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Gibt es heute mehr soziale Ungleichheit als früher? | Stimmt es, dass ...? | ARTE

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Transkriptautomatisch erstellt · 147 Zeilen
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  1. [musik] Die Kluft zwischen Arm und Reich ist heute riesig. Es gibt wenige, die viel
  2. und viele, die nichts haben. Die reichsten [musik] 1% besitzen mehr Vermögen als 95% der Weltbevölkerung. 12 Personen sind so reich wie über 4
  3. Milliarden Menschen zusammen. Die allerreichsten haben in den letzten Jahren so viel Vermögen angehäuft, dass sie einfach mal ins Aliegen, Medien
  4. kaufen, Demokratien beeinflussen können. Es scheint, als sei [musik] die Schere zwischen Arm und Reich noch nie so groß gewesen wie heute. Aber stimmt das
  5. eigentlich? [musik]
  6. Eine der einflussreichsten Geschichten über den Ursprung der Ungleichheit stammt aus dem 18. Jahrhundert vom Philosophen Jeancesqu Rousseau. Ihm
  7. zufolge lebten Menschen in lockeren kleinen Gruppen ohne Hierarchie und Könige. Dann kam die Landwirtschaft und mit ihr Zivilisation, [musik]
  8. Philosophie, Wissenschaft, aber auch Krieg, Herrschaft und Ungleichheit. Eine schlüssige Geschichte mit einem Haken.
  9. Ich halte es für einen Mythos, dass Jäger und Sammler egalitär lebten und alle den gleichen Status hatten. Soziale Unterschiede entstehen nicht
  10. erst mit den ersten Staaten, sagt die Archäologin Linda Manzania. In vorstaatlicher Zeit gab es den sogenannten konischen Clan, an dessen
  11. Spitze steht die Person, die den Ahnen am nächsten ist und die hat eine besondere Stellung. Sie fungiert als Umverteiler, das heißt, sie
  12. sammelt Güter und verteilt sie innerhalb der Gemeinschaft. Nicht alle frühen Gesellschaften sind so organisiert. Manche leben egalitärer,
  13. aber Statusunterschiede gibt es immer. Die äußern sich [musik] nur nicht unbedingt in ökonomischer Ungleichheit. Das ändert sich, als Landwirtschaft
  14. entsteht. Getreide kann [musik] angesammelt werden, vererbt oder auch gestoorben. Diese Dynamik zeigt sich in [musik] den
  15. ersten Stadtstaaten Mesopotamiens. Weizen wächst in großen Mengen. Ochsen helfen beim Flügen. Der Ertrag steigt. [musik]
  16. Menschen beginnen Ressourcen anzuhäufen und in politische Macht zu übersetzen. [gelächter]
  17. Das lässt sich in den frühen sumerischen Stadtstaaten beobachten. Die Adligen stellen die wichtigsten Priester, die Adligen stellen die Herrscher und
  18. die Adligen häufen Reichtmer an. [musik] Mit den ersten Staaten entwickelt sich
  19. die Idee von Eigentum. Weizenanbauflächen lassen sich einhegen. Erträge sind planbar und mangelt es an Möglichkeiten [musik] weiterzuziehen,
  20. etwa aus geographischen Gründen, verschärfen sich Abhängigkeiten. Wer Land kontrolliert, kann [musik] über andere bestimmen. Die Schere zwischen
  21. Arm und Reich öffnet sich. Doch es gibt Ausnahmen. In Theodakan finden sich keine Lagerstädten der Eliten.
  22. Das gibt es sonst nirgends. Theoti Huakan liegt im heutigen Mexiko. Vor etwa 1500 Jahren leben hier bis zu
  23. 150.000 Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Kulturen. Es gibt Pyramiden, aber keine königlichen Gräber. Prächtige
  24. Wandmalereien. Aber keine Anzeichen für eine Unterdrückung der Massen. Die Ungleichheit, so scheint es, geht gegen null.
  25. Und das ist nicht nur eine Redensart. In der Forschung gibt man die Ungleichheit tatsächlich so an, mit dem Genie Koeffizienten.
  26. Er misst, wie ungleich Einkommen oder Vermögen verteilt sind. Ein Wert von eins bedeutet, alles gehört einer Person und bei null herrscht absolute
  27. Gleichheit. Aber wie misst man Ungleichheit für eine Zeit ohne vollentwickelte Schrift, ohne Banknoten oder Kontostände?
  28. Dafür muss man herausfinden, wer die Menschen sind, welche Rollen sie innerhaben und ob sie sich an Gütern, die sie kontrollieren, bereichern.
  29. Das meiste Wissen über die frühe Entwicklung der Ungleichheit verdanken wir Ausgrabungen. Grabbeigaben erzählen vom [musik] Status
  30. der Verstorbenen und auch Knochen geben erstaunlich viel Preis. Subsistenzwirtschaft kann Ungleichheiten erzeugen,
  31. aber nicht in Theotiakan. Selbst die ärmsten Menschen haben eine abwechslungsreiche Ernährung. Sie nehmen Wild zu sich.
  32. Hasen, Kaninchen, anderes Kleinvie, Mais, Bohnen, Kürbis, Amarant. Andere Forschende vergleichen die
  33. Grundflächen der Häuser. Ihre These: Je größer [musik] die Unterschiede, desto größer die Ungleichheit. Doch in Theotiwakan sind die Wohnanlagen der
  34. Elite kaum größer als andere. Gebaut wird [musik] planvoll und zwar für alle. Jeder Bezirk gliedert sich in Viertel. Jedes Viertel hat ein eigenes
  35. Koordinationszentrum. Dort arbeiten sowohl Einheimische als auch zugewanderte. So errichtet man eine multiethnische
  36. Gesellschaft. Natürlich gibt es auch in Theotiakan soziale Unterschiede. Arbeitende, die
  37. aus der Ferne kommen, sind schlechter gestellt. Ihre Knochen verraten, sie arbeiten [musik] viele Stunden am Tag und ernähren sich anders als die
  38. restliche Bevölkerung, hauptsächlich von Mais. Trotzdem bleibt die ökonomische Ungleichheit offenbar extrem gering.
  39. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, der Genie Koeffizient könnte in tot Wakal 0,12 gelegen haben. Zum Vergleich, laut World in Equality Database beträgt der
  40. Wert für Vermögensungleichheit in [musik] Frankreich 2025 rund 0,7. Liegt also um ein Vielfaches Höhe. Selbst die Niederlande, das am wenigsten
  41. ungleiche Land der Welt, kommen auf 0,6. Wenn diese Berechnungen stimmen, steht Theotian auch im deutlichen Kontrast zum römischen Reich oder zur Hahndynastie in
  42. China, die etwa zeitgleich ihre Blüte erleben. Eins zu eins vergleichen lassen sich die Daten nicht. [musik]
  43. Dennoch waren in diesen Imperien wahrscheinlich sowohl Einkommen als auch Vermögen deutlich ungleicher verteilt.
  44. Gerade beim Vergleich von Imperien zeigt sich, diese Staatsform erzeugt tendenziell immer Ungleichheit. Laut Wirtschaftshistoriker Gido Alfani
  45. wächst die Ungleichheit, weil Imperien Ressourcen aus eroberten Regionen in ihre Machtzentren verschieben.
  46. Nehmen wir an, die Momeln sind unsere wirtschaftlichen Ressourcen in einer egalitären Gesellschaft.
  47. Alle besitzen gleich numero das passiert nun, wenn zusätzliche Ressourcen dazu
  48. die Reisten beginnen z.B. Abgaben zu verlangen. Sie erheben Steuern von den ärmsten. Die Herrscher ziehen Ressourcen ab, aber
  49. nicht von der Elite. Heute finanzieren Steuern Straßen oder Krankenhäuser für alle. Sehr lange profitieren aber vor allem
  50. die Herrschenden davon, denn um ihre Macht zu erhalten oder auszubauen, führen sie Kriege
  51. und das Geld dafür holen sie sich in Europa zunehmend von der Bevölkerung in Form von Steuern.
  52. Bis zum 19. Jahrhundert sehen wir einen stetigen Anstieg der Pro Kopfbesteuerung. Und weil sie regressiv ist, führt sie
  53. automatisch zu Ungleichheit. Denn regressive Besteuerung heißt, je höher das Einkommen, desto geringer der
  54. Anteil, den man davon abgeben muss. Am Ende profitieren jene, die ohnehin viel haben. Sie werden noch reicher und ihre Familien gleich mit. Denn besonders ein
  55. Mechanismus [musik] sichert Vermögen über Jahrhunderte. Wo Reichtum leichter vererbbar ist, ist auch die Ungleichheit tendenziell höher.
  56. Wer vermögend ist, kann leichte Ressourcen anhäufen, Kredite vergeben, Politik beeinflussen und seinen Reichtum an die nächste Generation weitergeben.
  57. Die beginnt [musik] dann schon in einer ganz anderen Ausgangslage. Kaum ein Fall zeigt das Verschmelzen von Macht und Vermögen wohl so deutlich wie
  58. jener der Familie Medici. Im 15. Jahrhundert [musik] handeln ihre Mitglieder von Italien aus mit Textilien und Gründen einflussreiche Banken. Ihr
  59. Reichtum und ihre politische [musik] Macht wachsen Hand in Hand, bis ihre Kontrolle über die staatlichen Institutionen so groß ist, dass sie de
  60. facto zu den Herrschern von Florenz werden. Die Medici sind ein Paradebeispiel. Mit Super Reichen an der Macht ist eine
  61. Republik keine Republik mehr. Es gibt kaum noch soziale Mobilität. Nur wer sich mit den Reichen gut stellt, bleibt an der Spitze
  62. und die gesamtwirtschaftlichen Bedingungen verbessern sich überhaupt nicht. Doch wenn Ungleichheit wächst und
  63. einzelne Ressourcen kontrollieren, die viele brauchen, werden Gesellschaften instabil.
  64. Laut Studien wächst auch im Westen die Bereitschaft zu Aufständen, umso mehr, je größer die Ungleichheit wird.
  65. wird die Ungleichheit zu groß, können Zivilisationen zerbrechen. Im Azthekenreich etwa trägt die enorme soziale Kluft zu Rebellionen bei und am
  66. Ende helfen Teile der Bevölkerung sogar den Spaniern, das [musik] Imperium zu stürzen.
  67. Daraus ergibt sich scheinbar eine einfache Geschichte. Jahrtausende lang leben Menschen mit wenig Ungleichheit. Dann entstehen Staaten, Gesellschaften
  68. werden reglementierter und ungleicher. Aber ist das nicht zu kurz gedacht? Wie kommt es denn, dass nicht nur Bankiers reicher sind als Tagelöhner, sondern
  69. auch Tagelöhner in England reicher als Tagelöhner in Bolivien? Erst mit der Industrialisierung und der neuen Rolle von Privateigentum hat sich
  70. die Ungleichheit deutlich verschärft. Europa beutet den Rest der Welt aus, um sich selbst zu bereichern, sagt die Ökonomen Rider Moschriff.
  71. Bis ins 17. Jahrhundert ist die Ungleichheit zwischen Ländern recht unerheblich. Von China bis zu den Niederlanden alle bewegen sich auf einem
  72. ähnlichen Einkommensniveau. Dann verschaffen Kolonialismus und Sklavenhandel Europa Vorteile, die später entscheidend sind.
  73. Die Industrialisierung wurde nicht allein durch britische Arbeiter und Rohstoffe ermöglicht.
  74. Auch Sklavenarbeit und die Expansion nach Amerika lieferten die Rohstoffe für die Fabriken.
  75. So importiert Großbritannien billige Baumwolle und verarbeitet sie in heimischen Textilfabriken. Nie zuvor wird so viel produziert und
  76. angehäuft wie zu dieser Zeit in Europa. Dazugleich Rohstoffe und Arbeitskräfte billig bleiben, explodiert die globale Ungleichheit
  77. und auch das Finanzsystem lenkt [musik] Geld von den Kolonien nach Europa. Besonders deutlich wird das in Haiti auf dem Weg zur [musik] Unabhängigkeit.
  78. Frankreich zwang das Land die ehemaligen Sklavenhalter zu entschädigen mit einer Summe, die fast 300 mal so hoch war wie das damalige Nationaleinkommen.
  79. [räuspern] Dafür musste Haiti Kredite bei französischen Banken aufnehmen, die
  80. massiv daran verdienten. Riesige Summen flossen also aus der einen Wirtschaft ab, um die andere zu bereichern.
  81. Länder wie China und Indien werden abgehängt. Europa ist bald deutlich reicher als der Rest der Welt. Zwischen 1820 und 1910 [musik]
  82. verdoppelt sich die globale Einkommensungleichheit. Die Geschichte der Ungleichheit besteht also eigentlich aus mindestens zwei
  83. Geschichten. Eine handelt von der Ungleichheit innerhalb von Gesellschaften und eine von der [musik] Ungleichheit zwischen ihnen. Und es
  84. sieht so aus, als würde die Lücke zwischen Arm und Reich auf allen Ebenen [musik] immer weiter aufklaffen. Aber stimmt das?
  85. Tatsächlich haben wir zweimal einen großen und dauerhaften Rückgang der Ungleichheit erlebt aufgrund schrecklicher Katastrophe.
  86. Bis etwa 1900 wächst die Ungleichheit in Europa stetig. Doch Mitte des 14. Jahrhunderts gibt es einen Knick. Die Pest. Große Teile der europäischen
  87. Bevölkerung sterben an der solche. Der Landbesitz Verstorbener wird plötzlich billig verschärbelt und Arbeitskräfte werden so knapp, dass die Löhne steigen.
  88. Ärmere holen auf. Die Kluft zu den Reichen schrumpft, allerdings nur vorübergehend, denn die Reichen ziehen ihre Lehren.
  89. Im nächsten Pestausbruch sind alle vorbereitet. Vermögen werden auch im Todesfall nicht aufgeteilt. Für einige [musik] Jahrhunderte wächst
  90. die Ungleichheit wieder bis zum zweiten großen Einschnitt. Auch die beiden Weltkriege lassen große Vermögen schrumpfen. Die Kluft zwischen Arm und
  91. Reich wird erneut [musik] kleiner. Man dachte sehr lange, das hat vor allem mit Kapitalzerstörung zu tun. Wir hatten
  92. ja zwei Weltkriege. Das heißt, Fehlkapital wurde im wahrsten Sinne des Wortes den Boden gleich gemacht. Die Politikwissenschaftlerin Martina
  93. Linatas sagt, im 20. Jahrhundert haben wir uns für weniger Ungleichheit entschieden. Die neuere Forschung hat gezeigt, noch
  94. wichtiger als die Kapitalzerstörung war aber einfach an eins, nämlich progressive Steuerpolitik. Mitte des 20. Jahrhunderts werden
  95. Einkommen in den USA und Großbritannien extrem hoch besteuert mit bis zu 95%. Nur warum lassen [musik] die Vermögenden zu?
  96. Weil sie keine globale kommunistische Revolution wollten. Manche Staaten möchten mit dem Kapitalismus nichts mehr zu tun haben.
  97. Die Sowjetunion und China enteignen den vermögenden Teil der Bevölkerung. Es entstehen autoritäre Regime, die die Ungleichheit tatsächlich erst einmal
  98. reduzieren. Der [musik] Einkommensgenie sinkt auf 0,3 bis 0,4. Auch im Westen nimmt die Ungleichheit zunächst [musik] ab. Unternehmen werden
  99. reguliert, arbeitende erkämpfen höhere Löhne. Die Produktion fährt hoch und [musik] es entstehen politische Mehrheiten, die Umverteilung und eine
  100. gleichere Gesellschaft befürworten. Menschen, die vermögend waren, dieser Hoheeinkommen hatten, haben dann mehr Steuern gezahlt, um dann beispielsweise
  101. in die Infrastrukturen, die Gesundheitsstrukturen, in das Gesundheitswesen generell, in das Bildungswesen zu investieren.
  102. Nach dem Zweiten Weltkrieg werden hohe Einkommen und Vermögen stark besteuert. So gelingt es die Schere zwischen Arm und Reich aktiv zu verkleinern.
  103. Gesundheit, Wohnen und Studieren werden erschwinglich. Und dann hatten wir den Neoliberalismus. In den 1970ern stagniert das
  104. Wirtschaftswachstum der Industriestarten. Öl wird teuer und Steuern werden unbeliebt. [musik]
  105. Weniger Steuern für Unternehmen und Vermögende sollen die Wirtschaft wieder ankurbeln. Mehr Arbeitsplätze, Wachstum und
  106. Wohlstand für alle. Der sogenannte Trickle [musik] Down Effekt. Pustekuchen sehen wir nicht. Bei Familienunternehmen z.B. sind die
  107. Sparkquoten stark angestiegen oder auch bei großen Konzernen die Dividendenausschüttungen. Aber die Arbeitnehmerinnen wurden nicht
  108. unbedingt an diesem Wirtschaftswachstum im gleichen Maße auch beteiligt. Und das hat dann dazu geführt, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter
  109. auseinandergegangen ist. Denn wenn die Wirtschaft wächst, [musik] aber die Löhne nicht in gleichem Maße ansteigen, sinkt für viele die
  110. Kaufkraft. Wohnungen etwa fressen heute viel mehr vom Monatsgehalt [musik] als vor 40 Jahren. Es scheint also, als würde die Kluft
  111. zwischen Arm und Reich wieder [musik] uneingeschränkt größer. Doch die Geschichte wird komplizierter, wenn wir die Entwicklung der Einkommen global
  112. betrachten. Das machen wir mit diesen zehn Figuren, die jede für 10% der Weltbevölkerung stehen, von arm bis reich. Dann haben
  113. die Menschen in Armut ein Einkommenszuwachs von 1988 bis 2008, also immer in 20 Jahren von rund 40% gesehen.
  114. Der ärmste Teil der Weltbevölkerung wird weniger arm. Besonders deutlich wird das in [musik] Ländern wie Indien und China. Dann sehen wir, dass deren
  115. Mittelschichten einen sehr großen Zuwachs hatten von sogar 75%. In den reichen Industriestaaten hingegen stagnieren die Einkommen vieler
  116. Arbeitender über Jahrzehnte. Und bei den reichsten 10% da können wir sehen, dass die Einkommen in den 20 Jahren um satte 65% gestiegen sind. Und
  117. was wir dann hier so erkennen und nachzeichnen können, ist dann die sogenannte Elefantenkurve. Die mittlerweile [musik] berühmte Kurve
  118. zeigt, zwischen den Staaten schrumpft die Ungleichheit. Viele [musik] zuvor ärmere Länder holen auf, ihre Mittelschichten wachsen.
  119. Innerhalb vieler Staaten profitieren jedoch [musik] vor allem die reichsten und das immer massiver. Das sind jetzt die Daten bis 2008, wenn man die
  120. aktualisiert. Dann müsste man auch schauen, dass vor allem an der Spitze bei den reißen 10% die Einkommen noch deutlich stärker
  121. angestiegen sind. Dann ist aus dem Elefanten plötzlich ein Monster von Loch Nest geworden. Der Grund dahinter ist einfach. Wer
  122. Vermögen [musik] besitzt, kann es anlegen und angelegtes Kapital wächst schneller als Einkommen aus Arbeit. Stellen wir uns zwei Personen zu Beginn
  123. ihres Erwerbslebens vor. Die eine hat nichts geerbt, die andere eine Million. Durch Arbeit schafft es die erste Person 100.000 € anzusparen.
  124. Die kann sie an ihre Kinder vererben. [räuspern] Die andere Person legt ihre Million für rund 20 Jahre an. Er hält Zinsen und
  125. Zinseszinsen. In dieser Zeit vervierfacht sich die Summe und die zweite Person kann nicht
  126. nur eine Million vererben, sondern rund 4 Millionen. [räuspern] Kurz gesagt, wer hat dem wird gegeben.
  127. Und so konzentriert sich Vermögen immer stärker, gerade z.B. will auch in Deutschland. Hier leben heute mehr Milliardäre als in jedem anderen Land
  128. Europas. 1 cm spricht für 50.000 €. Dann haben wir von unten bis oben 1,5 Millionen Euro. 99% aller Deutschen haben so viel
  129. Vermögen, dass sie irgendwo hier den Punkt ansetzen könnten. Wenn diese 1,5 Millionen Euro 30 cm entsprechen, dann ist die reiste Familie Deutschlands
  130. nicht etwa Meter oder 100 drüber, sondern mindestens 10 km, wenn ich sogar 20 km über den 99% aller
  131. Deutschen. Die Reichsten wissen, wie sie ihr Vermögen geschickt verwalten und Steuern vermeiden [musik] können. Die Macht der
  132. Medicii blieb noch auf Europa begrenzt. Heute lässt sich Kapital über den ganzen Globus verschieben. Die reichsten 10% besitzen über 70% des weltweiten
  133. Vermögens. Der ärmeren Hälfte gehören gerade einmal 2%. Das globale Finanzsystem hat sich zwar etwas verändert, aber an sich bleibt es
  134. ein Erbe der Kolonialzeit. Wir nutzen mehr oder weniger die gleichen Instrumente, um den Reichtum von den ärmsten in die reichsten
  135. Gesellschaften zu übertragen. Damit stehen wir an einem kritischen Punkt in der Zivilisationsgeschichte.
  136. Die reichsten sind heute reicher als je zuvor. Sie beeinflussen die öffentliche [musik] Debatte und können für Gesetze lobbyieren, die ihren Reichtum weiter
  137. fördern. Und wer mehr besitzt, verursacht auch mehr Emissionen. Die Reichsten befeuern die Klimakrise am stärksten. Nicht nur
  138. durch ihren Lebenswandel, [musik] sondern vor allem, weil sie Kapital in klimaschädliche Unternehmen investieren. Der globale Süden ist dabei von der
  139. Klimakatastrophe besonders stark betroffen. Und während etwa eine Flut für ärmere Menschen den Ruinen bedeuten kann, erholen sich Vermögende meist
  140. schnell. Die Schere öffnet sich immer mehr. Doch geht sie zu weit auf, werden Systeme instabil.
  141. Menschen fühlen sich nicht mehr vertreten [musik] von etablierten Parteien, sondern wählen dann die Extreme.
  142. Einige Vermögende fordern sogar selbst. Besteuert uns. Ungleichheit wird nicht von selbst verschwinden. Wir müssen uns
  143. entscheiden, ob wir eine weniger ungleiche Gesellschaft wollen. Und wenn wir sie wollen, müssen wir auch danach handeln. Erla.
  144. Am Ende bleibt also eine Entscheidung, denn das vergangene Jahrhundert hat uns Werkzeuge mitgegeben, die den [musik] extremen Reichtum einiger weniger
  145. verhindern können. Das ist nichts Gottgegebenes [musik] und kein Naturgesetz, nichts, was vom Himmel
  146. fällt, sondern Ungleichheit ist politisch gestaltbar. Aber sind wir bereit an einer gerechteren Gesellschaft zu bauen oder warten wir einfach auf die
  147. nächste große Katastrophe?