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Schadenspotential
Als Schadenspotenzial werden im Risikomanagement allgemein Werte in einem abgegrenzten Untersuchungsraum bezeichnet, die potenziell von einem definierten …
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Definition und Bedeutung
Das Schadenspotenzial bezeichnet im Risikomanagement alle Werte in einem abgegrenzten Untersuchungsraum, die von einem definierten Naturereignis – etwa Hochwasser, Tsunami oder Erdbeben – betroffen sein könnten und als schadensanfällig gelten. Es beschreibt noch nicht, wie groß der tatsächlich entstehende Schaden ist.
Das Konzept dient als Grundlage, um mögliche Schäden abhängig von den Merkmalen des Ereignisses abzuschätzen. Dazu gehören insbesondere Stärke, Dauer und räumliche Ausdehnung. Zugleich soll das Schadenspotenzial die maximale Obergrenze der möglichen Betroffenheit erfassbar machen.
Von einem Naturereignis können Personen und Gegenstände betroffen sein, beispielsweise Wohngebäude, Nicht-Wohngebäude, Infrastrukturanlagen und -Einrichtungen oder Kraftfahrzeuge. Die in einem Raum vorhandenen Gegenstände heißen Bestandswerte. Kann ihnen ein Wert, etwa ein Geldbetrag, zugeordnet werden, spricht man beim vorhandenen Inventar von Wertbeständen. Im weiteren Sinne können dazu auch Kultur- und Umweltgüter gehören.
Ermittlung durch Szenarien und Modelle
Für die Bestimmung des maximalen Schadenspotenzials müssen die zugrunde gelegten Annahmen exakt beschrieben und eindeutig verständlich sein. Benötigt werden Angaben zu den Ereignischarakteristika, zu den Gegebenheiten im Untersuchungsraum und zum angenommenen Ablauf des Ereignisses. Solche Kombinationen von Annahmen werden allgemein als Katastrophenszenarien bezeichnet.
Geeignete Modelle verbinden bestimmte Ereignismerkmale und Szenarioannahmen miteinander. Daraus entstehen Abschätzungen in Form von Wenn-Dann-Aussagen über den möglichen Schadensumfang. Das Ergebnis hängt somit immer von dem definierten Ereignis und den gewählten Annahmen ab.
Abgrenzung verwandter Schadenskonzepte
Das Schadenspotenzial darf nicht mit dem Maximalschaden verwechselt werden, auch wenn beide auf dasselbe definierte Ereignis bezogen werden. Das Schadenspotenzial erfasst die potenziell betroffenen und schadensanfälligen Werte; über den konkreten Schadensumfang sagt es allein noch nichts Eindeutiges aus.
Weitere klar zu unterscheidende Begriffe sind:
- Schaden ex post: der bei oder nach einem tatsächlich eingetretenen Einzelereignis festgestellte Schaden.
- Schaden ex ante: der vorab für ein definiertes Ereignis durch Schätzung oder Simulation ermittelte Schaden.
- Schadenserwartungswert: das Integral aller Einzelschäden bis zum Extremereignis.
Diese Konzepte bezeichnen unterschiedliche Größen und müssen daher bei Risikoanalysen getrennt behandelt werden.
Enge und weite Fassungen
Der Umfang des Schadenspotenzials kann unterschiedlich weit abgegrenzt werden:
- Im allerengsten Sinne umfasst es nur ökonomische Vermögensbestände, die sich in Geldgrößen erfassen lassen („stocks“).
- Eine etwas weitere Fassung berücksichtigt zusätzlich ökonomische Wertschöpfungsströme, die ebenfalls in Geldgrößen messbar sind („flows“).
- In der nächsten Erweiterung kommt die Gefährdung von Leib und Leben hinzu. Sie wird meist als Anzahl der Betroffenen angegeben, ohne ihr einen Geldwert zuzuordnen.
- Darüber hinaus können nicht in Geldgrößen erfassbare Vermögensteile einbezogen werden. Sie werden meist als intangible Werte bezeichnet.
- Die breiteste Fassung berücksichtigt zusätzlich weitere Schäden oder Schadenskosten, insbesondere die Kosten des Katastropheneinsatzes, der Schadensbeseitigung und des Schadensausgleichs.
Welche Fassung verwendet wird, muss bei jeder Untersuchung deutlich angegeben werden, weil davon abhängt, welche Personen, Werte und Kosten zum Schadenspotenzial gezählt werden.