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Rein Veidemann

Rein Veidemann (* 17. Oktober 1946 in Pärnu) ist ein estnischer Literaturwissenschaftler und Schriftsteller. Rein Veidemann (2021) Rein Veidemann 2011 …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Ausbildung und beruflicher Weg
  3. 3. Bücher und literarische Themen
  4. 4. Forschung und ausgewählte Artikel
  5. 5. Sekundärliteratur

Person und Bedeutung

Rein Veidemann (* 17. Oktober 1946 in Pärnu) ist ein estnischer Literaturwissenschaftler und Schriftsteller. Seine Arbeit verbindet Literaturkritik, Literaturgeschichte und kulturwissenschaftliche Fragen. Er untersucht unter anderem die estnische Literatur, ihre Beziehung zur Gesellschaft, kulturelle Identität, Zensur und die Rolle von Literatur für soziale Verbundenheit.

Ausbildung und beruflicher Weg

Veidemann besuchte in Pärnu die Schule und machte 1965 Abitur. Von 1969 bis 1974 studierte er an der Universität Tartu estnische Literatur. Anschließend war er von 1974 bis 1977 Redakteur bei der Tartuer Universitätszeitung und arbeitete drei Jahre im Estnischen Literaturmuseum in Tartu. Von 1980 bis 1983 forschte er am Institut für Sprache und Literatur der Estnischen Akademie der Wissenschaften in Tallinn. 1984 verteidigte er seine Doktorarbeit „Die sowjetestnische Literaturkritik 1958 bis 1972“ und erhielt den Titel „Kandidat der Philologie“, der heute dem Dr. phil. entspricht.

Von 1983 bis 1986 war Veidemann stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift Looming. Danach wechselte er zu Vikerkaar und wurde deren Gründungsherausgeber. Er leitete die Zeitschrift von 1986 bis 1989; Vikerkaar spielte während der Singenden Revolution eine wichtige Rolle. Von 1990 bis 1992 war Veidemann Abgeordneter des Obersten Sowjets der ESSR, von 1992 bis 1995 Abgeordneter des Riigikogu. Danach arbeitete er drei Jahre als Ministerialrat im Kulturministerium. Von 1998 bis 2000 lehrte er als Dozent an der Universität Tartu, von 2001 bis 2005 als ordentlicher Professor. Seit 2005 lehrt er an der Universität Tallinn.

Bücher und literarische Themen

Veidemanns Bücher umfassen Essays, Erinnerungen, Literaturkritik, literaturwissenschaftliche Untersuchungen und fiktionale Texte. Zu den frühen Werken gehören Elu keskpäev („Lebensmittag“, Essays und Bekenntnisse, 1986), Olla kriitik... („Kritiker sein…“, Texte aus den Jahren 1975–1985, 1986) und Mälestus Golfi hoovusest („Erinnerungen an den Golfstrom“, Artikel, Essays und Bekenntnisse 1986–1993, 1993).

Weitere autobiografisch und essayistisch geprägte Bücher sind Ajavahe („Zeitraum“, 1996), Kusagil Euroopas („Irgendwo in Europa“, 2001), Lastekodu („Kinderheim“, Memoiren, 2003) und Isiku tunnistus („Zeugnis der Person“, 2006). Mit Kriitikakunst („Die Kunst der Kritik“, 2000) legte er eine Untersuchung zum Wesen und zur Funktion der Kritik anhand der estnischen Erfahrung vor.

Zur estnischen Literatur und Kultur erschienen Tuikav tekst („Der pulsierende Text“, 2006), Eksistentsiaalne Eesti („Das existenzielle Estland“, 2010) und 101 Eesti kirjandusteost („101 estnische Literaturwerke“, 2011). Gesellschaftliche und kulturelle Überlegungen enthält Must valgel („Schwarz auf weiß“, 2011). Spätere Werke sind Tund enne igavikku („Eine Stunde vor der Ewigkeit“, 2012), Arkaadia öö („Arkadiens Nacht“, drei Novellen und ein Kurzroman in Novellen, 2014, 202 S.) sowie Lausungid ja pausid („Aussprüche und Pause“, 2016, 79 S.).

Forschung und ausgewählte Artikel

Ein Schwerpunkt von Veidemanns Forschung ist die estnische Literaturkritik, besonders ihre sowjetische Ausprägung. Dazu gehören der Beitrag „Über die Poetik der estnischen sowjetischen Literaturkritik in den Jahren 1960-1970“ (1981) sowie Untersuchungen zu Literaturgeschichte, Semiotik und dem Verhältnis von Text, Metatext und Kontext.

Weitere Themen sind die Bedeutung der Literatur für soziale Kohäsion, kulturelle Kommunikation und Identität. Dies zeigen unter anderem „Literature as the factor of social coherence: Estonia's case“ und „Kirjandus sotsiaalse sidususe tegurina. Eesti juhtum“ (beide 2003) sowie „Symbols as Means of Creating Cultural Communication and Identity. The Estonian Case“ (2011). Veidemann befasst sich außerdem mit Zensur als Kontext, Existenzialismus in der estnischen Literatur und Kultur, Modernismus sowie der Rezeption der Weltliteratur in Estland.

Zu den von ihm behandelten Autoren und Werken gehören Hando Runneli, Paul-Eerik Rummo, Jaan Kross, A. H. Tammsaare, Oskar Luts und Arvo Valton. Zu den späteren Beiträgen zählen „A Short Introduction to the Understanding of Estonian Literature“ (2005), „About the meaning of Estonian literature“ (2007), „Histoty of Estonian Literature as a Kernel Structure of Estonian Culture“ (2010) und „Arvo Valton on this side of infinity“ (2015).

Sekundärliteratur

Eine biografische und literaturwissenschaftliche Darstellung zu Veidemann ist Sirje Olesks Beitrag „Rein Veidemanni elu kirjanduses“, erschienen 1996 in Keel ja Kirjandus 10, S. 714–715.

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