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Die Geschichte des Döners — Wie ein Gastarbeiter Deutschlands Lieblingsessen erfand

Krümelkunde29:05 5.460 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 185 Zeilen
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  1. Dreieinhalb Milliarden Euro Umsatz im Jahr, 18.000 Dönerbuden im ganzen Land und ein Drittel aller Deutschen, die mindestens einmal im Monat Döner essen.
  2. Das ist die Bilanz eines Gerichts, das in dieser Form vor 50 Jahren in Deutschland [musik] gar nicht gab. Der Mann, der das alles ins Rollen brachte,
  3. war ein türkischer Gastarbeiter mit einer [musik] simplen Beobachtung. Die Deutschen haben keine Zeit zum Essen, aber Hunger haben sie trotzdem. Kadier
  4. Nurmann steckte 1972 zum ersten Mal Fleisch vom Drepieß in ein Fladenbrot und verkaufte es an einem kleinen Stand in Westberlin. Was als
  5. Notlösung für eilige Arbeiter begann, [musik] wurde zum Nationalgericht. Aber die Geschichte hinter dem Döner ist deutlich älter, deutlich komplizierter
  6. und deutlich umstrittener als die meisten denken. Wer die Wurzeln des Döners sucht, muss weit zurückgehen. Nicht nach Berlin, nicht nach Istanbul,
  7. sondern in die anatholische Hochebene des Osmanischen Reichs. Die Tradition, Fleisch an einem Spieß über Feuer zu grillen, reicht in dieser Region
  8. tausende Jahre zurück. Archäologen haben auf Kreta steinerne Spießhalterungen gefunden, die über 3000 Jahre alt sind. Das Prinzip war immer dasselbe. Fleisch
  9. auf einen Stab, Feuer daneben, drehen und warten. Aber der entscheidende Unterschied, [musik] der den Döner Kebab vom normalen Grillspieß trennt, ist die
  10. Achse. Bei einem normalen Spieß liegt das Fleisch wagerecht über der Glut. Beim Döner steht der Spieß senkrecht und das Fleisch dreht sich langsam an einer
  11. vertikalen Achse neben der Hitzequelle. Das Wort Döner kommt vom türkischen Färb Dönmeck, was schlicht drehen bedeutet. Und Kebab [musik] leitet sich vom
  12. Arabischen Kabab ab, gebratenes Fleisch. Dönerkebab ist also wörtlich übersetzt nichts weiter als sichdrehendes Bratfleisch. [musik]
  13. Wann genau jemand zum ersten Mal auf die Idee kam, den Spieß hochzustellen, statt liegen zu lassen, weiß niemand mit letzter Sicherheit. [musik] Die
  14. frühesten schriftlichen Belege stammen aus den 1840er Jahren. Es gibt sogar fotografische Aufnahmen eines senkrechten Drehspießes, die Historiker
  15. auf ungefähr 1853 bis 1855 Datieren, [musik] aufgenommen vermutlich vom britischen
  16. Fotografen James Robertson in Istanbul. Klar ist jedenfalls, [musik] dass die Technik in kleinen Garküchen entstanden sein dürfte und zwar aus
  17. einem ganz praktischen [musik] Grund. Ein senkrechter Spieß braucht viel weniger Platz als ein Wagerechter. In den engen Gassen der Osmanischen Städte
  18. war das ein echtes Argument. Der berühmteste Name in dieser frühen Geschichte ist Effendi aus der Stadt Bursa im Nordwesten [musik] der heutigen
  19. Türkei. Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnete er dort ein Restaurant, das bis heute von seinen Nachkommen betrieben wird. Die Familie Isgender Olu
  20. führt den Laden am Heelplatz in Borsa [musik] seit 1867. Und laut dem türkischen Patentamt ist es das älteste durchgehend [musik]
  21. betriebene Kebabhaus der Welt. Isender Effendi nahm Hammelfleisch, verarbeitete einen Teil davon zu Hackfleisch und schichtete beides abwechselnd [musik]
  22. auf den Spieß. Er ließ es neben glühender Holzkohle garen, die in einem kleinen Turm mit Fächern direkt neben dem Spieß brannte. Das fertige Fleisch
  23. servierte er dann auf gewürfeltem Fladenbrot mit Joghurt an [musik] der Seite und zerlassener Butter darüber. Das Gericht heißt bis heute Iskender
  24. Kebab und gilt vielen als die edelste Form des Drehspießes. Obskender den senkrechten Spieß tatsächlich erfunden hat oder nur populär gemacht, darüber
  25. streiten Historiker. [musik] Aber feststeht, dass der Name Döner Kebab in Bursa entstanden sein soll und dass das Gericht von dort seinen Weg über
  26. Istanbul und Ankara in andere Teile des Osmanischen Reichs fand. Schon 1836 notierte Helmut von Moldke, damals preußischer Militärberater beim
  27. Osmanischen Sultan, in seinem Tagebuch, wie er in einer Garküche am Straßenrand sein Mittagessen einnahm. Grillfleisch, serviert im Fladenbrot. Die Kombination
  28. von Spießfleisch und Brot ist also keine Erfindung der 70er Jahre in Berlin. Sie existierte im Osmanischen Reich schon lange, bevor [musik] irgendjemand in
  29. Deutschland wusste, was ein Döner ist. Das Gericht wanderte über Grenzen und über Jahrhunderte. Das arabische Schaarma, das griechische Gyros, sogar
  30. die [musik] mexikanischen Tacos Alpastor, die über libanesische Einwanderer nach Mexiko kamen, sind Verwandte des [musik] türkischen
  31. Drehspießes. Ein einziges Prinzip, der vertikale Spieß, hat Dutzende von lokalen Varianten auf der ganzen Welt hervorgebracht. In Istanbul selbst wurde
  32. Döner [musik] Kebab seit den 1940er Jahren in einer Handvoll Restaurants angeboten, unter anderem im Topkappe Palast, aber er war dort nie
  33. Straßenessen, nie Fastfood. Er war ein Restaurantgericht, dass man im Sitzen aß. Dass sich das ändern würde, dafür brauchte es ein anderes [musik] Land und
  34. einen anderen Mann. Aber wie kam der Drehspieß nach Deutschland? Die Antwort beginnt nicht mit einem Koch und nicht mit einem Rezept, sondern mit einem
  35. Stück Papier. Genauer gesagt mit einem zweiseitigen Dokument. Kaum mehr als eine diplomatische Notiz, das am 30. Oktober 1961
  36. in Bad Godesberg bei Bonn unterzeichnet wurde. Die Bundesrepublik Deutschland und die Türkei schlossen das sogenannte Anwerbeabkommen, eine Vereinbarung zur
  37. Entsendung türkischer Arbeitskräfte nach Deutschland. Der Hintergrund war simpel. Deutschland steckte mitten im Wirtschaftswunder. Die Fabriken liefen
  38. auf Hochtouren, aber es fehlten Hände. Die Arbeitslosenquote lag seit 1960 unter 1%, selbst mit Zuwanderung. Die Türkei wiederum kämpfte mit hoher
  39. Arbeitslosigkeit und suchte Ventile. Dazu kam ein geopolitisches Kalkül. Die Türkei war NATOitglied [musik] und ein strategisch wichtiger Partner in
  40. Südosturopa. Das Abkommen war also beides: [musik] Arbeitspolitik und Außenpolitik. Es war ein pragmatisches Geschäft, kein
  41. Einwanderungsprogramm. Die Beschäftigung [musik] war auf maximal 2 Jahre begrenzt. Die Arbeiter sollten kommen, anpacken und
  42. wiedergehen. [musik] Rotation war der Plan, aber es kam ganz anders. 1964 [musik] strich ein zweites Abkommen die
  43. Zweijahresbefristung. Die Arbeiter blieben länger, manche für immer. Bis zum Anwerbestopp 1973 reisten insgesamt rund 860 000 Menschen
  44. aus der Türkei nach Westdeutschland. Etwa 500.000 kehrten in die Türkei zurück. Der Rest blieb, [musik] holte Ehepartner und Kinder nach, eröffnete
  45. Geschäfte, baute Vereine auf, wurde Teil der deutschen Gesellschaft. Die ersten türkischen Gastarbeiter kamen im November 1961
  46. am Flughafen Düsseldorf an, 400 Bergleute, die sich für ein Jahr Arbeit unter Tage verpflichtet hatten. In den Jahren danach folgten ztausende. Sie
  47. arbeiteten in Autofabriken in Wolfsburg und Stuttgart, in Stahlwerken im Ruhrgebiet, auf Baustellen in München und Frankfurt. Sie lebten in Wohnheimen,
  48. schickten Geld nach Hause und aßen, was sie kannten. Geis, Bohnen, Brot und Fleisch, dass sie in den wenigen türkischen Lebensmittelläden fanden, die
  49. es damals [musik] gab. Die Bundesrepublik hatte kein Wort für das, was da gerade passierte. Der Begriff Gastarbeiter erzählt [musik] die ganze
  50. Verlegenheit. Es waren Gäste, die eigentlich nie wieder [musik] gehen sollten und Arbeiter, die bald viel mehr waren als das. Es kamen Schreiner und
  51. Maschinenschlosser, Bauern und Bauarbeiter, [musik] ungelernte und Ausgebildete und mit ihnen kam das Essen. Unter diesen
  52. Hunderttausenden war ein junger Mann namens Kadir Nurmann. Er wurde ungefähr 1933 in Istanbul geboren und kam 1960
  53. mit 26 Jahren als einer von vielen Gastarbeitern nach Deutschland. Zuerst landete [musik] er in Stuttgart, arbeitete dort als Mechaniker, aber sein
  54. Herz hing an der Gastronomie. 1966 [musik] zog er weiter nach Westberlin, eine Stadt, die damals durch die Mauer geteilt war und trotzdem oder vielleicht
  55. gerade deshalb vor Energie vibrierte. Er eröffnete ein kleines Restaurant in Charlottenburg, das aber nicht gut lief. Dann versuchte er es mit einer
  56. Softismaschine am Bahnhof Zoo. ging so, erzählte er Jahre [musik] später dazu, mit der lakonischen Kürze eines Mannes, der gelernt hatte, seine Niederlagen
  57. nicht zu dramatisieren. Und dann hatte Nurmann eine Beobachtung, die alles veränderte. Er sah den Deutschen beim Essen zu und was er sah, war Hektik. Die
  58. Menschen in Westdeutschland aßen im Gehen, im Stehen zwischen zwei Terminen. Sie bissen in ein Brötchen auf dem Weg zur U-Bahn. Sie kauften eine Wurst an
  59. der Bude und aßen sie auf dem Bürgersteig. Das war ein kultureller Unterschied, den nur man sehr genau registrierte. In der Türkei isst man
  60. Dönerkebab traditionell als Tellergericht. Dünn geschnittenes Fleisch vom Spieß, dazu Reis, ein frischer Salat, vielleicht ein
  61. Klexjoghurt. Serviert auf einem Teller, gegessen in Ruhe am Tisch. Ein Mittagessen dauert dort eine halbe Stunde, manchmal eine ganze. Die
  62. Südländer essen nicht aus der Hand, [musik] sagte Takan Tasium, der Vorsitzende des Vereins ATD, dazu. Sie lassen sich Zeit, aber in Deutschland
  63. war keine Zeit. Berlin war in den frühen 70er Jahren eine geteilte, hektische, rastlose Stadt und die Menschen am Bahnhof Zoo. Durchschnitt vielleicht 10
  64. Minuten für ihr Mittagessen. Nur man verstand, dass er das türkische Essen nicht so verkaufen konnte, wie man es in Istanbul servierte. Er musste es
  65. anpassen. Nicht das Fleisch, nicht den Geschmack, sondern die Form. Nurman sah die Lücke und erfüllte sie. 1972 eröffnete er einen kleinen [musik]
  66. Imbisstand gegenüber dem Bahnhof Zoo am Kurfürstendamm in Berlin Charlottenburg. Manche Quellen sagen 1973. Nur man selbst war sich irgendwann nicht
  67. mehr ganz [musik] sicher. Sein Angebot war radikal einfach. Fleisch vom Drehspieß aus Kalb und Rinderhack in ein weißes Brötchen gelegt, dazu Zwiebeln
  68. und ein bisschen Salat. Keine Soße, keine Tomaten, kein [räuspern] anderer Schnickschnack, wie nur Mahn es nannte. Das war sein Döner und er war davon
  69. überzeugt, dass es nicht mehr braucht. "Wenn das Fleisch gut ist, braucht man keine Tomaten oder Gewürze", sagte er noch zwei tausende Lef in einem
  70. Interview. Die ersten Kunden [musik] waren skeptisch. Passanten am Bahnhof Zo sahen den Drehspieß und fragten: "Was ist denn das?" Aber nur man ließ sich
  71. nicht beirren. "Ich wusste, dass der Döner ein Erfolg wird", sagte er. "In Deutschland sind die Menschen immer in Eile. Auch das Essen muss schnell gehen,
  72. auf die Hand und billig. Es war der Beginn des Fastfood Zeitalters [musik] in Deutschland und Nurmann war mittendrin. In den Anfangsjahren kauften
  73. vor allem andere Gastarbeiter bei ihm. [musik] Türken, die den Geschmack von zu Hause kannten, aber wie alle anderen in dieser Stadt keine Zeit hatten, sich
  74. hinzusetzen. Erst nach und nach entdeckten auch deutsche Kunden [musik] den Imbis. Manche probierten aus Neugier, manche, weil es das billigste
  75. warme Essen in der Gegend war. Und fast alle kamen wieder. Oh, aber Nurmann war nicht der einzige, [musik] der auf diese Idee kam. Es gibt einen Rivalen in
  76. dieser Geschichte und die Rivalität hat nie aufgehört. Mehmed Eigünn, ein weiterer [musik] türkischer Gastarbeiter, behauptet, er habe den
  77. Döner im Fladenbrot sogar schon 1971 verkauft, ein Jahr vor Nurmann. Eigün kam als 16-jähriger aus der Schwarzmeerstadt Giresun nach Berlin.
  78. Sein Vater war früh gestorben und Meemed musste seit seiner [musik] Kindheit im Laden der Familie mitarbeiten, nebenbei Fische fangen und als fliegender Händler
  79. Geld verdienen. In Berlin arbeitete er zunächst als Tellerwäscher, dann im Imbis seines Onkels am Kotbusser Tor in Kreuzberg [musik]
  80. und auch im Laden von Kadir Nurmann am Bahnhof Zo. Laut seiner Version [musik] der Geschichte hatte er eines Tages die Idee, Reste des Spießfleisches in ein
  81. Fladenbrot zu stecken, zusammen mit Salat und Soße und es zum Mitnehmen zu verkaufen. Anders als in der Türkei, [musik] wo der Döner auf einem Teller
  82. serviert wurde. Aus seinem kleinen Imbis in der Adalbergstraße [musik] wurde später die Hasiier Restaurantkette. Heute betreiben die
  83. Eigünns fünf Hasierrestaurants in Berlin. Dazu die Burgerkette, Hasiierburger, den Beef Grill Club und ein Hotel am Gendarmenmarkt. Vom
  84. battlearmen Gastarbeiter zum vielfachen Millionär. So erzählt Mehmed Eigünn seine Geschichte. Als Eigün in den Medien als Berliner Erfinder des Döners
  85. gefeiert wurde, blieb nur Mann zunächst still. "Mir war das nicht so wichtig", sagte er später in einem Interview mit dem Tagesspiegel. [musik]
  86. Eigün habe in der Anfangszeit bei ihm gearbeitet und sei ein ganz netter Kerl. Nur die Idee, die sei eben nicht von ihm gewesen. Eigün selbst war für eine
  87. Stellungnahme zu diesem Thema nicht zu erreichen. Wer den Döner im Fladenbrot [musik] wirklich als erster in Berlin verkauft hat, wird sich vermutlich nie
  88. abschließend klären lassen. Nur man gab selbst zu. Vielleicht hat auch jemand anderes es gemacht, in irgendeinem versteckten Laden. Der Verein türkischer
  89. Dönerhersteller in Europa [musik] hat sich 2000 Leev für Kadia Norman entschieden und ihm eine Auszeichnung für sein [musik] Lebenswerk verliehen.
  90. Das war keine juristische Entscheidung, sondern eine Anerkennung durch die Branche selbst. Und nur man nahm sie an als alter Mann mit 78 Jahren, der immer
  91. noch in seiner kleinen Einzimmerwohnung [musik] in Charlottenburg lebte. Was nach Nurmanns erstem Stand am Bahnhof Zoo passierte, ist eine Geschichte, die
  92. niemand hätte vorhersagen können. In den 70er und 80er Jahren entstanden überall in Westdeutschland Dönerläden, zuerst in den Vierteln mit hohem türkischen
  93. Bevölkerungsanteil, Berlin-Kreuzberg, Köline-Elheim, Duisburg-Maxlo, Hamburg Altona. Dort, wo die Gastarbeiter [musik] wohnten, gab es
  94. plötzlich Drehspieße hinter den Glasscheiben kleiner Imbisbuden. Der Geruch von gegrilltem Fleisch und geröstetem Brot zog über die
  95. Bürgersteige. Jeder Laden war ein Familienbetrieb. Der Vater schnitt das Fleisch, die Mutter machte den Salat, die Kinder halfen nach der Schule. Es
  96. waren keine Franchise Filialen, keine durchgeplanten Gastronomiekonzepte. Es waren [musik] Familien, die kochten, was sie kannten, und es an jeden
  97. verkauften, der Hunger hatte. Aber der Döner [musik] blieb nicht in der Nische der Einwandererviertel. Er wuchs aus ihr heraus. Zuerst langsam,
  98. [musik] dann immer schneller. Wenn euch dieses Video gefällt, lasst ein Abo da, damit ihr keine neuen Geschichten verpasst. Der entscheidende Wendepunkt
  99. kam in den 80er Jahren und beschleunigte sich in den 90ern. Der Döner, der anfangs ein Nischenprodukt für Gastarbeiter war, wurde zum Mainstream
  100. und zwar nicht, weil er gleich blieb, sondern gerade, weil er sich veränderte. Das ist ein Punkt, den man nicht übersehen sollte, weil er erklärt, warum
  101. der Döner es geschafft hat und andere Einwanderergerichte nicht. Der ursprüngliche Döner von Nurmann, nur Fleisch, Zwiebeln und Salat in einem
  102. normalen Brötchen war den meisten Deutschen zu trocken und zu kark. Also passten die Imbisbetreiber das Gericht an den deutschen Gaumen an. Das weiße
  103. Brötchen wurde durch aufgebackenes Fladenbrot ersetzt, warm und knusprig. Es kamen Tomaten dazu, Rotkohl und [musik] Weißkohl, Gurken, Eisbergsalat
  104. und manchmal sogar Schafskäse. Und vor allem kamen die [musik] Soßen, Kräutersoße, Knoblauchsoße, scharfe Chilipaste. Einmal mit allem
  105. [musik] und scharf wurde zur Standardbestellung in deutschen Dönerbuden und Nurmann hätte sich bei diesem Satz vermutlich im Grab
  106. umgedreht. "Meiner Meinung nach sind zu viele Zutaten [musik] in den Dönern", sagte er der Frankfurter Rundschau. "hn war der echte Döner immer nur Fleisch
  107. und Zwiebeln, aber die Kunden sahen das anders und sie hatten die Mehrheit. [musik] Ein zweiter Faktor, mindestens genauso wichtig, war der Preis. In den
  108. 80er Jahren kostete ein Döner rund drei Deutsche Mark. In den 90ern vielleicht vier. Für Schüler, Studenten und Arbeiter war das unschlagbar. Kein
  109. anderes warmes Essen war gleichzeitig so sättigend, so schnell zubereitet [musik] und so günstig. Die Currywurst und die Bratwurst waren zwar genauso billig,
  110. aber weniger sättigend. Ein Döner machte richtig satt auf eine Art, wie es kein Brötchen und keine [musik] Wurst konnte. Pizza brauchte eine Viertelstunde im
  111. Ofen. Der Döner war in 2 Minuten [musik] fertig. Für ein Land, das es immer eilig hatte, war das das perfekte Produkt. Genau wie nur man es vorhergesagt hatte.
  112. Nach der Wiedervereinigung 1990 eroberte der Döner auch den Osten Deutschlands, wo es vorher keine türkischen Gastarbeiter und deshalb auch
  113. keine Dönerbuden gegeben hatte. Innerhalb weniger Jahre standen in Dresden, Leipzig und Rostock dieselben Drehspieße wie in Kreuzberg und [musik]
  114. Mühlheim. Die Geschwindigkeit war bemerkenswert. Der Döner brauchte im Westen 15 Jahre, um aus der Nische zu kommen. Im Osten dauerte es kaum fünf.
  115. Gleichzeitig professionalisierte sich die Branche von Grund auf. In den 90er Jahren entstanden in Deutschland die ersten großen
  116. Dönerfleischproduktionsstätten, die meisten davon in Berlin. Statt, dass jeder Imbis sein eigenes Fleisch einkaufte, auf dem Spieß schichtete und
  117. selbst marinierte, lieferten jetzt spezialisierte Fabriken fertige Drehspieße an die Buden. Das Fleisch wurde industriell verarbeitet, gewürzt,
  118. geformt und tief gekühlt. Diese Industrialisierung veränderte die Branche komplett und sie hatte zwei Effekte. die in entgegengesetzte
  119. Richtungen zogen. Auf der einen Seite wurde der Döner billiger, weil die Produktion in großem Maßstab effizienter war, als die Herstellung in jedem
  120. einzelnen Laden. Auf der anderen Seite veränderte sich die Qualität und nicht immer zum Besseren. Neben dem [musik] traditionellen Japrakdöner, bei dem
  121. echte Fleischscheiben per Hand geschichtet werden, entstand der Hackfleischdöner deutlich günstiger in der Herstellung und deshalb sehr
  122. verbreitet. Die Branche wuchs schneller, als die Qualitätskontrolle hinterherkam. Lebensmittelskandale, bei denen Dönerfleisch [musik] mit falschen
  123. Angaben oder minderwertigen Zutaten hergestellt wurde, sorgten immer wieder [musik] für Negativschlagzeilen. Der Verein ATD reagierte auf diese
  124. Probleme und [musik] entwickelte ein Gütesiegel. Nur wer ein Seminar zu Hygiene bei Lagerung, Zubereitung und Ausgabe [musik] besteht, bekommt das
  125. Qualitätssiegel, das dann sichtbar im Fenster des Imbisses hängt. Es war ein Versuch, Vertrauen zurückzugewinnen, das durch die Skandale verloren gegangen
  126. war. Die Zahlen, die der Döner heute in Deutschland produziert, hätte sich Kadier Nurmann an seinem kleinen Stand am Bahnhof Zo nicht vorstellen können.
  127. In ganz Deutschland stehen je nach Zählung zwischen 15 000 und 18 000 Dönerbuden. Allein in Berlin sind es über 1600,
  128. weshalb sich die Stadt stolz als Hauptstadt des Döners bezeichnet. Die Branche beschäftigt rund 65 000 Menschen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz
  129. von geschätzten dreieinhalb bis 4 Milliarden Euro. Jeden Tag werden in Deutschland über 400 Tonnen Dönerfleisch verarbeitet. [musik] Im Jahr sind das
  130. rund 219 000 Tonnen Fleisch, die auf Spieße gesteckt, gegrillt und in Fladenbrot gepackt werden. 250 Produktionsstätten für Dönerfleisch gibt
  131. es im Land und die Lieferketten reichen weit über die Grenzen hinaus. Nach Angaben des ATD beliefern deutsche Dönerbetriebe rund 80% des gesamten
  132. europäischen Markts. Aber gerade in den letzten Jahren ist ein anderes Thema in die Dönerdebatte gerutscht und es hat einen Namen: Dönerflation.
  133. Der Preis für einen Döner ist in Deutschland massiv gestiegen. Noch 2021 kostete ein normaler Döner im Schnitt 4,85
  134. Cent. Inzwischen sind es zwischen 7 und 8 €. In manchen Innenstadtlagen sogar 10 € und mehr. Das ist ein Preisanstieg von knapp 50% in nur 3 Jahren. Und wenn man
  135. weiter zurückblickt, wird das Bild noch drastischer. Seit 2007 haben sich die Dönerpreise [musik] im Schnitt mehr als verdoppelt, ein Plus von über 150%.
  136. Während die allgemeine Inflation [musik] im gleichen Zeitraum bei rund 44% lag. Steigende Rohstoffpreise, höhere [musik] Energiekosten, der Mindestlohn, all das
  137. hat den Döner teurer gemacht. Denitz, ein Dönerverkäufer [musik] in der Nähe des Berliner Bahnhofs Friedrichstraße, brachte es auf den Punkt. Sein Döner
  138. kostete vor 3 Jahren noch 3,90 Cent, jetzt 7 €. Die Leute reden ständig von Dönerflation", sagte er, als ob wir sie verarschen würden. Aber die Miet,
  139. [musik] Energie und Lebensmittelpreise sind für uns genauso gestiegen. Die Wirkung ging weit über den Imbis hinaus. Der Dönerpreis wurde zu einer Art
  140. inoffiziellem Inflationsbarometer, zum Dönerindex, wie manche Medien ihn nannten. Die Dönerflation wurde politisch. [musik] Bundeskanzler Olaf
  141. Scholz wurde bei öffentlichen Auftritten so häufig nach dem Dönerpreis gefragt, vor allem von jungen Leuten, dass er irgendwann selbst darauf einging. Es ist
  142. schon auffällig, dass ich überall, wo ich hinkomme, vor allem von jungen Leuten gefragt werde, ob es nicht eine Preisbremse [musik] für den Döner geben
  143. sollte", sagte Scholz. Die Bundesregierung veröffentlichte auf Instagram eine offizielle Erklärung mit Grafiken zum Verbraucherpreisindex.
  144. Die Linke forderte eine Dönerpreisbremse mit einer Obergrenze von 4,90€. Für Schüler und junge Menschen [musik] sogar nur 2,90
  145. Cent. Das Konzept: staatliche Subventionen, ähnlich der Mietpreisbremse, [musik] um den Döner wieder bezahlbar zu machen.
  146. Es klang absurd und viele fanden es auch komisch, dass es eine Bratwurstpreisbremse oder eine [musik]
  147. Bäckerbrötchenpreisbremse ja auch nicht gab, aber die Forderung traf einen Nerv. Für eine ganze Generation junger Deutscher war der
  148. Döner das Produkt, an dem sie die Inflation zum ersten Mal am eigenen Portemonnaie spürten. Und als wäre die Preisdebatte nicht [musik] genug, kam
  149. 2024 ein internationaler Streit dazu. Im April 2024 beantragte der internationale Dönerverband Udof aus Ankara bei der Europäischen Union [musik] den Döner als
  150. garantiert traditionelle Spezialität eintragen zu lassen. Das hätte dem Döner denselben Schutzstatus gegeben wie Champagne aus Frankreich oder Mozzarella
  151. aus Italien. [musik] Klingt harmlos, hatte aber drastische Konsequenzen. Alle Döner in der EU hätten nach strengen türkischen [musik]
  152. Vorgaben hergestellt werden müssen. Nur bestimmte Fleischsorten, bestimmte Gewürze, [musik] eine bestimmte Zubereitungsmethode.
  153. Der Döner mit Hähnchenfleisch wäre in dieser [musik] Form nicht mehr erlaubt gewesen. Der Gemüsedöner auch nicht. Der Kalbsdöner mit Kräutersoße, wie ihn
  154. Millionen Deutsche jede Woche essen, hätte nicht mehr Döner heißen dürfen. Er hätte Fleisch vom Drehspieß [musik] nach Dönerart heißen müssen oder etwas
  155. ähnlich sperriges. Der deutsche Hotel und Gaststätdtenverband warnte vor Chaos, neuen Namensschöpfungen und Rechtsunsicherheit [musik]
  156. in der gesamten Branche. Deutschland lief Sturm. Das Bundeslandwirtschaftsministerium erhob offiziell Einspruch. Der damalige
  157. Minister Chem Ötztemier, selbst Kind türkischer Einwanderer, fand einen Satz, der es auf sämtliche Titelseiten schaffte. Der Döner gehört zu
  158. Deutschland. Wie er hier zubereitet und gegessen wird, sollte jeder selbst entscheiden dürfen. Da braucht es keine Vorgaben aus Ankara. Sogar Bayerns
  159. Ministerpräsident Markus Söder, nicht gerade bekannt als [musik] Verbündeter der Grünen, stellte sich auf die gleiche Seite. Am 23. September [musik]
  160. 2025 zog die Türkei den Antrag dann zurück. Die Erfolgschancen lagen laut Einschätzung [musik] aus EU-Kreisen bei null. Dass ein
  161. deutscher Minister mit türkischen Wurzeln in Brüssel für die deutsche Variante eines türkischen [musik] Gerichts kämpft, sagt vermutlich mehr
  162. über den Döner und über Deutschland als jede Statistik es könnte. Der Döner ist eben nicht einfach nur ein Gericht. Er ist ein Produkt der Migration, der
  163. Anpassung und der Vermischung. In der Türkei erfunden und in Deutschland neu erfunden. Er begann als Essen für Gastarbeiter, die keine Zeit hatten,
  164. sich an einen Tisch zu setzen und wurde zum Essen für alle, die Hunger hatten, egal woher sie kamen. Kardier Nurmann hat das Ergebnis seiner Idee noch
  165. miterlebt, zumindest die meisten Kapitel davon. 2000 Delev bei der Preisverleihung des ATD saß er als 78-jähriger Mann auf einem Stuhl und
  166. nahm die Ehrung entgegen. "Die türkische Küche sei doch noch so viel reicher", sagte er an dem Tag. Das Wettessen, das nach der Ehrung stattfand, war nichts
  167. für ihn. [musik] Er mochte seinen Döner nach wie vor gerne essen, aber in Ruhe und ohne Wettbewerb. Am 24. [musik] Oktober 2013 starb er in Berlin mit 80
  168. Jahren an Lungenkrebs. Er war nie reich [musik] geworden mit seiner Erfindung. Andere hatten daraus ein Milliardengeschäft gemacht, nur man
  169. nicht. Er lebte bis zuletzt in seiner kleinen Einzimmerwohnung in [musik] Charlottenburg, dem Stadtteil, in dem er Jahrzehnte zuvor seinen ersten Imbis am
  170. Bahnhof Zetrieben hatte. In seiner Wohnung [musik] hatte er vergilbte Zeitungsausschnitte aufbewahrt, die ihn in seinem Laden zeigten. Dazu alte
  171. Anzeigen, die für seinen Döner warben. Die Dönerketten, die Hotels, die Fabriken, die Milliardenumsätze, das war nicht seine Welt. Sein Döner war Fleisch
  172. und Zwiebeln in einem Brötchen [musik] und mehr brauchte es seiner Meinung nach nicht. Aber genau dieser einfache Döner hatte ein ganzes Land verändert. In der
  173. Türkei isst man den Döner mit Reis auf dem Teller mit Butter und Joghurt. In Griechenland heißt das gleiche Prinzip Gyros und kommt in die Pita mit Zaziki.
  174. In der arabischen Welt dreht sich der Schavama Spieß, aber nirgendwo auf der Welt hat der Drehspieß eine solche kulturelle Bedeutung erlangt wie in
  175. Deutschland. In Umfragen liegt der Döner inzwischen regelmäßig vor Bratwurst und Currywurst, wenn Deutsche nach ihrem liebsten Fastfood gefragt werden. Er hat
  176. es geschafft, wovon dutzende andere Einwanderergerichte nur träumen konnten. Er ist selbstverständlich geworden. Niemand denkt beim Döner noch an
  177. Ausländeressen oder türkisches Essen. Er ist einfach Essen auf jeder Autobahnraststätte, vor jeder Disco, in jeder Fußgängerzone, neben dem Kiosk und
  178. gegenüber der Uni. Der Döner gehört zur deutschen Landschaft wie die Bäckerei und die Tankstelle. Was der Döner über Deutschland sagt, ist deshalb vielleicht
  179. wichtiger als das, was er [musik] wiegt oder kostet. Er ist nicht mehr türkisch und nicht mehr Deutsch. Er ist beides gleichzeitig. [musik] Er ist das
  180. Ergebnis eines Anwerbeabkommens, das als vorübergehende Verwaltungsmaßnahme gedacht war und einer kulinarischen Idee, die eigentlich nur eine Notlösung
  181. für eilige [musik] Arbeiter sein sollte. Er wurde in der Türkei am Tisch gegessen und in Deutschland auf der Straße. [musik]
  182. Und beide Versionen existieren bis heute nebeneinander, weil gutes Essen sich nicht um nationale Grenzen oder kulturelle Zugehörigkeiten schärt.
  183. Kardia Nurmann wollte nur ein billiges [musik] Mittagessen für Pendler am Bahnhof Zoo verkaufen. Er hat stattdessen Deutschlands Eskultur auf
  184. den Kopf gestellt. Wenn euch dieses Video gefallen hat, lasst bitte ein Abo da und drückt auf den Daumen nach oben. Schreibt in die Kommentare, was euer
  185. Lieblingsdöner [musik] ist und ob ihr Team Knoblauch oder Team Scharf seid.