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Electronic Program Guide

Die offizielle Schreibweise im ETSI-Standard (ETSI EN 300 707) und in IEC 60417 ist Electronic Programme Guide.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Nutzen
  2. 2. Anzeige und Datenfelder
  3. 3. Technische Übertragung
  4. 4. Standards und bekannte Angebote
  5. 5. Aufnahmen und rechtliche Fragen

Grundidee und Nutzen

Ein Electronic Program Guide (EPG), auf Deutsch elektronischer Programmführer, ist ein elektronisch verbreitetes Informationsangebot zum aktuellen Hörfunk- und Fernsehprogramm. Die Daten werden heute meist als Zusatzangebot von den Sendern ausgestrahlt und sind kostenlos empfangbar. Ein EPG kann gedruckte Programmzeitschriften teilweise ersetzen, auch wenn diese oft ein breiteres Angebot über reine Programminformationen hinaus enthalten. Die offizielle Schreibweise in den Standards ETSI EN 300 707 und IEC 60417 lautet Electronic Programme Guide.

Für Lernende ist die Grundidee wichtig: Der EPG verbindet Programminformationen direkt mit dem Empfangsgerät. Dadurch kann man nicht nur sehen, was läuft oder später gesendet wird, sondern oft auch direkt umschalten oder eine Aufnahme programmieren.

Anzeige und Datenfelder

Ein EPG zeigt das laufende und kommende Fernseh- oder Radioprogramm an. Mindestens enthält die Übersicht den Titel, die Uhrzeit und die Dauer jeder Sendung. Zusätzlich können kurze Inhaltsbeschreibungen angezeigt werden; manche EPG-Formate unterstützen auch Bilder. Weil der EPG in das Empfangsgerät integriert ist, lassen sich aus der Übersicht heraus häufig Programme umschalten oder Aufnahmen auswählen.

Zu den vorgesehenen Datenfeldern gehören unter anderem Klassifizierung, Titel, Episode, Beschreibung, Schauspieler, Regisseur, Art, Genre, Jahr, Dauer, erste und letzte Ausstrahlung, Sendebeginn, Ende der Sendung, HDTV, Wiederholung, Episoden-Nummer und Episoden-Anzahl. Viele dieser Felder sind optional. Der Artikel betont, dass sie von Anbietern oft inkonsistent oder gar nicht sinnvoll ausgefüllt werden. Dadurch können Angaben wie Episode, Genre oder Klassifizierung je nach Sender unzuverlässig sein.

Technische Übertragung

Ein Vorläufer des EPG war der Teletext-Bereich 300–399, in dem viele deutsche Sender ihr Programm der nächsten Tage auflisteten. Einige Empfangsgeräte konnten diese Informationen bereits zur einfachen Programmierung von Videoaufzeichnungen nutzen. Später wurde diese Funktion durch ShowView erweitert.

Wie Videotext wird auch der EPG digital in Binärcode übertragen. Beim Videotext wurde das Digitalsignal jedoch auf einen analogen Träger aufmoduliert; beim EPG sind die Daten Teil des gesamten Digitalsignals. Zur Anzeige eines bestimmten EPG-Formats ist spezielle Software nötig. Der Vorteil der binären Übertragung liegt darin, dass Geräte die Daten maschinell auswerten können. Dadurch werden neben der Anzeige auch Suchabfragen und automatische Funktionen möglich.

Im digitalen Fernsehen werden EPG-Daten nach dem DVB-SI-EIT-Standard übertragen. EIT steht für Event Information Table. Aus den dort bereitgestellten Informationen kann eine elektronische Programmzeitung erstellt werden. Mögliche Angaben sind Name der Sendung mit kurzer und ausführlicher Beschreibung, Beschreibung der Datenströme in mehreren Sprachen, Bildformat, Tonformat, Verschlüsselung, Programmart über den sogenannten content_descriptor, Altersbeschränkung ab 12, 16 oder 18 Jahren, Länderkennung, Kennzeichnung interaktiver Sendungen und Bitrate.

Diese Daten müssen aber nicht vollständig gesendet werden. Bei Dauerwerbesendungen oder kontinuierlichen Nachrichten ergeben manche Angaben wenig Sinn. Daher entscheidet jeder Anbieter selbst, welche Zusatzdaten er überträgt. Eine vollständig konsistente elektronische Programmzeitung ist deshalb nicht möglich. Als Beispiel nennt der Artikel iesy, das keinen content_descriptor sendet, wodurch Empfänger keine Programmart anzeigen.

Standards und bekannte Angebote

Digitalempfänger besitzen in der Regel einen eingebauten EPG, der die übertragenen Daten anzeigt. Externe EPG-Systeme, zum Beispiel nach dem MHP-Standard, können Bilder und zusätzliche Informationen anzeigen und auch einen digitalen Videorekorder oder HTPC programmieren.

Im analogen Fernsehen gab es mehrere konkurrierende EPG-Standards. Von 1994 bis 1996 entwickelten viele europäische Fernsehgerätehersteller gemeinsam einen offenen Standard, den ETSI Standard ETS 300 707. Er wurde in Fernsehgeräten und Videorekordern unter der Marke NexTView angeboten. Daneben existierten proprietäre Verfahren, also herstellereigene Systeme, etwa Guide+ von Rovi.

Guide Plus+ war ein Programmführer der Firma TiVo Corporation. In Europa wurden seine Daten über Host-Kanäle in der vertikalen Austastlücke übertragen, unter anderem in Deutschland über Tele 5, Bibel TV, Mona TV für DVB-T sowie Eurosport über DVB-S und Kabel Deutschland. Der Download der TV-Daten erfolgte meist automatisch nachts zwischen 3:00 und 5:00 Uhr; je nach Gerät waren zusätzliche Downloads um 10:00 und 14:00 Uhr möglich, jeweils mit einer Dauer von zwei Stunden. Das Gerät musste dafür ausgeschaltet beziehungsweise im Standby sein, und der Host-Kanal musste programmiert sein. Einige Geräte konnten priorisieren, ob aufgenommen oder der EPG aktualisiert werden sollte. Viele Guide-Plus-fähige DVD-Recorder enthielten einen Infrarot-Sender namens G-Link, der unterstützte Satellitenempfänger bei Aufnahmen automatisch auf das richtige Programm umschalten konnte. Seit Januar 2017 wird Guideplus von der TiVo Corporation nicht mehr übertragen; Festplattenrekorder können damit nur noch manuell programmiert werden.

SiehFern INFO, kurz SFI, ist ein proprietärer EPG des Herstellers Technisat in Kooperation mit der FUNKE Digital TV Guide GmbH und der Programmzeitschrift TV Digital. Er ist über DVB-S, DVB-C und DVB-T deutschlandweit empfangbar. SFI bietet ausführliche Programmbeschreibungen, eine siebentägige Programmvorschau, Genrekennung und -filterung, Volltextsuche und integrierte Timerprogrammierung.

Der Freenet-TV-Programmführer für DVB-T wird in Deutschland von Freenet TV bereitgestellt. Er bietet einen hybriden HbbTV-Programmplan, der neben DVB-T-Sendern auch IPTV-Sender anzeigt. In Kooperation mit mixd.tv kann er direkt auf Mediatheken-Inhalte verweisen und auch das Programm vergangener Tage anzeigen. Dafür braucht das Endgerät einen Internetzugang. Zusätzlich werden über SI-Daten DVB-T- und IPTV-Sender im nativen EPG des Fernsehgeräts angezeigt. Dafür nutzt das System sogenannte Barker-Channels, die nur HbbTV-URL und SI-Daten für den EPG übertragen und sonst keine Bandbreite im DVB-T-Spektrum benötigen.

Aufnahmen und rechtliche Fragen

EPG-Daten können die Programmierung von Festplatten- und DVD-Rekordern vereinfachen. Gesendete Programmdetails wie Senderkennung, Datum sowie Start- und Endzeitpunkt werden von Rekordern erkannt, importiert und für Aufnahmen genutzt. Im Vergleich zur manuellen Eingabe oder zur Eingabe eines ShowView-Codes kann man die Daten mit wenigen Knopfdrücken aus dem EPG übernehmen. Häufig werden zusätzlich Hintergrundinformationen wie Autor, Schauspieler, Beschreibungstext und Aufnahmezeitpunkt archiviert.

Auch wenn EPG-Informationen für mehr als 14 Tage gesendet werden, stellen manche Geräte nur die Daten der nächsten Woche für die Aufnahmeprogrammierung bereit. Einige Geräte unterstützen die selbstständige Aufnahme von Serien zu festen Zeiten oder anhand von Stichwörtern beziehungsweise CRIDs.

Rechtlich gilt: Wenn in einem EPG Texte, Bilder oder andere urheberrechtlich geschützte Inhalte angezeigt werden, ist eine Lizenz der jeweiligen Urheber erforderlich. Für die Nutzung von Begleitmaterial ihrer Programminformationen in EPG hat die VG Media Tarife für die von ihr vertretenen Sender aufgestellt.

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