Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).
Selbstexperiment: Leben wie die Hare Krishna | Galileo | ProSieben
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 117 Zeilen
- Sieht aus als wäre unser Reporter Harro hier in Indien unterwegs, oder? Tatsächlich ist er aber mitten in Deutschland.
- Und die buntgekleideten Menschen um ihn herum nennen sich Hare Krishnas. Aber wer sind die eigentlich und was machen die?
- Harro ist für einen Tag bei den Hare Krishnas eingezogen, um genau das herauszufinden! Diese bunte Truppe scheint ziemlich gut drauf zu sein.
- Singen und Tanzen, bis der Arzt kommt. Und die Leute in der Innenstadt haben eine ganz klare Vorstellung, wo die herkommen.
- „Die kommen irgendwo aus Indien aus Puna oder irgendwo da aus dem asiatischen Bereich.“ Nicht ganz.
- Das sind Hare Krishnas [Hare Krischnas]. Und die leben bei uns in Deutschland.
- Doch ganz so lustig, wie es aussieht, ist das Leben in ihrem Tempel nicht. Wer hier mitmachen will, muss auf einiges verzichten: Kein Wohlstand, kein Sex vor der
- Ehe, kein Alkohol, kein Fleisch. Wie integrieren die das in ihren Alltag?
- Und wer macht da freiwillig mit? Galileo-Reporter Harro Füllgrabe ist unterwegs in den Bayerischen Wald. Ausgerechnet in dieser
- erzkatholischen Ecke leben 40 Hare Krishna Anhänger in einem eigenen Tempel. „Ich hab überhaupt gar keine Ahnung, was da auf mich zukommt.
- Hare Krishna hat glaub ich jeder schon mal gehört und so geht’s mir auch, allerdings kann ich das mit nichts bestimmten verbinden.
- Was ist das? Ist das eine Sekte?
- Ist das eine Glaubensgemeinschaft?“ Harro will sich sein eigenes Bild von den Hare Krishnas machen und in ihren Alltag eintauchen.
- Der Tempel sieht auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Bauernhof aus. „Ich bin jetzt wirklich gespannt wie das wird, denn ich habe gehört dass es hier auch
- eine Menge an Ritualen gibt, die durchlebt werden. Aber was genau?
- Überhaupt gar keine Ahnung dafür muss ich mich erstmal ein bisschen umhören. Hallo.
- Ich stell das mal kurz ab. Hare Krishna!
- Sagt man das auch als Hallo sozusagen?“ „Kann man sagen, natürlich!“ „Wie ist dein Name?“ „Gour Mohan.“
- „Gour Mohan? Hallo.
- Gour Mohan ist das dein normaler, eingetragener Name oder?“ „Das ist ein Mönchsname den man kriegt und den man mit sich
- dann trägt.“ „Hast du denn vorher einen anderen Namen gehabt?
- Wie hast du denn vorher geheißen?“ „Gopal.“ „Gopal?
- Der klingt ja auch schon sehr sag ich mal, außergewöhnlich oder?“ Grund für diesen Namen: Gour Mohan [Gor Mohan] ist in den Krishna Kult rein geboren.
- Seine Eltern haben diesen Tempel vor 35 Jahren mit aufgebaut. Seit er auf der Welt ist, dreht sich alles um Krishna.
- Mit 17 hat er beschlossen, Krishna-Mönch zu werden. „Gab es schon mal irgendwann bei dir im Leben einen Punkt, wo du gesagt hast okay
- ich möchte jetzt zwar Mönch werden aber es gab schon mal andere Optionen. Andere Abzweigungen dieses Weges?“ “Durchaus.
- Mein Ziel oder mein Traum war es immer gewesen Mathe und Physik zu studieren das war mir sehr gelegen und das hat mir sehr gefallen aber ich wollte etwas machen, was richtig
- Substanz hat. Etwas was mir Freude gibt.
- Nicht mal das, ich wollte einfach etwas, was einen bleibenden Wert bringt.” Für Gour Mohan kommt ein „normales“ Leben nicht mehr in Frage.
- Er verzichtet freiwillig auf Sex vor der Ehe, auf Fleisch, auf Alkohol und auf Glücksspiel. Denn all diese Dinge sind hier im Krishna-Tempel tabu.
- Harro darf jetzt in den Tempel. Und der weckt Erinnerungen in ihm…
- „Ich rieche Indien. Kann man das so sagen?
- Also was mir auffällt ist tatsächlich dieser sehr, ich mag ihn sehr gerne, dieser Geruch von den Räucherstäbchen als solche.“
- Stimmt, Denn Krishna ist eine indische Gottheit. In den 1960er Jahren bringt ein indischer Mönch den Kult um Krishna in die USA.
- Vereinzelte Hippiegruppen sind von der Idee „Love and Peace“ [engl. Aussprache] sofort begeistert.
- Richtig populär wird die Hare-Krishna-Bewegung durch die Beatles. Heute ist der Krishna-Kult nicht mehr ganz so angesagt.
- Doch weltweit gibt es immer noch um die 100.000 Krishnas, in Deutschland um die 800. Und was machen die den ganzen Tag?
- „Das, was wir machen, wir haben gewisse Rituale, gewisse Zeremonien, die wir darbringen um dann so unsere Liebe und Zuneigung zu Krishna, zu Gott auszudrücken.“
- Und das heißt im Klartext: Beten, tanzen und singen – und das praktisch den ganzen Tag lang.
- Klingt erst mal ganz nett. Doch immer wieder gibt es auch kritische Stimmen: Die Hare Krishnas wären nicht so harmlos,
- wie sie sich präsentieren. Schließlich schotten sie sich durch ihren außergewöhnlichen Lebensstil von der „normalen“
- Gesellschaft ein Stück ziemlich ab. Und was sagt Gour Mohan zu solchen Vorwürfen?
- „Wie geht man damit emotional um?“ „Man lernt das zu tolerieren, das ist eine der Aufgaben der Mönche.
- Auch dadurch dass man viel reist. Es ist eine der Aufgaben der Mönche, dass man viel reist.
- Mit Leuten spricht und in Kontakt tritt.“ Wie genau die Hare Krishnas auf die Leute zugehen, wird Harro noch sehen.
- Denn er möchte einen Tag lang den Alltag der Krishnas miterleben. Dafür muss er jetzt schlafen gehen – der Tag bei den Krishnas beginnt früh.
- Ihre Besitztümer müssen die Krishnas vor Einzug in den Tempel ablegen. „Wir sehen uns Morgen.
- Macht es gut ciao! Jetzt bin ich mal gespannt wie das wird.
- Wenn ich jetzt das erste mal ganz früh aufstehen muss und die Zeremonien weiterhin mitmache, was das für eine Auswirkung auf mich hat.
- Aber dafür heißt es jetzt erstmal dringend schlafen. Also gute Nacht.“
- Gute Nacht? Von wegen…
- „So ein Mist. Da hat man nur so kurz Zeit zum Schlafen und dann schnarcht der Partner.“
- Und das, wo die Nacht so schnell vorbei ist. Zimmer-Mitbewohner Sadbhuja [Sadbudscha] weckt Harro.
- „Es ist jetzt kurz vor vier. Und wenn du das Morgen Programm mitmachen möchtest dann können wir jetzt aufstehen.“
- Steht frei. „Noch nicht mal die Sonne ist wach.
- Da kann man doch nicht verlangen, dass das ein Mensch ist.“ Sorry Harro, da musst Du jetzt durch...
- Die Krishnas beginnen ihren Tag – jeden Tag – um 4.30 Uhr mit einem vierstündigen Programm aus Morgenzeremonie und Meditation.
- Doch zuerst erhält Harro sein Gewand. „Wie ist das denn eigentlich mit diesem Dhoti heißt das, oder?
- Ist das sozusagen Alltagskleidung?“ „Die Idee ist einfach, dass man im Tempel eine spirituelle Atmosphäre versucht zu kreieren
- und dann hilft einfach die Kleidung natürlich auch. Wenn ich da in Leggings rumlaufe oder so, das macht ein anderes Lebensgefühl als in
- einem Dhoti.“ Alle tragen dieses traditionelle Gewand freiwillig nicht nur im Tempel, sondern auch draußen.
- Und die Krishnas haben ein spezielles Makeup. „Das ist Tilak.
- Das ist Ton vom Ganges. Ja Ganges ist ein heiliger Fluss.
- Das habt ihr schon mal gehört.“ Jaaaa, der Ganges.
- Nicht gerade bekannt für die gute Wasserqualität. Wir hoffen, das gilt nicht für die Lehmqualität.
- „Oh es ist halb.“ „Dann lass mal rüber gehen.“ Die erste Tempelzeremonie steht an.
- Und wieder wird getanzt, getrommelt und drauf los gesungen. Wie ist das so bei so viel Heiterkeit am frühen Morgen?
- „Es ist noch nicht mal zehn nach Fünf. Normalerweise dreh ich mich da nochmal um im Bett und weiß, dass ich noch ein bisschen
- Zeit habe zum Schlafen.“ Statt schlafen ist jetzt Mantra Meditation angesagt.
- Dabei hilft diese spezielle Gebetskette. „Man nimmt das zwischen Daumen und Mittelfinger und dann chantest du einfach immer ein Mantra.
- Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna, Krishna, Hare, Hare, Hare Rama, Hare Rama, Rama, Rama, Hare Hare.
- Und dann gehst du zur nächsten Perle.” Und genau dieser Vers wird dann 1728 Mal wiederholt.
- Hilft angeblich, um loszulassen und einen klaren Kopf zu kriegen. „Dieses Mantra, dieses ständige Wiederholen, das macht einen ziemlich müde finde ich jetzt,
- also das ist eine Form von Trance glaube ich, wenn man sich da richtig rein steigert, also ich gebe mir ja Mühe ich versuche das auch zu machen.
- So ein bisschen dizzy wird man da. Ganz schwer in Worte zu fassen.“
- Nach der Meditation ist wieder Singen angesagt. Es ist 7.15 Uhr.
- Normalerweise würde man jetzt zur Arbeit gehen. „Wenn du dazu noch parallel arbeitest, was ja auch einige tun.
- Wie kriegt man diese Kraft hin?“ „Also diejenigen, die jetzt einen normalen Job haben, die machen jetzt nicht das ganze
- Morgenprogramm mit. Das ist einfach nur für die, die wollen.
- Dass es einfach einen Platz gibt, wenn das jemand machen möchte. Hier ist ein Ort, um das zu leben.
- Das ist aber alles freiwillig.“ Einige der Krishnas haben ganz normale Jobs außerhalb des Tempels.
- Von denen möchte aber niemand mit Harro vor der Kamera sprechen, weil sie Angst haben, dass es bei ihren Chefs nicht gut ankommt.
- Das viele Tanzen macht hungrig. Viereineinhalb Stunden nach dem Aufstehen gibt’s Frühstück.
- Und das sieht richtig üppig aus. Einzige Einschränkung: die Krishnas sind Vegetarier.
- Und wie bezahlen sie das Essen? Die Krishnas mit Job zahlen hier auf dem Hof Miete.
- Wie viel, verrät Gour Mohan Harro nicht. Und wie finanziert sich der Rest?
- „Ein Landwirtschaftsbetrieb also so ein Hof oder so, das ist ja auch nicht billig. Das sind ja auch laufende Kosten.
- Strom nutzt ihr ja, alles was dazu gehört. Wie deckelt man sowas ab wie kriegt man das finanziell hin?“
- „Also wir haben eine Fördergemeinde. Die finden das Projekt schön, die finden gut, dass Mönche hier leben.
- Dass man einen Zufluchtsort hat. Das ist eigentlich ein großer Teil.
- Und ein anderer Teil sind halt auch die Mönche, die unterwegs sind, geben halt auch Bücher an die Menschen weiter und fragen nach Spenden.
- Und das balanciert sich dann so aus. Gour Mohan ist Tempelpräsident.
- Er verwaltet das Geld und teilt den Krishnas ohne Job Aufgaben auf dem Hof zu. Außerdem ist er für Neulinge wie Matthias zuständig.
- Der hat noch keinen indischen Namen, denn er ist noch nicht vollständig im Tempel aufgenommen. Was bewegt ihn dazu, zu den Hare Krishnas zu gehen?
- „Ich hatte halt wirklich grade ein einschneidendes Erlebnis und das hat halt auch dazu geführt, dass ich mich auch drauf eingelassen habe.
- So dass ich halt wirklich gesagt habe: Okay jetzt ist halt grade alles ein bisschen….richtig schlecht und dann versuche ich das einfach mal.
- Und das hat halt irgendwo seine Wirkung erzielt.“ Kritiker werfen den Krishnas oft vor, Leute anzuwerben, die in einer Notlage sind.
- Und wie ist der Lebenswandel für Matthias? „Ich könnte jetzt nicht von heute auf Morgen alles aufgeben und hier in den Tempel einziehen.
- Meine Wohnung auflösen und alle Sachen, die ich noch so mache jetzt aufgeben und sagen: ok jetzt gebe ich mich vollständig hin.
- Es ist halt auch ein Prozess ja.“ „Aber das ist dein Ziel?
- Also das heißt: Du bist jetzt nicht bereit dazu, zu sagen: Jetzt mache ich den harten Schnitt und jetzt ist es halt nur noch das.“
- Ob und wann Matthias komplett auf dem Hof einzieht und alles andere zurücklässt, entscheidet am Ende auch Tempelpräsident Gour Mohan.
- Denn nur wer enthaltsam lebt, die Regeln beachtet und sich von seinem alten Leben komplett verabschiedet, darf hier bleiben.
- Und wie kommen die Hare Krishnas an neue Mitglieder? Es geht mit dem Gemeinschaftsbus in die Stadt.
- „Sag mal, wie ist denn das so was wir jetzt machen. Wir werden nach Passau fahren in die Innenstadt.
- Passiert sowas häufiger? Wofür macht ihr das?“
- „Das machen wir einfach um diese Freude, die wir haben, mit den Menschen zu teilen. Warum sollen wir nur an uns denken, wenn wir das auch mit den Leuten teilen können?“
- Ganz so selbstlos ist die Nummer nicht. Bei solchen Straßenmissionen verteilen die Hare Krishnas Bücher und CDs – nicht kostenlos,
- sondern gegen eine Spende. Das wichtigste ist aber: auf sich aufmerksam machen und Interesse wecken.
- Und so vielleicht auch ein paar neue Mitglieder an Land ziehen. Harro macht nicht mit und hält sich im Hintergrund.
- Er will wissen, was die Passanten von den Hare Krishnas halten. „Also mich inspiriert das.“ „Musik ist voll interessant.
- Voll chillig.“ Offensichtlich kommt das Tanzen und Singen bei den Leuten ganz gut an.
- Harro hat seine Zeit hier genossen. Doch Krishna Mönche müssen auch sehr viel aufgeben, um hier im Tempel leben zu dürfen.
- „Dieser Verzicht, dieses pure Konzentrieren auf diesen einen Gott. Ich glaube das ist etwas was mir sehr schwer fallen würde.
- Ich könnte es schlicht und ergreifend nicht.“ Während unserer Dreharbeiten im Tempel sind uns keine sektentypischen Züge an den Hare
- Krishnas aufgefallen. Allerdings haben wir auch nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Alltag der Krishnas mitbekommen.
- Eins ist am Ende sicher: Das Leben im Hare Krishna Tempel ist ganz bestimmt kein Ponyhof.