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Die Zunft
Die Zunft war eine Dresdner Künstlervereinigung und wurde im Juni 1905 von Stadtbaurat Hans Erlwein und dem Bildhauer Karl Groß in Dresden gegründet, …
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Bedeutung und Ziele
Die Zunft war eine Dresdner Künstlervereinigung, die im Juni 1905 von dem Stadtbaurat Hans Erlwein und dem Bildhauer Karl Groß gegründet wurde. Sie gehörte zur Reformbewegung des Kunstgewerbes um die Jahrhundertwende. Diese wandte sich gegen die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verbreitete industrielle Massenproduktion und den Historismus, der Formen vergangener Epochen nachahmte, kostbare Materialien vortäuschte und häufig üppige Verzierungen verwendete.
Angeregt durch die englische Arts-and-Crafts-Bewegung um William Morris und John Ruskin strebten die deutschen Reformkräfte eine klare, zweckmäßige und funktionsgerechte Gestaltung von Gebäuden, Räumen, Möbeln und Alltagsgegenständen an. Zugleich suchten sie nach Gestaltungsformen, die zu den Bedingungen maschineller Produktion passten. In der Architektur wird diese Richtung als Reformarchitektur bezeichnet.
Für die Zunft sollten Plastik, Malerei und Architektur gemeinsam ein Gesamtkunstwerk bilden. Alle beteiligten Künstler sollten sich unabhängig von ihrem Fach als „Bauschaffende“ verstehen. Wichtige Grundsätze waren zweckmäßiges Bauen, Raumkunst und Materialgerechtigkeit.
Gestalterische Grundsätze
„Raumkunst“ bezeichnete das enge Zusammenwirken von Architektur, Malerei und Plastik. Die drei Künste sollten raumbildend und raumerfüllend wirken, in ausgewogenen Verhältnissen zueinander stehen und als untrennbare Einheit erscheinen. Malerei und Plastik wurden damit nicht als bloßer Schmuck, sondern als Teile der gesamten Raumgestaltung verstanden.
„Materialgerechtigkeit“ bedeutete, Werkstoffe so zu verwenden, dass ihre ursprünglichen Eigenschaften und Erscheinungsweisen erkennbar blieben. Die Form sollte sich aus „Zweck“, „Material“ und „Konstruktion“ ergeben. Dieser Gedanke wurde auch mit „Form follows function“, „Sachlichkeit“ oder „Sachstil“ bezeichnet und in den 1920er Jahren unter dem Begriff „Neue Sachlichkeit“ erneut aufgegriffen.
Mitglieder der Zunft prägten das damalige Dresdner Kunst- und Stadtbild durch zahlreiche öffentliche Arbeiten. Fritz Schumacher plante das erste Krematorium, Wilhelm Kreis setzte sich mit seinem Entwurf für die Augustusbrücke durch, Hans Erlwein baute die Gaststätte Italienisches Dörfchen, Selmar Werner schuf das Schiller-Denkmal und Otto Gussmann gestaltete die Ausmalung der Rathauskuppel. Max Hans Kühne und William Lossow entwarfen außerdem den Hauptbahnhof in Leipzig, und Oskar Seyffert schuf ein Volkskundemuseum.
Organisation und wichtigste Aktivitäten
Die Zunft vereinte Dresdner Bildhauer, Architekten, Maler und Kunstgewerbler und sollte alle reformorientierten Kräfte der Stadt bündeln. Ein gewöhnlicher Beitritt war nicht möglich: Neue Mitglieder konnten nur durch einen einstimmigen Beschluss berufen werden. Dadurch wollte die Vereinigung ausschließlich Personen aufnehmen, die sie als gleichgesinnt ansah.
Eine ihrer wichtigsten Leistungen war die maßgebliche Vorbereitung der Dritten Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung Dresden 1906. An ihr wirkten unter anderem Hans Erlwein, Karl Groß, Otto Gussmann, Julius Gräbner, Erich Kleinhempel, Wilhelm Kreis, Max Hans Kühne, William Lossow, Rudolf Schilling, Fritz Schumacher, Oskar Seyffert und Heinrich Tscharmann mit.
Von 1906 bis 1913 gab die Zunft viermal jährlich das reich bebilderte „Dresdner Künstlerheft“ heraus, das ab 1908 „Dresdener Künstlerheft“ hieß. Die im Verlag Julius Hoffmann veröffentlichte Vereinszeitschrift behandelte Architektur und Kunstgewerbe.
Wegen der wachsenden Mitgliederzahl beschloss die Versammlung vom 6. Dezember 1907, die Vereinsarbeit in Fachausschüssen zu organisieren. Für jeweils ein Jahr gewählte Mitglieder arbeiteten in Ausschüssen für Redaktion und Öffentlichkeitsarbeit, Kunstgewerbe und Handwerksförderung, öffentliches Bauwesen und allgemeine Kunstfragen, Ausstellungen, Beschwerden sowie Feste.
Konflikt, Zusammenschluss und Vereinsleben
Innerhalb der Zunft bildeten Hans Erlwein, Otto Gussmann, Fritz Schumacher und Georg Wrba einen engeren Zirkel. Sie trafen sich wöchentlich, waren eng miteinander vernetzt und erhielten zahlreiche öffentliche Aufträge. Nachdem in der Presse der Vorwurf aufgekommen war, Mitglieder der Zunft würden bei der Vergabe solcher Aufträge bevorzugt, übergab Erlwein den Vorsitz zum 1. Januar 1909 an Georg Wrba.
Neunzehn Dresdner Künstler unter der Führung von Richard Daniel Fabricius reichten eine Beschwerde gegen das städtische Hochbauamt und Erlwein als Stadtbaurat ein. Zu ihnen gehörten die ehemaligen Zunft-Mitglieder Richard Guhr und Josef Goller sowie Erich Hösel, Georg Müller-Breslau und August Schreitmüller. Sie forderten öffentliche Wettbewerbe und eine unparteiische Auftragsvergabe ohne Rücksicht auf die Zugehörigkeit zur Zunft. Die Auseinandersetzung war Teil des zwischen 1907 und 1909 öffentlich geführten Dresdner Künstlerstreits zwischen konservativen und reformorientierten Kräften. Die Stadtverwaltung wies die Beschwerde ab.
Am 3. Juli 1909 schloss sich die Gruppe der Elbier der Zunft an. Am 6. November 1909 entstand unter Georg Wrbas Vorsitz aus Mitgliedern der Zunft, ehemaligen Elbiern, der Gilde und weiteren Künstlern die Künstlervereinigung Dresden. Sie sollte die Reformbewegung auf eine breitere Grundlage stellen. Die Zunft trat danach nach außen unter diesem Namen auf und beschränkte sich selbst vor allem auf die Pflege der Geselligkeit.
Die zwanglosen Zunftabende fanden freitags ohne Gäste statt. Zunächst traf man sich in der für jährlich 1.000 Mark gemieteten „Zunftstube“ des Zacherlbräus in der König-Johann-Straße 8. Sie war nach Entwürfen von Julius Gräbner gestaltet und wurde am 14. Dezember 1906 eingeweiht. Zur Ausstattung gehörten ein Fenster von Otto Gussmann, eine geschnitzte Tür mit den Namen der Mitglieder und ein einheitlich gerahmter Schattenriss jedes Mitglieds. Als Vereinszeichen trugen die Mitglieder den Silbernen Ehrenhammer an der Uhrkette. Aus Platzgründen zog die Zunft 1909 in das erste Obergeschoss der Gaststätte „Zum Tucher“ in der Webergasse 10 um. Während der Kriegsjahre nahmen ihre Aktivitäten immer weiter ab; auf der außerordentlichen Versammlung vom 16. Januar 1918 löste sie sich auf.
Leitung und Mitgliederkreis
Die Vorsitzenden wechselten mehrfach: Hans Erlwein leitete die Zunft von Juni 1905 bis Dezember 1908 und erneut von November 1912 bis zum 7. November 1913. Dazwischen folgten Georg Wrba von Januar bis September 1909, Oskar Seyffert von Oktober 1909 bis September 1910 und Karl Groß von Oktober 1910 bis Oktober 1912. Danach standen German Bestelmeyer vom 7. November 1913 bis zum 4. Juni 1914 und Julius Ferdinand Wollf vom 4. Juni 1914 bis zum 24. März 1915 an der Spitze. Karl Groß übernahm anschließend erneut den Vorsitz und führte ihn bis zur Auflösung am 16. Januar 1918.
Der Mitgliederkreis umfasste zahlreiche Dresdner Architekten, Maler, Bildhauer und Kunstgewerbler. Zu den besonders eng mit den Aktivitäten und öffentlichen Arbeiten der Vereinigung verbundenen Mitgliedern gehörten neben den Gründern Hans Erlwein und Karl Groß unter anderem Otto Gussmann, Fritz Schumacher, Georg Wrba, Wilhelm Kreis, Max Hans Kühne, William Lossow, Oskar Seyffert und Selmar Werner. Richard Guhr trat 1907 aus; Josef Goller schied ungefähr 1907 aus.