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Anendophasie
Anendophasie bezeichnet das weitgehende oder vollständige Fehlen einer inneren Stimme bzw. eines inneren Monologs, also innerer Sprachprozesse beim Denken.
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Bedeutung und Merkmale
Anendophasie bezeichnet das weitgehende oder vollständige Fehlen einer inneren Stimme beziehungsweise eines inneren Monologs. Gemeint sind innere Sprachprozesse beim Denken. Menschen mit Anendophasie berichten typischerweise, dass sie keine oder nur sehr seltene Gedanken als inneres Selbstgespräch erleben, während die meisten Menschen solche inneren Sprachprozesse regelmäßig wahrnehmen.
Gedanken werden von Betroffenen meist nicht als gesprochene oder gehörte Wörter erlebt, sondern etwa als Bilder, abstrakte Konzepte, Szenen oder rein konzeptuelle Prozesse. Anendophasie wird als Kontinuum beschrieben: Es reicht von häufiger innerer Sprache bis zu ihrer nahezu vollständigen Abwesenheit. Schätzungen zufolge betrifft dies etwa 5–10 % der Bevölkerung.
Der Begriff wurde 2024 von Johanne S. K. Nedergaard von der Universität Kopenhagen und Gary Lupyan von der University of Wisconsin-Madison geprägt. Frühere Beobachtungen zu unterschiedlich stark ausgeprägtem innerem Erleben stammen von Russell Hurlburt, der dies seit den 2010er-Jahren erforscht.
Untersuchungen und Einwände
Nedergaard und Lupyan untersuchten 2024 in dem Artikel „Not everybody has an inner voice: Behavioral consequences of Anendophasia“ die kognitiven Folgen in vier experimentellen Studien. Verglichen wurden Erwachsene, die entweder sehr häufig oder sehr selten innere Sprache berichteten.
Personen mit gering ausgeprägter innerer Sprache schnitten in einer Aufgabe zum verbalen Arbeitsgedächtnis schlechter ab. Verbales Arbeitsgedächtnis ist die Fähigkeit, sprachliche Informationen kurzfristig zu speichern und zu verarbeiten. Sie hatten außerdem größere Schwierigkeiten bei Reimurteilen, also bei der Entscheidung, ob Wörter sich reimen. Bei Task-Switching-Aufgaben, dem Wechsel zwischen einfachen Aufgaben, und bei kategorialen Wahrnehmungsurteilen zeigten sich dagegen keine systematischen Gruppenunterschiede.
Die Autorinnen und Autoren folgern daraus, dass Anendophasie vor allem sprachnahe Prozesse wie verbales Arbeitsgedächtnis und lautbasierte Entscheidungen beeinträchtigen könne. Daraus folgten jedoch keine allgemeinen Defizite der kognitiven Kontrolle oder Wahrnehmung. Die Forschung ist noch jung: Kritiker wie Andreas Lind bezweifeln die Existenz der Anendophasie und bewerten die verwendete Methodik als unzureichend.