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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Dangla (Sprache)

Dangla, Selbstbezeichnung daŋla, auf Französisch dangaléat genannt, ist eine in der Region um die Stadt Mongo im südlichen Tschad gesprochene Sprache oder …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lautsystem
  2. 2. Nominalsystem
  3. 3. Pronomen und Possessivsuffixe
  4. 4. Verbalsystem
  5. 5. Satzbau und weitere Konstruktionen

Überblick und Lautsystem

Dangla, die Selbstbezeichnung daŋla, auf Französisch dangaléat, ist eine Sprache oder Gruppe eng verwandter Sprachen im Gebiet um Mongo im südlichen Tschad. Das Gebiet wird in West- und Ost-Dangla oder in West-, Zentral- und Ost-Dangla eingeteilt. Je nach Auffassung handelt es sich um mehrere Sprachen oder um Dialekte einer Sprache. Dangla gehört zur Ostgruppe der Tschadischen Sprachen und wird von etwa 45.000 Menschen gesprochen. Die meisten Sprecher beherrschen zusätzlich Tschadisch-Arabisch; dieses verdrängt Dangla tendenziell. Die ausführliche Darstellung bezieht sich auf das am besten dokumentierte Ost-Dangla; über West-Dangla ist grammatisch wenig bekannt.

Das Lautsystem umfasst folgende Konsonanten: stimmlose Plosive p, t, c, k; stimmhafte Plosive b, d, j, g; die implosiven ɓ, ɗ, ʄ; sowie die Nasale m, n, ɲ, ŋ. Hinzu kommen die Frikative s und z, die Glides w und y sowie r, ɾ und l. h und ʔ kommen nur marginal in arabischen Fremdwörtern vor. Nasalverbindungen wie mb, nd, ɲj und ŋg werden in einer Grammatik teilweise als eigene Phoneme angesetzt, stehen aber offenbar nicht am Wortanfang.

Es gibt sieben Vokale: u, o, ɔ, a, ɛ, e, i. Jeder kann kurz oder lang vorkommen; lange Vokale werden doppelt geschrieben. ɔ und ɛ sind selten und meist lang. Enthält ein Wort ɔ oder ɛ, werden o und e durch Vokalharmonie zu ɔ beziehungsweise ɛ umgefärbt, etwa in gɛ̄ɛ̄mì „Leute“ + cò „ihre (Plural)“ → gɛ̄ɛ̄mcɔ̀ „ihre Leute“.

Dangla ist eine Tonsprache mit drei Registern: á Hochton, ā Mittelton und à Tiefton. Daneben gibt es fallende â und steigende ǎ Töne. Sie entstehen häufig durch den Zusammenzug der Töne zweier Silben nach dem Ausfall eines Vokals. Töne unterscheiden Wörter und grammatische Formen, zum Beispiel sīŋ „Bruder“ und sìŋ „Name“. Ein Mittelton wird zu Hochton, wenn im selben Wort ein Hochton folgt: rōŋ + tí → róntí „ihr Sohn“; sūgīnē + -írá → súgínírá „auf dem Markt“.

Nominalsystem

Substantive haben zwei grammatische Geschlechter: Maskulinum und Femininum. Bei Personenbezeichnungen entspricht das Geschlecht dem natürlichen Geschlecht; bei anderen Substantiven ist es meist nicht aus Bedeutung oder Form vorherzusagen und zeigt sich an der Kongruenz anderer Wörter.

Die Pluralbildung ist sehr unregelmäßig. Sie kann durch ein Suffix, eine Tonveränderung, Suffix und Tonveränderung, Suffix und inneren Vokalwechsel, Teilreduplikation und inneren Vokalwechsel oder einen vollständigen Stammwechsel erfolgen. Beispiele sind ìlgò „Jahr“ – ìlgày „Jahre“, rōŋ „Sohn“ – ròŋ „Kinder“, kāɲà „Hund“ – káɲí „Hunde“, gēr „Haus“ – gēērày „Häuser“, kààlō „Stern“ – kàlàlì „Sterne“ und máákítí „Ding“ – gāmì „Dinge“.

Demonstrativpronomen werden als Suffixe an das Substantiv angehängt: -ìkā für Maskulinum, -ìtā für Femininum und -àkū für den Plural. So bedeutet kāɲìkā „dieser Hund“ und dàáɗìtā „diese Frau“. Die Suffixe können sich einem bestimmten Artikel annähern und mit Possessivsuffixen verbunden werden, etwa sīn-dùùkā „dieser mein Bruder“.

Der Genitiv hat nach Konsonant die Endung -dì, nach Vokal -rì beziehungsweise -r̀, manchmal -ó, besonders nach Palatalstämmen. Eine Genitivverbindung besteht aus Bezugswort, einem kongruierenden Konnektor und dem Nomen im Genitiv. Die Konnektoren lauten kā (Maskulinum), tā (Femininum) und kū (Plural): kūm kā káɲó „Hundefleisch“. Auch Infinitive können im Genitiv stehen; dann endet die Form auf -ndì, etwa gām kū téndì „Dinge des Essens“ beziehungsweise „Dinge zum Essen“. Die Lokativform bezeichnet unter anderem einen Ort und endet auf -dì nach Konsonant und -írá nach Vokal: bòtōldì „auf der Straße“, súgínírá „auf dem Markt“.

Adjektive sind eine begrenzte Wortart und stehen nach ihrem Bezugswort. Manche folgen direkt, etwa gēmsò sámàànē „ein schönes Mädchen“. Andere werden durch einen Konnektor angeschlossen: kī (Maskulinum), tī (Femininum), kū (Plural), etwa kòkīr tī pùrtà „ein weißes Huhn“.

Pronomen und Possessivsuffixe

Das Dangla unterscheidet selbständige Pronomen, Subjektspräfixe, Subjektssuffixe, zwei Reihen von Objektssuffixen sowie Possessivsuffixe. Die Possessivsuffixe am Substantiv sind nahezu identisch mit den Dativsuffixen am Verb. Selbständige Pronomen besitzen Pausal- und Kontextformen; viele Wörter verlieren im Satzkontext ihren Endvokal.

Anders als im Deutschen unterscheidet Dangla in der 2. Person Singular das Geschlecht: kíníŋ/kín „du (mask.)“ gegenüber káníŋ/kán „du (fem.)“. Außerdem gibt es eine inklusive 1. Person Plural für „wir mit dir/euch“ (nììrà/nììr) und eine exklusive für „wir ohne euch“ (nííníŋ/níín). Wichtige Subjektspräfixe sind nō „ich“, nì beziehungsweise ní „wir“, kí „du (mask.)“, ká „du (fem.)“, kú „ihr“, ŋà „er“, cà „sie (Singular)“ und ŋù „sie (Plural)“.

Subjektssuffixe folgen unmittelbar dem Verb, Objektssuffixe schließen sich je nach Konstruktion in Serie 1 oder Serie 2 an. Beispiele für Possessivsuffixe sind -dù „mein“, -jìŋ „dein (mask.)“, -jì „sein“, -tí „ihr (fem.)“, -níŋ „unser (exklusiv)“ und -kòŋ „euer“. Nach Vokal werden einige Suffixe verkürzt und lösen Vokal- oder Tonveränderungen aus: „mein“ -dù wird zu -r, „dein (mask.)“ -jìŋ zu -ɲ und „sein“ -jì zu -y. Das Suffix -tí bewirkt außerdem einen Hochton auf der vorangehenden Silbe.

Einige Körper- und Verwandtschaftsbezeichnungen wie kàà- „Kopf“, bī- „Mund“, tát- „Vater“ und yàà- „Mutter“ werden nie ohne Possessivsuffix verwendet. Für Elternteile sind im Singular Possessivsuffixe ungewöhnlich; man sagt beispielsweise tán-níŋ „unser Vater“ oder yàà-kòŋ „eure Mutter“.

Verbalsystem

Die Verben gehören zu drei Klassen: zur Hochtonklasse, zur Tieftonklasse oder zu den wenigen, häufig gebrauchten Kurzverben mit nur einem Wurzelkonsonanten. Der Infinitiv ist die Zitierform und endet grundsätzlich auf -e. Bei hochtonigen Verben sind alle Silben und die Endung hochtonig, etwa tál-é „sehen“. Bei tieftonigen Verben sind die Silben tieftonig und die Endung mitteltonig, etwa dòr-ē „hören“. Kurzverben haben eine vollere Infinitivform auf -eŋ oder -ɛŋ.

Der Präteritumsstamm endet ebenfalls auf -e. Tieftonige Verben behalten das Muster des Infinitivs, während hochtonige Verben im Präteritum entweder durchgehend Mittelton haben, etwa tāl-ē „sah“, oder zur Tieftonklasse wechseln, etwa kàt-ē „ging“. In der Kontextform fällt das -e aus; dabei kann sein Ton auf die vorherige Silbe übergehen.

Der Präsensstamm enthält ein a-Kennzeichen. Es steht grundsätzlich hinter dem zweiten Wurzelkonsonanten; bei längeren Verben wird es als Infix eingefügt und zusätzlich tritt am Ende -i auf. In der Kontextform fallen -a beziehungsweise -i aus. Hochtonige Verben haben am Präsenskennzeichen meist Hochton, tieftonige meist Mittelton. Nach einem stimmlosen Konsonanten kann auch bei tieftonigen Verben Hochton erscheinen. Die Präsensformen von „kommen“ und „geben“ sind besonders unregelmäßig.

Der Subjunktiv ähnelt dem Präsens, endet aber auf -u. Die Endung lautet -ú bei Hochtonverben und bei Tieftonverben nach einem stimmlosen Konsonanten, sonst -ù. Vor weiteren Suffixen fällt sie häufig aus. Der allein stehende Subjunktiv dient als Befehl an eine Person: àsú „komm!“, íyú „bring!“. Weitere Befehls- und Wunschformen entstehen mit -oŋ für die 2. Person Plural, -tè „ich + du“, -ontè „ich + ihr“ oder mit Subjektpronomen der 1. und 3. Person.

Das Futur wird mit dem Hilfsverb āā, teilweise auch àk, und dem Infinitiv gebildet: géédè āā ɔ̀mlɛ̄ „Gede wird hinausgehen“. Klitika werden grundsätzlich an das Hilfsverb angefügt. Iterative Handlungen werden durch einen Ablautstamm ausgedrückt, etwa káté „gehen“ – kātààwē „immer wieder gehen“.

Satzbau und weitere Konstruktionen

Der normale Satz besteht mindestens aus Subjekt und Verb in dieser Reihenfolge. Das Subjekt kann ein Substantiv oder ein Subjektspräfix sein: īssā dàbsìyē „Issa schlachtete“; cà sāā „sie trinkt“. Subjektssuffixe machen einen Satz unselbständig, sodass er an eine vorherige Äußerung anschließt und im Deutschen oft mit „und“ wiedergegeben wird: tál-jī „und er sieht“. Im Präteritum steht meist zusätzlich -tè, das vor einem weiteren Objektssuffix entfällt. Im Präsens nehmen manche Verben vor Subjekts- oder Objektssuffixen die Erweiterung -gi- an.

Das direkte Objekt steht normalerweise hinter dem Verb und wird durch ein Substantiv oder ein Objektssuffix ausgedrückt. Das Verb steht dabei in der Kontextform und verliert seinen Endvokal: ŋù gīdīy bèrkā „sie kauften eine Kuh“, nō tāl-gā „ich sah ihn“. Bei Präteritumsformen mit Objektssuffixen der 1. und 2. Person tritt zusätzlich -tè auf; nach Objektssuffixen der 3. Person nicht. Ein definites Objekt kann zusätzlich durch ein Objektssuffix markiert werden. Primär intransitive Verben können auch transitiv gebraucht werden, etwa ŋù kāt-gà „sie lassen ihn gehen“.

Wichtige Präpositionen sind kū „Dativ“, āk „in, zu“ und īŋ „mit; und“. Präpositionen stehen offenbar meist mit der Genitivform des Nomens. Der pronominale Dativ wird durch Suffixe am Verb ausgedrückt, die formal den Possessivsuffixen entsprechen: cà àn-kē „sie sagte ihr“. Verben wie káté „gehen“ und gòyē „sitzen, sich befinden, wohnen“ können Ortsangaben direkt als Objekt anschließen.

Nominale Prädikate benötigen keine Kopula: nō dàŋīlè „ich bin ein Dangla-Mann“; íísà gàrpò „Isa ist Schmied“. Negation wird durch ɗúúɗé in der Pausalform beziehungsweise ɗúú in der Kontextform hinter Verb oder Prädikat gebildet: kíí gèdìrē ɗúúɗé „du wirst es nicht schaffen“.

Fragesätze unterscheiden sich syntaktisch kaum von Aussagesätzen. Fragewörter bleiben an der Stelle des Satzglieds, auf das sie sich beziehen, statt an den Satzanfang zu rücken. Satzfragen können eine verlängerte letzte Silbe und besondere Intonation zeigen; optional steht am Ende die Fragepartikel gà. Beispiele sind ŋā māā gà „was ist das?“ und yàà-kòŋ kàt mòŋ gà „wohin ging eure Mutter?“. Zum Grundwortschatz gehören unter anderem ùdā „Auge“, súbbà „drei“, ɾákkí „eins“, téŋ „essen“, dààɗí „Frau“, bèrē „geben“, káté „gehen“, dòrē „hören“, tálé „sehen“, āmày „Wasser“ und ìbìnē „wissen“.