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Tactical Combat Casualty Care

Tactical Combat Casualty Care (TCCC) ist die Verwundetenversorgung im Gefecht gemäß Grundsätzen für die erweiterten, präklinischen Erste-Hilfe-Maßnahmen im …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung des TCCC
  3. 3. Die drei Versorgungsphasen
  4. 4. Ausbildung in der Bundeswehr

Grundidee und Bedeutung

Tactical Combat Casualty Care (TCCC) bezeichnet die Verwundetenversorgung im Gefecht nach Grundsätzen für erweiterte, präklinische Erste-Hilfe-Maßnahmen. Soldaten als Ersthelfer und Einsatzersthelfer versorgen Verwundete bereits auf dem Gefechtsfeld. Ihr Handeln ist im Einsatz durch die rechtliche Notkompetenz gedeckt. TCCC basiert auf dem US-amerikanischen Konzept PHTLS (Pre Hospital Trauma Life Support).

Grundsätzlich ist die Verwundetenversorgung Aufgabe der Sanitätskräfte. Diese können jedoch aus völkerrechtlichen Gründen, etwa wegen Kennzeichnung, Bewaffnung und fehlendem Kombattantenstatus, nicht unmittelbar an Kampfhandlungen teilnehmen. Außerdem reicht ihre Ausbildung nicht bei allen Soldaten bis an den Ort des Kampfgeschehens. Deshalb werden Kombattanten zusätzlich zu Combat First Respondern (CFR), früher auch Combat Medics und auf Deutsch Einsatzersthelfer genannt, qualifiziert.

Entscheidend sind die ersten 5 Minuten nach der Verwundung, die als „platinum 5 minutes“ bezeichnet werden, sowie die anschließende „Golden Hour“ beziehungsweise Goldene Stunde. In dieser Zeit soll der Verwundete einer ersten Behandlungseinrichtung zugeführt werden, zum Beispiel einem Truppenverbandsplatz, einer Rettungsstation oder meist direkt einem Feldlazarett. Auf der Ebene eines Großverbandes kann dazwischen ein Hauptverbandsplatz beziehungsweise Rettungszentrum eingerichtet werden. Auch einfache, zielgerichtete Maßnahmen durch Nichtsanitätspersonal können die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich steigern.

Da TCCC ursprünglich ausschließlich die Versorgung auf dem Gefechtsfeld behandelte, wurde als ziviles Gegenstück TECC (Tactical Emergency Casualty Care) für zivile Notfallrettungsdienstleister entwickelt.

Entwicklung des TCCC

TCCC entstand in den USA in den 1990er-Jahren. Ein wichtiger Ausgangspunkt waren die Erfahrungen aus dem Einsatz in Mogadischu/Somalia 1993, insbesondere aus der Schlacht von Mogadischu im Rahmen der Operationen Irene und Gothic Serpent. Ziel war es, Verfahren und Schemata für die Versorgung verwundeter Spezialkräfte zu entwickeln, die häufig nur schwer an die reguläre Rettungskette des Sanitätsdienstes angebunden werden können.

1996 veröffentlichten Captain Frank K. Butler (USN SEAL), Lieutenant Colonel J. Hagmann und EG Butler den Aufsatz „Tactical Combat Casualty Care in Special Operations“. 1999 wurden die TCCC-Grundsätze in die 4. Auflage des US-Handbuchs für Rettungsmedizin PHTLS aufgenommen. 2001 entstand mit Unterstützung des USSOCOM das Committee on TCCC. 2004 übernahm das Bureau of Medicine and Surgery die Förderung der TCCC-Prinzipien. Mit der 6. Auflage des PHTLS-Handbuchs erschien 2006 erstmals eine eigene Militärausgabe.

In Deutschland wird TCCC seit mehreren Jahren am Ausbildungszentrum Spezielle Operationen vermittelt. Seit November 2007 besteht für den Einsatz im Ausland durch eine Weisung zur erweiterten notfallmedizinischen Qualifizierung von Spezialkräften eine rechtliche Grundlage.

Die drei Versorgungsphasen

TCCC gliedert sich in drei Phasen, die sich nach der taktischen Lage und dem Ort der Versorgung richten.

Bei der „Care under Fire“ erfolgen die ersten medizinischen Maßnahmen während des Feuerkampfs. Der Kampf wird nach dem Grundsatz „das beste Mittel im Gefecht ist Feuerüberlegenheit“ fortgeführt; auch der Verwundete kann daran beteiligt sein. Die medizinische Versorgung bleibt in dieser Phase daher auf das im Gefecht Mögliche beschränkt.

In der „Tactical Field Care“, auch „Platinum Minutes“ genannt, führt der Combat First Responder zunächst in der ersten Deckung ein „Initial Trauma Assessment“, also eine orientierende Erstuntersuchung, durch. Nach dem Lösen vom Feind folgen eine erneute Beurteilung („Reassessment“) und das „Rapid Trauma Assessment“. Diese weitergehende Untersuchung kann auch das Auskleiden des Verwundeten und die Suche nach weiteren Verletzungen umfassen. Bei Schussverletzungen wird insbesondere nach einer Austrittswunde gesucht. Festgestellte Verletzungen werden entsprechend behandelt.

Die „Tactical Evacuation Care“, auch „Golden Hour“ genannt, findet während des Abtransports beziehungsweise der Evakuierung statt. Sie kann durch den CFR oder bereits durch organische Sanitätskräfte durchgeführt werden. Dazu gehören Maßnahmen der Verwundetenrettung als CasEvac oder des medizinischen Abtransports als MedEvac.

Ausbildung in der Bundeswehr

Die Bundeswehr hat die Grundsätze des TCCC in die Lehrgänge „Einsatzersthelfer A/B“ aufgenommen. Die Qualifizierung zum Einsatzersthelfer A ist für alle Soldatinnen und Soldaten verpflichtend. In jeder Teileinheit werden außerdem einzelne Soldaten als Einsatzersthelfer B ausgebildet. Spezialkräfte erhalten eine umfangreichere Ausbildung zum Combat First Responder.

Ab 2025 sollen Soldatinnen und Soldaten, angelehnt an das US-System, auf mehreren Ebenen ausgebildet werden:

  • „All Service Members“ für alle Soldatinnen und Soldaten (Einsatzersthelfer A/B),
  • „Combat LifeSaver“ für spezialisierte und Spezialkräfte (Combat First Responder),
  • „Combat Medic / Corpsman“ für Einsatzsanitäter,
  • „Combat Paramedic / Provider“ für Einsatznotfallsanitäter der Bundeswehr.

Nichtsanitätsdienstliches Personal wird durch die Sanitätsstaffeln Einsatz im Lehrgang Einsatzersthelfer A/B sowie durch das Ausbildungszentrum Spezielle Operationen für Combat First Responder aus- und weitergebildet. Sanitätsdienstliches Personal wird durch Ausbildungs- und Simulationszentren sowie die Sanitätsakademie der Bundeswehr in 13 Ausbildungstagen aus- beziehungsweise weitergebildet.