Chemie · Klasse 9–11 · aktualisiert
EPA-Modell: Molekülgeometrie einfach bestimmen
Zähle Bindungsrichtungen und freie Elektronenpaare am Zentralatom. So bestimmst du mit dem EPA-Modell Elektronenanordnung und Molekülgestalt.
0 von 11 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Das EPA-Modell ordnet Elektronenbereiche am Zentralatom mit möglichst großem Abstand an. Jede Bindungsrichtung und jedes freie Paar zählt als ein Bereich. Alle Bereiche ergeben die Elektronengeometrie; für die Molekülgestalt zählen nur die gebundenen Atome.
Das Elektronenpaarabstoßungsmodell, kurz EPA-Modell oder VSEPR-Modell, hilft dir, die räumliche Gestalt eines Moleküls vorherzusagen. Elektronenbereiche am Zentralatom stoßen einander ab und ordnen sich mit möglichst großem Abstand an.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Eine Lewis-Formel zeigt, welche Atome verbunden sind und wo freie Elektronenpaare liegen. Sie ist eine Zeichnung auf einer Fläche und zeigt die räumliche Gestalt nicht unmittelbar. Im Elektronenpaarabstoßungsmodell (EPA-Modell) betrachtest du deshalb die äußere Elektronenschale des Zentralatoms. Das Zentralatom ist mit mehreren Nachbaratomen verbunden. Seine Elektronenbereiche stoßen einander ab und ordnen sich mit möglichst großem Abstand an.
Eine Einfach-, Doppel- oder Dreifachbindung zum selben Nachbaratom zählt beim grundlegenden Domänenzählen jeweils als eine Domäne. Du zählst Bindungsrichtungen und freie Paare am Zentralatom, nicht einzelne Bindungselektronen.
Definition
Elektronendomäne
Eine Elektronendomäne ist ein räumlicher Elektronenbereich am Zentralatom. Jede Bindungsrichtung und jedes freie Elektronenpaar am Zentralatom zählt als eine Domäne.
Beispiel
- 1In CO₂ ist Kohlenstoff das Zentralatom.
- 2Es besitzt zwei Bindungsrichtungen zu den beiden Sauerstoffatomen.
- 3Obwohl beide Bindungen Doppelbindungen sind, zählt jede Richtung als eine Domäne.
- 4Insgesamt liegen am Kohlenstoff zwei Domänen vor.
Teste dich
Die Elektronengeometrie beschreibt die Anordnung aller Domänen am Zentralatom, also auch freier Paare. Die Molekülgeometrie beschreibt nur die räumliche Anordnung der gebundenen Atome. Freie Paare beeinflussen die Form, zählen bei ihrem Namen aber nicht als Atompositionen.
Die idealen Winkel der Grundformen betragen: linear 180^\circ, trigonal-planar 120^\circ und tetraedrisch ungefähr 109{,}5^\circ. Trigonal-planar heißt: Drei Richtungen liegen in einer Ebene wie die Ecken eines Dreiecks. Tetraedrisch heißt: Vier Richtungen zeigen zu den Ecken eines Körpers mit vier dreieckigen Flächen. Ein freies Paar liegt nicht zwischen zwei Atomkernen. Im EPA-Modell beansprucht es mehr Raum als ein bindendes Paar. Es kann benachbarte Bindungen zusammendrücken; reale Winkel sind dann oft kleiner als die idealen Winkel.
In der Kurzschreibweise AB_xE_y steht A für das Zentralatom, B für einen gebundenen Nachbarn und E für ein freies Paar am Zentrum. AB_3E beschreibt drei Nachbarn und ein freies Paar.
| Domänen insgesamt | Bindungspartner | freie Paare | Elektronengeometrie | Molekülgeometrie |
|---|---|---|---|---|
| 2 | 2 | 0 | linear | linear |
| 3 | 3 | 0 | trigonal-planar | trigonal-planar |
| 3 | 2 | 1 | trigonal-planar | gewinkelt |
| 4 | 4 | 0 | tetraedrisch | tetraedrisch |
| 4 | 3 | 1 | tetraedrisch | trigonal-pyramidal |
| 4 | 2 | 2 | tetraedrisch | gewinkelt |
Merke: Zähle für die Elektronengeometrie alle Domänen. Benenne für die Molekülgeometrie anschließend nur die sichtbaren Atompositionen.
Beispiel: Schrittfolge zur Molekülgestalt
- 1Lewis-Formel prüfen: Alle Bindungen und freien Elektronenpaare müssen sichtbar sein.
- 2Zentralatom bestimmen: Betrachte nur die Domänen an diesem Atom.
- 3Domänen zählen: Jede Bindungsrichtung zählt einmal; jedes freie Paar zählt ebenfalls einmal.
- 4Elektronengeometrie bestimmen: Zwei Domänen sind linear, drei trigonal-planar und vier tetraedrisch.
- 5Molekülgeometrie benennen: Blende freie Paare gedanklich aus und benenne die Anordnung der gebundenen Atome.
Teste dich
Die Beispiele zeigen die drei Schritte an verschiedenen Molekülen: Domänen zählen, alle Bereiche anordnen und dann die Atompositionen benennen. Bei CO₂ liegen am Kohlenstoff zwei Bindungsrichtungen vor. Bei NH₃ kommen zu drei Bindungen ein freies Paar hinzu. Bei H₂O liegen neben zwei Bindungen zwei freie Paare am Sauerstoff.
Das EPA-Modell liefert eine Grundgestalt für viele Moleküle mit Elektronenpaarbindungen, aber nicht sämtliche Bindungsenergien, Stoffeigenschaften oder Reaktionsabläufe. Eine Summenformel allein reicht meist nicht: Du brauchst die Lewis-Formel mit freien Paaren. Idealwinkel sind Näherungen. Freie Paare und Mehrfachbindungen können reale Winkel verändern; das einfache Schema berechnet die genaue Abweichung nicht.
Bei größeren Molekülen untersuchst du geeignete Zentren nacheinander. Bei manchen Sonderfällen liegen Elektronen nicht als feste Paare zwischen je zwei Atomen, sondern sind über mehrere Bindungen verteilt. Dann zeigt eine einzelne Lewis-Zeichnung nicht die ganze Elektronenverteilung, und das einfache Bild ist nur begrenzt brauchbar. Für die Grundbetrachtung zählt eine Mehrfachbindung dennoch als eine Domäne.
Beispiel: Kohlenstoffdioxid CO₂
- 1Kohlenstoff ist das Zentralatom.
- 2Die zwei Doppelbindungen zeigen in zwei Bindungsrichtungen.
- 3Am Kohlenstoff gibt es keine freien Elektronenpaare.
- 4Zwei Domänen ergeben eine lineare Elektronengeometrie.
- 5Beide Domänen führen zu Atomen. Daher ist auch die Molekülgeometrie linear.
- 6Der ideale O–C–O-Winkel beträgt 180^\circ.
Beispiel: Ammoniak NH₃
- 1Stickstoff ist das Zentralatom.
- 2Drei N–H-Bindungen ergeben drei bindende Domänen.
- 3Ein freies Elektronenpaar ergänzt die vierte Domäne.
- 4Vier Domänen ergeben eine tetraedrische Elektronengeometrie.
- 5Nach dem Ausblenden des freien Paars bleiben drei Wasserstoffatome übrig. Ihre Anordnung ist trigonal-pyramidal.
- 6Kurzschreibweise: AB_3E.
Beispiel: Wasser H₂O
- 1Sauerstoff ist das Zentralatom.
- 2Zwei O–H-Bindungen ergeben zwei bindende Domänen.
- 3Zwei freie Elektronenpaare ergänzen die dritte und vierte Domäne.
- 4Vier Domänen ergeben eine tetraedrische Elektronengeometrie.
- 5Für die Molekülgeometrie bleiben zwei Atompositionen sichtbar. Das Molekül ist gewinkelt.
- 6Kurzschreibweise: AB_2E_2. Der H–O–H-Winkel beträgt ungefähr 104{,}5^\circ und ist damit kleiner als der ideale Tetraederwinkel von ungefähr 109{,}5^\circ. Die freien Paare beanspruchen mehr Raum und drücken die Bindungen zusammen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
EPA-Modell
Ausgangspunkt
Lewis-Formel mit freien Paaren
Zählung
jede Bindungsrichtung und jedes freie Paar am Zentrum
Grundformen
zwei linear, drei trigonal-planar, vier tetraedrisch
Elektronengeometrie
alle Domänen
Molekülgeometrie
Positionen der gebundenen Atome
Grenze
Idealwinkel sind Näherungen; Sonderfälle nur begrenzt
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Gestalt von Bortrifluorid bestimmen
- 1In BF₃ ist Bor das Zentralatom; die Lewis-Formel zeigt drei B–F-Bindungen und kein freies Paar am Bor.
- 2Bor werden hier nur sechs Außenelektronen zugerechnet. Trotzdem lassen sich die drei Bindungsrichtungen im EPA-Grundschema zählen.
- 3Die Elektronengeometrie ist trigonal-planar. Da jede Domäne zu einem Atom führt, ist auch die Molekülgeometrie trigonal-planar.
- 4Der ideale Winkel zwischen den Bindungen beträgt 120^\circ.
Fehler finden
Ein freies Paar mitrechnen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Drei Bindungen plus ein freies Paar ergeben vier Domänen. Daher ist die Elektronengeometrie tetraedrisch und die Molekülgestalt trigonal-pyramidal.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei CO₂ zählt jede Doppelbindung als Domäne. Zwei Domänen ergeben eine Elektronengeometrie. Bei NH₃ liegen insgesamt Domänen vor. Die Molekülgeometrie von NH₃ heißt trigonal-pyramidal.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback