Geographie · Klasse 5–10 · aktualisiert
Kontinentaldrift: Belege verstehen und Folgen erklären
Du lernst, wie Kontinente mit den Platten wandern, welche Belege Wegener fand, was an Plattengrenzen passiert und wie man Drift hochrechnet.
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Kurz gesagt
Kontinentaldrift heißt: Kontinente bewegen sich sehr langsam. Heute gehört das zur Plattentektonik, nach der die äußere Erdhülle in Platten zerteilt ist. Nach Messungen liegen die Driftraten zwischen den großen Platten zwischen 2 und 20 cm pro Jahr.
Schau auf eine Weltkarte: Die Ostküste Südamerikas und die Westküste Afrikas verlaufen ähnlich. Das ist vielen Menschen aufgefallen, auch Alfred Wegener. Er fragte sich, ob beide Kontinente früher einmal verbunden waren. Und heute kann man messen, dass sich die Kontinente tatsächlich bewegen – nur sehr langsam.
Deine Lernziele
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4 Abschnitte
Die Kontinentaldrift (auch Kontinentalverschiebung genannt) beschreibt die langsame Bewegung, Aufspaltung und Vereinigung von Kontinenten. Die Plattentektonik erklärt, wie das zusammenpasst: Die äußere Erdhülle, die Lithosphäre, ist in Platten zerteilt. Zur Lithosphäre gehören die Erdkruste und der oberste Erdmantel. Die Platten liegen auf dem übrigen oberen Erdmantel und wandern darauf umher. Die Kontinente werden zusammen mit den Ozeanböden wie auf einem sehr langsamen Fließband mitgeschoben. Die Bewegung der Erdteile ist heute ein Bestandteil der Plattentektonik.
Früher dachte man, die Erdkruste sei fest mit dem Untergrund verbunden. Durch die Arbeit von Alfred Wegener setzte sich nach und nach die Idee durch, dass sich Kontinente verschieben. Wegener war ein deutscher Meteorologe sowie Polar- und Geowissenschaftler. Seine Theorie blieb zu seinen Lebzeiten umstritten. Das Problem: Er konnte die wirkenden Kräfte nicht plausibel erklären.
Später fand man neue Hinweise, zum Beispiel auf dem Meeresboden. Seit den 1970er Jahren ist die Plattentektonik in der Wissenschaft allgemein anerkannt. Welche Kräfte die Platten antreiben, wird bis heute diskutiert. Als wahrscheinlichster Motor gelten Strömungen im Erdinnern, die durch Wärme entstehen.
Definition
Plattentektonik
Die Plattentektonik ist eine Theorie darüber, dass die Lithosphäre (Erdkruste und oberster Erdmantel) in Platten gegliedert ist. Diese Platten liegen auf dem übrigen oberen Erdmantel und wandern darauf umher.
Merke: Kontinentaldrift ist die Bewegung der Kontinente. Die Plattentektonik erklärt sie heute mit wandernden Platten.
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Wegener sammelte viele Hinweise aus ganz verschiedenen Bereichen. Der offensichtlichste Hinweis ist die ähnliche Form der Westküste Afrikas und der Ostküste Südamerikas. Die Passung ist noch genauer, wenn man die Ränder der Kontinente unter Wasser betrachtet statt der Küstenlinien.
Dazu kommen Gesteine: Ein Gebirgszug in Südafrika scheint sich in einem ähnlich gebauten Gebirge in Argentinien fortzusetzen. Auch Fossilien passen zusammen. Das Reptil Mesosaurus lebte im Süßwasser; seine Fossilien fand man in Afrika und in Südamerika. Pflanzen der Glossopteris-Flora waren auf allen Südkontinenten verbreitet. Noch heute lebende Tiere helfen: Manatis leben in den tropischen Flüssen Westafrikas und Südamerikas.
Auch Klimaspuren sprechen dafür. Auf allen Südkontinenten gibt es Spuren einer Eiszeit, zum Beispiel Gletscherschliffe. In der Antarktis fand man Kohle, die sich fast nur unter tropischen Bedingungen bildet. Wegener erklärte alle diese Befunde mit einem Urkontinent, der aufbrach. Seine Teile drifteten dann auseinander.
Vor Wegener erklärte man gleiche Fossilien auf verschiedenen Kontinenten mit Landbrücken, über die Tiere gewandert sein sollten. Dagegen sprach: Die Kontinente sind leichter als der Ozeanboden und schwimmen auf dichterem Material. Dann können sie so wenig versinken wie ein Eisberg im Meer. Außerdem fand das Forschungsschiff Meteor mit Echolot-Messungen im Atlantik keine versunkenen Landbrücken. Es entdeckte einen Gebirgszug, der in der Mitte des Ozeans von Nord nach Süd verläuft. Heute liefern Messungen mit Satelliten einen direkten Nachweis der Drift.
| Beleg | Was man findet |
|---|---|
| Küstenform | Ostküste Südamerikas und Westküste Afrikas verlaufen ähnlich |
| Gesteine | Ein Gebirgszug in Südafrika scheint sich in Argentinien fortzusetzen |
| Fossilien | Mesosaurus in Südafrika und Brasilien; Glossopteris-Flora auf allen Südkontinenten |
| Heutige Tiere | Manatis in Westafrika und Südamerika; Beuteltiere nur in Australien und Amerika |
| Klimaspuren | Eiszeitspuren auf allen Südkontinenten; Kohle in der Antarktis, die sich fast nur unter tropischen Bedingungen bildet |
Beispiel: Eine Pflanze auf mehreren Kontinenten
- 1Fund: Fossilien kälteliebender Landpflanzen mit zungenförmigen Blättern, der Glossopteris-Flora, gibt es auf allen Südkontinenten.
- 2Diese Südkontinente liegen heute weit getrennt durch Ozeane.
- 3Wegener erklärte solche Befunde mit einem Urkontinent, der aufbrach und dessen Teile auseinanderdrifteten.
- 4Ein einzelner Fund beweist wenig. Entscheidend ist, dass viele verschiedene Belege zusammenpassen.
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Die Grenzen zwischen den Platten liegen meist an mittelozeanischen Rücken oder an Tiefseerinnen. Dort passieren die wichtigsten Vorgänge. Die meisten Vorgänge der Gebirgsbildung und des Vulkanismus sind heute an Plattengrenzen gebunden.
Auseinanderweichen: An den mittelozeanischen Rücken driften benachbarte Platten auseinander. Man nennt das divergierende Plattengrenze. Dabei steigt basaltisches Magma aus dem oberen Erdmantel auf. So entsteht neue ozeanische Lithosphäre. Das geht mit intensivem, meist unterseeischem Vulkanismus einher. Ein Beispiel ist die Fortsetzung des Mittelatlantischen Rückens auf Island. Auch der Ostafrikanische Graben wird als erste Phase einer Ozeanbildung gesehen, ist aber keine Plattengrenze im eigentlichen Sinn. Das Rote Meer ist ein schmales Meeresbecken, das schon ozeanische Kruste hat.
Zusammenstoßen: Bei einer konvergierenden Plattengrenze bewegen sich zwei Platten aufeinander zu. Oft taucht die dichtere Platte tief in den Erdmantel ab. Das heißt Subduktion. An dieser Stelle liegt eine Tiefseerinne. Die abtauchende Platte nimmt im Gestein gebundenes Wasser mit in die Tiefe. Darauf geht der Vulkanismus der oben bleibenden Platte zurück. Über einer solchen Zone, zum Beispiel an der Westküste Südamerikas, entsteht ein Faltengebirge mit einem Bogen aus Vulkanen.
Trifft ein Kontinentalblock auf einen anderen, taucht er nicht ab, weil Kontinente weniger dicht sind als der Ozeanboden. Die Gesteinsschichten werden stark verformt und verdickt, und ein Gebirge wölbt sich auf. So entstand der Himalaya. Platten können auch waagerecht aneinander vorbeigleiten. Das nennt man Transformstörung. Als Begleiterscheinungen der Plattenbewegungen entstehen Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis. Rund um den Pazifik liegen viele Tiefseerinnen. Dort gibt es starke Erdbeben- und Vulkanaktivität (Pazifischer Feuerring). Die Pazifische Platte hat keinen nennenswerten Anteil an kontinentaler Kruste.
Definition
Subduktion
Subduktion heißt: Ozeanische Lithosphäre taucht an einer Plattengrenze unter eine angrenzende Platte tief in den Erdmantel ab.
| Plattengrenze | Was passiert? | Folge |
|---|---|---|
| Auseinander (divergierend) | Magma steigt auf, neue ozeanische Lithosphäre entsteht | meist unterseeischer Vulkanismus |
| Zusammen: Ozean taucht ab | Subduktion unter eine andere Platte | Tiefseerinne, Vulkane auf der oberen Platte |
| Zusammen: Kontinent trifft Kontinent | Kollision, Gesteine werden verdickt | Gebirge, zum Beispiel der Himalaya |
Merke: Auseinander: neue Lithosphäre entsteht. Zusammen: Subduktion oder Kollision. Vorbei: Transformstörung.
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Wie schnell bewegen sich Platten? Messungen mit Satelliten zeigen an fast allen Kontinentalrändern Bewegungen von einem bis etwa zehn Zentimeter pro Jahr. Die gemessenen Driftraten zwischen den großen Platten liegen zwischen 2 und 20 cm pro Jahr. Die Pazifische Platte bewegt sich aktuell mit ca. 10 cm pro Jahr.
Das ist wenig, aber Millionen Jahre sind sehr lang. Zum Hochrechnen gilt: Strecke = Geschwindigkeit · Zeit. Rechne zuerst in Zentimetern. Dann wandelst du um: 100 cm sind 1 m, und 100.000 cm sind 1 km.
Forscher nutzen solche Hochrechnungen. Wenn die derzeitige Bewegung der Kontinente unvermindert anhält, wird in etwa 60 Millionen Jahren Australien gegen Asien stoßen. In etwa 300 Millionen Jahren kann man dann einen neuen Superkontinent erwarten, manchmal Pangaea ultima genannt. Das gilt aber nur unter dieser Bedingung. Wie die Landmassen in 200 Millionen Jahren verteilt sein werden, lässt sich nicht genau vorhersagen. Eine Hochrechnung der aktuellen Bewegungen zeigt nur ein mögliches Bild.
Beispiel: Eine erfundene Platte über 10 Millionen Jahre
- 1Annahme (ausgedacht): Eine Platte bewegt sich 3 cm pro Jahr, immer gleich schnell.
- 2Zeit: 10 Millionen Jahre sind 10.000.000 Jahre.
- 3Strecke: 3 cm/Jahr · 10.000.000 Jahre = 30.000.000 cm
- 4Umrechnen in km (100.000 cm sind 1 km): 30.000.000 : 100.000 = 300
- 5Ergebnis: 300 km – aber nur, wenn die Bewegung unvermindert anhält.
Merke: Eine Hochrechnung gilt nur, wenn die Bewegung unvermindert anhält. Sie ist keine sichere Vorhersage.
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Alles auf einen Blick
Kontinentaldrift
Zusammenhang
Kontinentaldrift ist die langsame Bewegung der Kontinente und gehört heute zur Plattentektonik
Belege
Küstenform, Gesteine, Fossilien, heutige Tiere und Klimaspuren passen auf getrennten Kontinenten zusammen
Auseinander
An divergierenden Plattengrenzen entsteht neue ozeanische Lithosphäre
Zusammen
An konvergierenden Plattengrenzen gibt es Subduktion oder Kollision, oft mit Vulkanen, Erdbeben und Gebirgen
Hochrechnen
Strecke = Geschwindigkeit · Zeit, gültig nur, wenn die Bewegung unvermindert anhält
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Eine Hochrechnung Schritt für Schritt rechnen
- 1Aufgabe (ausgedacht): Eine Platte bewegt sich 8 cm pro Jahr. Wie weit kommt sie in 50 Millionen Jahren, wenn die Bewegung unvermindert anhält?
- 2Schritt 1: 50 Millionen Jahre sind 50.000.000 Jahre.
- 3Schritt 2: 8 cm/Jahr · 50.000.000 Jahre = 400.000.000 cm
- 4Schritt 3: In km umrechnen (100.000 cm sind 1 km): 400.000.000 : 100.000 = 4.000
- 5Ergebnis: 4.000 km.
- 6Schritt 4: Das Ergebnis gilt nur, wenn die Bewegung unvermindert anhält. Es ist eine Hochrechnung, keine sichere Vorhersage.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu einer Hochrechnung für Australien In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die Aussage lässt die Bedingung weg und macht aus der Hochrechnung eine Gewissheit. Richtig: Das gilt nur, wenn die Bewegung unvermindert anhält.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Vor Wegener erklärte man gleiche Fossilien auf verschiedenen Kontinenten mit . Im Himalaya stießen zwei Kontinentalblöcke zusammen: die Indische und die Platte. Eine Platte bewegt sich 5 cm pro Jahr (ausgedachtes Beispiel). In 1.000.000 Jahren legt sie zurück, wenn die Bewegung unvermindert anhält.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback