Geographie · Klasse 7–10 · aktualisiert
Bevölkerungspyramide lesen und auswerten
Du lernst, wie du eine Bevölkerungspyramide liest, Pyramide, Glocke und Urne erkennst und Formen mit Geburtenrate und Lebenserwartung erklärst.
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Kurz gesagt
Eine Bevölkerungspyramide zeigt, wie viele Frauen und Männer in welchem Alter leben. Das Alter steht auf der Y-Achse, die Anzahl oder der Anteil auf der X-Achse. Ihre Form, etwa Pyramide, Glocke oder Urne, hängt mit Geburtenrate und Lebenserwartung zusammen.
Eine einzige Grafik zeigt dir, ob in einem Land eher junge oder eher alte Menschen leben. An ihrer Form lässt sich außerdem ablesen, was in der Geschichte eines Landes passiert sein könnte, zum Beispiel ein Krieg. Hier gibt es keine echten Bilder, deshalb beschreiben wir die Formen in Worten. So lernst du, solche Grafiken zu lesen und zu deuten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine Bevölkerungspyramide ist eine Grafik zur Altersstruktur. Die Altersstruktur ist die statistische Verteilung von Personen nach ihrem Alter zum Zeitpunkt der Erfassung. Sie hilft bei Vorhersagen (Prognosen) zur Bevölkerungsentwicklung.
Die Grafik hat zwei Achsen. Auf der Y-Achse steht das Lebensalter, dargestellt in 5-Jahres-Schritten. Auf der X-Achse steht die Anzahl oder der Anteil der Menschen eines Jahrgangs. Ein Jahrgang sind hier die Menschen eines Lebensalters.
Die Y-Achse steht in der Mitte der X-Achse. Dadurch hat die Grafik zwei Seiten: In die eine Richtung der X-Achse werden die Frauen dargestellt, in die andere Richtung die Männer. So kannst du Frauen und Männer getrennt voneinander ablesen.
Der Name kommt von den ersten Darstellungen dieser Art. Sie sahen wie eine Pyramide aus, weil die jüngsten Jahrgänge die Basis bilden und die meisten Menschen stellen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Zahl je Jahrgang ab.
Definition
Bevölkerungspyramide
Die Bevölkerungspyramide (auch Alterspyramide) ist die grafische Darstellung der Altersstruktur einer Bevölkerung, getrennt nach Frauen und Männern auf zwei Seiten.
Beispiel: Eine ausgedachte Skizze lesen
- 1Ausgedacht, keine echten Daten: Auf der Y-Achse stehen die Altersgruppen 0–4, 5–9, 10–14 und so weiter.
- 2In der Zeile 10–14 reicht der Balken auf der Frauenseite bis 5 (in Millionen) und auf der Männerseite bis 4.
- 3Du liest also: In dieser ausgedachten Altersgruppe leben mehr Frauen als Männer.
- 4Je länger ein Balken ist, desto mehr Menschen gehören zu dieser Altersgruppe.
Merke: Das Alter steht auf der Y-Achse, die Anzahl oder der Anteil auf der X-Achse. Eine Seite zeigt die Frauen, die andere die Männer.
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Aus der Anordnung der Achsen entstehen verschiedene Formen. Die Namen Pyramide, Glocke und Urne gehen auf Friedrich Burgdörfer zurück. Die Geburtenrate sagt dabei, wie viele Kinder geboren werden.
Pyramide: Die jüngsten Jahrgänge bilden die Basis und sind am größten. Mit steigendem Alter nimmt die Zahl je Altersgruppe nahezu gleichmäßig ab, es entsteht ein gleichschenkliges Dreieck. Wird die Basis nach unten noch deutlich breiter, spricht man von der Pagodenform.
Glocke: Sie ist charakteristisch für eine Bevölkerung, in der nach längerer Zeit mit niedrigen Geburten- und Sterberaten die Geburten wieder steigen. Die jüngeren Jahrgänge werden also wieder größer. Ein Beispiel sind die Industriestaaten um 1960 zur Zeit des Babybooms.
Urne (auch Zwiebelform): Die Geburtenrate ist niedrig, ältere Menschen sind in der Überzahl, und die jüngeren Jahrgänge nehmen von Jahr zu Jahr ab. Die größten Jahrgänge liegen in einem immer höheren Alter. Das wird meist Überalterung genannt.
Dazu kommen weitere Formen. Die Bienenstockform läuft langsam schmaler zu und zieht sich im hohen Alter abrupt zusammen. Die Tannenbaumform hat einen sehr schmalen Stamm bei den Jungen, wird ab den 20-Jährigen massiv breiter und zieht sich ab den etwa 35–40-Jährigen langsam zusammen. Die Übergänge zwischen den Formen sind fließend.
Definition
Urnenform
Die Urnenform (Zwiebelform) zeigt eine Bevölkerung mit niedriger Geburtenrate und einem Überhang älterer Menschen. Die jüngeren Jahrgänge werden von Jahr zu Jahr kleiner.
| Form | Woran du sie erkennst |
|---|---|
| Pyramide | Jüngste Jahrgänge am größten, nach oben nahezu gleichmäßig weniger |
| Glocke | Nach längerer Zeit mit wenigen Geburten steigen die Geburten wieder |
| Urne | Jüngere Jahrgänge werden kleiner, ältere Menschen sind in der Überzahl |
| Tannenbaum | Sehr schmaler Stamm bei den Jungen, größte Gruppen bei 25–30 Jahren |
Beispiel: Vier Länder, drei Grundformen (2008)
- 1Mexiko (2008): Grundform Pyramidenform.
- 2China (2008): Grundform Bienenstockform.
- 3Deutschland (2008): Grundform Urnenform.
- 4Russland (2008): Grundform Urnenform.
- 5Das ist eine Abschätzung. Die Übergänge zwischen den Formen sind fließend.
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Die Form hängt vor allem von zwei Dingen ab. Die Lebenserwartung sagt, wie alt Menschen im Durchschnitt werden. Die Sterberate sagt, wie viele Menschen sterben. Dazu kommt die Geburtenrate.
Pyramide: Viele geborene Kinder und eine gleich hohe Sterblichkeit in allen Altersstufen führen zu einem nahezu gleichmäßigen Abnehmen mit dem Alter. Die Lebenserwartung ist dann niedrig. Es kann auch sein, dass die Kinderzahl pro Frau nur leicht abnimmt, aber noch über 2,1 liegt. Bei konstant sehr hoher oder steigender Geburtenrate wird die Basis nach unten besonders breit (Pagodenform).
Bienenstock: Hier liegt die Geburtenrate nahezu konstant bei 2,1 Kindern pro Frau, dem Ersatzniveau. Dazu kommen eine höhere Lebenserwartung und eine spät einsetzende, hohe Sterberate. Dann steigt oder sinkt die Bevölkerungszahl weder.
Urne: Die Kinderzahl pro Frau liegt unter 2,1, die Lebenserwartung ist hoch, und die Sterberate setzt erst spät ein.
Die Form kann sich auch durch Ereignisse verändern. Beispiele sind Kriege, Naturkatastrophen und ein veränderliches Verhalten der Menschen, etwa der Pillenknick. Der Pillenknick ist ein markanter Rückgang der Geburten in vielen Industrienationen ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre. In den westdeutschen Bundesländern gingen die Geburten seit Ende der 1960er Jahre zurück. Der Knick fiel so stark aus, weil es davor eine Baby-Boomer-Phase gab. Sie begann je nach Land zwischen 1945 und 1955 und hatte in der ersten Hälfte der 1960er ihren Höhepunkt. In einer Bevölkerungspyramide wird der Pillenknick sichtbar.
Was die Ursache war, ist umstritten. Die Antibabypille wurde verantwortlich gemacht, weil der Rückgang ungefähr mit ihrer Verbreitung zusammenfiel. Zeitliches Zusammentreffen beweist aber noch keine Ursache.
Definition
Geburtenrate
Die Geburtenrate sagt, wie viele Kinder geboren werden. Die Lebenserwartung sagt, wie alt Menschen im Durchschnitt werden. Das Ersatzniveau liegt bei 2,1 Kindern pro Frau.
Beispiel: Der Pillenknick in Deutschland: zwei Erklärungen
- 1Beobachtung: In den westdeutschen Bundesländern ging die Zahl der Geburten seit Ende der 1960er Jahre zurück.
- 2Erklärung 1: Die Antibabypille wurde verantwortlich gemacht, weil der Rückgang ungefähr mit ihrer Verbreitung zusammenfiel.
- 3Einwand: Eine neuere Analyse bezweifelt das, weil der Rückgang in den USA zehn Jahre früher einsetzte und es auch in Japan einen deutlichen Rückgang gab, wo die Pille kaum eine Rolle gespielt habe.
- 4Erklärung 2, insbesondere für Deutschland: Es fehlen Jahrgänge, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallen sind. Nach 1965 kamen nur die wenigen Kinder der Kriegsgeneration selbst ins Elternalter.
Merke: Viele Kinder und niedrige Lebenserwartung ergeben eine Pyramide, wenige Kinder und hohe Lebenserwartung eine Urne. Dass zwei Dinge zur selben Zeit passieren, beweist noch keine Ursache.
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Vergleichen wir Nigeria (ein Entwicklungsland) mit Deutschland (ein Industriestaat). Du siehst hier keine ganze Pyramide, sondern nur die Anteile von drei Altersgruppen. Daraus lässt sich die Form nur grob ableiten. Die Grenzen sind leicht verschieden: Bei Nigeria steht „15 bis 65“, bei Deutschland „15 bis 64“.
Nigeria: Typisch sind eine im weltweiten Vergleich hohe Fertilitätsrate (Kinderzahl) und eine niedrige Lebenserwartung. Die Bevölkerung gehört deshalb zu den weltweit jüngsten. Solche Pyramidenformen mit breiter Basis sind in einigen afrikanischen Ländern wie Nigeria üblich. Im Jahr 2010 waren 44,0 % der Menschen unter 15 und nur 2,7 % mindestens 65 Jahre alt. Die Einwohnerzahl wächst mit 2,5 bis 3 Prozent jährlich.
Deutschland: Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Altersstruktur noch weitgehend die Form einer klassischen Alterspyramide. Heute sind die bevölkerungsstärksten Jahrgänge in einem immer höheren Alter zu finden: Die Form ist eine Urne. Ursachen sind die geringere Geburtenrate und die bessere Gesundheitsversorgung, die eine höhere Lebenserwartung zur Folge hat. Der Anteil der unter 20-Jährigen sank von 29,7 Prozent (1970, in Westdeutschland) auf 18,4 Prozent (2018).
Ist der Anteil der unter 20-Jährigen größer oder gleich 50 %, so spricht man in der Regel von einem Entwicklungsland. Der Entwicklungsstand eines Landes ist aber nicht dasselbe wie sein demografischer Stand. Die Form lässt ihn nur oft erahnen.
Definition
Industriestaat und Entwicklungsland
Ein Industriestaat ist ein wirtschaftlich hoch entwickelter Staat, zum Beispiel in Westeuropa. Ein Entwicklungsland ist wirtschaftlich weniger weit entwickelt, zum Beispiel Nigeria.
| Altersgruppe 2010 | Nigeria | Deutschland |
|---|---|---|
| unter 15 Jahre | 44,0 % | 13,4 % |
| 15 bis 65 (Nigeria) / 64 (Deutschland) | 53,2 % | 66,0 % |
| 65 Jahre und älter | 2,7 % | 20,6 % |
Beispiel: Nigeria und Deutschland 2010 vergleichen
- 1Unter 15: 44,0 % in Nigeria, 13,4 % in Deutschland. Der Abstand beträgt 30,6 Prozentpunkte, Nigeria hat etwa 3,3-mal so viel.
- 2Ab 65: 2,7 % in Nigeria, 20,6 % in Deutschland. Deutschland hat mehr als siebenmal so viel.
- 3Folgerung für Nigeria: Die Basis ist breit, ältere Menschen sind selten. Das passt zu einer Pyramide.
- 4Folgerung für Deutschland: Die Basis ist schmaler, ältere Menschen sind häufig. Das passt zu einer Urne.
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Alles auf einen Blick
Bevölkerungspyramide
Achsen
Die Y-Achse zeigt das Lebensalter in 5-Jahres-Schritten, die X-Achse Anzahl oder Anteil je Jahrgang. Eine Seite zeigt Frauen, die andere Männer.
Formen
Bei der Pyramide sind die jüngsten Jahrgänge am größten. Bei der Urne nehmen sie ab und ältere Menschen überwiegen.
Ursachen
Viele Geburten und niedrige Lebenserwartung ergeben eine Pyramide. Weniger als 2,1 Kinder pro Frau und hohe Lebenserwartung ergeben eine Urne.
Verformungen
Kriege, Naturkatastrophen und verändertes Verhalten wie der Pillenknick können die Form verändern. Die Ursache des Pillenknicks ist umstritten.
Vergleich
2010 waren in Nigeria 44,0 % unter 15 Jahre alt, in Deutschland 13,4 %. Ab 65 waren es 2,7 % und 20,6 %.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Eine Form aus Geburtenrate und Lebenserwartung ableiten
- 1Ausgedachte Aufgabe, keine echten Daten: In Land Z bekommen Frauen im Schnitt 3,0 Kinder. Die Lebenserwartung ist niedrig. Welche Grundform erwartest du?
- 2Schritt 1: Vergleiche mit dem Ersatzniveau von 2,1 Kindern pro Frau. 3,0 liegt darüber, es werden also viele Kinder geboren.
- 3Schritt 2: Niedrige Lebenserwartung bedeutet hohe Sterblichkeit in allen Altersstufen.
- 4Schritt 3: Viele geborene Kinder und hohe Sterblichkeit ergeben ein nahezu gleichmäßiges Abnehmen mit dem Alter.
- 5Ergebnis: Die Basis ist breit, nach oben wird es gleichmäßig schmaler. Das ist die klassische Pyramide.
- 6Probe: Bei weniger als 2,1 Kindern und hoher Lebenserwartung wäre es dagegen eine Urne.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Altersstruktur in Deutschland In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die Ursache der Urnenform ist nicht eine höhere Geburtenrate. Richtig: Ursachen sind die geringere Geburtenrate und die bessere Gesundheitsversorgung, die eine höhere Lebenserwartung zur Folge hat.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das Lebensalter der Menschen steht auf der . Nehmen die jüngeren Jahrgänge von Jahr zu Jahr ab und überwiegen ältere Menschen, spricht man von der . In den westdeutschen Bundesländern gingen die Geburten seit Ende der Jahre zurück (Pillenknick).
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback