Niedersachsens Adel: Prinzessinnen, Grafen und Schlösser | die nordstory | NDR Doku NDR Doku https://www.youtube.com/watch?v=GsakDfk8w0Y Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2024 Sie leben in Burgen und Schlössern - oder ganz modern: 0:07 Adelsfamilien in Niedersachsen. Sie wollen jahrhundertealte Traditionen bewahren 0:21 und müssen an die Zukunft denken. Das Ehepaar Kellermann von Schele lebt in einem Wasserschloss, 0:28 das 900 Jahre alt ist. Man wundert sich: Es gibt immer was zu tun. 0:35 Bei Familie von Gadenstedt im Landkreis Hildesheim ist der Generationswechsel voll im Gange. 0:42 Man hat Meinungsverschiedenheiten. Manchmal hat der Alte recht. 0:49 Prinzessin Lilly zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg versucht auf Schloss Bückeburg, ihren eigenen Weg zu gehen. 0:57 Wir müssen uns weiterentwickeln, müssen mit der Zeit gehen. Catharena Gräfin und Fried Graf von Bernstorff 1:05 bewirtschaften im Wendland einen riesigen Wald. Unter schwierigen Bedingungen. 1:12 Das ist die Herausforderung: Mit der Geschwindigkeit der Klimaveränderung 1:17 müssen wir den Wald verändern. Das Wasserschloss Schelenburg im Osnabrücker Land, 1:28 erbaut im elften Jahrhundert. Es ist eines der ältesten Wasserschlösser in Niedersachsen. 1:36 Und es ist das Zuhause von Dorothee Kellermann von Schele und ihren Mann Joachim. 1:45 Komm her! Regelmäßig begutachten sie ihr Schloss 1:49 von allen Seiten auf Schäden, mithilfe eines Fernglases. Da ist eine kleine Kante drin. Das ist eine Belüftungsöffnung. 2:00 Ich hab natürlich kein Fernglas. Aber oben am First fehlt eine. 2:07 Ohne Fernglas geht's grundsätzlich nicht, nein. Die Distanzen sind zu groß. 2:13 Details kann man auch nur mit einem starken Fernglas abbilden. Nur dann kann man sich vergegenwärtigen, 2:21 ob wirklich ein Reparaturbedarf besteht. Vielleicht ist auch nur eine kosmetische Reparatur nötig. 2:30 Alle paar Wochen drehen die Kellermann von Scheles ihre Runde. 2:35 Irgendetwas fällt ihnen immer auf. Ich glaube, man muss schon auf den Fenstersims steigen, 2:42 um dieses Weiße runterzuschrubben. Das musst du machen. 2:47 Das Braunrot, was wir haben: Ob das taugt? Sonst nehmen wir das Rot für die Fensterläden. 2:54 Das wäre auch ganz sinnvoll. Wir sind jetzt zum Beispiel gerade dabei, 3:01 die Holztore und Türen zu streichen. Und wir streichen die Klappen, die die oberen Fenster verschließen. 3:10 Man kommt rum und wundert sich: Da ist noch eine Klappe, da ist noch ein Fensterladen. 3:16 An der Stelle wird man aufmerksam, wie viele Tore und Fenster es tatsächlich sind. 3:24 Das Wohnzimmer von Dorothee und Joachim liegt im zweiten Stock. 3:30 Hier wirkt alles ein bisschen so wie in einem Museum. Und auch hier gibt es immer wieder etwas zu reparieren. 3:39 Wie diesen dicken Riss in der Wand. Das ist 'ne Maßnahme, die ansteht. 3:44 Dann müssen wir nachdenken, wie es hinterher aussehen soll. Ich wäre dafür, dass es so ähnlich bleibt. 3:51 Andernorts sind Anstriche nötiger. Hier wäre es einfach darum zu tun, dass der Riss ausgebessert wird. 4:02 Die Politikwissenschaftlerin und der Land- und Forstwirt sind nach der Heirat vor 30 Jahren in das Schloss gezogen. 4:09 An den Wänden: die Vorfahren von Joachim Kellermann von Schele. 1396 heiratete ein gewisser Rabodo von Schele 4:18 die Tochter des Burgbesitzers. Vorher hatte er die Burg belagert. 4:23 Seitdem lebt die Familie in der Schelenburg. Ich habe zwei Schwestern. 4:30 Meine Mutter war die Eigentümerin. Ich wurde von ihr mit diesem Erbe sozusagen ... 4:37 ... äh, ja ... Betraut. ... betraut. Ja. 4:41 Ich habe das juristisch schon angetreten, als ich 18 Jahre alt war. 4:48 Als junger Mann wollte Joachim eigentlich mal weg von hier. Eine Idee: 4:53 Nach der Wende wollte er als Landwirt in die neuen Bundesländer. Aber eine Burg zu erben, ist eben auch eine Verpflichtung. 5:01 Das hätte für mich bedeutet, dass ich dieses Haus alleingelassen hätte. 5:06 Ich habe dann gesagt: Ich bleibe hier und ich versuche, 5:10 den Betrieb so gut wie möglich zu führen. Und nebenbei behalte ich auch noch das Haus im Auge. 5:17 Nur wenn man so ein Haus bewohnt, kann man es auch erhalten. Wir haben beschlossen, 5:23 dass man gemeinsam so ein Projekt angehen kann: Hier zu wohnen. 5:28 Sich darum zu kümmern. Manches zu renovieren und zu modernisieren. 5:33 Den Raum, in dem wir jetzt gerade sind, haben wir aber auch so belassen, wie er ist. 5:38 Sie sehen eine Tapete von 1807: Hier ist seit 1807 nicht mehr tapeziert worden. 5:44 Doch die Kellermann von Scheles bewohnen nur einen Teil der Burg. Was fangen sie eigentlich mit dem Rest an, 5:52 mit den vielen Zimmern und Sälen, den Nebengebäuden und Stallungen? Sie wohnt in einem noch größeren Schloss. 6:04 Marie-Louise Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Kurz: Prinzessin Lilly. 6:11 Sie lebt im Schloss Bückeburg, der Stammsitz der Fürstenfamilie zu Schaumburg-Lippe. 6:19 Hallo, meine Liebe. Geht's dir gut? Lebst du noch? Ja, geht wieder. 6:24 Ich freu mich sehr. Wenn wir so weitermachen wie gestern ... 6:28 Irgendwas läuft falsch. Es ist gut, es ist alles im Flow. Alles passt. 6:38 An diesem Wochenende ist Landpartie auf Schloss Bückeburg. Einmal im Jahr findet das große Fest statt - 6:46 mit Musik, Mode, Kunst. Und natürlich mit gutem Essen und Getränken. 6:54 In diesem Jahr heißt das Motto: unterwegs in Portugal. Weit kommt Prinzessin Lilly nicht an diesem Tag. 7:01 Hier kennt sie fast jeder. Meine sind schon so groß. Es geht so schnell. 7:07 Ist es das Erste? Nein, das Zweite. Dabei will sich die Prinzessin nur ein neues Outfit zulegen. 7:15 Für eine Fashion-Show am Nachmittag, bei der sie Gast ist. Hallo. Alles gut? Ja, alles gut. 7:26 So schicke Outfits hier ... Was habt ihr denn für mich? 7:32 Ganz klassisch. Der Witz ist: 7:34 Ich werde ja immer klassischer, nach zehn Jahren Modewelt. Erst einen Tag vor der Landpartie ist sie aus New York zurückgekommen, 7:44 ihrem Zweitwohnsitz. Ganz großes Highlight. 7:50 Ich bin extra zurückgekommen. Das ist so eine schöne Atmosphäre. 7:55 So viel Leben im Haus, so viele nette Menschen. Jeder freut sich, hier zu sein. 8:01 Häuser müssen gelebt werden. Sie müssen gezeigt und geliebt werden. 8:06 Das muss sich weiterentwickeln. Deshalb existieren diese Häuser schon so lange. 8:12 Sie haben sich immer weiterentwickelt. Ich bin dankbar dafür, dass die Menschen das annehmen 8:18 und sich freuen herzukommen. Selfie? 8:27 Extra aus Portugal hier gekommen. Echt? Ja. Portugues? Portugues, sim. Aus Algarve. 8:33 Aus Algarve - wie schön! Prinzessin Lilly kommt kaum voran. 8:39 Sie wird immer wieder angesprochen. Sie genießt das. 8:44 Es gehört für sie zur Landpartie einfach dazu. Hier, mein Nachbar. (lacht) Hallo. 8:57 Ich leb seit 17 Jahren mehr oder weniger im Ausland: Zwischen Italien, der Schweiz, Österreich, New York, London. 9:05 Klar kennt einen da keiner. Es ist sehr anonym, da baut man sich seine eigene Community. 9:12 Ich bin auf der ganzen Welt inkognito. Wenn ich nach Bückeburg komme, ist es wie nach Hause kommen: 9:17 Das Schönste ist, durch die Stadt zu laufen, alte Freunde zu treffen. 9:23 Das ist für mich existenziell wichtig. Ich bin ein Mensch, der Familie braucht. 9:30 In Bückeburg sind wir ein bisschen auf der Insel der Seligen. Ein Outfit für die Fashion-Show am Nachmittag 9:38 hat die Prinzessin noch immer nicht gefunden. Viel Zeit bleibt bis dahin nicht. 9:47 Auf dem Hof der Familie von Gadenstedt in Bockenem soll an diesem Tag Weizen geerntet werden. 10:03 Philipp von Gadenstedt ist der älteste Sohn der Familie. Der Erbe des Hofes macht den Mähdrescher bereit. 10:21 Seine Eltern sind schon auf dem Feld: Bartold und Anke von Gadenstedt. 10:28 In den letzten Tagen hat es immer wieder geregnet. Gestern ging das hier nicht mehr. 10:33 Mal sehen, wie sich das hier entwickelt hat heute Morgen. Noch ist nicht sicher, ob überhaupt geerntet werden kann. 10:42 Das ist schon deutlich abgetrocknet. Mit dem Säubern des Mähdreschers ist Philipp fast fertig. 10:52 Das Wetter ist unbeständig. Deswegen sind wir dieses Jahr ein bisschen unter Zeitdruck. 11:00 Wir versuchen, jedes Erntefenster zu nutzen. Und wenn es nur ein paar Stunden am Tag sind, die wir ernten können. 11:08 Wir ernten auch nasses Getreide. Wir haben 'ne eigene Trocknung. 11:12 Wir trocknen dieses Getreide, um die Qualitäten zu sichern. Das stellt uns vor Herausforderungen. 11:19 Jetzt hängt alles vom Test auf dem Feld ab. Ich nehme jetzt mal 'ne Probe. 11:32 Eine erste grobe Einschätzung kann ich machen, indem ich das mitm Mund nehme. 11:39 Trocken ist es nicht. Aber ich denke, wir werden dann losfahren. 11:47 Bartold von Gadenstedt entscheidet: Es wird geerntet. ♪ Ruhige Instrumentalmusik ♪ 12:08 Sie haben Gewitter angesagt. Aber wir versuchen es vor dem Gewitter. 12:13 Mal sehen, was runterkommt. Bei so 'ner Maschine drehen sich viele Wellen. 12:18 Da sind Keilriemen und Messer und Haspeln. Es kann immer was kaputtgehen. 12:25 Wir hoffen heute, dass die Maschine gut durchhält. Der Forst rings um das Gut Gartow im Wendland: 12:40 Mit 5700 Hektar ist er eines der größten Waldgebiete Norddeutschlands. Und gehört ihm: Fried Graf von Bernstorff. 12:50 Mehrere Förster sind zuständig für die Bewirtschaftung. Einer von ihnen ist Ulrich von Mirbach. 12:57 Der stimmt sich regelmäßig mit dem Grafen darüber ab, was gepflanzt werden soll. 13:03 Ungefähr 30 bis 40 Prozent Laubholz hier reinbringen. Und dann eben aber auch Nadelbaumarten mit Zukunft. 13:12 Dazu gehören eben auch Baumarten wie Douglasie, Küstentanne. Bisschen Lärche auf lichteren Stellen. 13:21 Fried Graf von Bernstorff setzt auf naturnahe Waldwirtschaft. Er muss Probleme bewältigen, 13:28 die seine Vorgänger so noch nicht kannten. Das ist unsere Herausforderung. 13:37 Mit der Geschwindigkeit, mit der sich das Klima verändert, müssen wir es schaffen, den Wald zu verändern. 13:46 Ich habe die Hoffnung, dass uns das gelingt. Man kann Baumarten dazu bringen, 13:53 die mit weniger Feuchtigkeit, Niederschlag zurechtkommen. Was jahrhundertelang die Holzfäller in Handarbeit erledigen mussten, 14:04 schafft heute der Harvester in wenigen Minuten. Ich bin immer wieder begeistert, wenn ich sehe, 14:12 wie der Fortschritt mit diesen Maschinen funktioniert. Minimaler Schaden bleibt zurück. 14:18 Es funktioniert sehr gut zusammen mit unserem naturgemäßen Waldbau. Und schon bald soll es hier im Wald noch technischer werden. 14:28 Fried Graf von Bernstorff will Forstwirtschaft digitaler machen. 30 Generationen haben bei Osnabrück im Wasserschloss Schelenburg gelebt, 14:43 mehr als 900 Jahre lang. Zur Burg gehören Gräben, Nebengebäude und Stallungen. 14:50 Dazu kommen auch noch 500 Hektar Land. Dorothee Kellermann von Schele kümmert sich mit ihrem Mann darum. 14:58 Die Landwirtschaft hat sich stark verändert. Dadurch ist Platz entstanden für Neues. 15:04 Zum Beispiel eine Pony-Zucht. Das ist der Kuhstall gewesen. 15:11 Es gibt seit den 50er-Jahren in Schelenburg keine Kühe mehr. Das war lange vor der Zeit, zu der ich hergekommen bin. 15:19 Die Kühe waren schon abgeschafft. Und ich hab den Stall hier im Jahr 2012 eingerichtet. 15:28 Seitdem habe ich meine Zuchtstuten hier stehen. Das Klima vom Stall ist gut. 15:34 Er hat 'ne tolle Luft, 'ne hohe Raumhöhe. Insofern ist es heute ein exzellenter Ponystall. 15:44 Die letzte Fohlengeburt und die ersten zaghaften Schritte hat Dorothee Kellermann von Schele mit dem Handy gefilmt. 15:53 Mit ihrer Pony-Zucht hat sie eine Tradition wiederbelebt. Hier hat es in der Zeit vor mir natürlich schon Pferde gegeben. 16:06 Allerdings waren die für den Acker und den Wald da. So habe ich überlegt, dass eine Zucht hier möglich ist. 16:16 Wir haben den Platz dafür und die Umgebung, in der die Ponys sich wohlfühlen. 16:26 Der Ernteeinsatz der Familie von Gadenstedt ist vom drohenden Gewitter bislang verschont geblieben. 16:40 Damit die Mittagspause nicht zu lang wird, wird auf dem Feld gegessen. So haben es schon ihre Vorfahren gemacht. 16:47 Früher war es so Usus, Vesper aufm Feld zu machen. Und das hat sich bis heute irgendwie so gehalten. 16:58 Die Wurzeln der Familie von Gadenstedt reichen bis ins zwölfte Jahrhundert zurück. 17:04 Ihre Vorfahren stammen von einem Rittergut in der Nähe von Peine. 1889 wurde der Stammsitz hierher, 17:10 nach Volkersheim im Landkreis Hildesheim, verlegt. Wie jahrhundertelang üblich, 17:17 wird das Gut innerhalb der Familie weitervererbt. Von Vater Bartold zu Sohn Philipp. 17:24 Die Entscheidungen treffen wir gemeinsam. Aber aus der Erfahrung heraus führe ich die schon so ran. 17:31 Manches Mal, wenn wir anfangen zu mähen: Ich sag, jetzt müssen wir mähen oder wir warten noch 'ne Stunde. 17:37 Letzte Woche hat es mal ein bisschen geregnet, da wollte er nach Hause fahren. 17:42 Da habe ich gesagt: Nein, wir warten eine Stunde. Dann ging's auch wieder. 17:47 Die Erfahrung sammeln die noch. Klar hat man auch mal Meinungsverschiedenheiten. 17:53 Aber da stimme ich mich mit meinem Vater immer ganz gut ab. Man muss auch mal nachgeben können, auch beide Seiten. 18:02 Klar, ich habe Innovationen oder neue Ideen, die ich in den Betrieb einbringe. 18:10 Aber das ist ja immer bei einem Generationenwechsel, dass frischer Wind wieder ins Unternehmen kommt. 18:18 Zwei Generationen, die sich verständigen müssen, was das Beste für den jahrhundertealten Betrieb ist. 18:25 Da zählt er auch auf die Erfahrung, weil er sieht: Manchmal hat der Alte doch noch Recht. 18:32 An diesem Tag funktioniert die Zusammenarbeit. Bartold und Philipp schaffen es, 18:37 das Feld noch vor dem Gewitter komplett abzumähen. Der Generationenwechsel ist für die von Gadenstedts 18:45 trotzdem kein einfaches Thema. Schließlich gibt es in der Familie drei weitere Söhne. 18:50 Mit großer Leidenschaft für Landwirtschaft. Das müssen sie lösen, ohne die Tradition zu missachten. 19:03 In Gartow im Wendland - im Wald - warten Fried Graf von Bernstorff und seine Förster auf eine besondere Präsentation. 19:12 Eine Firma hat ein Programm entwickelt, mit dem die Forstwirtschaft digitaler werden kann. 19:17 Heute wollen wir uns mal angucken, wie die Welt von morgen im Wald aussehen könnte. 19:23 Im Moment haben wir ja so eingelaufene Strukturen. Das Holz wird eingemessen, aufgeschrieben. 19:31 Jetzt wollen wir mal Rolf fragen, wie es anders gehen kann. Ihr hattet gesagt, das hier ist Abteilung 148. 19:40 Das kann man hier sehen auf der Karte. Die Punkte hier sind die Holzpolter. 19:50 Das heißt, die Daten werden eingegeben? Ich vermesse das Holz und sehe: So und so viel liegt hier. 19:57 Genau, das kann man sich dann anzeigen lassen. Fried Graf von Bernstorff möchte seine Forstwirtschaft 20:04 zukunftsfähig machen. Mit der passenden Technologie. 20:08 Für die Bewirtschaftung setzt er auf Innovationen. Zukünftig sollen gefällte Bäume per Tablet abgemessen werden. 20:16 Dann kann ich sagen: Foto erzeugen. Die Information kann dann der Logistik-Unternehmer bekommen 20:27 und sieht dann, so sieht der Polter aus. Das Bild ist gespeichert auf dem Server. 20:32 Jeder, der Zugriff hat - der Innendienst, der Waldbesitzer, der Förster, der Spediteur - hat diese Information. 20:40 Er kann sehen, das ist das Polter, mit der Nummer, mit dem Bild und den Ausprägungen. 20:47 Es passt ganz gut. Für die naturgemäße Waldwirtschaft muss man sich anders beschäftigen, 20:53 als wenn ich den Wald wie 'n Schachbrett bewirtschafte. Je mehr Bürokratie mir die Technik abnimmt, umso mehr habe ich Zeit, 21:02 mich mit waldbaulichen Fragen, mit Strategie zu beschäftigen. Das ist eigentlich 'ne schöne Möglichkeit, das zu haben. 21:13 Das Verwaltungsgebäude der Gräflich Bernstorffschen Betriebe. Der eigentliche Arbeitsplatz von Fried Graf von Bernstorff. 21:22 Der 46-Jährige ist Eigentümer und Geschäftsführer. Hier ist das Zentrum, die Verwaltung, das Forstamt. 21:30 Hier haben wir regelmäßig Besprechungen mit den Förstern. Ich versuche auch immer wieder rauszukommen und zu sehen, 21:38 was im Wald passiert. Aber hier passiert die Strategie, die Überlegung, wo geht's hin. 21:46 Der Betrieb soll Gewinn erwirtschaften, soll die Mitarbeitenden und ihre Familien ernähren. 21:51 Und gleichzeitig – so will es ein Familienstatut von 1720 – soll der gesamte Besitz für kommende Generationen erhalten bleiben. 22:01 Was das in heutigen Zeiten bedeutet, hat schon sein Vater, Andreas Graf von Bernstorff, erlebt. 22:08 Jahrzehntelang tobt in den Wäldern rund um das Gut Gartow ein erbitterter Kampf. 22:13 Hey, Cop, schmeiß den Knüppel weg! Der Kampf um Gorleben um ein Endlager für radioaktiven Müll. 22:23 1978 will die Atomindustrie der Familie von Bernstorff für 26 Millionen Mark einen Teil ihres Waldes abkaufen, 22:31 darauf das Endlager errichten. Andreas Graf von Bernstorff verweist auf das Familienstatut. 22:40 Es verpflichtet ihn, seinen Besitz für kommende Generationen zu erhalten. 22:47 Ich habe mich entschlossen, dieses Angebot nicht anzunehmen. * Applaus * 22:53 An dieses Familienstatut fühlt sich auch Fried Graf von Bernstorff gebunden. 23:00 Der Kern von dem Familienstatut ist eigentlich, dass das Ziel ... .... sozusagen eines Besitzers, wie jetzt in dem Fall mir, ist: 23:11 Das, was einem anvertraut wurde, mindestens in dem Zustand an die nächste Generation, am besten noch in verbesserten Form. 23:20 Zum Beispiel mehr Vorrat, mehr Bäume im Wald oder mehr Humus im Boden ... Das ist eigentlich der Kerngedanke. 23:28 Dieser Satz ... ... dass man nicht für einen einzelnen Moment 23:34 die Zukunft aufs Spiel setzen sollte. Weil es jetzt gerade Spaß macht, in dem Moment zu denken, 23:42 ist egal, was morgen ist. Das finde ich sehr prägend, weil das vor 300 Jahren geschrieben wurde 23:48 und heute noch genauso passt. Und sie müssen nicht nur den Wald, sondern auch das Schloss 23:55 und die Ländereien in die Zukunft führen. Keine leichte Aufgabe. 24:07 Die Landpartie auf Schloss Bückeburg: Prinzessin Lilly zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg 24:13 ist noch auf der Suche nach einem Outfit für eine Fashion-Show. Verkaufsstände gibt es genug. 24:19 Das Problem: Die Prinzessin kommt im Gewühl kaum vorwärts. 24:24 Hallo, grüß dich! Hi. Wie elegant. Wo ist denn das her? 24:28 Steht dir wie 'ne Eins. Habt Spaß, ihr Lieben. Du auch. Mach's gut. 24:34 Die Geschichte des Schlosses Bückeburg und des Fürstenhauses Schaumburg-Lippe 24:38 ist Teil ihrer eigenen Lebensgeschichte geworden. Schließlich ist hier ihr Sohn Donatus geboren. 24:45 Mein Sohn war der erste Deutsche, der in die englische Militärschule gegangen ist - Sandhurst - und dann die Queen beschützt hat. 24:56 Ich habe einen Erben als Sohn, der irgendwann der verlängerte Arm der Geschichte ist hier. 25:02 Donatus und ich haben hier nicht immer gelebt. Er ist zum Teil mit mir in München und Mailand groß geworden. 25:10 Dennoch habe ich versucht, ihm das Verständnis und die Liebe für dieses Haus und seine Familiengeschichte weiterzugeben. 25:19 Und auch die Würde, aber auch die Verantwortung. Sodass er das für sich integrieren und annehmen kann 25:26 und es dann in die Neuzeit weiterbringen kann. Marie Louise Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg 25:34 wird in Stuttgart geboren. Als echte Prinzessin – ihre Familie gehört zum deutschen Hochadel. 25:40 1993, mit 20, heiratet sie Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe. Die beiden bekommen ihren Sohn Donatus. 25:48 Die Prinzessin hat ihren eigenen Stil, liebt Mode, Musik und Partys. Als sie und Fürst Alexander sich 2002 scheiden lassen, 25:57 zieht sie in die Welt. Engagiert sich für Charity-Projekte, 26:01 wird Marken-Botschafterin einer Schmuckfirma. 2022 tanzt sie bei der RTL-Show Let's Dance. 26:12 Vor allem Am Anfang, als ich mich entschlossen hatte, mich zu trennen, wurde das kritisch betrachtet zu dem Zeitpunkt. 26:22 Dann haben mir viele den Rücken zugewandt. Ich werde sicherlich für einiges, was ich so mache, belächelt. 26:31 2021, mitten in der Pandemie, kehrt Prinzessin Lilly zurück nach Bückeburg. 26:37 Hat seitdem im Schloss wieder eine Wohnung. Doch dauerhaft nur hier leben, 26:42 sich ums Schloss, die Forst und die Landwirtschaft kümmern: Das wäre nicht ihr Ding. 26:48 Sie reist viel um die Welt. Auch der Blick von außen auf sie hat sich verändert. 26:54 Ich bin Unternehmerin, eine selbstständige Business-Frau und das wird respektiert. 27:01 Eben auch oft bei den traditionellen Aristokraten ist wirklich das Verständnis da. 27:08 Wir müssen uns weiterentwickeln, wir müssen mit der Zeit gehen. Manchmal muss man dafür um die Welt reisen, 27:16 um dann zu verstehen, dass das Herz zu Hause ist. Aber man muss den Geist öffnen. 27:25 Ich habe hier immer wieder ein Zuhause gefunden. Uh, das sieht mir doch nach derselben Truppe von gestern aus. 27:36 Mensch, du bist auch wieder unter uns Lebenden. So halb. 27:41 Hallo. Hallo. Nice to meet you. * Klirren * Scherben bringen Glück, mein Alex. Alles gut. 27:49 Lilly, es gibt was zu essen. Nee, aber was zu trinken. Der Umgang mit Ex-Mann Fürst Alexander und dessen neuer Frau, 27:59 Mahkameh Fürstin zu Schaumburg-Lippe, ist unbekümmert und herzlich. Wir sind eine Familie, buchstäblich. 28:11 Wir sind so eng, dass wir gemeinsam Ferien machen. Wir reisen am liebsten gemeinsam. 28:18 Alle Kinder sind zusammen. Ich war Trauzeugin seiner Frau ... 28:26 ... bei seiner Hochzeit. Insofern ... ja ... 28:31 Sie ist wie eine Schwester für mich, Alexander wie ein Bruder. Es war lustig, ich sagte "unser Sohn" und meinte uns drei. 28:42 Wir sind eine Familie. Die Landpartie ist ein Familientreffen, 28:47 aber ganze Familie wohnt ja hier. Meine Ex-Frau wohnt hier, ihre Schwester mit Mann und Kindern, 28:55 mein Sohn wohnt hier im Hause. Deswegen ... 29:01 Im Grunde genommen eine Sippschaft - Familientreffen ist hier jeden Tag. Prinzessin Lilly 29:09 soll bei einer Fashion-Show als Gast auftreten. Etwas Passendes zum Anziehen hat sie noch nicht gefunden. 29:16 Die Zeit drängt. Der Festsaal der Schelenburg im Osnabrücker Land. 29:26 Hier soll an diesem Abend ein klassisches Konzert stattfinden. Ich hab mit Dr. Gleisner telefoniert. 29:34 Er rechnet mit 80. Da müssen wir noch Stühle holen. 29:38 Und vorne: Es sind zwei Ensembles, ein Vierer- und ein Zweier-Ensemble. 29:43 Die brauchen vier Meter Platz. Dorothee und Joachim Kellermann von Schele richten den Saal her, 29:50 müssen ausreichend Stühle bereitstellen. Versuch erst mal, mit sieben auszukommen. 29:56 Das geht doch schneller als gedacht. Na ja, noch sind wir nicht fertig. 30:02 Sie wollen dem Konzertveranstalter und den Gästen ihre Burg im besten Licht präsentieren. 30:08 Wir locken die Leute mit guter Musik und außergewöhnlichen Spielstätten. Wir sind auch so 'n bisschen dankbar dafür, dass er uns 30:19 auch wieder jetzt gebeten hat, hier ein Konzert auszurichten. Leben in einer Burg. 30:27 Das heißt für Kellermann von Scheles, ihren Besitz auch mal für Besucher zu öffnen. 30:35 Auch diesen kleinen Gästen zeigen sie gern ihr Wasserschloss. Hallo! Guten Morgen, Kinder! Morgen. 30:46 Eine Kindergarten-Gruppe ist zu Besuch. Wollt ihr was über die Burg hören? (Kinder) Ja. 30:53 Super. Und deren Namen kennt ihr vielleicht? 30:56 Schelenburg. Sehr gut! Hier war ich schon mal. Ja? 31:00 Ich auch. Ich auch. 31:02 Ihr seid ja auch Nachbarn hier. Wir haben links den alten Wehrturm, der aus dem Mittelalter ist. 31:09 Der ist schon 900 Jahre alt. Der da. Genau. Und dann, ungefähr ... 31:16 ... 500 Jahre später, hat man den Teil auf der rechten Seite gebaut. 31:20 Als das Mittelalter vorbei war und es die Ritter nicht mehr gab, hat man einen Teil gebaut, der mehr ein Schloss ist. 31:28 Wisst ihr, was man gemacht hat, um Feinde zu erkennen? Was macht man dann wohl? 31:37 Polizei rufen. Nee. 31:40 Was ist da im Türmchen? Wenn man relativ weit oben steht, kann man sehen, ob sich etwas tut. 31:48 Möchte jemand die Burg erobern? Das konnte man oben in den Türmchen machen. 31:57 Danach dürfen die Kinder endlich auch in die Burg. Über eine große Wendeltreppe geht es in die Bibliothek. 32:09 ♪ Muntere Instrumentalmusik ♪ Hier sind ungefähr 8000 Bücher untergebracht. 32:19 Hier gibt es Bücher vom 16., 17., 18. und 19. und 20. Jahrhundert. Die Mauern der Burg sind eineinhalb Meter dick. 32:32 Da ist auf dem Fenstersims viel Platz für die Kinder. Der Abend des Konzerts. 32:43 Der Festsaal füllt sich. Bis auf den letzten Platz. 32:50 Toll, dass es so eine große Resonanz findet. Das Wichtigste ist, dass sich alle wohlfühlen. 32:56 Auch die Künstler, das sind sensible Naturen. Das haben wir hingekriegt. 33:01 Wir freuen uns aufs Konzert. ♪ Erhabene Musik ♪ 33:11 Weitere Konzerte in der Schelenburg sind geplant. In Volkersheim macht Familie von Gadenstedt 33:21 einen Ausflug in die Familiengeschichte. Zum Schloss in der Ortsmitte. 33:26 Das ist die alte Eingangstür. Hier oben seht ihr das Crammsche Wappen. 33:32 Sehr schlicht, das ist dieses Schild mit den drei Lilien. 33:36 Einst gehörte das Schloss einer Familie von Cramm. Durch Heirat ging es an Vorfahren der von Gadenstedts über. 33:43 Die lebten hier von 1885 bis 1945. Zuletzt beherbergte das Schloss ein Seniorenheim. 33:52 Nun steht es leer. Hier seht ihr noch, das ist noch alles holzvertäfelt. 34:00 Die Decke, das ist noch alles ... Was war das früher? Das hier war Speisesaal damals. 34:05 Auch zu Opas Zeiten? Das war zu Opas Zeiten Speisesaal. Aber das ist auch der einzig erhaltene Raum hier. 34:19 Bis 1945 ist das Schloss Volkersheim der Lebensmittelpunkt der Familie von Gadenstedt. 34:25 Nach dem Krieg endet ihre Zeit hier. Bartholds Großvater Burghard fällt in Russland. 34:32 Seine Großmutter, Annina von Gadenstedt, sympathisiert mit dem Widerstand. 34:38 Sie wird von den Nazis ins Gefängnis gesteckt und stirbt kurz nach Kriegsende an den Folgen der Haft. 34:45 Die Kinder sind nun Waisen, müssen das Schloss verlassen. Dann wurde die Familie aus dem Schloss rausgeworfen, 34:52 weil das hier amerikanisches Quartier wurde. Hier quartierten sich die Amerikaner ein. 34:58 Als die Amerikaner gingen, wurde es Lager polnischer Zwangsarbeiter und anschließend Flüchtlinge, Kranke. 35:05 Und dann ist es Altersheim geworden. Das Schloss verkauft die Familie an den Landkreis. 35:12 Der Vater von Barthold baut einen Bungalow am Ortsrand von Volkersheim. Hell und modern. 35:19 Seit Kurzem steht das Schloss zum Verkauf. Eine Rückkehr kommt nicht infrage. 35:24 Ich bin nie mit Schloss aufgewachsen. Ich kenne das nur als Altersheim. 35:29 Für mich ist es normal, im Bungalow aufgewachsen zu sein. Ihr Land und forstwirtschaftlicher Betrieb ist heute 610 Hektar groß. 35:42 Wann immer Zeit ist, kommen sie auf dem Hof zusammen. Anke und Barthold haben vier Söhne. 35:48 Heute sind zwei von ihnen, Julius und Philipp, zu Besuch. Wir sind die feste Burg hier. 35:58 Wenn irgendwas ist, dann ist dieser Stammsitz schon so: Ich kann kommen. Ich kann fragen. 36:06 Gemälde der Vorfahren erinnern an die Familiengeschichte. 1219 wurde der Name der Familie von Gadenstedt 36:14 erstmals urkundlich erwähnt. Fast 800 Jahre lang wählten Barthold von Gadenstedts Ahnen 36:20 ihre Partnerinnen oder Partner standesgemäß aus. In der Vergangenheit wurde immer unter Adelshäusern geheiratet, 36:28 auch in unserer Familie. Und, ja ... 36:32 Ich habe mich da nie so ... ... drin getümmelt, sag ich mal, in meiner Jugendzeit. 36:42 Und ... Ohne Wertung sag ich mal, ich hab bürgerlich geheiratet. 36:50 Der Lebensstil der von Gadenstedts: modern und fortschrittlich. Die Familie seit Generationen lebt in dem Dorf. 36:59 Sie wollen sich einbringen. Zum Beispiel bei der Feuerwehr und im Gemeinderat. 37:05 Ehrenamtlich engagieren wir uns immer noch. Wir sind hier verpflichtet im Ort, finde ich, 37:11 wenn man hier ländlich wohnt und aus dieser familiären Tradition kommt. Dann dreht sich wieder alles um die Landwirtschaft. 37:21 Der Raps braucht bald Dünger. Wie viel Stickstoff ist noch im Boden? 37:27 Landwirtschaft ist ihre große gemeinsame Leidenschaft. Die haben die beiden ältesten der vier Söhne vom Vater geerbt. 37:36 Philipp und sein Bruder Julius haben von klein auf mit angepackt auf dem Hof. 37:42 Dass traditionsgemäß nur Philipp als ältester Sohn den Hof erben und bewirtschaften darf, um diesen als Ganzes zu erhalten: 37:50 Das war für Julius anfangs nicht leicht. Natürlich fragt man sich: 37:56 Wieso ist es in der Tradition so, dass der Erste es weitermacht, wenn der Zweite gegebenenfalls genauso viel Ambitionen mitbringt? 38:06 Natürlich war das auch immer Thema. Ein Zufall hilft ihnen, eine gute Lösung zu finden: 38:14 Ein Bekannter sucht einen Partner für die Bewirtschaftung eines Klosterguts. 38:19 Julius nimmt das Angebot an. Nun kann ich nicht den heimischen Betrieb fortführen. 38:26 Aber für mich ist es umso schöner, dass ich die Möglichkeit habe, meine Liebe zur Landwirtschaft als aktiver Landwirt fortzuführen. 38:36 Mit meinem Kompagnon gemeinsam. Da ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. 38:45 Es gibt eine Sache, die die Familie von Gadenstedt weiterhin gemeinsam macht. 38:51 * Motor rattert * Ein ganz spezielles Hobby. 38:59 Das Gut Gartow im Wendland. Hier lebt Fried Graf von Bernstorff mit seiner Frau, 39:05 Catharena Gräfin von Bernstorff, und ihren drei Kindern. Das Schloss und den Grundbesitz 39:11 hat er vor zehn Jahren von seinen Eltern übernommen. Dazu gehören auch zwei Ferienwohnungen. 39:19 Die vermieten sie jetzt gemeinsam. Das Schränkchen wollte ich so haben, darum hängen die Bilder so. 39:31 Wenn man durch die Tür guckt ... Wollen wir das mal so hinschieben? 39:36 Das haben die vielleicht wegen der Reinigung weggestellt. Viele Stammkunden kommen immer wieder. 39:45 Ich glaube, das passt ins Konzept, dass wir einfach den Platz haben und den Leuten die Möglichkeit geben, das am Wochenende zu erleben. 40:00 Die Grafen wollen in den Ferienwohnungen den historischen Charme des Guts erhalten. 40:06 Hier sind extreme Sachen passiert in den letzten 300 Jahren: Zwei Weltkriege, es gab den Dreißigjährigen Krieg. 40:14 Hier stand früher eine Burg, die hat das nicht überstanden. Die war dann kaputt. 40:19 Als mein Vorfahre hierhin kam und eben das Schloss gebaut hat und die Burg abreißen musste. 40:28 Der Vorfahre des Grafen war Andreas Gottlieb von Bernstorff. Damals Minister beim Kurfürsten von Hannover, 40:36 dem späteren König Georg I. von England. Andreas Gottlieb von Bernstorff erwarb Gartow im Jahr 1694 40:45 und begann kurz danach mit dem Bau des Schlosses. Seit mehr als 300 Jahren ist darin die Familie von Bernstorff zu Hause. 40:54 Catharena und Fried von Bernstorff wollen mit den Ferienwohnungen das Gut für Besucher öffnen. 41:00 Das Schloss, in dem sie wohnen, dagegen nicht. Wir öffnen uns, aber wir machen uns Gedanken: 41:10 Was wollen wir öffnen? Dann müssen wir auch ein Angebot zur Verfügung stellen. 41:16 Wir wollen nicht, dass jemand durch unsere Fenster guckt, wo dann unsere Kinder am Tisch sitzen. 41:25 Der Garten nahe der Kirche. Hier kann die Familie mal unter sich sein. 41:30 Er ist durch hohe Mauern vor neugierigen Blicken geschützt. So, das muss aber nachher passen. 41:39 Dann nehmen wir noch weiß, oder? Das ist ein barocker Küchengarten, 41:48 der wurde zur selben Zeit wie die Kirche gebaut. Also kurz nach dem Schloss. 41:54 Der wurde für die Familie angelegt, um hier Obst und Gemüse anzubauen. Und für die Mitarbeiter, die auf dem Schlosshof wohnen. 42:04 Heute ist es ein Rückzugsort. Das Ehepaar macht sich viele Gedanken darüber, 42:12 wie sie das Schloss, das Gut, die Landwirtschaft und den Forst, fit machen für die Zukunft. 42:19 Sie wollten dabei von Anfang an ihren eigenen Weg gehen. Ohne seine Eltern außen vor zu lassen. 42:26 Am Anfang, wenn es eine Generationen-Übergabe gibt, gibt es erst mal verschiedene Sichtweisen. 42:33 Das ist auch ganz normal. Reibungen. Auch Reibungen. Da einen Modus zu finden, dass man im Gespräch bleibt 42:41 und sich auch Anregungen holt und Meinungen einholt. Das haben wir sehr gut gemacht. 42:48 Deine Eltern waren skeptisch am Anfang. Zum Beispiel bei der Umstellung der Landwirtschaft auf Bio. 42:57 Und jetzt sind sie schon auch stolz. Wie schwer es ist, 43:03 ein Erbe zu bewahren und Neues auf die Beine zu stellen: Das zeigt sich am Beispiel dieses 300 Jahre alten Kornspeichers. 43:12 Der stand kurz vor dem Verfall. Das wollten Catharena und Fried verhindern. 43:17 Eine schwierige Aufgabe. Bei der Landpartie auf Schloss Bückeburg 43:31 ist gleich eine Fashion-Show. Stargast: Prinzessin Lilly zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. 43:38 Doch die hat noch leichte Orientierungsprobleme. Ich hab mich selbst verlaufen. 43:44 Immerhin: Die Prinzessin hat etwas gefunden, was sie präsentieren kann. Kein komplett neues Outfit, aber immerhin einen neuen Hut. 43:54 Nicht der einzige in ihrer Sammlung. Ich habe einen Reise-Hut, 43:59 den habe ich vor 100 Jahren geschenkt bekommen. Mit dem Hut reise ich immer. 44:05 Wenn ich mit dem Hut reise, bekomme ich immer in Upgrade, die Leute sind nett zu mir, die Zöllner schicken mich durch. 44:21 Bei der Fashion-Show präsentiert ein Modemagazin aktuelle Trends. Ein prominenter Gast, wie die Prinzessin, 44:29 zieht zusätzlich Zuschauer. Prinzessin Lilly zu Sayn-Wittgenstein 44:38 ist vorgestern aus New York gekommen. Und als Erstes über den Markt gegangen, um zu gucken, was gibt es. 44:46 Ich hatte noch andere Termine, aber das wollte ich mir nicht entgehen lassen. 44:52 Hier gibt es immer was Spezielles. Ich hab an vielen Orten gelebt, es gibt immer etwas, wo ich ... 44:58 Ah, die Kreditkarte. (angestrengt) Ah, oh. Dann muss es doch sein. 45:08 * Lachen * Ganz, ganz toll. Pretty woman. 45:15 Prinzessin Lilly ist hier in ihrem Element. Sie ist gelernte Schneiderin. 45:21 Hat für renommierte Mode– und Schmuckmarken gearbeitet. Vor zwei Jahren hat sie mit einem Partner eine Firma gegründet, 45:29 vermittelt internationale Luxusmarken an Hotels und Immobilien-Projekte. Ich muss mich genauso finanziell unterhalten wie jeder andere auch. 45:39 Ich habe 2014 hundertprozentig angefangen zu arbeiten. Man denkt immer, 45:44 die Prinzessin ist mit 'nem Silberlöffel im Mund geboren. Petra hat mir meinen Hut verkauft. 45:51 Ich wollte nicht, aber mir war so warm in der Sonne. Da bin ich sofort hin. 45:57 Petra zog ihn raus, ganz unten. Es war der einzige in meiner Größe. 46:04 Die hat es sofort gesehen. Bei der Landpartie auf Schloss Bückeburg 46:10 präsentieren sich 220 nationale und kleine, regionale Aussteller. Die Prinzessin nutzt ihren Namen, ihren Status 46:20 gern für karitative Zwecke. Adel verpflichtet: Das ist so ein statischer Ausdruck. 46:29 Das muss jeder für sich definieren. Ich weigere mich gegen alles, was so eine Schlussfolgerung hat ... 46:38 ... oder einen einengt. Das muss aus dem Herzen kommen. 46:42 Ich bin dankbar, dass ich mit Gedankengut groß geworden bin, was mich dazu animiert, mich in die Gesellschaft einzubringen. 46:52 Noch ein Gruppenfoto mit dem Ex, Fürst Alexander, dann hat Prinzessin Lilly frei. 46:59 Und endlich mal Zeit, die Landpartie in aller Ruhe zu genießen. Auf der Schelenburg im Osnabrücker Land ist Jagd-Tag. 47:13 Trotz null Grad und Schneeregen. Alexa und Paulina sind die Töchter eines Freundes 47:18 von Joachim Kellermann von Schele. Die nimmt er mit in sein Revier. 47:23 Ich fahr voraus. Für heute ist der Plan, 47:27 dass wir zwei Wanderpfade des Rehwilds mal beobachten. Wir wollen sehen, was zurzeit im Revier ist. 47:34 Auf der anderen Seite können wir vielleicht das eine oder andere schöne Stück erlegen. 47:41 Jagen ist seine große Leidenschaft. Und die gibt er gern an Jüngere weiter. 47:51 So. Das ist alles perfekt. 47:56 Dann kann ich dich schon mal ausstatten, Paulina. Und zwar ist es ja so: 48:04 Wenn man mal hier schaut ... Diese Waldecke kennst du ja. Ja. 48:09 Da ist noch eine Leiter. Da ist der Wildwechsel. 48:15 Paulina bekommt zuerst einen Hochsitz zugewiesen. Sie ist durch ihre Eltern zur Jagd gekommen. 48:21 Kennt Joachim Kellermann von Schele schon lange. Man muss sagen: 48:26 Joachim hat uns früh an die Hand genommen. Dadurch hab ich nicht das Klischee von älteren, weißen Jagdmännern 48:34 nie erlebt. Joachim hat uns gesagt: 48:37 "Willkommen, ihr könnt keine Fehler machen. Aus Fehlern lernt man." Paulinas Schwester Alexa bekommt noch einen Hochsitz am Waldrand zugeteilt. 48:49 Hier oben ist es wirklich rutschig. Nicht zu viel Krach machen. 48:58 * Klicken * * Klicken * Okay. 49:01 Damit ist die Waffe geladen und gesichert. Ja. Okay, perfekt. 49:08 Gut, dann kannst du ... Ich würde an deiner Stelle auch nach links und rechts rausschauen 49:15 und mal sehen, was für Bewegung da ist. Und ... 49:20 Und ja, dann musst du sehen und warten, ob was passiert. Dass sich zwei junge Frauen ohne Adelstitel, 49:29 für die Jagd begeistern, ist nichts Besonderes mehr. Bis Mitte des 19.Jahrhunderts dagegen war Jagd ein Privileg des Adels. 49:37 Alle meine Vorfahren sind auf Jagd gegangen. Das gehörte früher unbedingt dazu. 49:43 Es gibt unzählige Trophäen, die auf dem Dachboden schlummern. Das spiegelt die Jagdbegeisterung der Generationen wider. 49:54 Aber heute ist es nicht mehr dieser Aspekt, der Jäger zur Jagd zieht, dass man gesellschaftlich dazugehören möchte. 50:05 Und vielleicht Kontakte knüpfen möchte zu adligen Besitzungen. Die Jagdbegeisterung hat heute andere Motive. 50:14 Das ist nicht mehr wie früher, dass Adlige unter sich blieben. Joachim Kellermann von Schele streift gern durch seinen Wald, 50:24 durch sein 500 Hektar großes Revier. Er verdankt es einer jahrhundertalten Erbfolge. 50:31 Ein Privileg. Das ist mit Verantwortung verbunden. 50:37 Diese Verpflichtung beruht auf der Vorgeschichte der Familie hier an diesem Standort. 50:44 Aus dieser Verpflichtung leite ich ab, dass ich diesen Besitz in die Zukunft führe. 50:51 Er und seine Frau haben selbst keine Kinder. Wie geht es weiter mit der Schelenburg und den Ländereien? 50:58 Das ist kein Problem, Nachfolger gibt es immer. Das war auch in der Vergangenheit so. 51:04 Unsere Familie ist ja schon 900 Jahre hier. Und innerhalb dieser 900 Jahre gab es x-mal solche Fälle, 51:12 wo Kinderlosigkeit in der Eigentümerfamilie herrschte. Dann wurde der Besitz trotzdem in der Familie weitergegeben. 51:23 Die Jagd geht an diesem Tag ohne Beute zu Ende. In Gartow, im Wendland, 51:34 dreht sich an diesem Tag alles um diesen alten Kornspeicher. Gebaut vor fast 300 Jahren, am Rand des Schlosses. 51:42 Den Speicher wollen Gräfin Catharena und Fried Graf von Bernstorff im Rahmen einer Feierstunde neu eröffnen. 51:51 Als Kunst– und Veranstaltungszentrum. In einer Stunde kommen die Gäste. 51:57 Für das Paar noch etwas Zeit für einen Kontrollgang. Auch in die Küche. 52:03 Es ist immer auf den letzten Drücker. Da kannst du machen, was du willst. 52:08 Man kann alles planen, zuletzt geht was schief. Gestern wurde die letzte Schraube gesetzt. 52:14 Nee, ich glaube heute. * Lachen * 52:22 Aufgang zur oberen Etage. Wo früher Korn lagerte, ist jetzt viel Platz für Kunstausstellungen. 52:29 Zur Eröffnung gibt es eine Videoinstallation mit dem Titel: Walking on Water. 52:35 Das Thema: die Verschmutzung der Meere. 1727 wurde der Zehntspeicher gebaut, 52:47 so wird der Kornspeicher auch genannt. Und 250 Jahre lang, bis 1965, 52:54 von den Gräflich Bernstorffschen Betrieben genutzt. Wir haben viele Denkmäler in unserer Obhut. 53:00 Da haben wir gemerkt: Man braucht immer eine Nutzung, wo bestenfalls was bei rumkommt, 53:08 wo Einnahmen generiert werden. Dann kann man die Gebäude erhalten. 53:13 Ansonsten hätte es leer gestanden und wäre in sich zusammengefallen. Jetzt bin ich noch sehr gespannt, 53:20 wenn jetzt alle Leute kommen, die ganzen Förderer ... Und die Leute aus dem Dorf. 53:26 Viele kennen ja den Zehntspeicher, aber im vorherigen Zustand. Die Gäste, Förderer, Freunde, Dorfbewohner, trudeln ein. 53:36 Das alte Gebäude füllt sich mit Leben. Wir sind dankbar und glücklich. 53:42 Nach über zehn Jahren ist es gelungen, den Zehntspeicher zu sanieren und sein Potenzial zur Geltung zu bringen. 53:50 Ich erhebe darauf mein Glas. * Applaus * 53:58 ♪ Ruhige klassische Streichmusik ♪ ♪ Ruhige klassische Streichmusik ♪ 54:08 Catharena und Fried von Bernstorff wollten den alten Speicher unbedingt retten. 54:13 Mithilfe von Eigenmitteln, Spenden und durch eine Förderung des Landes Niedersachsen haben sie es geschafft. 54:21 Alle waren ganz begeistert und es funktioniert auch einfach, hier Kunst auszustellen. 54:28 Ich bin dankbar und auch froh. Dieser Tag, auf den wir so lange hingearbeitet haben, 54:35 geht jetzt langsam zu Ende. Jetzt können wir genießen und loslassen. 54:42 Der Ort Gartow im Wendland ist um eine Attraktion reicher. ♪ Ruhige klassische Streichmusik ♪ 54:58 Für Familie von Gadenstedt ist ein besonderer Tag. Es geht nicht mit dem Trecker aufs Feld, 55:04 sondern historische Zugmaschinen stehen im Mittelpunkt. Ihre große Leidenschaft. 55:12 * Motor startet und rattert * Die bringen die Männer endlich mal wieder ins Rollen. 55:31 Wir fahren zu Julius nach Wöltingerode. Da ist heute Hoffest. 55:36 Julius ist da Mitveranstalter. Da packen wir einen Großteil unseres Alteisens auf. 55:43 * Motor rattert * Für die schwere Raupe, Baujahr 1950, 55:55 ist der Weg für eine Fahrt auf der Straße zu weit. Sie muss verladen werden. 56:04 Dass mit solchen Zugmaschinen einmal die Ernte eingeholt wurde: Für die Jungs der von Gadenstedts heute nur noch schwer vorstellbar. 56:15 Man merkt, wie die Arbeit war. Es ging nicht so schnell. 56:19 Es war Arbeit mit Muskelkraft. Es war laut, ohne Kabine, keine Klimaanlage. 56:25 Noch mal in alte Zeiten zurückversetzt. Der Vater von Barthold und Großvater der Jungs hat mit genau dieser Raupe 56:34 noch bis in die 70er-Jahre die Ernte eingeholt. ♪ Entspannte Instrumentalmusik ♪ 56:49 Zweieinhalb Stunden Fahrt liegen jetzt vor den von Gadenstedts und ihrer Oldtimer-Kolonne. 57:04 Auf dem Klostergut Wöltingerode bei Goslar. Hier findet jedes Jahr das Hoffest "Wölti unter Dampf" statt. 57:13 Mit rund 10.000 Besuchern und Fans historischer Landmaschinen. Und auf diesem Klostergut ist Julius von Gadenstedt, 57:21 der zweitälteste Sohn, Landwirt. Dass wir den Pflug abladen und hier rauffahren können 57:28 und dann stellen wir alles untern Schauer. Normalerweise machen die Jungs längst ihr eigenes Ding. 57:35 Die Hanomags führen sie immer wieder alle zusammen. Von klein auf sind sie mitgefahren, haben Anteil daran genommen. 57:45 Nachdem jeder den Traktor-Führerschein hatte, ist er selber gefahren. 57:50 Heute ist das Highlight, dass alle vier Traktor fahren können. 57:54 Der letzte hat mit 16 den Führerschein gemacht. Traditionen wahren, 58:03 aber dabei die Gegenwart und die Zukunft im Blick behalten: Nicht immer leicht. 58:09 Die von Gadenstedts haben ihren Weg gefunden. Wie auch viele andere adelige Familien in Niedersachsen. 58:34 Copyright Untertitel: NDR 2024