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Deutsch · Klasse 8–9 · aktualisiert

Kleider machen Leute: Handlung und Deutung

Ein armer Schneider wird für einen Grafen gehalten. Du lernst Handlung und Figuren und begründest die Deutung zu Schein und Sein mit Belegen.

0 von 13 Aufgaben gelöst

Kleider machen Leute: Handlung und Deutung

Kurz gesagt

„Kleider machen Leute“ ist eine Novelle von Gottfried Keller (1874). Der arme Schneidergeselle Wenzel Strapinski wird in Goldach wegen Wagen und Mantel für einen polnischen Grafen gehalten, verliebt sich in Nettchen und wird entlarvt. Nettchen hält zu ihm; in Seldwyla wird er ein wohlhabender Schneider.

Gottfried Kellers Novelle zeigt, wie schnell Menschen aus Kleidung, Auftreten und Statussymbolen eine Identität konstruieren. Der arme Schneidergeselle Wenzel Strapinski wird in Goldach für einen polnischen Grafen gehalten. Er erfindet diese Verwechslung nicht, klärt sie aber auch nicht rechtzeitig auf. So wird aus fremder Zuschreibung eine Rolle, die ihn immer stärker bindet. Spoilerhinweis: Diese Seite erklärt die gesamte Handlung einschließlich Entlarvung und Schluss.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.

4 Abschnitte

„Kleider machen Leute“ ist eine Novelle von Gottfried Keller. Sie erschien 1874 im dritten Band der zweiten Auflage des Novellenzyklus „Die Leute von Seldwyla“. Das Werk wird dem poetischen Realismus zugeordnet. Die Handlung spielt im 19. Jahrhundert, an zwei erfundenen Orten: Wenzel kommt aus Seldwyla, wird in Goldach zum vermeintlichen Grafen und baut in Seldwyla seine neue Existenz auf. Erst später zieht das Paar nach Goldach zurück. Wenzel Strapinski ist ein mittelloser Schneidergeselle. Sein Seldwyler Meister ist zahlungsunfähig geworden; Wenzel verliert Arbeit und Lohn. Hungrig wandert er nach Goldach. Trotzdem trägt er einen gepflegten schwarzen Sonntagsanzug, einen weiten Radmantel und eine polnische Pelzmütze. Seine Kleidung ist ihm wichtig, weil sie zu seinem Wunsch nach einem würdigen Leben gehört. Sie ist zunächst keine Verkleidung für einen Betrug. Ein Kutscher nimmt Wenzel in einem leeren herrschaftlichen Reisewagen mit. Als der Wagen vor dem Goldacher Gasthof „Zur Waage“ hält, verbinden die Menschen mehrere Zeichen: (1) Der Wagen sieht vornehm aus. (2) Wenzels Mantel und gepflegtes Äußeres wirken edel. (3) Seine Schüchternheit und Sprachlosigkeit erscheinen wie vornehme Zurückhaltung. (4) Der Kutscher nennt ihn aus einem Scherz einen polnischen Grafen. Die Goldacher prüfen ihre Vermutung nicht. Stattdessen deuten sie jede weitere Beobachtung so, dass sie zum Grafenbild passt. Sogar Wenzels Hunger und seine Kenntnisse im Umgang mit Pferden gelten ihnen als Zeichen einer vornehmen Herkunft.

OrtBedeutung für die Handlung
SeldwylaWenzel verliert dort seine Arbeit. Später wird er dort mit Nettchen ein erfolgreicher Schneider.
GoldachDie reiche Bürgerstadt hält Wenzel für einen Grafen. Dort begegnet er Nettchen und kehrt am Ende als angesehener Mann zurück.

Definition

Soziale Projektion

Bei einer sozialen Projektion schreiben Menschen einer Person Eigenschaften oder eine Rolle zu, weil sie ihre eigenen Erwartungen auf äußere Zeichen übertragen. In der Novelle sehen die Goldacher nicht zuerst Wenzels wirkliche Lage, sondern das Bild eines geheimnisvollen Grafen, das sie selbst erzeugen.

Beispiel: Der Wagen als Statussymbol

  1. 1Textbeobachtung: Wenzel kommt in einem herrschaftlichen Wagen an, obwohl der Wagen nicht ihm gehört.
  2. 2Schlussfolgerung: Die Goldacher behandeln den Wagen als Beweis für seinen Stand.
  3. 3Deutung: Keller zeigt, dass ein Statussymbol die Wahrnehmung lenken kann. Die Menschen suchen danach vor allem Bestätigungen für ihr fertiges Urteil.

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LeichtWelche Werkangabe ist richtig?
MittelWarum darfst du Goldach und Seldwyla nicht vertauschen?

Alles auf einen Blick

Kleider machen Leute (Keller)

  • Handlung

    Not und Aufbruch aus Seldwyla; Grafenrolle in Goldach; Entlarvung, Rettung und Neubeginn

  • Figuren

    Wenzel zwischen Passivität und Verantwortung; Nettchen zwischen Wunschbild und eigener Entscheidung; Böhni zwischen richtiger Beobachtung und Eigennutz

  • Gestaltung

    Radmantel als Leitmotiv; Ironie durch Wissensvorsprung; Maskenzug als Umkehrung

  • Deutung

    soziale Projektion; Schein und Sein; Würde, Arbeit und gesellschaftliches Ansehen

Musteraufgabe · Schritt für Schritt

Aufgabe: Beurteile, ob Wenzel ein Hochstapler ist.

  1. 1Gegen einen Betrugsplan: Wagen und Grafentitel stammen nicht von Wenzel. Der Kutscher nennt ihn aus Scherz einen Grafen.
  2. 2Gegen einen Betrugsplan: Er nennt sich nie selbst Graf und unterschreibt mit seinem wirklichen Namen.
  3. 3Für eigene Verantwortung: Als der Wirt einen Boten zum Wagen schicken will, schützt Wenzel die Rolle mit einer Notlüge. Aus Liebe zu Nettchen gibt er seinen Fluchtplan auf.
  4. 4Urteil: Wenzel ist weder unschuldiges Opfer noch planmäßiger Hochstapler. Die Goldacher erzeugen die Rolle, er hält sie zeitweise aufrecht.

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Lückentext

Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.

Seine Arbeit verliert Wenzel in . An Wenzels Fingern erkennt früh Spuren der Schneiderarbeit. Beim Maskenzug wird der Spruch zu „“ umgekehrt.

Karteikasten

Erst selbst überlegen, dann umdrehen.

Übung mit Feedback

Abschluss-Check: Kleider machen Leute (Keller)

LeichtWer erkennt früh ein Zeichen für Wenzels wirklichen Beruf?
MittelWelche Reihenfolge gibt den Handlungsverlauf richtig wieder?
SchwerBeurteile die Aussage: „Wenzel ist allein schuld an der Täuschung.“

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