Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
QuerKlang
QuerKlang ist ein musikpädagogisches Programm, bei dem sich Schülerinnen und Schüler aller Altersklassen und Bildungsstände mit experimenteller Musik …
Inhalt6 Abschnitte
Kernidee und Ziel
QuerKlang ist ein musikpädagogisches Programm, in dem Schülerinnen und Schüler aller Altersklassen und Bildungsstände experimentelle Musik praktisch erkunden. Sie entwickeln im Klassenverband eine kollektive Komposition, also ein gemeinsam gestaltetes Musikstück. Diese Komposition kann im Rahmen des Festivals für Zeitgenössische Musik MaerzMusik der Berliner Festspiele uraufgeführt werden.
Das Programm wurde 2003 von Kerstin Wiehe, Ursula Brandstätter und Daniel Ott initiiert. Im Mittelpunkt steht nicht vor allem das Hören fertiger Werke zeitgenössischer Musik, sondern das eigene Experimentieren mit musikalischem Material, musikalischen Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten. Die Schülerinnen und Schüler sollen Musik als persönliches Ausdrucks- und Gestaltungsmittel erfahren und zugleich Neugier, Toleranz und Verständnis für die Vielfalt zeitgenössischen Musikschaffens entwickeln.
Arbeitsweise im Programm
QuerKlang arbeitet pro Durchlauf mit bis zu 10 Teams. Jedes Team besteht aus einem Komponisten, einem Musiklehrer und zwei Studierenden der Musikpädagogik aus den Bereichen Instrumentalpädagogik und Schulmusik. Eine Schulklasse wird während 10 bis 15 Doppelstunden von einem dieser Teams begleitet. Pro Durchgang können bis zu 10 Schulen teilnehmen.
Ein besonderes Merkmal ist der Einbezug von Musikstudierenden, die sich auf den Lehrerberuf vorbereiten. Die Arbeit an Berliner Schulen ist in ein musikpädagogisches Seminar an der Universität der Künste Berlin eingebettet. Dadurch lernen Studierende das Praxisfeld Schule kennen. Für Musiklehrer dient das Projekt als Fortbildungsangebot, und Komponisten kommen auf ungewöhnliche Weise mit möglichen Hörern ihrer Werke in Kontakt.
Das Programm verbindet drei normalerweise getrennte Arbeitswelten: Schule, universitäre Ausbildung und freischaffende Komposition. Unterschiede und Reibungen zwischen diesen Bereichen werden nicht als Störung verstanden, sondern können produktiv sein, weil aus Spannungen neue Ideen entstehen können. Jeder Durchlauf und jeder Kompositionsprozess wird von den Schülerinnen und Schülern und den betreuenden Teams individuell gestaltet und erfindet sich dadurch immer wieder neu.
Ein Erfahrungsteam evaluiert das Programm kontinuierlich. Es bietet den Schul-Teams außerdem einen pädagogischen, künstlerischen und organisatorischen Rahmen sowie Möglichkeiten zur Reflexion über gemachte Erfahrungen.
Pädagogische Grundsätze
Die pädagogischen Leitideen beschreiben, wie Lernen und künstlerisches Arbeiten bei QuerKlang verstanden werden. Experimentelle Musik verlangt demnach eine experimentelle Didaktik, also Unterrichtsformen, die selbst offen, suchend und erprobend sind.
Wichtig ist die Balance zwischen Struktur und Freiheit: Die Arbeit braucht einen Rahmen, lässt aber zugleich Raum für eigene Entscheidungen und unerwartete Ergebnisse. Das Team gilt als zentrale Ressource, weil Komponisten, Lehrkräfte und Studierende unterschiedliche Kompetenzen einbringen. Vorhandene Fähigkeiten sollen genutzt werden, ebenso die Unterschiede zwischen den Beteiligten.
Lernen findet in komplexen Situationen statt. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten nicht nur nach festen Lösungen, sondern müssen musikalische, soziale und organisatorische Fragen gemeinsam bearbeiten. Reflexion spielt dabei eine zentrale Rolle: Erfahrungen werden besprochen, ausgewertet und für die weitere Arbeit nutzbar gemacht.
Weiterführung und Verankerung
QuerKlang-Nachhall richtet sich an Projektteilnehmer, die nach einem Durchlauf in Kontakt bleiben und entstandene Konzepte weiterentwickeln möchten. Die Plattform soll den Austausch lebendig halten und als Labor für die Vermittlung experimenteller Musik dienen. Neben der Arbeit in Schulen bleibt Reflexion wichtig; im Vordergrund stehen neue Ideen und Impulse der Teams.
An beteiligten Schulen sollen Strukturen entstehen, die den Ansatz von QuerKlang langfristig im Schulalltag und im schulinternen Curriculum verankern. Dafür finden im Rahmen von Nachhall Konzerte statt, deren Termine frei gewählt werden können und die an Partnerorten der Schulen stattfinden sollen. Ein Forum ermöglicht aktiven und ehemaligen Teilnehmerinnen den Erfahrungsaustausch. Zusätzlich gibt es eine Fortbildungsreihe an der Universität der Künste Berlin, mit der ehemalige und aktive Teilnehmer ihr musikalisches, pädagogisches und praktisches Wissen im QuerKlang-Kontext vertiefen und erweitern können.
Ein weiterer Schritt ist die feste Verankerung des experimentellen Ansatzes in Schulen. Einige Schulen arbeiten bereits an curricularen Bausteinen, damit Schülerinnen und Schüler von Anfang an und in allen Klassenstufen mit experimentellen Ansätzen arbeiten können. Dazu gehören Lehrercoachings, Fortbildungen sowie die gemeinsame Diskussion und Begleitung von Lehrenden bei Konzeption und Formulierung. Der Ansatz kann in allen künstlerischen Fächern, fächerübergreifend und auch in Kernfächern wie Deutsch und Mathematik verwendet werden.
Formate und Erweiterung
QuerKlang-Transfer ist ein kompaktes Format, mit dem eine Mini-Version von QuerKlang in andere Länder oder Städte übertragen werden kann. Dafür gibt es zwei Module: zuerst ein kompaktes Einführungsseminar zu den musikalischen, pädagogischen und praktischen Ansätzen von QuerKlang für Lehrer, Studierende und Komponisten; danach einen ein- bis zweiwöchigen Workshop mit Schülerinnen und Schülern vor Ort. In diesem Workshop erarbeiten die Schülerinnen und Schüler eine eigene Komposition und präsentieren sie öffentlich.
Mit dem Pilotprojekt QuerKlang+ wurde 2023 die 20-jährige Erfahrung des Programms und UNESCO-Modells „QuerKlang – Experimentelles Komponieren in der Schule“ erweitert. Neben Musik kommen nun auch Theater und Bildende Kunst hinzu. Erstmals arbeiten Schüler und Lehrer mit Künstlern und Lehramtsstudenten verschiedener künstlerischer Disziplinen zusammen. Sie entwickeln als Teams Kollektivarbeiten, die sie im Rahmen des Festivals MaerzMusik einem breiten Publikum präsentieren.
QuerKlang+ ist ein Pilotprojekt in der Künstlerischen Lehrkräftebildung der Universität der Künste Berlin in Zusammenarbeit mit QuerKlang. Es wird aus Mitteln der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege finanziert.
Träger, Partner und Förderung
QuerKlang ist ein Projekt der QuerKlang gUG in Zusammenarbeit mit kultkom – Kerstin Wiehe, der Universität der Künste Berlin / klangzeitort und den Berliner Festspielen / MaerzMusik – Festival für Zeitfragen. Finanziert wird es aus Mitteln der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie von Berlin.
Als Kooperationsprojekt wird QuerKlang – Experimentelles Komponieren in der Schule von der QuerKlang gUG, der Universität der Künste Berlin, Klangzeitort, kultkom – Kerstin Wiehe, Kulturkontakte e.V. und den Berliner Festspielen | MaerzMusik getragen, in Zusammenarbeit mit Berliner Schulen und freischaffenden Komponisten.
In den Jahren 2003–2004 wurde das Modellprojekt im Rahmen des Wettbewerbs „Kinder zum Olymp“ der Kulturstiftung der Länder ausgezeichnet. 2004 wurden im Rahmen der MaerzMusik | Festival für aktuelle Musik erstmals Schülerkompositionen der Öffentlichkeit vorgestellt. Weitere Förderungen waren: 2006–2009 durch die BHF Bank Stiftung, 2009–2011 durch den Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung, 2011–2015 durch den Europäischen Sozialfonds und Lernort Kultur, 2016–2018 durch die Universität der Künste Berlin und seit 2019 durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin.