Deutsch · Klasse 8–9 · aktualisiert
Leserbrief schreiben: Aufbau, Beispiel und Formulierungen
Du lernst, deine Schreibabsicht zu klären, den Rahmen aus Betreff, Anrede und Gruß zu setzen und einen sachlichen Leserbrief überzeugend aufzubauen.
0 von 13 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Ein Leserbrief ist eine begründete Meinungsäußerung zu einem bestimmten Zeitungsartikel, die veröffentlicht werden soll. Er hat einen Betreff mit Titel und Datum des Artikels, eine Anrede in der Sie-Form, eine Einleitung mit Artikelbezug, einen Hauptteil mit Argumenten und einen Schluss mit Forderung.
Ein Leserbrief ist deine schriftliche Antwort auf einen Zeitungsartikel: Du beziehst dich auf den Text, sagst klar, ob du zustimmst, widersprichst, etwas ergänzt oder richtigstellst, und begründest deine Meinung so sachlich, dass die Redaktion den Brief abdrucken möchte. Auf dieser Seite lernst du, deine Schreibabsicht zu klären, den formalen Rahmen richtig zu setzen, den Brief aus Einleitung, Hauptteil und Schluss aufzubauen und ihn am Ende auf Ton und Formulierung zu überarbeiten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Stell dir vor, in der Schülerzeitung steht ein Artikel, der dich ärgert oder begeistert. Du möchtest darauf antworten, und zwar so, dass es alle lesen können. Genau dafür gibt es den Leserbrief. Drei Dinge unterscheiden ihn von einem privaten Brief: Er hat einen Anlass, nämlich einen bestimmten Artikel, den du beim Namen nennst. Er hat ein Publikum, denn nicht nur die Redaktion liest ihn, sondern alle Leserinnen und Leser. Und er will überzeugen: Deine Meinung zählt nur, wenn du sie begründest. Redaktionen bekommen viele Zuschriften und drucken schon aus Platzgründen nur einen kleinen Teil. Am ehesten erscheint ein Brief mit klarem Bezug zum Artikel, der sachlich bleibt und etwas Neues beiträgt. Die Redaktion darf ihn kürzen; ausgelassene Stellen markiert sie meist mit „[…]“. Name und Adresse gehören dazu, auch wenn nur der Name abgedruckt wird. Wer anonym schreibt, hat kaum eine Chance. Es gibt zwei Arten: Der appellative Leserbrief prangert einen Missstand an, den Ist-Zustand, schlägt vor, wie es sein sollte, den Soll-Zustand, und ruft oft zur Mithilfe auf. Die Stellungnahme greift den Artikel auf und stimmt zu, ergänzt ihn oder lehnt ihn mit Gegenargumenten ab. Beide enthalten eine Meinung; der appellative Brief will aber, dass sich etwas ändert. Bevor du schreibst, klärst du deine Schreibabsicht: Was will ich mit diesem Brief? Ein Brief kann zwei Absichten verbinden, etwa zustimmen und ergänzen. Eine muss aber im Vordergrund stehen, sonst wirkt er unentschlossen.
Definition
Der Leserbrief
Ein Leserbrief ist eine schriftliche Meinungsäußerung zu einem Artikel in einer Zeitung, Zeitschrift oder Schülerzeitung. Du schreibst ihn an die Redaktion oder an die Autorin oder den Autor des Artikels, beziehst dich auf den Inhalt und nimmst begründet Stellung. Ziel ist, dass der Brief in der Leserbrief-Rubrik veröffentlicht wird.
| Schreibabsicht | Du willst … | Beispiel für einen Kernsatz |
|---|---|---|
| Zustimmen | die Meinung des Artikels bestätigen und verstärken | „Endlich spricht jemand aus, dass …“ |
| Widersprechen | dich von der Meinung abgrenzen und Gegenargumente bringen | „Diese Sichtweise kann ich nicht teilen, denn …“ |
| Ergänzen | einen Aspekt hinzufügen, der im Artikel fehlt | „Ein wichtiger Punkt fehlt in Ihrem Beitrag: …“ |
| Richtigstellen | eine falsche oder ungenaue Angabe korrigieren | „Ihre Angabe, dass …, stimmt so nicht.“ |
Merke: Erst die Absicht, dann der Text: Wer weiß, ob er zustimmen, widersprechen, ergänzen oder richtigstellen will, findet leichter die passenden Argumente und den passenden Ton.
Teste dich
Ein Leserbrief ist ein Brief. Deshalb hat er einen festen Rahmen, den die Redaktion auf einen Blick erkennt. Fehlt er, wirkt der Text wie ein Kommentar im Internet. Titel und Datum im Betreff sind der erste Beweis, dass du dich wirklich auf den Text beziehst. Zwischen Anrede und Grußformel steht der eigentliche Brief aus drei Teilen. Die Einleitung ist kurz, meist zwei bis drei Sätze: Artikelbezug mit Titel, Datum und, falls bekannt, der Autorin oder dem Autor, dann die Kernaussage des Artikels in einem Satz und eine kurze Stellungnahme. Im Hauptteil nennst du deinen Standpunkt und stützt ihn mit Argumenten aus Behauptung, Begründung und Beispiel. Zwei oder drei gut ausgeführte Argumente sind besser als sechs Behauptungen ohne Begründung. Wenn du widersprichst, greifst du am besten ein Argument des Artikels auf und entkräftest es; ein knappes, faires Gegenargument macht dich glaubwürdiger. Der Schluss bündelt deine Meinung in ein bis zwei Sätzen und nennt, was du dir wünschst oder forderst: eine Entscheidung, eine Änderung, weitere Berichte oder die Mithilfe der Leserinnen und Leser. Ein neues Argument gehört nicht mehr hinein.
Beispiel: Der Rahmen besteht aus vier Teilen
- 1Betreff mit Artikelbezug: Eine Zeile über dem Brief nennt Titel und Datum des Artikels, zum Beispiel: „Leserbrief zu ‚Kürzere Pausen, früher Schluss‘ vom 12. Mai“. Bei einer Tageszeitung kannst du zusätzlich den Namen der Autorin oder des Autors nennen.
- 2Anrede: Wenn du die Autorin oder den Autor kennst, sprichst du sie oder ihn direkt an: „Sehr geehrte Frau Weber,“. Sonst schreibst du an die Redaktion: „Sehr geehrte Damen und Herren,“ oder bei der Schülerzeitung „Liebe Redaktion,“. Nach der Anrede steht ein Komma, und der Brief beginnt klein weiter.
- 3Grußformel: „Mit freundlichen Grüßen“ ist immer richtig. Bei der Schülerzeitung passt auch „Viele Grüße“.
- 4Name und Ort: Unter der Grußformel stehen dein vollständiger Name und dein Wohnort, bei der Schülerzeitung deine Klasse.
| Teil | Aufgabe | Formulierungshilfe |
|---|---|---|
| Einleitung | Artikelbezug, Kernaussage, kurze Stellungnahme | „In Ihrem Artikel ‚…‘ vom … schreiben Sie, dass …“ |
| Hauptteil: widersprechen | Argument des Artikels aufgreifen und entkräften | „Diese Sichtweise kann ich nicht teilen, denn …“ |
| Hauptteil: zustimmen | eigene Erfahrung als Stütze nennen | „Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass …“ |
| Hauptteil: ergänzen | einen fehlenden Aspekt nennen | „Ich möchte darauf hinweisen, dass …“ |
| Hauptteil: abwägen | beide Seiten gewichten | „Einerseits …, andererseits …“ |
| Schluss | Zusammenfassung und Forderung oder Wunsch | „Ich wünsche mir deshalb, dass …“ |
Merke: Im Leserbrief sprichst du die Redaktion oder die Autorin mit Sie an, auch wenn du sonst gern locker schreibst. Bleib im ganzen Brief bei dieser Form und wechsle nicht zwischen „Sie“ und „du“.
Teste dich
Jetzt siehst du alle Bausteine in einem vollständigen Brief. Der Anlass ist ein erfundener Artikel aus einer Schülerzeitung: Unter dem Titel „Kürzere Pausen, früher Schluss“ schlägt die Redaktion am 12. Mai vor, die beiden großen Pausen auf je zehn Minuten zu kürzen, damit der Unterricht eine halbe Stunde früher endet. Die Schreibabsicht der Verfasserin ist widersprechen. Der Brief ist sachlich, obwohl Lina deutlich widerspricht. Sie greift niemanden an, nennt konkrete Situationen aus dem Schulalltag und bleibt durchgehend bei der Sie-Form.
Beispiel: Leserbrief zu „Kürzere Pausen, früher Schluss“ vom 12. Mai
- 1Liebe Redaktion,
- 2in Ihrem Artikel „Kürzere Pausen, früher Schluss“ vom 12. Mai schlagen Sie vor, die beiden großen Pausen auf jeweils zehn Minuten zu kürzen, damit der Unterricht eine halbe Stunde früher endet. Der Vorschlag klingt verlockend, ich halte ihn aber für einen Fehler.
- 3Zunächst brauchen wir die Pausen, um uns zu erholen. Nach einer Doppelstunde Mathematik lässt die Konzentration spürbar nach. Wer in zehn Minuten zur Toilette geht, etwas trinkt und den Raum wechselt, kommt ohne echte Erholung in die nächste Stunde. Kürzere Pausen würden also den Unterricht selbst schlechter machen.
- 4Außerdem sind die großen Pausen für viele die einzige Zeit, in der sie Freundinnen und Freunde aus anderen Klassen treffen. In der Mensa bildet sich schon jetzt in den ersten fünf Minuten eine lange Schlange. Bei zehn Minuten Pause bliebe für ein Gespräch beim Essen keine Zeit mehr.
- 5Richtig ist, dass ein früherer Schulschluss vor allem denen hilft, die einen langen Heimweg haben. Dieses Problem lässt sich aber besser lösen, wenn der Stundenplan Freistunden am Nachmittag vermeidet, als wenn alle auf ihre Pausen verzichten.
- 6Ich wünsche mir deshalb, dass die Schülervertretung den Vorschlag nicht unterstützt und die Pausenzeiten bleiben. Über eine Umfrage unter allen Klassen zu diesem Thema würde ich mich freuen.
- 7Viele Grüße
- 8Lina Berger, Klasse 8b
- 9So ist der Brief gebaut:
- 10Betreff: Titel und Datum des Artikels stehen über dem Brief. Jeder erkennt sofort, worauf Lina reagiert.
- 11Anrede: „Liebe Redaktion,“ passt zur Schülerzeitung. Der Brief beginnt danach klein mit „in Ihrem Artikel“.
- 12Einleitung: Der erste Satz nennt Titel, Datum und die Kernaussage des Artikels. Der zweite Satz ist die kurze Stellungnahme: Lina hält den Vorschlag für einen Fehler. Damit ist die Schreibabsicht klar.
- 13Hauptteil, erstes Argument: Behauptung: Pausen dienen der Erholung. Begründung: Nach einer Doppelstunde lässt die Konzentration nach. Beispiel: Toilette, Trinken und Raumwechsel füllen zehn Minuten ohne Erholung. Rückbindung: Kürzere Pausen schaden dem Unterricht.
- 14Hauptteil, zweites Argument: Behauptung: Pausen sind Zeit für Freundschaften. Beispiel: die Schlange in der Mensa. Das Argument beginnt mit „Außerdem“, damit die Reihenfolge sichtbar bleibt.
- 15Gegenargument: Lina gibt zu, dass ein früherer Schluss manchen hilft, und zeigt eine bessere Lösung. Das macht sie glaubwürdig, ohne ihre Position zu schwächen.
- 16Schluss: Zusammenfassung und Forderung an die Schülervertretung, dazu ein Wunsch nach einer Umfrage. Kein neues Argument.
- 17Grußformel und Name: „Viele Grüße“ passt zur Schülerzeitung, darunter der vollständige Name mit Klasse.
Teste dich
Ein Leserbrief darf eine deutliche Meinung haben. Er überzeugt aber nur, wenn der Ton sachlich bleibt. Sachlich heißt: Du sprichst über die Sache, also den Artikel und seine Argumente, und nicht über die Person, die ihn geschrieben hat. Die Tabelle zeigt die häufigsten Fehler. Prüfe deinen fertigen Brief zum Schluss mit diesen Fragen: Stehen Titel und Datum des Artikels im Betreff und in der Einleitung? Ist meine Schreibabsicht im ersten Absatz erkennbar? Hat jedes Argument eine Begründung und ein Beispiel? Spreche ich über die Sache und nicht über die Person? Enthält der Schluss eine Zusammenfassung und eine Forderung oder einen Wunsch? Bleibe ich durchgehend bei der Sie-Form? Sind Anrede, Grußformel, Name und Ort vorhanden? Stimmen Rechtschreibung und Zeichensetzung?
Beispiel: Vorher: „Wer so einen Unsinn schreibt, hat offenbar noch nie eine Pause gebraucht. Total lächerlich!“
- 1Nachher: „Diese Sichtweise kann ich nicht teilen, denn nach einer Doppelstunde lässt die Konzentration spürbar nach, und zehn Minuten reichen nicht zur Erholung.“
- 2Die überarbeitete Fassung enthält keine Beleidigung, sondern ein Argument mit Begründung. Die Meinung ist genauso deutlich, aber die Redaktion kann sie abdrucken.
| Fehler | Warum er schadet | So machst du es besser |
|---|---|---|
| Kein Artikelbezug | Niemand weiß, worauf du reagierst | Titel, Datum und Kernaussage in Betreff und Einleitung nennen |
| Meinung ohne Begründung | „Finde ich blöd“ überzeugt niemanden | Zu jeder Behauptung eine Begründung und ein Beispiel schreiben |
| Beleidigungen und Übertreibungen | Der Brief wirkt unsachlich und wird nicht gedruckt | Über die Sache sprechen, nicht über die Person |
| Zu viele Themen | Der rote Faden geht verloren | Bei einer Schreibabsicht und zwei bis drei Argumenten bleiben |
| Neues Argument im Schluss | Der Schluss fasst nicht mehr zusammen | Den Schluss auf Zusammenfassung und Forderung beschränken |
| Wechsel zwischen Sie und du | Der Brief wirkt unhöflich und unkonzentriert | Durchgehend Sie verwenden |
| Fehlende Anrede oder kein Name | Der Text ist kein Brief und kann nicht zugeordnet werden | Rahmen vollständig setzen |
Merke: Deutlich in der Meinung, sachlich im Ton: Das ist der Leserbrief, den eine Redaktion gern abdruckt.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Leserbrief
Leserbrief
Antwort auf einen Artikel; Ziel Veröffentlichung; appellativ oder Stellungnahme
Schreibabsicht
zustimmen, widersprechen, ergänzen oder richtigstellen
Formaler Rahmen
Betreff mit Titel und Datum; Anrede und Sie-Form; Grußformel, Name, Ort
Aufbau
Einleitung mit Bezug und Standpunkt; Hauptteil mit begründeten Argumenten; Schluss mit Forderung
Überarbeiten
sachlich statt persönlich; ein Thema, roter Faden; Rahmen vollständig
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Musteraufgabe: Der Artikel „Mehr Sport, weniger Mathe“ vom 20. April fordert eine dritte Sportstunde pro Woche. Beginne einen zustimmenden Leserbrief an die Schülerzeitung.
- 1Schreibabsicht klären: zustimmen.
- 2Betreff: „Leserbrief zu ‚Mehr Sport, weniger Mathe‘ vom 20. April“.
- 3Anrede: „Liebe Redaktion,“ – danach geht es klein weiter.
- 4Artikelbezug und Kernaussage: „in Ihrem Artikel ‚Mehr Sport, weniger Mathe‘ vom 20. April fordern Sie eine dritte Sportstunde pro Woche.“
- 5Kurze Stellungnahme: „Endlich spricht jemand aus, was viele in meiner Klasse denken.“
- 6Übergang zum Hauptteil: Standpunkt nennen, dann das erste Argument mit Behauptung, Begründung und Beispiel.
Fehler finden
Tarek schreibt einen Leserbrief an die Schülerzeitung. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Tarek greift die Autorin persönlich an, statt ein Argument zu bringen. Richtig: Hauptteil: Nach sechs Stunden Unterricht haben viele Hunger, und in der Pause ist der Kiosk die einzige Möglichkeit, etwas zu kaufen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Über dem Brief steht ein , der den Titel und das des Artikels nennt. Dann folgt die , zum Beispiel „Sehr geehrte Damen und Herren,“. Im Brief sprichst du die Redaktion mit Sie an. Am Ende stehen die Grußformel und dein vollständiger Name.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback