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Else Lasker Schüler to go (Kurzbiografie in 9,5 Minuten)
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 64 Zeilen
- Ich [Musik] [Applaus]
- habe dich erwählt unter allen Sternen und ihr habt mich erwählt unter allen Büchersternchen, oder? Sonst würdet ihr ja nicht vorbeischauen. Schön.
- Elisabeth Schüler wird am 11. Februar 1869 in Elberfeld geboren. Das ist heute Wuppertal. Genau. Und zwar als jüngstes von sechs Kindern des jüdischen Bankeers
- Aaron Schüler und seiner Frau Jeanette. Ja, und erstmal ist alles supi bei uns zu Hause. Sie ist auch total begabt, ne? Ein richtiges Wunderkind kann mit vier
- Jahren schon lesen und schreiben. Entsprechend kommt sie auf eine gute Schule. Aber wir befinden uns im Wherminischen Deutschland.
- Antisemitismus ist keine Seltenheit und vielleicht erlebt sie da schon als Kind Anfeindungen. Es ist nicht ganz klar. Ja, ist auch egal. Jedenfalls verlasse
- ich die Schule schon mit 11 Jahren und bekomme dann zu Hause Privatunterricht. Und dann kommt der erste Schicksalsschlag. Aua, nein, mein Bruder
- Paul stirbt, als ich 13 bin. Und dann der zweite: "Aua, nein, meine Mutter stirbt 1890. Diese Verluste werden sie nie wieder
- loslassen. Noch vier Jahre lebt Else, wie sie sich nennt, im Elternhaus. Dann heiratet sie den jüdischen Arzt Dr. Bertold Lasker.
- Genau. Und mit dem ziehe ich nach Berlin. Und ich studiere zwar nicht an der Uni, aber ich bilde mich trotzdem künstlerisch weiter. Erstmal nämlich
- Zeichenunterricht und miete hier ein Atelier. Ja, mach ruhig, Schatz. Und zweitens hänge ich mich in die literarische Szene rein und fange an zu
- schreiben. Vor allem lerne ich meinen ersten wichtigen Mentor kennen, Peter Hille. Ja, hier. Du bist begabt. Schreib doch mal Gedichte. Ich glaube, du hast
- das drauf. Und bang. 1899 kommt ihr Sohn Paul zur Welt. Rab. Und wer der Vater ist, verrate ich nicht. von dem Laska bin ich schon lange getrennt und
- zweitens veröffentlicht sie ihre ersten Gedichte. Es ist jetzt so, Geld ist äh und bleibt ein Problem in meinem Leben. Also, ich
- bringe 1901 meinen ersten Lyricband Stücks raus und ich verdiene auch immer ein bisschen Geld mit Illustrationen, aber Überraschung, mit Gedichten und
- Zeichnungen Geld verdienen ist ein bisschen schwierig. Es wird auch nicht unbedingt leichter, als sie sich 1903 von Laska scheiden lässt. Ja, was heißt
- leider? und ihn hier heiratet Georg Lewin. Guten Tag, ich nenne dich Herwart Walden und zwar, weil ich Walden von Henry David Those so gut finde, Nout.
- Und ich darf jetzt mal ohne Übertreibung sagen, wir sind das Dream Team des deutschen Expressionismus. Ja, also sie zeichnet, dichtet, schreibt auch
- Geschichten. 1907 der erste Erzählband, die Nächte der Tino von Bagdad. Ja, und Theaterstücke, ne? 1909, die Wupper. Das gibt's übrigens auch hier to go im
- Kanal, ne? Genau. Und ich eröffne dann eine Galerie und ich gründe 1910 die Zeitschrift, der Sturm. Also, ich würde sagen, wo wir sind, ist Expressionismus
- der ganz heiße Scheiß. Geld kommt trotzdem nicht viel rum. Also äh mein alter Freund und Mentor Peter Hille hat mich ja Tino von Bagdad
- genannt. Danke noch mal dafür. Ja, gern geschehen. Das ist so meine erste Rollenidentität als Künstlerin und genau das, mein Leben als Gesamtkunstwerk
- ziehe ich jetzt konsequent durch. Leider ist die Ehe mit Herwart Walden 1912 auch vorbei. Ja, was heißt leider? Und im selben Jahr bringe ich eine
- Briefsammlung mit dem Titel Mein Herz Liebesroman mit Bildern und wirklich lebenden Menschen raus, ne? Ich bin halt eine öffentliche Person und übrigens
- jetzt auch Jusuf Prinz von Tben. Hallo. Hallo. Und wie heißt du? Dr. Gottfried Ben. Irgendwie stehe ich ja doch auf Ärzte. Ich nenne dich Gieseler der
- Barbar oder gestreifter Tiger oder Niebelunge und sie werden ein Paar. Allerdings wohnt Prinz Jusuf seit 1912 nie wieder in einer eigenen Wohnung,
- sondern wird jetzt zu einer Noradin. 1914 bringt sie das Buch zur neuen Identität raus, der Prinz von Theen. Übrigens mit Bildern von meinem Freund
- Franz Mark. Ja, ist gern geschehen, ne? Aber auch das holt sie nicht aus der Finanzmisere. Meine Freunde veranstalten dann immer wieder Spendenaktionen für
- mich. ist echt sweet, aber ich kann da nichts machen. Es ist stärker als ich. Ich bin immer entweder total reich oder völlig mittellos. Im Ersten Weltkrieg
- sterben viele dieser Freunde. Aua. Aber Laskar Schüler lebt und schreibt weiter: "19 erscheint ihr Briefroman Malik." Ja, da geht's z.B. um meinen armen Freund
- Franz Mark, aber die Verluste häufen sich. 1927 stirbt ihr Sohn Paul an Tuberkulose. Aua. Nein. Viele Gedichte kreisen um die Verluste der Liebsten von
- ihrem Bruder Paul über ihre Mutter bis zu ihrem Sohn Paul. Und ich mache trotzdem weiter, z.B. Performances, also so Lesungen im Kostüm und mit Flöte und
- so. 1932 erhält sie den angesehenen Kleistpreis. Ja, danke für nix. Ich muss mir den mit so einem billigen Nazidichter teilen.
- Und 1933 fließt sie dann in die Schweiz, diese Nazis. Und hier ah, befristete Aufenthaltserlaubnis. Ich darf nicht arbeiten, aber ohne Geld darf ich nicht
- bleiben. Ich fahre jetzt mal nach Palästina. Da wird sie sehr enttäuscht. Ja, es kennt mich ja hier keiner, obwohl ich doch so eine bekannte Dichterin bin.
- Sie kehrt in die Schweiz zurück und schreibt das Buch Das Hebräerland. Ja, so wie in meinem Buch. So müsste Israel in Wahrheit sein. Dann fährt sie noch
- zweimal nach Palästina. Aber warum ist das in Wahrheit immer so doof hier? Und als sie 1939 zurück in die Schweiz will, pardon Madame, sie müssen draußen
- bleiben. Sie sind jetzt leider zu arm für die Schweiz. Was? Und so bleibt sie in Palästina, schreibt das Drama Ich und ich und den letzten Gedichtband mein
- blaues Klavier und stirbt am 22.1. 1945. Aua. Also mein Meister, mein Fels, das ist Peter Hille, ne? Und das Peter
- Hillebuch, das ich nach seinem Tod geschrieben habe, ist so ein Crossover zwischen also Sprach Zarathustra, Romantik und Johannesevangelium. Alles
- ist geheimnisvoll. Die Menschen um mich herum bekommen große zaubermächtige Namen. Jeder Tag ist eine weihe Feier des Lebens. Äh gut, die Leute um uns
- herum haben vielleicht gesagt, die sind einfach verrückte Künstler. Das hat mit Normalität nichts zu tun. Ja, aber genau das ist ja auch gut so. Wir schaffen die
- Welt neu durch Kunst, Schönheit und Liebe. Also, es ist vielleicht zwischen den Zeilen angeklungen, dass das Geld und
- ich uns nie so richtig gut verstanden haben. Ja. Und wessen Schuld ist das? Ach komm. Äh, ich muss jedenfalls feststellen, dass ich den größten Teil
- meines Lebens in irgendwelchen feuchten Kellerlöchern gehaust habe und meine eigenen Bücher aus dem Buchladen klauen musste, wenn ich sie lesen wollte,
- während meine Verleger Millionen geschäffelt haben. Ja, Entschuldigung, wir haben sie immer fair bezahlt. Was ist daran fair, wenn es einem Menschen
- schlecht geht? Boah, sie sind aber auch echt ein bisschen schwierig. Ja, ich bin schwierig und ich höre auch nicht auf schwierig zu sein und euch den Spiegel
- vorzuhalten. Ihr wollt Kunst, aber ihr haltet Künstler nicht aus. Okay, ich mach's kurz. Ich glaube, was ihr von mir mitnehmen könnt, ist euch
- unabhängig von anderen zu machen, ne? Habt den Mut, ihr selbst zu sein und zwar kreativ und crazy und unbequem. Wir müssen die Welt nicht so hinnehmen, wie
- sie ist. Andererseits, das würde ich im Nachhinein versuchen, besser zu machen. Passt besser auf euch auf, als ich das
- für mich getan habe. Ja, jedes Kind kann zwischen Spiel und Wirklichkeit unterscheiden. Das habe ich manchmal zu sehr ignoriert. Vor allem Einsamkeit im
- Alter ist nicht schön. Danke fürs Zuhören. Elselaska Schüler hat mich als junger Mensch zutiefst beeindruckt und tut es
- auch heute noch mit der Power ihrer Gedichte. Ein weißer Stern singt ein Totenlied in der Julinacht. Wie Sterbegeläut in der
- Julinacht. An diesen Versen kommt in der deutschen Literatur niemand vorbei. Sie brennen sich ins Hirn und bleiben.
- Was mich auch beeindruckt, aber auch ein bisschen verängstigt, weil ich es niemals könnte, ist ihre extreme Lebensweise, dieses kompromisslose
- Aufgehen in der Kunst. Wie wenige andere hat sie das romantische Ideal umgesetzt und die Welt romantisiert. Machen wir uns aber nichts vor. Prinz
- Jusuf war im Umgang bestimmt fantastisch und richtig anstrengend und oft auch völlig nervtötend, aber was für ein Mensch, was für ein Schatz.
- Ich habe mir eine lustige Kreativaufgabe für euch ausgedacht, weil die Goldse wirklich sehr verspielt war. Bitte stellt euch folgendes vor. Ihr seid eine
- gute Freundin oder ein guter Freund. Ihr habt ihr finanziell gerade wieder aus der Patsche geholfen, habt ihr Geld gegeben, damit sie ihre Schulden
- bezahlen kann und jetzt kommt wenige Tage später ein Brief von ihr, indem sie leider schreibt, dass sie das Geld für etwas anderes ausgeben musste, weil das
- sehr schön und sehr wichtig war und dass sie jetzt wieder Geld braucht. Und es ist ein toller Brief, aber die Frau ist zum wahnsinnig werden den Geld fragen.
- Schreibt diesen verrückten, fantastischen, unwiderstehlichen Brief. Wenn ihr wollt, postet eure Ideen hier, aber ich bin sicher, dass euch auch eure
- Deutschlehrkraft gern Feedback dazu gibt. Und das, liebe Gemeinde, war Büchersternchen Nummer 20, Elsa Schüler to go. Tschüss.
- [Musik]