Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Venus von Laussel

Die Venus von Laussel (auch Venus mit Horn; französisch Vénus à la corne) ist eine etwa 25.000 Jahre alte und ungefähr 42 cm hohe, in Kalkstein gekratzte …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Beschreibung und mögliche Deutungen
  3. 3. Fundort und Fundsituation
  4. 4. Weitere Reliefs aus Laussel

Gegenstand und Bedeutung

Die Venus von Laussel, auch „Venus mit Horn“ genannt (französisch: Vénus à la corne), ist eine ungefähr 25.000 Jahre alte Darstellung einer Frau. Sie ist etwa 42 cm hoch und wurde in Kalkstein gekratzt und gemeißelt. Das Werk gehört zur archäologischen Kultur des Gravettien und wird thematisch und zeitlich den Venusfigurinen zugeordnet.

Im Unterschied zu den meist kleinen jungpaläolithischen Venusfigurinen handelt es sich jedoch nicht um ein transportables Kleinkunstwerk, sondern um ein in einen Kalksteinfelsen eingemeißeltes Halbrelief. Ein Halbrelief ist eine Darstellung, deren Formen teilweise aus der Fläche hervortreten. Die Venus von Laussel ist deshalb sowohl wegen ihrer Darstellung als auch wegen ihrer besonderen Herstellungstechnik bedeutsam.

Beschreibung und mögliche Deutungen

Die nackte Frau war vermutlich ursprünglich mit rotem Ocker bemalt. Von dieser Bemalung sind noch Spuren erhalten. Ihr Gesicht ist ohne ausgearbeitete Merkmale, also gesichtslos dargestellt. Die linke Hand liegt auf dem Bauch; der Nabel ist deutlich erkennbar. An der rechten Hüfte befindet sich ein Y-förmiges Zeichen.

In der rechten Hand hält die Frau ein Horn. Häufig wird es als Horn eines Wisents interpretiert. Das Horn trägt 13 Einkerbungen. Diese Zahl wurde mitunter als Hinweis auf die Anzahl der weiblichen Zyklen im Jahr gedeutet oder mit den Mondphasen in Verbindung gebracht.

Eine andere Deutung nimmt an, dass es sich um das Horn eines Steinbocks handelt. Nach dieser Auffassung wären die 13 Einkerbungen als 13 Jahresringe zu verstehen. Sie könnten dann auf das optimale Bejagungsalter bei Steinböcken hinweisen. Welche Deutung zutrifft, ist nicht gesichert; der Artikel stellt beide Möglichkeiten nebeneinander.

Fundort und Fundsituation

Die Venus von Laussel wurde 1911 von dem Arzt J.-G. Lalanne entdeckt. Der Fundort lag in einem Seitental der Vézère, im Abri von Laussel nahe der Gemeinde Marquay im Département Dordogne in Frankreich. Das Relief wurde zusammen mit weiteren Reliefs und Kleinfunden gefunden.

Es befand sich auf einem mehrere Kubikmeter großen Felsblock, der aus dem Felsdach herausgebrochen war. In unmittelbarer Nähe lagen vier weitere Reliefs auf transportierbaren Kalksteinplatten. Diese Kalksteinplatten waren etwa 40 bis 50 cm groß.

Wegen der räumlichen Nähe der insgesamt fünf Reliefs wurde der Fundort als eine Art Cella interpretiert. Eine Cella ist hier als primitives Heiligtum zu verstehen. Die Bezeichnung beschreibt eine mögliche Funktion des Fundortes, ist aber eine archäologische Interpretation.

Weitere Reliefs aus Laussel

Zu den wichtigsten weiteren Reliefs der Fundstätte gehören mehrere unterschiedliche Darstellungen:

  • Die Venus von Berlin, französisch Vénus de Berlin, zeigt ebenfalls eine Frau mit einem Horn. Das Relief wurde an das Museum für Völkerkunde in Berlin verkauft und ist während des Zweiten Weltkriegs verschollen. Kopien befinden sich im Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin und im Musée d’Aquitaine in Bordeaux. Die beste erhaltene Kopie liegt in der Ur- und Frühgeschichtlichen Sammlung der Universität Erlangen-Nürnberg.

  • Ein Relief zeigt eine männliche Person in Jägerpose und wird französisch Le chasseur genannt. Die traditionelle Deutung als Jäger ist umstritten. Ebenso gut könnte die dargestellte Person eine junge Frau sein.

  • Die Vénus à la tête quadrillée stellt eine Frau mit einer Kopfbedeckung dar.

  • Das Relief Personages opposées zeigt zwei Personen, von denen eine sicher weiblich ist. Möglicherweise ist darauf eine Entbindung dargestellt; auch diese Zuordnung wird als Möglichkeit und nicht als gesicherte Tatsache angegeben.

Weiterlesen