie ein Gastarbeiter Deutschlands Lieblingsessen erfand
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 185 Zeilen
- Dreieinhalb Milliarden Euro Umsatz im Jahr, 18.000 Dönerbuden im ganzen Land und ein Drittel aller Deutschen, die mindestens einmal im Monat Döner essen.
- Das ist die Bilanz eines Gerichts, das in dieser Form vor 50 Jahren in Deutschland [musik] gar nicht gab. Der Mann, der das alles ins Rollen brachte,
- war ein türkischer Gastarbeiter mit einer [musik] simplen Beobachtung. Die Deutschen haben keine Zeit zum Essen, aber Hunger haben sie trotzdem. Kadier
- Nurmann steckte 1972 zum ersten Mal Fleisch vom Drepieß in ein Fladenbrot und verkaufte es an einem kleinen Stand in Westberlin. Was als
- Notlösung für eilige Arbeiter begann, [musik] wurde zum Nationalgericht. Aber die Geschichte hinter dem Döner ist deutlich älter, deutlich komplizierter
- und deutlich umstrittener als die meisten denken. Wer die Wurzeln des Döners sucht, muss weit zurückgehen. Nicht nach Berlin, nicht nach Istanbul,
- sondern in die anatholische Hochebene des Osmanischen Reichs. Die Tradition, Fleisch an einem Spieß über Feuer zu grillen, reicht in dieser Region
- tausende Jahre zurück. Archäologen haben auf Kreta steinerne Spießhalterungen gefunden, die über 3000 Jahre alt sind. Das Prinzip war immer dasselbe. Fleisch
- auf einen Stab, Feuer daneben, drehen und warten. Aber der entscheidende Unterschied, [musik] der den Döner Kebab vom normalen Grillspieß trennt, ist die
- Achse. Bei einem normalen Spieß liegt das Fleisch wagerecht über der Glut. Beim Döner steht der Spieß senkrecht und das Fleisch dreht sich langsam an einer
- vertikalen Achse neben der Hitzequelle. Das Wort Döner kommt vom türkischen Färb Dönmeck, was schlicht drehen bedeutet. Und Kebab [musik] leitet sich vom
- Arabischen Kabab ab, gebratenes Fleisch. Dönerkebab ist also wörtlich übersetzt nichts weiter als sichdrehendes Bratfleisch. [musik]
- Wann genau jemand zum ersten Mal auf die Idee kam, den Spieß hochzustellen, statt liegen zu lassen, weiß niemand mit letzter Sicherheit. [musik] Die
- frühesten schriftlichen Belege stammen aus den 1840er Jahren. Es gibt sogar fotografische Aufnahmen eines senkrechten Drehspießes, die Historiker
- auf ungefähr 1853 bis 1855 Datieren, [musik] aufgenommen vermutlich vom britischen
- Fotografen James Robertson in Istanbul. Klar ist jedenfalls, [musik] dass die Technik in kleinen Garküchen entstanden sein dürfte und zwar aus
- einem ganz praktischen [musik] Grund. Ein senkrechter Spieß braucht viel weniger Platz als ein Wagerechter. In den engen Gassen der Osmanischen Städte
- war das ein echtes Argument. Der berühmteste Name in dieser frühen Geschichte ist Effendi aus der Stadt Bursa im Nordwesten [musik] der heutigen
- Türkei. Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnete er dort ein Restaurant, das bis heute von seinen Nachkommen betrieben wird. Die Familie Isgender Olu
- führt den Laden am Heelplatz in Borsa [musik] seit 1867. Und laut dem türkischen Patentamt ist es das älteste durchgehend [musik]
- betriebene Kebabhaus der Welt. Isender Effendi nahm Hammelfleisch, verarbeitete einen Teil davon zu Hackfleisch und schichtete beides abwechselnd [musik]
- auf den Spieß. Er ließ es neben glühender Holzkohle garen, die in einem kleinen Turm mit Fächern direkt neben dem Spieß brannte. Das fertige Fleisch
- servierte er dann auf gewürfeltem Fladenbrot mit Joghurt an [musik] der Seite und zerlassener Butter darüber. Das Gericht heißt bis heute Iskender
- Kebab und gilt vielen als die edelste Form des Drehspießes. Obskender den senkrechten Spieß tatsächlich erfunden hat oder nur populär gemacht, darüber
- streiten Historiker. [musik] Aber feststeht, dass der Name Döner Kebab in Bursa entstanden sein soll und dass das Gericht von dort seinen Weg über
- Istanbul und Ankara in andere Teile des Osmanischen Reichs fand. Schon 1836 notierte Helmut von Moldke, damals preußischer Militärberater beim
- Osmanischen Sultan, in seinem Tagebuch, wie er in einer Garküche am Straßenrand sein Mittagessen einnahm. Grillfleisch, serviert im Fladenbrot. Die Kombination
- von Spießfleisch und Brot ist also keine Erfindung der 70er Jahre in Berlin. Sie existierte im Osmanischen Reich schon lange, bevor [musik] irgendjemand in
- Deutschland wusste, was ein Döner ist. Das Gericht wanderte über Grenzen und über Jahrhunderte. Das arabische Schaarma, das griechische Gyros, sogar
- die [musik] mexikanischen Tacos Alpastor, die über libanesische Einwanderer nach Mexiko kamen, sind Verwandte des [musik] türkischen
- Drehspießes. Ein einziges Prinzip, der vertikale Spieß, hat Dutzende von lokalen Varianten auf der ganzen Welt hervorgebracht. In Istanbul selbst wurde
- Döner [musik] Kebab seit den 1940er Jahren in einer Handvoll Restaurants angeboten, unter anderem im Topkappe Palast, aber er war dort nie
- Straßenessen, nie Fastfood. Er war ein Restaurantgericht, dass man im Sitzen aß. Dass sich das ändern würde, dafür brauchte es ein anderes [musik] Land und
- einen anderen Mann. Aber wie kam der Drehspieß nach Deutschland? Die Antwort beginnt nicht mit einem Koch und nicht mit einem Rezept, sondern mit einem
- Stück Papier. Genauer gesagt mit einem zweiseitigen Dokument. Kaum mehr als eine diplomatische Notiz, das am 30. Oktober 1961
- in Bad Godesberg bei Bonn unterzeichnet wurde. Die Bundesrepublik Deutschland und die Türkei schlossen das sogenannte Anwerbeabkommen, eine Vereinbarung zur
- Entsendung türkischer Arbeitskräfte nach Deutschland. Der Hintergrund war simpel. Deutschland steckte mitten im Wirtschaftswunder. Die Fabriken liefen
- auf Hochtouren, aber es fehlten Hände. Die Arbeitslosenquote lag seit 1960 unter 1%, selbst mit Zuwanderung. Die Türkei wiederum kämpfte mit hoher
- Arbeitslosigkeit und suchte Ventile. Dazu kam ein geopolitisches Kalkül. Die Türkei war NATOitglied [musik] und ein strategisch wichtiger Partner in
- Südosturopa. Das Abkommen war also beides: [musik] Arbeitspolitik und Außenpolitik. Es war ein pragmatisches Geschäft, kein
- Einwanderungsprogramm. Die Beschäftigung [musik] war auf maximal 2 Jahre begrenzt. Die Arbeiter sollten kommen, anpacken und
- wiedergehen. [musik] Rotation war der Plan, aber es kam ganz anders. 1964 [musik] strich ein zweites Abkommen die
- Zweijahresbefristung. Die Arbeiter blieben länger, manche für immer. Bis zum Anwerbestopp 1973 reisten insgesamt rund 860 000 Menschen
- aus der Türkei nach Westdeutschland. Etwa 500.000 kehrten in die Türkei zurück. Der Rest blieb, [musik] holte Ehepartner und Kinder nach, eröffnete
- Geschäfte, baute Vereine auf, wurde Teil der deutschen Gesellschaft. Die ersten türkischen Gastarbeiter kamen im November 1961
- am Flughafen Düsseldorf an, 400 Bergleute, die sich für ein Jahr Arbeit unter Tage verpflichtet hatten. In den Jahren danach folgten ztausende. Sie
- arbeiteten in Autofabriken in Wolfsburg und Stuttgart, in Stahlwerken im Ruhrgebiet, auf Baustellen in München und Frankfurt. Sie lebten in Wohnheimen,
- schickten Geld nach Hause und aßen, was sie kannten. Geis, Bohnen, Brot und Fleisch, dass sie in den wenigen türkischen Lebensmittelläden fanden, die
- es damals [musik] gab. Die Bundesrepublik hatte kein Wort für das, was da gerade passierte. Der Begriff Gastarbeiter erzählt [musik] die ganze
- Verlegenheit. Es waren Gäste, die eigentlich nie wieder [musik] gehen sollten und Arbeiter, die bald viel mehr waren als das. Es kamen Schreiner und
- Maschinenschlosser, Bauern und Bauarbeiter, [musik] ungelernte und Ausgebildete und mit ihnen kam das Essen. Unter diesen
- Hunderttausenden war ein junger Mann namens Kadir Nurmann. Er wurde ungefähr 1933 in Istanbul geboren und kam 1960
- mit 26 Jahren als einer von vielen Gastarbeitern nach Deutschland. Zuerst landete [musik] er in Stuttgart, arbeitete dort als Mechaniker, aber sein
- Herz hing an der Gastronomie. 1966 [musik] zog er weiter nach Westberlin, eine Stadt, die damals durch die Mauer geteilt war und trotzdem oder vielleicht
- gerade deshalb vor Energie vibrierte. Er eröffnete ein kleines Restaurant in Charlottenburg, das aber nicht gut lief. Dann versuchte er es mit einer
- Softismaschine am Bahnhof Zoo. ging so, erzählte er Jahre [musik] später dazu, mit der lakonischen Kürze eines Mannes, der gelernt hatte, seine Niederlagen
- nicht zu dramatisieren. Und dann hatte Nurmann eine Beobachtung, die alles veränderte. Er sah den Deutschen beim Essen zu und was er sah, war Hektik. Die
- Menschen in Westdeutschland aßen im Gehen, im Stehen zwischen zwei Terminen. Sie bissen in ein Brötchen auf dem Weg zur U-Bahn. Sie kauften eine Wurst an
- der Bude und aßen sie auf dem Bürgersteig. Das war ein kultureller Unterschied, den nur man sehr genau registrierte. In der Türkei isst man
- Dönerkebab traditionell als Tellergericht. Dünn geschnittenes Fleisch vom Spieß, dazu Reis, ein frischer Salat, vielleicht ein
- Klexjoghurt. Serviert auf einem Teller, gegessen in Ruhe am Tisch. Ein Mittagessen dauert dort eine halbe Stunde, manchmal eine ganze. Die
- Südländer essen nicht aus der Hand, [musik] sagte Takan Tasium, der Vorsitzende des Vereins ATD, dazu. Sie lassen sich Zeit, aber in Deutschland
- war keine Zeit. Berlin war in den frühen 70er Jahren eine geteilte, hektische, rastlose Stadt und die Menschen am Bahnhof Zoo. Durchschnitt vielleicht 10
- Minuten für ihr Mittagessen. Nur man verstand, dass er das türkische Essen nicht so verkaufen konnte, wie man es in Istanbul servierte. Er musste es
- anpassen. Nicht das Fleisch, nicht den Geschmack, sondern die Form. Nurman sah die Lücke und erfüllte sie. 1972 eröffnete er einen kleinen [musik]
- Imbisstand gegenüber dem Bahnhof Zoo am Kurfürstendamm in Berlin Charlottenburg. Manche Quellen sagen 1973. Nur man selbst war sich irgendwann nicht
- mehr ganz [musik] sicher. Sein Angebot war radikal einfach. Fleisch vom Drehspieß aus Kalb und Rinderhack in ein weißes Brötchen gelegt, dazu Zwiebeln
- und ein bisschen Salat. Keine Soße, keine Tomaten, kein [räuspern] anderer Schnickschnack, wie nur Mahn es nannte. Das war sein Döner und er war davon
- überzeugt, dass es nicht mehr braucht. "Wenn das Fleisch gut ist, braucht man keine Tomaten oder Gewürze", sagte er noch zwei tausende Lef in einem
- Interview. Die ersten Kunden [musik] waren skeptisch. Passanten am Bahnhof Zo sahen den Drehspieß und fragten: "Was ist denn das?" Aber nur man ließ sich
- nicht beirren. "Ich wusste, dass der Döner ein Erfolg wird", sagte er. "In Deutschland sind die Menschen immer in Eile. Auch das Essen muss schnell gehen,
- auf die Hand und billig. Es war der Beginn des Fastfood Zeitalters [musik] in Deutschland und Nurmann war mittendrin. In den Anfangsjahren kauften
- vor allem andere Gastarbeiter bei ihm. [musik] Türken, die den Geschmack von zu Hause kannten, aber wie alle anderen in dieser Stadt keine Zeit hatten, sich
- hinzusetzen. Erst nach und nach entdeckten auch deutsche Kunden [musik] den Imbis. Manche probierten aus Neugier, manche, weil es das billigste
- warme Essen in der Gegend war. Und fast alle kamen wieder. Oh, aber Nurmann war nicht der einzige, [musik] der auf diese Idee kam. Es gibt einen Rivalen in
- dieser Geschichte und die Rivalität hat nie aufgehört. Mehmed Eigünn, ein weiterer [musik] türkischer Gastarbeiter, behauptet, er habe den
- Döner im Fladenbrot sogar schon 1971 verkauft, ein Jahr vor Nurmann. Eigün kam als 16-jähriger aus der Schwarzmeerstadt Giresun nach Berlin.
- Sein Vater war früh gestorben und Meemed musste seit seiner [musik] Kindheit im Laden der Familie mitarbeiten, nebenbei Fische fangen und als fliegender Händler
- Geld verdienen. In Berlin arbeitete er zunächst als Tellerwäscher, dann im Imbis seines Onkels am Kotbusser Tor in Kreuzberg [musik]
- und auch im Laden von Kadir Nurmann am Bahnhof Zo. Laut seiner Version [musik] der Geschichte hatte er eines Tages die Idee, Reste des Spießfleisches in ein
- Fladenbrot zu stecken, zusammen mit Salat und Soße und es zum Mitnehmen zu verkaufen. Anders als in der Türkei, [musik] wo der Döner auf einem Teller
- serviert wurde. Aus seinem kleinen Imbis in der Adalbergstraße [musik] wurde später die Hasiier Restaurantkette. Heute betreiben die
- Eigünns fünf Hasierrestaurants in Berlin. Dazu die Burgerkette, Hasiierburger, den Beef Grill Club und ein Hotel am Gendarmenmarkt. Vom
- battlearmen Gastarbeiter zum vielfachen Millionär. So erzählt Mehmed Eigünn seine Geschichte. Als Eigün in den Medien als Berliner Erfinder des Döners
- gefeiert wurde, blieb nur Mann zunächst still. "Mir war das nicht so wichtig", sagte er später in einem Interview mit dem Tagesspiegel. [musik]
- Eigün habe in der Anfangszeit bei ihm gearbeitet und sei ein ganz netter Kerl. Nur die Idee, die sei eben nicht von ihm gewesen. Eigün selbst war für eine
- Stellungnahme zu diesem Thema nicht zu erreichen. Wer den Döner im Fladenbrot [musik] wirklich als erster in Berlin verkauft hat, wird sich vermutlich nie
- abschließend klären lassen. Nur man gab selbst zu. Vielleicht hat auch jemand anderes es gemacht, in irgendeinem versteckten Laden. Der Verein türkischer
- Dönerhersteller in Europa [musik] hat sich 2000 Leev für Kadia Norman entschieden und ihm eine Auszeichnung für sein [musik] Lebenswerk verliehen.
- Das war keine juristische Entscheidung, sondern eine Anerkennung durch die Branche selbst. Und nur man nahm sie an als alter Mann mit 78 Jahren, der immer
- noch in seiner kleinen Einzimmerwohnung [musik] in Charlottenburg lebte. Was nach Nurmanns erstem Stand am Bahnhof Zoo passierte, ist eine Geschichte, die
- niemand hätte vorhersagen können. In den 70er und 80er Jahren entstanden überall in Westdeutschland Dönerläden, zuerst in den Vierteln mit hohem türkischen
- Bevölkerungsanteil, Berlin-Kreuzberg, Köline-Elheim, Duisburg-Maxlo, Hamburg Altona. Dort, wo die Gastarbeiter [musik] wohnten, gab es
- plötzlich Drehspieße hinter den Glasscheiben kleiner Imbisbuden. Der Geruch von gegrilltem Fleisch und geröstetem Brot zog über die
- Bürgersteige. Jeder Laden war ein Familienbetrieb. Der Vater schnitt das Fleisch, die Mutter machte den Salat, die Kinder halfen nach der Schule. Es
- waren keine Franchise Filialen, keine durchgeplanten Gastronomiekonzepte. Es waren [musik] Familien, die kochten, was sie kannten, und es an jeden
- verkauften, der Hunger hatte. Aber der Döner [musik] blieb nicht in der Nische der Einwandererviertel. Er wuchs aus ihr heraus. Zuerst langsam,
- [musik] dann immer schneller. Wenn euch dieses Video gefällt, lasst ein Abo da, damit ihr keine neuen Geschichten verpasst. Der entscheidende Wendepunkt
- kam in den 80er Jahren und beschleunigte sich in den 90ern. Der Döner, der anfangs ein Nischenprodukt für Gastarbeiter war, wurde zum Mainstream
- und zwar nicht, weil er gleich blieb, sondern gerade, weil er sich veränderte. Das ist ein Punkt, den man nicht übersehen sollte, weil er erklärt, warum
- der Döner es geschafft hat und andere Einwanderergerichte nicht. Der ursprüngliche Döner von Nurmann, nur Fleisch, Zwiebeln und Salat in einem
- normalen Brötchen war den meisten Deutschen zu trocken und zu kark. Also passten die Imbisbetreiber das Gericht an den deutschen Gaumen an. Das weiße
- Brötchen wurde durch aufgebackenes Fladenbrot ersetzt, warm und knusprig. Es kamen Tomaten dazu, Rotkohl und [musik] Weißkohl, Gurken, Eisbergsalat
- und manchmal sogar Schafskäse. Und vor allem kamen die [musik] Soßen, Kräutersoße, Knoblauchsoße, scharfe Chilipaste. Einmal mit allem
- [musik] und scharf wurde zur Standardbestellung in deutschen Dönerbuden und Nurmann hätte sich bei diesem Satz vermutlich im Grab
- umgedreht. "Meiner Meinung nach sind zu viele Zutaten [musik] in den Dönern", sagte er der Frankfurter Rundschau. "hn war der echte Döner immer nur Fleisch
- und Zwiebeln, aber die Kunden sahen das anders und sie hatten die Mehrheit. [musik] Ein zweiter Faktor, mindestens genauso wichtig, war der Preis. In den
- 80er Jahren kostete ein Döner rund drei Deutsche Mark. In den 90ern vielleicht vier. Für Schüler, Studenten und Arbeiter war das unschlagbar. Kein
- anderes warmes Essen war gleichzeitig so sättigend, so schnell zubereitet [musik] und so günstig. Die Currywurst und die Bratwurst waren zwar genauso billig,
- aber weniger sättigend. Ein Döner machte richtig satt auf eine Art, wie es kein Brötchen und keine [musik] Wurst konnte. Pizza brauchte eine Viertelstunde im
- Ofen. Der Döner war in 2 Minuten [musik] fertig. Für ein Land, das es immer eilig hatte, war das das perfekte Produkt. Genau wie nur man es vorhergesagt hatte.
- Nach der Wiedervereinigung 1990 eroberte der Döner auch den Osten Deutschlands, wo es vorher keine türkischen Gastarbeiter und deshalb auch
- keine Dönerbuden gegeben hatte. Innerhalb weniger Jahre standen in Dresden, Leipzig und Rostock dieselben Drehspieße wie in Kreuzberg und [musik]
- Mühlheim. Die Geschwindigkeit war bemerkenswert. Der Döner brauchte im Westen 15 Jahre, um aus der Nische zu kommen. Im Osten dauerte es kaum fünf.
- Gleichzeitig professionalisierte sich die Branche von Grund auf. In den 90er Jahren entstanden in Deutschland die ersten großen
- Dönerfleischproduktionsstätten, die meisten davon in Berlin. Statt, dass jeder Imbis sein eigenes Fleisch einkaufte, auf dem Spieß schichtete und
- selbst marinierte, lieferten jetzt spezialisierte Fabriken fertige Drehspieße an die Buden. Das Fleisch wurde industriell verarbeitet, gewürzt,
- geformt und tief gekühlt. Diese Industrialisierung veränderte die Branche komplett und sie hatte zwei Effekte. die in entgegengesetzte
- Richtungen zogen. Auf der einen Seite wurde der Döner billiger, weil die Produktion in großem Maßstab effizienter war, als die Herstellung in jedem
- einzelnen Laden. Auf der anderen Seite veränderte sich die Qualität und nicht immer zum Besseren. Neben dem [musik] traditionellen Japrakdöner, bei dem
- echte Fleischscheiben per Hand geschichtet werden, entstand der Hackfleischdöner deutlich günstiger in der Herstellung und deshalb sehr
- verbreitet. Die Branche wuchs schneller, als die Qualitätskontrolle hinterherkam. Lebensmittelskandale, bei denen Dönerfleisch [musik] mit falschen
- Angaben oder minderwertigen Zutaten hergestellt wurde, sorgten immer wieder [musik] für Negativschlagzeilen. Der Verein ATD reagierte auf diese
- Probleme und [musik] entwickelte ein Gütesiegel. Nur wer ein Seminar zu Hygiene bei Lagerung, Zubereitung und Ausgabe [musik] besteht, bekommt das
- Qualitätssiegel, das dann sichtbar im Fenster des Imbisses hängt. Es war ein Versuch, Vertrauen zurückzugewinnen, das durch die Skandale verloren gegangen
- war. Die Zahlen, die der Döner heute in Deutschland produziert, hätte sich Kadier Nurmann an seinem kleinen Stand am Bahnhof Zo nicht vorstellen können.
- In ganz Deutschland stehen je nach Zählung zwischen 15 000 und 18 000 Dönerbuden. Allein in Berlin sind es über 1600,
- weshalb sich die Stadt stolz als Hauptstadt des Döners bezeichnet. Die Branche beschäftigt rund 65 000 Menschen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz
- von geschätzten dreieinhalb bis 4 Milliarden Euro. Jeden Tag werden in Deutschland über 400 Tonnen Dönerfleisch verarbeitet. [musik] Im Jahr sind das
- rund 219 000 Tonnen Fleisch, die auf Spieße gesteckt, gegrillt und in Fladenbrot gepackt werden. 250 Produktionsstätten für Dönerfleisch gibt
- es im Land und die Lieferketten reichen weit über die Grenzen hinaus. Nach Angaben des ATD beliefern deutsche Dönerbetriebe rund 80% des gesamten
- europäischen Markts. Aber gerade in den letzten Jahren ist ein anderes Thema in die Dönerdebatte gerutscht und es hat einen Namen: Dönerflation.
- Der Preis für einen Döner ist in Deutschland massiv gestiegen. Noch 2021 kostete ein normaler Döner im Schnitt 4,85
- Cent. Inzwischen sind es zwischen 7 und 8 €. In manchen Innenstadtlagen sogar 10 € und mehr. Das ist ein Preisanstieg von knapp 50% in nur 3 Jahren. Und wenn man
- weiter zurückblickt, wird das Bild noch drastischer. Seit 2007 haben sich die Dönerpreise [musik] im Schnitt mehr als verdoppelt, ein Plus von über 150%.
- Während die allgemeine Inflation [musik] im gleichen Zeitraum bei rund 44% lag. Steigende Rohstoffpreise, höhere [musik] Energiekosten, der Mindestlohn, all das
- hat den Döner teurer gemacht. Denitz, ein Dönerverkäufer [musik] in der Nähe des Berliner Bahnhofs Friedrichstraße, brachte es auf den Punkt. Sein Döner
- kostete vor 3 Jahren noch 3,90 Cent, jetzt 7 €. Die Leute reden ständig von Dönerflation", sagte er, als ob wir sie verarschen würden. Aber die Miet,
- [musik] Energie und Lebensmittelpreise sind für uns genauso gestiegen. Die Wirkung ging weit über den Imbis hinaus. Der Dönerpreis wurde zu einer Art
- inoffiziellem Inflationsbarometer, zum Dönerindex, wie manche Medien ihn nannten. Die Dönerflation wurde politisch. [musik] Bundeskanzler Olaf
- Scholz wurde bei öffentlichen Auftritten so häufig nach dem Dönerpreis gefragt, vor allem von jungen Leuten, dass er irgendwann selbst darauf einging. Es ist
- schon auffällig, dass ich überall, wo ich hinkomme, vor allem von jungen Leuten gefragt werde, ob es nicht eine Preisbremse [musik] für den Döner geben
- sollte", sagte Scholz. Die Bundesregierung veröffentlichte auf Instagram eine offizielle Erklärung mit Grafiken zum Verbraucherpreisindex.
- Die Linke forderte eine Dönerpreisbremse mit einer Obergrenze von 4,90€. Für Schüler und junge Menschen [musik] sogar nur 2,90
- Cent. Das Konzept: staatliche Subventionen, ähnlich der Mietpreisbremse, [musik] um den Döner wieder bezahlbar zu machen.
- Es klang absurd und viele fanden es auch komisch, dass es eine Bratwurstpreisbremse oder eine [musik]
- Bäckerbrötchenpreisbremse ja auch nicht gab, aber die Forderung traf einen Nerv. Für eine ganze Generation junger Deutscher war der
- Döner das Produkt, an dem sie die Inflation zum ersten Mal am eigenen Portemonnaie spürten. Und als wäre die Preisdebatte nicht [musik] genug, kam
- 2024 ein internationaler Streit dazu. Im April 2024 beantragte der internationale Dönerverband Udof aus Ankara bei der Europäischen Union [musik] den Döner als
- garantiert traditionelle Spezialität eintragen zu lassen. Das hätte dem Döner denselben Schutzstatus gegeben wie Champagne aus Frankreich oder Mozzarella
- aus Italien. [musik] Klingt harmlos, hatte aber drastische Konsequenzen. Alle Döner in der EU hätten nach strengen türkischen [musik]
- Vorgaben hergestellt werden müssen. Nur bestimmte Fleischsorten, bestimmte Gewürze, [musik] eine bestimmte Zubereitungsmethode.
- Der Döner mit Hähnchenfleisch wäre in dieser [musik] Form nicht mehr erlaubt gewesen. Der Gemüsedöner auch nicht. Der Kalbsdöner mit Kräutersoße, wie ihn
- Millionen Deutsche jede Woche essen, hätte nicht mehr Döner heißen dürfen. Er hätte Fleisch vom Drehspieß [musik] nach Dönerart heißen müssen oder etwas
- ähnlich sperriges. Der deutsche Hotel und Gaststätdtenverband warnte vor Chaos, neuen Namensschöpfungen und Rechtsunsicherheit [musik]
- in der gesamten Branche. Deutschland lief Sturm. Das Bundeslandwirtschaftsministerium erhob offiziell Einspruch. Der damalige
- Minister Chem Ötztemier, selbst Kind türkischer Einwanderer, fand einen Satz, der es auf sämtliche Titelseiten schaffte. Der Döner gehört zu
- Deutschland. Wie er hier zubereitet und gegessen wird, sollte jeder selbst entscheiden dürfen. Da braucht es keine Vorgaben aus Ankara. Sogar Bayerns
- Ministerpräsident Markus Söder, nicht gerade bekannt als [musik] Verbündeter der Grünen, stellte sich auf die gleiche Seite. Am 23. September [musik]
- 2025 zog die Türkei den Antrag dann zurück. Die Erfolgschancen lagen laut Einschätzung [musik] aus EU-Kreisen bei null. Dass ein
- deutscher Minister mit türkischen Wurzeln in Brüssel für die deutsche Variante eines türkischen [musik] Gerichts kämpft, sagt vermutlich mehr
- über den Döner und über Deutschland als jede Statistik es könnte. Der Döner ist eben nicht einfach nur ein Gericht. Er ist ein Produkt der Migration, der
- Anpassung und der Vermischung. In der Türkei erfunden und in Deutschland neu erfunden. Er begann als Essen für Gastarbeiter, die keine Zeit hatten,
- sich an einen Tisch zu setzen und wurde zum Essen für alle, die Hunger hatten, egal woher sie kamen. Kardier Nurmann hat das Ergebnis seiner Idee noch
- miterlebt, zumindest die meisten Kapitel davon. 2000 Delev bei der Preisverleihung des ATD saß er als 78-jähriger Mann auf einem Stuhl und
- nahm die Ehrung entgegen. "Die türkische Küche sei doch noch so viel reicher", sagte er an dem Tag. Das Wettessen, das nach der Ehrung stattfand, war nichts
- für ihn. [musik] Er mochte seinen Döner nach wie vor gerne essen, aber in Ruhe und ohne Wettbewerb. Am 24. [musik] Oktober 2013 starb er in Berlin mit 80
- Jahren an Lungenkrebs. Er war nie reich [musik] geworden mit seiner Erfindung. Andere hatten daraus ein Milliardengeschäft gemacht, nur man
- nicht. Er lebte bis zuletzt in seiner kleinen Einzimmerwohnung in [musik] Charlottenburg, dem Stadtteil, in dem er Jahrzehnte zuvor seinen ersten Imbis am
- Bahnhof Zetrieben hatte. In seiner Wohnung [musik] hatte er vergilbte Zeitungsausschnitte aufbewahrt, die ihn in seinem Laden zeigten. Dazu alte
- Anzeigen, die für seinen Döner warben. Die Dönerketten, die Hotels, die Fabriken, die Milliardenumsätze, das war nicht seine Welt. Sein Döner war Fleisch
- und Zwiebeln in einem Brötchen [musik] und mehr brauchte es seiner Meinung nach nicht. Aber genau dieser einfache Döner hatte ein ganzes Land verändert. In der
- Türkei isst man den Döner mit Reis auf dem Teller mit Butter und Joghurt. In Griechenland heißt das gleiche Prinzip Gyros und kommt in die Pita mit Zaziki.
- In der arabischen Welt dreht sich der Schavama Spieß, aber nirgendwo auf der Welt hat der Drehspieß eine solche kulturelle Bedeutung erlangt wie in
- Deutschland. In Umfragen liegt der Döner inzwischen regelmäßig vor Bratwurst und Currywurst, wenn Deutsche nach ihrem liebsten Fastfood gefragt werden. Er hat
- es geschafft, wovon dutzende andere Einwanderergerichte nur träumen konnten. Er ist selbstverständlich geworden. Niemand denkt beim Döner noch an
- Ausländeressen oder türkisches Essen. Er ist einfach Essen auf jeder Autobahnraststätte, vor jeder Disco, in jeder Fußgängerzone, neben dem Kiosk und
- gegenüber der Uni. Der Döner gehört zur deutschen Landschaft wie die Bäckerei und die Tankstelle. Was der Döner über Deutschland sagt, ist deshalb vielleicht
- wichtiger als das, was er [musik] wiegt oder kostet. Er ist nicht mehr türkisch und nicht mehr Deutsch. Er ist beides gleichzeitig. [musik] Er ist das
- Ergebnis eines Anwerbeabkommens, das als vorübergehende Verwaltungsmaßnahme gedacht war und einer kulinarischen Idee, die eigentlich nur eine Notlösung
- für eilige [musik] Arbeiter sein sollte. Er wurde in der Türkei am Tisch gegessen und in Deutschland auf der Straße. [musik]
- Und beide Versionen existieren bis heute nebeneinander, weil gutes Essen sich nicht um nationale Grenzen oder kulturelle Zugehörigkeiten schärt.
- Kardia Nurmann wollte nur ein billiges [musik] Mittagessen für Pendler am Bahnhof Zoo verkaufen. Er hat stattdessen Deutschlands Eskultur auf
- den Kopf gestellt. Wenn euch dieses Video gefallen hat, lasst bitte ein Abo da und drückt auf den Daumen nach oben. Schreibt in die Kommentare, was euer
- Lieblingsdöner [musik] ist und ob ihr Team Knoblauch oder Team Scharf seid.