Gibt es heute mehr soziale Ungleichheit als früher? | Stimmt es, dass ...? | ARTE ARTEde https://www.youtube.com/watch?v=Pr3NQXwgpCM Transkript (automatisch erstellt) 0:01 [musik] Die Kluft zwischen Arm und Reich ist heute riesig. Es gibt wenige, die viel 0:08 und viele, die nichts haben. Die reichsten [musik] 1% besitzen mehr Vermögen als 95% der Weltbevölkerung. 12 Personen sind so reich wie über 4 0:20 Milliarden Menschen zusammen. Die allerreichsten haben in den letzten Jahren so viel Vermögen angehäuft, dass sie einfach mal ins Aliegen, Medien 0:29 kaufen, Demokratien beeinflussen können. Es scheint, als sei [musik] die Schere zwischen Arm und Reich noch nie so groß gewesen wie heute. Aber stimmt das 0:39 eigentlich? [musik] 1:00 Eine der einflussreichsten Geschichten über den Ursprung der Ungleichheit stammt aus dem 18. Jahrhundert vom Philosophen Jeancesqu Rousseau. Ihm 1:08 zufolge lebten Menschen in lockeren kleinen Gruppen ohne Hierarchie und Könige. Dann kam die Landwirtschaft und mit ihr Zivilisation, [musik] 1:17 Philosophie, Wissenschaft, aber auch Krieg, Herrschaft und Ungleichheit. Eine schlüssige Geschichte mit einem Haken. 1:29 Ich halte es für einen Mythos, dass Jäger und Sammler egalitär lebten und alle den gleichen Status hatten. Soziale Unterschiede entstehen nicht 1:41 erst mit den ersten Staaten, sagt die Archäologin Linda Manzania. In vorstaatlicher Zeit gab es den sogenannten konischen Clan, an dessen 1:54 Spitze steht die Person, die den Ahnen am nächsten ist und die hat eine besondere Stellung. Sie fungiert als Umverteiler, das heißt, sie 2:09 sammelt Güter und verteilt sie innerhalb der Gemeinschaft. Nicht alle frühen Gesellschaften sind so organisiert. Manche leben egalitärer, 2:23 aber Statusunterschiede gibt es immer. Die äußern sich [musik] nur nicht unbedingt in ökonomischer Ungleichheit. Das ändert sich, als Landwirtschaft 2:32 entsteht. Getreide kann [musik] angesammelt werden, vererbt oder auch gestoorben. Diese Dynamik zeigt sich in [musik] den 2:39 ersten Stadtstaaten Mesopotamiens. Weizen wächst in großen Mengen. Ochsen helfen beim Flügen. Der Ertrag steigt. [musik] 2:47 Menschen beginnen Ressourcen anzuhäufen und in politische Macht zu übersetzen. [gelächter] 2:57 Das lässt sich in den frühen sumerischen Stadtstaaten beobachten. Die Adligen stellen die wichtigsten Priester, die Adligen stellen die Herrscher und 3:07 die Adligen häufen Reichtmer an. [musik] Mit den ersten Staaten entwickelt sich 3:18 die Idee von Eigentum. Weizenanbauflächen lassen sich einhegen. Erträge sind planbar und mangelt es an Möglichkeiten [musik] weiterzuziehen, 3:27 etwa aus geographischen Gründen, verschärfen sich Abhängigkeiten. Wer Land kontrolliert, kann [musik] über andere bestimmen. Die Schere zwischen 3:36 Arm und Reich öffnet sich. Doch es gibt Ausnahmen. In Theodakan finden sich keine Lagerstädten der Eliten. 3:46 Das gibt es sonst nirgends. Theoti Huakan liegt im heutigen Mexiko. Vor etwa 1500 Jahren leben hier bis zu 3:58 150.000 Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Kulturen. Es gibt Pyramiden, aber keine königlichen Gräber. Prächtige 4:07 Wandmalereien. Aber keine Anzeichen für eine Unterdrückung der Massen. Die Ungleichheit, so scheint es, geht gegen null. 4:16 Und das ist nicht nur eine Redensart. In der Forschung gibt man die Ungleichheit tatsächlich so an, mit dem Genie Koeffizienten. 4:24 Er misst, wie ungleich Einkommen oder Vermögen verteilt sind. Ein Wert von eins bedeutet, alles gehört einer Person und bei null herrscht absolute 4:34 Gleichheit. Aber wie misst man Ungleichheit für eine Zeit ohne vollentwickelte Schrift, ohne Banknoten oder Kontostände? 4:44 Dafür muss man herausfinden, wer die Menschen sind, welche Rollen sie innerhaben und ob sie sich an Gütern, die sie kontrollieren, bereichern. 4:54 Das meiste Wissen über die frühe Entwicklung der Ungleichheit verdanken wir Ausgrabungen. Grabbeigaben erzählen vom [musik] Status 5:01 der Verstorbenen und auch Knochen geben erstaunlich viel Preis. Subsistenzwirtschaft kann Ungleichheiten erzeugen, 5:13 aber nicht in Theotiakan. Selbst die ärmsten Menschen haben eine abwechslungsreiche Ernährung. Sie nehmen Wild zu sich. 5:23 Hasen, Kaninchen, anderes Kleinvie, Mais, Bohnen, Kürbis, Amarant. Andere Forschende vergleichen die 5:34 Grundflächen der Häuser. Ihre These: Je größer [musik] die Unterschiede, desto größer die Ungleichheit. Doch in Theotiwakan sind die Wohnanlagen der 5:44 Elite kaum größer als andere. Gebaut wird [musik] planvoll und zwar für alle. Jeder Bezirk gliedert sich in Viertel. Jedes Viertel hat ein eigenes 5:56 Koordinationszentrum. Dort arbeiten sowohl Einheimische als auch zugewanderte. So errichtet man eine multiethnische 6:04 Gesellschaft. Natürlich gibt es auch in Theotiakan soziale Unterschiede. Arbeitende, die 6:13 aus der Ferne kommen, sind schlechter gestellt. Ihre Knochen verraten, sie arbeiten [musik] viele Stunden am Tag und ernähren sich anders als die 6:23 restliche Bevölkerung, hauptsächlich von Mais. Trotzdem bleibt die ökonomische Ungleichheit offenbar extrem gering. 6:33 Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, der Genie Koeffizient könnte in tot Wakal 0,12 gelegen haben. Zum Vergleich, laut World in Equality Database beträgt der 6:45 Wert für Vermögensungleichheit in [musik] Frankreich 2025 rund 0,7. Liegt also um ein Vielfaches Höhe. Selbst die Niederlande, das am wenigsten 6:56 ungleiche Land der Welt, kommen auf 0,6. Wenn diese Berechnungen stimmen, steht Theotian auch im deutlichen Kontrast zum römischen Reich oder zur Hahndynastie in 7:09 China, die etwa zeitgleich ihre Blüte erleben. Eins zu eins vergleichen lassen sich die Daten nicht. [musik] 7:16 Dennoch waren in diesen Imperien wahrscheinlich sowohl Einkommen als auch Vermögen deutlich ungleicher verteilt. 7:26 Gerade beim Vergleich von Imperien zeigt sich, diese Staatsform erzeugt tendenziell immer Ungleichheit. Laut Wirtschaftshistoriker Gido Alfani 7:36 wächst die Ungleichheit, weil Imperien Ressourcen aus eroberten Regionen in ihre Machtzentren verschieben. 7:45 Nehmen wir an, die Momeln sind unsere wirtschaftlichen Ressourcen in einer egalitären Gesellschaft. 7:53 Alle besitzen gleich numero das passiert nun, wenn zusätzliche Ressourcen dazu 8:03 die Reisten beginnen z.B. Abgaben zu verlangen. Sie erheben Steuern von den ärmsten. Die Herrscher ziehen Ressourcen ab, aber 8:11 nicht von der Elite. Heute finanzieren Steuern Straßen oder Krankenhäuser für alle. Sehr lange profitieren aber vor allem 8:21 die Herrschenden davon, denn um ihre Macht zu erhalten oder auszubauen, führen sie Kriege 8:33 und das Geld dafür holen sie sich in Europa zunehmend von der Bevölkerung in Form von Steuern. 8:43 Bis zum 19. Jahrhundert sehen wir einen stetigen Anstieg der Pro Kopfbesteuerung. Und weil sie regressiv ist, führt sie 8:50 automatisch zu Ungleichheit. Denn regressive Besteuerung heißt, je höher das Einkommen, desto geringer der 8:59 Anteil, den man davon abgeben muss. Am Ende profitieren jene, die ohnehin viel haben. Sie werden noch reicher und ihre Familien gleich mit. Denn besonders ein 9:09 Mechanismus [musik] sichert Vermögen über Jahrhunderte. Wo Reichtum leichter vererbbar ist, ist auch die Ungleichheit tendenziell höher. 9:19 Wer vermögend ist, kann leichte Ressourcen anhäufen, Kredite vergeben, Politik beeinflussen und seinen Reichtum an die nächste Generation weitergeben. 9:30 Die beginnt [musik] dann schon in einer ganz anderen Ausgangslage. Kaum ein Fall zeigt das Verschmelzen von Macht und Vermögen wohl so deutlich wie 9:38 jener der Familie Medici. Im 15. Jahrhundert [musik] handeln ihre Mitglieder von Italien aus mit Textilien und Gründen einflussreiche Banken. Ihr 9:48 Reichtum und ihre politische [musik] Macht wachsen Hand in Hand, bis ihre Kontrolle über die staatlichen Institutionen so groß ist, dass sie de 9:57 facto zu den Herrschern von Florenz werden. Die Medici sind ein Paradebeispiel. Mit Super Reichen an der Macht ist eine 10:06 Republik keine Republik mehr. Es gibt kaum noch soziale Mobilität. Nur wer sich mit den Reichen gut stellt, bleibt an der Spitze 10:15 und die gesamtwirtschaftlichen Bedingungen verbessern sich überhaupt nicht. Doch wenn Ungleichheit wächst und 10:24 einzelne Ressourcen kontrollieren, die viele brauchen, werden Gesellschaften instabil. 10:33 Laut Studien wächst auch im Westen die Bereitschaft zu Aufständen, umso mehr, je größer die Ungleichheit wird. 10:44 wird die Ungleichheit zu groß, können Zivilisationen zerbrechen. Im Azthekenreich etwa trägt die enorme soziale Kluft zu Rebellionen bei und am 10:54 Ende helfen Teile der Bevölkerung sogar den Spaniern, das [musik] Imperium zu stürzen. 11:02 Daraus ergibt sich scheinbar eine einfache Geschichte. Jahrtausende lang leben Menschen mit wenig Ungleichheit. Dann entstehen Staaten, Gesellschaften 11:11 werden reglementierter und ungleicher. Aber ist das nicht zu kurz gedacht? Wie kommt es denn, dass nicht nur Bankiers reicher sind als Tagelöhner, sondern 11:21 auch Tagelöhner in England reicher als Tagelöhner in Bolivien? Erst mit der Industrialisierung und der neuen Rolle von Privateigentum hat sich 11:31 die Ungleichheit deutlich verschärft. Europa beutet den Rest der Welt aus, um sich selbst zu bereichern, sagt die Ökonomen Rider Moschriff. 11:43 Bis ins 17. Jahrhundert ist die Ungleichheit zwischen Ländern recht unerheblich. Von China bis zu den Niederlanden alle bewegen sich auf einem 11:51 ähnlichen Einkommensniveau. Dann verschaffen Kolonialismus und Sklavenhandel Europa Vorteile, die später entscheidend sind. 12:04 Die Industrialisierung wurde nicht allein durch britische Arbeiter und Rohstoffe ermöglicht. 12:12 Auch Sklavenarbeit und die Expansion nach Amerika lieferten die Rohstoffe für die Fabriken. 12:21 So importiert Großbritannien billige Baumwolle und verarbeitet sie in heimischen Textilfabriken. Nie zuvor wird so viel produziert und 12:30 angehäuft wie zu dieser Zeit in Europa. Dazugleich Rohstoffe und Arbeitskräfte billig bleiben, explodiert die globale Ungleichheit 12:40 und auch das Finanzsystem lenkt [musik] Geld von den Kolonien nach Europa. Besonders deutlich wird das in Haiti auf dem Weg zur [musik] Unabhängigkeit. 12:53 Frankreich zwang das Land die ehemaligen Sklavenhalter zu entschädigen mit einer Summe, die fast 300 mal so hoch war wie das damalige Nationaleinkommen. 13:02 [räuspern] Dafür musste Haiti Kredite bei französischen Banken aufnehmen, die 13:10 massiv daran verdienten. Riesige Summen flossen also aus der einen Wirtschaft ab, um die andere zu bereichern. 13:21 Länder wie China und Indien werden abgehängt. Europa ist bald deutlich reicher als der Rest der Welt. Zwischen 1820 und 1910 [musik] 13:32 verdoppelt sich die globale Einkommensungleichheit. Die Geschichte der Ungleichheit besteht also eigentlich aus mindestens zwei 13:39 Geschichten. Eine handelt von der Ungleichheit innerhalb von Gesellschaften und eine von der [musik] Ungleichheit zwischen ihnen. Und es 13:47 sieht so aus, als würde die Lücke zwischen Arm und Reich auf allen Ebenen [musik] immer weiter aufklaffen. Aber stimmt das? 13:59 Tatsächlich haben wir zweimal einen großen und dauerhaften Rückgang der Ungleichheit erlebt aufgrund schrecklicher Katastrophe. 14:08 Bis etwa 1900 wächst die Ungleichheit in Europa stetig. Doch Mitte des 14. Jahrhunderts gibt es einen Knick. Die Pest. Große Teile der europäischen 14:19 Bevölkerung sterben an der solche. Der Landbesitz Verstorbener wird plötzlich billig verschärbelt und Arbeitskräfte werden so knapp, dass die Löhne steigen. 14:30 Ärmere holen auf. Die Kluft zu den Reichen schrumpft, allerdings nur vorübergehend, denn die Reichen ziehen ihre Lehren. 14:39 Im nächsten Pestausbruch sind alle vorbereitet. Vermögen werden auch im Todesfall nicht aufgeteilt. Für einige [musik] Jahrhunderte wächst 14:47 die Ungleichheit wieder bis zum zweiten großen Einschnitt. Auch die beiden Weltkriege lassen große Vermögen schrumpfen. Die Kluft zwischen Arm und 14:56 Reich wird erneut [musik] kleiner. Man dachte sehr lange, das hat vor allem mit Kapitalzerstörung zu tun. Wir hatten 15:04 ja zwei Weltkriege. Das heißt, Fehlkapital wurde im wahrsten Sinne des Wortes den Boden gleich gemacht. Die Politikwissenschaftlerin Martina 15:12 Linatas sagt, im 20. Jahrhundert haben wir uns für weniger Ungleichheit entschieden. Die neuere Forschung hat gezeigt, noch 15:21 wichtiger als die Kapitalzerstörung war aber einfach an eins, nämlich progressive Steuerpolitik. Mitte des 20. Jahrhunderts werden 15:30 Einkommen in den USA und Großbritannien extrem hoch besteuert mit bis zu 95%. Nur warum lassen [musik] die Vermögenden zu? 15:41 Weil sie keine globale kommunistische Revolution wollten. Manche Staaten möchten mit dem Kapitalismus nichts mehr zu tun haben. 15:49 Die Sowjetunion und China enteignen den vermögenden Teil der Bevölkerung. Es entstehen autoritäre Regime, die die Ungleichheit tatsächlich erst einmal 15:58 reduzieren. Der [musik] Einkommensgenie sinkt auf 0,3 bis 0,4. Auch im Westen nimmt die Ungleichheit zunächst [musik] ab. Unternehmen werden 16:08 reguliert, arbeitende erkämpfen höhere Löhne. Die Produktion fährt hoch und [musik] es entstehen politische Mehrheiten, die Umverteilung und eine 16:17 gleichere Gesellschaft befürworten. Menschen, die vermögend waren, dieser Hoheeinkommen hatten, haben dann mehr Steuern gezahlt, um dann beispielsweise 16:27 in die Infrastrukturen, die Gesundheitsstrukturen, in das Gesundheitswesen generell, in das Bildungswesen zu investieren. 16:34 Nach dem Zweiten Weltkrieg werden hohe Einkommen und Vermögen stark besteuert. So gelingt es die Schere zwischen Arm und Reich aktiv zu verkleinern. 16:42 Gesundheit, Wohnen und Studieren werden erschwinglich. Und dann hatten wir den Neoliberalismus. In den 1970ern stagniert das 16:51 Wirtschaftswachstum der Industriestarten. Öl wird teuer und Steuern werden unbeliebt. [musik] 17:07 Weniger Steuern für Unternehmen und Vermögende sollen die Wirtschaft wieder ankurbeln. Mehr Arbeitsplätze, Wachstum und 17:13 Wohlstand für alle. Der sogenannte Trickle [musik] Down Effekt. Pustekuchen sehen wir nicht. Bei Familienunternehmen z.B. sind die 17:22 Sparkquoten stark angestiegen oder auch bei großen Konzernen die Dividendenausschüttungen. Aber die Arbeitnehmerinnen wurden nicht 17:29 unbedingt an diesem Wirtschaftswachstum im gleichen Maße auch beteiligt. Und das hat dann dazu geführt, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter 17:37 auseinandergegangen ist. Denn wenn die Wirtschaft wächst, [musik] aber die Löhne nicht in gleichem Maße ansteigen, sinkt für viele die 17:45 Kaufkraft. Wohnungen etwa fressen heute viel mehr vom Monatsgehalt [musik] als vor 40 Jahren. Es scheint also, als würde die Kluft 17:54 zwischen Arm und Reich wieder [musik] uneingeschränkt größer. Doch die Geschichte wird komplizierter, wenn wir die Entwicklung der Einkommen global 18:02 betrachten. Das machen wir mit diesen zehn Figuren, die jede für 10% der Weltbevölkerung stehen, von arm bis reich. Dann haben 18:14 die Menschen in Armut ein Einkommenszuwachs von 1988 bis 2008, also immer in 20 Jahren von rund 40% gesehen. 18:25 Der ärmste Teil der Weltbevölkerung wird weniger arm. Besonders deutlich wird das in [musik] Ländern wie Indien und China. Dann sehen wir, dass deren 18:33 Mittelschichten einen sehr großen Zuwachs hatten von sogar 75%. In den reichen Industriestaaten hingegen stagnieren die Einkommen vieler 18:43 Arbeitender über Jahrzehnte. Und bei den reichsten 10% da können wir sehen, dass die Einkommen in den 20 Jahren um satte 65% gestiegen sind. Und 18:56 was wir dann hier so erkennen und nachzeichnen können, ist dann die sogenannte Elefantenkurve. Die mittlerweile [musik] berühmte Kurve 19:05 zeigt, zwischen den Staaten schrumpft die Ungleichheit. Viele [musik] zuvor ärmere Länder holen auf, ihre Mittelschichten wachsen. 19:14 Innerhalb vieler Staaten profitieren jedoch [musik] vor allem die reichsten und das immer massiver. Das sind jetzt die Daten bis 2008, wenn man die 19:22 aktualisiert. Dann müsste man auch schauen, dass vor allem an der Spitze bei den reißen 10% die Einkommen noch deutlich stärker 19:32 angestiegen sind. Dann ist aus dem Elefanten plötzlich ein Monster von Loch Nest geworden. Der Grund dahinter ist einfach. Wer 19:41 Vermögen [musik] besitzt, kann es anlegen und angelegtes Kapital wächst schneller als Einkommen aus Arbeit. Stellen wir uns zwei Personen zu Beginn 19:51 ihres Erwerbslebens vor. Die eine hat nichts geerbt, die andere eine Million. Durch Arbeit schafft es die erste Person 100.000 € anzusparen. 20:03 Die kann sie an ihre Kinder vererben. [räuspern] Die andere Person legt ihre Million für rund 20 Jahre an. Er hält Zinsen und 20:12 Zinseszinsen. In dieser Zeit vervierfacht sich die Summe und die zweite Person kann nicht 20:22 nur eine Million vererben, sondern rund 4 Millionen. [räuspern] Kurz gesagt, wer hat dem wird gegeben. 20:36 Und so konzentriert sich Vermögen immer stärker, gerade z.B. will auch in Deutschland. Hier leben heute mehr Milliardäre als in jedem anderen Land 20:44 Europas. 1 cm spricht für 50.000 €. Dann haben wir von unten bis oben 1,5 Millionen Euro. 99% aller Deutschen haben so viel 20:57 Vermögen, dass sie irgendwo hier den Punkt ansetzen könnten. Wenn diese 1,5 Millionen Euro 30 cm entsprechen, dann ist die reiste Familie Deutschlands 21:06 nicht etwa Meter oder 100 drüber, sondern mindestens 10 km, wenn ich sogar 20 km über den 99% aller 21:20 Deutschen. Die Reichsten wissen, wie sie ihr Vermögen geschickt verwalten und Steuern vermeiden [musik] können. Die Macht der 21:28 Medicii blieb noch auf Europa begrenzt. Heute lässt sich Kapital über den ganzen Globus verschieben. Die reichsten 10% besitzen über 70% des weltweiten 21:40 Vermögens. Der ärmeren Hälfte gehören gerade einmal 2%. Das globale Finanzsystem hat sich zwar etwas verändert, aber an sich bleibt es 21:53 ein Erbe der Kolonialzeit. Wir nutzen mehr oder weniger die gleichen Instrumente, um den Reichtum von den ärmsten in die reichsten 22:01 Gesellschaften zu übertragen. Damit stehen wir an einem kritischen Punkt in der Zivilisationsgeschichte. 22:09 Die reichsten sind heute reicher als je zuvor. Sie beeinflussen die öffentliche [musik] Debatte und können für Gesetze lobbyieren, die ihren Reichtum weiter 22:18 fördern. Und wer mehr besitzt, verursacht auch mehr Emissionen. Die Reichsten befeuern die Klimakrise am stärksten. Nicht nur 22:27 durch ihren Lebenswandel, [musik] sondern vor allem, weil sie Kapital in klimaschädliche Unternehmen investieren. Der globale Süden ist dabei von der 22:35 Klimakatastrophe besonders stark betroffen. Und während etwa eine Flut für ärmere Menschen den Ruinen bedeuten kann, erholen sich Vermögende meist 22:45 schnell. Die Schere öffnet sich immer mehr. Doch geht sie zu weit auf, werden Systeme instabil. 22:54 Menschen fühlen sich nicht mehr vertreten [musik] von etablierten Parteien, sondern wählen dann die Extreme. 23:01 Einige Vermögende fordern sogar selbst. Besteuert uns. Ungleichheit wird nicht von selbst verschwinden. Wir müssen uns 23:10 entscheiden, ob wir eine weniger ungleiche Gesellschaft wollen. Und wenn wir sie wollen, müssen wir auch danach handeln. Erla. 23:19 Am Ende bleibt also eine Entscheidung, denn das vergangene Jahrhundert hat uns Werkzeuge mitgegeben, die den [musik] extremen Reichtum einiger weniger 23:28 verhindern können. Das ist nichts Gottgegebenes [musik] und kein Naturgesetz, nichts, was vom Himmel 23:38 fällt, sondern Ungleichheit ist politisch gestaltbar. Aber sind wir bereit an einer gerechteren Gesellschaft zu bauen oder warten wir einfach auf die 23:47 nächste große Katastrophe?