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Niedersachsens Adel: Prinzessinnen, Grafen und Schlösser | die nordstory | NDR Doku

NDR Doku58:57 368.799 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 457 Zeilen
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  1. Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2024 Sie leben in Burgen und Schlössern - oder ganz modern:
  2. Adelsfamilien in Niedersachsen. Sie wollen jahrhundertealte Traditionen bewahren
  3. und müssen an die Zukunft denken. Das Ehepaar Kellermann von Schele lebt in einem Wasserschloss,
  4. das 900 Jahre alt ist. Man wundert sich: Es gibt immer was zu tun.
  5. Bei Familie von Gadenstedt im Landkreis Hildesheim ist der Generationswechsel voll im Gange.
  6. Man hat Meinungsverschiedenheiten. Manchmal hat der Alte recht.
  7. Prinzessin Lilly zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg versucht auf Schloss Bückeburg, ihren eigenen Weg zu gehen.
  8. Wir müssen uns weiterentwickeln, müssen mit der Zeit gehen. Catharena Gräfin und Fried Graf von Bernstorff
  9. bewirtschaften im Wendland einen riesigen Wald. Unter schwierigen Bedingungen.
  10. Das ist die Herausforderung: Mit der Geschwindigkeit der Klimaveränderung
  11. müssen wir den Wald verändern. Das Wasserschloss Schelenburg im Osnabrücker Land,
  12. erbaut im elften Jahrhundert. Es ist eines der ältesten Wasserschlösser in Niedersachsen.
  13. Und es ist das Zuhause von Dorothee Kellermann von Schele und ihren Mann Joachim.
  14. Komm her! Regelmäßig begutachten sie ihr Schloss
  15. von allen Seiten auf Schäden, mithilfe eines Fernglases. Da ist eine kleine Kante drin. Das ist eine Belüftungsöffnung.
  16. Ich hab natürlich kein Fernglas. Aber oben am First fehlt eine.
  17. Ohne Fernglas geht's grundsätzlich nicht, nein. Die Distanzen sind zu groß.
  18. Details kann man auch nur mit einem starken Fernglas abbilden. Nur dann kann man sich vergegenwärtigen,
  19. ob wirklich ein Reparaturbedarf besteht. Vielleicht ist auch nur eine kosmetische Reparatur nötig.
  20. Alle paar Wochen drehen die Kellermann von Scheles ihre Runde.
  21. Irgendetwas fällt ihnen immer auf. Ich glaube, man muss schon auf den Fenstersims steigen,
  22. um dieses Weiße runterzuschrubben. Das musst du machen.
  23. Das Braunrot, was wir haben: Ob das taugt? Sonst nehmen wir das Rot für die Fensterläden.
  24. Das wäre auch ganz sinnvoll. Wir sind jetzt zum Beispiel gerade dabei,
  25. die Holztore und Türen zu streichen. Und wir streichen die Klappen, die die oberen Fenster verschließen.
  26. Man kommt rum und wundert sich: Da ist noch eine Klappe, da ist noch ein Fensterladen.
  27. An der Stelle wird man aufmerksam, wie viele Tore und Fenster es tatsächlich sind.
  28. Das Wohnzimmer von Dorothee und Joachim liegt im zweiten Stock.
  29. Hier wirkt alles ein bisschen so wie in einem Museum. Und auch hier gibt es immer wieder etwas zu reparieren.
  30. Wie diesen dicken Riss in der Wand. Das ist 'ne Maßnahme, die ansteht.
  31. Dann müssen wir nachdenken, wie es hinterher aussehen soll. Ich wäre dafür, dass es so ähnlich bleibt.
  32. Andernorts sind Anstriche nötiger. Hier wäre es einfach darum zu tun, dass der Riss ausgebessert wird.
  33. Die Politikwissenschaftlerin und der Land- und Forstwirt sind nach der Heirat vor 30 Jahren in das Schloss gezogen.
  34. An den Wänden: die Vorfahren von Joachim Kellermann von Schele. 1396 heiratete ein gewisser Rabodo von Schele
  35. die Tochter des Burgbesitzers. Vorher hatte er die Burg belagert.
  36. Seitdem lebt die Familie in der Schelenburg. Ich habe zwei Schwestern.
  37. Meine Mutter war die Eigentümerin. Ich wurde von ihr mit diesem Erbe sozusagen ...
  38. ... äh, ja ... Betraut. ... betraut. Ja.
  39. Ich habe das juristisch schon angetreten, als ich 18 Jahre alt war.
  40. Als junger Mann wollte Joachim eigentlich mal weg von hier. Eine Idee:
  41. Nach der Wende wollte er als Landwirt in die neuen Bundesländer. Aber eine Burg zu erben, ist eben auch eine Verpflichtung.
  42. Das hätte für mich bedeutet, dass ich dieses Haus alleingelassen hätte.
  43. Ich habe dann gesagt: Ich bleibe hier und ich versuche,
  44. den Betrieb so gut wie möglich zu führen. Und nebenbei behalte ich auch noch das Haus im Auge.
  45. Nur wenn man so ein Haus bewohnt, kann man es auch erhalten. Wir haben beschlossen,
  46. dass man gemeinsam so ein Projekt angehen kann: Hier zu wohnen.
  47. Sich darum zu kümmern. Manches zu renovieren und zu modernisieren.
  48. Den Raum, in dem wir jetzt gerade sind, haben wir aber auch so belassen, wie er ist.
  49. Sie sehen eine Tapete von 1807: Hier ist seit 1807 nicht mehr tapeziert worden.
  50. Doch die Kellermann von Scheles bewohnen nur einen Teil der Burg. Was fangen sie eigentlich mit dem Rest an,
  51. mit den vielen Zimmern und Sälen, den Nebengebäuden und Stallungen? Sie wohnt in einem noch größeren Schloss.
  52. Marie-Louise Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Kurz: Prinzessin Lilly.
  53. Sie lebt im Schloss Bückeburg, der Stammsitz der Fürstenfamilie zu Schaumburg-Lippe.
  54. Hallo, meine Liebe. Geht's dir gut? Lebst du noch? Ja, geht wieder.
  55. Ich freu mich sehr. Wenn wir so weitermachen wie gestern ...
  56. Irgendwas läuft falsch. Es ist gut, es ist alles im Flow. Alles passt.
  57. An diesem Wochenende ist Landpartie auf Schloss Bückeburg. Einmal im Jahr findet das große Fest statt -
  58. mit Musik, Mode, Kunst. Und natürlich mit gutem Essen und Getränken.
  59. In diesem Jahr heißt das Motto: unterwegs in Portugal. Weit kommt Prinzessin Lilly nicht an diesem Tag.
  60. Hier kennt sie fast jeder. Meine sind schon so groß. Es geht so schnell.
  61. Ist es das Erste? Nein, das Zweite. Dabei will sich die Prinzessin nur ein neues Outfit zulegen.
  62. Für eine Fashion-Show am Nachmittag, bei der sie Gast ist. Hallo. Alles gut? Ja, alles gut.
  63. So schicke Outfits hier ... Was habt ihr denn für mich?
  64. Ganz klassisch. Der Witz ist:
  65. Ich werde ja immer klassischer, nach zehn Jahren Modewelt. Erst einen Tag vor der Landpartie ist sie aus New York zurückgekommen,
  66. ihrem Zweitwohnsitz. Ganz großes Highlight.
  67. Ich bin extra zurückgekommen. Das ist so eine schöne Atmosphäre.
  68. So viel Leben im Haus, so viele nette Menschen. Jeder freut sich, hier zu sein.
  69. Häuser müssen gelebt werden. Sie müssen gezeigt und geliebt werden.
  70. Das muss sich weiterentwickeln. Deshalb existieren diese Häuser schon so lange.
  71. Sie haben sich immer weiterentwickelt. Ich bin dankbar dafür, dass die Menschen das annehmen
  72. und sich freuen herzukommen. Selfie?
  73. Extra aus Portugal hier gekommen. Echt? Ja. Portugues? Portugues, sim. Aus Algarve.
  74. Aus Algarve - wie schön! Prinzessin Lilly kommt kaum voran.
  75. Sie wird immer wieder angesprochen. Sie genießt das.
  76. Es gehört für sie zur Landpartie einfach dazu. Hier, mein Nachbar. (lacht) Hallo.
  77. Ich leb seit 17 Jahren mehr oder weniger im Ausland: Zwischen Italien, der Schweiz, Österreich, New York, London.
  78. Klar kennt einen da keiner. Es ist sehr anonym, da baut man sich seine eigene Community.
  79. Ich bin auf der ganzen Welt inkognito. Wenn ich nach Bückeburg komme, ist es wie nach Hause kommen:
  80. Das Schönste ist, durch die Stadt zu laufen, alte Freunde zu treffen.
  81. Das ist für mich existenziell wichtig. Ich bin ein Mensch, der Familie braucht.
  82. In Bückeburg sind wir ein bisschen auf der Insel der Seligen. Ein Outfit für die Fashion-Show am Nachmittag
  83. hat die Prinzessin noch immer nicht gefunden. Viel Zeit bleibt bis dahin nicht.
  84. Auf dem Hof der Familie von Gadenstedt in Bockenem soll an diesem Tag Weizen geerntet werden.
  85. Philipp von Gadenstedt ist der älteste Sohn der Familie. Der Erbe des Hofes macht den Mähdrescher bereit.
  86. Seine Eltern sind schon auf dem Feld: Bartold und Anke von Gadenstedt.
  87. In den letzten Tagen hat es immer wieder geregnet. Gestern ging das hier nicht mehr.
  88. Mal sehen, wie sich das hier entwickelt hat heute Morgen. Noch ist nicht sicher, ob überhaupt geerntet werden kann.
  89. Das ist schon deutlich abgetrocknet. Mit dem Säubern des Mähdreschers ist Philipp fast fertig.
  90. Das Wetter ist unbeständig. Deswegen sind wir dieses Jahr ein bisschen unter Zeitdruck.
  91. Wir versuchen, jedes Erntefenster zu nutzen. Und wenn es nur ein paar Stunden am Tag sind, die wir ernten können.
  92. Wir ernten auch nasses Getreide. Wir haben 'ne eigene Trocknung.
  93. Wir trocknen dieses Getreide, um die Qualitäten zu sichern. Das stellt uns vor Herausforderungen.
  94. Jetzt hängt alles vom Test auf dem Feld ab. Ich nehme jetzt mal 'ne Probe.
  95. Eine erste grobe Einschätzung kann ich machen, indem ich das mitm Mund nehme.
  96. Trocken ist es nicht. Aber ich denke, wir werden dann losfahren.
  97. Bartold von Gadenstedt entscheidet: Es wird geerntet. ♪ Ruhige Instrumentalmusik ♪
  98. Sie haben Gewitter angesagt. Aber wir versuchen es vor dem Gewitter.
  99. Mal sehen, was runterkommt. Bei so 'ner Maschine drehen sich viele Wellen.
  100. Da sind Keilriemen und Messer und Haspeln. Es kann immer was kaputtgehen.
  101. Wir hoffen heute, dass die Maschine gut durchhält. Der Forst rings um das Gut Gartow im Wendland:
  102. Mit 5700 Hektar ist er eines der größten Waldgebiete Norddeutschlands. Und gehört ihm: Fried Graf von Bernstorff.
  103. Mehrere Förster sind zuständig für die Bewirtschaftung. Einer von ihnen ist Ulrich von Mirbach.
  104. Der stimmt sich regelmäßig mit dem Grafen darüber ab, was gepflanzt werden soll.
  105. Ungefähr 30 bis 40 Prozent Laubholz hier reinbringen. Und dann eben aber auch Nadelbaumarten mit Zukunft.
  106. Dazu gehören eben auch Baumarten wie Douglasie, Küstentanne. Bisschen Lärche auf lichteren Stellen.
  107. Fried Graf von Bernstorff setzt auf naturnahe Waldwirtschaft. Er muss Probleme bewältigen,
  108. die seine Vorgänger so noch nicht kannten. Das ist unsere Herausforderung.
  109. Mit der Geschwindigkeit, mit der sich das Klima verändert, müssen wir es schaffen, den Wald zu verändern.
  110. Ich habe die Hoffnung, dass uns das gelingt. Man kann Baumarten dazu bringen,
  111. die mit weniger Feuchtigkeit, Niederschlag zurechtkommen. Was jahrhundertelang die Holzfäller in Handarbeit erledigen mussten,
  112. schafft heute der Harvester in wenigen Minuten. Ich bin immer wieder begeistert, wenn ich sehe,
  113. wie der Fortschritt mit diesen Maschinen funktioniert. Minimaler Schaden bleibt zurück.
  114. Es funktioniert sehr gut zusammen mit unserem naturgemäßen Waldbau. Und schon bald soll es hier im Wald noch technischer werden.
  115. Fried Graf von Bernstorff will Forstwirtschaft digitaler machen. 30 Generationen haben bei Osnabrück im Wasserschloss Schelenburg gelebt,
  116. mehr als 900 Jahre lang. Zur Burg gehören Gräben, Nebengebäude und Stallungen.
  117. Dazu kommen auch noch 500 Hektar Land. Dorothee Kellermann von Schele kümmert sich mit ihrem Mann darum.
  118. Die Landwirtschaft hat sich stark verändert. Dadurch ist Platz entstanden für Neues.
  119. Zum Beispiel eine Pony-Zucht. Das ist der Kuhstall gewesen.
  120. Es gibt seit den 50er-Jahren in Schelenburg keine Kühe mehr. Das war lange vor der Zeit, zu der ich hergekommen bin.
  121. Die Kühe waren schon abgeschafft. Und ich hab den Stall hier im Jahr 2012 eingerichtet.
  122. Seitdem habe ich meine Zuchtstuten hier stehen. Das Klima vom Stall ist gut.
  123. Er hat 'ne tolle Luft, 'ne hohe Raumhöhe. Insofern ist es heute ein exzellenter Ponystall.
  124. Die letzte Fohlengeburt und die ersten zaghaften Schritte hat Dorothee Kellermann von Schele mit dem Handy gefilmt.
  125. Mit ihrer Pony-Zucht hat sie eine Tradition wiederbelebt. Hier hat es in der Zeit vor mir natürlich schon Pferde gegeben.
  126. Allerdings waren die für den Acker und den Wald da. So habe ich überlegt, dass eine Zucht hier möglich ist.
  127. Wir haben den Platz dafür und die Umgebung, in der die Ponys sich wohlfühlen.
  128. Der Ernteeinsatz der Familie von Gadenstedt ist vom drohenden Gewitter bislang verschont geblieben.
  129. Damit die Mittagspause nicht zu lang wird, wird auf dem Feld gegessen. So haben es schon ihre Vorfahren gemacht.
  130. Früher war es so Usus, Vesper aufm Feld zu machen. Und das hat sich bis heute irgendwie so gehalten.
  131. Die Wurzeln der Familie von Gadenstedt reichen bis ins zwölfte Jahrhundert zurück.
  132. Ihre Vorfahren stammen von einem Rittergut in der Nähe von Peine. 1889 wurde der Stammsitz hierher,
  133. nach Volkersheim im Landkreis Hildesheim, verlegt. Wie jahrhundertelang üblich,
  134. wird das Gut innerhalb der Familie weitervererbt. Von Vater Bartold zu Sohn Philipp.
  135. Die Entscheidungen treffen wir gemeinsam. Aber aus der Erfahrung heraus führe ich die schon so ran.
  136. Manches Mal, wenn wir anfangen zu mähen: Ich sag, jetzt müssen wir mähen oder wir warten noch 'ne Stunde.
  137. Letzte Woche hat es mal ein bisschen geregnet, da wollte er nach Hause fahren.
  138. Da habe ich gesagt: Nein, wir warten eine Stunde. Dann ging's auch wieder.
  139. Die Erfahrung sammeln die noch. Klar hat man auch mal Meinungsverschiedenheiten.
  140. Aber da stimme ich mich mit meinem Vater immer ganz gut ab. Man muss auch mal nachgeben können, auch beide Seiten.
  141. Klar, ich habe Innovationen oder neue Ideen, die ich in den Betrieb einbringe.
  142. Aber das ist ja immer bei einem Generationenwechsel, dass frischer Wind wieder ins Unternehmen kommt.
  143. Zwei Generationen, die sich verständigen müssen, was das Beste für den jahrhundertealten Betrieb ist.
  144. Da zählt er auch auf die Erfahrung, weil er sieht: Manchmal hat der Alte doch noch Recht.
  145. An diesem Tag funktioniert die Zusammenarbeit. Bartold und Philipp schaffen es,
  146. das Feld noch vor dem Gewitter komplett abzumähen. Der Generationenwechsel ist für die von Gadenstedts
  147. trotzdem kein einfaches Thema. Schließlich gibt es in der Familie drei weitere Söhne.
  148. Mit großer Leidenschaft für Landwirtschaft. Das müssen sie lösen, ohne die Tradition zu missachten.
  149. In Gartow im Wendland - im Wald - warten Fried Graf von Bernstorff und seine Förster auf eine besondere Präsentation.
  150. Eine Firma hat ein Programm entwickelt, mit dem die Forstwirtschaft digitaler werden kann.
  151. Heute wollen wir uns mal angucken, wie die Welt von morgen im Wald aussehen könnte.
  152. Im Moment haben wir ja so eingelaufene Strukturen. Das Holz wird eingemessen, aufgeschrieben.
  153. Jetzt wollen wir mal Rolf fragen, wie es anders gehen kann. Ihr hattet gesagt, das hier ist Abteilung 148.
  154. Das kann man hier sehen auf der Karte. Die Punkte hier sind die Holzpolter.
  155. Das heißt, die Daten werden eingegeben? Ich vermesse das Holz und sehe: So und so viel liegt hier.
  156. Genau, das kann man sich dann anzeigen lassen. Fried Graf von Bernstorff möchte seine Forstwirtschaft
  157. zukunftsfähig machen. Mit der passenden Technologie.
  158. Für die Bewirtschaftung setzt er auf Innovationen. Zukünftig sollen gefällte Bäume per Tablet abgemessen werden.
  159. Dann kann ich sagen: Foto erzeugen. Die Information kann dann der Logistik-Unternehmer bekommen
  160. und sieht dann, so sieht der Polter aus. Das Bild ist gespeichert auf dem Server.
  161. Jeder, der Zugriff hat - der Innendienst, der Waldbesitzer, der Förster, der Spediteur - hat diese Information.
  162. Er kann sehen, das ist das Polter, mit der Nummer, mit dem Bild und den Ausprägungen.
  163. Es passt ganz gut. Für die naturgemäße Waldwirtschaft muss man sich anders beschäftigen,
  164. als wenn ich den Wald wie 'n Schachbrett bewirtschafte. Je mehr Bürokratie mir die Technik abnimmt, umso mehr habe ich Zeit,
  165. mich mit waldbaulichen Fragen, mit Strategie zu beschäftigen. Das ist eigentlich 'ne schöne Möglichkeit, das zu haben.
  166. Das Verwaltungsgebäude der Gräflich Bernstorffschen Betriebe. Der eigentliche Arbeitsplatz von Fried Graf von Bernstorff.
  167. Der 46-Jährige ist Eigentümer und Geschäftsführer. Hier ist das Zentrum, die Verwaltung, das Forstamt.
  168. Hier haben wir regelmäßig Besprechungen mit den Förstern. Ich versuche auch immer wieder rauszukommen und zu sehen,
  169. was im Wald passiert. Aber hier passiert die Strategie, die Überlegung, wo geht's hin.
  170. Der Betrieb soll Gewinn erwirtschaften, soll die Mitarbeitenden und ihre Familien ernähren.
  171. Und gleichzeitig – so will es ein Familienstatut von 1720 – soll der gesamte Besitz für kommende Generationen erhalten bleiben.
  172. Was das in heutigen Zeiten bedeutet, hat schon sein Vater, Andreas Graf von Bernstorff, erlebt.
  173. Jahrzehntelang tobt in den Wäldern rund um das Gut Gartow ein erbitterter Kampf.
  174. Hey, Cop, schmeiß den Knüppel weg! Der Kampf um Gorleben um ein Endlager für radioaktiven Müll.
  175. 1978 will die Atomindustrie der Familie von Bernstorff für 26 Millionen Mark einen Teil ihres Waldes abkaufen,
  176. darauf das Endlager errichten. Andreas Graf von Bernstorff verweist auf das Familienstatut.
  177. Es verpflichtet ihn, seinen Besitz für kommende Generationen zu erhalten.
  178. Ich habe mich entschlossen, dieses Angebot nicht anzunehmen. * Applaus *
  179. An dieses Familienstatut fühlt sich auch Fried Graf von Bernstorff gebunden.
  180. Der Kern von dem Familienstatut ist eigentlich, dass das Ziel ... .... sozusagen eines Besitzers, wie jetzt in dem Fall mir, ist:
  181. Das, was einem anvertraut wurde, mindestens in dem Zustand an die nächste Generation, am besten noch in verbesserten Form.
  182. Zum Beispiel mehr Vorrat, mehr Bäume im Wald oder mehr Humus im Boden ... Das ist eigentlich der Kerngedanke.
  183. Dieser Satz ... ... dass man nicht für einen einzelnen Moment
  184. die Zukunft aufs Spiel setzen sollte. Weil es jetzt gerade Spaß macht, in dem Moment zu denken,
  185. ist egal, was morgen ist. Das finde ich sehr prägend, weil das vor 300 Jahren geschrieben wurde
  186. und heute noch genauso passt. Und sie müssen nicht nur den Wald, sondern auch das Schloss
  187. und die Ländereien in die Zukunft führen. Keine leichte Aufgabe.
  188. Die Landpartie auf Schloss Bückeburg: Prinzessin Lilly zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg
  189. ist noch auf der Suche nach einem Outfit für eine Fashion-Show. Verkaufsstände gibt es genug.
  190. Das Problem: Die Prinzessin kommt im Gewühl kaum vorwärts.
  191. Hallo, grüß dich! Hi. Wie elegant. Wo ist denn das her?
  192. Steht dir wie 'ne Eins. Habt Spaß, ihr Lieben. Du auch. Mach's gut.
  193. Die Geschichte des Schlosses Bückeburg und des Fürstenhauses Schaumburg-Lippe
  194. ist Teil ihrer eigenen Lebensgeschichte geworden. Schließlich ist hier ihr Sohn Donatus geboren.
  195. Mein Sohn war der erste Deutsche, der in die englische Militärschule gegangen ist - Sandhurst - und dann die Queen beschützt hat.
  196. Ich habe einen Erben als Sohn, der irgendwann der verlängerte Arm der Geschichte ist hier.
  197. Donatus und ich haben hier nicht immer gelebt. Er ist zum Teil mit mir in München und Mailand groß geworden.
  198. Dennoch habe ich versucht, ihm das Verständnis und die Liebe für dieses Haus und seine Familiengeschichte weiterzugeben.
  199. Und auch die Würde, aber auch die Verantwortung. Sodass er das für sich integrieren und annehmen kann
  200. und es dann in die Neuzeit weiterbringen kann. Marie Louise Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg
  201. wird in Stuttgart geboren. Als echte Prinzessin – ihre Familie gehört zum deutschen Hochadel.
  202. 1993, mit 20, heiratet sie Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe. Die beiden bekommen ihren Sohn Donatus.
  203. Die Prinzessin hat ihren eigenen Stil, liebt Mode, Musik und Partys. Als sie und Fürst Alexander sich 2002 scheiden lassen,
  204. zieht sie in die Welt. Engagiert sich für Charity-Projekte,
  205. wird Marken-Botschafterin einer Schmuckfirma. 2022 tanzt sie bei der RTL-Show Let's Dance.
  206. Vor allem Am Anfang, als ich mich entschlossen hatte, mich zu trennen, wurde das kritisch betrachtet zu dem Zeitpunkt.
  207. Dann haben mir viele den Rücken zugewandt. Ich werde sicherlich für einiges, was ich so mache, belächelt.
  208. 2021, mitten in der Pandemie, kehrt Prinzessin Lilly zurück nach Bückeburg.
  209. Hat seitdem im Schloss wieder eine Wohnung. Doch dauerhaft nur hier leben,
  210. sich ums Schloss, die Forst und die Landwirtschaft kümmern: Das wäre nicht ihr Ding.
  211. Sie reist viel um die Welt. Auch der Blick von außen auf sie hat sich verändert.
  212. Ich bin Unternehmerin, eine selbstständige Business-Frau und das wird respektiert.
  213. Eben auch oft bei den traditionellen Aristokraten ist wirklich das Verständnis da.
  214. Wir müssen uns weiterentwickeln, wir müssen mit der Zeit gehen. Manchmal muss man dafür um die Welt reisen,
  215. um dann zu verstehen, dass das Herz zu Hause ist. Aber man muss den Geist öffnen.
  216. Ich habe hier immer wieder ein Zuhause gefunden. Uh, das sieht mir doch nach derselben Truppe von gestern aus.
  217. Mensch, du bist auch wieder unter uns Lebenden. So halb.
  218. Hallo. Hallo. Nice to meet you. * Klirren * Scherben bringen Glück, mein Alex. Alles gut.
  219. Lilly, es gibt was zu essen. Nee, aber was zu trinken. Der Umgang mit Ex-Mann Fürst Alexander und dessen neuer Frau,
  220. Mahkameh Fürstin zu Schaumburg-Lippe, ist unbekümmert und herzlich. Wir sind eine Familie, buchstäblich.
  221. Wir sind so eng, dass wir gemeinsam Ferien machen. Wir reisen am liebsten gemeinsam.
  222. Alle Kinder sind zusammen. Ich war Trauzeugin seiner Frau ...
  223. ... bei seiner Hochzeit. Insofern ... ja ...
  224. Sie ist wie eine Schwester für mich, Alexander wie ein Bruder. Es war lustig, ich sagte "unser Sohn" und meinte uns drei.
  225. Wir sind eine Familie. Die Landpartie ist ein Familientreffen,
  226. aber ganze Familie wohnt ja hier. Meine Ex-Frau wohnt hier, ihre Schwester mit Mann und Kindern,
  227. mein Sohn wohnt hier im Hause. Deswegen ...
  228. Im Grunde genommen eine Sippschaft - Familientreffen ist hier jeden Tag. Prinzessin Lilly
  229. soll bei einer Fashion-Show als Gast auftreten. Etwas Passendes zum Anziehen hat sie noch nicht gefunden.
  230. Die Zeit drängt. Der Festsaal der Schelenburg im Osnabrücker Land.
  231. Hier soll an diesem Abend ein klassisches Konzert stattfinden. Ich hab mit Dr. Gleisner telefoniert.
  232. Er rechnet mit 80. Da müssen wir noch Stühle holen.
  233. Und vorne: Es sind zwei Ensembles, ein Vierer- und ein Zweier-Ensemble.
  234. Die brauchen vier Meter Platz. Dorothee und Joachim Kellermann von Schele richten den Saal her,
  235. müssen ausreichend Stühle bereitstellen. Versuch erst mal, mit sieben auszukommen.
  236. Das geht doch schneller als gedacht. Na ja, noch sind wir nicht fertig.
  237. Sie wollen dem Konzertveranstalter und den Gästen ihre Burg im besten Licht präsentieren.
  238. Wir locken die Leute mit guter Musik und außergewöhnlichen Spielstätten. Wir sind auch so 'n bisschen dankbar dafür, dass er uns
  239. auch wieder jetzt gebeten hat, hier ein Konzert auszurichten. Leben in einer Burg.
  240. Das heißt für Kellermann von Scheles, ihren Besitz auch mal für Besucher zu öffnen.
  241. Auch diesen kleinen Gästen zeigen sie gern ihr Wasserschloss. Hallo! Guten Morgen, Kinder! Morgen.
  242. Eine Kindergarten-Gruppe ist zu Besuch. Wollt ihr was über die Burg hören? (Kinder) Ja.
  243. Super. Und deren Namen kennt ihr vielleicht?
  244. Schelenburg. Sehr gut! Hier war ich schon mal. Ja?
  245. Ich auch. Ich auch.
  246. Ihr seid ja auch Nachbarn hier. Wir haben links den alten Wehrturm, der aus dem Mittelalter ist.
  247. Der ist schon 900 Jahre alt. Der da. Genau. Und dann, ungefähr ...
  248. ... 500 Jahre später, hat man den Teil auf der rechten Seite gebaut.
  249. Als das Mittelalter vorbei war und es die Ritter nicht mehr gab, hat man einen Teil gebaut, der mehr ein Schloss ist.
  250. Wisst ihr, was man gemacht hat, um Feinde zu erkennen? Was macht man dann wohl?
  251. Polizei rufen. Nee.
  252. Was ist da im Türmchen? Wenn man relativ weit oben steht, kann man sehen, ob sich etwas tut.
  253. Möchte jemand die Burg erobern? Das konnte man oben in den Türmchen machen.
  254. Danach dürfen die Kinder endlich auch in die Burg. Über eine große Wendeltreppe geht es in die Bibliothek.
  255. ♪ Muntere Instrumentalmusik ♪ Hier sind ungefähr 8000 Bücher untergebracht.
  256. Hier gibt es Bücher vom 16., 17., 18. und 19. und 20. Jahrhundert. Die Mauern der Burg sind eineinhalb Meter dick.
  257. Da ist auf dem Fenstersims viel Platz für die Kinder. Der Abend des Konzerts.
  258. Der Festsaal füllt sich. Bis auf den letzten Platz.
  259. Toll, dass es so eine große Resonanz findet. Das Wichtigste ist, dass sich alle wohlfühlen.
  260. Auch die Künstler, das sind sensible Naturen. Das haben wir hingekriegt.
  261. Wir freuen uns aufs Konzert. ♪ Erhabene Musik ♪
  262. Weitere Konzerte in der Schelenburg sind geplant. In Volkersheim macht Familie von Gadenstedt
  263. einen Ausflug in die Familiengeschichte. Zum Schloss in der Ortsmitte.
  264. Das ist die alte Eingangstür. Hier oben seht ihr das Crammsche Wappen.
  265. Sehr schlicht, das ist dieses Schild mit den drei Lilien.
  266. Einst gehörte das Schloss einer Familie von Cramm. Durch Heirat ging es an Vorfahren der von Gadenstedts über.
  267. Die lebten hier von 1885 bis 1945. Zuletzt beherbergte das Schloss ein Seniorenheim.
  268. Nun steht es leer. Hier seht ihr noch, das ist noch alles holzvertäfelt.
  269. Die Decke, das ist noch alles ... Was war das früher? Das hier war Speisesaal damals.
  270. Auch zu Opas Zeiten? Das war zu Opas Zeiten Speisesaal. Aber das ist auch der einzig erhaltene Raum hier.
  271. Bis 1945 ist das Schloss Volkersheim der Lebensmittelpunkt der Familie von Gadenstedt.
  272. Nach dem Krieg endet ihre Zeit hier. Bartholds Großvater Burghard fällt in Russland.
  273. Seine Großmutter, Annina von Gadenstedt, sympathisiert mit dem Widerstand.
  274. Sie wird von den Nazis ins Gefängnis gesteckt und stirbt kurz nach Kriegsende an den Folgen der Haft.
  275. Die Kinder sind nun Waisen, müssen das Schloss verlassen. Dann wurde die Familie aus dem Schloss rausgeworfen,
  276. weil das hier amerikanisches Quartier wurde. Hier quartierten sich die Amerikaner ein.
  277. Als die Amerikaner gingen, wurde es Lager polnischer Zwangsarbeiter und anschließend Flüchtlinge, Kranke.
  278. Und dann ist es Altersheim geworden. Das Schloss verkauft die Familie an den Landkreis.
  279. Der Vater von Barthold baut einen Bungalow am Ortsrand von Volkersheim. Hell und modern.
  280. Seit Kurzem steht das Schloss zum Verkauf. Eine Rückkehr kommt nicht infrage.
  281. Ich bin nie mit Schloss aufgewachsen. Ich kenne das nur als Altersheim.
  282. Für mich ist es normal, im Bungalow aufgewachsen zu sein. Ihr Land und forstwirtschaftlicher Betrieb ist heute 610 Hektar groß.
  283. Wann immer Zeit ist, kommen sie auf dem Hof zusammen. Anke und Barthold haben vier Söhne.
  284. Heute sind zwei von ihnen, Julius und Philipp, zu Besuch. Wir sind die feste Burg hier.
  285. Wenn irgendwas ist, dann ist dieser Stammsitz schon so: Ich kann kommen. Ich kann fragen.
  286. Gemälde der Vorfahren erinnern an die Familiengeschichte. 1219 wurde der Name der Familie von Gadenstedt
  287. erstmals urkundlich erwähnt. Fast 800 Jahre lang wählten Barthold von Gadenstedts Ahnen
  288. ihre Partnerinnen oder Partner standesgemäß aus. In der Vergangenheit wurde immer unter Adelshäusern geheiratet,
  289. auch in unserer Familie. Und, ja ...
  290. Ich habe mich da nie so ... ... drin getümmelt, sag ich mal, in meiner Jugendzeit.
  291. Und ... Ohne Wertung sag ich mal, ich hab bürgerlich geheiratet.
  292. Der Lebensstil der von Gadenstedts: modern und fortschrittlich. Die Familie seit Generationen lebt in dem Dorf.
  293. Sie wollen sich einbringen. Zum Beispiel bei der Feuerwehr und im Gemeinderat.
  294. Ehrenamtlich engagieren wir uns immer noch. Wir sind hier verpflichtet im Ort, finde ich,
  295. wenn man hier ländlich wohnt und aus dieser familiären Tradition kommt. Dann dreht sich wieder alles um die Landwirtschaft.
  296. Der Raps braucht bald Dünger. Wie viel Stickstoff ist noch im Boden?
  297. Landwirtschaft ist ihre große gemeinsame Leidenschaft. Die haben die beiden ältesten der vier Söhne vom Vater geerbt.
  298. Philipp und sein Bruder Julius haben von klein auf mit angepackt auf dem Hof.
  299. Dass traditionsgemäß nur Philipp als ältester Sohn den Hof erben und bewirtschaften darf, um diesen als Ganzes zu erhalten:
  300. Das war für Julius anfangs nicht leicht. Natürlich fragt man sich:
  301. Wieso ist es in der Tradition so, dass der Erste es weitermacht, wenn der Zweite gegebenenfalls genauso viel Ambitionen mitbringt?
  302. Natürlich war das auch immer Thema. Ein Zufall hilft ihnen, eine gute Lösung zu finden:
  303. Ein Bekannter sucht einen Partner für die Bewirtschaftung eines Klosterguts.
  304. Julius nimmt das Angebot an. Nun kann ich nicht den heimischen Betrieb fortführen.
  305. Aber für mich ist es umso schöner, dass ich die Möglichkeit habe, meine Liebe zur Landwirtschaft als aktiver Landwirt fortzuführen.
  306. Mit meinem Kompagnon gemeinsam. Da ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen.
  307. Es gibt eine Sache, die die Familie von Gadenstedt weiterhin gemeinsam macht.
  308. * Motor rattert * Ein ganz spezielles Hobby.
  309. Das Gut Gartow im Wendland. Hier lebt Fried Graf von Bernstorff mit seiner Frau,
  310. Catharena Gräfin von Bernstorff, und ihren drei Kindern. Das Schloss und den Grundbesitz
  311. hat er vor zehn Jahren von seinen Eltern übernommen. Dazu gehören auch zwei Ferienwohnungen.
  312. Die vermieten sie jetzt gemeinsam. Das Schränkchen wollte ich so haben, darum hängen die Bilder so.
  313. Wenn man durch die Tür guckt ... Wollen wir das mal so hinschieben?
  314. Das haben die vielleicht wegen der Reinigung weggestellt. Viele Stammkunden kommen immer wieder.
  315. Ich glaube, das passt ins Konzept, dass wir einfach den Platz haben und den Leuten die Möglichkeit geben, das am Wochenende zu erleben.
  316. Die Grafen wollen in den Ferienwohnungen den historischen Charme des Guts erhalten.
  317. Hier sind extreme Sachen passiert in den letzten 300 Jahren: Zwei Weltkriege, es gab den Dreißigjährigen Krieg.
  318. Hier stand früher eine Burg, die hat das nicht überstanden. Die war dann kaputt.
  319. Als mein Vorfahre hierhin kam und eben das Schloss gebaut hat und die Burg abreißen musste.
  320. Der Vorfahre des Grafen war Andreas Gottlieb von Bernstorff. Damals Minister beim Kurfürsten von Hannover,
  321. dem späteren König Georg I. von England. Andreas Gottlieb von Bernstorff erwarb Gartow im Jahr 1694
  322. und begann kurz danach mit dem Bau des Schlosses. Seit mehr als 300 Jahren ist darin die Familie von Bernstorff zu Hause.
  323. Catharena und Fried von Bernstorff wollen mit den Ferienwohnungen das Gut für Besucher öffnen.
  324. Das Schloss, in dem sie wohnen, dagegen nicht. Wir öffnen uns, aber wir machen uns Gedanken:
  325. Was wollen wir öffnen? Dann müssen wir auch ein Angebot zur Verfügung stellen.
  326. Wir wollen nicht, dass jemand durch unsere Fenster guckt, wo dann unsere Kinder am Tisch sitzen.
  327. Der Garten nahe der Kirche. Hier kann die Familie mal unter sich sein.
  328. Er ist durch hohe Mauern vor neugierigen Blicken geschützt. So, das muss aber nachher passen.
  329. Dann nehmen wir noch weiß, oder? Das ist ein barocker Küchengarten,
  330. der wurde zur selben Zeit wie die Kirche gebaut. Also kurz nach dem Schloss.
  331. Der wurde für die Familie angelegt, um hier Obst und Gemüse anzubauen. Und für die Mitarbeiter, die auf dem Schlosshof wohnen.
  332. Heute ist es ein Rückzugsort. Das Ehepaar macht sich viele Gedanken darüber,
  333. wie sie das Schloss, das Gut, die Landwirtschaft und den Forst, fit machen für die Zukunft.
  334. Sie wollten dabei von Anfang an ihren eigenen Weg gehen. Ohne seine Eltern außen vor zu lassen.
  335. Am Anfang, wenn es eine Generationen-Übergabe gibt, gibt es erst mal verschiedene Sichtweisen.
  336. Das ist auch ganz normal. Reibungen. Auch Reibungen. Da einen Modus zu finden, dass man im Gespräch bleibt
  337. und sich auch Anregungen holt und Meinungen einholt. Das haben wir sehr gut gemacht.
  338. Deine Eltern waren skeptisch am Anfang. Zum Beispiel bei der Umstellung der Landwirtschaft auf Bio.
  339. Und jetzt sind sie schon auch stolz. Wie schwer es ist,
  340. ein Erbe zu bewahren und Neues auf die Beine zu stellen: Das zeigt sich am Beispiel dieses 300 Jahre alten Kornspeichers.
  341. Der stand kurz vor dem Verfall. Das wollten Catharena und Fried verhindern.
  342. Eine schwierige Aufgabe. Bei der Landpartie auf Schloss Bückeburg
  343. ist gleich eine Fashion-Show. Stargast: Prinzessin Lilly zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg.
  344. Doch die hat noch leichte Orientierungsprobleme. Ich hab mich selbst verlaufen.
  345. Immerhin: Die Prinzessin hat etwas gefunden, was sie präsentieren kann. Kein komplett neues Outfit, aber immerhin einen neuen Hut.
  346. Nicht der einzige in ihrer Sammlung. Ich habe einen Reise-Hut,
  347. den habe ich vor 100 Jahren geschenkt bekommen. Mit dem Hut reise ich immer.
  348. Wenn ich mit dem Hut reise, bekomme ich immer in Upgrade, die Leute sind nett zu mir, die Zöllner schicken mich durch.
  349. Bei der Fashion-Show präsentiert ein Modemagazin aktuelle Trends. Ein prominenter Gast, wie die Prinzessin,
  350. zieht zusätzlich Zuschauer. Prinzessin Lilly zu Sayn-Wittgenstein
  351. ist vorgestern aus New York gekommen. Und als Erstes über den Markt gegangen, um zu gucken, was gibt es.
  352. Ich hatte noch andere Termine, aber das wollte ich mir nicht entgehen lassen.
  353. Hier gibt es immer was Spezielles. Ich hab an vielen Orten gelebt, es gibt immer etwas, wo ich ...
  354. Ah, die Kreditkarte. (angestrengt) Ah, oh. Dann muss es doch sein.
  355. * Lachen * Ganz, ganz toll. Pretty woman.
  356. Prinzessin Lilly ist hier in ihrem Element. Sie ist gelernte Schneiderin.
  357. Hat für renommierte Mode– und Schmuckmarken gearbeitet. Vor zwei Jahren hat sie mit einem Partner eine Firma gegründet,
  358. vermittelt internationale Luxusmarken an Hotels und Immobilien-Projekte. Ich muss mich genauso finanziell unterhalten wie jeder andere auch.
  359. Ich habe 2014 hundertprozentig angefangen zu arbeiten. Man denkt immer,
  360. die Prinzessin ist mit 'nem Silberlöffel im Mund geboren. Petra hat mir meinen Hut verkauft.
  361. Ich wollte nicht, aber mir war so warm in der Sonne. Da bin ich sofort hin.
  362. Petra zog ihn raus, ganz unten. Es war der einzige in meiner Größe.
  363. Die hat es sofort gesehen. Bei der Landpartie auf Schloss Bückeburg
  364. präsentieren sich 220 nationale und kleine, regionale Aussteller. Die Prinzessin nutzt ihren Namen, ihren Status
  365. gern für karitative Zwecke. Adel verpflichtet: Das ist so ein statischer Ausdruck.
  366. Das muss jeder für sich definieren. Ich weigere mich gegen alles, was so eine Schlussfolgerung hat ...
  367. ... oder einen einengt. Das muss aus dem Herzen kommen.
  368. Ich bin dankbar, dass ich mit Gedankengut groß geworden bin, was mich dazu animiert, mich in die Gesellschaft einzubringen.
  369. Noch ein Gruppenfoto mit dem Ex, Fürst Alexander, dann hat Prinzessin Lilly frei.
  370. Und endlich mal Zeit, die Landpartie in aller Ruhe zu genießen. Auf der Schelenburg im Osnabrücker Land ist Jagd-Tag.
  371. Trotz null Grad und Schneeregen. Alexa und Paulina sind die Töchter eines Freundes
  372. von Joachim Kellermann von Schele. Die nimmt er mit in sein Revier.
  373. Ich fahr voraus. Für heute ist der Plan,
  374. dass wir zwei Wanderpfade des Rehwilds mal beobachten. Wir wollen sehen, was zurzeit im Revier ist.
  375. Auf der anderen Seite können wir vielleicht das eine oder andere schöne Stück erlegen.
  376. Jagen ist seine große Leidenschaft. Und die gibt er gern an Jüngere weiter.
  377. So. Das ist alles perfekt.
  378. Dann kann ich dich schon mal ausstatten, Paulina. Und zwar ist es ja so:
  379. Wenn man mal hier schaut ... Diese Waldecke kennst du ja. Ja.
  380. Da ist noch eine Leiter. Da ist der Wildwechsel.
  381. Paulina bekommt zuerst einen Hochsitz zugewiesen. Sie ist durch ihre Eltern zur Jagd gekommen.
  382. Kennt Joachim Kellermann von Schele schon lange. Man muss sagen:
  383. Joachim hat uns früh an die Hand genommen. Dadurch hab ich nicht das Klischee von älteren, weißen Jagdmännern
  384. nie erlebt. Joachim hat uns gesagt:
  385. "Willkommen, ihr könnt keine Fehler machen. Aus Fehlern lernt man." Paulinas Schwester Alexa bekommt noch einen Hochsitz am Waldrand zugeteilt.
  386. Hier oben ist es wirklich rutschig. Nicht zu viel Krach machen.
  387. * Klicken * * Klicken * Okay.
  388. Damit ist die Waffe geladen und gesichert. Ja. Okay, perfekt.
  389. Gut, dann kannst du ... Ich würde an deiner Stelle auch nach links und rechts rausschauen
  390. und mal sehen, was für Bewegung da ist. Und ...
  391. Und ja, dann musst du sehen und warten, ob was passiert. Dass sich zwei junge Frauen ohne Adelstitel,
  392. für die Jagd begeistern, ist nichts Besonderes mehr. Bis Mitte des 19.Jahrhunderts dagegen war Jagd ein Privileg des Adels.
  393. Alle meine Vorfahren sind auf Jagd gegangen. Das gehörte früher unbedingt dazu.
  394. Es gibt unzählige Trophäen, die auf dem Dachboden schlummern. Das spiegelt die Jagdbegeisterung der Generationen wider.
  395. Aber heute ist es nicht mehr dieser Aspekt, der Jäger zur Jagd zieht, dass man gesellschaftlich dazugehören möchte.
  396. Und vielleicht Kontakte knüpfen möchte zu adligen Besitzungen. Die Jagdbegeisterung hat heute andere Motive.
  397. Das ist nicht mehr wie früher, dass Adlige unter sich blieben. Joachim Kellermann von Schele streift gern durch seinen Wald,
  398. durch sein 500 Hektar großes Revier. Er verdankt es einer jahrhundertalten Erbfolge.
  399. Ein Privileg. Das ist mit Verantwortung verbunden.
  400. Diese Verpflichtung beruht auf der Vorgeschichte der Familie hier an diesem Standort.
  401. Aus dieser Verpflichtung leite ich ab, dass ich diesen Besitz in die Zukunft führe.
  402. Er und seine Frau haben selbst keine Kinder. Wie geht es weiter mit der Schelenburg und den Ländereien?
  403. Das ist kein Problem, Nachfolger gibt es immer. Das war auch in der Vergangenheit so.
  404. Unsere Familie ist ja schon 900 Jahre hier. Und innerhalb dieser 900 Jahre gab es x-mal solche Fälle,
  405. wo Kinderlosigkeit in der Eigentümerfamilie herrschte. Dann wurde der Besitz trotzdem in der Familie weitergegeben.
  406. Die Jagd geht an diesem Tag ohne Beute zu Ende. In Gartow, im Wendland,
  407. dreht sich an diesem Tag alles um diesen alten Kornspeicher. Gebaut vor fast 300 Jahren, am Rand des Schlosses.
  408. Den Speicher wollen Gräfin Catharena und Fried Graf von Bernstorff im Rahmen einer Feierstunde neu eröffnen.
  409. Als Kunst– und Veranstaltungszentrum. In einer Stunde kommen die Gäste.
  410. Für das Paar noch etwas Zeit für einen Kontrollgang. Auch in die Küche.
  411. Es ist immer auf den letzten Drücker. Da kannst du machen, was du willst.
  412. Man kann alles planen, zuletzt geht was schief. Gestern wurde die letzte Schraube gesetzt.
  413. Nee, ich glaube heute. * Lachen *
  414. Aufgang zur oberen Etage. Wo früher Korn lagerte, ist jetzt viel Platz für Kunstausstellungen.
  415. Zur Eröffnung gibt es eine Videoinstallation mit dem Titel: Walking on Water.
  416. Das Thema: die Verschmutzung der Meere. 1727 wurde der Zehntspeicher gebaut,
  417. so wird der Kornspeicher auch genannt. Und 250 Jahre lang, bis 1965,
  418. von den Gräflich Bernstorffschen Betrieben genutzt. Wir haben viele Denkmäler in unserer Obhut.
  419. Da haben wir gemerkt: Man braucht immer eine Nutzung, wo bestenfalls was bei rumkommt,
  420. wo Einnahmen generiert werden. Dann kann man die Gebäude erhalten.
  421. Ansonsten hätte es leer gestanden und wäre in sich zusammengefallen. Jetzt bin ich noch sehr gespannt,
  422. wenn jetzt alle Leute kommen, die ganzen Förderer ... Und die Leute aus dem Dorf.
  423. Viele kennen ja den Zehntspeicher, aber im vorherigen Zustand. Die Gäste, Förderer, Freunde, Dorfbewohner, trudeln ein.
  424. Das alte Gebäude füllt sich mit Leben. Wir sind dankbar und glücklich.
  425. Nach über zehn Jahren ist es gelungen, den Zehntspeicher zu sanieren und sein Potenzial zur Geltung zu bringen.
  426. Ich erhebe darauf mein Glas. * Applaus *
  427. ♪ Ruhige klassische Streichmusik ♪ ♪ Ruhige klassische Streichmusik ♪
  428. Catharena und Fried von Bernstorff wollten den alten Speicher unbedingt retten.
  429. Mithilfe von Eigenmitteln, Spenden und durch eine Förderung des Landes Niedersachsen haben sie es geschafft.
  430. Alle waren ganz begeistert und es funktioniert auch einfach, hier Kunst auszustellen.
  431. Ich bin dankbar und auch froh. Dieser Tag, auf den wir so lange hingearbeitet haben,
  432. geht jetzt langsam zu Ende. Jetzt können wir genießen und loslassen.
  433. Der Ort Gartow im Wendland ist um eine Attraktion reicher. ♪ Ruhige klassische Streichmusik ♪
  434. Für Familie von Gadenstedt ist ein besonderer Tag. Es geht nicht mit dem Trecker aufs Feld,
  435. sondern historische Zugmaschinen stehen im Mittelpunkt. Ihre große Leidenschaft.
  436. * Motor startet und rattert * Die bringen die Männer endlich mal wieder ins Rollen.
  437. Wir fahren zu Julius nach Wöltingerode. Da ist heute Hoffest.
  438. Julius ist da Mitveranstalter. Da packen wir einen Großteil unseres Alteisens auf.
  439. * Motor rattert * Für die schwere Raupe, Baujahr 1950,
  440. ist der Weg für eine Fahrt auf der Straße zu weit. Sie muss verladen werden.
  441. Dass mit solchen Zugmaschinen einmal die Ernte eingeholt wurde: Für die Jungs der von Gadenstedts heute nur noch schwer vorstellbar.
  442. Man merkt, wie die Arbeit war. Es ging nicht so schnell.
  443. Es war Arbeit mit Muskelkraft. Es war laut, ohne Kabine, keine Klimaanlage.
  444. Noch mal in alte Zeiten zurückversetzt. Der Vater von Barthold und Großvater der Jungs hat mit genau dieser Raupe
  445. noch bis in die 70er-Jahre die Ernte eingeholt. ♪ Entspannte Instrumentalmusik ♪
  446. Zweieinhalb Stunden Fahrt liegen jetzt vor den von Gadenstedts und ihrer Oldtimer-Kolonne.
  447. Auf dem Klostergut Wöltingerode bei Goslar. Hier findet jedes Jahr das Hoffest "Wölti unter Dampf" statt.
  448. Mit rund 10.000 Besuchern und Fans historischer Landmaschinen. Und auf diesem Klostergut ist Julius von Gadenstedt,
  449. der zweitälteste Sohn, Landwirt. Dass wir den Pflug abladen und hier rauffahren können
  450. und dann stellen wir alles untern Schauer. Normalerweise machen die Jungs längst ihr eigenes Ding.
  451. Die Hanomags führen sie immer wieder alle zusammen. Von klein auf sind sie mitgefahren, haben Anteil daran genommen.
  452. Nachdem jeder den Traktor-Führerschein hatte, ist er selber gefahren.
  453. Heute ist das Highlight, dass alle vier Traktor fahren können.
  454. Der letzte hat mit 16 den Führerschein gemacht. Traditionen wahren,
  455. aber dabei die Gegenwart und die Zukunft im Blick behalten: Nicht immer leicht.
  456. Die von Gadenstedts haben ihren Weg gefunden. Wie auch viele andere adelige Familien in Niedersachsen.
  457. Copyright Untertitel: NDR 2024

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