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Pelzgeld

Primärquelle: Josef Kulischer: Allgemeine Wirtschafts-Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit. München, Berlin 1928/1929, Band 1, S. 116 …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Pelzgeld als Zahlungsmittel
  2. 2. Verbreitung und Funktionen in Europa und Asien
  3. 3. Russisches Fellgeld
  4. 4. Biberfelle in Nordamerika
  5. 5. Zeitgenössische Beschreibung

Pelzgeld als Zahlungsmittel

Pelzgeld oder Fellgeld bezeichnet Felle, die in verschiedenen Regionen als wesentliches Tausch- und Zahlungsmittel dienten. Verwendet wurden vor allem Bälge von Edelpelztieren, also Rohprodukte für Pelzwaren. Häute, Felle und Pelze eigneten sich besonders im Norden und Osten Europas, weil sie im Unterschied zu Vieh leichter transportierbar waren und sich besser in Werte abstufen ließen.

Felle wurden nicht von Anfang an wie Geld eingesetzt: Bei frühen Tauschgeschäften wurden Waren meist unmittelbar verbraucht. Erst als bestimmte Fellarten überregional anerkannt waren und feste Wertverhältnisse bestanden, konnten sie Geldfunktionen übernehmen. Die kroatische Währungseinheit Kuna, benannt nach dem Marder, erinnerte bis zu ihrer Ersetzung durch den Euro Ende 2022 an diese Bedeutung.

Verbreitung und Funktionen in Europa und Asien

Im altnorwegischen Recht war „feldr“, ein Schafspelz, ein Zahlungsmittel. In Telemark rechnete man bis ins späte Mittelalter nach Tierhäuten („hud“). Auf den Färöer-Inseln zahlte und verrechnete man bis 1936 in Schaffellen; zuletzt entsprach ein Fell einer Münze von 1/24 Speziestalern. In Finnland erhielt „raha“, ursprünglich die Bezeichnung für ein Eichhörnchenfell (Feh), die allgemeine Bedeutung „Geld“.

Auch in Osteuropa und Sibirien erfüllten Felle zahlreiche Aufgaben: Sie dienten als Steuer, Zehnt, Wergeld (Geld- oder Sachleistung als Sühne), Zoll, Straßen- und Brückenabgabe sowie zur Bezahlung geistlicher Leistungen. Der Bischof von Breslau erhob zu Beginn des 13. Jahrhunderts aus Dörfern der Kastellanei Lähn Eichhörnchen- und Marderfelle als Zehnten. Haindorf in Nordböhmen zahlte 1381 jährlich 66 Eichhörnchen; Nickel Vogeler von Einsiedel hatte 30 Eichhörnchen Jahressteuer abzuliefern. In Tirol zahlte man im Weitental noch 1603 nach alter Sitte mit Tierhäuten.

Bei Skandinaviern konnten Fuchs-, Marder-, Hermelin- und Zobelfelle Beleidigungen sühnen. In Polarregionen, Sibirien und Kanada gab es im Warentausch anerkannte Werte zwischen Fellarten. Bei Polarvölkern konnten Pelze sogar Teil einer Heiratsleistung sein: Bei den Ostjaken kamen zu 150 Rentieren 50 Kreuzfuchsfelle, bei den Samojeden zu 90 Rentieren unter anderem 45 Kreuzfüchse und 5 Blaufüchse.

Russisches Fellgeld

Im slawischen Osten war Fellgeld wegen des früher reichen Vorkommens an Pelztieren lange verbreitet. Felle waren eine wichtige Quelle des Wohlstands, doch ihr örtlicher Wert konnte wegen großer Mengen niedrig sein. So musste ein Käufer eines Kupferkessels diesen teilweise bis zum Rand mit Zobelfellen füllen. Ahmad ibn Rustah berichtete im 10. Jahrhundert über die Bulgaren: Ihr „deleq“ (Marder) sei Hauptreichtum und zugleich Geld; ein Marderfell gelte zweieinhalb Dirhem.

Im älteren Russisch war „kuna“ beziehungsweise „kuny“, ursprünglich „Marder“, ein wichtiges Wort für Geld. Auch „bӗlka“ (Eichhörnchen) und „vékša“ konnten Münz- oder Tauschmitteleinheiten bezeichnen. Die jüngere Prawda des 13. Jahrhunderts erwähnt „Rjesanen“: abgeschnittene Pelzstücke als Kleingeld. Auf Handelsplätzen wie Nowgorod und Pskow wurden Marderschnauzen („mórdki“), Eichhörnchen-Stirnläppchen („lobki“) und andere Pelzstücke als Wechselgeld verwendet. Hasenfelle dienten als Scheidemünze; die kleinste Kupfermünze hieß Polutska, von Poluschken, „halbes Hasenfell“.

Ab dem 14. Jahrhundert setzte sich im russischen Reich Metallgeld durch. Eichhörnchen- und Marderschnauzen, die mindestens 500 Jahre im Umlauf gewesen waren, wurden gegen Silber eingewechselt. In Nowgorod wurden Kunen um 1410 abgeschafft, 1420 auch Silbermünzen eingeführt. Dennoch blieben Fellabgaben lange bestehen: 1607 zahlten Einwohner in Perm beispielsweise bis zu 5 Zobel pro Kopf, teils 3 Zobel, oder 10 Zobel für einen Familienvater und 5 für einen Junggesellen. Auch sibirische Völkerschaften leisteten den russischen Eroberern Pelztribut, Jassak. 1920 war das Zobelfell in Kamtschatka noch praktisch eine Münze: Der Unterricht eines Knaben kostete ein Zobelfell, der eines Mädchens ein Fuchsfell.

Biberfelle in Nordamerika

In Nordamerika war das Biberfell in früheren Jahrhunderten ein Zahlungsmittel. Die Hudson’s Bay Company verwendete im 17. und 18. Jahrhundert Tauschtarife, die sich am Biberfell orientierten: 15 Biberfelle entsprachen einer Flinte, 5 einer wollenen Decke, 3 einem Dutzend Messer, 2 einem Pfund Tabak oder einer Axt. Ein Schwarzfuchs war 20 Biberfellen gleichgestellt.

Wurden mehr Felle eingeliefert, als die Gesellschaft Waren auf Lager hatte, gab sie zerschnittene und mit ihrem Stempel versehene Biberfellstücke als Pelzgeld aus. Um 1680 führte sie zudem eine Wolldecke mit „Points“, schwarzen Strichen an einer Längskante, als wertähnliche Einheit ein. Dreieinhalb Points bedeuteten den Gegenwert von zwei großen und einem kleinen Biberfell. Blaufuchs- und Weißfuchsfelle dienten im nördlichsten Amerika bis etwa 1900 ebenfalls als eine Art Pelzgeld im Tauschverkehr mit den Inuit.

Zeitgenössische Beschreibung

Johann Peter von Ludewig schrieb 1752, nördliche Völker hätten Pelzwerk „an statt des Geldes“ für Silber und Gold verwendet. Nach seinem Beispiel konnten Wetten und Geldstrafen in Pelzen festgesetzt werden: Ein ehrenrühriges Wort mit einem Fuchspelz, eine Maulschelle mit einem Marder und schwerere Verbrechen mit Zobeln, Hermelin oder anderem kostbarem Pelzwerk.