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Ausstieg aus der Freikirche: "Ich habe alles verloren"
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 107 Zeilen
- Höllenangst und Dämonen Austreibung. Das Wort Freikirche lässt bei vielen die Alarmglocken läuten.
- Priska Lachmann hat auch gute Erfahrungen gemacht. Das ist wirklich eine große Gemeinde.
- Es waren so 500 Leute immer da und ganz, ganz viele Menschen, die dich lieb haben und so,
- das ist wirklich was Schönes. Trotzdem ist sie ausgestiegen. Warum? Das erfahrt ihr gleich.
- Was denkst du, wenn du das Wort Freikirche hörst?
- Ganz so krass ist es allerdings nicht. Allein in Deutschland gehören rund 300.000
- Menschen einer Freikirche an, anders als die katholische Kirche
- oder die evangelischen Landeskirchen finanzieren sich Freikirchen nicht über die Kirchensteuer,
- sondern durch Spenden ihrer Mitglieder. Nicht wenige geben 10 % ihres Einkommens.
- Eine weitere Gemeinsamkeit: Der Glaube soll eine freie und persönliche
- Entscheidung sein. Deshalb taufen viele Freikirchen keine Kleinkinder,
- sondern Erwachsene. Die grösste Freikirchen Gemeinschaft
- hat daher auch ihren Namen: die Baptisten. Die sind, wie auch die meisten freien evangelischen Gemeinden,
- eher konservativ. Bei anderen Strömungen, oft inspiriert von amerikanischen
- oder australischen Vorbildern, geht es manchmal schon gut ab mit Worship
- und dem Sprachen Gebet. ???
- Herzlich willkommen in diesem zauberhaften Stadtteil von Leipzig.
- Ich treffe mich hier gleich mit Priska und Priska hat eine total spannende
- Geschichte zu erzählen. Sie ist nämlich mal aus einer Freikirche rausgeflogen,
- weil sie sich nicht an die Regeln gehalten hat. Priska Lachmann war Mitglied einer
- freikirchlichen Pfingstgemeinde. Mit 24 Jahren ist sie ausgestiegen.
- Wir treffen sie in Leipzig. Und das ist wirklich eine große Gemeinde.
- Es waren so 500 Leute immer da und ganz, ganz viel Menschen,
- die dich lieb haben und das ist wirklich was Schönes.
- Wir waren dann immer auf Festivals. Das hier ist Freakstock. Das sind auch coole Festivals.
- Immer in diesem kleinen Subkontext, würde ich sagen.
- Und wenn du in diesem kleinen Subkontext bist, denkst du, das ist schon das Größte,
- was es gibt. Mit 18 macht sie Abi,
- fängt ein Studium der Theologie in Freiburg an, über die Freikirche lernt Priska ihren
- ersten Freund kennen. Sex vor der Ehe ist in ihrer Freikirche ein NoGo.
- Zusammenziehen dürfen die beiden nicht. Auch deshalb heiratet Priska ihren Freund mit 19 Jahren.
- Mit ihrer Schwangerschaft geht es für die beiden zurück in die Heimat, nach Leipzig.
- Dadurch, dass wir wieder in die Heimat gezogen sind, hatte man den Mut und die Kraft,
- sich dann tatsächlich zu trennen. Wir haben uns auf jeden
- Fall viel zu spät getrennt. Es war sehr, sehr verletzend und sehr, sehr unschön.
- Aber es ist eine ganz große Erleichterung, als es geschehen ist,
- als endlich diese Entscheidung gefallen ist, dass wir es tun. Und gleichzeitig ist es tatsächlich so gekommen,
- wie ich gewusst habe. Ich habe alles verloren. Ich durfte meinen Beruf nicht mehr ausüben.
- Es geht dann in so eine Art Übergangszeit. Wurde dann drei Jahre quasi
- so eine Bewähtungszeit hast und am besten
- wieder zusammenkommst. Ja, ich würde sagen, ich habe eigentlich alle Freunde verloren in der Zeit.
- Also am Anfang waren die schon noch da, immer in der Hoffnung, dass wir wieder zusammenkommen.
- Aber es hat sich dann sehr schnell weg dividiert. Wir haben jetzt ein bisschen Abstand dazu, auch zeitlich.
- Und ich merke, dass du da einfach gut mit bist. So, aber jetzt noch mal so in diese Zeit
- zurück zu springen. Wenn ich dir zuhöre, dann merke ich richtig,
- wie es sich in mir selber zusammenzieht. War in so jungen Jahren wirklich so alles,
- was man sich so als Sicherheit aufgebaut hat Und das war für dich sicherlich
- zum Großteil auch die Gemeinde und die Struktur und alles, was dazu gehörte, das wegbrechen zu lassen.
- Ja, ja, das war ja krass. Und ich erinnere mich total schön an so einen Moment.
- Da habe ich mir zwei Wochen Zeit genommen, mich komplett rausgenommen und habe überlegt
- Was will ich denn? Also es war vielleicht zum Ersten Mal,
- aber ich hatte ja, ich hatte ja nichts mehr zu verlieren.
- Es war ja eh schon alles vorbei und ich konnte ja jetzt praktisch. Es war wie so ein Reset Knopf.
- Und dann dachte ich was will ich denn eigentlich? Unabhängig von Kirche, unabhängig von Gott,
- unabhängig von den Vorstellungen anderer Menschen über mein Leben? Was will ich? Wie will ich denn leben?
- Was will ich? Will ich eine Beziehung? Will ich rumhuren — was will ich?
- Zu diesem Zeitpunkt gewährt Priska Freikirche noch eine 3-jährige Kulanz. Denn die glaubt,
- Priska und ihr Mann könnten noch mal zusammenkommen. Nach ihrer Trennung lernt Priska aber einen
- neuen Mann kennen, wird schwanger und dass unverheiratet
- für ihre Freikirche ein großes Problem. Priska muss austreten.
- Ich muss mich rechtfertigen für das, wie ich leben möchte. Ich musste darüber sprechen, dass ich schwanger bin.
- Da war ich ganz frisch schwanger. Also es ist eigentlich ein Zustand,
- in dem man da noch gar nicht über seine Schwangerschaft spricht.
- Das hat sich sehr unangenehm angefühlt. Und zu privat.
- Ich wollte vor allem da ja gar nicht drüber sprechen. Nach diesem Gespräch bin nach hause gegangen,
- habe mich in die Wanne gelegt, habe geweint. Man verliert ja ein Stück Identität damit,
- also muss man sich ja vorstellen. Die Gemeinde ist ja allumfassend im Leben involviert.
- Dein Zuhause ist mein Zuhause. Genau. Und das ist auch meine Identität.
- Ich habe mich über den Beruf auch definiert. Wo bin ich jetzt? Es war alles weg.
- Natürlich sind das zwei Ebenen, auf denen dann Dinge zusammenbrechen.
- Hast du selber schon gesagt, Es war klar, du kannst da den Beruf nicht mehr ausüben,
- weil das mit den Normen nicht überein passt. Aber zusätzlich zu dieser beruflichen
- Krise kam ja der, der persönliche, die persönliche Krise noch dazu.
- Und natürlich hat sich das vermischt. Wahrscheinlich so,
- das ist ja alles so weggebrochen. Genau. Auch wenn sich ihre Freunde von ihr abwenden und Priska
- ihren Job als Vikarin in Leipzig nicht behalten darf. Ihren Glauben hat Priska nicht verloren.
- In einer evangelisch lutherischen Kirchengemeinde findet sie neuen Anschluss.
- Wir haben die Menschen in dieser Gemeinde auf dich und deine Geschichte reagiert.
- War das überhaupt ein Thema? Ich habe damals mit dem Pastor darüber gesprochen,
- bevor ich eingetreten bin. Ich dachte, das ist ein Thema. Also ich bin ja so geprägt,
- dass ich dachte ich muss das ansprechen. Der hat mich völlig verwirrt angeschaut.
- Und für den war das kein Thema. Aber gut, er kannte mich ja dann auch erst aus dem neuen Kontext.
- Wie hat sich das für dich angefühlt, diese Begegnung mit diesem Pastor?
- Unfassbar schön. Das war sehr heilsam. Das ist gar nicht relevant war. Das war unglaublich schön.
- Es ging um meine Theologie und meine theologischen Grundsätze. Das war wichtig,
- aber nicht mein Privatleben. Wenn du auf deine Krise zurückblickst,
- auf das finstere Tal, gibt es Dinge, die du ganz konkret benennen kannst,
- die für dich hilfreich waren. Unsere Intuition. Ich glaube ja, dass,
- wenn wir von Gott geleitet sind, auch Gott in uns wohnt und wir manchmal
- der Heilige Geist in uns, uns ein gutes Bauchgefühl gibt und wir so ein inneres
- Wissen haben und ich wusste, wie meine nächsten Schritte aussehen.
- Ich habe es auch wirklich kein einziges Mal bereut. Ich habe es nur für mich entschieden.
- Und ich wusste ganz genau, wo es lang geht. Keiner hat das verstanden, aber ich wusste das.
- Das war ein Ausbruch aus allem für mich. Und das war. Das hat sich so Selbstbewusstsein
- stärkend angefühlt. Zu sagen, ich bin in einer Krise. Ich habe Kraft von oben und aus mir heraus.
- Und ich kann aktiv. Schaffe ich in dieser Hoffnung den Mut — Was du gesagt hast —
- Schaffe ich da wieder raus zu krabbeln und mir eine schöne Zukunft zu schaffen. Ich vergebe den anderen.
- Ich vergebe mir selbst meine eigenen Fehler. Ich entscheide mich auch zu vergeben.
- Das ist ein riesengroßer Schritt. Ich bin dankbar für den Tag mit Priska,
- dass sie so viel erzählt hat aus ihrem Leben und auch so viel Persönliches und Privates.
- Und das ist ja schon was mega Privates, jemanden so tief mit hinein zu lassen in
- die eigene Lebenskrise. Und das war ja schon richtig finsteres Tal,
- durch das sie da gegangen ist. Und ich bin meinem Gott total dankbar,
- dass er sie da begleitet hat und dass sie das auch so empfunden hat. Und ich weiß,
- dass sie nicht der einzige auf dieser Welt ist, bei dem unser Gott das macht,
- sondern dass er bei jedem Einzelnen wieder versucht. Wenn es euch gefallen hat, abonniert den Kanal.
- Ich freue mich aufs nächste Mal. Ciao.