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Der 11. September 2001 und seine Folgen
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 125 Zeilen
- Die Bilder der brennende und zusammenkrachenden Zwillingstürme des World Trade Centers am 11. September 2001 in New York City
- kennt fast jeder Mensch auf der Erde. Ein Tag, der die Geschichte verändert hat.
- Oder etwa nicht? Ist 9/11 ein Wendepunkt?
- Ein Ereignis, nach dem nichts mehr war wie zuvor? In diesem Video beschäftigen wir uns mit dem 11. September 2001
- und mit seinen Folgen. Der 11. September 2001 hatte eine Vorgeschichte.
- Und darin spielt dieser Mann eine Hauptrolle: Osama bin Laden. bin Laden ist saudi-arabischer Multimillionär
- und unterstützt in den 1980er-Jahren in Afghanistan den Widerstand gegen die sowjetische Besatzung.
- Als die Sowjetunion 1989 endgültig aus Afghanistan abzieht, kehrt bin Laden in sein Heimatland Saudi-Arabien zurück.
- Über dieses Land gibt's auch ein Video. Das findet ihr oben auf dem "i".
- bin Laden will den Dschihad, den Heiligen Krieg, gegen die Feinde des Islam in einem umfassenderen Sinn fortführen.
- Seine neuen Hauptgegner werden die Vereinigten Staaten von Amerika. Die USA sind Anfang der 1990er-Jahre in der Region um Saudi-Arabien
- militärisch sehr aktiv, aus unterschiedlichen Gründen. bin Laden und seine Anhänger sehen darin
- einen direkten, umfassenden Angriff des christlichen Westens gegen den Islam.
- Schon in Afghanistan hat bin Laden die Organisation "al-Qaida" gegründet,
- die sich zunächst aus Kriegern zusammensetzt, die er dort befehligt hat.
- al-Qaida wird zum internationalen Terrornetzwerk und führt spektakuläre Angriffe durch.
- 1993 auch schon auf das World Trade Center. Für bin Laden und seine Anhänger ist das World Trade Center
- das Symbol für den vom Westen dominierten Welthandel und das von New York maßgeblich gelenkte Weltfinanzsystem.
- 700 Kilogramm Sprengstoff explodieren damals in der Tiefgarage. Aber die Anschläge acht Jahre später übertreffen alles bisher Dagewesene.
- Am 11. September 2001 entführt al-Qaida vier Flugzeuge in den USA. Zwei davon steuern die Attentäter
- direkt in die Zwillingstürme des World Trade Center, das dritte ins US-Verteidigungsministerium
- in Washington, D.C. Das vierte Flugzeug soll mutmaßlich das Weiße Haus treffen.
- Stürzt aber ab, bevor es sein Ziel erreichen kann. Mit diesen Angriffspunkten will bin Laden
- die stärkste Militärmacht der Welt mitten ins Herz treffen. 2.977 Menschen sterben an diesem Tag.
- Tausende mehr werden verletzt und an Leib und Seele verwundet. Was ändert sich mit den Anschlägen für die westlichen Staaten?
- Die USA sind natürlich geschockt. Zum ersten Mal hat ein Gegner es geschafft,
- im großen Stil im Land selbst zuzuschlagen. Die Regierung unter George W. Bush ändert die Verteidigungspolitik.
- Terrorgruppen, insbesondere islamistischer Terror, sind der neue Hauptgegner.
- Die USA schlagen militärisch zurück. Sie marschieren in Afghanistan ein, um das Taliban-Regime,
- das al-Qaida unterstützt und Osama bin Laden deckt, zu stürzen. Viele Verbündete beteiligen sich an dem Einsatz,
- der in eine UN-Mission überführt wird, auch Deutschland. Dazu gleich mehr.
- Auch in anderen Ländern greifen die USA Terroristen offensiv an. Präsident Bush spricht vom "war on terror",
- vom "Krieg gegen den Terror". Er sagt:
- Das stammt aus einer Rede Bushs am 20. September 2001. Die Islamisten dagegen behaupten,
- die USA führten Krieg direkt gegen die Muslime. Ein großes Problem ist, dass die USA vorbeugend, präventiv
- gegen echt und vermeintliche Terroristen zuschlagen, ohne Gerichtsurteil zum Beispiel.
- Die USA arbeiten auch daran, Regierungen zu stürzen, die aus ihrer Sicht im Verdacht stehen,
- Terror zu unterstützen. Sehr oft fehlen die Beweise.
- Dieser Krieg gegen den Terror wird besonders problematisch, als die Regierung Bush beschließt,
- die Gelegenheit beim Schopfe zu ergreifen und das Regime von Saddam Hussein im Irak zu beseitigen.
- Die offizielle Begründung: Der Irak habe Massenvernichtungswaffen.
- Auch in diesem Krieg kämpfen mehrere Staaten an der Seite der USA, Großbritannien etwa.
- Im Gegensatz zum Afghanistan-Krieg nicht auf Basis eines UN-Mandats. Später stellt sich raus,
- dass die Beweise gegen Saddam gefälscht sind. Der Irakkrieg wird zu einem sehr langen, blutigen Einsatz.
- Er bringt den USA Feinde. Und noch mehr Feinde.
- Die Vereinigten Staaten setzen militärische Gewalt ein, unter der auch Zivilisten leiden.
- Das untergräbt ihre Stellung in der islamischen Welt und spielt den Islamisten in die Hände.
- Viele junge Männer radikalisieren sich, treten Terrorgruppen bei. Auch in der Bundesrepublik Deutschland
- ändert sich die Sicherheitspolitik. Für die Bundeswehr zählt nicht mehr nur die Landesverteidigung,
- gegen Angriffe eines anderen Staates, immer mehr geht es um asymmetrische Kriege.
- Nicht mehr die Armeen zweier Nationen stehen sich gegenüber, man wappnet sich für den Kampf gegen nichtstaatliche Akteure,
- wie die Taliban oder al-Qaida. Auch deutsche Soldaten kämpfen jetzt in Afghanistan.
- Berühmt geworden ist in diesem Zusammenhang der Satz des damaligen Verteidigungsminister Peter Struck:
- "Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt."
- Rund 150.000 Bundeswehrsoldaten kommen in Afghanistan insgesamt zum Einsatz.
- 35 von ihnen werden im Gefecht oder durch Anschläge getötet. Erst in diesem Jahr, 2021, zieht sich Deutschland,
- wie die USA, komplett aus Afghanistan zurück. Die Frage ist: Hat sich der Einsatz gelohnt?
- Das ist sehr umstritten. Die westlichen Staaten führen nicht nur Krieg,
- sie verändern auch ihre Sicherheitsarchitektur im Inneren. Ich mein nicht nur verstärkte Cockpit-Türen
- oder begrenzte Flüssigkeitsmengen im Handgepäck. Es war den westlichen Geheimdiensten schon lange bekannt,
- dass al-Qaida einen Anschlag plant. Aber die Erkenntnisse wurden nicht miteinander geteilt.
- Deshalb sollen die Behörden enger zusammenarbeiten. Die Politiker:innen erweitern die Möglichkeiten der Geheimdienste.
- Die dürfen jetzt viel mehr überwachen, etwas Telefone abhören und die Kommunikation im Internet überwachen.
- Auch Banken, Airlines und Telekommunikationsunternehmen werden zur Zusammenarbeit gezwungen.
- Die Sicherheitsgesetze werden verschärft, vor allem in den USA, aber auch in Deutschland.
- Denn die Attentäter vom 11. September haben sich teilweise in Hamburg vorbereitet.
- Unbemerkt von den deutschen Sicherheitsbehörden wie dem Bundesnachrichtendienst oder dem Bundeskriminalamt.
- Die erhalten nach den Anschlägen von der deutschen Politik immer mehr Befugnisse, dürfen etwa mehr und einfacher abhören.
- Um deren Zusammenarbeit zu verbessern, wird auch ein gemeinsames Terrorabwehrzentrum eingerichtet.
- Die vielen Gesetzesverschärfungen und Maßnahmen der Sicherheitspakete, wie die Gesetzesänderungen genannt werden,
- sollen helfen, Terroristen schneller zu entdecken. Die bürgerlichen Grundrechte werden dafür eingeschränkt.
- Das führt zu massiven Protesten. Politik, Justiz und Öffentlichkeit
- streiten hitzig über das richtige Verhältnis von Freiheit und Sicherheit.
- Tatsächlich hebt das Bundesverfassungsgericht in den kommenden Jahren einige Maßnahmen wieder auf,
- wie 2006 etwa die vorbeugende Rasterfahndung oder 2010 die Vorratsdatenspeicherung.
- Die Grundrechte sind nämlich so wichtig, dass man sie auch dann nicht zu sehr einschränken darf,
- wenn man damit Terroranschläge verhindern will. Denn solche Befugnisse können leicht missbraucht werden.
- Was ändern die Attentate in den anderen Staaten der Welt? Russland unterstützt die USA stark im Krieg gegen den Terror
- mit Geheimdienstinformationen, mit logistischer Unterstützung,
- mit eigenen militärischen Operationen. Dabei nutzt Präsident Wladimir Putin
- den Kampf gegen Terroristen auch als Deckmantel, um nationale Minderheiten anzugreifen, etwa in Tschetschenien.
- Bis zum 11. September ist der Westen sehr kritisch gegenüber dem russischen Vorgehen in Tschetschenien.
- Aber nach dem 11. September lässt man Russland freie Hand. Das ist sozusagen der Preis für Russlands Kooperation.
- Die westlichen Staaten sind im Kampf gegen den Terror, das kann man wohl so sagen, verlogen.
- Wenn ihr's zurückhaltender wollt, sind moralisch flexibel. Die Regierungen in Ägypten oder Jordanien
- übernehmen die Drecksarbeit für die westlichen Staaten. Es kommt öfter vor,
- dass Personen wegen Terrorverdachts festgenommen und dann an ägyptische Behörden übergeben werden,
- die die Verdächtigen daraufhin foltern. Der Westen selbst foltert nicht, er lässt foltern.
- Wobei manchmal foltert er auch selbst. Die USA richten auf dem Militärstützpunkt Guantanamo
- auf Kuba ein Gefangenenlager ein, auf dem mutmaßliche Attentäter ohne gerichtliche Anweisung
- festgehalten und auch gefoltert werden. Blickt man heute auf diese Reaktion zurück,
- kann man sagen, dass oft überreagiert oder der Antiterrorkampf als Deckmantel für andere Interessen genutzt wurde.
- Wenn man die Grundsätze der Demokratie und der Menschenrechte verletzt, weil man sie schützen will,
- dann ist doch was schiefgegangen, würde ich sagen. Was bedeutet schon das Schlagwort "Krieg gegen den Terror"?
- Kann man gegen Terror überhaupt Krieg führen? Die Frage ist auch: Wie werden Menschen zu Attentätern?
- Bitte nicht falsch verstehen, ich will nichts relativieren. Wer sich entscheidet, Menschen zu töten,
- um politische Ziele zu erreichen, ist ein Verbrecher. Aber strukturelle Umstände begünstigen Terrorismus:
- ungerechte Wirtschaftsbeziehungen beispielsweise, Ausbeutung von Menschen,
- Diskriminierung wegen der ethnischen Zugehörigkeit oder auch wegen der Religion.
- Wenn man den Terror bekämpfen will, ihm den Boden entziehen will, würde zumindest ich sagen, dann muss man dafür sorgen,
- dass keine jungen Frauen und Männer mehr ohne Perspektiven und gedemütigt aufwachsen.
- Dieses Bewusstsein wächst auch nach dem 11. September. Zumindest teilweise.
- 9/11 hat also eine ganze Menge verändert, sogar Kriege ausgelöst.
- Auch der Initiator, Osama bin Laden, wird schlussendlich gefasst. Fast zehn Jahre nach den Anschlägen, am 2. Mai 2011,
- wird der Terrorist in seinem Anwesen in Pakistan von US-Soldaten erschossen.
- Ist der 11. September eine Zäsur, ein historischer Einschnitt? Klar ist, die Sicherheitspolitik nach innen und außen
- hat sich durch die Anschläge gewandelt. Die Kriege in Afghanistan und Irak, deren Folgen bis heute spürbar sind,
- hätten so wohl nicht stattgefunden. Das Verhältnis zwischen westlichen und muslimischen Staaten
- wird schwer belastet ebenso wie das gesellschaftliche Zusammenleben allgemein.
- Der Rassismus gegenüber Muslimen steigt signifikant. Die Vorurteile auch.
- Teilweise bleibt es auch nicht bei verbalen Angriffen. Zahlreiche Muslime müssen sich von islamistischer Gewalt distanzieren.
- Sie sagen extra, dass sie keine Terroristen sind. Dabei sollte klar sein,
- dass die fanatische Auslegung des Islam was anderes ist. Aber ist 9/11 wirklich Schuld an diesen Konflikten?
- Waren die Anschläge nur ein Katalysator, der Dinge beschleunigt hat, die ohnehin eingetroffen wären?
- Schließlich gab's sowohl zuvor als auch nach dem 11. September Terroranschläge.
- Die USA haben schon vor 2001 Kriege im Nahen Osten geführt. Die weltpolitischen Großtrends, die uns heute beschäftigen,
- hat 9/11 nicht wirklich beeinflusst: die wachsende Rivalität zwischen den USA und China
- oder die Frage, was wir ändern können, um den Klimawandel aufzuhalten.
- Es ist schwierig, die Frage eindeutig zu beantworten. Ich mache es mir einfach und gebe die Frage an euch weiter:
- War der 11. September 2001 ein Ereignis, das die Welt verändert hat?
- Oder müssen wir vielleicht noch zehn, 20, 30 Jahre warten, bis wir das beurteilen können?
- Schreibt das gerne unten in die Kommentare. Falls ihr mehr über 9/11 erfahren wollt,
- dann findet ihr hier eine ZDF-History-Doku über die Jagd des CIA auf Osama bin Laden.
- Darunter geht es in einem weiteren Video von uns über weitere bedeutende Terroranschläge der Geschichte.
- Danke fürs Zuschauen. Bis zum nächsten Mal.
Zum Nachlesen
11. SeptemberZu den Terroranschlägen 2001 in den Vereinigten Staaten siehe Terroranschläge am 11. September 2001. Der 11. September ist der 254. Tag des gregorianischen …
World Trade CenterDas World Trade Center [wɝːldˈtɹeɪdˌsɛntɚ] (deutsch Welthandelszentrum, abgekürzt WTC) war ein im Jahr 1973 eröffneter Bürokomplex im Financial District an …