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Comtoise-Uhr

Eine Comtoise-Uhr (kurz: Comtoise, auch Burgunder Uhr und Morbier-Uhr genannt) ist eine französische Pendeluhr aus der französischen Region Franche-Comté.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernmerkmale
  2. 2. Frühe Bauform
  3. 3. Werk und Schlag
  4. 4. Veränderungen im 19. Jahrhundert
  5. 5. Pendeltypen und Hemmung
  6. 6. Sammelobjekt und Vorsicht bei Stücken

Kernmerkmale

Eine Comtoise-Uhr, kurz Comtoise, auch Burgunder Uhr oder Morbier-Uhr genannt, ist eine französische Pendeluhr aus der Region Franche-Comté. Sie wurde von etwa 1680 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in der Nähe von Morez hergestellt. Typisch sind ein Rechenschlagwerk, also ein Schlagwerk, das die Stundenanzahl mechanisch mitzählt, und ein sehr lauter Stundenschlag.

Die Uhr war ursprünglich für einfache Haushalte gedacht, die nur eine einzige Uhr besaßen. Ihr lauter Schlag sollte im ganzen Haus hörbar sein. Außerhalb Frankreichs war die Comtoise bis etwa 1950 kaum bekannt. Später wurde sie ein beliebtes Sammelobjekt für Antiquitätenliebhaber.

Frühe Bauform

Im 18. Jahrhundert war die Comtoise auf gute Transportfähigkeit ausgelegt. Das Pendel bestand aus einer Bleibirne, die an einer aus vielen Gliedern zusammengesetzten Drahtkette hing. Die Gewichte wogen wegen der Konstruktion des Uhrwerks in der Regel jeweils rund fünf Kilogramm. Sie wurden meist nicht mittransportiert, sondern vor Ort von einem Schmied individuell hergestellt.

Das Erscheinungsbild war durch ein schwarzes, fast würfelförmiges Gehäuse geprägt. Dazu kamen ein gewölbtes Email-Zifferblatt mit Bronze-Applikationen und eine Bronze-Bekrönung, häufig in Form des gallischen Hahns. Deshalb werden solche Uhren in Fachkreisen auch „Hähnchenuhr“ genannt. Seitliche Blechtüren ermöglichten den Blick auf das Uhrwerk.

Werk und Schlag

Das Uhrwerk bestand meist aus vier Werkpfeilern, in die große Messingräder mit Trieben eingesetzt waren. Als Hemmung diente die Spindelhemmung. Eine Hemmung ist der Teil einer mechanischen Uhr, der die Bewegung des Räderwerks in gleichmäßige Schritte teilt und so den Gang der Uhr steuert.

Gangwerk und Schlagwerk wurden durch Gewichte an Seilen angetrieben. Die Hähnchenuhr besaß bereits ein Repetierwerk: Die geschlagene Stunde wurde nach zwei Minuten noch einmal wiederholt. Das war besonders nachts nützlich, wenn man zwar vom Schlag geweckt wurde, aber die Anzahl der Schläge nicht mitbekommen hatte.

Veränderungen im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert unterschieden sich die Uhren zunächst nur wenig von älteren Comtoisen. Statt Bronze-Applikationen umgaben nun geprägte Messingschilder mit verschiedenen Motiven das weiterhin aus Email bestehende Zifferblatt. Das Werk wurde zum Vorderschwinger: Das Pendel schwang nun vor den Gewichten statt dahinter. Die Spindelhemmung blieb zunächst erhalten.

Neu war außerdem das Faltpendel, eine zusammenfaltbare Metallstange, die die bekannten Transportprobleme verringerte. Die frühere Bleibirne wurde durch eine dekorative Pendellinse aus Messing ersetzt. Neben dem Schmied spielte nun auch der örtliche Schreiner eine Rolle, weil für viele Uhren dekorative Holzgehäuse hergestellt wurden. Dadurch wurde die Comtoise von der Wand- oder Stuhluhr auch zur Standuhr. Wegen des weiten Pendelausschlags hatten diese Holzgehäuse eine bauchige Form. In der Spätzeit bestanden sie meist aus bemaltem Weichholz. Viele dieser Gehäuse gingen später verloren, weshalb manche ursprünglich für ein Gehäuse gebauten Werke heute ohne Gehäuse als Wanduhren genutzt werden.

Pendeltypen und Hemmung

Weitere Neuerungen des 19. Jahrhunderts waren das Lyra-Pendel und das Prunkpendel aus geprägtem Messingblech. Prunkpendel konnten mit einem Automaten versehen sein. Ein Automat ist hier eine kleine bewegliche Darstellung, meist einer handwerklichen Szene, deren Figuren sich im Takt des Pendels bewegten.

Motive und Bemalung von Prunkpendel und Zifferblatteinfassung waren aufeinander abgestimmt. Weil Lyra- und Prunkpendel deutlich schwerer waren, wurde die Ankerhemmung notwendig. Die ältere Spindelhemmung konnte für das höhere Pendelgewicht nicht mehr genug Kraft zum Vortrieb liefern.

Sammelobjekt und Vorsicht bei Stücken

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Comtoise-Uhren als Antiquitäten beliebt. Besonders in den 1970er Jahren kamen viele Exemplare durch den Handel nach Deutschland. Gesucht sind bis heute vor allem frühe Uhren oder Stücke mit besonderen Funktionen, etwa Viertelstundenschlag, Datumsanzeige, Monatsläufer oder Automaten.

Weil dieser Uhrentyp lange Zeit zu recht hohen Preisen gehandelt wurde, befinden sich auch stark ergänzte oder vollständig aus Einzelteilen unterschiedlicher Herkunft neu zusammengesetzte Stücke im Umlauf. Solche zusammengesetzten Uhren werden als „Mariage“ bezeichnet.

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