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Sickerrate
Die Sickerrate (engl. leakage) ist ein Modell der Tourismusforschung zur Erklärung des Zurückfließens von Deviseneinnahmen aus dem Tourismus ins Ausland.
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Grundidee
Die Sickerrate (englisch leakage) ist ein Modell der Tourismusforschung. Es erklärt, wie Deviseneinnahmen aus dem Tourismus wieder ins Ausland zurückfließen. Deviseneinnahmen sind Einnahmen in ausländischer Währung, die ein Land zum Beispiel durch ausländische Gäste erhält.
Die Sickerrate ist wichtig, weil sie zeigt, wie viel vom wirtschaftlichen Nutzen des Tourismus tatsächlich im Zielland bleibt. Geld kann abfließen, wenn für Touristen Güter importiert werden müssen, etwa Lebensmittel und Getränke, oder wenn ausländische Dienstleister beauftragt werden, zum Beispiel für Transport oder Bauaufträge.
Ein zentraler Zusammenhang lautet: Je differenzierter die Wirtschaftsstruktur des Ziellandes ist, desto eher kann es benötigte Konsumgüter und Dienstleistungen selbst bereitstellen. Dann ist die Sickerrate niedriger. Wenn ein Land vieles nicht selbst herstellen oder anbieten kann, ist die Sickerrate höher.
Entstehung durch Import
Eine Sickerrate durch Import entsteht, wenn die touristische Nachfrage Standards verlangt, die das Gastland nicht erfüllen kann. Das betrifft besonders weniger entwickelte Länder. Dort werden Speisen und Getränke oft importiert, entweder weil lokale Produkte nicht den erwarteten Standards entsprechen oder weil bestimmte Produkte vor Ort gar nicht hergestellt werden.
In diesem Fall wird ein Teil des durch Tourismus geschaffenen Einkommens dafür verwendet, die nachgefragten Waren aus dem Ausland zu kaufen. Nach Angaben der UNCTAD liegt die importbasierte Sickerrate bei den meisten Entwicklungsländern zwischen 40 % und 50 % der Bruttoeinnahmen. In entwickelten und diversifizierten Ländern liegt sie dagegen zwischen 10 % und 20 %.
Entstehung durch Export
Eine zweite Form ist die Sickerrate durch Export. Sie hängt mit multinationalen Konzernen und großen ausländischen Unternehmen zusammen. Solche Unternehmen können besonders in neuen, noch nicht entwickelten Reisezielen eine große Rolle spielen, weil sie oft als Einzige genug Kapital besitzen, um touristische Infrastruktur zu finanzieren.
Wenn diese Unternehmen Gewinne erzielen und sie in ihr Ursprungsland mitnehmen, fließt ein Teil der Tourismuseinnahmen aus dem Zielland ab. Dadurch steigt die Sickerrate, auch wenn der Tourismus vor Ort zunächst Einnahmen schafft.
Weitere Wirkung und Bewertung
Eine weitere Variante entsteht durch veränderte Konsummuster. Wenn durch den Tourismus die Einnahmen steigen, kann sich auch die lokale Nachfrage verändern. Angeregt durch das Vorbild der Touristen können Einheimische stärker importierte Produkte nachfragen. Auch das kann die Sickerrate weiter erhöhen.
Trotz solcher Gewinnabflüsse kann Tourismus im Vergleich zu anderen Exportproduktionen relativ günstige Netto-Deviseneffekte haben. Netto-Deviseneffekte bezeichnen den verbleibenden Nutzen für die Devisenbilanz nach Abzügen. Der Grund ist, dass im Tourismus möglichst oft auf lokale Ressourcen zurückgegriffen wird.