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Die Reparatur kostete fast nichts — teuer war nur die Form des Papiers.

Glden Zeit13:38 92 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 98 Zeilen
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  1. 2 m breit ist diese Tür und sie geht nach außen auf. Das spart Platz im Laderaum, denn nach innen müsste sie irgendwohin schwingen. Dafür muss ihr
  2. Riegel den vollen Kabinendruck halten. Genau an diesem Riegel hängt die ganze Geschichte. Er ist ein Bauteil von der Größe eines Unterarms und er entscheidet
  3. über den Druckunterschied zwischen zwei Räumen. 346 Menschen starben, als diese Tür zum zweiten Mal aufriss. Beim ersten Mal 20 Monate früher starb niemand.
  4. Zwischen diesen beiden Ereignissen lag eine Entscheidung, die nichts mit Technik zu tun hatte, 20 Monate, in denen die Lösung bereits auf dem Tisch
  5. lag. Die Reparatur kostete ungefähr so viel wie ein Blech, ein Sichtfenster und ein paar Meter Kabel. Sie war bekannt, sie war einfach und sie lag fertig auf
  6. dem Tisch. Ein Hersteller, der ein Flugzeug für Millionen baut, hätte sie aus der Portokasse bezahlt. Trotzdem wurde sie nicht überall eingebaut.
  7. Warum? Payoff teuer war nicht die Reparatur. sondern die Form des Papiers, in dem sie angeordnet wird. Eine
  8. Luftüchtigkeitsanweisung ist öffentlich, rechtlich bindend und zwingt jede Maschine vor dem nächsten Flug in die Werft. Ein Servicebullet ist freiwillig,
  9. unsichtbar und hat keine Frist. Der technische Inhalt beider Papiere ist identisch. Der Unterschied ist rein juristisch und genau dieser Unterschied
  10. ist der Preis. Das ganze weitere Video handelt davon, wie teuer eine Formulierung werden kann. Eine bindende Anweisung hätte die Flotte angehalten.
  11. Sie steht am nächsten Tag in jeder Zeitung. Sie erreicht jeden Betreiber und sie sagt dem Markt, dass an diesem Flugzeug etwas nicht stimmt. Ein
  12. Bulletin sagt niemandem etwas. Es liegt in einem Ordner beim Betreiber. Und ob es je aufgeschlagen wird, erfährt niemand. Die Rechnung dahinter lässt
  13. sich in einer Zeile aufschreiben. Gespart wurde ein Anhalten der Flotte und ein schlechter Zeitungstag. In Wahrheit wurde etwas ganz anderes
  14. bezahlt und es steht am Ende dieses Videos im Hauptbuch. Der eingesparte Posten war exakt bekannt. Der bezahlte tauchte in keiner Kalkulation auf. Der
  15. Hersteller stand zu diesem Zeitpunkt unter einem Druck, der nicht aus der Technik kam. Ein direkter Wettbewerber brachte imselben Jahr ein fast
  16. identisches Flugzeug für dieselbe Strecke heraus. Wer zuerst als unsicher gilt, verliert Bestellungen an den anderen. Beide Hersteller warben
  17. zurelben Zeit bei denselben Fluggesellschaften um dieselben Verträge. Zwei Großraumflugzeuge mit drei Triebwerken kamen fast gleichzeitig
  18. auf denselben Markt. Zeitgenössische Einschätzungen sahen dort Platz für ungefähr eines. Beide wurden gebaut, beide teilten sich dieselben
  19. Bestellungen und beide verdienten daran am Ende nichts. Ein Markt, der einen Hersteller trägt, trägt zwei nur bis zur Hälfte.
  20. Ein neues Verkehrsflugzeug kostet den Hersteller Jahre und Milliarden, bevor der erste Sitz verkauft ist. Diese Summe verteilt sich auf die Stückzahl.
  21. Verkauft man die Hälfte des Erwarteten, verdoppelt sich der Anteil je Maschine. Dabei ändert sich am Flugzeug selbst überhaupt nichts. Dieselbe Maschine ist
  22. dann plötzlich doppelt so teuer in der Herstellung, ohne dass jemand eine Schraube verändert hätte. Der Wettbewerber wählte für sein Muster ein
  23. neu entwickeltes Triebwerk, dessen Hersteller verkalkulierte sich daran so gründlich, dass er die Entwicklung nicht überlebte. Damit hatte auch der
  24. Wettbewerber jahrelang keine Triebwerke, die er hätte liefern können. Die Bestellungen wanderten in dieser Zeit zurück und der Druck auf beide Seiten
  25. stieg weiter. Die Zahlen dieses Marktes sahen für beide Seiten gleich schlecht aus. Zwei Hersteller teilten sich Bestellungen, die keiner von beiden
  26. allein füllen konnte. Umgekehrt hätte einer allein an demselben Markt gut verdient. Die Entwicklungskosten hätten sich auf die doppelte Stückzahl verteilt
  27. und die Rechnung wäre aufgegangen. Unter diesem Druck wird jede Nachricht über einen Mangel zu einer Kaufmännischen Nachricht. Ein technischer Hinweis ist
  28. dann nicht mehr nur eine technische Frage, sondern eine Frage nach Bestellungen. Genau in dieser Lage kam die erste Warnung: Nicht aus dem
  29. Betrieb, sondern aus der eigenen Erprobung. 1970 versagte bei einem Bodentest eine Frachttür. Der Prüfa stand am Boden. Es flog niemand mit und
  30. die Sache blieb intern. Ein Bodentest ist genau der Ort, an dem so etwas auffallen soll. Dafür macht man ihn. Die Information war damit im Haus, jahre
  31. bevor der erste zahlende Passagier einstieg. Die Tür geht nach außen auf, weil das im Laderaum Platz spart. Eine nach innen öffnende Tür wird vom Druck
  32. von selbst zugehalten. Sie kann gar nicht aufgehen, solange die Kabine unter Druck steht. Eine nach außen öffnende Tür wird vom Druck aufgedrückt, sobald
  33. der Riegel nicht sitzt. Beide Bauarten sind zulässig, aber nur eine verzeiht einen Fehler beim Schließen. Die nach außen öffnende Tür verlangt dafür einen
  34. Riegel, der absolut zuverlässig anzeigt, ob er sitzt. Der Riegel wurde elektrisch betätigt und von außen mit einem Hebel gesichert. Ließ sich der Hebel umlegen,
  35. sah die Tür geschlossen aus. Allerdings konnte der Hebel auch dann nachgeben, wenn die Riegel darunter nicht vollständig eingefahren waren. Der Hebel
  36. bewegte dann nicht mehr die Riegel, sondern verbog ein Verbindungsstück. Ein Mann am Boden, der diese Tür schließt, hat keine Möglichkeit hineinzusehen. Er
  37. sieht einen Hebel, der unten ist. Was darunter passiert ist, sieht er nicht. Die spätere Lösung dafür war ein Sichtfenster von der Größe einer
  38. Handfläche, ein Loch mit einer Scheibe darin, durch dass man den Riegel direkt sehen kann. Am 12. Juni 1972
  39. stieg über Windsor in Ontario eine Maschine dieses Musters durch etwa 3600 m. Die Frachttür riss auf. Der Druck im Frachtraum entwich schlagartig. In der
  40. Kabine darüber blieb er. Rund einen halben Barterschied trug in diesem Moment allein die Bodenkonstruktion. Der Boden zwischen diesen beiden Räumen
  41. hält einen solchen Unterschied nicht aus. Er gab teilweise nach. Und genau durch diesen Boden liefen die Seile, mit denen das Heck gesteuert wird. Eine
  42. Konstruktion, in der Druckgrenze und Steuerung durch dasselbe Bauteil laufen, hat für diesen Fall keine Reserve. Die Besatzung hatte danach nur noch einen
  43. Teil ihrer Steuerung. Sie flog die Maschine im Wesentlichen über die Triebwerke zurück und setzte sie. Niemand starb. Der Vorfall war damit
  44. das, was in der Luftfahrt am wertvollsten ist, eine vollständige Warnung ohne Preis. Der ganze Mechanismus hatte sich gezeigt und es
  45. war niemand dafür gestorben. Die Untersuchungsbehörde beschrieb den Mechanismus vollständig und richtig. Türverschluss, Druckabfall,
  46. Bodenkollaps, Steuerseile. Sie empfahl den Verschluss zu ändern und den Boden zu entlasten. Beides technisch einfach. Öffnungen im Boden lassen den Druck
  47. ausgleichen, bevor die Konstruktion nachgibt. Empfohlen wurde ausdrücklich eine verbindliche Anweisung, also das Papier, das jede Maschine vor dem
  48. nächsten Flug in die werft zwingt. Stattdessen einigten sich die Spitze der Luftfahrtbehörde und die Spitze des Herstellers auf freiwillige
  49. Servicebulletans. Dieselben Maßnahmen, dasselbe Ziel, ein anderes Papier. Diese Absprache ist später als Gentlemens Agreement bezeichnet worden. Sie war
  50. nicht heimlich und nicht rechtswidrig. Sie war eine Ermessenscheidung darüber, welches Papier man benutzt und über nichts anderes. Beide Seiten hätten in
  51. diesem Moment das andere Papier wählen können und niemand hätte sie daran gehindert. Ein Bulletin erreicht die Betreiber, aber es verpflichtet sie zu
  52. nichts. Keine Frist, keine Kontrolle, keine Meldung an die Behörde. Wer es ausführt, tut es freiwillig. Wer es liegen lässt, verstößt gegen keine
  53. Vorschrift. In einer Branche, die nach Vorschriften arbeitet, ist Freiwillig das schwächste Wort, das es gibt. Die drei Änderungen aus dem Bulletan waren
  54. winzig. Ein Stützblech, ein Sichtfenster, Öffnungen im Boden. Trotzdem entschied allein die Form des Papiers darüber, ob sie überall ankamen.
  55. Material im Wert von wenigen 100 Dollar je Maschine, verteilt auf eine Flotte. 20 Monate vergingen zwischen Winsor und dem, was danach kam. 20z Monate, in
  56. denen die Lösung bekannt war, beschrieben war und in einem Papier stand, das niemanden verpflichtete. In dieser Zeit flogen die Maschinen weiter,
  57. jeden Tag auf allen Strecken. Am 3. März 1974 riss dieselbe Tür bei einer Maschine kurz nach dem Start von Paris auf. Alle 346 Menschen an Bord
  58. starben. Es war zu diesem Zeitpunkt das schwerste Unglück der zivilen Luftfahrt. Der Mechanismus war derselbe wie über Winsor. Tür, Druckabfall, Boden,
  59. Steuerung. Diesmal jedoch in geringerer Höhe und mit weniger Zeit. Diese Maschine trug die Arbeiten aus dem Bulletin als erledigt in den Unterlagen.
  60. Ausgeführt worden waren sie nicht vollständig. Ein Stempel ist kein Blech. Dabei liegt genau darin der Unterschied zwischen den beiden Papieren. Beim einen
  61. prüft jemand nach, ob aus dem Stempel ein Blech geworden ist, beim anderen nicht. Das ist der Punkt, an dem die Form des Papiers ihren Preis zeigt. Bei
  62. einer verbindlichen Anweisung prüft eine Behörde die Ausführung. Bei einem Bulletar prüft sie nicht. Dabei ist der technische Inhalt in beiden Fällen
  63. derselbe. Die Behörde hätte nichts zusätzliches verlangen müssen, nur [räuspern] dasselbe verbindlich. Nach diesem Unglück erging die Anweisung, die
  64. 20 Monate früher empfohlen worden war. Geänderte Verriegelung, Sichtfenster, Druckentlastung im Boden. Danach flog dieses Muster jahrzehntelang ohne einen
  65. weiteren Fall dieser Art. Die Änderung wirkte sofort und vollständig, weil sie diesmal überprüft wurde. Die Technik war also lösbar und sie wurde gelöst. Was 20
  66. Monate lang nicht gelöst wurde, war die Frage, in welcher Form man es annet. Jedoch hat genau diese Frage den ganzen Unterschied gemacht. 20 Monate lang war
  67. die Antwort darauf eine Kaufmännische, keine technische. Der Ruf des Flugzeugs war danach beschädigt und er blieb es. Passagiere achteten auf den Mustertyp.
  68. Betreiber wichen aus, der Name wurde zum Schlagwort. Der Schaden am Ruf überstieg alles, was ein Anhalten der Flotte gekostet hätte. Ein Anhalten dauert
  69. Wochen, ein Ruf hält Jahrzehnte. Genau darin liegt die Umkehrung dieses Falls. Vermieden werden sollte ein kurzer, sichtbarer Schaden. Eingetreten ist ein
  70. dauerhafter. Umgekehrt wäre die Flotte nach ein paar Wochen wieder geflogen und niemand hätte sich später daran erinnert. Genau das ist die Rechnung,
  71. die niemand aufgestellt hat. Der Hersteller hat sich davon nie vollständig erholt. Er baute weiter, er lieferte weiter, aber er gewann den
  72. Markt nicht zurück. 1997 verschmolz er mit seinem größten Wettbewerber. Aus dem Hersteller dieses Flugzeugs wurde damit ein Teil der
  73. Firma, gegen die er jahrzehntelang angetreten war. Dieser Wettbewerber übernahm damit nicht nur Werke und Aufträge. Er übernahm eine
  74. Führungskultur, die gelernt hatte, welche Papiere billiger sind. Und genau diese Frage stellte sich 40 Jahre später in derselben Firma noch einmal. anderes
  75. Flugzeug, andes Jahrzehnt, dieselbe Abwegung zwischen sichtbar und teuer auf der einen Seite und unsichtbar und billig auf der anderen.
  76. Im vorherigen Video ging es um ein Flugzeug derselben Firma, ein halbes Jahrhundert später. Dort wurde gespart an dem, was der Pilot wissen durfte. An
  77. einer Zeile im Handbuch. Hier wurde gespart an dem, was die Behörde verlangen durfte. Zwei Dokumente, ein halbes Jahrhundert auseinander, dieselbe
  78. Logik dahinter. Beide Male ging es nicht um Material und nicht um Löhne. Beide Male ging es um ein Dokument, einmal um das Handbuch, einmal um die Anordnung.
  79. Dabei war die Technik in beiden Fällen längst bekannt und billig. Kein Ingenieur musste etwas erfinden. Es musste nur jemand etwas aufschreiben.
  80. Ein Dokument kostet fast nichts in der Herstellung. Es kostet etwas ganz anderes. Es macht ein Problem sichtbar und Sichtbarkeit hat in einem Wettbewerb
  81. einen sehr genauen Preis. Dieser Preis läßt sich sogar beziffern. Verlorene Bestellungen, Kurs, Vertrauen der Betreiber. Das Hauptbuch dieses Falls
  82. hat vier Zeilen. Gespart wurde ein Anhalten der Flotte und ein schlechter Zeitungstag. Bezahlt wurden 346 Menschen leben, der Ruf des Flugzeugs und am Ende
  83. die Selbstständigkeit des Herstellers. Dieselbe Zahl 346 steht auch am Ende des vorherigen Videos für die beiden Abstürze eines Musters derselben Firma
  84. ein halbes Jahrhundert später. Die erste Zeile ließ sich vorher genau beziffern, die drei anderen nicht. In Wirklichkeit ist das kein Rechenfehler, sondern die
  85. Bauart jeder Kalkulation. Was keine Zahl hat, taucht in ihr gar nicht auf. Eine Kalkulation kennt nur Posten, die jemand vorher als Posten aufgeschrieben hat.
  86. Winsor war eine vollständige Warnung, für die niemand bezahlt hatte. Der Mechanismus war beschrieben, die Lösung lag vor, die Empfehlung war
  87. ausgesprochen, es fehlte allein die Bereitschaft, sie in die teurere Form zu gießen. Trotzdem war genau diese Form der einzige Teil, der gewirkt hätte.
  88. Eine Warnung ohne Todesopfer ist die billigste Information, die es gibt. Sie ist auch die, die am leichtesten liegen bleibt, denn ihr fehlt genau das, was
  89. Organisationen zum Handeln zwingt. Ein Unglück erzeugt Druck von außen. Eine Warnung [räuspern] erzeugt nur eine Aktennotiz. Dieses Muster flog nach der
  90. Änderung noch drei Jahrzehnte. Es beförderte Millionen Menschen ohne einen weiteren Fall dieser Art. Das Flugzeug war nie das Problem. Das Papier war es.
  91. In Wahrheit hat dieses Muster mehr Menschen sicher befördert als die meisten seiner Zeitgenossen. Zwei Dokumente lagen zur Auswahl und
  92. beide enthielten dieselbe Reparatur. Das eine kostete ein Anhalten der Flotte, das andere kostete nichts. Gewählt wurde das billigere und der Unterschied
  93. zwischen beiden ist am Ende in einer Zahl aufgetaucht, die niemand kalkuliert hatte. Die Reparatur lag in beiden Papieren, nur die Verbindlichkeit lag in
  94. einem. Kennst du aus deinem Beruf eine Regel, die nur deshalb wirkt, weil sie verbindlich ist? Schreib sie in die Kommentare ohne Namen und ohne Firma.
  95. Nur die Regel. Wir bauen hier ein Archiv aus solchen Beobachtungen und die genausten kommen fast immer von Menschen, die damit arbeiten. [räuspern]
  96. Das Konkurrenzflugzeug aus diesem Video hatte ein eigenes Problem. Sein Triebwerk war so ehrgeizig konstruiert, dass es den Triebwerkshersteller in die
  97. Pleite und in die Verstatlichung trieb mitten in der Entwicklung. Trotzdem wurde es gebaut. Der Fall Rolls-Royce im nächsten Video. Und denk immer daran,
  98. die eine Frage zu stellen. Wo ist das Geld wirklich geblieben?