MrWissen2Go erklärt das Hambacher Fest Landtag Rheinland-Pfalz https://www.youtube.com/watch?v=BTPqx8S334M Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Die Frage an Sie, wer von ihnen ist heute zu Fuß zum Hambacher Schloss, also wirklich von ganz unten. Respekt. War eine ganz schöne Distanz. Also von 0:08 Neustadt aus. Ich habe das mal geguckt. Bei Google Maps sehen wir hier 1 Stunde 8 Minuten, 4,2 km, aber ist natürlich was anderes 4,2 km irgendwo durch die 0:17 Stadt zu laufen als den Berg hoch. Ich habe schon geschnaucht vom Parkplatz hier hoch. Also ist wirklich eine reife Leistung. Schön, dass sie das gemacht 0:23 haben. Und ganz klar ist, das war auch vor knapp 200 Jahren nicht anders. Und trotzdem haben sich im Mai 1832 viele Menschen genau diesen Fußmarsch 0:34 vorgenommen. Und wenn ich sage viele Menschen, dann meine ich das auch tatsächlich. Es sind nicht 50 oder 100, es waren irgendwo zwischen 20 und 30.000 0:44 Menschen. Also wirklich eine ganze Menge. Die sind erst marschiert auf dem Neustadter Marktplatz und dann haben sie sich hier oben versammelt. Damals muss 0:52 man sagen, stand hier noch nicht dieses schön restaurierte Schloss, wir haben es gerade gehört, sondern eine Ruine, die ungefähr so aussah. 1688 im Felsischen 1:01 Erfolgekrieg zerstört worden, wie viele andere historische Gebäude auch von den Franzosen damals. Bis in die 1960er Jahre hinein war dieses Gebäude eine 1:10 Ruine und erst dann, wir haben das eben gehört, ab dem 150. Hambach Jubiläum gab es dann eine Restauration und dieser Ort wurde zu einer Veranstaltungs und 1:20 Informationsstätte. Also 20 bis 30.000 Menschen haben sich im Mai 1832 auf den Weg zu einer Ruine gemacht. Die war auch nicht wirklich attraktiv, muss man 1:30 sagen, zu dieser Zeit. Die Frage ist, warum haben sie das gemacht und warum gerade hier in der Pfalz? Und genau darüber würde ich gerne in den kommenden 1:37 Minuten sprechen. Es geht natürlich um das Hambacherfest von 1832. Und dabei werden wir zwei Männer ein bisschen näher kennenlernen, von denen 1:44 wir einen heute auch schon genannt bekommen haben, nämlich ihn hier Philip Jakob 7 Pfeifer und auch er hier war wichtig, Johann Georg August wird. 1:53 Damals hat man auch viele zwei dritt vierten Namen gehabt. Zwei Männer, die eigentlich gar nicht aus der Pfalz kamen, aber für die Pfals eine große 2:01 Rolle gespielt haben und sich sozusagen hier in der Region unsterblich gemacht haben. Und wir werden uns anschauen, welche Rolle diese Männer gespielt 2:08 haben. Wir weren uns, ich habe es gerade schon mal angedeutet, anschauen, was unzufriedene pelische Winzer mit dieser ganzen Sache zu tun hatten und wir 2:16 werden auch erfahren, warum das Hambacher Fest sozusagen die Geburtsstunde der Nationalflagge, der heutigen deutschen Nationalflagge 2:24 gewesen ist. Das wird interessant und wie immer bei einer Fernsehserie, die wir jetzt heute gar nicht haben, aber bei einer Fernsehserie würde man sagen, 2:31 was bisher geschah. Machen wir mal einen kleinen Rückblick, was geschah denn vor 1832? Und da landen wir bei dieser Karte, die 2:38 auch gerne mal als Flickenteppich bezeichnet wird. 1815, der deutsche Bund, einen deutschen Nationalstaat, wie wir das heute kennen, wie es ihn dann 2:46 später auch gab. Den gab es damals noch nicht. Lange gab es das heilige römische Reich deutscher Nation und dann eben später den deutschen Bund. Davor die 2:55 Franzosen Napoleon haben alles durcheinander gewirbelt. Von 1792 bis 1814 waren Teile der Pfals auch immer wieder ganz oder zumindest hier und da 3:06 französisch. Landau z.B. lange eine französische Stadt gewesen und die Landkarte wurde immer wieder neu gemischt, bis Napoleon dann 1815 die 3:15 entscheidende Schlacht von Wat endgültig verloren hat. Und dann gab es den Wiener Kongress. Sie wissen das nach dieser Schlacht hier und beim Wiener Kongress 3:23 wurden die Verhältnisse noch einmal neu geortet und das Ergebnis war dann eben diese Flagge hier. Viel hin und her. Wichtig ist einfach 1815 sah es so aus. 3:32 der deutsche Bund eine Vereinigung aus 35 einzelnen Fürstentümern, vier freie Städte. Österreich gehörte auch dazu und eben kein deutscher Nationalstaat. Es 3:42 gab zwar auf einigen Ebenen eine Zusammenarbeit, aber keinen einheitlichen Staat. Und was war mit der Pfalz? Also mit diesem kleinen Teil 3:50 hier. Wir sehen das schon, die Pfalz war damals gar nicht die Pfalz. Wir lesen Königreich Bayern. Ist es vielleicht ein Druckfehler? Nein, kein Druckfehler. War 4:00 tatsächlich so. 1816 haben sich Österreich und Bayern drauf geeinigt, dass dieser Teil bayerisch wird. Die Pfelser hatten gar nichts damit zu reden 4:08 und so wurde das Bayern, auch wenn es gar nicht zu Bayern gehört hat. Das ist also vom restlichen Königreich Bayern abgetrennt und die Pelzer waren damit, 4:19 kann man sagen, nicht unbedingt zufrieden. Um es mal vorsichtig zu formulieren, man hat die Bayern auch so ein Stück weit als Besatzungsmacht 4:25 teilweise wahrgenommen. Rheis wurde dieses Gebiet genannt ab 1837 dann Rinfalz. Wissen Sie auch, warum eine bekannte Zeitung so heißt. Und damit war 4:35 Deutschland neu geordnet oder besser gesagt Deutschland war alt geordnet, denn man hat die alte Ordnung wiederhergestellt. So wurde das damals 4:41 gesagt. Also den Monarchen ging es einfach darum, ihre alte Macht wieder zu haben. Allerdings muss man sagen, damit sind auch einige Errungenschaften 4:51 begraben worden, nämlich die Errungenschaften, die die Franzosen mitgebracht hatten, hierfür die Gebiete in der Pfalz, Freiheit, Gleichheit, 4:58 Brüderlichkeit, natürlich das zentrale Motto der französischen Revolution und damit einher ging für diese Region hier die sogenannten reinischen 5:06 Institutionen. Das waren also bestimmte Privilegien, die man hier in der Region hatte und die haben sich die Felser zumindest erkämpft, dass die 5:13 aufrechhalten worden sind. Man hatte also hier in diesem Teil Bayerns etwas mehr Rechte als in anderen Teilen des deutschen Bundes. 1816 hat man die Weite 5:23 bekommen und diese Institutionen werden von der Stiftung Hambacher Schloss, die ja auch heute hier vertreten ist, so zusammengefasst. Zu ihnen zählten unter 5:30 anderem die Gleichheit vor dem Gesetz und somit die Abschaffung von Vorrechten des Ades, die Gewerbefreiheit und Freizügigkeit, die Bauernbefreiung, die 5:39 Abschaffung der Erbunterthnigkeit, die Trennung von Justiz und Verwaltung sowie von Kirche und Staat. geschworenen Gerichte, die Mündlichkeit und 5:47 Öffentlichkeit von Gerichtsverfahren sowie die Freiheit und Sicherheit des Eigentums. Klingt für uns heute alle selbstverständlich, aber wir sprechen 5:55 hier vom Beginn des 19. Jahrhunderts, das Zeitalter des Absolutismus noch gar nicht so lange her. Monarchen waren es gewohnt durchzuregieren, ohne dass ihnen 6:02 jemand reinredet. Da gab es aber hier durchaus den einen oder anderen Punkt, den die Menschen in der Pfalz, die damals nicht Pfalz hieß, hatten. Es gab 6:11 hier in der Region, wir haben das gerade schon gehört, sogar mal zhafte Versuche eine Demokratie zu etablieren. Die meinste Republik, die Bergzaberner 6:18 Republik, die na ja letztlich dann nur ganz kurz bestanden haben und auch in anderen Ortschaften hat man früh versucht Schritte zu gehen in Richtung 6:28 Demonokratie. Deshalb kann man tatsächlich sagen, hier in der Pfalz liegt eine der Keimzellen der deutschen Demokratie schon vor 1832. 6:36 Und genau deshalb waren die Pfelzer überhaupt nicht begeistert, dass jetzt die Bayern hierherk und alles irgendwie über den Haufen werfen wollten und dazu 6:43 kamen noch die Maßnahmen der KSP der Beschlüsse. Viele Dinge, die mit Demokratie zu tun hatten, waren verboten. Um die alte Ordnung aufrecht 6:51 zu erhalten, haben die Monarchen unter anderem die Meinungsfreiheit eingeschränkt, die Versammlungsfreiheit, die Pressefreiheit. Sie wurde zensiert, 6:57 die Presse, politische Aktivitäten weitesgehend verboten. Man wollte also das, was die Zeit mit sich gebracht hat, irgendwie aufhalten. Ist aber nur mäßig 7:06 gelungen. Und da sind wir jetzt schon hier in Hamburg 1832. Es brodelt im deutschen Bund. Dem Nachballand Frankreich hat es mal wieder 7:14 eine Revolution gegeben. 1830 Revolution auch in den Niederlanden in Polen haben patriotische Kämpfer versucht die Besatzungsmacht, die russische wieder 7:23 loszuwerden. Ist nicht ganz geglückt, aber man hat gemerkt, da passiert gerade etwas in Europa, überall Freiheits und Demokratiebewegungen und das eben auch, 7:32 weil viele Menschen sehr unzufrieden gewesen sind, auch hier in der Pfalz. Was ist hier los in den 1830er Jahren in der Pfalz? Na ja, zunächst mal diese 7:40 alte Ordnung, die wiederhergestellt worden ist, die wird immer weniger akzeptiert. Überall gibt es Menschen in der Region, die sich politisch 7:47 engagieren wollen, die ihre Meinung frei sagen wollen und die mehr Mitsprachrecht fordern. Bayern wird, wie vorhin schon gesagt, von nicht wenigen als so einer 7:54 Art Besatzungsmacht angesehen und gleichzeitig gibt es immer mehr Forderungen nach dem einen großen Schritt, nämlich einen deutschen 8:01 Nationalstaat zu schaffen. Die deutschen Länder sollen sich zusammenschließen in welcher Form auch immer und es soll ein Land geben, in dem die Bürger 8:08 mitbestimmen dürfen, wie es politisch läuft. Man hat die USA ist Sehnsuchtsort, die junge Demokratie dort in den USA im Blick und so in die 8:17 Richtung möchte man auch in den deutschen Gebieten gehen. Zweitens, die wirtschaftliche Situation ist brenzlich. Auch damals schon ist der Wein eines der 8:25 wichtigsten Exportgüter hier in der Region und die Bayern, die wissen das natürlich und weil die Bayern damals wissen, dass ihr Wein längst nicht so 8:32 gut ist wie der Pfelzer Wein, bester Wein der Welt natürlich. Neben dem Rin Hessisch komme aus Reinheessen. Deshalb muss ich das noch dazu sagen. Also der 8:39 Pelzer und der rein Hessische Wein damals zu den besten der Welt gehören. Die Bayern na ja gut, die haben paar gute Lagen in Würzburg und so, aber die 8:46 sind schon bisschen neidisch damals und sagen, okay, wir machen jetzt was etwas, das auch ein Felzer, wenn man so will, einige Jahrzehnte, Jahrhunderte kann man 8:54 schon sagen, später dann auch wieder macht. Donald Trump hat ja Pfelze Wurzeln. Sie führen Zölle ein und zwar Zölle auf Wein, um sich damit der 9:03 Konkurrenz zu entledigen. Und so wird der Wein, der hier in der Pfalz hergestellt wird, in Bayern teuer verkauft und die Leute greifen dann eben 9:10 lieber zu bayerischen Wein. Das gefällt den Winstern hier nachvollziehbarerweise überhaupt nicht und vor allem geraten viele Wzer Winzer dadurch in Not. Es 9:18 gibt auch noch Missernten, das verschärft das Ganze noch mal. Auch andere Branchen damals sind in der Krise. Und drittens die Armut. Anfang 9:27 des 19. Jahrhunderts gibt es eine Bevölkerungsexplosion, aber die Lebensmittel sind knapp, man kann gar nicht mehr alle versorgen und 9:34 gerade Menschen einfachen Verhältnissen kommen immer mehr in Schwierigkeiten. Und diese drei Dinge in Kombination miteinander ergeben eine brisante 9:43 Mischung. Und das ist sehr interessant, denn während bisher auch in anderen Teilen Deutschlands vor allem Professoren, Studenten sich für 9:51 Demokratie, für einen Nationalstaat, für Besserung der Verhältnisse eingesetzt haben, gibt es hier, man würde sagen, ein breites Bündnis der 9:58 Zivilgesellschaft, das unzufrieden ist und das etwas verändern möchte. Hier sehen wir das Wartburgfest in Thüringen 1817, auch gerne gesehen als eins der 10:08 wichtigsten Ereignisse der deutschen Demokratiegeschichte. Kann man so sagen, ja, aber das ist ein Elitenprojekt gewesen. Professoren, Studenten, man 10:14 sieht sie auch hier an dieser traditionellen Kleidung, waren damals vor allem unterwegs. Das ist hier in der Falz ganz anders 15 Jahre später. Es 10:22 gibt eben diese, wenn man so will, Zivilgesellschaft, wie man das heute formulieren möchte. Und dass diese Menschen sich immer mehr vernetzen und 10:28 zusammenfinden, ist eben auch das Verdienst zweier Männer. Philip Jakob 7 Pfeifer und die Johann Georg August wird. Dabei muss man sagen, dieser 10:37 Siebenpfeifer, der ist eigentlich überhaupt kein geborener Rebolutzer. Im Gegenteil, lange hat er für die bayerische Obrigkeit gearbeitet, war ein 10:45 Verwaltungsbeamter, aber in seiner Arbeit hat er gemerkt, hier läuft einiges schief, hier muss sich was ändern. Er hat das dann auch 10:51 immer wieder gemeldet, aber es ist überhaupt nichts passiert und das hat ihn zunehmend unzufrieden gemacht. Er wurde immer störrischer, hat immer immer 10:57 Protestnoten geschickt und deshalb hat man ihn, wie man das auch heute manchmal gerne macht, dann in den einsweiligen Ruhestand versetzt und damit hat man 11:05 gehofft, dann ist er jetzt aus der Schusslinie. War er aber überhaupt nicht, denn dann ging es erst los. Er wird Journalist, gibt mit dem Bestbote 11:12 sogar eine eigene Zeitung heraus und gründet einen Verein, nämlich den Verein für Pressefreiheit, den Press- und Vaterlandsverein. Der wird zwar schnell 11:19 verboten, aber hat kurz nach der Gründung schon rund 5000 Mitglieder überall im deutschen Bund. Und auch hier wieder ein modernes Wort. Man würde 11:26 sagen, das sind alles Multiplikatoren für diese Idee, die er mit sich trägt. Und einer dieser Multiplikatoren ist der andere Mann hier auf der Folie, nämlich 11:36 Johann Georg August, gelernter Jurist, aber vor allem als Publizist tätig. Und diese Doppelrolle ist total praktisch, denn als Jurist kann er sich selbst 11:43 verteidigen, wenn es immer wieder um Zensur geht. Also er schafft es auch immer wieder seine Werke von Zensur freizuhalten. Nicht immer, aber hin und 11:50 wieder gelingt ihm das. Und diese beiden sind in Kombination wirklich ein gutes Paar. tun sich noch mit einigen anderen zusammen und haben eine Idee, die ist 11:58 ganz einfach zusammengefasst. Lasst uns eine Veranstaltung organisieren, bei der Menschen, die so denken wie wir, die ähnliche Ideale haben, wie wir 12:06 zusammenkommen. Eine wirklich gewaltige Veranstaltung, mit der wir auf unsere Interessen aufmerksam machen können. Und wir taren das einfach als Volksfest, 12:14 denn Volksfeste sind zu dieser Zeit erlaubt und wir machen das an dem populären Ort und dann könnte da vielleicht was in Gang kommen. Und ein 12:21 Anlass, den findet man auch ganz schnell, denn am 26. Mai 1832 soll hier auf dem Hambacher Schloss, das ist schon ein bisschen seltsam, die bayerische 12:30 Verfassung gefeiert werden. Ausgerechnet hier. Es gibt also sehr viel Aufmerksamkeit für diesen Ort und die Männer sagen, das könnte man nutzen. 12:38 Sieben Pfeifer hat den Vorteil, dass er diese Zeitung herausgibt. Er macht also auf das Event aufmerksam und es soll losgehen am Abend der 26. Mai, dann soll 12:46 es am 27. Mai einen Marsch geben hier hoch zum Hambacher Schloss und es ist geplant ein geselliges Zusammensein mit Bier und Wein aus Schank und was du 12:53 essen soll es auch geben. Das ist natürlich eine Sache, weil der viele sagen da bin ich dabei und das freut die Leute damals. Und damit die Sache 13:01 komplett rund ist, sagt sieben Pfeife, wir brauchen noch einen richtigen Hit, den die Leute auf den Lippen anstimmen können, wenn sie hier hochmarschieren, 13:07 sofern sie Luft haben, weil es ist ja schon irgendwie durch auch mal steil. und er dichtet ein Lied auf die Melodie von Schillers Reiterlied. Der Titel ist 13:16 der deutschen Mai. Und da hören wir mal ein bisschen rein. Das ist allerdings eine moderne Interpretation, also nicht wundern. Ich finde das aber trotzdem 13:23 ganz gut, weil es einen kleinen Eindruck gibt auch, wie damals die Stimmung gewesen ist. 13:30 [Musik] Hinauf Patrioten zum Schloss zum Schloss hoch flattern die deutschen Farben. Es keimet dieser Art und die Hoffnung 13:45 ist Trost. Schon binden im Geist wir garen. Es reifet die Ehre mit goldenem Rand und die goldene Ernt ist das Vaterland. 14:01 Also, man würde sicherlich heute ein bisschen griffiger texten, wenn man viele Leute erreichen wollte, aber damals ist es natürlich die Sprache, die 14:07 gesprochen wird. Viele Leute können damit auch was anfangen und natürlich auch diese Zeile hinauf Patrioten zum Schloss zum Schloss hochfattern, die 14:14 deutschen Farben. Das ist so eine richtige Zeile, die geht den Leuten unter die Haut und das ist auch gleichzeitig das Motto der 14:20 Veranstaltung. Es wird gerechnet mit einigen 100 Personen. Allein 300 junge Menschen studieren dieses Lied hier ein zusammen mit sieben Pfeife. Also da hat 14:28 man schon mal eine Gruppe, die auf jeden Fall dabei ist und dann sagt man, ja gut, dann kommen vielleicht noch mal 500 6 600 oben drauf, also insgesamt 14:35 vielleicht 1000. Aber es kommt letztlich ganz anders, denn schon Anfang Mai wird klar, da ist ein großes Interesse an dieser Veranstaltung, da werden wohl 14:43 sehr viele Menschen mitkommen, viel mehr als die Veranstalter sich vorgestellt hatten. Und das sorgt wiederum auch dafür, dass man in Bayern davon etwas 14:49 mitbekommt und auch von den wahren Plänen hinter dieser Veranstaltung etwas mitbekommt und die Bayern sagen, das müssen wir verbieten, es wird versucht, 14:57 dann gibt's Widerstand, dann sagen sie, okay, wir verbieten es doch nicht, aber wir schicken ein Viertel unserer gesamten Armee hierhin, um das Ganze zu 15:03 überwachen. Und so kommt es dann auch. Also die bayerische Armee ist sozusagen als Aufpasser mit dabei und schon in den Tagen vor dem 26. Mai strömen die 15:12 Menschen nach Neustadt und Neustadt gerätt seiner Belastungsgrenzen. Die Wirzhäuser sind gut gefüllt. Es gibt kein freies Bett mehr. Die Zahl der 15:21 Besucher sprengt wirklich sämtliche Vorstellungen. Die Region profitiert enorm davon. Auch die Winzer kann man sagen, haben da eine gute Zeit. Und das 15:29 Besondere ist, ich habe es vorhin schon mal kurz angedeutet, anders als bei vergleichbaren Veranstaltungen in dieser Zeit sind eben nicht nur die besser 15:36 gebildeten, die Eliten, die Akademiker vor Ort, sondern es sind alle gesellschaftliche Schichten dabei, vom Professor bis zum Handwerkergesellen, 15:43 vom Studenten bis zum Wincer. Das hat's in dieser Form noch nicht gegeben hier in dieser Region und auch Frauen sind dabei. Da kommen wir gleich noch ein 15:51 bisschen genauer drauf zu sprechen. Am Abend der 26. Mai dann wirklich Volksfeststimmung auf den Straßen von Neustadt. Das ist natürlich jetzt schon 15:58 etwas später. Die Glockenleuten, Böller werden gezündet und immer wieder stimmen die Menschen Lieder an und sie wärmen sich auf für das, was noch kommen wird, 16:06 nämlich für den 27. Mai 1832. Die Leute stehen früh auf, punkt 8 Uhr, versammeln sich alle auf dem Marktplatz in Neustadt. Ein großer Festzug, die 16:15 Glocken leuten wieder, es wird wieder geböllert und dann geht es los. Tausende Menschen ziehen nach oben zum Schloss und dieses Bild hier wird zur Ikone. Ich 16:23 denke mal, sie kennen das alle, gemalt von Eberhard Josef Brenzinger. Da sehen wir einen Teil des Zugs und was auffällt ist, dass der Wald hier noch gar nicht 16:30 so bewachsen ist. Die Neustatter werden das wahrscheinlich direkt erkannt haben. Der wird erst in den 1940er Jahren aufgeforstet. Also damals ist es noch 16:36 ziemlich kah. Deshalb kann man den Zug hier auch ganz gut weiter beobachten. Zwischendurch heute würde man sagen Fastfood Stände. Es gibt Essensmarken, 16:43 an denen man sich mal kurz ein bisschen stärken kann. Natürlich gibt's auch was zu trinken, wie vorhin schon gesagt. Also hier ist für alles gesorgt. Und 16:50 wenn man sich dieses Bild hier anschaut, dann fallen einem direkt drei Dinge auf. Das erste ist, ich habe es eben schon angedeutet, da sind auch Frauen dabei. 16:58 Heute natürlich völlig normal, damals nicht. Frauen sind von politischen Veranstaltungen in der Regel grundsätzlich ausgeschlossen. Aber 17:05 sieben Pfeifer lädt explizit auf Frauen ein, bei dieser Veranstaltung mit dabei zu sein. Zweitens, wir sehen Männer in traditioneller Kleidung, z.B. in 17:13 traditioneller polnischer Kleidung und das ist kein Zufall, denn mit dabei beim Hambacher Fest waren durch eine Vertreter aus 15 Einzelstaaten des 17:21 deutschen Bundes, sondern auch Freiheitskämpfer aus Polen oder aus Frankreich. Und so gesehen war dieses Fest nicht eine rein deutsche 17:27 Veranstaltung, sondern eine europäische Veranstaltung. Sprechen wir gleich noch mal ein bisschen genauer drüber. Die polnische Flagge wurde sogar zusammen 17:34 mit der heutigen deutschen Flagge auf dem Hambacherschloss aufgepflanzt, wie man das nennt. Zwar in etwas anderer Position, aber die polnische Flagge hat 17:42 hier eine große Rolle gespielt. Und drittens sehen wir eben hier die Farben schwarz, rot, gold oder gold, rot, schwarz. Und das ist jetzt eine Sache, 17:49 die etwas irritierend ist, denn dieses Bild wurde ganz ursprünglich nicht koloriert und dann in den Jahren, in den Jahrzehnten danach immer wieder von 17:56 verschiedenen Leuten koloriert. Und so genau konnten sich die Leute da teilweise nicht mehr dran erinnern, wie es ausgesehen hat. Man kann aber heute 18:03 davon ausgehen, dass die dominierende Kombination tatsächlich schwarz, rot, gold war. Es wurden auch vor dem Hambacher Fest sogenannte Kokaden 18:11 verteilt bzw. verkauft, die in genau dieser Kombination waren, schwarz, rot, Gold. Und auf der zentralen Fahne hier steht drauf, 18:20 sie werden das sicherlich auch schon gesehen haben, Deutschlands Wiedergeburt. Und auch wenn die Koloration manchmal so ein bisschen in 18:27 die Irre führen, kann man sagen, das hier ist die Geburtsstunde der deutschen Nationalflagge in der Form, wie wir sie heute kennen. Auch wenn das hier jetzt 18:34 gerade dagegen spricht, aber stellen Sie sich das noch ein bisschen anders vor. Den Beweis gibt's ja, wir haben es gehört, unter anderem im Landtag und 18:40 auch hier oben, sofern ich richtig informiert bin, kann man sich diese Flagge anschauen. Da habe ich auch gleich noch eine Geschichte zu zu dieser 18:46 Flagge, die man hier anschauen kann. Und das Original der Fahne stammt von Johann Philip Abresch. Das ist ein Kaufmann gewesen aus Neustadt, der Auftrag 18:55 gegeben hat und der ja kann man auch sagen, der Väter, wenn man so will, dieser Flagge ist. Und damit haben wir alle Zutaten zusammen. Also, wir haben 19:02 eine gut gelaunte Volksmenge, wir haben gemeinsame Erkennungszeichen und wir haben eine Mission. etwas an den bestehenden Verhältnissen zu verändern. 19:09 Und genau darum geht's auch oben auf dem Schloss. Gegen 11 Uhr sind 20.000 bis 30.000 Menschen hier oben angekommen und werden dort begrüßt von flammenden Reden 19:18 der Hauptteilnehmer, unter anderem von Philip Jakob 7pfeifer und Johann Georg August wird. Sieben Pfeifer ist nicht der erste, sondern der zweite Redner und 19:26 er beendet seine Ausführungen mit diesen Worten: "Es lebe das freie, das einige Deutschland. Hochlebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund 19:35 der Freiheit schwört. Vaterland, Volkshoheit, Völkerbund hoch." Die Botschaft ist da ganz klar. Es geht um ein einiges Deutschland und Johannog 19:44 August Wirt geht sogar noch ein Stückchen weiter. Darum deutsche Patrioten, wollen wir die Männer wählen, die durch Geist, Feuereifer und 19:51 Charakter berufen sind. das große Werk der deutschen Reform zu beginnen und zu leiten. Dieser schöne Bund dann das Schicksal unseres Volkes leiten. Er möge 20:00 unter dem Schirme der Gesetze den Kampf für unsere höchsten Güter beginnen. Er möge unser Volk erwecken, um von innen heraus, ohne äußere Einmischung die 20:08 Kraft zu Deutschlands Wiedergeburt zu erzeugen. Hoch, dreimal hoch leben die Vereinigten Freistaaten Deutschlands. Hoch, dreimal hoch das konföderierte 20:17 republikanische Europa. im Jahr 1832. Er spricht davon, dass die Männer gewählt werden. Okay, Männer, ja, gut. wie gesagt 1832 die Männer gewählt 20:27 werden sollen. Er spricht von den Vereinigten Freistaaten Deutschlands und er spricht vom konföderierten republikanischen 20:35 Europa. Also eine europäische Zusammenarbeit rund 200 Jahre vor unserer Zeit heute und das ist wirklich bemerkenswert und deshalb finde ich das 20:43 was Wirt gesagt hat, man möge es mir verzeihen, wenn andere das anders sehen, sogar noch ein bisschen markanter als das, was wir von Sieben Pfeifer eben 20:49 gehört haben, aber beide Männer natürlich mit die entscheidenden Redner bei dieser Veranstaltung neben anderen. Es sind visionäre Ideen, die da 20:56 teilweise verbreitet werden. Großen Jubel gibt es tosender Applaus, aber passiert noch mehr. Gibt es danach eine große Revolution, die dann von Hambach 21:05 aus vom Hambacher Schloss überall in den deutschen Bund übergreift? Nein, das passiert tatsächlich nicht, denn die verschiedenen Redner sind sich teilweise 21:13 nicht so ganz einig in dem, was sie wollen. Und die einen sagen, wir wollen eine konstitutionelle Monarchie mit einer starken Mitbestimmung des Volkes. 21:20 Die anderen sagen: "Nein, echte Demokratie ohne Monarchen. Die einen wollen die Ziele friedlich erreichen." Die anderen sagen, na ja, vielleicht 21:26 muss man auch Gewalt anwenden. Also, das ist ziemlich unterschiedlich. Da gibt es keine einheitliche Stimme, aber das spricht eben auch dafür, dass dort jeder 21:33 zu Wort kommen kann, der etwas sagen möchte. Besonders deutlich werden diese Unterschiede dann am Tag drauf, am 28. Mai 1832, als ich im Schießhaus in 21:42 Neustadt im damaligen zwischen 500 und 600 Teilnehmer treffen, um noch mal im Detail zu sprechen. Wir haben also hier eine Volksfeststimmung gehabt, da werden 21:50 Reden gehalten, aber man kann nicht so richtig in die Diskussion kommen, das findet dann hier statt und da wird dann endgültig klar, es fehlt der eine 21:57 gemeinsame Plan, der eine gemeinsame Weg. Außerdem sagen viele, die dort vertreten sind, wir sind ja gar nicht gewählt worden, wir sind gar nicht 22:04 legitimiert durch das Volk. Was bringt uns jetzt dazu, ähm hier den Weg vorzugeben? Das heißt, die Revolution bleibt aus. Und nicht nur das, im 22:13 Nachhinein werden auch oft unter fadenscheinigen Gründen einige der Wortführer des Hambacher Festes festgenommen und eingesperrt. Sieben 22:19 Pfeifer und wird auch komm später wieder frei. Aber da zeigt sich eben die Obrigkeit in ihren ganzen Ausmaß. Das nüchterne Ergebnis ist, das Hambacher 22:29 Fest bleibt eine Momentaufnahme, ja, aber eben eine wichtige, denn viele Menschen fassen Mut und das bleibt der Funke der Freiheit ist da und er keimt 22:37 immer wieder auf. einige Jahre später, 184849 dann in der deutschen Revolution und interessanterweise mit dabei auch Johann Georg August wird. Er wird 22:47 abgeordneter 1848 in der Pausgirchenversammlung in Frei in Freiburg wollte ich schon sagen, in Frankfurt. Er stirbt dann allerdings 22:55 leider im Juli 1848 und sieben Pfeifer tragisch bekommt das alles gar nicht mehr mit. Stirbt schon 1845, nachdem er Anfang der 1840er Jahre 23:05 schwer krank wird. Aber einige andere Mitstreiter vom Hambacher Fest damal setzen den Weg konsequent fort und kämpfen für Einigkeit und Recht und 23:13 Freiheit in Deutschland. Und da sind wir bei ihm hier bei Hoffmann von Fallersleben. Ein Mann, der rund 9 Jahre nach dem Hambacher Fest das Lied der 23:20 Deutschen geschrieben hat, unsere heutige Nationalhymne. Und eigentlich könnte man ja meinen, der war auch dabei damals in Hamba. Passt ja ganz gut. 23:27 Allerdings will der irgendwie gar nichts von Hambach wissen. In seiner Biografie erwähnt er Hambach nicht mal, was erstaunlich ist. Vielleicht hat auch 23:33 einfach Angst gehabt, dass das andere Lied dort ihm ein bisschen Konkurrenz macht und hat das deshalb unter Tisch fallen lassen. Nein, das ist natürlich 23:39 rein spekulativ, aber ähm der Geist schwingt auch bei ihm natürlich in jeder Zeile mit. Und interessant ist, dass lange Zeit das Hambacher Fest in der 23:49 deutschen Demokratiegeschichte relativ wenig Beachtung gefunden hat. Wir haben wir auch schon gehört in Nordrinwestfahen hat sie es bis heute 23:55 nicht ganz rumgesprochen, was hier passiert ist, aber das ändert sich natürlich ab heute. Und einer, der selbst in den 1960er 24:06 Jahre noch nicht ganz so viel davon wissen will, ist der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer. Er sagt laut dem Spiegel 1968, 24:14 ja, die hambare Revolution, die hat sich Zitat nicht weiterentwickelt und außerdem kritisiert er, dass die Menschen damals kleinbürgerliche 24:22 Revolutionäre gewesen sein. Das sieht man hier natürlich ganz anders. Da gibt es dann einen heftigen Protest. Später lenkt Adenauer ein und sagt, na ja, 24:30 okay, gut, ihr habt ja recht, das ist doch gar nicht so schlecht gewesen alles damals. Und lässt sich eine Fahne schicken von damals als Dekoration für 24:37 den Kabinettsaal, später für das Flier in Bonn, die wird ihm auch zugeschickt, dann bekommt er die finde das gut. Das Problem ist nur, das bekommen auch 24:43 andere Museen mit und dann sagen die, alle Exponate, die wichtig sind, schicken wir jetzt mal nach Bonn und dann werden die überholft von Demokratie 24:49 geschichtlichen Exponaten und so landet schließlich diese bedeutende Fahne auf einem Dachboden äh und wird dann schließlich zurückgeschickt und deshalb 24:58 kann man sie sich hier wieder anschauen, ähm der Lauf der Geschichte sozusagen, aber sie ist jetzt wieder dahin zurückgekommen, wo sie auch hingehört. 25:05 Aber da sieht man einfach, wie diese Bedeutung von Hambach lange Zeit nicht heruntergespielt worden ist, aber einfach nicht so gesehen wurde, wie sie 25:10 es vielleicht sollte. Und umso schöner, dass wir heute diesen Ort hier auszeichnen. Und da sind wir angefangen eben 1832 bei 7 Pfeife und wir enden bei 25:19 Adenauer. Das ist vielleicht auch eine ganz schöne Brücke, denn Adenauer steht natürlich wie kaum ein anderer Politiker für den Beginn der längsten Demokratie, 25:28 die wir bisher hier auf deutschen Boden hatten. Und allein das ist natürlich schon aller Ehrenwert. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. 25:38 [Applaus]