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Was ist Feudalismus? | EINFACH ERKLÄRT

StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! 7:41 154 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 51 Zeilen
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  1. Also heute geht's um eine ganz große Frage. Was genau war das eigentlich, dieser Feudalismus? Wenn man Feudalismus hört, was kommt einem da so in den Sinn?
  2. Wahrscheinlich genau dieses Bild, oder? Ein König ganz oben, dann die Adligen und ganz unten die Bauern. Fall erledigt, fertig. Aber ist es wirklich
  3. so einfach? Ich kann ihn schon mal verraten. Nein, bei weitem nicht. Die Realität, die war viel viel komplexer und auch spannender. Okay, aber fangen
  4. wir trotzdem mal mit dem an, was die meisten von uns kennen. Diese klassische Pyramide. Die ist nämlich ein super Ausgangspunkt, um erstmal die Grundidee
  5. zu kapieren. Und hier kommt schon die erste Überraschung, das Wort Feudalismus, das ist gar nicht aus dem Mittelalter. Niemand damals wäre auf die
  6. Idee gekommen zu sagen: "Hey, wir leben im Feudalismus." Nein, den Begriff, den haben Historiker erst viel viel später im 19. Jahrhundert erfunden, quasi als
  7. Etikett, um diese unglaublich komplexe Gesellschaftsordnung irgendwie zu fassen. Worum ging es also im Kern? Tja, im Grunde war es ein Deal, ein
  8. Tauschgeschäft. Stellen Sie sich vor, ein Herrscher hat Land, jede Menge Land. Er gibt ein Stück davon jemandem und dafür verspricht der ihm seine Treue,
  9. vor allem, und das war das Entscheidende, seine Unterstützung im Kriegsfall. Also ganz einfach runtergebrochen, Land gegen Loyalität,
  10. das ist die Basis von allem. Und so sieht dann diese berühmte Pyramide aus. Ganz oben, klar, der König. Dem gehörte zumindest in der Theorie mal alles. Er
  11. hat sich dann seine wichtigsten Leute, den Hochael, geschnappt und ihnen riesige Länder gegeben. Das waren seine Kronvasallen. Und was haben die gemacht?
  12. Genau. Die haben ihr Land wieder aufgeteilt und an den niederen Adel weitergegeben und so ging das immer weiter die Leiter runter bis zu den
  13. kleinen lokalen Herren und ganz am Ende der Kette standen die Bauern, die das Land dann tatsächlich beackert haben. Also eine ganz klare Struktur von oben
  14. nach unten. Damit wir da alle die gleiche Sprache sprechen, hier mal drei super wichtige Begriffe. Erstens, der Lehensher, das ist der, der das Land
  15. vergibt, der Chef sozusager. Zweitens, der Vasal, das ist der, der das Land bekommt und dafür Treue schwört. Und drittens, das Lehnen, das ist das Stück
  16. Land, um das es die ganze Zeit geht. Lehensher, Vasal, lehen, das ist das A und O dieser Beziehung. So, Pyramide verstanden, aber ich habe es ja schon
  17. angedeutet, das ist wirklich nur die halbe Miete. Jetzt tauchen wir mal ab von diesem sauberen, einfachen Modell und schauen uns an, wie es in der
  18. Realität aussah. und die war, sagen wir mal so, um einiges chaotischer. Ja, diese Pyramide ist ein nettes Bildchen fürs Schulbuch, aber sie lässt
  19. halt unglaublich viel weg. Die Forschung ist sich da heute ziemlich einig. Das Modell ist eine krasse Vereinfachung. Es kratzt wirklich nur an der Oberfläche
  20. dessen, was damals wirklich los war. Das Problem mit der Pyramide ist, sie zeigt uns nur die vertikalen Beziehungen, also von oben nach unten. Aber das ist nur
  21. ein Teil des Spiels. Genauso wichtig waren die horizontalen Verbindungen, also Beziehungen auf Augenhöhe. Adlige haben untereinander Bündnisse
  22. geschlossen, Allianzen geschmiedet oder sich halt gegenseitig die Köpfe eingeschlagen und das oft ohne ihren Lehensherrn auch nur zu fragen. Und wenn
  23. Sie ein Beispiel wollen, wie kompliziert das alles war, dann passen Sie mal auf. der König von England. In England war er der absolute Herrscher. Klar. Aber er
  24. besaß auch riesige Gebiete in Frankreich. Und für diese Gebiete war er ein Vasal des französischen Königs. Stellen Sie sich das mal vor. Ein König,
  25. der gleichzeitig der Untergebene eines anderen Königs war. Versuchen Sie das mal in eine saubere Pyramide zu pressen. Geht nicht, oder? Und noch was. Es ging
  26. nicht immer nur um Land gegen Soldat. Auch das ist zu einfach. Die Dienste, die man schuldete, waren total vielfältig. Ein Adliger mußte vielleicht
  27. einfach nur politische Unterstützung zusichern oder bei einer wichtigen Hochzeit anwesend sein. Und die Bauern? Klar, die haben Frohenarbeit geleistet,
  28. also auf dem Land des Herrn geschuftet, aber oft haben sie auch einfach nur Pacht bezahlt. So ähnlich wie eine Miete heute. Aber klar, kein System hält ewig.
  29. Der Feudalismus ist nicht einfach von heute auf morgen verschwunden. Das war ein langer, schleichender Prozess. Schauen wir uns mal an, was da über die
  30. Jahrhunderte an diesem System genagt hat. Es war nicht die eine Sache, die alles verändert hat. Es war eher eine Art Perfect Storm aus mehreren
  31. Entwicklungen. Da waren z.B. die Berufshere so ab dem 13. Jahrhundert. Könige fanden es cooler, Söldner zu bezahlen, als sich auf ihre Adlingen zu
  32. verlassen. Dann kam die große Katastrophe. Der schwarze Tod, Mitte des 14. Jahrhunderts, der hat wirklich alles auf den Kopf gestellt. Und parallel dazu
  33. wurden die Städte immer mächtiger und die haben ihr eigenes Ding gemacht, oft komplett außerhalb dieser feudalen Logik. Man kann diese Machtverschiebung
  34. richtig sehen. Die militärische Macht des Adels ging runter. Warum? Weil die Könige lieber Söldner bezahlten. Die waren zuverlässiger.
  35. Gleichzeitig stieg die Macht der Städte, weil dort das Geld saß. Und plötzlich wurde Geld wichtiger als so ein alter Treuechwur. Ein bezahlter Soldat war oft
  36. mehr wert als ein Vasal, der vielleicht gar keine Lust hatte, in den Krieg zu ziehen. Und dann der schwarze Tod. Das ist eine ganz eigene dramatische
  37. Geschichte. Die Pest hat ja einen riesigen Teil der Bevölkerung in Europa einfach ausgelöscht. Und was war die Folge, so makaber das klingt? Plötzlich
  38. fehlten überall Arbeiter. Die Bauern, die überlebt hatten, waren auf einmal gefragt. Die konnten sagen: "Hey, wenn du mir nicht mehr zahlst, gehe ich ihm
  39. zum nächsten Gutsherrn." Sie hatten auf einmal Verhandlungsmacht und Bewegungsfreiheit, die eiserne Kontrolle der Grundherren, die bröckelte. Dieser
  40. Niedergang war also ein wirklich langer Prozess, aber jetzt kommt's. Das System war zwar innerlich schon ausgehöht, aber es formal abzuschaffen, das hat noch mal
  41. ewig gedauert. Und das Ende, das ist schockierend nah an uns dran. Schauen wir mal auf die Landkarte. In England war 1660 Schluss, zumindest auf dem
  42. Papier. In Frankreich brauchte es die blutige Revolution von 1789, um die alten Zöpfe abzuschneiden. Und in Russland, da wurden die Bauern die
  43. Leibeigenen, erst 1861 befreit. Das muss man sich mal vorstellen. Während anderswo schon Eisenbahnen fuhren, gab es da noch Verhältnisse wie im
  44. Mittelalter. Das zeigt, wie unglaublich zähl solche Strukturen sein können. Okay, 19. Jahrhundert. Damit ist die Sache dann aber wirklich durch oder weit
  45. gefehlt. Es ist fast unglaublich, aber die allerletzten Reste dieses Systems haben es bis in unsere Zeit geschafft. Ja, ins 21. Jahrhundert. Kein Witz,
  46. 2004. Erst in diesem Jahr hat das schottische Parlament ein Gesetz erlassen, um die allerletzten formaljuristischen
  47. Überbleibsel des feudalen Landbesitzsystems abzuschaffen. Ein System, das im Mittelalter entstand, hatte also rechtliche Ausläufer bis in
  48. eine Zeit, in der wir schon im Internet geslurvedt haben. Verrückt, oder? Und das bringt mich zu einer letzten Frage an Sie. Der Feudalismus war so eine
  49. Struktur, die das Leben von Millionen Menschen über Jahrhunderte bestimmt hat. Oft war sie einfach da selbstverständlich, fast unsichtbar.
  50. Also was denken Sie? Welche alten vielleicht unsichtbaren Strukturen, Hierarchien oder auch ungeschriebenen Gesetze prägen denn unsere Welt heute
  51. noch? Eine Frage, über die es sich lohnt, mal nachzudenken.