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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Datentreuhänder

Der Datentreuhänder kann die direkt identifizierenden Daten der betroffenen Person durch ein Pseudonym ersetzen. Die von der Datenverarbeitung ausgehenden …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Zweck
  2. 2. Schutz personenbezogener Daten
  3. 3. Modelle und Rechtsrahmen
  4. 4. Data Clean Room
  5. 5. Typische Formen
  6. 6. Medizinische Forschung

Grundidee und Zweck

Ein Datentreuhänder ist eine intermediäre, häufig nicht kommerzielle Instanz, die einen vertrauensvollen und neutralen Datenaustausch zwischen einem Datengeber und einem Datennutzer ermöglicht. Das Konzept der Datentreuhand ist noch recht neu und vielschichtig und hat Bedeutung für Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.

Als Datenvermittlungsdienste sollen Datentreuhänder zwischen mindestens zwei Parteien vermitteln und dabei die Interessen aller beteiligten Parteien wahren. Sie können zum Beispiel zwischen Personen, die Daten bereitstellen, und einem Dienstleister stehen, der personenbezogene Daten verarbeitet.

Schutz personenbezogener Daten

Ein wichtiges Ziel ist die rechtmäßige Verarbeitung personenbezogener Daten im Sinne der DSGVO und ein hohes Schutzniveau. Der Datentreuhänder kann direkt identifizierende Daten einer betroffenen Person durch ein Pseudonym ersetzen. Ein Pseudonym ist eine Kennzeichnung, die die direkte Identifikation erschwert oder verhindert.

Durch diese Pseudonymisierung werden Risiken für die betroffene Person reduziert. Das hängt mit Datensparsamkeit zusammen: Es sollen nur die Daten verarbeitet werden, die wirklich nötig sind. Daten werden nach der Pseudonymisierung nur dann an den Verantwortlichen weitergegeben, wenn dieser keine direkt identifizierenden Daten benötigt. Dieses Prinzip heißt Need-to-know-Prinzip.

Modelle und Rechtsrahmen

Weil Datentreuhänder in vielen Bereichen eingesetzt werden können, gibt es unterschiedliche Datentreuhandmodelle. Die Dienstleistung kann zum Beispiel als Webservice gestaltet sein. Es gibt deutliche Unterschiede zwischen Datensilo-Modellen, die große Datensätze sammeln, und transaktionsbasierter Datentreuhand, die zu keinem Zeitpunkt die Daten selbst besitzt.

Daten können pseudonymisiert, anonymisiert oder nur als Analyseergebnisse geteilt werden. Anonymisierte Daten sind so verändert, dass Personen nicht mehr identifiziert werden sollen.

In der Europäischen Union unterliegen Datentreuhänder, die als „Datenvermittlungsdienste“ gelten, nach dem Daten-Governance-Rechtsakt einer Pflicht zur staatlichen Registrierung. Eine verbindliche Rechtsform gibt es bisher nicht. Datentreuhänder können rechtlich selbstständig zum Beispiel als Vereine, Genossenschaften, Stiftungen, GmbHs oder AGs organisiert sein oder an öffentliche Institutionen wie Universitäten angebunden sein.

Data Clean Room

Wenn ein Datentreuhänder zwischen zwei Verantwortlichen vermittelt, die ihre jeweils gehaltenen personenbezogenen Daten einander nicht direkt offenlegen wollen oder können, spricht man von einem Data Clean Room, auf Deutsch Datenreinraum. Dabei ermöglicht die vermittelnde Struktur eine Nutzung oder Auswertung von Daten, ohne dass die beteiligten Verantwortlichen die Daten direkt austauschen.

Typische Formen

Beispiele für Datentreuhänder oder verwandte Modelle sind Personal Information Management Systems (PIMS), Forschungsdatenzentren, Datengenossenschaften, datenaltruistische Organisationen und transaktionsbasierte Datentreuhand.

PIMS sind technische Hilfsmittel, mit denen Nutzerinnen und Nutzer Datenverarbeitungen besser kontrollieren können, zum Beispiel durch die Dokumentation von Werbe-Einwilligungen beim Besuch von Webseiten. Datenaltruistische Organisationen sind Organisationen im Sinne des DGA, die Transparenzanforderungen erfüllen und besondere Garantien zum Schutz der Rechte und Interessen von Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen bieten, die ihre Daten teilen.

Medizinische Forschung

Im Medizinsektor können Datentreuhandstellen beim Umgang mit Patientendaten eine wichtige Schutzfunktion haben. Wenn Patientendaten für medizinische Forschung verarbeitet werden, werden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Patientinnen und Patienten die Identitäten durch Pseudonyme ersetzt. Diese Pseudonyme können von Datentreuhändern verwaltet werden.

Ein Datenintegrationszentrum ist eine zentrale Einrichtung, die Daten von verschiedenen Datengebern im Bereich Medizin sammelt, zusammenführt und für Forschungszwecke aufbereitet. Solche Daten können zum Beispiel von Datentreuhandstellen stammen.