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Gibt es heute mehr soziale Ungleichheit als früher? | Stimmt es, dass ...? | ARTE
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Transkriptautomatisch erstellt · 147 Zeilen
- [musik] Die Kluft zwischen Arm und Reich ist heute riesig. Es gibt wenige, die viel
- und viele, die nichts haben. Die reichsten [musik] 1% besitzen mehr Vermögen als 95% der Weltbevölkerung. 12 Personen sind so reich wie über 4
- Milliarden Menschen zusammen. Die allerreichsten haben in den letzten Jahren so viel Vermögen angehäuft, dass sie einfach mal ins Aliegen, Medien
- kaufen, Demokratien beeinflussen können. Es scheint, als sei [musik] die Schere zwischen Arm und Reich noch nie so groß gewesen wie heute. Aber stimmt das
- eigentlich? [musik]
- Eine der einflussreichsten Geschichten über den Ursprung der Ungleichheit stammt aus dem 18. Jahrhundert vom Philosophen Jeancesqu Rousseau. Ihm
- zufolge lebten Menschen in lockeren kleinen Gruppen ohne Hierarchie und Könige. Dann kam die Landwirtschaft und mit ihr Zivilisation, [musik]
- Philosophie, Wissenschaft, aber auch Krieg, Herrschaft und Ungleichheit. Eine schlüssige Geschichte mit einem Haken.
- Ich halte es für einen Mythos, dass Jäger und Sammler egalitär lebten und alle den gleichen Status hatten. Soziale Unterschiede entstehen nicht
- erst mit den ersten Staaten, sagt die Archäologin Linda Manzania. In vorstaatlicher Zeit gab es den sogenannten konischen Clan, an dessen
- Spitze steht die Person, die den Ahnen am nächsten ist und die hat eine besondere Stellung. Sie fungiert als Umverteiler, das heißt, sie
- sammelt Güter und verteilt sie innerhalb der Gemeinschaft. Nicht alle frühen Gesellschaften sind so organisiert. Manche leben egalitärer,
- aber Statusunterschiede gibt es immer. Die äußern sich [musik] nur nicht unbedingt in ökonomischer Ungleichheit. Das ändert sich, als Landwirtschaft
- entsteht. Getreide kann [musik] angesammelt werden, vererbt oder auch gestoorben. Diese Dynamik zeigt sich in [musik] den
- ersten Stadtstaaten Mesopotamiens. Weizen wächst in großen Mengen. Ochsen helfen beim Flügen. Der Ertrag steigt. [musik]
- Menschen beginnen Ressourcen anzuhäufen und in politische Macht zu übersetzen. [gelächter]
- Das lässt sich in den frühen sumerischen Stadtstaaten beobachten. Die Adligen stellen die wichtigsten Priester, die Adligen stellen die Herrscher und
- die Adligen häufen Reichtmer an. [musik] Mit den ersten Staaten entwickelt sich
- die Idee von Eigentum. Weizenanbauflächen lassen sich einhegen. Erträge sind planbar und mangelt es an Möglichkeiten [musik] weiterzuziehen,
- etwa aus geographischen Gründen, verschärfen sich Abhängigkeiten. Wer Land kontrolliert, kann [musik] über andere bestimmen. Die Schere zwischen
- Arm und Reich öffnet sich. Doch es gibt Ausnahmen. In Theodakan finden sich keine Lagerstädten der Eliten.
- Das gibt es sonst nirgends. Theoti Huakan liegt im heutigen Mexiko. Vor etwa 1500 Jahren leben hier bis zu
- 150.000 Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Kulturen. Es gibt Pyramiden, aber keine königlichen Gräber. Prächtige
- Wandmalereien. Aber keine Anzeichen für eine Unterdrückung der Massen. Die Ungleichheit, so scheint es, geht gegen null.
- Und das ist nicht nur eine Redensart. In der Forschung gibt man die Ungleichheit tatsächlich so an, mit dem Genie Koeffizienten.
- Er misst, wie ungleich Einkommen oder Vermögen verteilt sind. Ein Wert von eins bedeutet, alles gehört einer Person und bei null herrscht absolute
- Gleichheit. Aber wie misst man Ungleichheit für eine Zeit ohne vollentwickelte Schrift, ohne Banknoten oder Kontostände?
- Dafür muss man herausfinden, wer die Menschen sind, welche Rollen sie innerhaben und ob sie sich an Gütern, die sie kontrollieren, bereichern.
- Das meiste Wissen über die frühe Entwicklung der Ungleichheit verdanken wir Ausgrabungen. Grabbeigaben erzählen vom [musik] Status
- der Verstorbenen und auch Knochen geben erstaunlich viel Preis. Subsistenzwirtschaft kann Ungleichheiten erzeugen,
- aber nicht in Theotiakan. Selbst die ärmsten Menschen haben eine abwechslungsreiche Ernährung. Sie nehmen Wild zu sich.
- Hasen, Kaninchen, anderes Kleinvie, Mais, Bohnen, Kürbis, Amarant. Andere Forschende vergleichen die
- Grundflächen der Häuser. Ihre These: Je größer [musik] die Unterschiede, desto größer die Ungleichheit. Doch in Theotiwakan sind die Wohnanlagen der
- Elite kaum größer als andere. Gebaut wird [musik] planvoll und zwar für alle. Jeder Bezirk gliedert sich in Viertel. Jedes Viertel hat ein eigenes
- Koordinationszentrum. Dort arbeiten sowohl Einheimische als auch zugewanderte. So errichtet man eine multiethnische
- Gesellschaft. Natürlich gibt es auch in Theotiakan soziale Unterschiede. Arbeitende, die
- aus der Ferne kommen, sind schlechter gestellt. Ihre Knochen verraten, sie arbeiten [musik] viele Stunden am Tag und ernähren sich anders als die
- restliche Bevölkerung, hauptsächlich von Mais. Trotzdem bleibt die ökonomische Ungleichheit offenbar extrem gering.
- Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, der Genie Koeffizient könnte in tot Wakal 0,12 gelegen haben. Zum Vergleich, laut World in Equality Database beträgt der
- Wert für Vermögensungleichheit in [musik] Frankreich 2025 rund 0,7. Liegt also um ein Vielfaches Höhe. Selbst die Niederlande, das am wenigsten
- ungleiche Land der Welt, kommen auf 0,6. Wenn diese Berechnungen stimmen, steht Theotian auch im deutlichen Kontrast zum römischen Reich oder zur Hahndynastie in
- China, die etwa zeitgleich ihre Blüte erleben. Eins zu eins vergleichen lassen sich die Daten nicht. [musik]
- Dennoch waren in diesen Imperien wahrscheinlich sowohl Einkommen als auch Vermögen deutlich ungleicher verteilt.
- Gerade beim Vergleich von Imperien zeigt sich, diese Staatsform erzeugt tendenziell immer Ungleichheit. Laut Wirtschaftshistoriker Gido Alfani
- wächst die Ungleichheit, weil Imperien Ressourcen aus eroberten Regionen in ihre Machtzentren verschieben.
- Nehmen wir an, die Momeln sind unsere wirtschaftlichen Ressourcen in einer egalitären Gesellschaft.
- Alle besitzen gleich numero das passiert nun, wenn zusätzliche Ressourcen dazu
- die Reisten beginnen z.B. Abgaben zu verlangen. Sie erheben Steuern von den ärmsten. Die Herrscher ziehen Ressourcen ab, aber
- nicht von der Elite. Heute finanzieren Steuern Straßen oder Krankenhäuser für alle. Sehr lange profitieren aber vor allem
- die Herrschenden davon, denn um ihre Macht zu erhalten oder auszubauen, führen sie Kriege
- und das Geld dafür holen sie sich in Europa zunehmend von der Bevölkerung in Form von Steuern.
- Bis zum 19. Jahrhundert sehen wir einen stetigen Anstieg der Pro Kopfbesteuerung. Und weil sie regressiv ist, führt sie
- automatisch zu Ungleichheit. Denn regressive Besteuerung heißt, je höher das Einkommen, desto geringer der
- Anteil, den man davon abgeben muss. Am Ende profitieren jene, die ohnehin viel haben. Sie werden noch reicher und ihre Familien gleich mit. Denn besonders ein
- Mechanismus [musik] sichert Vermögen über Jahrhunderte. Wo Reichtum leichter vererbbar ist, ist auch die Ungleichheit tendenziell höher.
- Wer vermögend ist, kann leichte Ressourcen anhäufen, Kredite vergeben, Politik beeinflussen und seinen Reichtum an die nächste Generation weitergeben.
- Die beginnt [musik] dann schon in einer ganz anderen Ausgangslage. Kaum ein Fall zeigt das Verschmelzen von Macht und Vermögen wohl so deutlich wie
- jener der Familie Medici. Im 15. Jahrhundert [musik] handeln ihre Mitglieder von Italien aus mit Textilien und Gründen einflussreiche Banken. Ihr
- Reichtum und ihre politische [musik] Macht wachsen Hand in Hand, bis ihre Kontrolle über die staatlichen Institutionen so groß ist, dass sie de
- facto zu den Herrschern von Florenz werden. Die Medici sind ein Paradebeispiel. Mit Super Reichen an der Macht ist eine
- Republik keine Republik mehr. Es gibt kaum noch soziale Mobilität. Nur wer sich mit den Reichen gut stellt, bleibt an der Spitze
- und die gesamtwirtschaftlichen Bedingungen verbessern sich überhaupt nicht. Doch wenn Ungleichheit wächst und
- einzelne Ressourcen kontrollieren, die viele brauchen, werden Gesellschaften instabil.
- Laut Studien wächst auch im Westen die Bereitschaft zu Aufständen, umso mehr, je größer die Ungleichheit wird.
- wird die Ungleichheit zu groß, können Zivilisationen zerbrechen. Im Azthekenreich etwa trägt die enorme soziale Kluft zu Rebellionen bei und am
- Ende helfen Teile der Bevölkerung sogar den Spaniern, das [musik] Imperium zu stürzen.
- Daraus ergibt sich scheinbar eine einfache Geschichte. Jahrtausende lang leben Menschen mit wenig Ungleichheit. Dann entstehen Staaten, Gesellschaften
- werden reglementierter und ungleicher. Aber ist das nicht zu kurz gedacht? Wie kommt es denn, dass nicht nur Bankiers reicher sind als Tagelöhner, sondern
- auch Tagelöhner in England reicher als Tagelöhner in Bolivien? Erst mit der Industrialisierung und der neuen Rolle von Privateigentum hat sich
- die Ungleichheit deutlich verschärft. Europa beutet den Rest der Welt aus, um sich selbst zu bereichern, sagt die Ökonomen Rider Moschriff.
- Bis ins 17. Jahrhundert ist die Ungleichheit zwischen Ländern recht unerheblich. Von China bis zu den Niederlanden alle bewegen sich auf einem
- ähnlichen Einkommensniveau. Dann verschaffen Kolonialismus und Sklavenhandel Europa Vorteile, die später entscheidend sind.
- Die Industrialisierung wurde nicht allein durch britische Arbeiter und Rohstoffe ermöglicht.
- Auch Sklavenarbeit und die Expansion nach Amerika lieferten die Rohstoffe für die Fabriken.
- So importiert Großbritannien billige Baumwolle und verarbeitet sie in heimischen Textilfabriken. Nie zuvor wird so viel produziert und
- angehäuft wie zu dieser Zeit in Europa. Dazugleich Rohstoffe und Arbeitskräfte billig bleiben, explodiert die globale Ungleichheit
- und auch das Finanzsystem lenkt [musik] Geld von den Kolonien nach Europa. Besonders deutlich wird das in Haiti auf dem Weg zur [musik] Unabhängigkeit.
- Frankreich zwang das Land die ehemaligen Sklavenhalter zu entschädigen mit einer Summe, die fast 300 mal so hoch war wie das damalige Nationaleinkommen.
- [räuspern] Dafür musste Haiti Kredite bei französischen Banken aufnehmen, die
- massiv daran verdienten. Riesige Summen flossen also aus der einen Wirtschaft ab, um die andere zu bereichern.
- Länder wie China und Indien werden abgehängt. Europa ist bald deutlich reicher als der Rest der Welt. Zwischen 1820 und 1910 [musik]
- verdoppelt sich die globale Einkommensungleichheit. Die Geschichte der Ungleichheit besteht also eigentlich aus mindestens zwei
- Geschichten. Eine handelt von der Ungleichheit innerhalb von Gesellschaften und eine von der [musik] Ungleichheit zwischen ihnen. Und es
- sieht so aus, als würde die Lücke zwischen Arm und Reich auf allen Ebenen [musik] immer weiter aufklaffen. Aber stimmt das?
- Tatsächlich haben wir zweimal einen großen und dauerhaften Rückgang der Ungleichheit erlebt aufgrund schrecklicher Katastrophe.
- Bis etwa 1900 wächst die Ungleichheit in Europa stetig. Doch Mitte des 14. Jahrhunderts gibt es einen Knick. Die Pest. Große Teile der europäischen
- Bevölkerung sterben an der solche. Der Landbesitz Verstorbener wird plötzlich billig verschärbelt und Arbeitskräfte werden so knapp, dass die Löhne steigen.
- Ärmere holen auf. Die Kluft zu den Reichen schrumpft, allerdings nur vorübergehend, denn die Reichen ziehen ihre Lehren.
- Im nächsten Pestausbruch sind alle vorbereitet. Vermögen werden auch im Todesfall nicht aufgeteilt. Für einige [musik] Jahrhunderte wächst
- die Ungleichheit wieder bis zum zweiten großen Einschnitt. Auch die beiden Weltkriege lassen große Vermögen schrumpfen. Die Kluft zwischen Arm und
- Reich wird erneut [musik] kleiner. Man dachte sehr lange, das hat vor allem mit Kapitalzerstörung zu tun. Wir hatten
- ja zwei Weltkriege. Das heißt, Fehlkapital wurde im wahrsten Sinne des Wortes den Boden gleich gemacht. Die Politikwissenschaftlerin Martina
- Linatas sagt, im 20. Jahrhundert haben wir uns für weniger Ungleichheit entschieden. Die neuere Forschung hat gezeigt, noch
- wichtiger als die Kapitalzerstörung war aber einfach an eins, nämlich progressive Steuerpolitik. Mitte des 20. Jahrhunderts werden
- Einkommen in den USA und Großbritannien extrem hoch besteuert mit bis zu 95%. Nur warum lassen [musik] die Vermögenden zu?
- Weil sie keine globale kommunistische Revolution wollten. Manche Staaten möchten mit dem Kapitalismus nichts mehr zu tun haben.
- Die Sowjetunion und China enteignen den vermögenden Teil der Bevölkerung. Es entstehen autoritäre Regime, die die Ungleichheit tatsächlich erst einmal
- reduzieren. Der [musik] Einkommensgenie sinkt auf 0,3 bis 0,4. Auch im Westen nimmt die Ungleichheit zunächst [musik] ab. Unternehmen werden
- reguliert, arbeitende erkämpfen höhere Löhne. Die Produktion fährt hoch und [musik] es entstehen politische Mehrheiten, die Umverteilung und eine
- gleichere Gesellschaft befürworten. Menschen, die vermögend waren, dieser Hoheeinkommen hatten, haben dann mehr Steuern gezahlt, um dann beispielsweise
- in die Infrastrukturen, die Gesundheitsstrukturen, in das Gesundheitswesen generell, in das Bildungswesen zu investieren.
- Nach dem Zweiten Weltkrieg werden hohe Einkommen und Vermögen stark besteuert. So gelingt es die Schere zwischen Arm und Reich aktiv zu verkleinern.
- Gesundheit, Wohnen und Studieren werden erschwinglich. Und dann hatten wir den Neoliberalismus. In den 1970ern stagniert das
- Wirtschaftswachstum der Industriestarten. Öl wird teuer und Steuern werden unbeliebt. [musik]
- Weniger Steuern für Unternehmen und Vermögende sollen die Wirtschaft wieder ankurbeln. Mehr Arbeitsplätze, Wachstum und
- Wohlstand für alle. Der sogenannte Trickle [musik] Down Effekt. Pustekuchen sehen wir nicht. Bei Familienunternehmen z.B. sind die
- Sparkquoten stark angestiegen oder auch bei großen Konzernen die Dividendenausschüttungen. Aber die Arbeitnehmerinnen wurden nicht
- unbedingt an diesem Wirtschaftswachstum im gleichen Maße auch beteiligt. Und das hat dann dazu geführt, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter
- auseinandergegangen ist. Denn wenn die Wirtschaft wächst, [musik] aber die Löhne nicht in gleichem Maße ansteigen, sinkt für viele die
- Kaufkraft. Wohnungen etwa fressen heute viel mehr vom Monatsgehalt [musik] als vor 40 Jahren. Es scheint also, als würde die Kluft
- zwischen Arm und Reich wieder [musik] uneingeschränkt größer. Doch die Geschichte wird komplizierter, wenn wir die Entwicklung der Einkommen global
- betrachten. Das machen wir mit diesen zehn Figuren, die jede für 10% der Weltbevölkerung stehen, von arm bis reich. Dann haben
- die Menschen in Armut ein Einkommenszuwachs von 1988 bis 2008, also immer in 20 Jahren von rund 40% gesehen.
- Der ärmste Teil der Weltbevölkerung wird weniger arm. Besonders deutlich wird das in [musik] Ländern wie Indien und China. Dann sehen wir, dass deren
- Mittelschichten einen sehr großen Zuwachs hatten von sogar 75%. In den reichen Industriestaaten hingegen stagnieren die Einkommen vieler
- Arbeitender über Jahrzehnte. Und bei den reichsten 10% da können wir sehen, dass die Einkommen in den 20 Jahren um satte 65% gestiegen sind. Und
- was wir dann hier so erkennen und nachzeichnen können, ist dann die sogenannte Elefantenkurve. Die mittlerweile [musik] berühmte Kurve
- zeigt, zwischen den Staaten schrumpft die Ungleichheit. Viele [musik] zuvor ärmere Länder holen auf, ihre Mittelschichten wachsen.
- Innerhalb vieler Staaten profitieren jedoch [musik] vor allem die reichsten und das immer massiver. Das sind jetzt die Daten bis 2008, wenn man die
- aktualisiert. Dann müsste man auch schauen, dass vor allem an der Spitze bei den reißen 10% die Einkommen noch deutlich stärker
- angestiegen sind. Dann ist aus dem Elefanten plötzlich ein Monster von Loch Nest geworden. Der Grund dahinter ist einfach. Wer
- Vermögen [musik] besitzt, kann es anlegen und angelegtes Kapital wächst schneller als Einkommen aus Arbeit. Stellen wir uns zwei Personen zu Beginn
- ihres Erwerbslebens vor. Die eine hat nichts geerbt, die andere eine Million. Durch Arbeit schafft es die erste Person 100.000 € anzusparen.
- Die kann sie an ihre Kinder vererben. [räuspern] Die andere Person legt ihre Million für rund 20 Jahre an. Er hält Zinsen und
- Zinseszinsen. In dieser Zeit vervierfacht sich die Summe und die zweite Person kann nicht
- nur eine Million vererben, sondern rund 4 Millionen. [räuspern] Kurz gesagt, wer hat dem wird gegeben.
- Und so konzentriert sich Vermögen immer stärker, gerade z.B. will auch in Deutschland. Hier leben heute mehr Milliardäre als in jedem anderen Land
- Europas. 1 cm spricht für 50.000 €. Dann haben wir von unten bis oben 1,5 Millionen Euro. 99% aller Deutschen haben so viel
- Vermögen, dass sie irgendwo hier den Punkt ansetzen könnten. Wenn diese 1,5 Millionen Euro 30 cm entsprechen, dann ist die reiste Familie Deutschlands
- nicht etwa Meter oder 100 drüber, sondern mindestens 10 km, wenn ich sogar 20 km über den 99% aller
- Deutschen. Die Reichsten wissen, wie sie ihr Vermögen geschickt verwalten und Steuern vermeiden [musik] können. Die Macht der
- Medicii blieb noch auf Europa begrenzt. Heute lässt sich Kapital über den ganzen Globus verschieben. Die reichsten 10% besitzen über 70% des weltweiten
- Vermögens. Der ärmeren Hälfte gehören gerade einmal 2%. Das globale Finanzsystem hat sich zwar etwas verändert, aber an sich bleibt es
- ein Erbe der Kolonialzeit. Wir nutzen mehr oder weniger die gleichen Instrumente, um den Reichtum von den ärmsten in die reichsten
- Gesellschaften zu übertragen. Damit stehen wir an einem kritischen Punkt in der Zivilisationsgeschichte.
- Die reichsten sind heute reicher als je zuvor. Sie beeinflussen die öffentliche [musik] Debatte und können für Gesetze lobbyieren, die ihren Reichtum weiter
- fördern. Und wer mehr besitzt, verursacht auch mehr Emissionen. Die Reichsten befeuern die Klimakrise am stärksten. Nicht nur
- durch ihren Lebenswandel, [musik] sondern vor allem, weil sie Kapital in klimaschädliche Unternehmen investieren. Der globale Süden ist dabei von der
- Klimakatastrophe besonders stark betroffen. Und während etwa eine Flut für ärmere Menschen den Ruinen bedeuten kann, erholen sich Vermögende meist
- schnell. Die Schere öffnet sich immer mehr. Doch geht sie zu weit auf, werden Systeme instabil.
- Menschen fühlen sich nicht mehr vertreten [musik] von etablierten Parteien, sondern wählen dann die Extreme.
- Einige Vermögende fordern sogar selbst. Besteuert uns. Ungleichheit wird nicht von selbst verschwinden. Wir müssen uns
- entscheiden, ob wir eine weniger ungleiche Gesellschaft wollen. Und wenn wir sie wollen, müssen wir auch danach handeln. Erla.
- Am Ende bleibt also eine Entscheidung, denn das vergangene Jahrhundert hat uns Werkzeuge mitgegeben, die den [musik] extremen Reichtum einiger weniger
- verhindern können. Das ist nichts Gottgegebenes [musik] und kein Naturgesetz, nichts, was vom Himmel
- fällt, sondern Ungleichheit ist politisch gestaltbar. Aber sind wir bereit an einer gerechteren Gesellschaft zu bauen oder warten wir einfach auf die
- nächste große Katastrophe?