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Klaviersonate Nr. 22 (Beethoven)
Mit zwei Sätzen und einer relativ kurzen Dauer von 12 Minuten ist sie formell eine kleine Sonate Beethovens. Die Originalausgabe erschien im April 1806 – ohne …
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Kern und Einordnung
Ludwig van Beethovens Klaviersonate Nr. 22 F-Dur op. 54 entstand überwiegend im Frühjahr 1804; erhaltene Skizzen zum zweiten Satz werden auf Mai/Juni 1804 datiert. Die Originalausgabe erschien im April 1806 ohne Widmung im Kunst- und Industrie-Comptoir in Wien.
Die Sonate steht zwischen zwei sehr bekannten Beethoven-Sonaten, der Waldsteinsonate und der Appassionata. Joachim Kaiser betont deshalb, dass ihr eigener Rang leicht übersehen werde. Er beschreibt sie als anspruchsvolle zweisätzige Sonate und als vollgültiges Werk Beethovens, das zugleich keinen titanischen oder heroischen Charakter habe. Mit zwei Sätzen und etwa 12 Minuten Dauer gehört sie formal zu Beethovens kleineren Sonaten.
Instrument und Widmung
Auffällig ist der Tonumfang: Anders als andere Klavierwerke Beethovens aus dieser Zeit ist die Sonate für ein nur 5-oktaviges Instrument geschrieben, mit dem Umfang F_{1} bis f^{3}. Ein solches Instrument besaß Therese von Zandt; später benutzte es ihr Sohn, der Komponist Norbert Burgmüller.
Der Beethoven-Forscher Klaus Martin Kopitz vertritt die These, Therese von Zandt sei 1803/04 „sieben volle Monate“ Beethovens Geliebte gewesen. Nach dieser Deutung könnte auch erklärbar sein, warum die Sonate ohne Widmung erschien: Therese von Zandt heiratete 1805, also ein Jahr vor der Veröffentlichung der Sonate.
Form des ersten Satzes
Der erste Satz trägt die Bezeichnung Tempo d’un Menuetto, steht in F-Dur, im 3/4-Takt und umfasst 154 Takte. Seine Form ist eine fünfteilige Menuett-Form mit dem Schema ABABA. Das bedeutet: Zwei musikalische Abschnitte oder Themen wechseln sich ab, wobei das erste Thema dreimal und das zweite Thema zweimal erscheint.
Der Satz hat ein ruhigeres Tempo und enthält zwei abwechselnde Themen. Das erste Thema entsteht aus einem Motiv, das schon im ersten Takt erscheint und einen punktierten Rhythmus hat. Es erstreckt sich über 24 Takte, bevor das zweite Thema einsetzt.
Verlauf des ersten Satzes
Das zweite Thema erscheint zunächst ebenfalls in F-Dur. Es beruht auf einer triolischen Bewegung, also auf einer Bewegung in Dreiergruppen, moduliert aber überraschend nach As-Dur. Über f-moll kehrt die Musik wieder zum ersten Thema zurück, das nun von Verzierungen umspielt wird.
Danach erscheint erneut das zweite Thema, diesmal jedoch nur für 12 Takte. Es folgt eine weitere Variation des ersten Themas, die in eine viertaktige Triller-Episode führt. Am Ende steht eine Coda, also ein Schlussabschnitt, auf dem Orgelpunkt f. Kurz vor Schluss soll ein fortissimo den Hörer erschrecken, bevor die Dynamik wieder ins pianissimo zurücksinkt.
Zweiter Satz
Der zweite Satz ist mit Allegretto bezeichnet, steht ebenfalls in F-Dur, aber im 2/4-Takt. Er hat eine zweiteilige Form mit Coda und umfasst 188 Takte. In seiner Form erinnert er an das Finale der Sonate op. 10 Nr. 2, in seinem Charakter an das Finale der Sonate op. 26.
Der Satz wirkt durch seine unermüdliche Sechzehntelbewegung wie ein Perpetuum Mobile. Damit ist eine Musik gemeint, die durchgehend in schneller, gleichmäßiger Bewegung weiterläuft. Das einzige Thema besteht aus den ersten beiden Takten. Dieses Thema wird durch verschiedene Tonarten geführt und endet in einer Stretta mit triumphaler Schlusssteigerung. Die Stretta ist ein beschleunigender oder verdichtender Schlussabschnitt; hier steht dazu die Angabe „Più Allegro“.