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Pierre Gaultier
Pierre Gaultier, auch Gaultier Orleanois, Gaultier de Rome (* 1599 in Orléans; † nach 1660) war ein französischer Lautenist und Komponist.
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Person und Bedeutung
Pierre Gaultier, auch Gaultier Orleanois oder Gaultier de Rome genannt, war ein französischer Lautenist und Komponist. Er wurde 1599 in Orléans geboren und starb nach 1660. Wichtig ist er vor allem wegen seiner gedruckten Sammlung Les Oeuvres de Pierre Gaultier, die 1638 in Rom erschien. Sie ist der einzige bekannte Druck mit französischer Lautenmusik jener Zeit, der außerhalb Frankreichs veröffentlicht wurde.
Leben
Pierre Gaultier stammte aus Orléans und wurde wahrscheinlich am 30. August 1599 in Saint-Michel in Orléans getauft. Möglicherweise war er schon Anfang der 1630er Jahre in Italien tätig. Im Jahr 1638 dürfte er in Rom seinem Mäzen Johann Anton I. Reichsfürst von Eggenberg begegnet sein. Dieser war als Sonderbotschafter des Kaisers Ferdinand III. zu Papst Urban VIII. gesandt worden.
Über Gaultiers weiteren Lebenslauf ist bisher nichts bekannt. Er ist nicht identisch mit dem Jesuiten und Universalgelehrten Pierre Gaultruche, der latinisiert Petrus Galtruchius Aurelianensis hieß und früher mit ihm gleichgesetzt wurde.
Werk und Stil
Gaultiers Musik ist in dem Druck Les Oeuvres de Pierre Gaultier überliefert, der 1638 in Rom erschien und dem Reichsfürsten von Eggenberg gewidmet war. Gaultier finanzierte und vertrieb diesen Druck wohl selbst. Die Sammlung enthält 105 Stücke in sechs verschiedenen neuen Stimmungen der Laute, den sogenannten Accords Nouveaux.
Sein Stil gilt als typisch für die französische Lautenmusik seiner Zeit, weil er die gebrochene Melodie verwendet. Dieser lautenistische Stil wurde im 20. Jahrhundert stile brisée genannt: Eine Melodie wird dabei nicht einfach glatt gespielt, sondern in einzelne, gebrochene Klangbewegungen aufgeteilt. Ebenfalls typisch ist die Verwendung neuer Lautenstimmungen.
Ungewöhnlich ist dagegen Gaultiers häufiger Gebrauch technischer Bindungen durch die Greifhand, nämlich Abzug und Aufschlag. Außerdem nutzt er die Campanella-Technik: Dabei wird eine Melodie auf gegriffenen und offenen Saiten so gespielt, dass die Töne glockenartig ineinander klingen. Beides weist auf den Einfluss italienischer Gitarristen und Theorbenspieler hin.
Edition und Aufnahme
Eine moderne Edition erschien 1984: Monique Rollin gab Oeuves de Pierre Gaultier in Paris im CNRS, Corpus des Luthistes Français, heraus.
Als Aufnahme nennt der Artikel Sigrun Richter: Les Accords Nouveaux. Pierre Gaultier, Les Oeuvres.