Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Eugen Pfister
Eugen Pfister. österreichischer Kulturwissenschaftler und Historiker, der zur Geschichtsdarstellung in Computerspielen forscht. Artikel · Diskussion.
Inhalt5 Abschnitte
Person und Bedeutung
Eugen Pfister, geboren am 25. Februar 1980 in Wien, ist ein österreichischer Historiker und Politikwissenschaftler. Bekannt ist er besonders für seine Forschungen zur Geschichte digitaler Spiele, zur Ideengeschichte und zur politischen Geschichte. Dabei untersucht er Spiele nicht nur als Unterhaltung, sondern als historische Quellen: Sie können zeigen, wie politische Vorstellungen vermittelt, gesellschaftliche Identitäten geprägt und Vergangenheit in der Populärkultur dargestellt wird.
Pfister arbeitet an der Hochschule der Künste Bern (HKB), wo er seit 2018 Forschungsprojekte zum Verhältnis von Spielen und Geschichte leitet. Seine Arbeit ist für die Game Studies bedeutsam, also für das wissenschaftliche Forschungsfeld, das Spiele, ihre Gestaltung, Nutzung und gesellschaftliche Funktion untersucht.
Ausbildung und beruflicher Weg
Pfister studierte Geschichte und Politikwissenschaften an der Universität Wien, der Universität Paris IV (Université Paris-Sorbonne), der Università degli Studi di Trento und der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 2008 bis 2013 gehörte er dem Internationalen Graduiertenkolleg „Politische Kommunikation von der Antike bis ins 20. Jahrhundert“ an. Seine Promotion entstand in cotutelle, also in einem gemeinsam von zwei Hochschulen betreuten Promotionsverfahren, bei Gustavo Corni und Marie-Luise Recker.
Seine erste Monografie untersuchte Darstellungen Europas in deutschen, französischen, britischen und österreichischen Wochenschauen von 1948 bis 1959. Berufliche Stationen führten ihn anschließend an die Universität Wien, zur Austria Presse Agentur (APA) und an das Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Als externer Dozent lehrte Pfister unter anderem an der Universität Fribourg, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Universität Wien. Seit 2021 gehört er dem wissenschaftlichen Beirat der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität für Weiterbildung Krems an. Seit 2025 ist er außerdem Mitglied des Lenkungsausschusses der History of Games Conference.
Forschung zu Spielen und Geschichte
Im Zentrum von Pfisters Forschung stehen digitale Spiele als Quellen für die politische Kommunikation und Identitätsbildung der letzten fünf Jahrzehnte. Er fragt danach, welche soziokulturelle Funktion Geschichte in der Populärkultur erfüllt. Wichtige Themen sind die Darstellung und Rezeption des NS-Regimes, die Erinnerungskultur, die Geschichte digitaler Spiele, Geschichtsbilder innerhalb von Spielen, die Digitalisierungsgeschichte sowie die Ideen- und Politikgeschichte von Spielen.
Von 2018 bis 2022 leitete Pfister in Bern das vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte SNF-Ambizione-Projekt „Horror-Game-Politics“. Darin untersuchte er die visuelle Rhetorik politischer Mythen in digitalen Horrorspielen. Mit „visueller Rhetorik“ ist hier gemeint, wie Bilder und andere sichtbare Gestaltungsmittel politische Vorstellungen vermitteln.
Seit 2023 und bis 2027 leitet er das SNF-Sinergia-Projekt „Confoederatio Ludens: Swiss History of Games, Play and Game Design 1968–2000“. Forschende an vier Schweizer Hochschulen – der Hochschule der Künste Bern, der Universität Lausanne, der Universität Bern und der Zürcher Hochschule der Künste – untersuchen darin die Geschichte der Digitalisierung in der Schweiz anhand digitaler Spiele. Laut Artikel ist es das erste Projekt dieser Art im deutschsprachigen Raum und auch international eines der größten Forschungsvorhaben zu digitalen Spielen.
Vernetzung und Vermittlung
Pfister setzt sich für die internationale Vernetzung der Game Studies ein. Gemeinsam mit 15 Kollegen gründete er den Arbeitskreis Geisteswissenschaften und Digitale Spiele (AKGWDS), der zunächst Arbeitskreis Geschichtswissenschaften und Digitale Spiele hieß. Von 2015 bis 2023 war er Mitglied dessen Zentralkomitees.
Seit 2015 betreibt er den Forschungsblog „Spiel-Kultur-Wissenschaft“. Außerdem ist er seit 2024 Co-Moderator des Podcasts „Kritische Controller“ und beteiligt sich als Co-Moderator an „CH Ludens – The Podcast“. Damit macht er Forschungsergebnisse auch außerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich.
Zentrale Veröffentlichungen
Pfisters Veröffentlichungen spiegeln seine Forschungsschwerpunkte wider. Gemeinsam mit Tobias Winnerling veröffentlichte er 2020 die Monografie „Digitale Spiele und Geschichte. Ein kurzer Leitfaden für Studentinnen, Forscherinnen und Geschichtsinteressierte“. Seine 2014 erschienene Monografie „Europa im Bild“ behandelt Vorstellungen von Europa in Wochenschauen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Österreich zwischen 1948 und 1959.
Zu seinen Mitherausgaben gehören „Weltmaschinen: Digitale Spiele als globalgeschichtliches Phänomen“ von 2018, „Verspielte Vergangenheit. Texte aus sieben Jahren AKGWDS“ von 2023 und „Superspreader. Popkultur und mediale Diskurse im Angesicht der Pandemie“ von 2024. In Aufsätzen beschäftigte er sich unter anderem mit politischer Ideengeschichte in Horrorspielen, Geschichtstheorie in digitalen Spielen, Vorstellungen von Herrschaft und der Darstellung des Holocaust in First-Person-Shootern. Als Beispiel analysierte er gemeinsam mit Felix Zimmermann das Spiel „Wolfenstein: The New Order“.