Physik · Klasse 7–13 · aktualisiert
Bewerten in der Physik: Kriterien sicher anwenden
Du vergleichst Schulbeleuchtungen mit geprüften Daten, offengelegten Kriterien und begründeten Gewichten.
0 von 10 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Bewerten in der Physik heißt, mehrere Optionen mit fachlichen und überfachlichen Kriterien zu vergleichen. Bei zwei Schulbeleuchtungen können Strombedarf, Lichtqualität und Kosten verschieden zählen; das Urteil gilt nur für die begründeten Gewichte und Belege.
Bewerten in der Physik bedeutet: Du prüfst Informationen, vergleichst Handlungsoptionen anhand offengelegter Kriterien und begründest deine Entscheidung. Physikalische Fakten sind dafür wichtig, entscheiden aber bei gesellschaftlichen oder persönlichen Fragen selten allein.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Für neue Schulbeleuchtung stehen zwei Lösungen zur Wahl. Physikalische Daten beschreiben etwa den Strombedarf und die Lichtabgabe. Auch Anschaffungskosten und Folgen für die Nutzung zählen.
Physikalische Kriterien betreffen fachlich prüfbare Eigenschaften wie Messwerte, Wirkungsgrad und technische Sicherheit. Überfachliche Kriterien betreffen ökologische, ökonomische, soziale, politische oder ethische Fragen. Ein Sachurteil über einen Messwert legt noch keine Priorität zwischen diesen Gesichtspunkten fest.
Definition
Bewertungskompetenz
Bewertungskompetenz ist die Fähigkeit, Informationen und Handlungsoptionen aus mehreren Perspektiven zu prüfen, Kriterien offenzulegen, Belege abzuwägen und eine begründete Entscheidung samt Folgen zu reflektieren.
Merke: Eine physikalisch korrekte Aussage beantwortet noch nicht automatisch die Frage, welche Handlung insgesamt vorzuziehen ist.
Teste dich
Prüfe bei jeder Aussage Quelle, Interessen, Entscheidungsbezug, Belege und Messbedingungen. Frage auch nach Unsicherheit, Gegenargumenten und den Voraussetzungen eines physikalischen Modells. Eine schlüssige Begründung verbindet Behauptung und passende Belege.
Eine Kontroverse macht eine Position nicht schon unwissenschaftlich. Menschen können dieselben Fakten verschieden gewichten. Unbelegte Behauptungen und unpassende Belege bleiben dennoch problematisch.
Beispiel
- 1Behauptung: „Diese Option ist insgesamt die beste, weil sie den höchsten Wirkungsgrad besitzt.“
- 2Der Wirkungsgrad kann ein relevantes physikalisches Kriterium sein. Das Argument reicht für eine Gesamtbewertung aber nur dann, wenn der Wirkungsgrad als einzig entscheidendes Kriterium begründet wurde. Sobald etwa Sicherheit, Kosten oder Umweltfolgen ebenfalls zählen, müssen auch diese Gesichtspunkte geprüft werden.
Beispiel: Frage bei einer Information
- 1Ist die Quelle glaubwürdig?
- 2Könnten erkennbare Interessen die Darstellung beeinflussen?
- 3Ist die Information für die Entscheidung relevant?
- 4Sind physikalische Aussagen plausibel und durch passende Belege gestützt?
- 5Werden Grenzen, Unsicherheiten oder Gegenargumente berücksichtigt?
Teste dich
Ein Sachurteil beruht auf überprüfbaren fachlichen Kriterien. Ein Werturteil nutzt Sachurteile und legt zusätzlich Werte, Normen und Interessen offen. Eine persönliche Vorliebe ist eine Präferenz; eine interessengeleitete Behauptung fördert ein Ziel, muss aber wie jede Behauptung geprüft werden.
Gehe in sieben Schritten vor: Kläre die Entscheidungsfrage. Sammle realistische Optionen. Wähle fachliche und überfachliche Kriterien. Prüfe für jedes Kriterium passende Belege. Begründe die Gewichte und wäge ab. Formuliere dein Urteil mit Bedingungen und Unsicherheiten. Prüfe schließlich die kurz- und langfristigen sowie lokalen und globalen Folgen und frage, wie deine Gewichte das Ergebnis beeinflusst haben.
Ein Ausschlusskriterium kann eine Option unabhängig von ihrer Punktzahl ausschließen, etwa wenn sie nicht verfügbar ist oder nicht zur vorhandenen Technik passt.
| Aussageart | Woran du sie erkennst |
|---|---|
| Sachurteil | beruht auf fachlichen Kriterien und überprüfbaren Belegen |
| Werturteil | wägt Sachurteile mithilfe offengelegter Werte, Normen und Interessen ab |
| persönliche Präferenz | nennt eine Vorliebe, ohne daraus schon eine allgemeine Begründung zu machen |
| interessengeleitete Behauptung | stellt eine Aussage so dar, dass ein bestimmtes Interesse gefördert wird; ihre Belege müssen trotzdem geprüft werden |
Beispiel
- 1Sachurteil: „PZ3310 erreicht in der folgenden Fernsehgeräte-Matrix bei den vorgegebenen Punkten und Gewichten die höchste Summe.“
- 2Werturteil: „Energieeffizienz soll stärker zählen als Bildqualität, weil ein geringerer Energiebedarf für diese Entscheidung besonders wichtig ist.“
- 3Persönliche Präferenz: „Mir gefällt Bestview am besten.“
- 4Interessengeleitete Behauptung: „Ein Verkäufer hebt nur die Bildqualität seines angebotenen Geräts hervor und lässt andere Entscheidungskriterien unerwähnt.“
Merke: Optionen, Kriterien, Belege und Gewichtungen müssen getrennt erkennbar sein. Nur dann können andere deinen Entscheidungsweg prüfen.
Teste dich
Vier Fernsehgeräte werden anhand vorgegebener Punktwerte verglichen. Mehr Punkte bedeuten in dieser Übung eine bessere Platzierung. Energieeffizienz erhält das Gewicht 3, Bildqualität das Gewicht 1, Preis das Gewicht 2 und Herkunftsland das Gewicht 1.
Multipliziere für jedes Gerät die Punkte eines Kriteriums mit dessen Gewicht und addiere die Produkte. Unter den vorgegebenen Punkten und Gewichten liegt PZ3310 vorn. Das ist kein Beweis für jede Person und jede Bedingung: Andere begründete Kriterien oder Gewichte können das Ergebnis ändern.
Beim Herkunftsland muss zudem erklärt werden, warum es für diese Entscheidung wichtig sein soll. Die Matrix macht die gesetzten Maßstäbe sichtbar, rechtfertigt sie aber nicht von selbst.
| Kriterium | Gewicht | Bestview | TVStar | Screenmaster | PZ3310 |
|---|---|---|---|---|---|
| Energieeffizienz | 3 | 2 | 3 | 1 | 4 |
| Bildqualität | 1 | 2 | 1 | 4 | 3 |
| Preis | 2 | 4 | 2 | 1 | 3 |
| Herkunftsland | 1 | 2 | 4 | 1 | 2 |
Beispiel: Für Bestview ergibt sich:
- 13\cdot2+1\cdot2+2\cdot4+1\cdot2=18.
- 2In Worten: 6 Punkte für Energieeffizienz, 2 für Bildqualität, 8 für den Preis und 2 für das Herkunftsland ergeben zusammen 18 Punkte.
- 3Die übrigen Summen sind:
- 4TVStar: 3\cdot3+1\cdot1+2\cdot2+1\cdot4=18
- 5Screenmaster: 3\cdot1+1\cdot4+2\cdot1+1\cdot1=10
- 6PZ3310: 3\cdot4+1\cdot3+2\cdot3+1\cdot2=23
- 7Nach genau dieser Kriterienwahl, Gewichtung und Punktevergabe erreicht PZ3310 mit 23 Punkten den höchsten Wert.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Bewerten in der Physik
Kriterien
Fachliche und überfachliche Maßstäbe offenlegen
Belege
Quelle, Bedingungen und Aussagekraft prüfen
Sachurteil
Fachlich überprüfbare Aussage formulieren
Werturteil
Werte und Gewichtungen begründen
Matrix
Optionen nur unter den gesetzten Annahmen vergleichen
Reflexion
Folgen und Entscheidungsweg erneut prüfen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Zwei Lösungen für die Schulbeleuchtung vergleichen
- 1Für die fiktiven Lösungen A und B vergibt eine Gruppe je Kriterium 1 bis 4 Punkte: mehr Punkte bedeuten eine günstigere Bewertung. Die angenommenen Punkte sind Übungswerte, keine Messdaten.
- 2Lichtqualität zählt doppelt: A erhält 4 Punkte, B 3 Punkte. Strombedarf zählt dreifach: A erhält 2 Punkte, B 4 Punkte. Anschaffungskosten zählen einfach: A erhält 3 Punkte, B 2 Punkte.
- 3Für A: 2\cdot4+3\cdot2+1\cdot3=17 Punkte. Für B: 2\cdot3+3\cdot4+1\cdot2=20 Punkte.
- 4Unter diesen Punkten und Gewichten liegt B vorn. Die Gruppe muss die Punkte mit vergleichbaren Belegen begründen und erklären, warum der Strombedarf besonders zählt. Andere begründete Gewichte können das Urteil ändern.
Fehler finden
Ist die Beleuchtungswahl schon begründet? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die letzte Aussage ist falsch: 45 gegenüber 35 Punkten belegen nur den Vorteil beim fünffach gewichteten Strombedarf. Kosten, Lichtqualität, Belege und Gewichte müssen für ein Gesamturteil ebenfalls geprüft werden.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein fachlich begründetes Urteil heißt . Bezieht eine Entscheidung zusätzlich Werte und Normen ein, entsteht ein . Eine bloße Vorliebe ist eine . Ein erkennbares Interesse macht eine Behauptung nicht automatisch falsch, verlangt aber eine besonders sorgfältige Prüfung.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback