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Karl Fabel

Karl Fabel (Pseudonym: Gazzarro; * 20. Oktober 1905 in Hamburg; † 3. März 1975 in Pischertshofen) war ein deutscher Schachkomponist und -autor.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und beruflicher Hintergrund
  2. 2. Arbeit in der Schachkomposition
  3. 3. Langzügiges Mattproblem
  4. 4. Kurzes Gegenbeispiel
  5. 5. Schachmathematik und Veröffentlichungen

Person und beruflicher Hintergrund

Karl Fabel, der auch unter dem Pseudonym Gazzarro veröffentlichte, wurde am 20. Oktober 1905 in Hamburg geboren und starb am 3. März 1975 in Pischertshofen. Er war ein deutscher Schachkomponist und Schachautor. Anders als ein Turnierspieler entwickelte er vor allem künstlich aufgebaute Schachstellungen mit genau bestimmten Aufgaben und Lösungen.

Fabel studierte Jura und Chemie. 1930 erwarb er an der TH Braunschweig einen Doktorgrad in Chemie. Beruflich arbeitete er zunächst als Richter im Patentwesen. Später war er in München Senatspräsident des Deutschen Patentamtes.

Arbeit in der Schachkomposition

Ab 1930 beschäftigte sich Fabel intensiver mit der Schachkomposition. Dabei werden Schachstellungen nicht im Rahmen einer gewöhnlichen Partie gespielt, sondern so entworfen, dass eine bestimmte Forderung erfüllt werden muss, beispielsweise ein Matt in einer vorgegebenen Zahl von Zügen. Fabel komponierte etwa 1250 Schachaufgaben.

Sein Werk umfasste unterschiedliche Aufgabentypen. Zu ihnen gehörten Miniaturen, also Aufgaben mit besonders wenigen Steinen, Retroaufgaben, bei denen aus einer Stellung auf vorhergehende Züge oder Ereignisse geschlossen wird, sowie langzügige Mattaufgaben, deren Lösung sehr viele Züge erfordert. Viele seiner Probleme wurden in die FIDE-Alben aufgenommen. Außerdem interessierte er sich für Aufgaben aus dem Bereich „Schach und Mathematik“.

Fabel wirkte auch als Funktionär bei der Vereinigung Schwalbe, einer Organisation für Problemschach. Die FIDE ernannte ihn 1964 zum Internationalen Schiedsrichter für Schachkomposition und 1967 zum Internationalen Meister für Schachkompositionen.

Langzügiges Mattproblem

Ein als „Neujahrsgruß 1952“ veröffentlichtes Beispiel verlangt ein Matt in 182 Zügen; Weiß ist am Zug. Das zentrale Mittel der Aufgabe ist der Zugzwang: Schwarz wird in eine Lage gebracht, in der jeder verfügbare Zug seine Stellung verschlechtert. Kann Schwarz keine Bauern- oder Wartezüge mehr ausführen, muss er eine Figur so bewegen, dass das Matt nicht länger verhindert werden kann.

Schwarz befindet sich dabei in einer Zwickmühle. Mit einer Figur am Königsflügel kann er keinen ruhigen, also schachlosen Zug machen, ohne spätestens nach zwei weiteren Zügen mattgesetzt zu werden. Um das sofortige Ende hinauszuzögern, bleiben ihm Bauernzüge, Wartezüge mit dem schwarzfeldrigen Läufer und – soweit möglich – Schachgebote. Weiß führt lange Königsmanöver aus, die Schwarz kein Schach erlauben. Dadurch wird Schwarz gezwungen, zuerst alle Bauernzüge aufzubrauchen.

Wenn Schwarz den Bauern auf g3 schlägt, schlägt der weiße Springer mit Schach zurück. Zieht der schwarze König danach nach g1, kehrt der Springer nach e2 zurück; der König muss daraufhin wieder nach h1 ziehen. Sobald der weiße König auf c8 steht und Schwarz alle Bauern am Königsflügel verloren hat, muss Schwarz bei längstmöglicher Verteidigung seinen Abwarteläufer auf b8 opfern. Danach muss eine Figur am Königsflügel ziehen, und Schwarz wird zwei Züge später mattgesetzt.

Die Lösung verwendet wiederholte, genau festgelegte Königsrouten. M₁₇ beziehungsweise M₁₉ bezeichnet das Manöver Kd8–e7-(f8–g7)-f6–e5–d4–c3–b4–a4–a3–b4–c3–d4–e5–f6–e7–d8–c8. Das kürzere Manöver m₁₁ lautet Kd8–e7–f8–g7–h8–h7–g7–f8–e7–d8–c8. Der Artikel nennt zwei schwarze Verteidigungsvarianten: Eine führt nach 164 Zügen zum Matt, während die längste Variante das Matt bis zum 182. Zug hinausschiebt. Die große Zugzahl entsteht somit nicht durch beliebige Wiederholungen, sondern durch das planmäßige Aufbrauchen der schwarzen Warte- und Bauernzüge.

Kurzes Gegenbeispiel

Eine zweite Aufgabe stellt die umgekehrte Frage: Weiß ist am Zug, und gesucht wird der Zug, nach dem Schwarz nicht unmittelbar mattgesetzt wird. Die knappe Lösung lautet 1. Tc6+ Txh7. Weiß zieht also den Turm nach c6 und gibt Schach; Schwarz antwortet mit dem Schlagen auf h7 durch einen Turm. Das Beispiel zeigt, dass Fabel neben extrem langzügigen Konstruktionen auch kurze Aufgaben mit einer überraschenden präzisen Zugfolge schuf.

Schachmathematik und Veröffentlichungen

Fabels Veröffentlichungen verbinden häufig Schachprobleme mit mathematischen Fragen auf dem Schachbrett. Behandelt werden unter anderem das Damenproblem, Springerwanderungen und die Frage, aus wie vielen Zügen eine Schachpartie unter Berücksichtigung der 50-Züge-Regel maximal bestehen kann. Weitere Bücher widmen sich unterhaltsamen oder kuriosen Erscheinungen des Schachs; einige gehören laut Artikel zur Standardliteratur.

Zu seinen Veröffentlichungen zählen „Kleinkunst“ mit Franz Palatz und Wilhelm Massman von 1943, neu aufgelegt 1963 mit Werner Speckmann, „Am Rande des Schachbretts“ von 1947, „Einiges über Schachaufgaben“ von 1950 und „Rund um das Schachbrett – Amüsantes und Interessantes vom Schach“ von 1955. Es folgten „Kurioses Schach“ von 1960, „Schach und Zahl – Unterhaltsame Schachmathematik“ mit Eero Bonsdorff und Olavi Riihimaa von 1966 sowie „Schach ohne Grenzen“ mit C. E. Kemp von 1969. „Einführung in das Problemschach“ erschien 1976 und damit nach Fabels Tod.