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Kinderspital Bethlehem
Behandelt werden Kinder bis ins Alter von 18 Jahren, unabhängig ihrer Religion und sozialen Herkunft. ... Das Caritas Baby Hospital arbeitet vor Ort …
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Grundlagen und Bedeutung
Das Kinderspital Bethlehem, offiziell Caritas Baby Hospital, ist ein auf Kindermedizin spezialisiertes Krankenhaus in Bethlehem im besetzten palästinensischen Gebiet. Es wurde 1953 gegründet und ist das einzige ausschließlich auf Kindermedizin spezialisierte Spital im Westjordanland. Behandelt werden Kinder bis zum Alter von 18 Jahren, unabhängig von Religion und sozialer Herkunft.
Das Spital ist besonders wichtig, weil es im südlichen Westjordanland eine spezialisierte Versorgung für Kinder anbietet. Sein Einzugsgebiet umfasst die Gouvernements Bethlehem und Hebron. Nach Angaben des palästinensischen Statistikbüros lebten dort 2019 schätzungsweise 417'000 Kinder unter 18 Jahren.
Betrieben wird das Caritas Baby Hospital vom Verein Kinderhilfe Bethlehem mit Sitz in Luzern. Die Finanzierung erfolgt durch Spendengelder, einen geringen Selbstbehalt der Eltern und Einnahmen aus Vereinbarungen mit öffentlichen Spitälern im besetzten Gebiet. Diese Spitäler überweisen kranke Kinder, die eine spezialisierte Behandlung benötigen, an das Caritas Baby Hospital. Vor Ort arbeitet das Spital organisatorisch unabhängig von Caritas-Verbänden. Der Name «Caritas» verweist auf die Entstehungsgeschichte und die karitative Ausrichtung des Spitals.
Das heutige Spitalgebäude wurde 1978 errichtet und eingeweiht. Rund 250 Menschen arbeiten dort. Das Krankenhaus ist eng in das palästinensische Gesundheitswesen eingebunden und bietet auch Aus- und Fortbildungen für Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegende an.
Häufige Krankheitsbilder
Zu den häufigsten Krankheitsbildern im Caritas Baby Hospital gehören Infektionen sowie Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und der Atemwege. Ebenfalls verbreitet sind Erkrankungen des zentralen Nervensystems, also Krankheiten, die Gehirn und Rückenmark betreffen.
Bei Neugeborenen treten unter anderem Neugeborenen-Sepsis und Gelbsucht auf. Eine Sepsis ist eine schwere Reaktion des Körpers auf eine Infektion; bei Neugeborenen kann sie besonders gefährlich sein. Gelbsucht bei Neugeborenen zeigt sich häufig durch eine gelbliche Verfärbung der Haut und steht mit Stoffwechselvorgängen nach der Geburt in Verbindung.
Relativ häufig kommen auch Erbkrankheiten vor. Dazu zählen Cystische Fibrose und andere Stoffwechselerkrankungen. Cystische Fibrose ist eine angeborene Erkrankung, bei der vor allem Atemwege und Verdauung betroffen sein können. Stoffwechselerkrankungen sind Krankheiten, bei denen chemische Vorgänge im Körper gestört sind.
Entstehung und Entwicklung
Die Gründung des Caritas Baby Hospitals und der Kinderhilfe Bethlehem hängt mit den Ereignissen des Jahres 1948 zusammen. Hunderttausende Palästinenser wurden infolge der Staatsgründung Israels und des darauffolgenden Unabhängigkeitskrieges, in der israelischen Geschichtsschreibung so bezeichnet, beziehungsweise der Nakba, arabisch für «Katastrophe» in der palästinensischen Geschichtsschreibung, zu Flüchtlingen und Vertriebenen. Viele lebten in großer Armut in Zelten.
Hedwig Vetter, eine Mitarbeiterin der Schweizer Caritas, reiste 1949 nach Bethlehem. Dort sah sie die Not der palästinensischen Bevölkerung. Zusammen mit dem palästinensischen Arzt Dr. Antoine Dabdoub richtete sie ein Ambulatorium für Babys ein. Dieses Ambulatorium bildete die Grundlage für das spätere Caritas Baby Hospital.
1952 erhielt der Walliser Pater Ernst Schnydrig von der Schweizer Caritas den Auftrag, sich vor Ort ein Bild von der Lage der palästinensischen Flüchtlinge zu machen. In Bethlehem traf er Hedwig Vetter. Beide wollten als Christen den Menschen im Geburtsort Jesu helfen. Nach seiner Rückkehr nach Europa arbeitete Schnydrig für den Deutschen Caritasverband und setzte sich in der Schweiz und in Deutschland für finanzielle Unterstützung des Kinderspitals ein. 1963 gründete er den gemeinnützigen Verein Kinderhilfe Bethlehem mit Sitz in Luzern.
Im April 1978 wurde ein eigenes Spitalgebäude für das Caritas Baby Hospital eingeweiht. Seitdem hat sich das Kinderspital kontinuierlich weiterentwickelt und sich an aktuelle medizinische Standards angepasst.
Medizinische Versorgung
Das Caritas Baby Hospital bietet ambulante und stationäre Behandlungen für kranke Kinder an. Ambulant bedeutet, dass ein Kind behandelt wird, ohne im Krankenhaus zu übernachten. Stationär bedeutet, dass ein Kind im Krankenhaus aufgenommen wird und dort bleibt. Das Spital hat sich besonders in drei Bereichen spezialisiert: Neurologie, Pneumologie und Intensivmedizin. Neurologie befasst sich mit Erkrankungen des Nervensystems, Pneumologie mit Erkrankungen der Lunge und Atemwege, Intensivmedizin mit der Behandlung schwer kranker Patientinnen und Patienten.
Der größte Teil der Patientinnen und Patienten wird in der Outpatient Clinic ambulant behandelt. Eltern können mit ihren kranken Kindern ohne Anmeldung zur Konsultation kommen. Jährlich werden zehntausende Kinder ambulant behandelt. Entsprechend einem weltweit erkennbaren Trend werden Kinder, wenn möglich, ambulant behandelt und nicht hospitalisiert.
Zusätzlich gibt es Spezialsprechstunden in verschiedenen pädiatrischen Fachrichtungen. Neben Neurologie und Pneumologie werden zum Beispiel Sprechstunden für Kardiologie, Orthopädie oder Stoffwechselerkrankungen angeboten. Die Tagesklinik ist für Kinder gedacht, deren ambulante Untersuchungen oder Behandlungen etwas länger dauern, bis zu sechs Stunden. Dort kommen häufig Kurzzeit-Therapien vor, etwa Sauerstoff-Gabe.
Seit Anfang 2020 gibt es eine Beobachtungsstation. Dort werden Kinder bis zu 24 Stunden betreut. Sie bleiben zur medizinischen Überwachung im Beobachtungsraum und erhalten einfache Behandlungen, zum Beispiel eine Infusion. Verbessert sich der Gesundheitszustand, kann das Kind rasch entlassen werden. Verschlechtert er sich, wird das Kind in eine pädiatrische Station aufgenommen.
Für stationäre Behandlungen stehen 70 Betten bereit. Neun Betten befinden sich in der Intensivstation, davon vier in der PICU, der Pediatric Intensive Care Unit, und fünf in der NICU, der Neonatal Intensive Care Unit. Die PICU ist eine pädiatrische Intensivstation für Kinder, die NICU eine Intensivstation für Neugeborene. Im Westjordanland ist die Nachfrage nach pädiatrischer Intensivpflege sehr hoch. Weitere 39 Betten liegen in zwei medizinischen Stationen, Ward A und Ward B, und 22 Betten stehen für Neugeborene in der Neonatal Ward zur Verfügung. Jährlich werden bis zu 5'000 Kinder stationär behandelt.
Ganzheitliche Unterstützung für Familien
Ein wichtiges Merkmal des Caritas Baby Hospitals ist der ganzheitliche Behandlungsansatz. Dabei wird nicht nur die Krankheit des Kindes betrachtet, sondern auch die Situation der Familie. Mütter beziehungsweise Eltern werden systematisch in die Behandlung einbezogen. Mütter von hospitalisierten Kindern können in der Mütterabteilung des Spitals übernachten und nahe bei ihren Kindern bleiben. Das soll sich positiv auf das Wohlbefinden und den Heilungsprozess der Kinder auswirken.
Während des Aufenthalts erhalten die Frauen Informationen und Beratung zu Themen wie Hygiene, Erbkrankheiten und Ernährung. Außerdem gibt es psychologische Unterstützung und die Möglichkeit, sich mit anderen Müttern auszutauschen. Das soll ihre Rolle in der Familie stärken; das erworbene Wissen kann später auch ihren anderen Kindern und ihrem Lebensumfeld zugutekommen.
Das Krankenhaus bietet frühkindliche Physiotherapie für Kleinkinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr an. Physiotherapie unterstützt Bewegungsabläufe und körperliche Entwicklung. Diese Art der Behandlung ist im Westjordanland kaum verbreitet. Besonders bei Kindern mit neurologischen oder muskulären Problemen kann ein früher Beginn große Erfolge ermöglichen und sich positiv auf die spätere Entwicklung auswirken. Neben klassischer Physiotherapie gibt es auch Ergotherapie, Lungenphysiotherapie und Sprachtherapie.
Ein ausgebauter Sozialdienst unterstützt Kinder und Familien. Sozialarbeiterinnen werden von medizinischen und pflegerischen Fachkräften hinzugezogen, wenn dies nötig erscheint. Sie klären unter anderem die finanzielle Situation von Familien und machen bei Bedarf regelmäßig Hausbesuche.
Zusätzliche Angebote und Rolle im Gesundheitswesen
Für Eltern und Familienangehörige von Kindern mit chronischen Erkrankungen organisiert das Caritas Baby Hospital Selbsthilfegruppen. Chronische Erkrankungen sind lang andauernde Krankheiten. Beispiele im Artikel sind Epidermolysis bullosa, auch «Schmetterlingskinder» genannt, und Cystische Fibrose. Auch die kranken Kinder treffen sich während dieser Zeit in eigenen Selbsthilfegruppen. Organisiert und betreut werden diese Angebote vom Sozialdienst des Spitals.
Mehrere Angestellte bilden gemeinsam die «Band of smile», eine Schmunzelgruppe. Als Clowns verkleidet besuchen sie hospitalisierte Kinder und sollen ihnen Trost spenden. Das dadurch vermittelte Wohlbefinden soll die Selbstheilungskraft der Kinder aktivieren.
Das Fortbildungszentrum des Caritas Baby Hospitals, das «Center for continuing education», organisiert regelmäßig interne Weiterbildungen und Tagungen für die Angestellten. Damit trägt das Krankenhaus zur fachlichen Entwicklung seiner Mitarbeitenden bei.
Im palästinensischen Gesundheitswesen arbeitet das Caritas Baby Hospital eng mit dem Gesundheitsministerium der palästinensischen Autonomiebehörde zusammen und hält regelmäßige Kontakte zu anderen Spitälern im Westjordanland. Als wichtiger Arbeitgeber und Ort der Fortbildung bietet es Menschen in Palästina eine Perspektive für ein Leben in ihrer Heimat. Die rund 250 Angestellten erhalten gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und besuchen regelmäßig Weiterbildungen.