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Ausstieg aus der Freikirche: "Ich habe alles verloren"

BASIS:KIRCHE9:44 112.105 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 107 Zeilen
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  1. Höllenangst und Dämonen Austreibung. Das Wort Freikirche lässt bei vielen die Alarmglocken läuten.
  2. Priska Lachmann hat auch gute Erfahrungen gemacht. Das ist wirklich eine große Gemeinde.
  3. Es waren so 500 Leute immer da und ganz, ganz viele Menschen, die dich lieb haben und so,
  4. das ist wirklich was Schönes. Trotzdem ist sie ausgestiegen. Warum? Das erfahrt ihr gleich.
  5. Was denkst du, wenn du das Wort Freikirche hörst?
  6. Ganz so krass ist es allerdings nicht. Allein in Deutschland gehören rund 300.000
  7. Menschen einer Freikirche an, anders als die katholische Kirche
  8. oder die evangelischen Landeskirchen finanzieren sich Freikirchen nicht über die Kirchensteuer,
  9. sondern durch Spenden ihrer Mitglieder. Nicht wenige geben 10 % ihres Einkommens.
  10. Eine weitere Gemeinsamkeit: Der Glaube soll eine freie und persönliche
  11. Entscheidung sein. Deshalb taufen viele Freikirchen keine Kleinkinder,
  12. sondern Erwachsene. Die grösste Freikirchen Gemeinschaft
  13. hat daher auch ihren Namen: die Baptisten. Die sind, wie auch die meisten freien evangelischen Gemeinden,
  14. eher konservativ. Bei anderen Strömungen, oft inspiriert von amerikanischen
  15. oder australischen Vorbildern, geht es manchmal schon gut ab mit Worship
  16. und dem Sprachen Gebet. ???
  17. Herzlich willkommen in diesem zauberhaften Stadtteil von Leipzig.
  18. Ich treffe mich hier gleich mit Priska und Priska hat eine total spannende
  19. Geschichte zu erzählen. Sie ist nämlich mal aus einer Freikirche rausgeflogen,
  20. weil sie sich nicht an die Regeln gehalten hat. Priska Lachmann war Mitglied einer
  21. freikirchlichen Pfingstgemeinde. Mit 24 Jahren ist sie ausgestiegen.
  22. Wir treffen sie in Leipzig. Und das ist wirklich eine große Gemeinde.
  23. Es waren so 500 Leute immer da und ganz, ganz viel Menschen,
  24. die dich lieb haben und das ist wirklich was Schönes.
  25. Wir waren dann immer auf Festivals. Das hier ist Freakstock. Das sind auch coole Festivals.
  26. Immer in diesem kleinen Subkontext, würde ich sagen.
  27. Und wenn du in diesem kleinen Subkontext bist, denkst du, das ist schon das Größte,
  28. was es gibt. Mit 18 macht sie Abi,
  29. fängt ein Studium der Theologie in Freiburg an, über die Freikirche lernt Priska ihren
  30. ersten Freund kennen. Sex vor der Ehe ist in ihrer Freikirche ein NoGo.
  31. Zusammenziehen dürfen die beiden nicht. Auch deshalb heiratet Priska ihren Freund mit 19 Jahren.
  32. Mit ihrer Schwangerschaft geht es für die beiden zurück in die Heimat, nach Leipzig.
  33. Dadurch, dass wir wieder in die Heimat gezogen sind, hatte man den Mut und die Kraft,
  34. sich dann tatsächlich zu trennen. Wir haben uns auf jeden
  35. Fall viel zu spät getrennt. Es war sehr, sehr verletzend und sehr, sehr unschön.
  36. Aber es ist eine ganz große Erleichterung, als es geschehen ist,
  37. als endlich diese Entscheidung gefallen ist, dass wir es tun. Und gleichzeitig ist es tatsächlich so gekommen,
  38. wie ich gewusst habe. Ich habe alles verloren. Ich durfte meinen Beruf nicht mehr ausüben.
  39. Es geht dann in so eine Art Übergangszeit. Wurde dann drei Jahre quasi
  40. so eine Bewähtungszeit hast und am besten
  41. wieder zusammenkommst. Ja, ich würde sagen, ich habe eigentlich alle Freunde verloren in der Zeit.
  42. Also am Anfang waren die schon noch da, immer in der Hoffnung, dass wir wieder zusammenkommen.
  43. Aber es hat sich dann sehr schnell weg dividiert. Wir haben jetzt ein bisschen Abstand dazu, auch zeitlich.
  44. Und ich merke, dass du da einfach gut mit bist. So, aber jetzt noch mal so in diese Zeit
  45. zurück zu springen. Wenn ich dir zuhöre, dann merke ich richtig,
  46. wie es sich in mir selber zusammenzieht. War in so jungen Jahren wirklich so alles,
  47. was man sich so als Sicherheit aufgebaut hat Und das war für dich sicherlich
  48. zum Großteil auch die Gemeinde und die Struktur und alles, was dazu gehörte, das wegbrechen zu lassen.
  49. Ja, ja, das war ja krass. Und ich erinnere mich total schön an so einen Moment.
  50. Da habe ich mir zwei Wochen Zeit genommen, mich komplett rausgenommen und habe überlegt
  51. Was will ich denn? Also es war vielleicht zum Ersten Mal,
  52. aber ich hatte ja, ich hatte ja nichts mehr zu verlieren.
  53. Es war ja eh schon alles vorbei und ich konnte ja jetzt praktisch. Es war wie so ein Reset Knopf.
  54. Und dann dachte ich was will ich denn eigentlich? Unabhängig von Kirche, unabhängig von Gott,
  55. unabhängig von den Vorstellungen anderer Menschen über mein Leben? Was will ich? Wie will ich denn leben?
  56. Was will ich? Will ich eine Beziehung? Will ich rumhuren — was will ich?
  57. Zu diesem Zeitpunkt gewährt Priska Freikirche noch eine 3-jährige Kulanz. Denn die glaubt,
  58. Priska und ihr Mann könnten noch mal zusammenkommen. Nach ihrer Trennung lernt Priska aber einen
  59. neuen Mann kennen, wird schwanger und dass unverheiratet
  60. für ihre Freikirche ein großes Problem. Priska muss austreten.
  61. Ich muss mich rechtfertigen für das, wie ich leben möchte. Ich musste darüber sprechen, dass ich schwanger bin.
  62. Da war ich ganz frisch schwanger. Also es ist eigentlich ein Zustand,
  63. in dem man da noch gar nicht über seine Schwangerschaft spricht.
  64. Das hat sich sehr unangenehm angefühlt. Und zu privat.
  65. Ich wollte vor allem da ja gar nicht drüber sprechen. Nach diesem Gespräch bin nach hause gegangen,
  66. habe mich in die Wanne gelegt, habe geweint. Man verliert ja ein Stück Identität damit,
  67. also muss man sich ja vorstellen. Die Gemeinde ist ja allumfassend im Leben involviert.
  68. Dein Zuhause ist mein Zuhause. Genau. Und das ist auch meine Identität.
  69. Ich habe mich über den Beruf auch definiert. Wo bin ich jetzt? Es war alles weg.
  70. Natürlich sind das zwei Ebenen, auf denen dann Dinge zusammenbrechen.
  71. Hast du selber schon gesagt, Es war klar, du kannst da den Beruf nicht mehr ausüben,
  72. weil das mit den Normen nicht überein passt. Aber zusätzlich zu dieser beruflichen
  73. Krise kam ja der, der persönliche, die persönliche Krise noch dazu.
  74. Und natürlich hat sich das vermischt. Wahrscheinlich so,
  75. das ist ja alles so weggebrochen. Genau. Auch wenn sich ihre Freunde von ihr abwenden und Priska
  76. ihren Job als Vikarin in Leipzig nicht behalten darf. Ihren Glauben hat Priska nicht verloren.
  77. In einer evangelisch lutherischen Kirchengemeinde findet sie neuen Anschluss.
  78. Wir haben die Menschen in dieser Gemeinde auf dich und deine Geschichte reagiert.
  79. War das überhaupt ein Thema? Ich habe damals mit dem Pastor darüber gesprochen,
  80. bevor ich eingetreten bin. Ich dachte, das ist ein Thema. Also ich bin ja so geprägt,
  81. dass ich dachte ich muss das ansprechen. Der hat mich völlig verwirrt angeschaut.
  82. Und für den war das kein Thema. Aber gut, er kannte mich ja dann auch erst aus dem neuen Kontext.
  83. Wie hat sich das für dich angefühlt, diese Begegnung mit diesem Pastor?
  84. Unfassbar schön. Das war sehr heilsam. Das ist gar nicht relevant war. Das war unglaublich schön.
  85. Es ging um meine Theologie und meine theologischen Grundsätze. Das war wichtig,
  86. aber nicht mein Privatleben. Wenn du auf deine Krise zurückblickst,
  87. auf das finstere Tal, gibt es Dinge, die du ganz konkret benennen kannst,
  88. die für dich hilfreich waren. Unsere Intuition. Ich glaube ja, dass,
  89. wenn wir von Gott geleitet sind, auch Gott in uns wohnt und wir manchmal
  90. der Heilige Geist in uns, uns ein gutes Bauchgefühl gibt und wir so ein inneres
  91. Wissen haben und ich wusste, wie meine nächsten Schritte aussehen.
  92. Ich habe es auch wirklich kein einziges Mal bereut. Ich habe es nur für mich entschieden.
  93. Und ich wusste ganz genau, wo es lang geht. Keiner hat das verstanden, aber ich wusste das.
  94. Das war ein Ausbruch aus allem für mich. Und das war. Das hat sich so Selbstbewusstsein
  95. stärkend angefühlt. Zu sagen, ich bin in einer Krise. Ich habe Kraft von oben und aus mir heraus.
  96. Und ich kann aktiv. Schaffe ich in dieser Hoffnung den Mut — Was du gesagt hast —
  97. Schaffe ich da wieder raus zu krabbeln und mir eine schöne Zukunft zu schaffen. Ich vergebe den anderen.
  98. Ich vergebe mir selbst meine eigenen Fehler. Ich entscheide mich auch zu vergeben.
  99. Das ist ein riesengroßer Schritt. Ich bin dankbar für den Tag mit Priska,
  100. dass sie so viel erzählt hat aus ihrem Leben und auch so viel Persönliches und Privates.
  101. Und das ist ja schon was mega Privates, jemanden so tief mit hinein zu lassen in
  102. die eigene Lebenskrise. Und das war ja schon richtig finsteres Tal,
  103. durch das sie da gegangen ist. Und ich bin meinem Gott total dankbar,
  104. dass er sie da begleitet hat und dass sie das auch so empfunden hat. Und ich weiß,
  105. dass sie nicht der einzige auf dieser Welt ist, bei dem unser Gott das macht,
  106. sondern dass er bei jedem Einzelnen wieder versucht. Wenn es euch gefallen hat, abonniert den Kanal.
  107. Ich freue mich aufs nächste Mal. Ciao.