Die Geschichte des Döners — Wie ein Gastarbeiter Deutschlands Lieblingsessen erfand Krümelkunde https://www.youtube.com/watch?v=S62n7NPb00w Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Dreieinhalb Milliarden Euro Umsatz im Jahr, 18.000 Dönerbuden im ganzen Land und ein Drittel aller Deutschen, die mindestens einmal im Monat Döner essen. 0:11 Das ist die Bilanz eines Gerichts, das in dieser Form vor 50 Jahren in Deutschland [musik] gar nicht gab. Der Mann, der das alles ins Rollen brachte, 0:20 war ein türkischer Gastarbeiter mit einer [musik] simplen Beobachtung. Die Deutschen haben keine Zeit zum Essen, aber Hunger haben sie trotzdem. Kadier 0:29 Nurmann steckte 1972 zum ersten Mal Fleisch vom Drepieß in ein Fladenbrot und verkaufte es an einem kleinen Stand in Westberlin. Was als 0:38 Notlösung für eilige Arbeiter begann, [musik] wurde zum Nationalgericht. Aber die Geschichte hinter dem Döner ist deutlich älter, deutlich komplizierter 0:47 und deutlich umstrittener als die meisten denken. Wer die Wurzeln des Döners sucht, muss weit zurückgehen. Nicht nach Berlin, nicht nach Istanbul, 0:57 sondern in die anatholische Hochebene des Osmanischen Reichs. Die Tradition, Fleisch an einem Spieß über Feuer zu grillen, reicht in dieser Region 1:06 tausende Jahre zurück. Archäologen haben auf Kreta steinerne Spießhalterungen gefunden, die über 3000 Jahre alt sind. Das Prinzip war immer dasselbe. Fleisch 1:17 auf einen Stab, Feuer daneben, drehen und warten. Aber der entscheidende Unterschied, [musik] der den Döner Kebab vom normalen Grillspieß trennt, ist die 1:25 Achse. Bei einem normalen Spieß liegt das Fleisch wagerecht über der Glut. Beim Döner steht der Spieß senkrecht und das Fleisch dreht sich langsam an einer 1:35 vertikalen Achse neben der Hitzequelle. Das Wort Döner kommt vom türkischen Färb Dönmeck, was schlicht drehen bedeutet. Und Kebab [musik] leitet sich vom 1:46 Arabischen Kabab ab, gebratenes Fleisch. Dönerkebab ist also wörtlich übersetzt nichts weiter als sichdrehendes Bratfleisch. [musik] 1:55 Wann genau jemand zum ersten Mal auf die Idee kam, den Spieß hochzustellen, statt liegen zu lassen, weiß niemand mit letzter Sicherheit. [musik] Die 2:03 frühesten schriftlichen Belege stammen aus den 1840er Jahren. Es gibt sogar fotografische Aufnahmen eines senkrechten Drehspießes, die Historiker 2:13 auf ungefähr 1853 bis 1855 Datieren, [musik] aufgenommen vermutlich vom britischen 2:20 Fotografen James Robertson in Istanbul. Klar ist jedenfalls, [musik] dass die Technik in kleinen Garküchen entstanden sein dürfte und zwar aus 2:29 einem ganz praktischen [musik] Grund. Ein senkrechter Spieß braucht viel weniger Platz als ein Wagerechter. In den engen Gassen der Osmanischen Städte 2:38 war das ein echtes Argument. Der berühmteste Name in dieser frühen Geschichte ist Effendi aus der Stadt Bursa im Nordwesten [musik] der heutigen 2:47 Türkei. Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnete er dort ein Restaurant, das bis heute von seinen Nachkommen betrieben wird. Die Familie Isgender Olu 2:57 führt den Laden am Heelplatz in Borsa [musik] seit 1867. Und laut dem türkischen Patentamt ist es das älteste durchgehend [musik] 3:06 betriebene Kebabhaus der Welt. Isender Effendi nahm Hammelfleisch, verarbeitete einen Teil davon zu Hackfleisch und schichtete beides abwechselnd [musik] 3:15 auf den Spieß. Er ließ es neben glühender Holzkohle garen, die in einem kleinen Turm mit Fächern direkt neben dem Spieß brannte. Das fertige Fleisch 3:24 servierte er dann auf gewürfeltem Fladenbrot mit Joghurt an [musik] der Seite und zerlassener Butter darüber. Das Gericht heißt bis heute Iskender 3:33 Kebab und gilt vielen als die edelste Form des Drehspießes. Obskender den senkrechten Spieß tatsächlich erfunden hat oder nur populär gemacht, darüber 3:43 streiten Historiker. [musik] Aber feststeht, dass der Name Döner Kebab in Bursa entstanden sein soll und dass das Gericht von dort seinen Weg über 3:52 Istanbul und Ankara in andere Teile des Osmanischen Reichs fand. Schon 1836 notierte Helmut von Moldke, damals preußischer Militärberater beim 4:03 Osmanischen Sultan, in seinem Tagebuch, wie er in einer Garküche am Straßenrand sein Mittagessen einnahm. Grillfleisch, serviert im Fladenbrot. Die Kombination 4:14 von Spießfleisch und Brot ist also keine Erfindung der 70er Jahre in Berlin. Sie existierte im Osmanischen Reich schon lange, bevor [musik] irgendjemand in 4:23 Deutschland wusste, was ein Döner ist. Das Gericht wanderte über Grenzen und über Jahrhunderte. Das arabische Schaarma, das griechische Gyros, sogar 4:33 die [musik] mexikanischen Tacos Alpastor, die über libanesische Einwanderer nach Mexiko kamen, sind Verwandte des [musik] türkischen 4:40 Drehspießes. Ein einziges Prinzip, der vertikale Spieß, hat Dutzende von lokalen Varianten auf der ganzen Welt hervorgebracht. In Istanbul selbst wurde 4:52 Döner [musik] Kebab seit den 1940er Jahren in einer Handvoll Restaurants angeboten, unter anderem im Topkappe Palast, aber er war dort nie 5:01 Straßenessen, nie Fastfood. Er war ein Restaurantgericht, dass man im Sitzen aß. Dass sich das ändern würde, dafür brauchte es ein anderes [musik] Land und 5:10 einen anderen Mann. Aber wie kam der Drehspieß nach Deutschland? Die Antwort beginnt nicht mit einem Koch und nicht mit einem Rezept, sondern mit einem 5:19 Stück Papier. Genauer gesagt mit einem zweiseitigen Dokument. Kaum mehr als eine diplomatische Notiz, das am 30. Oktober 1961 5:29 in Bad Godesberg bei Bonn unterzeichnet wurde. Die Bundesrepublik Deutschland und die Türkei schlossen das sogenannte Anwerbeabkommen, eine Vereinbarung zur 5:39 Entsendung türkischer Arbeitskräfte nach Deutschland. Der Hintergrund war simpel. Deutschland steckte mitten im Wirtschaftswunder. Die Fabriken liefen 5:48 auf Hochtouren, aber es fehlten Hände. Die Arbeitslosenquote lag seit 1960 unter 1%, selbst mit Zuwanderung. Die Türkei wiederum kämpfte mit hoher 6:00 Arbeitslosigkeit und suchte Ventile. Dazu kam ein geopolitisches Kalkül. Die Türkei war NATOitglied [musik] und ein strategisch wichtiger Partner in 6:10 Südosturopa. Das Abkommen war also beides: [musik] Arbeitspolitik und Außenpolitik. Es war ein pragmatisches Geschäft, kein 6:19 Einwanderungsprogramm. Die Beschäftigung [musik] war auf maximal 2 Jahre begrenzt. Die Arbeiter sollten kommen, anpacken und 6:27 wiedergehen. [musik] Rotation war der Plan, aber es kam ganz anders. 1964 [musik] strich ein zweites Abkommen die 6:36 Zweijahresbefristung. Die Arbeiter blieben länger, manche für immer. Bis zum Anwerbestopp 1973 reisten insgesamt rund 860 000 Menschen 6:49 aus der Türkei nach Westdeutschland. Etwa 500.000 kehrten in die Türkei zurück. Der Rest blieb, [musik] holte Ehepartner und Kinder nach, eröffnete 6:59 Geschäfte, baute Vereine auf, wurde Teil der deutschen Gesellschaft. Die ersten türkischen Gastarbeiter kamen im November 1961 7:08 am Flughafen Düsseldorf an, 400 Bergleute, die sich für ein Jahr Arbeit unter Tage verpflichtet hatten. In den Jahren danach folgten ztausende. Sie 7:18 arbeiteten in Autofabriken in Wolfsburg und Stuttgart, in Stahlwerken im Ruhrgebiet, auf Baustellen in München und Frankfurt. Sie lebten in Wohnheimen, 7:28 schickten Geld nach Hause und aßen, was sie kannten. Geis, Bohnen, Brot und Fleisch, dass sie in den wenigen türkischen Lebensmittelläden fanden, die 7:38 es damals [musik] gab. Die Bundesrepublik hatte kein Wort für das, was da gerade passierte. Der Begriff Gastarbeiter erzählt [musik] die ganze 7:46 Verlegenheit. Es waren Gäste, die eigentlich nie wieder [musik] gehen sollten und Arbeiter, die bald viel mehr waren als das. Es kamen Schreiner und 7:56 Maschinenschlosser, Bauern und Bauarbeiter, [musik] ungelernte und Ausgebildete und mit ihnen kam das Essen. Unter diesen 8:04 Hunderttausenden war ein junger Mann namens Kadir Nurmann. Er wurde ungefähr 1933 in Istanbul geboren und kam 1960 8:15 mit 26 Jahren als einer von vielen Gastarbeitern nach Deutschland. Zuerst landete [musik] er in Stuttgart, arbeitete dort als Mechaniker, aber sein 8:25 Herz hing an der Gastronomie. 1966 [musik] zog er weiter nach Westberlin, eine Stadt, die damals durch die Mauer geteilt war und trotzdem oder vielleicht 8:36 gerade deshalb vor Energie vibrierte. Er eröffnete ein kleines Restaurant in Charlottenburg, das aber nicht gut lief. Dann versuchte er es mit einer 8:46 Softismaschine am Bahnhof Zoo. ging so, erzählte er Jahre [musik] später dazu, mit der lakonischen Kürze eines Mannes, der gelernt hatte, seine Niederlagen 8:57 nicht zu dramatisieren. Und dann hatte Nurmann eine Beobachtung, die alles veränderte. Er sah den Deutschen beim Essen zu und was er sah, war Hektik. Die 9:07 Menschen in Westdeutschland aßen im Gehen, im Stehen zwischen zwei Terminen. Sie bissen in ein Brötchen auf dem Weg zur U-Bahn. Sie kauften eine Wurst an 9:16 der Bude und aßen sie auf dem Bürgersteig. Das war ein kultureller Unterschied, den nur man sehr genau registrierte. In der Türkei isst man 9:25 Dönerkebab traditionell als Tellergericht. Dünn geschnittenes Fleisch vom Spieß, dazu Reis, ein frischer Salat, vielleicht ein 9:34 Klexjoghurt. Serviert auf einem Teller, gegessen in Ruhe am Tisch. Ein Mittagessen dauert dort eine halbe Stunde, manchmal eine ganze. Die 9:43 Südländer essen nicht aus der Hand, [musik] sagte Takan Tasium, der Vorsitzende des Vereins ATD, dazu. Sie lassen sich Zeit, aber in Deutschland 9:53 war keine Zeit. Berlin war in den frühen 70er Jahren eine geteilte, hektische, rastlose Stadt und die Menschen am Bahnhof Zoo. Durchschnitt vielleicht 10 10:03 Minuten für ihr Mittagessen. Nur man verstand, dass er das türkische Essen nicht so verkaufen konnte, wie man es in Istanbul servierte. Er musste es 10:12 anpassen. Nicht das Fleisch, nicht den Geschmack, sondern die Form. Nurman sah die Lücke und erfüllte sie. 1972 eröffnete er einen kleinen [musik] 10:23 Imbisstand gegenüber dem Bahnhof Zoo am Kurfürstendamm in Berlin Charlottenburg. Manche Quellen sagen 1973. Nur man selbst war sich irgendwann nicht 10:35 mehr ganz [musik] sicher. Sein Angebot war radikal einfach. Fleisch vom Drehspieß aus Kalb und Rinderhack in ein weißes Brötchen gelegt, dazu Zwiebeln 10:44 und ein bisschen Salat. Keine Soße, keine Tomaten, kein [räuspern] anderer Schnickschnack, wie nur Mahn es nannte. Das war sein Döner und er war davon 10:56 überzeugt, dass es nicht mehr braucht. "Wenn das Fleisch gut ist, braucht man keine Tomaten oder Gewürze", sagte er noch zwei tausende Lef in einem 11:05 Interview. Die ersten Kunden [musik] waren skeptisch. Passanten am Bahnhof Zo sahen den Drehspieß und fragten: "Was ist denn das?" Aber nur man ließ sich 11:14 nicht beirren. "Ich wusste, dass der Döner ein Erfolg wird", sagte er. "In Deutschland sind die Menschen immer in Eile. Auch das Essen muss schnell gehen, 11:23 auf die Hand und billig. Es war der Beginn des Fastfood Zeitalters [musik] in Deutschland und Nurmann war mittendrin. In den Anfangsjahren kauften 11:33 vor allem andere Gastarbeiter bei ihm. [musik] Türken, die den Geschmack von zu Hause kannten, aber wie alle anderen in dieser Stadt keine Zeit hatten, sich 11:42 hinzusetzen. Erst nach und nach entdeckten auch deutsche Kunden [musik] den Imbis. Manche probierten aus Neugier, manche, weil es das billigste 11:51 warme Essen in der Gegend war. Und fast alle kamen wieder. Oh, aber Nurmann war nicht der einzige, [musik] der auf diese Idee kam. Es gibt einen Rivalen in 12:02 dieser Geschichte und die Rivalität hat nie aufgehört. Mehmed Eigünn, ein weiterer [musik] türkischer Gastarbeiter, behauptet, er habe den 12:10 Döner im Fladenbrot sogar schon 1971 verkauft, ein Jahr vor Nurmann. Eigün kam als 16-jähriger aus der Schwarzmeerstadt Giresun nach Berlin. 12:21 Sein Vater war früh gestorben und Meemed musste seit seiner [musik] Kindheit im Laden der Familie mitarbeiten, nebenbei Fische fangen und als fliegender Händler 12:30 Geld verdienen. In Berlin arbeitete er zunächst als Tellerwäscher, dann im Imbis seines Onkels am Kotbusser Tor in Kreuzberg [musik] 12:38 und auch im Laden von Kadir Nurmann am Bahnhof Zo. Laut seiner Version [musik] der Geschichte hatte er eines Tages die Idee, Reste des Spießfleisches in ein 12:47 Fladenbrot zu stecken, zusammen mit Salat und Soße und es zum Mitnehmen zu verkaufen. Anders als in der Türkei, [musik] wo der Döner auf einem Teller 12:57 serviert wurde. Aus seinem kleinen Imbis in der Adalbergstraße [musik] wurde später die Hasiier Restaurantkette. Heute betreiben die 13:05 Eigünns fünf Hasierrestaurants in Berlin. Dazu die Burgerkette, Hasiierburger, den Beef Grill Club und ein Hotel am Gendarmenmarkt. Vom 13:15 battlearmen Gastarbeiter zum vielfachen Millionär. So erzählt Mehmed Eigünn seine Geschichte. Als Eigün in den Medien als Berliner Erfinder des Döners 13:24 gefeiert wurde, blieb nur Mann zunächst still. "Mir war das nicht so wichtig", sagte er später in einem Interview mit dem Tagesspiegel. [musik] 13:33 Eigün habe in der Anfangszeit bei ihm gearbeitet und sei ein ganz netter Kerl. Nur die Idee, die sei eben nicht von ihm gewesen. Eigün selbst war für eine 13:42 Stellungnahme zu diesem Thema nicht zu erreichen. Wer den Döner im Fladenbrot [musik] wirklich als erster in Berlin verkauft hat, wird sich vermutlich nie 13:51 abschließend klären lassen. Nur man gab selbst zu. Vielleicht hat auch jemand anderes es gemacht, in irgendeinem versteckten Laden. Der Verein türkischer 14:00 Dönerhersteller in Europa [musik] hat sich 2000 Leev für Kadia Norman entschieden und ihm eine Auszeichnung für sein [musik] Lebenswerk verliehen. 14:09 Das war keine juristische Entscheidung, sondern eine Anerkennung durch die Branche selbst. Und nur man nahm sie an als alter Mann mit 78 Jahren, der immer 14:19 noch in seiner kleinen Einzimmerwohnung [musik] in Charlottenburg lebte. Was nach Nurmanns erstem Stand am Bahnhof Zoo passierte, ist eine Geschichte, die 14:28 niemand hätte vorhersagen können. In den 70er und 80er Jahren entstanden überall in Westdeutschland Dönerläden, zuerst in den Vierteln mit hohem türkischen 14:38 Bevölkerungsanteil, Berlin-Kreuzberg, Köline-Elheim, Duisburg-Maxlo, Hamburg Altona. Dort, wo die Gastarbeiter [musik] wohnten, gab es 14:47 plötzlich Drehspieße hinter den Glasscheiben kleiner Imbisbuden. Der Geruch von gegrilltem Fleisch und geröstetem Brot zog über die 14:55 Bürgersteige. Jeder Laden war ein Familienbetrieb. Der Vater schnitt das Fleisch, die Mutter machte den Salat, die Kinder halfen nach der Schule. Es 15:05 waren keine Franchise Filialen, keine durchgeplanten Gastronomiekonzepte. Es waren [musik] Familien, die kochten, was sie kannten, und es an jeden 15:13 verkauften, der Hunger hatte. Aber der Döner [musik] blieb nicht in der Nische der Einwandererviertel. Er wuchs aus ihr heraus. Zuerst langsam, 15:22 [musik] dann immer schneller. Wenn euch dieses Video gefällt, lasst ein Abo da, damit ihr keine neuen Geschichten verpasst. Der entscheidende Wendepunkt 15:30 kam in den 80er Jahren und beschleunigte sich in den 90ern. Der Döner, der anfangs ein Nischenprodukt für Gastarbeiter war, wurde zum Mainstream 15:40 und zwar nicht, weil er gleich blieb, sondern gerade, weil er sich veränderte. Das ist ein Punkt, den man nicht übersehen sollte, weil er erklärt, warum 15:48 der Döner es geschafft hat und andere Einwanderergerichte nicht. Der ursprüngliche Döner von Nurmann, nur Fleisch, Zwiebeln und Salat in einem 15:57 normalen Brötchen war den meisten Deutschen zu trocken und zu kark. Also passten die Imbisbetreiber das Gericht an den deutschen Gaumen an. Das weiße 16:07 Brötchen wurde durch aufgebackenes Fladenbrot ersetzt, warm und knusprig. Es kamen Tomaten dazu, Rotkohl und [musik] Weißkohl, Gurken, Eisbergsalat 16:18 und manchmal sogar Schafskäse. Und vor allem kamen die [musik] Soßen, Kräutersoße, Knoblauchsoße, scharfe Chilipaste. Einmal mit allem 16:28 [musik] und scharf wurde zur Standardbestellung in deutschen Dönerbuden und Nurmann hätte sich bei diesem Satz vermutlich im Grab 16:35 umgedreht. "Meiner Meinung nach sind zu viele Zutaten [musik] in den Dönern", sagte er der Frankfurter Rundschau. "hn war der echte Döner immer nur Fleisch 16:44 und Zwiebeln, aber die Kunden sahen das anders und sie hatten die Mehrheit. [musik] Ein zweiter Faktor, mindestens genauso wichtig, war der Preis. In den 16:53 80er Jahren kostete ein Döner rund drei Deutsche Mark. In den 90ern vielleicht vier. Für Schüler, Studenten und Arbeiter war das unschlagbar. Kein 17:03 anderes warmes Essen war gleichzeitig so sättigend, so schnell zubereitet [musik] und so günstig. Die Currywurst und die Bratwurst waren zwar genauso billig, 17:13 aber weniger sättigend. Ein Döner machte richtig satt auf eine Art, wie es kein Brötchen und keine [musik] Wurst konnte. Pizza brauchte eine Viertelstunde im 17:21 Ofen. Der Döner war in 2 Minuten [musik] fertig. Für ein Land, das es immer eilig hatte, war das das perfekte Produkt. Genau wie nur man es vorhergesagt hatte. 17:32 Nach der Wiedervereinigung 1990 eroberte der Döner auch den Osten Deutschlands, wo es vorher keine türkischen Gastarbeiter und deshalb auch 17:41 keine Dönerbuden gegeben hatte. Innerhalb weniger Jahre standen in Dresden, Leipzig und Rostock dieselben Drehspieße wie in Kreuzberg und [musik] 17:50 Mühlheim. Die Geschwindigkeit war bemerkenswert. Der Döner brauchte im Westen 15 Jahre, um aus der Nische zu kommen. Im Osten dauerte es kaum fünf. 18:00 Gleichzeitig professionalisierte sich die Branche von Grund auf. In den 90er Jahren entstanden in Deutschland die ersten großen 18:08 Dönerfleischproduktionsstätten, die meisten davon in Berlin. Statt, dass jeder Imbis sein eigenes Fleisch einkaufte, auf dem Spieß schichtete und 18:18 selbst marinierte, lieferten jetzt spezialisierte Fabriken fertige Drehspieße an die Buden. Das Fleisch wurde industriell verarbeitet, gewürzt, 18:27 geformt und tief gekühlt. Diese Industrialisierung veränderte die Branche komplett und sie hatte zwei Effekte. die in entgegengesetzte 18:35 Richtungen zogen. Auf der einen Seite wurde der Döner billiger, weil die Produktion in großem Maßstab effizienter war, als die Herstellung in jedem 18:45 einzelnen Laden. Auf der anderen Seite veränderte sich die Qualität und nicht immer zum Besseren. Neben dem [musik] traditionellen Japrakdöner, bei dem 18:55 echte Fleischscheiben per Hand geschichtet werden, entstand der Hackfleischdöner deutlich günstiger in der Herstellung und deshalb sehr 19:03 verbreitet. Die Branche wuchs schneller, als die Qualitätskontrolle hinterherkam. Lebensmittelskandale, bei denen Dönerfleisch [musik] mit falschen 19:11 Angaben oder minderwertigen Zutaten hergestellt wurde, sorgten immer wieder [musik] für Negativschlagzeilen. Der Verein ATD reagierte auf diese 19:21 Probleme und [musik] entwickelte ein Gütesiegel. Nur wer ein Seminar zu Hygiene bei Lagerung, Zubereitung und Ausgabe [musik] besteht, bekommt das 19:30 Qualitätssiegel, das dann sichtbar im Fenster des Imbisses hängt. Es war ein Versuch, Vertrauen zurückzugewinnen, das durch die Skandale verloren gegangen 19:39 war. Die Zahlen, die der Döner heute in Deutschland produziert, hätte sich Kadier Nurmann an seinem kleinen Stand am Bahnhof Zo nicht vorstellen können. 19:48 In ganz Deutschland stehen je nach Zählung zwischen 15 000 und 18 000 Dönerbuden. Allein in Berlin sind es über 1600, 19:58 weshalb sich die Stadt stolz als Hauptstadt des Döners bezeichnet. Die Branche beschäftigt rund 65 000 Menschen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz 20:08 von geschätzten dreieinhalb bis 4 Milliarden Euro. Jeden Tag werden in Deutschland über 400 Tonnen Dönerfleisch verarbeitet. [musik] Im Jahr sind das 20:17 rund 219 000 Tonnen Fleisch, die auf Spieße gesteckt, gegrillt und in Fladenbrot gepackt werden. 250 Produktionsstätten für Dönerfleisch gibt 20:29 es im Land und die Lieferketten reichen weit über die Grenzen hinaus. Nach Angaben des ATD beliefern deutsche Dönerbetriebe rund 80% des gesamten 20:40 europäischen Markts. Aber gerade in den letzten Jahren ist ein anderes Thema in die Dönerdebatte gerutscht und es hat einen Namen: Dönerflation. 20:49 Der Preis für einen Döner ist in Deutschland massiv gestiegen. Noch 2021 kostete ein normaler Döner im Schnitt 4,85 21:00 Cent. Inzwischen sind es zwischen 7 und 8 €. In manchen Innenstadtlagen sogar 10 € und mehr. Das ist ein Preisanstieg von knapp 50% in nur 3 Jahren. Und wenn man 21:12 weiter zurückblickt, wird das Bild noch drastischer. Seit 2007 haben sich die Dönerpreise [musik] im Schnitt mehr als verdoppelt, ein Plus von über 150%. 21:22 Während die allgemeine Inflation [musik] im gleichen Zeitraum bei rund 44% lag. Steigende Rohstoffpreise, höhere [musik] Energiekosten, der Mindestlohn, all das 21:34 hat den Döner teurer gemacht. Denitz, ein Dönerverkäufer [musik] in der Nähe des Berliner Bahnhofs Friedrichstraße, brachte es auf den Punkt. Sein Döner 21:44 kostete vor 3 Jahren noch 3,90 Cent, jetzt 7 €. Die Leute reden ständig von Dönerflation", sagte er, als ob wir sie verarschen würden. Aber die Miet, 21:56 [musik] Energie und Lebensmittelpreise sind für uns genauso gestiegen. Die Wirkung ging weit über den Imbis hinaus. Der Dönerpreis wurde zu einer Art 22:06 inoffiziellem Inflationsbarometer, zum Dönerindex, wie manche Medien ihn nannten. Die Dönerflation wurde politisch. [musik] Bundeskanzler Olaf 22:16 Scholz wurde bei öffentlichen Auftritten so häufig nach dem Dönerpreis gefragt, vor allem von jungen Leuten, dass er irgendwann selbst darauf einging. Es ist 22:26 schon auffällig, dass ich überall, wo ich hinkomme, vor allem von jungen Leuten gefragt werde, ob es nicht eine Preisbremse [musik] für den Döner geben 22:33 sollte", sagte Scholz. Die Bundesregierung veröffentlichte auf Instagram eine offizielle Erklärung mit Grafiken zum Verbraucherpreisindex. 22:42 Die Linke forderte eine Dönerpreisbremse mit einer Obergrenze von 4,90€. Für Schüler und junge Menschen [musik] sogar nur 2,90 22:53 Cent. Das Konzept: staatliche Subventionen, ähnlich der Mietpreisbremse, [musik] um den Döner wieder bezahlbar zu machen. 23:01 Es klang absurd und viele fanden es auch komisch, dass es eine Bratwurstpreisbremse oder eine [musik] 23:06 Bäckerbrötchenpreisbremse ja auch nicht gab, aber die Forderung traf einen Nerv. Für eine ganze Generation junger Deutscher war der 23:15 Döner das Produkt, an dem sie die Inflation zum ersten Mal am eigenen Portemonnaie spürten. Und als wäre die Preisdebatte nicht [musik] genug, kam 23:25 2024 ein internationaler Streit dazu. Im April 2024 beantragte der internationale Dönerverband Udof aus Ankara bei der Europäischen Union [musik] den Döner als 23:38 garantiert traditionelle Spezialität eintragen zu lassen. Das hätte dem Döner denselben Schutzstatus gegeben wie Champagne aus Frankreich oder Mozzarella 23:48 aus Italien. [musik] Klingt harmlos, hatte aber drastische Konsequenzen. Alle Döner in der EU hätten nach strengen türkischen [musik] 23:56 Vorgaben hergestellt werden müssen. Nur bestimmte Fleischsorten, bestimmte Gewürze, [musik] eine bestimmte Zubereitungsmethode. 24:04 Der Döner mit Hähnchenfleisch wäre in dieser [musik] Form nicht mehr erlaubt gewesen. Der Gemüsedöner auch nicht. Der Kalbsdöner mit Kräutersoße, wie ihn 24:13 Millionen Deutsche jede Woche essen, hätte nicht mehr Döner heißen dürfen. Er hätte Fleisch vom Drehspieß [musik] nach Dönerart heißen müssen oder etwas 24:22 ähnlich sperriges. Der deutsche Hotel und Gaststätdtenverband warnte vor Chaos, neuen Namensschöpfungen und Rechtsunsicherheit [musik] 24:31 in der gesamten Branche. Deutschland lief Sturm. Das Bundeslandwirtschaftsministerium erhob offiziell Einspruch. Der damalige 24:40 Minister Chem Ötztemier, selbst Kind türkischer Einwanderer, fand einen Satz, der es auf sämtliche Titelseiten schaffte. Der Döner gehört zu 24:49 Deutschland. Wie er hier zubereitet und gegessen wird, sollte jeder selbst entscheiden dürfen. Da braucht es keine Vorgaben aus Ankara. Sogar Bayerns 24:58 Ministerpräsident Markus Söder, nicht gerade bekannt als [musik] Verbündeter der Grünen, stellte sich auf die gleiche Seite. Am 23. September [musik] 25:08 2025 zog die Türkei den Antrag dann zurück. Die Erfolgschancen lagen laut Einschätzung [musik] aus EU-Kreisen bei null. Dass ein 25:18 deutscher Minister mit türkischen Wurzeln in Brüssel für die deutsche Variante eines türkischen [musik] Gerichts kämpft, sagt vermutlich mehr 25:25 über den Döner und über Deutschland als jede Statistik es könnte. Der Döner ist eben nicht einfach nur ein Gericht. Er ist ein Produkt der Migration, der 25:35 Anpassung und der Vermischung. In der Türkei erfunden und in Deutschland neu erfunden. Er begann als Essen für Gastarbeiter, die keine Zeit hatten, 25:44 sich an einen Tisch zu setzen und wurde zum Essen für alle, die Hunger hatten, egal woher sie kamen. Kardier Nurmann hat das Ergebnis seiner Idee noch 25:53 miterlebt, zumindest die meisten Kapitel davon. 2000 Delev bei der Preisverleihung des ATD saß er als 78-jähriger Mann auf einem Stuhl und 26:04 nahm die Ehrung entgegen. "Die türkische Küche sei doch noch so viel reicher", sagte er an dem Tag. Das Wettessen, das nach der Ehrung stattfand, war nichts 26:14 für ihn. [musik] Er mochte seinen Döner nach wie vor gerne essen, aber in Ruhe und ohne Wettbewerb. Am 24. [musik] Oktober 2013 starb er in Berlin mit 80 26:26 Jahren an Lungenkrebs. Er war nie reich [musik] geworden mit seiner Erfindung. Andere hatten daraus ein Milliardengeschäft gemacht, nur man 26:33 nicht. Er lebte bis zuletzt in seiner kleinen Einzimmerwohnung in [musik] Charlottenburg, dem Stadtteil, in dem er Jahrzehnte zuvor seinen ersten Imbis am 26:42 Bahnhof Zetrieben hatte. In seiner Wohnung [musik] hatte er vergilbte Zeitungsausschnitte aufbewahrt, die ihn in seinem Laden zeigten. Dazu alte 26:51 Anzeigen, die für seinen Döner warben. Die Dönerketten, die Hotels, die Fabriken, die Milliardenumsätze, das war nicht seine Welt. Sein Döner war Fleisch 27:01 und Zwiebeln in einem Brötchen [musik] und mehr brauchte es seiner Meinung nach nicht. Aber genau dieser einfache Döner hatte ein ganzes Land verändert. In der 27:11 Türkei isst man den Döner mit Reis auf dem Teller mit Butter und Joghurt. In Griechenland heißt das gleiche Prinzip Gyros und kommt in die Pita mit Zaziki. 27:21 In der arabischen Welt dreht sich der Schavama Spieß, aber nirgendwo auf der Welt hat der Drehspieß eine solche kulturelle Bedeutung erlangt wie in 27:30 Deutschland. In Umfragen liegt der Döner inzwischen regelmäßig vor Bratwurst und Currywurst, wenn Deutsche nach ihrem liebsten Fastfood gefragt werden. Er hat 27:39 es geschafft, wovon dutzende andere Einwanderergerichte nur träumen konnten. Er ist selbstverständlich geworden. Niemand denkt beim Döner noch an 27:48 Ausländeressen oder türkisches Essen. Er ist einfach Essen auf jeder Autobahnraststätte, vor jeder Disco, in jeder Fußgängerzone, neben dem Kiosk und 27:59 gegenüber der Uni. Der Döner gehört zur deutschen Landschaft wie die Bäckerei und die Tankstelle. Was der Döner über Deutschland sagt, ist deshalb vielleicht 28:08 wichtiger als das, was er [musik] wiegt oder kostet. Er ist nicht mehr türkisch und nicht mehr Deutsch. Er ist beides gleichzeitig. [musik] Er ist das 28:17 Ergebnis eines Anwerbeabkommens, das als vorübergehende Verwaltungsmaßnahme gedacht war und einer kulinarischen Idee, die eigentlich nur eine Notlösung 28:27 für eilige [musik] Arbeiter sein sollte. Er wurde in der Türkei am Tisch gegessen und in Deutschland auf der Straße. [musik] 28:33 Und beide Versionen existieren bis heute nebeneinander, weil gutes Essen sich nicht um nationale Grenzen oder kulturelle Zugehörigkeiten schärt. 28:42 Kardia Nurmann wollte nur ein billiges [musik] Mittagessen für Pendler am Bahnhof Zoo verkaufen. Er hat stattdessen Deutschlands Eskultur auf 28:51 den Kopf gestellt. Wenn euch dieses Video gefallen hat, lasst bitte ein Abo da und drückt auf den Daumen nach oben. Schreibt in die Kommentare, was euer 29:00 Lieblingsdöner [musik] ist und ob ihr Team Knoblauch oder Team Scharf seid.