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Faust (1960)

Faust ist eine 1960 entstandene Verfilmung der Inszenierung von Goethes Faust I von Gustaf Gründgens am Hamburger Schauspielhaus.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Grunddaten
  2. 2. Entstehung der Verfilmung
  3. 3. Inszenierung und filmische Gestaltung
  4. 4. Kritische Einordnung

Gegenstand und Grunddaten

Faust ist eine 1960 entstandene Verfilmung von Goethes Faust I. Grundlage ist die Inszenierung von Gustaf Gründgens am Hamburger Schauspielhaus. Der Film überträgt diese Bühneninszenierung in eine Studioproduktion und versucht, die Eigenart des Theaters zu bewahren, zugleich aber filmische Mittel einzusetzen.

Der Film entstand in der Bundesrepublik Deutschland und ist deutschsprachig. Er erschien 1960, dauert 128 Minuten und ist von der FSK ab 12 Jahren freigegeben. Produziert wurde er von der Divina-Film in München beziehungsweise der KG DIVINA-FILM GmbH & Co. Regie führte Peter Gorski, die Produktion übernahm Ilse Kubaschewski. Die Musik stammt von Mark Lothar, die Kameraarbeit von Günther Anders, der Schnitt von Walter Boos.

Will Quadflieg spielt Faust, also Dr. Heinrich Faust. Gustaf Gründgens verkörpert Mephisto, Ella Büchi spielt Gretchen. Weitere wichtige Rollen übernehmen Elisabeth Flickenschildt als Gretchens Nachbarin Marthe Schwerdtlein, Hermann Schomberg als Theaterdirektor und Gott, Eduard Marks als Wagner, Max Eckard als Valentin und Uwe Friedrichsen als Schüler.

Entstehung der Verfilmung

Gustaf Gründgens hatte die Rolle des Mephisto bereits mehr als 600-mal gespielt. Als Intendant des Hamburger Schauspielhauses setzte er Faust 1957 erneut in Szene und trat selbst in seiner Lieblingsrolle auf. Die Inszenierung war sehr erfolgreich und wurde durch Gastspiele in Russland und Amerika international bekannt.

Ilse Kubaschewski, die Inhaberin der Gloria-Film GmbH & Co. Filmverleih KG, bemühte sich nachdrücklich darum, Gründgens’ zunächst vorhandenen Widerstand gegen eine Verfilmung zu überwinden. Gründgens stimmte schließlich unter einer Bedingung zu: Die Verfilmung sollte genau zwischen „gefilmtem Theater“ und „reinem Film“ liegen. Sein Ziel war, das Ergebnis seiner 30-jährigen Beschäftigung mit Goethes Faust weder einfach abzufotografieren noch durch auffällige filmische Effekte zu verändern.

Gründgens wollte außerdem jede Form von Mystizismus und Verschwommenheit vermeiden. Dieses sachlichere Verständnis des Stücks sollte jedoch nicht auf Kosten wirkungsvoller Bilder gehen. Die Herstellung übernahm Kubaschewskis Produktionsfirma. Die Regie wurde Peter Gorski übertragen, der Gründgens’ Adoptivsohn und zugleich Lebensgefährte war.

Inszenierung und filmische Gestaltung

Der Film ist keine Theateraufzeichnung ohne Publikum. Gedreht wurde vom 24. Mai bis Juli 1960 in den Hamburger Real-Film-Studios. Vom Deutschen Schauspielhaus wurden lediglich die Kostüme und Dekorationen übernommen. Die Produktionsbedingungen ähnelten damit den damals verbreiteten theatralen Fernsehspielen. Das vergleichsweise große Budget von etwa 1.000.000 DM ermöglichte jedoch filmische Mittel, die bei einer Aufführungsaufzeichnung im Theater nicht oder nur schwer einsetzbar gewesen wären.

Trotzdem bleibt die Einrichtung als Spielfilm ihrem theatralen Ursprung sehr eng verbunden. Dadurch kann der Eindruck einer Theateraufzeichnung entstehen. Die Inszenierung ist überaus werkgetreu. Der Text wurde gerafft, aber ansonsten nicht wesentlich verändert. Aktualisierungen des klassischen Dramas finden sich höchstens im Bühnenbild. Als auffälliges Beispiel wird in die Walpurgisnacht eine Atombombenexplosion eingeblendet.

Auch die Darstellung der Figuren folgt stark den Regeln der Bühne. Die Schauspieler sprechen nicht in der zurückgenommenen Weise eines typischen Films, sondern so, als müssten ihre Stimmen den gesamten Theatersaal erreichen. Besonders prägend ist Gustaf Gründgens’ Darstellung des Mephisto. Durch seine mehr als 600 Auftritte in dieser Rolle hatte er ein besonderes Gespür für die Figur entwickelt. Sein Mephisto erscheint als bleicher Mann mit roten Lippen und scharf gezeichneten Augenbrauen. Statt Haaren trägt er eine auffällige schwarze Haube. Wie in Goethes Original tritt Mephisto sehr ironisch auf und übt häufig Kritik.

Kritische Einordnung

Das Lexikon des internationalen Films ordnet den Film vor allem als Bühnenwiedergabe ein. Es hebt hervor, dass die berühmte Faust-I-Inszenierung im Deutschen Schauspielhaus Hamburg unter der Oberleitung von Gustaf Gründgens nicht als eigenständige Verfilmung wirken wolle. Ihre besondere Wirkung liege überwiegend darin, dass sie als Wiedergabe der Bühneninszenierung fessle.

Lernvideos zu Faust (1960)