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Sunniten und Schiiten | EINFACH ERKLÄRT

StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! 7:29 1.952 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 48 Zeilen
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  1. Suniten und Shiiten. Ihr habt die Begriffe bestimmt schon mal gehört, aber was ist da eigentlich genau der Unterschied? Tja, genau das klären wir
  2. heute. Wir schauen uns einen Konflikt an, der fast 1400 Jahre alt ist, aber die islamische Welt bis heute spaltet. Und das ist eigentlich die verrückte
  3. Frage dahinter. Wie konnte aus einem Streit innerhalb einer Familie so eine tiefe Spaltung in einer ganzen Weltreligion entstehen? Um das zu
  4. verstehen, müssen wir eine kleine Zeitreise machen. Zurück ins 7te Jahrhundert. Aber bevor wir in die Vergangenheit abtauchen, lasst uns mal
  5. ganz kurz im Hier und Jetzt bleiben, denn das müsst ihr verstehen, das ist keine angestaubte Geschichtsstunde. Diese Spaltung ist für über anderthalb
  6. Milliarden Menschen auch heute noch total real. Schauen wir uns mal die Zahlen an. Von den rund 1,6 Milliarden Muslimen weltweit sind ungefähr 90%
  7. Suniten. Das ist die riesige Mehrheit. Die anderen 10% sind Schiiten. Die leben vor allem in Ländern wie dem Iran oder dem Irak, aber natürlich auch in vielen
  8. anderen Teilen der Welt. Allein die Namen, die sagen schon einiges aus. Suniten kommt von Sonna. Das bedeutet so viel wie die Tradition oder das Beispiel
  9. des Propheten Mohammed. Shiitten wiederum leitet sich von Shiat Ali ab und das heißt ganz einfach die Partei Alis. Und genau dieser Ali, der ist die
  10. absolute Schlüsselfigur in unserer ganzen Geschichte. So, unsere Geschichte beginnt im Jahr 632. Ein wirklich entscheidender Moment. Der
  11. Prophet Mohammed stirbt und plötzlich steht die noch ganz junge muslimische Gemeinschaft vor einer riesigen Frage. Wer wer soll uns denn jetzt führen?
  12. Stellt euch das mal so vor. Der geniale Gründer einer riesigen erfolgreichen Firma stirbt ganz plötzlich und er hat keinen Nachfolger bestimmt, nichts. Es
  13. würde totales Chaos ausbrechen oder jeder hätte eine andere Idee. Und genau das ist damals passiert. Die Gemeinschaft war in einer tiefen Krise
  14. und genau hier an diesem Punkt, da hat sich der Kern des Streits gebildet. Es gab zwei komplett unterschiedliche Meinungen. Die eine Gruppe, aus der
  15. später die Schiiten wurden, war total überzeugt, der Nachfolger muss aus der Familie des Propheten kommen. Das ist Gott gegeben. Die andere Gruppe, die
  16. späteren Suniten, hat gesagt: "Nee, Moment mal, der fähigste und beste Anführer soll von uns, von der Gemeinschaft gewählt werden. Ob der
  17. Blutsverwandt ist oder nicht, ist doch egal. Die Schiiten stützen ihre ganze Argumentation auf einen ganz bestimmten Moment. Bei seiner letzten großen
  18. Predigt soll Mohammed genau diesen Satz über seinen Cousin und Schwiegersohn Ali gesagt haben. Und für sie war die Sache damit klar. Das ist doch der Beweis. Er
  19. hat Ali zu seinem Nachfolger gemacht. Und jetzt wird's spannend, denn alles hängt an der Interpretation von diesem einem kleinen Wort Mauler. Für die
  20. Schiiden heißt das ganz klar Führer oder Beschütter. Die Suniten aber sagen, es bedeutet eher so etwas wie Freund oder Vertrauter. Ein Wort, zwei komplett
  21. verschiedene Welten. Und diese Doppeldeutigkeit, die ist die Wurzel des ganzen Streits. Ziemlich krass, oder? Tja, und wofür hat sich die Mehrheit
  22. dann entschieden? Unmittelbar nach Mohammeds Tod musste ja schnell eine Lösung her. Man konnte nicht ewig diskutieren und es gab eine Lösung.
  23. Zuerst wurde Abu Bakr zum neuen Anführer, dem sogenannten Kalifen, gewählt. Nach ihm kamen Umar und dann Usman. Und erst an vierter Stelle, viele
  24. Jahre später, war dann Ali dran. Für die Suniten ist das alles okay. Das sind für sie, die vier rechtgeleiteten Kalifen, alle legitim. Für die Shiiten aber sind
  25. die ersten drei quasi Thronräuber, die Ali seinen rechtmäßigen Platz einfach weggenommen haben. Man könnte ja jetzt denken, okay, als Ali dann endlich Kalif
  26. wurde, war ja alles gut, Streit vorbei. Aber Pustekuchen, genau das Gegenteil ist passiert. Seine Herrschaft war der Beginn des allerersten Bürgerkriegs
  27. unter Muslimen, der sogenannten ersten Fitna. Der erste große Knall kam fast sofort, ein Konflikt, der als die Schlacht des Kamels in die Geschichte
  28. einging. Und hier standen sich Khalif Ali und Aisha, die Witwe des Propheten gegenüber. Aisha hat Ali vorgeworfen, dass er die Mörder seines Vorgängers
  29. nicht hart genug bestraft und ist dann mit einer Armee gegen ihn in die Schlacht gezogen. Alis Truppen haben zwar gewonnen, aber stellt euch mal vor,
  30. was für ein unglaublich tragischer Kampf das war. Der Name kommt übrigens von Aishas Kamel, weil um dieses Tier herum die Kämpfe am schlimmsten waren. Aber
  31. damit war noch lange kein Frieden. Nur ein Jahr später ging es direkt weiter mit der nächsten großen Auseinandersetzung,
  32. der Schlacht von Sifin. Diesmal war Alis Gegner Muavia, der wirklich mächtige Gouverneur von Syrien. Und auch er sagte: "Ich erkenne dich nicht an." Ihre
  33. Armeen trafen aufeinander, aber die Schlacht endete unentschieden. Die Spaltung wurde also nur noch tiefer und das bittere Ende für Ali, er wurde
  34. später von seinen eigenen abtrünnigen Anhängern ermordet, weil der ihnen zu kompromissbereit war. Und jetzt jetzt kommen wir zu dem Ereignis, dass die
  35. Spaltung endgültig mit Blut besiegelt hat, dem Moment, der zum emotionalen Herzen des schitischen Glaubens wurde. Die Tragödie von Kerbela. Die ganze Lage
  36. hat sich dann dramatisch zugespitzt. Moya brach sein Versprechen, die Nachfolge wieder der Gemeinschaft zu überlassen und er nannte einfach seinen
  37. eigenen Sohn Yasid. Er hat also eine Dynastie gegründet. Hussein, der Enkel des Propheten, weigerte sich das anzuerkennen. Auf dem Weg zu seinen
  38. Unterstützern wurde er dann mit seiner kleinen Gruppe von Anhängern und seiner Familie bei Kerbela, im heutigen Irak von Yasids riesiger Armee eingekesselt
  39. und alle wurden brutal getötet. Für Suniten ist das eine furchtbare Tragödie in der Geschichte, ganz klar. Aber für Schiiten ist es viel mehr. Es
  40. ist das zentrale Ereignis ihres Glaubens. Das Matyrium von Hussein ist für sie die ultimative Geschichte von Opferbereitschaft, vom Kampf gegen
  41. Ungerechtigkeit und Tyrannei. Und daran wird bis heute jedes Jahr in tiefer Trauer erinnert. Okay, das war jetzt echt eine lange und
  42. ziemlich komplexe Geschichte, aber lasst uns das zum Schluss noch mal auf den Punkt bringen. Wie genau unterscheiden sich die beiden Gruppen heute aufgrund
  43. dieser ganzen Ereignisse? Also ganz einfach zusammengefasst, bei der Führung glauben Suniten an den von der Gemeinschaft gewählten Kalifen.
  44. Schiiten glauben an den göttlich bestimmten Imam, der ein Nachfahrer des Propheten sein muss. Bei den zentralen Ereignissen ist es für Suniten die Zeit
  45. der ersten vier Kalifen, für Schiiten ganz klar das Matyrium von Hussein. Und bei den heiligen Figuren ehreniten alle Gefährten des Propheten, während sich
  46. Schiiten ganz besonders auf seine Familie konzentrieren. Und damit sind wir auch schon am Ende. Das mal als ein politischer Streit um
  47. die Nachfolge angefangen hat, ist durch Blut und Leid zu einer tiefen religiösen Spaltung geworden. Das Ganze lässt uns mit einer ziemlich großen Frage zurück.
  48. Können Wunden, die so alt und so tief sind, jemals wieder komplett heilen? Was denkt ihr darüber?