Ausstieg aus der Freikirche: "Ich habe alles verloren" BASIS:KIRCHE https://www.youtube.com/watch?v=0RkVrjbufwU Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Höllenangst und Dämonen Austreibung. Das Wort Freikirche lässt bei vielen die Alarmglocken läuten. 0:07 Priska Lachmann hat auch gute Erfahrungen gemacht. Das ist wirklich eine große Gemeinde. 0:11 Es waren so 500 Leute immer da und ganz, ganz viele Menschen, die dich lieb haben und so, 0:17 das ist wirklich was Schönes. Trotzdem ist sie ausgestiegen. Warum? Das erfahrt ihr gleich. 0:30 Was denkst du, wenn du das Wort Freikirche hörst? 0:43 Ganz so krass ist es allerdings nicht. Allein in Deutschland gehören rund 300.000 0:48 Menschen einer Freikirche an, anders als die katholische Kirche 0:52 oder die evangelischen Landeskirchen finanzieren sich Freikirchen nicht über die Kirchensteuer, 0:57 sondern durch Spenden ihrer Mitglieder. Nicht wenige geben 10 % ihres Einkommens. 1:04 Eine weitere Gemeinsamkeit: Der Glaube soll eine freie und persönliche 1:08 Entscheidung sein. Deshalb taufen viele Freikirchen keine Kleinkinder, 1:12 sondern Erwachsene. Die grösste Freikirchen Gemeinschaft 1:16 hat daher auch ihren Namen: die Baptisten. Die sind, wie auch die meisten freien evangelischen Gemeinden, 1:22 eher konservativ. Bei anderen Strömungen, oft inspiriert von amerikanischen 1:28 oder australischen Vorbildern, geht es manchmal schon gut ab mit Worship 1:32 und dem Sprachen Gebet. ??? 1:35 Herzlich willkommen in diesem zauberhaften Stadtteil von Leipzig. 1:46 Ich treffe mich hier gleich mit Priska und Priska hat eine total spannende 1:50 Geschichte zu erzählen. Sie ist nämlich mal aus einer Freikirche rausgeflogen, 1:54 weil sie sich nicht an die Regeln gehalten hat. Priska Lachmann war Mitglied einer 1:59 freikirchlichen Pfingstgemeinde. Mit 24 Jahren ist sie ausgestiegen. 2:03 Wir treffen sie in Leipzig. Und das ist wirklich eine große Gemeinde. 2:07 Es waren so 500 Leute immer da und ganz, ganz viel Menschen, 2:11 die dich lieb haben und das ist wirklich was Schönes. 2:15 Wir waren dann immer auf Festivals. Das hier ist Freakstock. Das sind auch coole Festivals. 2:22 Immer in diesem kleinen Subkontext, würde ich sagen. 2:24 Und wenn du in diesem kleinen Subkontext bist, denkst du, das ist schon das Größte, 2:28 was es gibt. Mit 18 macht sie Abi, 2:31 fängt ein Studium der Theologie in Freiburg an, über die Freikirche lernt Priska ihren 2:36 ersten Freund kennen. Sex vor der Ehe ist in ihrer Freikirche ein NoGo. 2:41 Zusammenziehen dürfen die beiden nicht. Auch deshalb heiratet Priska ihren Freund mit 19 Jahren. 2:47 Mit ihrer Schwangerschaft geht es für die beiden zurück in die Heimat, nach Leipzig. 2:51 Dadurch, dass wir wieder in die Heimat gezogen sind, hatte man den Mut und die Kraft, 2:57 sich dann tatsächlich zu trennen. Wir haben uns auf jeden 3:03 Fall viel zu spät getrennt. Es war sehr, sehr verletzend und sehr, sehr unschön. 3:12 Aber es ist eine ganz große Erleichterung, als es geschehen ist, 3:15 als endlich diese Entscheidung gefallen ist, dass wir es tun. Und gleichzeitig ist es tatsächlich so gekommen, 3:23 wie ich gewusst habe. Ich habe alles verloren. Ich durfte meinen Beruf nicht mehr ausüben. 3:31 Es geht dann in so eine Art Übergangszeit. Wurde dann drei Jahre quasi 3:39 so eine Bewähtungszeit hast und am besten 3:41 wieder zusammenkommst. Ja, ich würde sagen, ich habe eigentlich alle Freunde verloren in der Zeit. 3:46 Also am Anfang waren die schon noch da, immer in der Hoffnung, dass wir wieder zusammenkommen. 3:50 Aber es hat sich dann sehr schnell weg dividiert. Wir haben jetzt ein bisschen Abstand dazu, auch zeitlich. 3:58 Und ich merke, dass du da einfach gut mit bist. So, aber jetzt noch mal so in diese Zeit 4:03 zurück zu springen. Wenn ich dir zuhöre, dann merke ich richtig, 4:07 wie es sich in mir selber zusammenzieht. War in so jungen Jahren wirklich so alles, 4:10 was man sich so als Sicherheit aufgebaut hat Und das war für dich sicherlich 4:14 zum Großteil auch die Gemeinde und die Struktur und alles, was dazu gehörte, das wegbrechen zu lassen. 4:20 Ja, ja, das war ja krass. Und ich erinnere mich total schön an so einen Moment. 4:27 Da habe ich mir zwei Wochen Zeit genommen, mich komplett rausgenommen und habe überlegt 4:32 Was will ich denn? Also es war vielleicht zum Ersten Mal, 4:37 aber ich hatte ja, ich hatte ja nichts mehr zu verlieren. 4:41 Es war ja eh schon alles vorbei und ich konnte ja jetzt praktisch. Es war wie so ein Reset Knopf. 4:46 Und dann dachte ich was will ich denn eigentlich? Unabhängig von Kirche, unabhängig von Gott, 4:52 unabhängig von den Vorstellungen anderer Menschen über mein Leben? Was will ich? Wie will ich denn leben? 4:58 Was will ich? Will ich eine Beziehung? Will ich rumhuren — was will ich? 5:06 Zu diesem Zeitpunkt gewährt Priska Freikirche noch eine 3-jährige Kulanz. Denn die glaubt, 5:12 Priska und ihr Mann könnten noch mal zusammenkommen. Nach ihrer Trennung lernt Priska aber einen 5:17 neuen Mann kennen, wird schwanger und dass unverheiratet 5:20 für ihre Freikirche ein großes Problem. Priska muss austreten. 5:26 Ich muss mich rechtfertigen für das, wie ich leben möchte. Ich musste darüber sprechen, dass ich schwanger bin. 5:31 Da war ich ganz frisch schwanger. Also es ist eigentlich ein Zustand, 5:34 in dem man da noch gar nicht über seine Schwangerschaft spricht. 5:37 Das hat sich sehr unangenehm angefühlt. Und zu privat. 5:41 Ich wollte vor allem da ja gar nicht drüber sprechen. Nach diesem Gespräch bin nach hause gegangen, 5:45 habe mich in die Wanne gelegt, habe geweint. Man verliert ja ein Stück Identität damit, 5:50 also muss man sich ja vorstellen. Die Gemeinde ist ja allumfassend im Leben involviert. 5:57 Dein Zuhause ist mein Zuhause. Genau. Und das ist auch meine Identität. 6:03 Ich habe mich über den Beruf auch definiert. Wo bin ich jetzt? Es war alles weg. 6:10 Natürlich sind das zwei Ebenen, auf denen dann Dinge zusammenbrechen. 6:12 Hast du selber schon gesagt, Es war klar, du kannst da den Beruf nicht mehr ausüben, 6:16 weil das mit den Normen nicht überein passt. Aber zusätzlich zu dieser beruflichen 6:19 Krise kam ja der, der persönliche, die persönliche Krise noch dazu. 6:24 Und natürlich hat sich das vermischt. Wahrscheinlich so, 6:27 das ist ja alles so weggebrochen. Genau. Auch wenn sich ihre Freunde von ihr abwenden und Priska 6:34 ihren Job als Vikarin in Leipzig nicht behalten darf. Ihren Glauben hat Priska nicht verloren. 6:40 In einer evangelisch lutherischen Kirchengemeinde findet sie neuen Anschluss. 6:44 Wir haben die Menschen in dieser Gemeinde auf dich und deine Geschichte reagiert. 6:48 War das überhaupt ein Thema? Ich habe damals mit dem Pastor darüber gesprochen, 6:53 bevor ich eingetreten bin. Ich dachte, das ist ein Thema. Also ich bin ja so geprägt, 6:58 dass ich dachte ich muss das ansprechen. Der hat mich völlig verwirrt angeschaut. 7:04 Und für den war das kein Thema. Aber gut, er kannte mich ja dann auch erst aus dem neuen Kontext. 7:10 Wie hat sich das für dich angefühlt, diese Begegnung mit diesem Pastor? 7:13 Unfassbar schön. Das war sehr heilsam. Das ist gar nicht relevant war. Das war unglaublich schön. 7:21 Es ging um meine Theologie und meine theologischen Grundsätze. Das war wichtig, 7:25 aber nicht mein Privatleben. Wenn du auf deine Krise zurückblickst, 7:30 auf das finstere Tal, gibt es Dinge, die du ganz konkret benennen kannst, 7:34 die für dich hilfreich waren. Unsere Intuition. Ich glaube ja, dass, 7:40 wenn wir von Gott geleitet sind, auch Gott in uns wohnt und wir manchmal 7:46 der Heilige Geist in uns, uns ein gutes Bauchgefühl gibt und wir so ein inneres 7:51 Wissen haben und ich wusste, wie meine nächsten Schritte aussehen. 7:59 Ich habe es auch wirklich kein einziges Mal bereut. Ich habe es nur für mich entschieden. 8:04 Und ich wusste ganz genau, wo es lang geht. Keiner hat das verstanden, aber ich wusste das. 8:11 Das war ein Ausbruch aus allem für mich. Und das war. Das hat sich so Selbstbewusstsein 8:17 stärkend angefühlt. Zu sagen, ich bin in einer Krise. Ich habe Kraft von oben und aus mir heraus. 8:25 Und ich kann aktiv. Schaffe ich in dieser Hoffnung den Mut — Was du gesagt hast — 8:31 Schaffe ich da wieder raus zu krabbeln und mir eine schöne Zukunft zu schaffen. Ich vergebe den anderen. 8:37 Ich vergebe mir selbst meine eigenen Fehler. Ich entscheide mich auch zu vergeben. 8:42 Das ist ein riesengroßer Schritt. Ich bin dankbar für den Tag mit Priska, 8:52 dass sie so viel erzählt hat aus ihrem Leben und auch so viel Persönliches und Privates. 8:56 Und das ist ja schon was mega Privates, jemanden so tief mit hinein zu lassen in 9:01 die eigene Lebenskrise. Und das war ja schon richtig finsteres Tal, 9:05 durch das sie da gegangen ist. Und ich bin meinem Gott total dankbar, 9:09 dass er sie da begleitet hat und dass sie das auch so empfunden hat. Und ich weiß, 9:13 dass sie nicht der einzige auf dieser Welt ist, bei dem unser Gott das macht, 9:17 sondern dass er bei jedem Einzelnen wieder versucht. Wenn es euch gefallen hat, abonniert den Kanal. 9:23 Ich freue mich aufs nächste Mal. Ciao.