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Niedersachsens Adel: Prinzessinnen, Grafen und Schlösser | die nordstory | NDR Doku
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 457 Zeilen
- Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2024 Sie leben in Burgen und Schlössern - oder ganz modern:
- Adelsfamilien in Niedersachsen. Sie wollen jahrhundertealte Traditionen bewahren
- und müssen an die Zukunft denken. Das Ehepaar Kellermann von Schele lebt in einem Wasserschloss,
- das 900 Jahre alt ist. Man wundert sich: Es gibt immer was zu tun.
- Bei Familie von Gadenstedt im Landkreis Hildesheim ist der Generationswechsel voll im Gange.
- Man hat Meinungsverschiedenheiten. Manchmal hat der Alte recht.
- Prinzessin Lilly zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg versucht auf Schloss Bückeburg, ihren eigenen Weg zu gehen.
- Wir müssen uns weiterentwickeln, müssen mit der Zeit gehen. Catharena Gräfin und Fried Graf von Bernstorff
- bewirtschaften im Wendland einen riesigen Wald. Unter schwierigen Bedingungen.
- Das ist die Herausforderung: Mit der Geschwindigkeit der Klimaveränderung
- müssen wir den Wald verändern. Das Wasserschloss Schelenburg im Osnabrücker Land,
- erbaut im elften Jahrhundert. Es ist eines der ältesten Wasserschlösser in Niedersachsen.
- Und es ist das Zuhause von Dorothee Kellermann von Schele und ihren Mann Joachim.
- Komm her! Regelmäßig begutachten sie ihr Schloss
- von allen Seiten auf Schäden, mithilfe eines Fernglases. Da ist eine kleine Kante drin. Das ist eine Belüftungsöffnung.
- Ich hab natürlich kein Fernglas. Aber oben am First fehlt eine.
- Ohne Fernglas geht's grundsätzlich nicht, nein. Die Distanzen sind zu groß.
- Details kann man auch nur mit einem starken Fernglas abbilden. Nur dann kann man sich vergegenwärtigen,
- ob wirklich ein Reparaturbedarf besteht. Vielleicht ist auch nur eine kosmetische Reparatur nötig.
- Alle paar Wochen drehen die Kellermann von Scheles ihre Runde.
- Irgendetwas fällt ihnen immer auf. Ich glaube, man muss schon auf den Fenstersims steigen,
- um dieses Weiße runterzuschrubben. Das musst du machen.
- Das Braunrot, was wir haben: Ob das taugt? Sonst nehmen wir das Rot für die Fensterläden.
- Das wäre auch ganz sinnvoll. Wir sind jetzt zum Beispiel gerade dabei,
- die Holztore und Türen zu streichen. Und wir streichen die Klappen, die die oberen Fenster verschließen.
- Man kommt rum und wundert sich: Da ist noch eine Klappe, da ist noch ein Fensterladen.
- An der Stelle wird man aufmerksam, wie viele Tore und Fenster es tatsächlich sind.
- Das Wohnzimmer von Dorothee und Joachim liegt im zweiten Stock.
- Hier wirkt alles ein bisschen so wie in einem Museum. Und auch hier gibt es immer wieder etwas zu reparieren.
- Wie diesen dicken Riss in der Wand. Das ist 'ne Maßnahme, die ansteht.
- Dann müssen wir nachdenken, wie es hinterher aussehen soll. Ich wäre dafür, dass es so ähnlich bleibt.
- Andernorts sind Anstriche nötiger. Hier wäre es einfach darum zu tun, dass der Riss ausgebessert wird.
- Die Politikwissenschaftlerin und der Land- und Forstwirt sind nach der Heirat vor 30 Jahren in das Schloss gezogen.
- An den Wänden: die Vorfahren von Joachim Kellermann von Schele. 1396 heiratete ein gewisser Rabodo von Schele
- die Tochter des Burgbesitzers. Vorher hatte er die Burg belagert.
- Seitdem lebt die Familie in der Schelenburg. Ich habe zwei Schwestern.
- Meine Mutter war die Eigentümerin. Ich wurde von ihr mit diesem Erbe sozusagen ...
- ... äh, ja ... Betraut. ... betraut. Ja.
- Ich habe das juristisch schon angetreten, als ich 18 Jahre alt war.
- Als junger Mann wollte Joachim eigentlich mal weg von hier. Eine Idee:
- Nach der Wende wollte er als Landwirt in die neuen Bundesländer. Aber eine Burg zu erben, ist eben auch eine Verpflichtung.
- Das hätte für mich bedeutet, dass ich dieses Haus alleingelassen hätte.
- Ich habe dann gesagt: Ich bleibe hier und ich versuche,
- den Betrieb so gut wie möglich zu führen. Und nebenbei behalte ich auch noch das Haus im Auge.
- Nur wenn man so ein Haus bewohnt, kann man es auch erhalten. Wir haben beschlossen,
- dass man gemeinsam so ein Projekt angehen kann: Hier zu wohnen.
- Sich darum zu kümmern. Manches zu renovieren und zu modernisieren.
- Den Raum, in dem wir jetzt gerade sind, haben wir aber auch so belassen, wie er ist.
- Sie sehen eine Tapete von 1807: Hier ist seit 1807 nicht mehr tapeziert worden.
- Doch die Kellermann von Scheles bewohnen nur einen Teil der Burg. Was fangen sie eigentlich mit dem Rest an,
- mit den vielen Zimmern und Sälen, den Nebengebäuden und Stallungen? Sie wohnt in einem noch größeren Schloss.
- Marie-Louise Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Kurz: Prinzessin Lilly.
- Sie lebt im Schloss Bückeburg, der Stammsitz der Fürstenfamilie zu Schaumburg-Lippe.
- Hallo, meine Liebe. Geht's dir gut? Lebst du noch? Ja, geht wieder.
- Ich freu mich sehr. Wenn wir so weitermachen wie gestern ...
- Irgendwas läuft falsch. Es ist gut, es ist alles im Flow. Alles passt.
- An diesem Wochenende ist Landpartie auf Schloss Bückeburg. Einmal im Jahr findet das große Fest statt -
- mit Musik, Mode, Kunst. Und natürlich mit gutem Essen und Getränken.
- In diesem Jahr heißt das Motto: unterwegs in Portugal. Weit kommt Prinzessin Lilly nicht an diesem Tag.
- Hier kennt sie fast jeder. Meine sind schon so groß. Es geht so schnell.
- Ist es das Erste? Nein, das Zweite. Dabei will sich die Prinzessin nur ein neues Outfit zulegen.
- Für eine Fashion-Show am Nachmittag, bei der sie Gast ist. Hallo. Alles gut? Ja, alles gut.
- So schicke Outfits hier ... Was habt ihr denn für mich?
- Ganz klassisch. Der Witz ist:
- Ich werde ja immer klassischer, nach zehn Jahren Modewelt. Erst einen Tag vor der Landpartie ist sie aus New York zurückgekommen,
- ihrem Zweitwohnsitz. Ganz großes Highlight.
- Ich bin extra zurückgekommen. Das ist so eine schöne Atmosphäre.
- So viel Leben im Haus, so viele nette Menschen. Jeder freut sich, hier zu sein.
- Häuser müssen gelebt werden. Sie müssen gezeigt und geliebt werden.
- Das muss sich weiterentwickeln. Deshalb existieren diese Häuser schon so lange.
- Sie haben sich immer weiterentwickelt. Ich bin dankbar dafür, dass die Menschen das annehmen
- und sich freuen herzukommen. Selfie?
- Extra aus Portugal hier gekommen. Echt? Ja. Portugues? Portugues, sim. Aus Algarve.
- Aus Algarve - wie schön! Prinzessin Lilly kommt kaum voran.
- Sie wird immer wieder angesprochen. Sie genießt das.
- Es gehört für sie zur Landpartie einfach dazu. Hier, mein Nachbar. (lacht) Hallo.
- Ich leb seit 17 Jahren mehr oder weniger im Ausland: Zwischen Italien, der Schweiz, Österreich, New York, London.
- Klar kennt einen da keiner. Es ist sehr anonym, da baut man sich seine eigene Community.
- Ich bin auf der ganzen Welt inkognito. Wenn ich nach Bückeburg komme, ist es wie nach Hause kommen:
- Das Schönste ist, durch die Stadt zu laufen, alte Freunde zu treffen.
- Das ist für mich existenziell wichtig. Ich bin ein Mensch, der Familie braucht.
- In Bückeburg sind wir ein bisschen auf der Insel der Seligen. Ein Outfit für die Fashion-Show am Nachmittag
- hat die Prinzessin noch immer nicht gefunden. Viel Zeit bleibt bis dahin nicht.
- Auf dem Hof der Familie von Gadenstedt in Bockenem soll an diesem Tag Weizen geerntet werden.
- Philipp von Gadenstedt ist der älteste Sohn der Familie. Der Erbe des Hofes macht den Mähdrescher bereit.
- Seine Eltern sind schon auf dem Feld: Bartold und Anke von Gadenstedt.
- In den letzten Tagen hat es immer wieder geregnet. Gestern ging das hier nicht mehr.
- Mal sehen, wie sich das hier entwickelt hat heute Morgen. Noch ist nicht sicher, ob überhaupt geerntet werden kann.
- Das ist schon deutlich abgetrocknet. Mit dem Säubern des Mähdreschers ist Philipp fast fertig.
- Das Wetter ist unbeständig. Deswegen sind wir dieses Jahr ein bisschen unter Zeitdruck.
- Wir versuchen, jedes Erntefenster zu nutzen. Und wenn es nur ein paar Stunden am Tag sind, die wir ernten können.
- Wir ernten auch nasses Getreide. Wir haben 'ne eigene Trocknung.
- Wir trocknen dieses Getreide, um die Qualitäten zu sichern. Das stellt uns vor Herausforderungen.
- Jetzt hängt alles vom Test auf dem Feld ab. Ich nehme jetzt mal 'ne Probe.
- Eine erste grobe Einschätzung kann ich machen, indem ich das mitm Mund nehme.
- Trocken ist es nicht. Aber ich denke, wir werden dann losfahren.
- Bartold von Gadenstedt entscheidet: Es wird geerntet. ♪ Ruhige Instrumentalmusik ♪
- Sie haben Gewitter angesagt. Aber wir versuchen es vor dem Gewitter.
- Mal sehen, was runterkommt. Bei so 'ner Maschine drehen sich viele Wellen.
- Da sind Keilriemen und Messer und Haspeln. Es kann immer was kaputtgehen.
- Wir hoffen heute, dass die Maschine gut durchhält. Der Forst rings um das Gut Gartow im Wendland:
- Mit 5700 Hektar ist er eines der größten Waldgebiete Norddeutschlands. Und gehört ihm: Fried Graf von Bernstorff.
- Mehrere Förster sind zuständig für die Bewirtschaftung. Einer von ihnen ist Ulrich von Mirbach.
- Der stimmt sich regelmäßig mit dem Grafen darüber ab, was gepflanzt werden soll.
- Ungefähr 30 bis 40 Prozent Laubholz hier reinbringen. Und dann eben aber auch Nadelbaumarten mit Zukunft.
- Dazu gehören eben auch Baumarten wie Douglasie, Küstentanne. Bisschen Lärche auf lichteren Stellen.
- Fried Graf von Bernstorff setzt auf naturnahe Waldwirtschaft. Er muss Probleme bewältigen,
- die seine Vorgänger so noch nicht kannten. Das ist unsere Herausforderung.
- Mit der Geschwindigkeit, mit der sich das Klima verändert, müssen wir es schaffen, den Wald zu verändern.
- Ich habe die Hoffnung, dass uns das gelingt. Man kann Baumarten dazu bringen,
- die mit weniger Feuchtigkeit, Niederschlag zurechtkommen. Was jahrhundertelang die Holzfäller in Handarbeit erledigen mussten,
- schafft heute der Harvester in wenigen Minuten. Ich bin immer wieder begeistert, wenn ich sehe,
- wie der Fortschritt mit diesen Maschinen funktioniert. Minimaler Schaden bleibt zurück.
- Es funktioniert sehr gut zusammen mit unserem naturgemäßen Waldbau. Und schon bald soll es hier im Wald noch technischer werden.
- Fried Graf von Bernstorff will Forstwirtschaft digitaler machen. 30 Generationen haben bei Osnabrück im Wasserschloss Schelenburg gelebt,
- mehr als 900 Jahre lang. Zur Burg gehören Gräben, Nebengebäude und Stallungen.
- Dazu kommen auch noch 500 Hektar Land. Dorothee Kellermann von Schele kümmert sich mit ihrem Mann darum.
- Die Landwirtschaft hat sich stark verändert. Dadurch ist Platz entstanden für Neues.
- Zum Beispiel eine Pony-Zucht. Das ist der Kuhstall gewesen.
- Es gibt seit den 50er-Jahren in Schelenburg keine Kühe mehr. Das war lange vor der Zeit, zu der ich hergekommen bin.
- Die Kühe waren schon abgeschafft. Und ich hab den Stall hier im Jahr 2012 eingerichtet.
- Seitdem habe ich meine Zuchtstuten hier stehen. Das Klima vom Stall ist gut.
- Er hat 'ne tolle Luft, 'ne hohe Raumhöhe. Insofern ist es heute ein exzellenter Ponystall.
- Die letzte Fohlengeburt und die ersten zaghaften Schritte hat Dorothee Kellermann von Schele mit dem Handy gefilmt.
- Mit ihrer Pony-Zucht hat sie eine Tradition wiederbelebt. Hier hat es in der Zeit vor mir natürlich schon Pferde gegeben.
- Allerdings waren die für den Acker und den Wald da. So habe ich überlegt, dass eine Zucht hier möglich ist.
- Wir haben den Platz dafür und die Umgebung, in der die Ponys sich wohlfühlen.
- Der Ernteeinsatz der Familie von Gadenstedt ist vom drohenden Gewitter bislang verschont geblieben.
- Damit die Mittagspause nicht zu lang wird, wird auf dem Feld gegessen. So haben es schon ihre Vorfahren gemacht.
- Früher war es so Usus, Vesper aufm Feld zu machen. Und das hat sich bis heute irgendwie so gehalten.
- Die Wurzeln der Familie von Gadenstedt reichen bis ins zwölfte Jahrhundert zurück.
- Ihre Vorfahren stammen von einem Rittergut in der Nähe von Peine. 1889 wurde der Stammsitz hierher,
- nach Volkersheim im Landkreis Hildesheim, verlegt. Wie jahrhundertelang üblich,
- wird das Gut innerhalb der Familie weitervererbt. Von Vater Bartold zu Sohn Philipp.
- Die Entscheidungen treffen wir gemeinsam. Aber aus der Erfahrung heraus führe ich die schon so ran.
- Manches Mal, wenn wir anfangen zu mähen: Ich sag, jetzt müssen wir mähen oder wir warten noch 'ne Stunde.
- Letzte Woche hat es mal ein bisschen geregnet, da wollte er nach Hause fahren.
- Da habe ich gesagt: Nein, wir warten eine Stunde. Dann ging's auch wieder.
- Die Erfahrung sammeln die noch. Klar hat man auch mal Meinungsverschiedenheiten.
- Aber da stimme ich mich mit meinem Vater immer ganz gut ab. Man muss auch mal nachgeben können, auch beide Seiten.
- Klar, ich habe Innovationen oder neue Ideen, die ich in den Betrieb einbringe.
- Aber das ist ja immer bei einem Generationenwechsel, dass frischer Wind wieder ins Unternehmen kommt.
- Zwei Generationen, die sich verständigen müssen, was das Beste für den jahrhundertealten Betrieb ist.
- Da zählt er auch auf die Erfahrung, weil er sieht: Manchmal hat der Alte doch noch Recht.
- An diesem Tag funktioniert die Zusammenarbeit. Bartold und Philipp schaffen es,
- das Feld noch vor dem Gewitter komplett abzumähen. Der Generationenwechsel ist für die von Gadenstedts
- trotzdem kein einfaches Thema. Schließlich gibt es in der Familie drei weitere Söhne.
- Mit großer Leidenschaft für Landwirtschaft. Das müssen sie lösen, ohne die Tradition zu missachten.
- In Gartow im Wendland - im Wald - warten Fried Graf von Bernstorff und seine Förster auf eine besondere Präsentation.
- Eine Firma hat ein Programm entwickelt, mit dem die Forstwirtschaft digitaler werden kann.
- Heute wollen wir uns mal angucken, wie die Welt von morgen im Wald aussehen könnte.
- Im Moment haben wir ja so eingelaufene Strukturen. Das Holz wird eingemessen, aufgeschrieben.
- Jetzt wollen wir mal Rolf fragen, wie es anders gehen kann. Ihr hattet gesagt, das hier ist Abteilung 148.
- Das kann man hier sehen auf der Karte. Die Punkte hier sind die Holzpolter.
- Das heißt, die Daten werden eingegeben? Ich vermesse das Holz und sehe: So und so viel liegt hier.
- Genau, das kann man sich dann anzeigen lassen. Fried Graf von Bernstorff möchte seine Forstwirtschaft
- zukunftsfähig machen. Mit der passenden Technologie.
- Für die Bewirtschaftung setzt er auf Innovationen. Zukünftig sollen gefällte Bäume per Tablet abgemessen werden.
- Dann kann ich sagen: Foto erzeugen. Die Information kann dann der Logistik-Unternehmer bekommen
- und sieht dann, so sieht der Polter aus. Das Bild ist gespeichert auf dem Server.
- Jeder, der Zugriff hat - der Innendienst, der Waldbesitzer, der Förster, der Spediteur - hat diese Information.
- Er kann sehen, das ist das Polter, mit der Nummer, mit dem Bild und den Ausprägungen.
- Es passt ganz gut. Für die naturgemäße Waldwirtschaft muss man sich anders beschäftigen,
- als wenn ich den Wald wie 'n Schachbrett bewirtschafte. Je mehr Bürokratie mir die Technik abnimmt, umso mehr habe ich Zeit,
- mich mit waldbaulichen Fragen, mit Strategie zu beschäftigen. Das ist eigentlich 'ne schöne Möglichkeit, das zu haben.
- Das Verwaltungsgebäude der Gräflich Bernstorffschen Betriebe. Der eigentliche Arbeitsplatz von Fried Graf von Bernstorff.
- Der 46-Jährige ist Eigentümer und Geschäftsführer. Hier ist das Zentrum, die Verwaltung, das Forstamt.
- Hier haben wir regelmäßig Besprechungen mit den Förstern. Ich versuche auch immer wieder rauszukommen und zu sehen,
- was im Wald passiert. Aber hier passiert die Strategie, die Überlegung, wo geht's hin.
- Der Betrieb soll Gewinn erwirtschaften, soll die Mitarbeitenden und ihre Familien ernähren.
- Und gleichzeitig – so will es ein Familienstatut von 1720 – soll der gesamte Besitz für kommende Generationen erhalten bleiben.
- Was das in heutigen Zeiten bedeutet, hat schon sein Vater, Andreas Graf von Bernstorff, erlebt.
- Jahrzehntelang tobt in den Wäldern rund um das Gut Gartow ein erbitterter Kampf.
- Hey, Cop, schmeiß den Knüppel weg! Der Kampf um Gorleben um ein Endlager für radioaktiven Müll.
- 1978 will die Atomindustrie der Familie von Bernstorff für 26 Millionen Mark einen Teil ihres Waldes abkaufen,
- darauf das Endlager errichten. Andreas Graf von Bernstorff verweist auf das Familienstatut.
- Es verpflichtet ihn, seinen Besitz für kommende Generationen zu erhalten.
- Ich habe mich entschlossen, dieses Angebot nicht anzunehmen. * Applaus *
- An dieses Familienstatut fühlt sich auch Fried Graf von Bernstorff gebunden.
- Der Kern von dem Familienstatut ist eigentlich, dass das Ziel ... .... sozusagen eines Besitzers, wie jetzt in dem Fall mir, ist:
- Das, was einem anvertraut wurde, mindestens in dem Zustand an die nächste Generation, am besten noch in verbesserten Form.
- Zum Beispiel mehr Vorrat, mehr Bäume im Wald oder mehr Humus im Boden ... Das ist eigentlich der Kerngedanke.
- Dieser Satz ... ... dass man nicht für einen einzelnen Moment
- die Zukunft aufs Spiel setzen sollte. Weil es jetzt gerade Spaß macht, in dem Moment zu denken,
- ist egal, was morgen ist. Das finde ich sehr prägend, weil das vor 300 Jahren geschrieben wurde
- und heute noch genauso passt. Und sie müssen nicht nur den Wald, sondern auch das Schloss
- und die Ländereien in die Zukunft führen. Keine leichte Aufgabe.
- Die Landpartie auf Schloss Bückeburg: Prinzessin Lilly zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg
- ist noch auf der Suche nach einem Outfit für eine Fashion-Show. Verkaufsstände gibt es genug.
- Das Problem: Die Prinzessin kommt im Gewühl kaum vorwärts.
- Hallo, grüß dich! Hi. Wie elegant. Wo ist denn das her?
- Steht dir wie 'ne Eins. Habt Spaß, ihr Lieben. Du auch. Mach's gut.
- Die Geschichte des Schlosses Bückeburg und des Fürstenhauses Schaumburg-Lippe
- ist Teil ihrer eigenen Lebensgeschichte geworden. Schließlich ist hier ihr Sohn Donatus geboren.
- Mein Sohn war der erste Deutsche, der in die englische Militärschule gegangen ist - Sandhurst - und dann die Queen beschützt hat.
- Ich habe einen Erben als Sohn, der irgendwann der verlängerte Arm der Geschichte ist hier.
- Donatus und ich haben hier nicht immer gelebt. Er ist zum Teil mit mir in München und Mailand groß geworden.
- Dennoch habe ich versucht, ihm das Verständnis und die Liebe für dieses Haus und seine Familiengeschichte weiterzugeben.
- Und auch die Würde, aber auch die Verantwortung. Sodass er das für sich integrieren und annehmen kann
- und es dann in die Neuzeit weiterbringen kann. Marie Louise Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg
- wird in Stuttgart geboren. Als echte Prinzessin – ihre Familie gehört zum deutschen Hochadel.
- 1993, mit 20, heiratet sie Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe. Die beiden bekommen ihren Sohn Donatus.
- Die Prinzessin hat ihren eigenen Stil, liebt Mode, Musik und Partys. Als sie und Fürst Alexander sich 2002 scheiden lassen,
- zieht sie in die Welt. Engagiert sich für Charity-Projekte,
- wird Marken-Botschafterin einer Schmuckfirma. 2022 tanzt sie bei der RTL-Show Let's Dance.
- Vor allem Am Anfang, als ich mich entschlossen hatte, mich zu trennen, wurde das kritisch betrachtet zu dem Zeitpunkt.
- Dann haben mir viele den Rücken zugewandt. Ich werde sicherlich für einiges, was ich so mache, belächelt.
- 2021, mitten in der Pandemie, kehrt Prinzessin Lilly zurück nach Bückeburg.
- Hat seitdem im Schloss wieder eine Wohnung. Doch dauerhaft nur hier leben,
- sich ums Schloss, die Forst und die Landwirtschaft kümmern: Das wäre nicht ihr Ding.
- Sie reist viel um die Welt. Auch der Blick von außen auf sie hat sich verändert.
- Ich bin Unternehmerin, eine selbstständige Business-Frau und das wird respektiert.
- Eben auch oft bei den traditionellen Aristokraten ist wirklich das Verständnis da.
- Wir müssen uns weiterentwickeln, wir müssen mit der Zeit gehen. Manchmal muss man dafür um die Welt reisen,
- um dann zu verstehen, dass das Herz zu Hause ist. Aber man muss den Geist öffnen.
- Ich habe hier immer wieder ein Zuhause gefunden. Uh, das sieht mir doch nach derselben Truppe von gestern aus.
- Mensch, du bist auch wieder unter uns Lebenden. So halb.
- Hallo. Hallo. Nice to meet you. * Klirren * Scherben bringen Glück, mein Alex. Alles gut.
- Lilly, es gibt was zu essen. Nee, aber was zu trinken. Der Umgang mit Ex-Mann Fürst Alexander und dessen neuer Frau,
- Mahkameh Fürstin zu Schaumburg-Lippe, ist unbekümmert und herzlich. Wir sind eine Familie, buchstäblich.
- Wir sind so eng, dass wir gemeinsam Ferien machen. Wir reisen am liebsten gemeinsam.
- Alle Kinder sind zusammen. Ich war Trauzeugin seiner Frau ...
- ... bei seiner Hochzeit. Insofern ... ja ...
- Sie ist wie eine Schwester für mich, Alexander wie ein Bruder. Es war lustig, ich sagte "unser Sohn" und meinte uns drei.
- Wir sind eine Familie. Die Landpartie ist ein Familientreffen,
- aber ganze Familie wohnt ja hier. Meine Ex-Frau wohnt hier, ihre Schwester mit Mann und Kindern,
- mein Sohn wohnt hier im Hause. Deswegen ...
- Im Grunde genommen eine Sippschaft - Familientreffen ist hier jeden Tag. Prinzessin Lilly
- soll bei einer Fashion-Show als Gast auftreten. Etwas Passendes zum Anziehen hat sie noch nicht gefunden.
- Die Zeit drängt. Der Festsaal der Schelenburg im Osnabrücker Land.
- Hier soll an diesem Abend ein klassisches Konzert stattfinden. Ich hab mit Dr. Gleisner telefoniert.
- Er rechnet mit 80. Da müssen wir noch Stühle holen.
- Und vorne: Es sind zwei Ensembles, ein Vierer- und ein Zweier-Ensemble.
- Die brauchen vier Meter Platz. Dorothee und Joachim Kellermann von Schele richten den Saal her,
- müssen ausreichend Stühle bereitstellen. Versuch erst mal, mit sieben auszukommen.
- Das geht doch schneller als gedacht. Na ja, noch sind wir nicht fertig.
- Sie wollen dem Konzertveranstalter und den Gästen ihre Burg im besten Licht präsentieren.
- Wir locken die Leute mit guter Musik und außergewöhnlichen Spielstätten. Wir sind auch so 'n bisschen dankbar dafür, dass er uns
- auch wieder jetzt gebeten hat, hier ein Konzert auszurichten. Leben in einer Burg.
- Das heißt für Kellermann von Scheles, ihren Besitz auch mal für Besucher zu öffnen.
- Auch diesen kleinen Gästen zeigen sie gern ihr Wasserschloss. Hallo! Guten Morgen, Kinder! Morgen.
- Eine Kindergarten-Gruppe ist zu Besuch. Wollt ihr was über die Burg hören? (Kinder) Ja.
- Super. Und deren Namen kennt ihr vielleicht?
- Schelenburg. Sehr gut! Hier war ich schon mal. Ja?
- Ich auch. Ich auch.
- Ihr seid ja auch Nachbarn hier. Wir haben links den alten Wehrturm, der aus dem Mittelalter ist.
- Der ist schon 900 Jahre alt. Der da. Genau. Und dann, ungefähr ...
- ... 500 Jahre später, hat man den Teil auf der rechten Seite gebaut.
- Als das Mittelalter vorbei war und es die Ritter nicht mehr gab, hat man einen Teil gebaut, der mehr ein Schloss ist.
- Wisst ihr, was man gemacht hat, um Feinde zu erkennen? Was macht man dann wohl?
- Polizei rufen. Nee.
- Was ist da im Türmchen? Wenn man relativ weit oben steht, kann man sehen, ob sich etwas tut.
- Möchte jemand die Burg erobern? Das konnte man oben in den Türmchen machen.
- Danach dürfen die Kinder endlich auch in die Burg. Über eine große Wendeltreppe geht es in die Bibliothek.
- ♪ Muntere Instrumentalmusik ♪ Hier sind ungefähr 8000 Bücher untergebracht.
- Hier gibt es Bücher vom 16., 17., 18. und 19. und 20. Jahrhundert. Die Mauern der Burg sind eineinhalb Meter dick.
- Da ist auf dem Fenstersims viel Platz für die Kinder. Der Abend des Konzerts.
- Der Festsaal füllt sich. Bis auf den letzten Platz.
- Toll, dass es so eine große Resonanz findet. Das Wichtigste ist, dass sich alle wohlfühlen.
- Auch die Künstler, das sind sensible Naturen. Das haben wir hingekriegt.
- Wir freuen uns aufs Konzert. ♪ Erhabene Musik ♪
- Weitere Konzerte in der Schelenburg sind geplant. In Volkersheim macht Familie von Gadenstedt
- einen Ausflug in die Familiengeschichte. Zum Schloss in der Ortsmitte.
- Das ist die alte Eingangstür. Hier oben seht ihr das Crammsche Wappen.
- Sehr schlicht, das ist dieses Schild mit den drei Lilien.
- Einst gehörte das Schloss einer Familie von Cramm. Durch Heirat ging es an Vorfahren der von Gadenstedts über.
- Die lebten hier von 1885 bis 1945. Zuletzt beherbergte das Schloss ein Seniorenheim.
- Nun steht es leer. Hier seht ihr noch, das ist noch alles holzvertäfelt.
- Die Decke, das ist noch alles ... Was war das früher? Das hier war Speisesaal damals.
- Auch zu Opas Zeiten? Das war zu Opas Zeiten Speisesaal. Aber das ist auch der einzig erhaltene Raum hier.
- Bis 1945 ist das Schloss Volkersheim der Lebensmittelpunkt der Familie von Gadenstedt.
- Nach dem Krieg endet ihre Zeit hier. Bartholds Großvater Burghard fällt in Russland.
- Seine Großmutter, Annina von Gadenstedt, sympathisiert mit dem Widerstand.
- Sie wird von den Nazis ins Gefängnis gesteckt und stirbt kurz nach Kriegsende an den Folgen der Haft.
- Die Kinder sind nun Waisen, müssen das Schloss verlassen. Dann wurde die Familie aus dem Schloss rausgeworfen,
- weil das hier amerikanisches Quartier wurde. Hier quartierten sich die Amerikaner ein.
- Als die Amerikaner gingen, wurde es Lager polnischer Zwangsarbeiter und anschließend Flüchtlinge, Kranke.
- Und dann ist es Altersheim geworden. Das Schloss verkauft die Familie an den Landkreis.
- Der Vater von Barthold baut einen Bungalow am Ortsrand von Volkersheim. Hell und modern.
- Seit Kurzem steht das Schloss zum Verkauf. Eine Rückkehr kommt nicht infrage.
- Ich bin nie mit Schloss aufgewachsen. Ich kenne das nur als Altersheim.
- Für mich ist es normal, im Bungalow aufgewachsen zu sein. Ihr Land und forstwirtschaftlicher Betrieb ist heute 610 Hektar groß.
- Wann immer Zeit ist, kommen sie auf dem Hof zusammen. Anke und Barthold haben vier Söhne.
- Heute sind zwei von ihnen, Julius und Philipp, zu Besuch. Wir sind die feste Burg hier.
- Wenn irgendwas ist, dann ist dieser Stammsitz schon so: Ich kann kommen. Ich kann fragen.
- Gemälde der Vorfahren erinnern an die Familiengeschichte. 1219 wurde der Name der Familie von Gadenstedt
- erstmals urkundlich erwähnt. Fast 800 Jahre lang wählten Barthold von Gadenstedts Ahnen
- ihre Partnerinnen oder Partner standesgemäß aus. In der Vergangenheit wurde immer unter Adelshäusern geheiratet,
- auch in unserer Familie. Und, ja ...
- Ich habe mich da nie so ... ... drin getümmelt, sag ich mal, in meiner Jugendzeit.
- Und ... Ohne Wertung sag ich mal, ich hab bürgerlich geheiratet.
- Der Lebensstil der von Gadenstedts: modern und fortschrittlich. Die Familie seit Generationen lebt in dem Dorf.
- Sie wollen sich einbringen. Zum Beispiel bei der Feuerwehr und im Gemeinderat.
- Ehrenamtlich engagieren wir uns immer noch. Wir sind hier verpflichtet im Ort, finde ich,
- wenn man hier ländlich wohnt und aus dieser familiären Tradition kommt. Dann dreht sich wieder alles um die Landwirtschaft.
- Der Raps braucht bald Dünger. Wie viel Stickstoff ist noch im Boden?
- Landwirtschaft ist ihre große gemeinsame Leidenschaft. Die haben die beiden ältesten der vier Söhne vom Vater geerbt.
- Philipp und sein Bruder Julius haben von klein auf mit angepackt auf dem Hof.
- Dass traditionsgemäß nur Philipp als ältester Sohn den Hof erben und bewirtschaften darf, um diesen als Ganzes zu erhalten:
- Das war für Julius anfangs nicht leicht. Natürlich fragt man sich:
- Wieso ist es in der Tradition so, dass der Erste es weitermacht, wenn der Zweite gegebenenfalls genauso viel Ambitionen mitbringt?
- Natürlich war das auch immer Thema. Ein Zufall hilft ihnen, eine gute Lösung zu finden:
- Ein Bekannter sucht einen Partner für die Bewirtschaftung eines Klosterguts.
- Julius nimmt das Angebot an. Nun kann ich nicht den heimischen Betrieb fortführen.
- Aber für mich ist es umso schöner, dass ich die Möglichkeit habe, meine Liebe zur Landwirtschaft als aktiver Landwirt fortzuführen.
- Mit meinem Kompagnon gemeinsam. Da ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen.
- Es gibt eine Sache, die die Familie von Gadenstedt weiterhin gemeinsam macht.
- * Motor rattert * Ein ganz spezielles Hobby.
- Das Gut Gartow im Wendland. Hier lebt Fried Graf von Bernstorff mit seiner Frau,
- Catharena Gräfin von Bernstorff, und ihren drei Kindern. Das Schloss und den Grundbesitz
- hat er vor zehn Jahren von seinen Eltern übernommen. Dazu gehören auch zwei Ferienwohnungen.
- Die vermieten sie jetzt gemeinsam. Das Schränkchen wollte ich so haben, darum hängen die Bilder so.
- Wenn man durch die Tür guckt ... Wollen wir das mal so hinschieben?
- Das haben die vielleicht wegen der Reinigung weggestellt. Viele Stammkunden kommen immer wieder.
- Ich glaube, das passt ins Konzept, dass wir einfach den Platz haben und den Leuten die Möglichkeit geben, das am Wochenende zu erleben.
- Die Grafen wollen in den Ferienwohnungen den historischen Charme des Guts erhalten.
- Hier sind extreme Sachen passiert in den letzten 300 Jahren: Zwei Weltkriege, es gab den Dreißigjährigen Krieg.
- Hier stand früher eine Burg, die hat das nicht überstanden. Die war dann kaputt.
- Als mein Vorfahre hierhin kam und eben das Schloss gebaut hat und die Burg abreißen musste.
- Der Vorfahre des Grafen war Andreas Gottlieb von Bernstorff. Damals Minister beim Kurfürsten von Hannover,
- dem späteren König Georg I. von England. Andreas Gottlieb von Bernstorff erwarb Gartow im Jahr 1694
- und begann kurz danach mit dem Bau des Schlosses. Seit mehr als 300 Jahren ist darin die Familie von Bernstorff zu Hause.
- Catharena und Fried von Bernstorff wollen mit den Ferienwohnungen das Gut für Besucher öffnen.
- Das Schloss, in dem sie wohnen, dagegen nicht. Wir öffnen uns, aber wir machen uns Gedanken:
- Was wollen wir öffnen? Dann müssen wir auch ein Angebot zur Verfügung stellen.
- Wir wollen nicht, dass jemand durch unsere Fenster guckt, wo dann unsere Kinder am Tisch sitzen.
- Der Garten nahe der Kirche. Hier kann die Familie mal unter sich sein.
- Er ist durch hohe Mauern vor neugierigen Blicken geschützt. So, das muss aber nachher passen.
- Dann nehmen wir noch weiß, oder? Das ist ein barocker Küchengarten,
- der wurde zur selben Zeit wie die Kirche gebaut. Also kurz nach dem Schloss.
- Der wurde für die Familie angelegt, um hier Obst und Gemüse anzubauen. Und für die Mitarbeiter, die auf dem Schlosshof wohnen.
- Heute ist es ein Rückzugsort. Das Ehepaar macht sich viele Gedanken darüber,
- wie sie das Schloss, das Gut, die Landwirtschaft und den Forst, fit machen für die Zukunft.
- Sie wollten dabei von Anfang an ihren eigenen Weg gehen. Ohne seine Eltern außen vor zu lassen.
- Am Anfang, wenn es eine Generationen-Übergabe gibt, gibt es erst mal verschiedene Sichtweisen.
- Das ist auch ganz normal. Reibungen. Auch Reibungen. Da einen Modus zu finden, dass man im Gespräch bleibt
- und sich auch Anregungen holt und Meinungen einholt. Das haben wir sehr gut gemacht.
- Deine Eltern waren skeptisch am Anfang. Zum Beispiel bei der Umstellung der Landwirtschaft auf Bio.
- Und jetzt sind sie schon auch stolz. Wie schwer es ist,
- ein Erbe zu bewahren und Neues auf die Beine zu stellen: Das zeigt sich am Beispiel dieses 300 Jahre alten Kornspeichers.
- Der stand kurz vor dem Verfall. Das wollten Catharena und Fried verhindern.
- Eine schwierige Aufgabe. Bei der Landpartie auf Schloss Bückeburg
- ist gleich eine Fashion-Show. Stargast: Prinzessin Lilly zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg.
- Doch die hat noch leichte Orientierungsprobleme. Ich hab mich selbst verlaufen.
- Immerhin: Die Prinzessin hat etwas gefunden, was sie präsentieren kann. Kein komplett neues Outfit, aber immerhin einen neuen Hut.
- Nicht der einzige in ihrer Sammlung. Ich habe einen Reise-Hut,
- den habe ich vor 100 Jahren geschenkt bekommen. Mit dem Hut reise ich immer.
- Wenn ich mit dem Hut reise, bekomme ich immer in Upgrade, die Leute sind nett zu mir, die Zöllner schicken mich durch.
- Bei der Fashion-Show präsentiert ein Modemagazin aktuelle Trends. Ein prominenter Gast, wie die Prinzessin,
- zieht zusätzlich Zuschauer. Prinzessin Lilly zu Sayn-Wittgenstein
- ist vorgestern aus New York gekommen. Und als Erstes über den Markt gegangen, um zu gucken, was gibt es.
- Ich hatte noch andere Termine, aber das wollte ich mir nicht entgehen lassen.
- Hier gibt es immer was Spezielles. Ich hab an vielen Orten gelebt, es gibt immer etwas, wo ich ...
- Ah, die Kreditkarte. (angestrengt) Ah, oh. Dann muss es doch sein.
- * Lachen * Ganz, ganz toll. Pretty woman.
- Prinzessin Lilly ist hier in ihrem Element. Sie ist gelernte Schneiderin.
- Hat für renommierte Mode– und Schmuckmarken gearbeitet. Vor zwei Jahren hat sie mit einem Partner eine Firma gegründet,
- vermittelt internationale Luxusmarken an Hotels und Immobilien-Projekte. Ich muss mich genauso finanziell unterhalten wie jeder andere auch.
- Ich habe 2014 hundertprozentig angefangen zu arbeiten. Man denkt immer,
- die Prinzessin ist mit 'nem Silberlöffel im Mund geboren. Petra hat mir meinen Hut verkauft.
- Ich wollte nicht, aber mir war so warm in der Sonne. Da bin ich sofort hin.
- Petra zog ihn raus, ganz unten. Es war der einzige in meiner Größe.
- Die hat es sofort gesehen. Bei der Landpartie auf Schloss Bückeburg
- präsentieren sich 220 nationale und kleine, regionale Aussteller. Die Prinzessin nutzt ihren Namen, ihren Status
- gern für karitative Zwecke. Adel verpflichtet: Das ist so ein statischer Ausdruck.
- Das muss jeder für sich definieren. Ich weigere mich gegen alles, was so eine Schlussfolgerung hat ...
- ... oder einen einengt. Das muss aus dem Herzen kommen.
- Ich bin dankbar, dass ich mit Gedankengut groß geworden bin, was mich dazu animiert, mich in die Gesellschaft einzubringen.
- Noch ein Gruppenfoto mit dem Ex, Fürst Alexander, dann hat Prinzessin Lilly frei.
- Und endlich mal Zeit, die Landpartie in aller Ruhe zu genießen. Auf der Schelenburg im Osnabrücker Land ist Jagd-Tag.
- Trotz null Grad und Schneeregen. Alexa und Paulina sind die Töchter eines Freundes
- von Joachim Kellermann von Schele. Die nimmt er mit in sein Revier.
- Ich fahr voraus. Für heute ist der Plan,
- dass wir zwei Wanderpfade des Rehwilds mal beobachten. Wir wollen sehen, was zurzeit im Revier ist.
- Auf der anderen Seite können wir vielleicht das eine oder andere schöne Stück erlegen.
- Jagen ist seine große Leidenschaft. Und die gibt er gern an Jüngere weiter.
- So. Das ist alles perfekt.
- Dann kann ich dich schon mal ausstatten, Paulina. Und zwar ist es ja so:
- Wenn man mal hier schaut ... Diese Waldecke kennst du ja. Ja.
- Da ist noch eine Leiter. Da ist der Wildwechsel.
- Paulina bekommt zuerst einen Hochsitz zugewiesen. Sie ist durch ihre Eltern zur Jagd gekommen.
- Kennt Joachim Kellermann von Schele schon lange. Man muss sagen:
- Joachim hat uns früh an die Hand genommen. Dadurch hab ich nicht das Klischee von älteren, weißen Jagdmännern
- nie erlebt. Joachim hat uns gesagt:
- "Willkommen, ihr könnt keine Fehler machen. Aus Fehlern lernt man." Paulinas Schwester Alexa bekommt noch einen Hochsitz am Waldrand zugeteilt.
- Hier oben ist es wirklich rutschig. Nicht zu viel Krach machen.
- * Klicken * * Klicken * Okay.
- Damit ist die Waffe geladen und gesichert. Ja. Okay, perfekt.
- Gut, dann kannst du ... Ich würde an deiner Stelle auch nach links und rechts rausschauen
- und mal sehen, was für Bewegung da ist. Und ...
- Und ja, dann musst du sehen und warten, ob was passiert. Dass sich zwei junge Frauen ohne Adelstitel,
- für die Jagd begeistern, ist nichts Besonderes mehr. Bis Mitte des 19.Jahrhunderts dagegen war Jagd ein Privileg des Adels.
- Alle meine Vorfahren sind auf Jagd gegangen. Das gehörte früher unbedingt dazu.
- Es gibt unzählige Trophäen, die auf dem Dachboden schlummern. Das spiegelt die Jagdbegeisterung der Generationen wider.
- Aber heute ist es nicht mehr dieser Aspekt, der Jäger zur Jagd zieht, dass man gesellschaftlich dazugehören möchte.
- Und vielleicht Kontakte knüpfen möchte zu adligen Besitzungen. Die Jagdbegeisterung hat heute andere Motive.
- Das ist nicht mehr wie früher, dass Adlige unter sich blieben. Joachim Kellermann von Schele streift gern durch seinen Wald,
- durch sein 500 Hektar großes Revier. Er verdankt es einer jahrhundertalten Erbfolge.
- Ein Privileg. Das ist mit Verantwortung verbunden.
- Diese Verpflichtung beruht auf der Vorgeschichte der Familie hier an diesem Standort.
- Aus dieser Verpflichtung leite ich ab, dass ich diesen Besitz in die Zukunft führe.
- Er und seine Frau haben selbst keine Kinder. Wie geht es weiter mit der Schelenburg und den Ländereien?
- Das ist kein Problem, Nachfolger gibt es immer. Das war auch in der Vergangenheit so.
- Unsere Familie ist ja schon 900 Jahre hier. Und innerhalb dieser 900 Jahre gab es x-mal solche Fälle,
- wo Kinderlosigkeit in der Eigentümerfamilie herrschte. Dann wurde der Besitz trotzdem in der Familie weitergegeben.
- Die Jagd geht an diesem Tag ohne Beute zu Ende. In Gartow, im Wendland,
- dreht sich an diesem Tag alles um diesen alten Kornspeicher. Gebaut vor fast 300 Jahren, am Rand des Schlosses.
- Den Speicher wollen Gräfin Catharena und Fried Graf von Bernstorff im Rahmen einer Feierstunde neu eröffnen.
- Als Kunst– und Veranstaltungszentrum. In einer Stunde kommen die Gäste.
- Für das Paar noch etwas Zeit für einen Kontrollgang. Auch in die Küche.
- Es ist immer auf den letzten Drücker. Da kannst du machen, was du willst.
- Man kann alles planen, zuletzt geht was schief. Gestern wurde die letzte Schraube gesetzt.
- Nee, ich glaube heute. * Lachen *
- Aufgang zur oberen Etage. Wo früher Korn lagerte, ist jetzt viel Platz für Kunstausstellungen.
- Zur Eröffnung gibt es eine Videoinstallation mit dem Titel: Walking on Water.
- Das Thema: die Verschmutzung der Meere. 1727 wurde der Zehntspeicher gebaut,
- so wird der Kornspeicher auch genannt. Und 250 Jahre lang, bis 1965,
- von den Gräflich Bernstorffschen Betrieben genutzt. Wir haben viele Denkmäler in unserer Obhut.
- Da haben wir gemerkt: Man braucht immer eine Nutzung, wo bestenfalls was bei rumkommt,
- wo Einnahmen generiert werden. Dann kann man die Gebäude erhalten.
- Ansonsten hätte es leer gestanden und wäre in sich zusammengefallen. Jetzt bin ich noch sehr gespannt,
- wenn jetzt alle Leute kommen, die ganzen Förderer ... Und die Leute aus dem Dorf.
- Viele kennen ja den Zehntspeicher, aber im vorherigen Zustand. Die Gäste, Förderer, Freunde, Dorfbewohner, trudeln ein.
- Das alte Gebäude füllt sich mit Leben. Wir sind dankbar und glücklich.
- Nach über zehn Jahren ist es gelungen, den Zehntspeicher zu sanieren und sein Potenzial zur Geltung zu bringen.
- Ich erhebe darauf mein Glas. * Applaus *
- ♪ Ruhige klassische Streichmusik ♪ ♪ Ruhige klassische Streichmusik ♪
- Catharena und Fried von Bernstorff wollten den alten Speicher unbedingt retten.
- Mithilfe von Eigenmitteln, Spenden und durch eine Förderung des Landes Niedersachsen haben sie es geschafft.
- Alle waren ganz begeistert und es funktioniert auch einfach, hier Kunst auszustellen.
- Ich bin dankbar und auch froh. Dieser Tag, auf den wir so lange hingearbeitet haben,
- geht jetzt langsam zu Ende. Jetzt können wir genießen und loslassen.
- Der Ort Gartow im Wendland ist um eine Attraktion reicher. ♪ Ruhige klassische Streichmusik ♪
- Für Familie von Gadenstedt ist ein besonderer Tag. Es geht nicht mit dem Trecker aufs Feld,
- sondern historische Zugmaschinen stehen im Mittelpunkt. Ihre große Leidenschaft.
- * Motor startet und rattert * Die bringen die Männer endlich mal wieder ins Rollen.
- Wir fahren zu Julius nach Wöltingerode. Da ist heute Hoffest.
- Julius ist da Mitveranstalter. Da packen wir einen Großteil unseres Alteisens auf.
- * Motor rattert * Für die schwere Raupe, Baujahr 1950,
- ist der Weg für eine Fahrt auf der Straße zu weit. Sie muss verladen werden.
- Dass mit solchen Zugmaschinen einmal die Ernte eingeholt wurde: Für die Jungs der von Gadenstedts heute nur noch schwer vorstellbar.
- Man merkt, wie die Arbeit war. Es ging nicht so schnell.
- Es war Arbeit mit Muskelkraft. Es war laut, ohne Kabine, keine Klimaanlage.
- Noch mal in alte Zeiten zurückversetzt. Der Vater von Barthold und Großvater der Jungs hat mit genau dieser Raupe
- noch bis in die 70er-Jahre die Ernte eingeholt. ♪ Entspannte Instrumentalmusik ♪
- Zweieinhalb Stunden Fahrt liegen jetzt vor den von Gadenstedts und ihrer Oldtimer-Kolonne.
- Auf dem Klostergut Wöltingerode bei Goslar. Hier findet jedes Jahr das Hoffest "Wölti unter Dampf" statt.
- Mit rund 10.000 Besuchern und Fans historischer Landmaschinen. Und auf diesem Klostergut ist Julius von Gadenstedt,
- der zweitälteste Sohn, Landwirt. Dass wir den Pflug abladen und hier rauffahren können
- und dann stellen wir alles untern Schauer. Normalerweise machen die Jungs längst ihr eigenes Ding.
- Die Hanomags führen sie immer wieder alle zusammen. Von klein auf sind sie mitgefahren, haben Anteil daran genommen.
- Nachdem jeder den Traktor-Führerschein hatte, ist er selber gefahren.
- Heute ist das Highlight, dass alle vier Traktor fahren können.
- Der letzte hat mit 16 den Führerschein gemacht. Traditionen wahren,
- aber dabei die Gegenwart und die Zukunft im Blick behalten: Nicht immer leicht.
- Die von Gadenstedts haben ihren Weg gefunden. Wie auch viele andere adelige Familien in Niedersachsen.
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